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unserer Stabt alles zu tun, was Volk und Führer von uns verlangten. Wir haben dieses wort zur Tat gemacht, wir sind siegreich ge­wesen und als das neue Deutschland siegreich

in unsere Vaterstadt eingezogen.

Sie, Herr Oberbürgermeister, haben wahrend Ihrer langen Tätigkeit uns stets Verständnis e n t g e g e n g e b r a ch t und sind uns immer als Freundund Kamerad entgegengetreten. Nicht zuletzt Ihnen haben wir es zu verdanken, daß die Heimat und unsere Stadt Gießen dem großen Werke Adolf Hitlers Freund wurde und

sich zusammenfand unter der Führung unseres großen Führers, der das große Deutsche Reich wieder auf baut und unser Volk dem Auf- entgegenführt.

enn Sie, Herr Oberbürgermeister, nun in den Ruhestand treten, dann wollen wir uns verpflich­

ten und Ihnen den Eid leisten, daß das junge Deutschland seine Ausgabe erkannt hat und sich im Rahmen der Heimat seiner großen Ausgabe immer bewußt ist und Ihr Werk ver­antwortungsbewußt verwalten wird, wie es das Wohl von Volk und Vaterland und das Leben der Nation erfordert.

Weitere Glückwunschansprachen.

Oberregierungsrat Schmidt, der neue Leiter des Finanzamtes Gießen, sprach im Namen sämt­licher Reichsbehörden dem scheidenden Oberbürgermeister für die langjährige Mitarbeit und Zusammenarbeit herzlichen Dank und beste Wünsche für sein ferneres Wohlergehen aus.

Im Namen der städtischen Arbeiter brachte Herr Bastian dem Oberbürgermeister folgenden poeti­schen Abschiedsgruß dar:

Beim Abschied von der Arbeitsstätte, Die Ihnen teuer war und lieb, Grüßt Sie heut jeder Werksgenosse, Aus jedem städtischen Betrieb.

Der Kehrer von der Straßen dorten, Von hoher Leiter der Monteur, Der Heizer glühender Retorten, Der Wachmann von der Feuerwehr. Sie haben siebenundzwanzig Jahre Mit uns gewirkt, geschafft, gestrebt. Ein Vorbild treuster Pflichterfüllung Zum Wohl der Stadt uns vorgelebt. Heut, wo sich unsre Wege scheiden, Wünscht Ihnen noch ein jeder Glück, Nach Müh und Last in bessre Zeiten Führ' Sie ein gütiges Geschick.

Herr Zimmer überbrachte im Namen der An­ge st e l l t e n der Stadt dem scheidenden Chef die herzlichsten Abschiedsgrüße dar. Er erklärte in seiner Ansprache:Der Herr Oberbürgermeister war uns stets ein rechtlich denkender und füh­lender Vorgesetzter, den auch wir ungern verlieren. Wir wünschen ihm daher im Ruhestand von Herzen alles Gute, Gesundheit und bestes Wohlergehen und werden ihm auch in Zu­kunft ein ehrendes Andenken bewahren."

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Hauptmann Schiel sprach im Auftrage des Bataillonskommandeurs und der Gar­nison die herzlichsten Abschiedsgrüße an den scheidenden Oberbürgermeister aus.Jeder einzelne Angehörige der Garnison, von dem Kommandeur bis zum jüngsten Soldaten, hatte immer das Be­wußtsein, daß Sie, sehr geehrter Herr Oberbürger­meister, ein warmes Herz für die Gar­nison haben. Wir wußten, daß Sie jederzeit Ihr Interesse für die Soldaten auch in Ihrem Dienstbereich praktisch in die Tat umge- s e tz t haben. Im Namen des Bataillons habe ich Ihnen unsere besten Wünsche für Ihren ferneren Lebensweg auszusprechen."

Der Verlreier der Beamten pg. Pfeil

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister! Werte Festversammlung!

Als Fachschaftsleiter der Beamten­schaf t der Stadt Gießen ist es mir eine ganz besondere Ehre, Ihnen, Herr Oberbürgermeister, heute, am Tage Ihres Scheidens aus dem Amte, den Dank der gesamten Beamtenschaft zu übermitteln.

In Ihrer zwanzigjährigen Amtszeit als Chef der Verwaltung waren Sie uns stets ein ge­rechter und vorbildlicher Vorgesetzte^

Für die Wünsche Ihrer Untergebenen und Mit­arbeiter hatten Sie stets ein ofsfenes Ohr, und so­weit es irgendwie in Ihrer Möglichkeit stand, waren Sie bestrebt, den Wünschen Rechnung zu tragen. Aber neben all diesen kleinen Wünschen, die allein aus dem Kreise der Beamtenschaft an Sie heran­traten, kamen noch die unendlich vielen Aufgaben, die dem Gemeinwesen dienten. Und dies sind doch wohl die wichtigsten eines Leiters einer Provinzial­hauptstadt wie Gießen. Neben den wirtschaftlichen Gebieten sind auch die Interessen der Universität, die Bildungsstätte der deutschen Jugend, diejenigen einer Garnisonstadt und noch viele andere zur Ver­antwortlichkeit eines Oberbürgermeisters gehörenden Aufgaben zu pflegen und zu betreuen. Schon durch die treue Erfüllung all dieser Pflichten wäre Ihnen der Dank Ihrer Mitarbeiter und Mitbürger gewiß. Aber in welcher Zeit übernahmen Sie das Amt des Oberbürgermeisters? Kaum zum Oberhaupt der

Stadt Gießen gewählt, entbrannte das gewaltige Völkerringen der Weltkrieg. Auch viele brave Söhne unserer Stadt opferten ihr Leben.

Mit starkem Arm und gewissenhafter Pflicht­erfüllung lenkten Sie die Geschicke Gießens auch durch diese schwere Zeit.

Der nun folgende Abschnitt Ihrer Amtstätigkeit, während der Nachkriegszeit, war mindestens ebenso schwer wie der während des Krieges, zumal in dieser Zeit die Funktionäre der roten und schwar­zen Parteien die zum Wohle der Stadt er­wünschte Mitarbeit nicht gerade leisteten. Stand doch bei vielen Vertretern das eigene Wohlergehen im Vordergründe. Aber auch gegenüber diesen Vertretern wußten Sie sich in geeigneter Weise durchzusetzen.

Trotz Inflation und allgemein schlechter Wirt­schaftslage konnten Sie die Finanzen der Stadt Gießen in geordneten Verhältnissen erhalten.

So können Sie jetzt, bei Ihrem Ausscheiden aus dem Amte, das Erbe, das Sie noch im Zweiten Reiche antraten und über die Schmachzeit des Novembersystems hinüberretteten, rein und un- belastet an das Dritte Reich übergeben. Die gesamte Beamtenschaft der Stadt Gießen wird Ihnen stets ein treues Andenken bewahren und wünscht Ihnen einen gesegneten Lebensabend in gesundheitlichem Wohlergehen. Heil Hitler!

Oberbürgermeister Or. Keller:

Ich habe bisher nicht dazu geneigt, im Mittel­punkt einer Feier zu stehen. Ich bin den Absichten, meiner zu gedenken, immer aus dem Wege ge­gangen. Da nun aber die Stadtratsfraktion der NSDAP, den Wunsch hatte, sich von mir in einer besonderen Veranstaltung zu verabschieden, glaubte ich dieser freundlichen und mich außerordentlich ehrenden Absicht mich nicht entziehen zu dürfen, zumal es sich um ein A b s ch i e d n e h m e n han­delt. Mir ist das Herz voll von Dankbarkeit. Wärm st en Dank sage ich allen Rednern für die freundlichen Worte, die sie mir gespendet haben. ;Ich danke ganz besonders aufrichtig der natio­nalsozialistischen Stadtratsfraktion und ihrem verehrten Vorsitzenden, der im Namen seiner Freunde so herzliche Worte an mich rich­tete und mir die Urkunde über meine E r - nennung zum Ehrenbürger von Gie­ßen überreicht hat, herzlichen Dank ferner für die Überreichung des wundervollen Bil-

e s, darstellend die Ansicht der Stadt, für die ich so lange wirken durfte.

Die Fraktion, der im Dritten Reich Adolf Hit­lers die Geschicke der Stabt anvertraut sinb, hat sich dieser Aufgabe mit größtem Verant- wortungsbewuhtsein unb größtem Vflichteifer hingegeben und eine bedeutsame Tätigkeit ent­faltet.

Deutsche Volksgenossen! Liebe Mitbürger!

Nun ist die Stunde gekommen, da ich A b s ch i e d nehme von meinem Amte als Oberbürgermeister.

Nachdem ich im Jahre 1907 zum Beigeordneten unserer Stadt berufen worden war, wurde ich im Januar 1914 zum Oberbürgermeister gewählt und nm 1. April 1914 in dieses Amt eingeführt, das ich 20 Jahre lang verwalten durfte. Es steht nach den iois auf das Jahr 1598 zurückreichenden Feststellun­gen aus dem Stadtarchiv in der Geschichte der Stadt Gießen einzig da, daß ein Bürgermeister »der Oberbürgermeister so lange Zeit an de r Spitze unserer Stadt gewirkt hat, wie ich.

Das macht verständlich, daß ich mit der Stabt Gießen und ihrer Bevölkerung besonders innig verbunden bin und darum der Abschied von meinem Amte mich tief bewegt.

Zwanzig Jahre Oberbürgermeister «nd dazu noch in besonders schwerer Zeit! was )«as alles in sich schließt an äußerem Geschehen und innerem Erleben, an Verantwortung, Mühe und Arbeit, aber auch an Freude und innerer Befrie­digung: das alles im Rahmen einer kurzen Ab- chiedsrede baraulegen, ist schlechterdings unmöglich.

Wenn ich selbst mir darum versage, die Entwick­lung der Stadt Gießen während meiner 20jährigen Amtstätigkeit irgendwie zu berühren und reinen Gewissens dies einer späteren Geschichtsschreibung Iberlasse, so tritt doch, da eine Abschiedsstunde auch

eine Stunde innerer Prüfung und Besinnung ist, in diesem Augenblicke die Frage mir vor die Seele, ob ich in meiner langjährigen Wirksamkeit bis zu ihrem Ende gewissenhaft die Grundsätze befolgt habe, die zu beachten ich bei meinem Eintritt in die Kommunalverwaltung mir oorgenommen hatte. Das waren

Treue, Wahrheit, Gerechtigkeit, Wohlwollen. Diese Grundsätze müssen, wie ich früher wieder­holt betont habe, unser öffentliches kommunales Leben beherrschen und besonders in den Leitern kommunaler Gemeinwesen lebendig fein.

Allen voran die Treue, nach dem schönen bibli­schen Wort, das ich mir zum Grabspruch er­wählt habe:Nun sucht man nicht mehr an den Haushaltern, denn daß sie treu erfunden werden."

In dem heißen Bemühen, diesen Leitsternen zu folgen, wurde es mir leicht, darüber hinwegzukom- 1 men, wenn gelegentlich an einzelnen meiner Maß­nahmen Kritik geübt wurde. Es liegt in dem Wesen des Amtes eines leitenden Kommunalpolitikers wie in dem des Staatsmannes, daß er mitunter Kritik über sich ergehen lassen muß, von der erst die Zu­kunft lehren wird, ob sie berechtigt war oder nicht. Die kommunalen Früchte reifen langsam. Es gilt, der Entwicklung ihren Weg zu bah­nen, auch wenn dieser Weg und das Ziel nicht immer im ersten Ansturm erreicht wird. Man meint, aus einer Höhe zu sein und sieht, daß andere Höhen dahinter sind, die man noch erklimmen muß. Erst wenn die Saat voll aufgegangen ist, wird man den leitenden Kommunalpolitiker ganz verstehen und mit abschließendem Urteil sagen können, wer es war und was er bedeutet.

Eines bleibl, rein örtlich gesehen, gewiß: es muß jeden schaffensfreudigen Wann mit besonderer Genugtuung erfüllen, die Verwaltung einer Stadt wie Gießen zu führen. Denn ungewöhnlich mannigfaltig und außerordentlich bedeulsam sind die Interessen, die hier zu berücksichtigen und zu fördern sind. Universität und Garnison, zahlreiche Reichs- und Staatsbehörden, Indu­strie, handel und Handwerk vieler Arten und Größen, somit Geist und Hand wirkend und schaffend: diese glückliche Wischung st re­dender Kräfte gewährt dem Kommunal­politiker ein äußerst interessantes Bild, stellt ihm vielseitige und wichtige Aufgaben und bürgt für eine gesunde Weiterentwicklung unserer Stadl.

Bei der Uebernahme meines Amtes am 1. April 1914 habe ich in meiner Rede mit Nachdruck be­tont, daß ich als das Rückgrat einer guten Stadt­verwaltung eine vorsichtige unb gesunde Finanzpolitik erachte. Die Treue und Be­harrlichkeit, mit der ich an diesem Grundsatz auch gegenüber dem Drängen allzu großzügiger Projekte­macher festgehalten habe, hüt gute Frucht getragen.

Deine pflichten zum Gelingen -es Groß­kampftages -er Arbeitsschlacht 1934 am Mittwoch, 21. Marz.

In allen Betrieben (Industrie, Gewerbe, Landwirtschaft, Arbeitsdienstlagern, Arbeitsstätten im Freien) soll die Eröffnung des Kamp­fes, bei der der Führer sprechen wird, über­tragen werden. Die RSBO.-Vertreter und Partei­genossen melden der Kreisleitung Gießen die Be­triebe, wo das nicht geschieht. Die Belegschaften sind dazu in besonderen Räumen zusammenzuziehen. Wo das nicht möglich ist, ist in den Arbeitsstätten selbst für ausreichende Uebertragungsmöglichkeit zu sorgen.

Durch kurze, würdevolle Vorfeiern ist auf die Bedeutung des Tages hinzuweisen. Die Vorfeiern müssen bei Beginn der lleberlragung beendet sein. Deshalb sollen die Betriebe rechtzeitig zu der Vorfeier angetreten sein.

In allen Schulen hat eine llebertragung stattzufinden; auch hier soll eine kurze Vorfeier die llebertragung einleiten.

halte besonders große und würdevolle Veran­staltungen im Bilde fest. Stelle diese Auf­nahmen der Kreisleitung Gießen zur Verfügung.

An diesem Tage müssen alle Rund­fun k e m p f a n g s a n l a g e n in Tätigkeit sein. Deutscher Volksgenosse, der du einen Emp­fänger besitzt, lade durch große Schilder an Türen und Fenster, durch mündliche Einladungen und Aufforderungen Rachbarn und Hausgenossen dazu ein, bei dir die llebertragung mitzuhören.

Die Gaststätten sollen ebenfalls durch große Plakate anzeigen, daß in ihren Räumen die Führerrede übertragen wird und jeder Volksgenosse sich diese llebertragung anhören kann.

Die Belegschaft der Arbeitsstellen, bei denen keine llebertragung möglich ist, soll geschlossen (in Warsch- ordnung) eine solche Abhör st elle aufsuchen.

Volksgenossen, die die Bedeutung des Tages vergessen haben sollten, macht man höflich, aber bestimmt darauf aufmerksam und nimmt sie mit nach einer Abhörstelle.

Kreisleitung Gießen.

Schmelz, Kreispropagandaleiter.

Die Schulden der Stadt Gießen find im Verhältnis zu denjenigen anderer Städte sehr gering, die in den Erneuerungs­stöcken ruhenden Rücklagen beträchtlich. Diese vorsichtige und vorsorgliche Finanzpolitik, so unendlich schwer sie angesichts der Finanzgesetz­gebung und der wirtschaftlichen Lage der Nach­kriegszeit auch war, durfte selbstverständlich nicht dahin führen, daß notwendige Aufgaben unerfüllt blieben und in ber Entwicklung der Stadt ein Still­stand eintrat.

Die hessische Staatsregierung hat bei meinem llebertritt in den Ruhestand anerkennend zum Ausdruck gebracht, daß die Stadt Gießen ein auf st redendes Gemeinwesen darstellt und weniger unter den Röten der Rachkriegs- zeit gelitten hat, als andere Städte. Möchten alle meine Rachfolger von der Wahrheit tief durchdrungen sein, daß gesunde Finanzen das

Rückgrat einer guten Stadtverwaltung sind!

Jeder Gießener Bürger weiß, daß ich mich stets großer Zurückhaltung befleißigt habe. Allen äuße­ren Ehrungen und Jubiläen bin ich aus dem Wege gegangen. Ich habe innere Befriedigung gesucht und gefunden in der Arbeit, und zwar in d e r Arbeit, die eine der schönsten ist, der Arbeit für andere, der Arbeit für das öffentliche Wohl. Wenn mir im Laufe meiner langen Amts­tätigkeit wiederholt äußere Zeichen der Ehrung zu­teil geworden sind, so war ich darüber erfreut, unb ich benutze die Gelegenheit, in dieser Abschieds­stunde hierfür nochmals von Herzen zu danken.

Als ich im Jahre 1907 zum Beigeordneten gewählt wurde, war obwohl ich unter zahl­reichen Bewerbern als einziger vom Wahlausschuß vorgeschlagen war die Stimmenmehrheit, die sich in der damaligen Stadtverordnetenversamm­lung auf mich vereinigte, keineswegs eine beträcht­liche, und ich hatte mir überlegt, ob ich die Wahl annehmen solle. Als ich bann mehrere Jahre als Beigeordneter gewirkt hatte und anfangs 1914 der Oberbürgermeisterposten frei wurde, hat die Stadtverordnetenversammlung, ohne die Stelle 3um öffentlichen Wettbewerbe auszuschreiben, mir da s A rn t angeboten und nachdem ich zu­gesagt hatte, mich e i n ft i m m i g zum Oberbürger­meister gewählt und nach 12 Jahren e i n ftim m i g wiedergewählt unb zwar auf Lebens­zeit. In dieser Entwicklung sehe ich die ober» hessische Art, die ich außerordentlich schätze, sich widerspiegeln, die oberhessische Art, die sich nicht voreilig begeistert, nicht allzu rasch erwärmt, sondern lange und sorgfältig prüft und wägt, bann aber mit Treue festhält und vertraut.

Es gehört zu den schönsten Erinnerungen meines Lebens, baß die Gießener Bevölkerung mir mit zunehmendem Vertrauen be­gegnet ist.

schwerere Nachkriegszeit die Finanzen der Stadt in gesundem Zustande zu erhalten.

Ich danke den Stadtverordneten, die in sach­licher und opferwilliger Weise mit mir an der Förderung uvd Entwicklung unserer Stadt zusammen gearbeitet haben.

Aber auch außerhalb des Kreises der Stadtverord­netenversammlung haben viele von edlem Gemein» J finn beseelte Bürger mich bei der Führung mei» I nes Amtes oft freiwillig und freudig unterstützt und dadurch zu lebhaftem Danke verpflichtet. Ich hätte meiner Pflicht als Leiter der städtischen Verwal­tung nicht gerecht werden und den großen Gesamt­aufgaben der Stadt nicht meine uneingeschränkte Aufmerksamkeit zuwenden können, hätte ich mich nicht stützen können auf eine tüchtige Beam­tenschaft und Arbeiterschaft.

Ich danke den Beamten, Angestellten und Ar­beitern, die pflichttreu und diensteifrig wäh­rend meiner Amtszeit zum Wohle der Stadt und ihrer Bevölkerung tätig gewesen sind.

Möchte der Beamten- und Arbeiterschaft, wie ich in meiner Rede vom 1. April 1914 sagte, das Be- ! wußtsein nie verloren gehen, daß keiner für !sich da ist, daß alle dienende Glieder seines Ganzen sind und zum Besten der All­gemeinheit Zusammenarbeiten müssen.

Die Aufgaben einer Stadtverwaltung sind so un­gemein vielseitig, daß es keine Behörde gibt, zu der sie nicht in dienstliche Beziehungen zu treten hat. In den 20 Jahren meiner Wirksamkeit als Ober- Bürgermeister war der amtliche Verkehr der Stadt­verwaltung mit allen hiesigen Behörden immer in bester Weise gestaltet, und

ich bin den Behörden, ihren Vorständen unb Beamten zu großem Danke verpflichtet für bereitwillige Hilfe und Förderung städtischer

Interessen.

Der Leiter einer Stadtverwaltung »muß einen mächtigen Bundesgenossen seiner kommunalen Ar- , beit erblicken in einer aufklärenden, pflichtbewuß- ; ten Presse. Seit einem Menschenalter habe ich die Gießener Presse beobachtet und mit Ge­nugtuung feststellen können, daß sie, besonders in den letzten Jahren, den kommunalen Dingen in zunehmendem Maße ihre Aufmerksamkeit zuge­wendet hat. Ich bin der Gießener Presse für viel­fache, wirksame Unterstützung lebhaft dankbar unb j hoffe, daß sie fortfahren möge, mit gerechtem, fad)- i lichem Urteil ihre hohe Aufgabe im Interesse un- I seres Gemeinwesens zu erfüllen.

Nun will ich zum Schlüsse kommen, da ich den Gefühlen, die mich in dieser Abschiedsstunde be­seelen, doch nicht erschöpfend Ausdruck geben kann, i Am Anfang meiner Rede habe ich ausgesprochen, i daß meine ungewöhnlich lange Amtstätigkeit mich I mit der Stadt Gießen und ihrer Bevölkerung be- I sonders innig verbunden hat und es mich daher tief I bewegt, aus meinem Amte zu scheiden.

Wie kann auch ein Mann an leitender Stelle im öffentlichen Leben wirken, wenn ihm kein Ver­trauen entgegengebracht wird? Ich erblicke den Grund für dieses Vertrauen hauptsächlich darin, daß ich die Menschen niemals nach ihrem Stande, ihrer Vorbildung oder anderen Verschiedenheiten beurteilt habe, sondern stets nur nach ihrem Cha­rakter, ihrer Aufrichtigkeit und Gesin­nung, ihrem F l e i ß e und Können und nach der Treue, mit der Jeder seine Pflicht er­füllt auf jedem Po st en, auch auf dem be­scheidensten.

^ich /tmn aus meinem Amte nicht scheiden, ohne b'-y Pflicht vielfachen, aufrichtigen Dankes ge­nügt zu haben, des herzlichen Dankes an alle, die guten Willens mich bei meiner amtlichen Tätigkeit unterstützt haben.

So danke ich denn vor allem meinen engeren Mitarbeitern in der Verwaltung, die mit größter Pflichttreue und Sachkenntnis, sowie unermüdlichem Eifer mir zur Seite standen. Wenn ich auf die verschiedenen Stadtverordneten­versammlungen zurückblicke, die im Laufe meiner 27jährigen kommunalen Wirksamkeit im Amt waren, so muß ich mit Bedauern feststellen, daß im Kreise der Stadtverordnetenversammlung der Tod reiche Ernte gehalten und nicht weniger als 44 ihrer Mitglieder dahingeraUt hat. Nach der November-Re­volution von 1918 hatte das Getriebe der politischen Parteien sich auch in unserer Stadtverordnetenver­sammlung geltend gemacht. Diesem Beginnen gegen­über war ich mit aller Kraft bemüht, die Tätigkeit der Stadtverordnetenversammlung auf den Boden sachlicher Arbeit zurückzuführen, was mir in zunehmendem Maße auch gelungen ist. Es ist eine in Hessen und außerhalb Hessens allgemein bekannte Tatsache, daß der nunmehr glücklich überwundene Parteienwettstreit in der Gießener Stadtverord­netenversammlung nicht den Einfluß ausgeübt hat, wie in anderen Städten. Das gilt ganz besonders auf dem Gebiete des Finanzwesens, dem Prüfstein, nicht nur wie ich vorhin sagte einer Stadtver­waltung, sondern auch jeder Stadtverordnetenver­sammlung. Mit dankbarer Genugtuung kann ich aussprechen, daß die Stadtverordnetenversammlung mir im wesentlichen gefolgt ist bei meinem Be­mühen, durch die schwere Kriegszeit und die noch

Aber ich muh es bekennen in den herben Schmerz dieser Abschiedsstunde fällt auch ein Sonnenstrahl heller Freude, der Freude, daß mir vergönnt war, so lange Zeit an der Spitze meiner lieben Stadt Gießen zu stehen.

Gießen ist eine schöne Stadt. Umgeben vorn herr­lichen deutschen Wald, dessen würziger Duft den Bürgern Erholung für Körper und Seele gewährt, in unmittelbarer Nähe emporragend tausendjährige Burgen, der Kern der Stadt umgürtet mit der Pracht grüner Anlagen, traulich enge, alte Gassen und neuzeitliche breite Straßen: diesem reizvollen, bunten Bild kann sich niemand entziehen. Und in dieser Stadt eine Bürgerschaft von hin­gehendem Glauben an das Gemeinwesen, von va­terländischer Gesinnung, eine Bürgerschaft von er­probtem Gemeinsinn, mit regem Bürgerfleiße eifrig bemüht, mitzuarbeiten an dem Ausbau des neuen Reiches zu neuer Kraft und zu neuer Größe. Möge in wahrer Volksgemeinschaft der Geist der einen, unteilbaren Bürgerschaft fort unb fort alle Herzen bewegen! Nur dann kann Großes ge­schaffen werden.

Gott schütze, Gott erhalte die Stabt Gießen unb schenke ihr unb ihren Bürgern Glück, Wohlfahrt unb Gedeihen bis in die fernsten Zeiten! So gelten für alle Zukunft meine herz­lichen Segenswünsche der Stadt Gießen, der Stadt, der die Arbeit meines Lebens gewidmet war, der zu dienen mir Ehre und Freude war, deren Ehrenbürger zu sein, mich mit Stolz erfüllt.

Deutsche Volksgenossen, liebe Mitbürger! Die letzten Worte, die ich in amtlicher Eigenschaft in diesem Saale spreche, seien geweiht der Stadt Gießen unb bem deutschen Vater lande. Ich bitte Sie, sich zu erheben und mit mir einzustimmen in den Ruf: Die Stadt Gießen und das deutsche Vaterland, Herr Reichspräsident von Hindenburg unb Herr Volkskanzler Adolf Hitler: Sieg-Heil!

Ergriffen von dem Inhalt der Stunde, aber auch begeistert von der Liebe zur engsten Heimat, zum Vaterland und seinen Führern stimmte die Ver­sammlung in die dreimaligen Sieg-Heil-Rufe ein