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Nr. 245 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Sreltag, 19. Oktober 19Z4

Die Arbeit der Deutschen Kriegsgräberfürsorge.

Bilder berichten über die zweckmäßige Verwendung der Geldspenden zur Herrichtung unserer Heldenfriedhöfe.

Hier ruhen deutsche Soldate n." Diese wenigen Worte gewaltigen, heroischen Inhalts sollen für jeden Besucher der deutschen Krieger­gräber nicht nur ein bloßes Erinnern an ein er­schütternd großes Stuck deutscher Geschichte be­deuten, sondern eine tiefe Mahnung und ein flammendes Bekenntnis zum deut­schen Volkstum überhaupt sein. Diese für alle Zeiten aeweihten Stätten, deren Schutz und Pflege in der Gegenwart eine tiefernste Angelegenheit des ganzen Volkes ist, da sich in ihnen die Größe des Opfermutes, die ehrfurchtsvolle Liebe der Heimat zu denen offenbart, die einst wie eine schützende Mauer sich vor die Grenzen unseres Vaterlandes stellten und ihr Leben für uns dahingaben, können nur im Gei st e der Volksgemeinschaft erfaßt werden.

Sie sind nicht mehr die persönliche Angelegen­heit einzelner, sondern als Denkmal eines gro­ßen Geschehens sind sie aufs engste mit der Volksgeschichle verbunden.

Auf Frankreichs und Flanderns blutgetränktem Boden, in den Tälern der Alpen und Karpathen, auf russisch-polnischen Steppen, auf den Schnee­feldern Sibiriens, am Rand der Bucht von Kiau- tschou und an den Küsten des Weltmeeres, da tönt es uns entgegen:Das taten wir für euch! Wae tut ihr für uns?" Ruht doch im Aus­lands ein Stück deutscher Heimat, die es nicht zu verlassen gilt. Jeder Name im fernen Ost und West, Nord und Süd ein Stück Geschichte, für immer mit blutigem Griffel in das Buch der Weltgeschichte eingeschrieben.

Wie die alten deutschen Dome für alle Zeiten von deutschem Wesen künden, so sollen auch die Kriegsgräberstätten alsein Denkmal dauernder als Erz" den deutschen Stammesbrüdern, wie auch den Angehörigen fremder Nationen sagen: Hier ruhen deutsche Soldate n".

Um nur das Grundsätzliche der Bauweise der deutschen Helbenfriedhöfe darzulegen, so sollen diese Mahnmale in erster Linie den alten Grundsatz der Deutschen Kriegsgräberfürsorge zeigen: Schlicht­heit Einfachheit Würde in der Gesamtanlage. Es soll weiter als bauliches Gestaltungsmoment die Landschaft einbezogen wer­den. Man hat ferner den Baum in der Form des Haines, der Allee, der Gruppe in die Stätte ver­wendet. Als religiöses Motiv tritt das Kreuz auf als Kreuzgruppe, als Hochkreuz, als Grabkreuz entweder im geschloffenen Raume oder in der Natur selbst. Als Blumenschmuck hat vor allem die Rose,

Deutsche Kriegsgräberstätte De Ruyter (Flandern) vor dem Ausbau

durch den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge.

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Kameradengrab auf der deutschen Kriegsgräberstätte Hohrod-Bären- st a l l (Oberelsaß). Vor dem Ausbau durch den Volksbund Deutsche Kriegs­gräberfürsorge e. V.

dann aber auf den Kameradschaftsgräbern die blau schimmernde Laoendelpflanze Verwendung gefun­den. Und dies alles nach einem wohlüberlegten Plane, ohne Schablone, ohne Schema, sondern 'Individuell geprägt und immer den Charakter des Soldatischen, des Heroischen betonend.

Zwei Millionen opferten ihr Leben sür Volk und Vaterland, nur 200 000 ruhen in heimat­licher Erde. 3n Frankreich allein ruhen 947 000 Gefallene, darunter 476 000 in Einzelgräbern, 246 000 in Sammelgräbern und 225 000 Ver­schollene. Von den 200 größeren Friedhöfen in Frankreich waren bis Ende 1933 67 fertig aus­gebaut, 58 find noch in Arbeit, 75 warten noch auf Ausgestaltung.

Spüren wir hier doch am meisten die einschränken­den Bestimmungen des Versailler Vertrages, der

die Pflege der Gräber den ehemaligen Feind­staaten auferlegt. Die Liebe aber, die diese Stätten verlangen, ganz besonders aber einen deutschem Empfinden entsprechenden, würdigen Ausbau kann nur der Deutsche selbst bringen. Diese große Arbeit leistet seit 1919 der Volksbund Deut­sche Kriegsgräberfürsorge.

In Belgien ist wohl diese Arbeit dank der amt­lichen deutschen Kriegergräberfürsorge in Verbin­dung mit dem Volksbund am weitesten fortgeschritten.

Besonders groß ist die in Polen und Gali­zien zu leistende Arbeit, hier ruhen 312 000 deutsche Gefallene auf etwa 6000 Gräberstätten.

In den östlichen Randstaaten Litauen, E st - land, Lettland und F i n n l a d sind die Grä­berstätten ausgebaut. Sehr wenig kann gegenwär­tig für die 17 000 Gräber auf sowjet-russi­

schem Gebiet getan werden. Bedeutend günstiger liegt die Frage des Ausbaues der Soldatengräber in der Tschechoslowakei, in Ungarn, Oesterreich, Italien, Rumänien und I u - g 0 s l a w i e n, wo Vereinbarungen mit den Regie­rungen der betreffenden Länder getroffen worden sind. So geht in Jugoslawien die Totenburg Bitolj (früher Monastir) hoch oben auf einer Bergkuppe gelegen, umgeben von einer mächtigen Mauer, in deren schützendem Ring die Gebeine von 3000 deut­schen Gefallenen ruhen ihrer Vollendung ent­gegen; und auch die Gedächtniskapelle und die pflanzliche Ausgestaltung auf der Kriegsgräberstätte in Smederevo, früher Semendria, wird in diesem Jahr vollendet werden.

Es bedarf keiner besonderen Betonung, daß die Deutschen im Auslande an diesem Werk der Pietät und der Kultur regsten Anteil nehmen.

Denkmal auf der deutschen Kriegsgräberstätte De Ruyter (Flundern). Ausgebaut vom

Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge.

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Kameradengrab auf der deutschen Kriegsgräverstätte Hohrod-Bären- st a l l (Oberelsaß) nach dem Ausbau durch den Volksbund Deutsche Kriegs­gräberfürsorge e. V.

So leisten weite Kreise der deutschstämmigen Bevöl­kerung in Siebenbürgen hingebungsvolle Arbeit. Siebenbürgener Sachsenkinder pflegen die Grabstät­ten. Es ist eine bekannte Tatsache, daß schon lange die Ausländsdeutschen die Feier des Volkstrauer­tages, der nunmehr zum Heldengedächtnistag er­hoben worden ist, würdevoll begingen. Mit diesem Tag schlingt sich ein gemeinsames Band um unser Volk auf dem weiten Erdenrund.

Es ist eine gewaltige Aufgabe, die die deutsche Kriegsgräberfürsorge im Auslande zu leisten hat deutsch in ihrem seelischen Gehalt, deutsch in ihrer künstlerischen Gestalt dabei dem kul­turellen Charakter der femden Kation Rechnung tragend, mit dem endgültigen Ziel: Heimat in fremder Erde!

Schlicht und einfach wie die Seele des Soldaten Riesig und ehrenvoll wie die Größe des Opfers Dauernd und unvergänglich wie das Andenken."

Walter Thomas.

Helft der Kriegsgräberfürsorge!

Tragt durch reiche Spenden am Samstag und Sonntag dazu bei, daß weitere Geldmittel zur Her­richtung deutscher Heldenfriedhöfe auf den Schlacht­feldern des Weltkrieges zur Verfügung stehen!

Der Erlös der Sammlung in Gießen wird verwandt für einen Patenfriedhof der Gießener Kriegsgräberfürf0rge!

Aus der Provinzialhaupistadt.

Wir wollen singen!

Es gibt vielleicht nichts auf der Welt, was eine Druppe von Menschen in gleicher Verbundenheit '.usammenbringt wie das gemeinsam gesungene Üied. Wenn nur alle gewillt sind, miteinanderzu- ;iehen, und wenn jeden dieselbe Lust an der Musik and am Lied erfüllt, bann wird der Chorgesang iine Quelle reinster Freude.

Es kommt gar nicht darauf an, daß man ohne weiteres vom Blatt fingen kann. Es schadet auch crewiß nicht, wenn einmal ein Ton daneben gerät, aber wenn man auf der Tonleiter nicht so hoch Klettern kann, wie der Komponist es vorschreibt. ; oid) gemeinsam eine Melodie erobern, ihr Ton um Ton nachgehen und sie gemeinsam im Liede brin­gen, das ist der Sinn des Chorgesanges.

Wer einmal erlebt hat, wie alle nach dem Munde !;es Führers blicken, der die Melodie oorträgt und üie Begleitung spielt, wie sie dann versuchen, es ; lym gleichzutun im Ausdruck und im An- und Ab- Hwellen des Tones, der hat echte Verbundenheit ^fahren. Eine Stimme tastet sich an die andere hran, die unsicheren suchen Halt bei den stärkeren, i~ alle Stimmen fügen sich ineinander.

Da gibt es kein Vordrängen und kein ängstliches iierfagen, da trägt jeder die gleiche Verantwor­tung, an dem schönen vollen Zusammenklang mit- j helfen und seine Stimme bis ans Ende durchzu- siihren. Nach jedem Lied fühlt man dann voll frreube:Wir können es gut, wir kommen wun- t>«rvoll miteinanber aus, wir stimmen zueinanber!"

Wir Deutschen haben soviel schöne Volkslieber, 6i>- zum Teil schon im Mittelalter entstanben sinb ur b doch immer bie gleichen Saiten ber Seele an- richren unb zum Schwingen bringen. Sie sinb ii: entlief) recht für einen Chor geschaffen, unb wir jirgen sie beim Wanbern unb beim Spielen, wenn

wir fröhlich sinb unb wenn wir ben Tag aus­klingen lassen im gemeinsamen Gesang.

Am schönsten singt es sich abenbs, wenn bie Ge­sichter ber einzelnen in bie Dämmerung hinein­sinken unb nur bie Stimmen zueinander finden. Dann strahlt die Melodie noch einmal auf, groß und feierlich schreitet sie im langsamen Abendchoral, süß und innig schwebt sie als Wiegenlied durch den Raum und löst alle Schwere des Tages in mütter­lich sanften Tönen auf, bis sie selber zur Ruhe kommt und einschläft.

An alle Behörden und Dienststellen des Kreises Gießen

Heute abend 8 Uhr findet in ber Volks­halle z u Gießen bie feierliche Eröffnung des Winterhilfswerks 1 934/35 für den Kreis Gießen statt. Es sprechen Pg Kl 0 st e r m a n n sowie Gaubeauftragter des WHÄ Pg. Hau g. Die Veranstaltung wird durch Darbietungen des hiesigen Stadttheaters verschönt werden. Die Kreisführung des Winterhilfswerkes bittet um rege Teil­nahme aller Behördenoertreter sowie aller Beamten.

Heil Hitler! Kreisführung des Winterhilfswerks. NEDAp. - Amt für Volkswohlfahrt. Kreisamtsleitung Gießen.

An alle Ortsgruppen-, Stützpunkt-, Zellen- und Blockamtsleiter der NSV., sowie Bürgermeister des Kreises Gießen.

An ber am Freitag, 19. Oktober, abends 8 Uhr, in der Volkshalle zu Gießen stattfindenden Eröff­nungsfeier des Winterhilfswerks für den Kreis Gießen, bei ber ber Pg. Klo st ermann, sowie ber Gaubeauftragte des WHW. Pg. Haug spre­

chen, haben alle Amtsleiter ber NSV. unb bie Bür­germeister bes Kreises Gießen teilzunehmen.

Erscheinen ist Pflicht!!

Heil Hitler!

K l ö ß, Kreisamtsleiter.

Achtung! Deutsche! Herhören!

Gestern hat bas Jungvolk die Anzahl der zu sammelnden Brote festgestellt. heute werden die Buben wieder von Tür zu Tür eilen, um die Spen­den in Empfang zu nehmen! Sie wissen, um was es geht! Trage auch du dein Scherflein bei! Es geht um die Armen Deutschlands!

heil Hitler!

Kreisamtsleitung der 3XST3.

Eine Tat

der Volksverbundenheit!

Die Firma A. & W. Denninghoff, Gießen, unterstüht das Winterhilfswerk des Führer mit einer Zahlung von 3000 2Nark.

Die Tonwerke Abend st ern geben 300 Mark.

Wer will, daß in Deutschland ein Volksgenosse hungern und frieren soll? Wer will, daß der Wunsch des Führers, daß kein Volksgenosse hungern und frieren darf, erfüllt wird, der

zeichne Spenden auf das Konto Vezirksspar- kaffe Gießen 4600 oder Postscheckkonto Frank­furt a M. 5979.

heil Hitler!

Kreisamtsleitung der VSV.

Kloß, Kreisamtsleiter.

AuSparteiamtlichenBekanntmachungen

Im NSLB. Kreis Gießen findet am morgi­gen Samstag, 15.30 Uhr, eine Besprechung ber Be­zirks- unb Schulgruppenobleute in ber Oberreal­

schule Gießen statt. Der Bezirk Großen- B u s e ck versammelt sich am morgigen Samstag um 15 Uhr bei Gerlach in Großen-Buseck mit anschlie- ßenber Sitzung ber Arbeitsgemeinschaft Volksschule. In bieser Versammlung müssen alle rückständigen Beiträge bezahlt werden.

Deutsche Arbeiissront.

Kreiswaltung Gießen.

An alle Jungarbeiter und Jungarbeiterinnen.

Am Montag, 22. Oktober, eröffnet die Deutsche Arbeitsfront in feierlicher Weise die außerberufliche Schulung der Jungmitglieder der DAF Die Veran- staltung findet im Cafe Leib statt. Beginn 20.30 Uhr. In Anbetracht der außerordentlichen Wichtigkeit der außerberuflichen Schulung machen wir es sämtlichen Jungarbeitern und Jungarbeiterinnen zur Pflicht, an diesem Eröffnungsabend zu erscheinen. Es spre­chen: Pg. Ruder und Pg. Wagner. Musik wird ausgeführt vom Musikzug der HI.

Humanistische Vorbildung der Theologen.

ELP. Der Landesbischof der Evang. Landeskirche Nassau-Hessen macht darauf aufmerksam, daß die oberste Kirchenbehörde in Zukunft Gewicht darauf legen wird, daß die Studenten der evangelischen Theologie den Besuch des humanistischen Gym­nasiums nachweisen können.

Die nachträgliche Ablegung der Prüfung eines humanistischen Gymnasiums kann nur als Not­behelf gelten, etwa für den Fall, daß der Besuch eines humanistischen Gymnasiums aus räumlichen Gründen unmöglich ist.

Den Dekanaten und Pfarrämtern ist es zur Pflicht gemacht, in ihren Gemeinden immer wieoe» darauf hinzuweisen, daß nach wie vor der Besuch des humanistischen Gymnasiums die normale Vor­aussetzung für das Studium der evangelischen The­ologie ist.

Daten für Rrcitao, 19Oktover.

1693: Gründung der Universität Halle; 1863: der Dichter Gustav Frenssen in Barlt geboren;,