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Nr. 219 Zweites Blatt

Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefien)

Mittwoch, 19. September 1934

GesoUchaststreue dem Gießener Stadttheater!

Fördert die Bühne der oberhessischen Heimat! Werdet Abonnenten!

nationalsozialistischen

Wenn man den Spielplan zelnen bereits vor einiger

überblickt, der im ein»

Zeit ausführlich im

zur Erfüllung des großen Kulturprogramms.

sie den Stätten der Kulturarbeit zuführt, hat es früher leider gefehlt. Die OrganisationKraft durch Freude" hat bisher schon in vielfältigster Weise ge­zeigt, daß sie den Hebel an der richtigen Stelle an­setzt. Darum wäre es wohl empfehlenswert, mit Hilfe dieser Organisation die Veranstaltung von Theaterfahrten aus den verschieden­sten Teilen der Provinz nach Gießen in die Wege zu leiten, zum Nutzen beider Teile und

Mit dieser Einrichtung würde die Reichsbahn im Rahmen unserer engeren Heimat guten D i e n st am Volke leisten und damit ebenfalls den kul­turellen Aufbau fördern. Eine weitere Möglichkeit, die Kunst unseres Gießener Theaters der breitesten Allgemeinheit darzubringen, wäre in der Nutzbar­machung der vorbildlichen Arbeit der N S. - Ge­meinschaftKraft durch Freude" zu er­blicken. An einer derartigen Organisation, die nach

genossen in wahrem Gemeinschaftsgeist ihre Pflicht gegenüber dieser einzigen ständigen Bühne in Oberhessen erfüllen.

Gießener Anzeiger angekündigt wurde, so wird man sagen dürfen, daß er vielseitig ist, und daß die In­tendanz sich augenscheinlich bemüht, jeglichem Ge­schmack Rechnung zu tragen und im Rahmen eines nationalsozialistischen Kulturprogramms jedermann etwas zu bieten. Der Spielplan, der hier dem Be­sucher vorgelegt wird, ist so zusammengestellt, wie ihn grundsätzlich auch eine Großstadtbühne nicht reichhaltiger ihren Abonnenten anbieten kann. Ins­besondere scheint uns in diesem Zusammenhang bemerkenswert, auf die Einbeziehung der Oper und des seriösen Konzertes hinzuweisen, was beides in früheren Jahren gar nicht oder nur ausnahms­weise der Fall war und eigentlich auch über den Arbeitsplan eines Theaters wie unseres Stadt­theaters hinausgeht. Mit demFreischütz" von Weber, derTraviata" von Verdi und Kienzls Kuhreigen" hat man drei Werke ausgewählt, die ihre Volkstümlichkeit und ungebrochene Anziehungs­kraft immer wieder erprobt und bewiesen haben und längst zum eisernen Bestand des klassischen Opernrepertoires gehören. Desgleichen hat man, was die Operette betrifft, in der Zusammenstellung die bewährten älteren Werke bevorzugt, doch sollen auch die Neuheiten der Spielzeit gebührend berück­sichtigt werden, und sogar eine Uraufführung ist angekündigt, was wir bisher in Gießen auf diesem Gebiet noch nicht erlebt haben. Das Rückgrat des Schauspielrepertoires bilden selbstverständlich wie könnte es anders sein die Klassiker. Zu Schillers 175. Geburtstage im November dürfen wir uns auf denWallenstein" freuen; ferner sind mit je einem Werk Goethe, Shakespeare, Moliere, Eichendorfs, Goldoni, Kleist und Grillparzer angekündigt; be­sonders die Neueinstudierungen desKätchens" und vonDer Traum ein Leben" scheinen uns, da Kleist und Grillparzer nie sehr oft auf unfern Spielplä­nen gestanden haben, herzlich zu begrüßen. Eine weitere Uraufführung ist unter den neueren Dra­men angek'indigt- ,.Der Sieaer", ein Stück von Forster, dessenRobinson" vielen Besuchern von der letzten Spielzeit her noch in angenehmer Er­innerung sein dürfte. Auch Ibsen, von dem wir lange nichts mehr gehabt haben, soll wieder ein­mal zu Worte kommen; von den Ausländern sei in dieser Kategorie nur noch Timmermans genannt (Das Spiel von den heiligen drei Königen"), der seit langem in Gießen eine große und getreue Ge­meinde hat. Die heitere Gattung umfaßt alle Spiel­arten von der seriösen Komödie (Anzengruber; sehr zu begrüßen!) bis zum lockeren Schwank. Auch unser Freund Curt Götz, immer wieder gern ge­sehen mit den Seinen, ist vertreten. Das landschaft-

Wer die Sachlage richtig beurteilt, kann nicht im Zweifel darüber sein, daß es sich bei der Gewin­nung eines neuen Abonnentenstammes für das Gießener Stadttheater um mehr handelt als um eine rein wirtschaftliche Angelegenheit. Es dreht sich dabei neben der Sicherung des ungestörten Fort­bestandes der Bühne vor allem um die Aufgabe, dem Stadttheater so ausreichende Mittel darzu­bieten, daß es seine hohe Verpflichtung als Kul- turinsti tut von Rang im Rahmen unserer oberhessischen Heimat lückenlos weiter erfüllen und die Frucht dieses Schaffens einem noch weit größeren Personenkreis als bisher zu­kommen lassen kann. Erstes Erfordernis für die Erfüllung dieser Aufgabe ist einzig und allein die bestmögliche Sicherung des finanziellen Funda­ments durch einen möglichst großen Aban­ne n t e n st a m m , da ohne diese Vorleistung auch die besten künstlerischen Pläne der Intendanz nicht durchführbar sind. In dieser Richtung liegt die moralische Verpflichtung aller Volks­genossen in Stadt und Land, von der wir oben sprachen. Die Stadttheaterintendanz hat für die kommende Spielzeit, nach den bisherigen Disposi­tionen, 30 Veranstaltungen vorgesehen, davon drei Opern, ein Solistenkonzert, zwei Revuen, zehn Operetten und 14 Schau- und Lustspiele. Zur Durchführung dieses Planes sollten alle Volks­genossen auch vor einem Opfer in gewissem Aus­maß nicht zurückschrecken, wenn es erforderlich ist für die weitere gedeihliche Aufbauarbeit des Insti­tuts, das einst alsDenkmal bürgerlichen Gemein­sinns" hier errichtet wurde; eine derartige Förde­rung sollte besonders in einer Zeit, in der der Gemeinsinn mehr denn je zuvor Lebens- grundlage sein soll, von allen wirtschaftlich leistungsfähigen Volksgenossen gern gewährt wer­den. Neben der bereitwilligen und opferfreudigen Förderung unseres Theaters durch die Stadtver­waltung kommt es nach wie vor in höchstem Maße auf die wirtschaftliche Mitarbeit jedes einzel­nen an. Deshalb richtet die Intendanz mit Recht die Forderung an alle wirtschaftlich dazu befähigten Volksgenossen, Abonnent des Gießener Stadttheaters und dadurch Mitkämpfer an dem großen kulturellen Aufbauwerk unserer Gieße­ner Bühne zu werden!

An dem Gießener Theater ist auch die Bevölke­rung desKreises Gießen, ja der Provinz Oberhessen überhaupt in starkem Maße interes­siert. Allerdings haben die Volksgenossen in der Provinz mancherlei Umstände und Sonderleistungen auf sich zu nehmen, wenn sie das Gießener Theater besuchen wollen. Man denke nur an die Eisenbahn­fahrt, die dadurch bedingten Mehrkosten und die Opfer an Zeit infolge der Entfernung. Zur E r - leichterung des Theaterbesuchs durch diese Volksgenossen wäre es vielleicht ratsam, die Reichsbahn würde sich angesichts des neuen Geistes in unserem Staats- und Volksleben nun zu der in früheren Jahren leider vergeblich erstrebten Schaffung von Theaterzügen ent­schließen, etwa von Grünberg, Hungen oder Nidda, Butzbach, Marburg, Herborn usw. nach Gießen.

Die Intendanz des Gießener Stadtthea­ters wendet sich jetzt wieder mit ihrer Wer­bung an die Öffentlichkeit. Es gilt, für die kom­mende Spielzeit unserer Bühne wieder einen Stamm von Abonnenten, wenn irgend möglich noch mehr Abonnenten als früher zu gewinnen. Das ist keine leichte Aufgabe in einer Zeit, in der alle wirtschaftlichen Kräfte der Volks­genossen anzuspannen sind für den Dienst am Volksganzen und an der Familie. Dennoch kann

_____o- . _____l großen Gesichtspunkten bk Volksgenossen zu ge- die Aufgabe gelöst werden, wenn alle Volks- meinsamem kulturellen Erleben zusammengefaßt und

lich gebundene Volksstück wird in diesem Winter, wie sich versteht, besonders liebevoll und eingehend gepflegt werden. MitKrach um Jolanthe" (Jo­lanthe ist keine Frau, sondern ein leibhaftiges Schwein) von August Hinrichs wird die Spielzeit eröffnet werden; wer imKrähenden Hahn" war. wird sich auchJolanthe" nicht entgehen lassen. Den Darmstädter Ernst Elias Niebergall, Ludwig Thoma, und Karl Schönherr finden wir hier eben­falls mit charakteristischen und oft erprobten

Stücken vertreten. Besonderem Interesse dürfte fer­ner grabe bei uns in Gießen Dinglers Wilderer- DramaDie Jäger" begegnen, deren Uraufführung durch die Schult'hes-Truppe seinerzeit einen außer­ordentlich starken Erfolg hatte. Endlich sei zum Schluß an dieVier Nachrichter" erinnert, deren Gastspiel uns versprochen wurde, und die zur Zeit mit ihrem neuen KriminalstückDie Nervensäge" durch Deutschland reisen und allenthalten ein ent­zücktes und stürmisch erheitertes Publikum finden. x

AufWafferftiern vonGießen nachWehlar

Am vergangenen Sonntag fand der erste Fern­lauf auf Wasserski von Gießen nach Wetzlar, auf den starken Lahn-Windungen etwa 18 bis 20 Kilo­meter, statt. Es waren vier Läufer, drei Herren: Müller junior, Pascoe und Herbert, und ein Mäd­chen: Frl. Duill, alle aus Gießen, außerdem bis Dutenhofen und in Wetzlar der Erfinder, Geh. Rat Sommer, beteiligt. Die Läufer wechselten sich, vom Kahn aus aufsteigend, ab. Die erste Rast wurde an der Heuchelheimer Brücke gemacht. Die

Ankunft in Wetzlar geschah um 16.45 Uhr am Steg des Kanuklubs und der Gaststätte des Marine- Vereins. Diese Landestellen sind sehr geeignet zum Auf- und Absteigen. Der ganze Fernlauf, an dem die Bevölkerung bei den Dörfern des Lahntales und auch bei der Ankunft in Wetzlar lebhaftesten Anteil nahm, war außerordentlich interessant und lehrreich. Er bildet einen Markstein in ber Ent­wicklung des Wasser-Skisportes.

Aus der Nrovinzialhauptstadt.

Herbstlaub.

Es reifen schon die roten Berberitzen alternde Astern atmen schwach im Beet ...", so sagt der Dichter zum Abschied des Sommers. So sieht ein Dichter die Zeichen des Herbstes, der in enger Ge­meinschaft mit den Pflanzen und Blumen gelebt hat. Dies Erkennen der Jahreszeit am Leben der Pflanzen ist nicht weit entfernt von der Art, wie das harte Tagewerk des Bauern den Lauf des Jah­res widerspiegelt.

Denn auch der Bauer ist untertan den großen Gesetzen der Natur; er empfindet sicher nicht so sehr die Aenderung der Jahreszeit mit der Seele wie der Dichter. Um so stärker aber spürt er sie an ihrer Wirkung auf den Lauf des Tages, auf den Körper, der nun wieder im kälteren Wind, bei Sturm und Regen feine Arbeit tun muß. Wenn die leuchtenden Farben des Herbstlaubes Wälder und Ufer, Gärten und Wege in die überreiche Schönheit des Herbstes tauchen, dann weiß das Landvolk, daß bald die

harten Tage des Winters da fein werden. Und dies ist die große Schwere des Winters: daß der boden­ständige Mensch ihn so nehmen muß, wie er in sei­ner Landschaft ist, bald als Regen, Sturm und Schlackerschnee, bald als scharfen Frost, als reichen weißen Pulverschnee, der die Wintersaaten schützt. Hierhin lenken sich ganz von selbst die Gedanken, wenn die Bäume kahler werden, wenn die Herbst­stürme das gelbe Laub über Wege und Gürten fegen. Und darum ist es auch natürlich, daß der Bauer nicht viel Worte über die Schönheit des Herbstes macht.

Die Arbeit, die noch bis zum Anfang des Winters geschafft werden muß, läßt ihm auch selten Zeit zu sinnender Betrachtung. Jetzt heißt es noch, die Winterung in den Boden bringen, pflügen und säen, die Winterfurche für die Sommerung geben, und vor allem müssen noch die Hackfrüchte und der letzte Schnitt des Grünfutters geborgen werden. Da ist jdas Grummetheu, später Klee zu trocknen, da sieht der sorgfältige Grünlandbauer die bepackten Reuter

Ein Apfel fliegt über die Maner

23 on Kurt Methke.

In der Gesellschaft bei Wilde kam em Mann zu Kay, der sich als Mister Carey vorstellte.

Mister Wilde erzählte mir, Sie seien Detektiv?" Kay nickte.

Ich interessiere mich lebhaft für Ihren Beruf. Habe eigentlich dafür immer schon Neigung ver­spürt, aber ich fürchte, ich habe keine Anlagen dazu."

Warum nicht?" erwiderte Kay höflich.

Ich sehe zwar in manchen Dingen das Rätsel­hafte, kann es aber nicht erklären. Und das Er­klären macht doch erst den Detektiv aus!"

Allerdings, aber wenn Sie das Rätselhafte als solches erkennen, ist ja schon ein Anfang gemacht."

Ach, das nützt nichts. Sehen Sie, heute beispiels­weise hätte ich gern einmal die Geistesgaben eines Detektivs haben mögen."

Sv?" fragte Kay interessiert.

Ich muß Sie enttäuschen. Was da geschehen ist, war ein Nichts, eine Lappalie. Aber es hat mich gewundert ... und erklären ...?"

Erzählen Sie." ~

Es war, wie gesagt, nichts. Also: Wir wohnen draußen vor der Stadt, hinter unserem Hause liegt ein schöner Garten. Dieser Garten hat eine ziemlich hohe Mauer, hinter der wieder ein anderer Garten mit einem Haus liegt. Wie ich heute in meinem Garten auf und ab gehe, fliegt plötzlich über die Mauer direkt auf meinen Kopf ein Apfel. Der Apfel war geworfen worden, ich konnte mir nur nicht erklären, wer ihn geworfen haben mochte. Denn sehen Sie, in dem Nachbarhaus wohnen lediglich zwei alte Leute, die bestimmt nicht mit Aepfeln werfen "

Ist das das ganze Problem?"

Nicht das ganze. Ich war also mehr erstaunt als verärgert und hob den Apfel auf. Als ich ihn betrachtete, wunderte ich mich noch mehr. Denn der Apfel war angebiffen, und zwar jetzt kommt das, womit ich nicht fertig werde von einem Kinde. Kinderzähne hatten in den Apfel gebissen, winzige Zähnchen."

Ich sehe noch immer nichts Erstaunliches."

Aber ich! Die Leute im Nebengarten haben kein Kind. Und es ist auch keins hingebracht worden. Meine Frau ist gelähmt und sitzt Jahr für Jahr am Fenster. Sie schwort, daß seit Jahren kein einziger Mensch das Nachbarhaus betreten hat. Milchmann, Drötchenmunn und Lebensmittellieferanten geben ihre Waren an der Haustür ab, die immer nur um einen Spalt geöffnet wird. Die Leute, die da woh­nen, find uns schon lange rätselhaft gewesen. Von

er-

Millionär?"

Ja, der bin ich."

Dessen Töchterchen man geraubt hat?

Derselbe. Und durch Sie habe ich es wieder

was sie leben, wissen wir auch nicht. Und nun fliegt plötzlich aus dem Garten ein Apfel, der von einem Kinde angebissen worden ist. Obwohl da drüben gar kein Kind sein kann ...! Aber ich glaube, ich lang» weile Sie ...?"

Kay starrte lange ins Leere.

Plötzlich sprang er auf.Wie lange bleiben Sie noch hier?" fragte er Mister Carey.

Nun, vielleicht noch ein bis zwei Stunden.

Ich würde mich freuen, wenn Sie auf mich warten konnten. Wo ist der Apfel?"

Aber ich verstehe nicht!"

Tut nichts, Sie werden schon noch verstehen. Wo ist der Apfel?"

Bei mir zu Hause."

Gut. Wollen Sie mir einen Gefallen tun? Rufen Sie bei Ihrer Gattin an, sie möchte mir den Apfel aushändigen. Ich muß sofort hin."

Ehe der vollkommen verblüffte Mister Carey noch antworten konnte, war Kay schon verschwunden, und Carey telephonierte, gab den gewünschten Be­scheid, und zerbrach sich den Kopf, was das Ganze eigentlich bedeuten sollte.

Erst nach zwei Stunden kam Kay zuruck, strah­lend über das ganze Gesicht.

Mein lieber Mister Carey, ich beglückwünsche Sie zu Ihrem Scharfsinn! 1lnb dieser Herr", er deutete auf einen neuen Gast, den er mitgebracht hatte,dankt Ihnen ganz besonders."

Mister Carxy machte ein Gesicht, in dem sich tiefste Verständnislosigkeit malte.

Ich ich weiß nicht, was Sie meinen!

Dann lassen Sie es sich von Mister Snyder sagen!" , . . .

Der neue Gast drückte Carey lange und innig die Hand. _

Sie sind Mister Snyder?" fragte Carey.Der

halten!^ r ..

Und Kay klopfte Carey auf die Schulter:

Die Polizei hatte schon lange einen Verdacht auf das alte Ehepaar, das da neben Ihnen wohnt, eben weil niemand wußte, wovon die Leute leben, und weil man beobachtet hatte, daß dort nachts des öfteren Leute aus und ein gehen die zu einer Gangsterbande gehören. Das hat Ihre Gattin na­türlich nicht beobachten können, da sie ja nur tags­über am Fenster saß. Heute abend haben wir die beiden durchtriebenen Verbrecher verhaftet we­gen Kindesraubes."

, Ja, hatten Sie denn Beweise?

Wir haben geblufft. Wir haben Ihren Apfel

vorgewiesen und haben bas ganze Haus durchsucht. Im Keller fanden wir das arme Geschöpf, Mister Snyders kleine Lilian, die uns dann erzählte, daß sie heute heimlich in den Garten geschlüpft gewesen sei und einen Apfel aufgehoben habe. Leider hatte sie ihn nicht essen können, denn der alle Gauner ist dazu gekommen, und das Kind hat den Apfel schnell über die Mauer geworfen, aus Angst vor Strafe, hat ihn über die Mauer geworfen, auf Ihren Kopf."

Und jetzt," lachte strahlend Snyder, der Milliv- när, von dem man eine Riesensumme für die Herausgabe des Kindes hatte erpressen wollen, jetzt sitzt meine Lilian zu Hause und ißt Aepfel."

Donnerwetter", sagte Carey.

Der Pfeil - eine furchtbare Waffe.

In einem verzweifelten Kampf gegen Papuas ist vor kurzem ein englischer Beamter Jahn Mack in Neu-Guinea getötet worden. Mack hatte mit einem Trupp von Polizisten sechs Einbrecher verfolgt, die der Ermordung einer Frau verdächtig waren. In einem Dorf, in das sie sich geflüchtet hatten, suchte er in ein Haus einzudringen, in dem er die Ver­dächtigen vermutete. Dabei wurde er von einem Hagel von Pfeilen überschüttet, von denen einige ihn trafen. Ein Pfeil drang ihm in den Rücken, ein anderer durch den linken Arm, in der Nähe der Schulter, ein dritter blieb in der linken Armhöhle haften, drei weitere gingen durch die Kleider und ritzten seine Brust. Mack ließ sich dadurch nicht hin­dern, mit seinem Revolver auf die Eingeborenen zu schießen und den Eingang zu erzwingen. Er riß selbst die Pfeile aus seinem Rücken und aus seiner Armhöhle und zerbrach sie. Ader als er sich die Wunden von der einzigen weißen Frau in der Nähe, die auf dem Ramu-Goldfeld tätig war, ver­binden ließ, fand diese, daß durch den Pfeilschuß in die Armhöhle die Schlagader des Arms verletzt mar. Er wurde im Flugzeug nach dem Kranken­haus von Salamoa gebracht und starb dort. Man sieht daraus, wie gefährlich die Pfeile der Wilden fein können, auch wenn sie nicht vergiftet sind. Der Pfeil ist in der geübten Hand des Naturmenschen eine furchtbare Waffe. Darüber erzählt der For­schungsreisende Jack Mc Laren, der sich viele Jahre auf den Südseeinseln aufgebalten hat, allerlei In­teressantes in einem englischen Blatt.Besonders wegen der Lautlosigkeit, mit der ein solcher Pfeil- überfall überraschend vor sich gehen kann, ist er in diesen Teilen der Welt am meisten gefürchtet", schreibt er.Man merkt häufig überhaupt erst, was vorgegangen ist, wenn man den Pfeil tief in der Haut 'sitzen hat. Begleitet von einer Anzahl freund-

licher Eingeborener fuhr ich an einem schönen Nach­mittag im Kanu auf einen Fluß im westlichen Teil Neu-Guineas, als plötzlich einige feindliche Wilde in Kanus auf einem unferm Flußarm parallel lau­fenden Gewässer erschienen, das uns durch ein dichtes Palmengebüsch verborgen war. Ni8ht das geringste ' Geräusch wurde wahrgenommen, denn das Sum­men beim Spannen der Sehne ist höchstens einen halben Meter weit hörbar, und der hohe Bogen, in dem die Pfeile über die Gipfel der stolz auf­ragenden Palmen geschossen wurden, brachte es mit sich, daß die Pfeile auf uns vom Himmel herabzu­fallen schienen. Ich ergriff meine Flinte, aber be­vor ich noch die Richtung, aus der der gefährliche Gruß gekommen war, festgestellt hatte, waren die Angreifer fortgerudert. Das Ergebnis dieses blitz­schnell, wirklich wie aus heiterem Himmel, sich ab­spielenden Vorfalls war, daß einer meiner Beglei­ter tödlich im Rücken getroffen war, ein anderer schwer verwundet wurde, und mir ein Pfeil haar­scharf an der Stirn vorbeiging. Seitdem hatte ich immer ein unheimliches Gefühl, wenn ich an einem mit Palmen bestandenen Ufer vorbeifuhr. Viele Kampfbogen der Insulaner, besonders auf den Salomoninseln, sind größer als ein erwachsener Mann, und ein Pfeil wird mit ihnen so schnell ent­sendet, daß das Auge dem Flug kaum folgen kann. Um einen dieser schweren Bogen, die auf den Boden ausgestellt werden, ganz zu spannen, bedarf es un­geheurer Kräfte. Ein mit einer Knochenspitze ver- fehener Pfeil, der von einem solchen Bogen abfliegt, durchschlägt in einer beträchtlichen Entfernung das Fleisch mit derselben Kraft, wie die Kugel. Die Ge­schicklichkeit diefer Bogenschützen ist sehr groß. Ich habe gesehen, wie ein Papua mit einem Pfeil ein Känguruh auf eine Entfernung erlegte, in der auch ein Gewehrschütze eine gute Treffsicherheit hätte Haden müssen. Die Solomoninsulaner holen mit ihren Pfei­len kleine Vögel von den höchsten Baumgipfeln her­unter. Das Bogenschießen wird von frühester Ju­gend an geübt. So beobachtete ich im Golf von Papua einmal eine Anzahl Kinder, die mit kleinen Bogen kleine Pfeile auf bewegliche Ziele abfdjoffen; dazu wurden Kokosnüsse benutzt, die den Abhang eines Hügels herabrollten und die kleinen Schützen erklärten, daß sie die Nüsse an Stelle von Menschen- köpfen benutzten."

docbfcbutnacbricbten.

Professor Dr. Hans Haas, Ordinarius für Re­ligionsgeschichte und Direktor des Religionsgeschicht­lichen Seminars an der Universität Leipzig, ist im Alter von 66 Jahren nach langem, schwerem Leiden g e ft o r b e n.