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Nr. 90 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Mittwoch, l8.Aprll W

Aus Der Provinzialhauptstavt.

Oie höchste Temperatur im April feif 1917.

Seit Jahren wurden im April keine so hohen Temperaturen gemessen, wie 1934. Am gestrigen Tage wurde seit 1917 d i e Höch st e Tempe­ratur von 30 Grad Celsius festgestellt. Im Städtischen Schlachthof werden täglich zur Regulie­rung der Kühlhaustemperaturen die Außentempe­raturen gemessen. Es ist interessant, die jeweils am 17. April, 14 Uhr, gemessene Außentemperatur der Jahre 1917 bis 1934 zu vergleichen:

17. April 1917 2,5 Grad (Schnee)

1918 11

1919 7,5

1920 21

1921 10

1922 10

1923 7,5

1924 12

1925 11

1926 14

1927 10

1928 5

1929 13

1930 8

1931 12

1932 6

1933 11

1934 30

Besonders kraß liegt ein Vergleich der Jahre 1917 und 1934. Im ersteren Jahre war nach den Auf­zeichnungen des Städtischen Schlachthofes am 17. April morgens noch Schneefall zu verzeichnen. 1934 dagegen Hochsommertemperatur.

GA.-Gpendetag verlegt!

Der für den 21. und 22. April vorgesehene S A. - Spendetag muß aus technischen Gründen auf den 2 8. und 2 9. April verschoben werden.

An sämtliche Ortsgruppenbetriebs­warte!

Alle Ortsgruppenbetriebswarte melden bis s p ä - testens Samstag, 21. April, wer von den NSBO.-Mitgliedsrn, die nach dem 30. Januar 1933 gekommen sind, noch nicht der Deutschen Arbeitsfront oder einem der Deutschen Ar­beitsfront angeschlossenen Verband angehört.

Gießen, 17. April 1934.

Heil Hitler!

Gez. Hermann Wagner, Kreisbetriebszellenobmann.

I. A. gez. Hahn, stellvertretender Kreisbetriebszellenobmann.

Am nächsten Samstag, 21. April, findet die Schulung im Haufe der Deutschen Ar­beitsfront um 19 Uhr statt. Es ist dies die letzte Schulung vor der am Samstag, 28. April, stattfindenden Prüfung. Es wird hiermit sämt­lichen Amtswaltern der NSBO. zur Pflicht gemacht, an diesem Schulungsabend teil- zunehmen,'zumal bei der Prüfung der Gaubetriebs­zellenschulungsleiter Pg. Demmer anwesend sein wird. Wer an diesem Schulungsabend der NSBO. nicht teilnimmt, wird rücksichtslos als Amtswalter abgesetzt. Es geht nicht an, daß Amtswalter nur dem Namen nach Amtswalter sind und nicht wissen, was sie durch ihre Tätigkeit für eine Verantwortung für Volk und Bewegung übernehmen. Es kann eben nur weiterhin der Amtswalter sein, und auch nur der in den Besitz der Bestätigung über die Ab­solvierung des Schulungskursus kommen, der tat­sächlich die Schulungskurse besucht hat. Es wird an diesem Abend eine genaue Kontrolle über jeden Amtswalter vorgenommen werden. Ent­schuldigungen gibt es nur in den dringendsten Fällen.

Gießen, 17. April 1934.

Gez. Hahn, Kreisbetriebszellenschulungsleiter.

Gießener Siadtiheaier.

Friedrich Forster: Robinson sott nicht sterben".

Friedrich F o r st e r ist dem Gießener Publikum bereits durch die Aufführungen seines Schülerstücks Der Graue" und seines Wasa-SchauspielsAlle gegen Einen Einer für Alle" bekannt. Sein Ro- Linson-Drama, in dessen Gedankenwelt der am Samstag erschienene Vorbericht aus dem drama­turgischen Büro einführen sollte, hat bereits 1932 in Leipzig seine Uraufführung erlebt.

*

Das ist nun ein ganz anderes Stück als jene beiden, die wir von Forster schon kennen: eine mär­chenhaft heitere und romantische Geschichte, die einem hübschen und wirklich dichterischen Einfall entsprang.

Die Fabel rankt sich um die unsterbliche Gestalt eines Kinderbuches, das doch der Weltliteratur an­gehört, und das auch von den großen Leuten von Zeit zu Zeit wieder gelesen werden müßte.

*

Zwar wird hier nicht etwa Robinson leibhaftig, mit Fellen bekleidet und mit dem Bogen in der Hand, den Papagei auf der Schulter und von seinem Lama begleitet, ins Rampenlicht gestellt: vielmehr sein Erfinder, der Dichter Daniel Defoe, dessen schwierigen Namen wir als Kinder gar nicht und als Erwachsene nur mit Vorsicht und ange­messener Zurückhaltung auszusprechen vermögen.

*

Dieser Daniel Defoe nun, den wir über dem Lesen so schnell vergessen, wird vor uns lebendig in seiner Stadt London um das Jahr 1730, und er ist ein alter und unverdientermaßen ms Elend gekommener, armer und fast blinder Mann, der röllig in der abenteuerlichen Welt seines Buches sbt, das ihn auf der ganzen Welt berühmt gemacht und ihm viel Geld eingebracht hat. Aber das viele Geld ist längst nicht mehr da: Dämel Defoe hat men ungeratenen und liederlichen Sohn namens ! om, der als ein wüster und gewalttätiger

uer das Vermögen seines Vaters an sich gebracht, »erzecht und verspielt hat.

Der alte Dichter ist nur noch ein Schatten, ein Niemand, ein Garnichts, vergessen von der Welt, lon seinen Freunden und vom König von England. Cs kommt so weit, daß der verlorene Sohn dem Unter seinen letzten und einzigen Schatz raubt, die vergilbte und zerrissene Handschrift desRobinson -

Werde Mitglied

der Deutschen Arbeitsfront!

Die Volksgenossen, die noch nicht als Mitglied der Deutschen Arbeitsfront angehören, haben noch Gelegenheit, dies biszum3 0. April 1934 nachzuholen. Vom 1. Mai ab tritt dann endgültige Sperre ein. Aufnahmeanträge müssen an den Wohnorten der einzelnen Antrags­steller bei den örtlichen N S B O. - Dienst­stellen gestellt werden. Für Gießen müssen die Aufnahmen bei der Kreisbetriebszellenabteilung, Schanzenstraße 18, Zimmer 2, getätigt werden. Die Dienststunden sind von 11 bis 12.30 und von 17 bis 18 Uhr. Außer dieser Zeit kann niemand abgefertigt werden.

Gießen, 17. April 1934.

Heil Hitler!

Gez. Hermann Wagner, Kreisbetriebszellenobmann.

I. A. gez. Hahn, stellvertretender Kreisbetriebszellenobmann.

Opfert für die NSV.!

Alle diejenigen, die'sechs Monate lang regelmäßig Beiträge vom Lohn und Gehalt für das WHW. abgeführt haben, erhalten die Abschlußplakette.

Es wird erwartet, daß diese Volksgenossen ihren Opfersinn dadurch krönen, daß sie von nun an ihre

statt. Die Sammlung wird unter der Leitung der Ortsgruppe des Reichsverbands für deutsche Jugend­herbergen von der Hitlerjugend, dem Jungvolk und dem Bund deutscher Mädel durchgeführt. Die Spen­der erhalten als Abzeichen Kirschblüten. Das Er­trägnis der Sammlung wird für den Ausbau des Jugendherbergsnetzes des Gaues verwendet. Es wird an diesem Sonntag in allen Orten, auch den kleinsten, des ganzen Deutschen Reiches gesammelt.

Das neue Hoheitsabzeichen des Reichsheeres in Gießen.

Gemäß VerfügungDer Reichswehrminister 64 c 32 V 3 IVa Heer Nr. 308. 3. 1934" wurde das neue Hoheitsabzeichen des Reichsheeres am 17. April vom Standort Gießen angelegt. Das Hoheits­abzeichen wird an Stelle der früheren Landeskokarde über dem Lorbeerkranz mit Reichskokarde getragen.

Die Irühjahrsoffenfive gegen die Arbeitslosigkeit.

Gewaltig hat die deutsche Frühjahrsoffensive gegen die Arbeitslosigkeit eingesetzt. Unser Führer kämpft mit eiserner Energie, um jedem deutschen Arbeiter sein Brot zu geben. Und es ist wahrlich keine leichte Aufgabe, Millionen Menschen wieder in den Rhytmus der Arbeit zu bringen und viele Millionen Familien damit wieder zu versorgen. Aber unser Führer braucht nicht nur unser Vertrauen, sondern er benötigt auch unsere Mitarbeit.

Fahnen heraus

zum Geburtstag des Führers am Freitag, 20. April! Keine deutsche Familie darf eine Ausnahme machen!

Kreisleitung Gießen:

I.A.: Schmelz, Kreispropcigandaleiier

Zuwendungen der NSV. fürMutter und Kind" zukommen lassen.

Soweit Volksgenossen nachträglich Opfer für den Kampf gegen die Not der Darbenden bringen, kann auch diesen die Plakette als Gedenkmünze verab­folgt werden.

Die NSV. rechnet weiterhin mit der Einsicht und dem Opferwillen aller Deutschen.

Die Gauamtsleitung der NSV.

NSDAP., Ortsgruppe Gießen-Nord.

Amt für Volkswohlfahrt.

Donnerstag, 19. April, findet im Bereich der Ortsgruppe Gießen-Nord eine weitere

Pfundfammlung

statt. Alle Volksgenossen werden auch jetzt wieder gebeten, nach besten Kräften zu geben und die Spenden bereitzuhalten, daß sie beim Erscheinen eines Amtswalters ohne Zeitversäumnis in Emp­fang genommen werden können.

Heil Hitler!

gez. Jäckel, stellv. Ortsgruppenamtsleiter.

Reichswerbe- und Opferiag für das Zugendherbergswerk.

Am Sonntag, dem 22. April, findet anläßlich des Reichswerbe- und Opfertags für das Jugendherbergs- werk eine Straßensammlung mit Büchsen

Jetzt im Frühling hat sich eine Front gebildet, die jung, frisch, lebenstüchtig den Kampf gegen die neroen= zermürbende Arbeitslosigkeit ausgenommen hat. An ihrer Spitze marschiert die dritte große natio- nalsozialistische Geldlotterie £ ü r A r - b e i t s b e s ch a f f u n g , die es sich auch dieses Mal zur besonderen Aufgabe gemacht hat, nicht nur dem deutschen Volke einen neuen Arbeitsfundus zu schenken, sondern auch dem vaterländischen und kameradschaftlichen Empfinden gemäß vielen Deut­schen die Aussicht auf einen Gewinn zu geben. Der Gewinnplan zeigt nicht mehr den übermäßig hohen Hauptgewinn, sondern viele, recht beträchtliche mitt­lere Gewinne an. Die Gewinnanzahl ist darum um fast 50 v. H. gegenüber den vorjährigen Lotte­rien vermehrt worden, und vielen kann sich nun eine Glückstür öffnen. .

Der Trvmpetenruf zu dieser Frühjahroffensive wird wohl darum keine tauben Ohren finden. Das neue braune Los mit den stattlichen Inschriften: Dem Deutschen Volke für Arbeits­beschaffung! wird alle Streitkräfte zum sieg­haften Kampf ums deutsche Glück sichern!

Einheitliche Schwesternschaft.

Durch Verfügung des Stellvertreters des Füh­rers vom 5. Januar 1934 ist das Amt für Volks­wohlfahrt bei der Obersten Leitung der PO. als ein­zige Organisation innerhalb der NSDAP, mit der Bildung einer einheitlichen Schwestern-

Buches, um es beim Trödler zu verkaufen und den Erlös zu vertrinken.

Aber ist auch Defoe vergessen, im Elend und am Randes des Grabes: Robinson, sein Geschöpf, lebt noch unter den Kindern, die den Robinson lie­ben, sich an seinen Abenteuern berauschen und sel­ber im Spiel Robinson und Freitag sein wollen.

Und es ist ein liebenswürdiger Gedanke, daß ge­rade die Kinder es sind, die unter wahrhaft mär­chenhaften und romantischen Umständen mit dem jauchzenden SchlachtrufRobinson soll nicht ster­ben!" dem alten Defoe seinen letzten Schatz retten, ihm noch einmal das Glück ins Haus tragen und alles zum. Besten kehrem

Sie haben nämlich beim Spiel im Park einen hohen Würdenträger und Freund des Königs mit dem Flitzbogen aus Versehen ins Bein geschossen und daheim dafür furchtbare Prügel bezogen; sie beschließen also in einem nächtlichen Palaver, zu fliehen, übers Meer auf eine ferne Insel, und dort Robinson zu fein. Sie brauchen aber dazuein Weib", welches ihnen in ihrer Höhle das Essen kocht oder auch am Spieß brät, und sie fangen sich also ein Mädchen auf der Straße. Dieses Mädchen ist die vierzehnjährige Maud, dasGeistchen" und die getreue Begleiterin des altenOnkel Daniel". Die ist gerade auf dem Wege zum König, um ihm das Unrecht zu klagen, das Tom Defoe an feinem 'Vater, begangen hat; und nun erfahren die stau­nenden Buben, daß der Dichter ihres geliebten Buches lebt, und wie schlecht es ihm geht, und sie machen sich alsbald mit dem SchlachtrufRobinson soll nicht sterben" auf den Kriegspfad, holen den verkommenen Tom, der wirklich die Handschrift ver­kauft bat, aus der SchenkeZum gelben Papagei" und schleppen ihn vor den König, der nun, ganz wie im Märchen, gütig und gerührt, der Geschichte zu einem glücklichen Ende verhilft.

*

Das Schönste daran, und wiederum dichterisch empfunden, ist die Wendung, daß der alte Defoe, der zwar schon selber Robinson zu sein glaubt, aber doch die einsame Insel nie gesehen und die Reise samt allen Abenteuern nie erlebt hat, nun seinen Sohn, der bekehrt und reumütig zurückkehrt und ihm seine kostbare und geliebte Handschrift wieder bringt, übers Meer fahren sieht in die weite, lockende Ferne, von der er selber ein ganzes Leben lang geträumt hat. *

Paul Nieren, Dramaturg, hat mit dieser seiner ersten Inszenierung eine dankbare Aufgabe gefun­

den und sich als Regisseur recht vorteilhaft einge­führt. Die Aufführung war getragen von dem hei­teren Geist und der romantischen Stimmung, die das Stück so anmutig und liebenswert machen. Auch die szenische Form war originell und dem eigentüm­lichen Stil des Schauspiels mit leichter Hand angepaßt. Die acht Bilder wurden in einem feststehenden Rah­men sehr hübsche Entwürfe von Löffler sichtbar, hinter einem Vorhang, der sich als ein überlebensgroßes Titelbild zumRobinson" jeweils über den bunten Begebenheiten des Spiels, öffnete. Alle acht Bilder wurden von einem An­sagen angekündigt, die Verwandlungspausen mit einer leisen Musik im Stile der Zeit (London um 1730) zart überbrückt.

Den Dichter Daniel Defoe gab Herr Neuhaus als alten, noch im Elend würdigen Greis, eine rüh­rende, aber nicht rührselige Gestalt, ganz einge­sponnen in Phantasie und Traum seines Lebens, das mit dem Leben seines berühmten Helden auf eine wunderliche Weise zusammengeflossen ist.

*

Peter Schorn und Oswald Förderer waren die Buben Charly Brown und Jim Drinkwater, als Robinson und Freitag mit Pfeil und Bogen auf dem Kriegspfad, und hatten sich ganz naiv in ihre Rolle hineinversetzt. Ueberhaupt gehörten die Kinderszenen in ihrem ungezwungenen Humor und ihrer urwüch­sigen Begeisterung zu den besten Eindrücken der ge­lungenen Aufführung. Ganz reizend gab Hansi Stadler die kleine Maud Cantley: eine in aller Natürlichkeit, Gläubigkeit und Heiterkeit des Wesens unmittelbar überzeugende und lebendige Gestalt.

*

Karl Löser war ein milder und gütiger König, der weise wie der selige Harun al Raschid unter seinem Volke wandelt und ein Herz hat für die Kinder und für den alten Mann, dem England eines feiner berühmtesten Bücher verdankt. Herr M a r ck s war Tom Defoe und bemühte sich ehrlich, die Wandlung des verlorenen Sohnes glaubhaft zu machen. *

Karl Volck und Elisabeth W i e l a n d e r, Gert Geiger und Sybille Flemming spielten mit Eifer die lustigen Personen der märchenhaften Be­gebenheit; Frau Schubert-Jüngling machte die gute und mütterlich besorgte Mrs. Cantley, und Herr L ü p k e war ein munterer Ansager, der mit feinen wohlgefetzten Kapitelüberschriften allen Leu­ten ausnehmend gefiel.

schäft beauftragt. Der Reichsstatthalter Gauleiter Pg. Sprenger hat Fräulein Helene S u ß l i k mit dem entsprechenden Auftrag für den Gau Hes­sen-Nassau eingesetzt. Die erste Tagung der Kreis­fachbearbeiter für die Schwesternschaft der NSV^ wird am 22. April 1934, 10 Uhr, in Frankfurt a. M., Schulstraße 7, stattfinden.

v Die Gauamtsleitung der NS.-Volkswohlfahrt.

^Sornotiäcn.

Tageskalender für Mittwoch: Stadt­theater: 19.30 bis 22 Uhr,Die Frau ohne Kuß". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Der Flüchtling aus Chikaao". Deutsche Angestelltenschaft: 2M5 Uhr, Cafe Leib, Kundgebung. Ortsgruppe Gießen- Nord: 20.30 Uhr,Stadt Marburg", Block 3 und 4 Blockabend. KDAJ., Bezirksleitung Gießen: 18.30 Uhr, Caf6 Ebel, Schulungsabend mit Vortrag von Kreisleiter Pg. Kloftermann. Bund Nationalsozialistischer Deutscher Juristen, Gruppe Referendare und Assessoren: 17.15 Uhr, Haus der Deutschen Arbeit, Schulungsvortrag von Beigeord­netem Bartholomäus. Ortsgruppe Gießen- Nord: Zelle 1 und 4, 20.15 Uhr,Gambrinus", Zellenabend. Oberhessischer Kunstverein, Turm­haus am Brandplatz: 16 bis 17 Uhr: Ausstellung.

Stadttheater Gießen. Heute, 19.30 Uhr, als 27. Vorstellung im Mittwoch-Abonnement das musikalische Lustspiel:Die Frau ohne Kuß" von Keßler und Kollo.

D i e Deutsche Angestelltenschaft (Unterbezirk Mittelhessen) in der Deutschen Arbeits­front weist nochmals auf die heute im Cafe Leib um 20.15 Uhr stattfindende Kundgebung hin, in der der Bezirksleiter der DA., Pg. R. Stein (Frank­furt a. M.), über die Aufgaben der Deutschen An­gestelltenschaft in der Deutschen Arbeitsfront sprechen wird. Für alle Angestellten ist die Teilnahme an der Kundgebung Pflicht.

*

** Sterbefälle in Gießen. In der Zeit vom 1. bis 15. April verstorben in Gießen: 2.: Wil­helm Albert Johann Christian U ß n e r, 44 Jahre alt, Buddestraße 4; 5.: Elise Reinecke, geb. Horn, Wwe., 87 Jahre alt, Rvvnstraße 28; 8j Juliane Schaub, geb. Bitsch, Ww., 84 Jahre alt, Am Nah- rungsberg 30; 9.: Auguste Tanke, ohne Beruf, 72 Jahre alt, Kreuzplatz 8, Anni Balser, 2 Monate, Weidengasse 5, Marie Jakob, geb. Staffel, Ww., 71 Jahre alt, Marburger Straße 25; 15.: Eduard Wilhelm Bayersdorf, Justizinspektor i. R., 48 Jahre alt, Wilhelmstraße 51; Jakob Bondis, ohne Beruf, 79 Jahre alt, Neustadt 47.

** Explosionsunglück. Gestern gegen 11.20 Uhr ereignete sich an der Ecke Frankfurter Straße und Klinikstroße ein Explosionsunglück. Auf bisher nicht völlig geklärte Weise explodierte an der Arbeitsstelle ausgeströmtes Gas und die unmittelbar dabei befindlichen Arbeiter Wilhelm Deibel, Albert W l o ü a r e k und Rüb erlitten zum Teil schwerere, zum Teil leichtere Brandoerletzungen. Die Verunglückten wurden sofort in die Chirurgische Klinik gebracht, es ist jedoch damit zu rechnen, daß zwei der Betroffenen im Laufe des heutigen Tages wieder aus der Klinik entlassen werden können. Das Feuer, dos im Augenblick der Explosion ent­stand, konnte mit Hilfe von Wasser und oufgeschüt- teter Erde rasch gelöscht werden. Die Ermittlungen über die Ursache des Unglücksfolls sind im Gange.

** 70 Jahre Bauerfcher Gesang ver- e i n. Der Bouerscbe Gesangverein e. V. feierte nm Samstag im Katholischen Vereinshous im Kreise seiner Mitglieder sein 70. Stiftungsfest. Nachdem der Verein aus dem gleichen Anlaß am 17. März in der Neuen Aula ein Jubiläumskonzert zum Besten des Winterhilfswerks unter Leitung von Professor Dr. Temesvary veranstaltet hotte, wirkte er am 26. März bei einer Veranstaltung der NS.-Gemeinschoft ,Kraft durch Freude" im Stadt­theater mit, wobei dos Programm des Jubiläums- Konzertes wiederholt wurde. Bei der nunmehr ab­gehaltenen Vereinsfeier wurden die Chöre des Ju­biläumskonzerts wiederholt. Stef. Temesvary jun. brachte wiederum seine klangvollen Flötensoli zu Gehör, die lebhaften Beifall fanden. Der Vereins- walter Heinrich Ley schilderte in kurzen Zügen den

Es gab reichen Beifall, sogar bei offener Szene. Und auf dem Heimwege werden hoffentlich viele Be­sucher beschlossen haben, den wirklichenRobinson" vom alten Defoe wieder einmal zu lesen. hth.

Zeitschriften.

Das Inselschiff, Zeitschrift für die Freunde des Insel-Verlags, Frühling 1934. Das neue Heft wird eingeleitet durch Worte des Gedächt­nisses an Hugo von Hofmannsthal, der am 1. Fe­bruar dieses Jahres fein 60. Lebensjahr erreicht hätte, und durch fein GedichtEin Traum von großer Magie"; ferner finden wir ein interessantes Kapitel ausJabonah, Abenteuer in der Mongo­lei" von Henning Haslund-Christenfen. Die schöne frühlingsmäßige Betrachtung Friedrich Schnacks über die Auferstehung der Schmetterlinge, dem in der Insel-Bücherei erscheinendenKleinen Schmet­terlingsbuch" entnommen, kennen unsere Leser schon aus dem Vorabdruck im Feuilleton. Von Rainer Maria Rilke liest man die heitereBegegnung" mit Brahms, aus dem Brief an eine Ungenannte, 1912. Walter Hoyer schreibt eine eindringende Kri­tik zu K. H. Waggerls RomanBrot".Das kluge Gretel" ist eines der schalkhaften Schelmenmärchen der Brüder Grimm; es wurde dem unter dem Titel Buntes Spiel" erschienenen dritten und letzten Bande der kleinen Ausgabe in der Insel-Bücherei entnommen. Gedichte von Ernst Bertram, ein Brief von Adalbert Stifter, das KapitelPaderborn" aus einem werdenden BucheDer Weg ins Reich" von Reinhold Schneider feien vom vielseitigen Inhalt des schönen, wie immer von Karl Weißer sorgfällig redigierten Heftes noch hervorgehoben.

Sochschulnachrichtsn.

An der Universität Breslau ist ein Lehrstuhl für osteuropäische Geschichte eingerichtet worden. Zur Uebernahme dieses Lehrstuhls ist Professor Dr. Hans Uebersberger in Wien gewonnen worden, der damit zugleich auch die Leitung des Osteuropa-Instituts übernehmen wird. Professor Uebersberger mar seit seiner Studentenzeit führend in der nationalen und antisemitischen Bewegung Oesterreichs tätig. Bis zur Auflösung der National­sozialistischen Partei in Oesterreich war er Führer der Hochschullehrer im NS.-Lehrerbund Oesterreichs. Während seines Rektorats in Wien 1930/31 er­freute sich die nationalsozialistische Studentenschaft seiner besonderen Förderung.