Nr. 89 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhefien)
Dienstag, (7. April
Deutsches Volk in achtzehn Staaten
Der erste „Atlas des deutschen Lebensraumes". - Gespräch mit Professor Norbert Krebs, seinem Herausgeber.
Von Max Lenz.
Die Preußische Akademie der Wissenschaften hat für Professor Norbert Krebs die Bewilligung der Mittel für einen „Atlas des deutschen Lebensraumes" beantragt.
Seit Jahren geplant, jetzt verwirklicht.
Der Plan, einen „Atlas des deutschen Lebensraumes" zu schaffen, besteht seit langem: bisher fehlte es jedoch immer an den ersoroer- jchen Mitteln zur Durchführung. Bereits im Jahre 1928 hat Professor Krebs. Ordinarius der Geo- zraphie an der Berliner Universität, zusammen mit Geheimrat Albrecht Penck um die Unterstützung !ver Akademie der Wissenschaften nachgesucht. Man rrrklärte sich auch grundsätzlich damit einverstanden;
aber dabei beließ man es. Die geldliche Förderung blieb aus. Erst jetzt ist man darauf wieder zurückgekommen. Das Kultusministerium hat dieses Unternehmen begrüßt und tatkräftige Mitarbeit versprochen. Es kann nun an die Ausführung gegangen werden. Die Vorarbeiten sind schon in Angriff genommen, die Vollendung wird jedoch erst in einigen Jahren möglich sein. Ein großer Stab von Helfern ist erforderlich. Die Kosten dürften sich auf weit mehr als hunderttausend Mark belaufen, aber man darf nicht vergessen, daß es sich dabei um eine wissenschaftlich wie vaterländisch gleichoedeutsame Arbeit handelt. Ja, in der heutigen Zeit des völkischen Wiedererwachens ist ein „Atlas des deutschen Lebensraumes" nicht mehr länger zu entbehren. Denn wie will man den Deutschen klar machen, wo eigentlich überall ihr Volk lebt, wenn man es ihnen nicht einmal bildlich vor Augen führen kann?
Die erste Adolf-Wer-Bniüe inDeuischland
Blick auf die Moselmündung bei Koblenz mit den drei Brücken. Die letzte, weiß leuchtende, ist die neue Adolf-Hitler-Brücke, die größte Betonbogenbrücke Europas, die nach zweieinhalbjähriger Bauzeit am 22. April eingeweiht wird.
Beginn des Reil-Turmers in Ma.
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In Nizza findet jetzt das große Reitturnier statt, an dem sich die besten Mannschaften fast aller europäischen Nationen beteiligen. Deutschland nimmt seit 1870 zum erstenmal an einem Reitturnier auf französischem Boden teil. — Die Offiziellen während der Eröffnung auf der Tribüne, darunter General Freiherr von D a l w i g k, der Leiter der Kavallerieschule Hannover (1) und der Führer der deutschen Mannschaft Freiherr von Waldenfels (2).
Die Schulhaus-Einweihung in Großen-Linden.
Links: Ministerialrat Ringshausen übergibt dem Schulleiter den Schlüssel zum Haus; im Vordergrund rechts Ministerialrat Ringshausen beim Händedruck mit dem Schulleiter Rektor Siegfried. Im Hintergrund rechts Kreisschulrat Dr. Weigand, links Bürgermeister Lang. — Rechts: Die große Menschenmenge vor dem geschmückten neuen Schulhaus.
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Ministerialrat Ringshausen bei seiner Rede.
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Der Schulleiter Rektor Siegfried spricht.
Rundfunkprogramm
Mittwoch, 18. April.
6.05 Uhr: Stuttgart: Gymnastik I. 6.30: Stuttgart: Gymnastik IL 6.55: Stuttgart: Frühmeldungen. 7.10: Stuttgart: Frühkonzert. 1. Servus Wien! 2. Neue Märsche des Dritten Reiches. 8.25 bis 8.45: Stuttgart: Gymnastik. 10: Stuttgart: Nachrichten. 10.10: Schulfunk: „Land an der Saar" — Hörfolge 10.45: Praktische Ratschläge für Küche und Haus. 11: Werbekonzert. 11.50: Sozialdienst. 12: Stuttgart: Mittagskonzert I des Südfunkorchesters. W. A. Mozart. 13: Stuttgart: Nachrichten. 13.20: Stuttgart: MittagskonzertII. Ja, wenn... ... aber wir kriegen was gepfiffen! 13.50: Stuttgart: Nachrichten. 14. Stuttgart: Mittagskonzert III. Vor dem Nickerchen. 14.30. 3 mal 15 Minuten aus dem Sendergebiet. 1. Karlsruhe, 2. Kaiserslautern, 3. Mannheim: Pfälzische Soldatenlieder. Ausführende: Das Landhäufer-Quartett. 15.50: Wirtschaftsbericht. 16: Stuttgart: Nachmittagskonzert. 17.30: Arbeiter dichten! Ausgewählt und eingeleitet von Arthur Pfeiffer, Frankfurt a. M. 17.45: Stunde der Jugend. Von deutscher Sehnsucht! Ein Spiel von Hellmut Werner 18.20: Friedrich List in Frankfurt. Ein Bericht von Fritz Meingast. 18.35. Stuttgart: Deutsch für Deutsche 18.50: Griff ins Heute. 19: Stuttgart' Operettenkonzert des Südfunkorchesters. 20: Nachrichten. 20.10: Von Frankfurt: Reichssendung: Unsere Saar. Den Weg frei zur Verständigung! 20.30: Das Ochsenmenuett. Kleines Zwischenspiel von Hans Feineis. 21.10: „Der Affe sehr possierlich ist, zumal, wenn er vom Apfel frißt!" Hörfolge mit Musik von Dr. Wilhelm Fraenger. 21.45: Ein Hörbericht aus Meckersdorf. 22: Stuttgart: Nachrichten. ,
Volk und Staat.
Den Finnen und Franzosen gegenüber sind wir dadurch im Nachteil, daß bei uns Volk und Staat nicht das Gleiche sind Bekanntlich wohnt ein Drittel aller Deutschen jenseits der Grenzen ihrer Heimat. Wenn man allein aus Europa blickt, so sind sie in nicht weniger als achtzehn Staaten „zuhause". Ueberallhin haben sie die deutsche Kultur mitgenommen — es ist daher wertvoll, einmal eine Anschauung von der Ausdehnung des deutschen Volkstums zu erhalten.
Dabei mußte man aus praktischen Gründen die in abseits gelegenen Bezirken lebenden Deutschen, z. B. Balten, Siebenbürger und Südslawen fortlassen, da ihr Wohngebiet in einem handlichen Atlas keinen Platz mehr hätte finden können. Außerdem will man ja nur den geschlossenen deutschen Lebensraum aufzeigen. Dieser erstreckt sich über eine Flache, deren Grenzen sich von den Niederlanden nach Littauen sowie von Süddänemark nach Südkärnten hinzieht.
Man will alles auf ein noch handliches Blatt bringen: der Maßstab 1:3 Millionen erfordert eine Größe von 43 mal 38 Zentimeter. Würde man noch größere Blätter nehmen, könnte leicht die Ueber- jichtlichkeit leiden; und das soll vermieden werden, selbst auf die Gefahr hin, daß sich sonst manche Einzelheiten stärker betonen ließen.
Aber es erscheint Professor Krebs wesentlicher, die Unterschiede zwischen Westen und Osten mit einem Blick überschauen zu können — und das ist nur bei dieser Beschränkung möglich. Selbstverständlich werden Einzelkarten mit größerem Maßstab als Ergänzung hinzugefügt. Ferner wird eine Reihe von Karten mit kleineren Maßstäben gezeichnet, nämlich dann, wenn es sich empfiehlt, größere Gebiete miteinander zu vergleichen. Im ganzen wird der Atlas 40 bis 50 Karten umfassen.
Vor fünfzig Jahren zum letzten Mal...
Für Deutschland ist ein derartiger Atlas beinahe etwas vollkommen Neues. Der letzte, der angefertigt wurde ist ungefähr so alt wie Professor Krebs. Er wurde im Jahre 1876 von dem bekannten At- lanten-Bearbeiter Richard Andree zusammen mit Oskar P e ch e l herausgegeben. Dieser Atlas hat den Fehler, daß er das jenseits der Reichsgrenzen wohnende Volk unberücksichtigt läßt. Das gleiche gilt von dem für Oesterreich bearbeiteten und ebenfalls über fünfzig Jahre alten Atlas, der inzwischen natürlich längst überholt ist. Es ist in der letzten Zeit lediglich ein Teilatlas für Schlesien herausgekommen. Für Pommern, die Rheinlands und Elfaß-Lothringen sind welche in Vorbereitung. Das ist aber auch alles. Das Ausland ist uns zum Teil darin voraus. Finnland besitzt einen Atlas, der vorbildlich fein könnte. In Frankreich ist einer seit 1931 im Entstehen begriffen, der lieferungsweise erscheint und im Laufe der Zeit achtzig Karten erhalten soll. Der Lebensraum-Atlas hat ganz andere Aufgaben zu erfüllen als der in Arbeit befindliche Sprach-, geschichtliche und Volkskunde-Atlas.
Gliederung in vier Teile.
Dabei werden Hie Zeichnungen von kurzen Erklärungen begleitet werden: die Textseiten werden so eingeheftet, daß sie sich jederzeit entfernen und auswechseln lassen.
Der Inhalt wird in vier Teile gegliedert, der erste Teil befaßt sich mit der physischen Beschaffenheit des Raumes, der zweite ist der Kulturlandschaft gewidmet, der dritte betrachtet den Menschen im Raum, der vierte sucht den kulturellen und politischen Begriff Deutschland herauszuarbeiten und das Wesen seiner Grenzen aufzuzeigen.
Da gibt 6s Karten der Höhenschichten, der Bodenschätze, der wahren Temperaturen, der Wassernutzung, der pflanzengeographifchen Gliederung; da sind Karten vorgesehen über die Umwandlung der Landschaft durch die Menschen, über den Grundbesitz, die Industriegebiete, Städte und. Marktflecken, die Bevölkerungsverteilung, die Volksdichte, die Bevölkerungsoerschiebung in den letzten 50 Jahren, da wird man die Entwicklung des Geburtenüberschusses, die Länderbewegungen, die Sprachgrenzen, Rassenkennzeichnungen, Bekenntnisverbreitung, Siedlungsformen und Berufszusammengehörigkeit erkennen; da wird man schließlich sich über den Zustand Deutschlands in alter Zeit, im 16. Jahrhundert und der Gegenwart unterrichten können, selbstverständ- wird man dabei auch die neue Reichsreform berücksichtigen.
Das alles wissenschaftlich genauestens zu erfassen, bedarf sorgfältiger Tätigkeit, Professor Krebs hat sich als vorläufiges Ziel fünf Jahre gesetzt, aber da er außer auf seine Assistenten noch auf eine Anzahl anderer Mitarbeiter angewiesen ist, hängt es davon ab, ob jeder von ihnen pünktlich seinen Anteil abliefert.
Dabei ergeben sich große Schwierigkeiten. Die fremden Staaten haben zum Teil ihre Berechnungen nach ganz verschiedenen Gesichtspunkten aufgestellt: sie auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen, ist eine der dringlichsten Aufgaben.
Verhältnis zu den Nachbarn.
Der Zweck ist, die Eigenheit des deutschen Raumes und der deutschen Kultur, ihre Gegensätzlichkeit zu den Nachbarn, außerdem aber auch die innige Berührung mit ihnen aufzuzeigen. Dazu muß man aber den Raum innerhalb ihrer Grenzen ganz ausfüllen. Denn erst durch die Hineinstellung des deutschen Volksgebietes in seine Umwelt läßt sich der kulturpolitische und wissenschaftliche Sinn des Atlasses ganz erreichen. Er macht die anderen Arbeiten, die klimatologischen, sprach- und geschichtswissenschaftlichen Kartenwerke keineswegs überflüssig, sondern er ergänzt sie vielmehr. Er wird nur das bringen, was dem Verständnis von Volk und Raum dient.
Man wird — um an zwei Beispielen zu zeigen, was gemeint ist — wohl die Verbreitung der Kulturen der deutschen Wald- und Feldlandschaften, dagegen nicht die Verbreitung bestimmter Kulturge- wachse zeichnen; oder: man wird den Erfolg jahri


