Eine Unterredung mit dem Reichsstatthalter in Hessen Gauleiter Sprenger.
Die organisatorischen Voraussetzungen.
Zusammenfassung und Vereinfachung.
Frankfurt a. M., 16. März. (LPD.) Der Sonderberichterstatter der „Nachtausgabe", Dr. Otto Kriegt, hatte Gelegenheit, den Neichsstatthalter in Hessen, Jakob Sprenger, in Darmstadt zu sprechen.
„Meine vordringlichste Aufgabe", so führte der Reichsstatthalter aus, „war der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit. Diese Aufgabe ist angesichts der hohen Zahl von Arbeitslosen in meinem Gebiet heute noch die wichtigste. Die besondere Not erklärt sich im Rhein-Main-Gebiet dadurch, daß wir sehr viele verarbeitende Industrien haben, denen eigentlich nur durch Exportmöglichkeit geholfen werden kann. Dieser Weg zur Ausfuhr ist vorläufig noch nicht zu schaffen. Wir werden uns im Jahre 1934 ganz besonders im Rahmen und Zweck der Arbeitsbeschaffung der Förderung der Ausfuhr widmen müssen.
Ich habe vorweg die wohlverdiente Versorgung der alten Kämpfer der nationalsozialistischen Bewegung in meinem Gaugebiet vollständig durchgeführt. Von den alten Parteigenossen mit der Nummer 1 bis 300 000 ist jeder wieder an die Arbeit herangebracht.
Ich habe im Laufe desJahres 1933 außer dem besonderen Ausschuß für die Durchführung und Ueber- wachung der Arbeitsbeschaffung im rhein-mainifchen Wirtschaftsgebiet noch folgende Verbände gegründet:
1. Den Rhein - Mainischen Garantie- verband GmbH., und zwar zur Erleichterung der Finanzierung der öffentlichen und privaten Aufträge in der Arbeitsbeschaffung.
2. Den Landesplanungsverband des rhein-mainifchen Gebietes e. V. zur gemeinsamen Planung von Siedlungen, Straßenbauten und Verkehrsunternehmungen.
3. Den Rhein - Mainischen Industrie- und Handelstag als Zusammenfassung der' Preußischen Industrie- und Handelskammer für das rhein-mainifche Wirtschaftsgebiet im Zusammenhang mit sämtlichen Industrie- und Handelskammern des Landes Hessen.
4. Den Rhein - Maimfchen Verband deutscher Presse, und zwar zum Zusammenschluß aller Presseorganifationen in diesem Gebiete.
5. Den Landesverkehrsverband Rhein- Main zum Zusammenschluß aller Verkehrs- organifationen.
6 Ans meine Anregung ist eine Außenhandel s st e l l e für das Rhein-Main-Gebiet im Rahmen der Handelskammer durch Reichsgesetz geschaffen worden. Daraus ergibt sich schon ohne weiteres die Wichtigkeit des rhein-maini- schen Gebietes für den Export.
7. Im Rahmen des«Rhein-Mainischen Jndustrie- und Handelstages habe ich eine besondere Organisation für den Einzelhandel gebildet.
8. Bildung des Rhein-Mainischen Handwerkstages.
9. Zusammenschluß der landwirtschaftlichen Genossenschaften für das ganze Gebiet.
10. Bildung der Hessen-Nassauischen Bauernschaft als Lanbesbauernschaft im Zuge der Maßnahmen des Reichsbauernführers.
Alle diese Organisationen gelten nicht etwa nur für das Land Hessen, sondern für den ganzen Gau. Ich habe außerdem eine Elektro-Gas- Front ^bildet, die im kleinen die Arbeitsbeschaffung besorgt und uns sehr viele Vorteile gebracht .hat. Dann wurde in unserem Gebiet mit dem Autostraßenbau begonnen. Der Führer Adolf -Hitler hat den ersten Spatenstich für die erste 'Autostraße in unserem Gebiet getan und damit ,zum Ausdruck gebracht, wie ernst und außerge- nvöhnlich die Verhältnisse in unserem Gebiet liegen, nvie sehr aber auch bei uns die Organisation der Arbeitsbeschaffung von vornherein richtig in die -Hand genommen wurde. Heute kann ruhig gesagt
werden, daß der erste Spatenstich für die erste Reichsautobahn überhaupt die Eröffnung der Arbeitsschlacht in Deutschland gewesen ist.
Ich habe aber auch auf dem Gebiete der Verwaltung sofort Maßnahmen ergriffen, die damals noch sehr ungewöhnlich waren. Als erste Maßnahme habe ich, bevor ich überhaupt irgendetwas anderes in dem mir als Reichsstatthaller übertragenen Gebiet tat, die Gesandtschaft des Landes Hessen in Berlin
aufgehoben. Den parteipolitischen Gesandten habe ich sofort entlassen und als erstes Land in Deutschland angeordnet, daß bis zu einer endgültigen Regelung dieser Einrichtung in Berlin nur noch .Vertretung Hessens beim Reich' zu nennen sei. Außerdem habe ich d i e hessische Regierung auf den einfach st en Nenner gebracht, nämlich auf einen Minister. Jede überflüssige Bürokratie ist beseitigt."
Besondere Hilfe für die Notstandsgebiete.
Neue Dörfer durch Meliorationen. - Oie Ausfuhrindustrien Hanaus und Offenbachs. — Hilfe für den Weinbau.
Das Winterhilfswerk zeigte in unserem Gebiet eine ganz große Opferwilligkeit, besonders auch bei derAblieferung de r-Land wirtschaft an Getreide, Mehl und Kartoffeln. Wir stehen auf dem Gebiete der Durchführung des Winterhilfswerks mit an der Spitze der Gaue Deutschlands. Dabei ist aber zu beachten, daß wir besondere Notstandsgebiete haben, und zwar im hohen Westerwald, im Vogelsberg und inüerRhön. Trotzdem haben auch dort die Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen eingesetzt. Im Land Hessen, wo die entsprechende Gesetzgebung vorhanden ist, schaffen wir durch die Flurbereinigung und Entwässerung sogar die Gründung neuer Dörfer, und zwar im Ried, zwischen Bensheim und Worms und im Westerwald. Durch Meliorationen könnten wir, besonders im letzteren Gebiet, noch weitere Bauernsiedlungen schaffen. Aber die preußische Gesetzgebung gibt uns da noch nicht die notwendige Bewegungsfreiheit, die wir haben müssen. Als besonderes Notstandsgebiet muß Hanau betrachtet werden, dessen Edel- steinverarbeitung ebenso wenig in Fluß kommen konnte wie die bekannte O f f e n b a ch e r Lederindustrie. Diese beiden Industriezweige werden noch so lange Schwierigkeiten haben, wie es nicht gelingt, die Ausfuhr nennenswert auf die Beine zu bringen. Ein weiteres Notstandsgebiet war das Weinbaugebiet, wo außerdem besonders der Schaumwein hergestellt wird. Hier sind die größten Sorgen überwunden, nachdem die Sektsteuer gefallen ist. Wir haben außergewöhnliche Umsätze gehabt, die wie vorauszusehen war, auch die Ingangsetzung der gesamten Nebenindustrien nach sich gezogen habe und einer außergewöhnlichen Anzahl von Menschen wieder Arbeit und den Bauern Weinabsatz verschafft haben.
Zu der Förderung des Deutschtums im Saargebiet haben wir dadurch beigetragen, daß eine besonders große Anzahl von S a a r k i n - dern in unserm Gebiet untergebracht wurde. Dadurch haben sich Eltern und Kinder davon überzeugt, wie Deutschland wieder aufgebaut wird. Gelegentlich der Saarkundgebung am Niederwalddenkmal haben Tausende deutscher Männer von der Saar den Führer sehen und sich persönlich den Eindruck verschaffen können, wie es in Deutschland oorwärts- Zeht..
Auch im Kulturleben gehen wir neue Wege. In meinem Gebiet verfügt heute jeder Oberbann der Hitlerjugend über seine eigene Schule, womit wir für die nationalsozialistische Erziehung eine feste Grundlage geschaffen haben. Die vorhandenen Kulturstätten sollen zunächst belebt werden. In Frankfurt ist dieser Weg bereits erprobt und hat zu einem Aufschwung der Theater geführt, wodurch eine allgemeine Teilnahme am Kulturleben wieder erreicht ist. Für ganz außergewöhnlich große Veranstaltungen der Organisation „Kraft durch Freude" haben wir gerade in unserem Gebiet besondere Möglichkeiten mit der großen Festhalle in Frankfurt a. M., mit der Elisenhöhe bei Bingen gegenüber dem Niederwalddenkmal und mit dem Feldberg im Taunus sowie anderen historischen Stätten, an denen unser Gebiet sehr reich ist. In Vorbereitung befinden sich mehrere Thingplätze.
Das Programm für die Arbeitsschlacht 4934.
Es bleibt nur noch die Frage zu erörtern, was wir 1 9 3 4 erreichen können. Manches hängt dabei natürlich auch von den zukünftigen innerpolitischen Maßnahmen ab. Ich werde den Hauptstoß 1934 wieder gegen d i e Arbeitslos i gk e i t ansetzen. Die seitherige öffentlich-rechtliche Arbeitsbeschaffung und die Er w e i t e r u n g des Arbeitsdienstes haben den freien Arbeitsmarkt schon nennenswert gelockert. Die in Aussicht genommenen Steuererleichterun- g e n werden der freien Wirtschaft weiteren Auftrieb geben. Es werden aber neue Arbeitsbesch a f f u n g s m a ß n a h m e n öffentlich- rechtlicher Natur für das rhein-mai'nische Gebiet nicht zu vermeiden sein, da eben die Exportindustrie auch im laufenden Jahre noch nicht die große Entfaltung haben wird, die zu erhoffen wäre. Was aus innerer Kraft in unserem Gebiet erreicht werden kann, wird durchgeführt werden, besonders auch im Zusammenhang mit der Weiterführung der Autobahnen, deren Bau sehr viele andere Industrien, insbesondere die Steinindustrie, angeregt hat und ingang- halten wird. Wir sind mit unseren besonderen organisatorischen Maßnahmen für die Arbeitsbeschaffung in der Lage, allen Anforderungen des Führers gerecht zu werden und jeder öffentlich-rechtlichen Hilfe noch durch eigene Kraft besondere Wirksamkeit zu geben.
Neuer russisch-japanischer Zwischenfall an der Ostchinabahn.
Tokio, 17. März. (DNB.) Wie amtlich mitgeteilt wird, haben die japanischen Behörden in der Mandschurei am 10. März auf der Station Po gran i- t sch na ja eine Untersuchung des Eisenbahndepots eingeleitet, um den Bestand der Lokomotiven und des übrigen rollenden Materials zu überprüfen. Es habe Veranlassung zu der Annahme vorgelegen, daß dieRussen rollendes Material für sich behielten, das der chinesischen Ostbahn gehöre. Obwohl die russischen Behörden der japanischen Kommission den Zutritt zu den Depots verweigerten, nahm diese dennoch eigenmächtig eine Durchsuchung des Depots vor. Krifsnstimmung in derGchweiz
Bor einer Umbildung des Bundesrats.
Genf, 16. März. (DNB.) Der Kampf um die Umbildung der Regierung, deren Ansehen durch den Fehlschlag der Volksabstimmung über das Staatsschutzgesetz erschüttert zu sein scheint, geht in Bern hinter verschlossenen Türen weiter. Bundesrat M u sy hat dem Bundesrat ein politisches, wirtschaftliches und soziales Programm in acht Punkten übergeben, von dessen Annahme er sein Verbleiben im Amt abhängig gemacht hat. Die „Suisse" glaubt, daß der Bundesrat diese Bedingungen des Finanzministers nicht an- nehmen werde. Für den Fall eines R ü ck -
♦ fg Mufys soll Me Bundesversammlung einer außerordentlichen Tagung zusammen- cken, da man bis zum 22. März unmöglich zwei neue Minister finden kann. Trotzdem werden schon jetzt Namen genannt, darunter der konservative katholische Abgeordnete Maederaus (St. Gallen) und Nationalrat Ludwig aus Basel. Gleichzeitig kommt in der westschweizerischen Presse eine starke Kritik über die Regierungsweise der gegenwärtigen Regierung zum Ausdruck. Es wird eine Verjüngung des Bundesrats verlangt, da nur so die schwebenden Aufgaben bewältigt werden könnten.
Gesteigerte Kaufkraft — erhöhter Fleischverbrauch.
Die soeben veröffentlichten amtlichen Ziffern über den deutschen Fleischverbrauch im Jahr 1933 bestätigen erneut die Richtigkeit der von der nationalsozialistischen Politik eingeleiteten Wirtschaftspolitik. Es ist gelungen, den Rückgang des Fleischverbrauchs aufzuhalten und sogar eine wesentliche Verbrauchs st eigerung je Kopf der Bevölkerung zu erzielen. Gegenüber dem 4. Vierteljahr 1932 hat sich der Fleischverbrauch je Kopf der Bevölkerung von 13,24 Kilogramm auf 13,81 Kilogramm erhöht. Besonders erfreulich ist dabei die Tatsache, daß die Vermehrung des Verbrauchs nicht mit einer Senkung der Preise verbunden war. Es zeigt sich hier, daß die allgemeine Wirtschaftsbelebung bereits eine Steigerung der Nachfrage nach Fleisch hervorgerufen hat. Auch bei dem durchschnittlichen Gewicht der Schlachttiere sind beträchtliche Verschiebungen eingetreten. Die Anzahl der Schweineschlachtungen ging um etwa 800 000 Stück zurück, während die Fleischmenge aus den Schweineschlachtungen um etwa 610 000 Doppelzentner zugenommen hat. Wir sehen daraus, daß die von der Reichsregierung erstrebte Ausdehnung der Mast von Fettschweinen bereits zu beträchtlichen Erfolgen geführt hat.
Kleine politische Nachrichten.
Reichsjustizkommissar Dr. Frank spricht am Dienstag, dem 20. März, im Deutschlandsender über das Thema: „Der deutsche Rechtsstaat Adolf Hitlers".
Kirchenamtlich wird mitgeteilt: Der evangelische Äüon Berlin Dr. Karow hat beantragt, ihn ’i in den Ruhestand zu versetzen. Der Reichsbischof hat dem Antrag entsprochen. Dr. Karow tritt zunächst einen längeren Urlaub an.
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Der Oberpräsident der Provinz Ostpreußen hat die „O st p r eu ß i s ch e Zeitung" in Königsberg auf Grund der Verordnung des Herrn Reichspräsidenten zum Schutze des deutschen Volkes auf die Dauer von 14 Tagen verboten.
Wettervoraussage.
Die Störungstätigkeit hält weiter an. Durch die über die britischen Inseln herannahenden Wirbel gelangt fortgesetzt ozeanische Luft nach Deutschland und gestaltet den Witterungscharakter veränderlich. Boi wechselhafter Bewölkung, die teils durch Aufheiterung unterbrochen wird, treten zeitweise schauerartige Niederschläge auf. Die Temperaturen sind dabei infolge 5er Zufuhr der Westluft und dem vorübergehenden Durchdringen der Sonnenstrahlen gewissen Schwankungen unterworfen.
Vorhersage für Sonntag: Wechselnd bewölkt mit Aufheiterung, Temperaturen wenig verändert, vereinzelte schauerartige Niederschläge.
Vorhersage für Montag: Fortdauer des wechselhaften Westwetters.
Lufttemperaturen am 16. März: mittags 8,3 Grad Celsius, abends 4 Grad; am 17. März: morgens 1,3 Grad. Maximum 10,1 Grad, Minimum 1,1 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 15. März: abends 4,5 Grad; am 16. Mürz: morgens 2,4 Grad Celsius. — Niederschläge 0,7 mm. — Sonnenscheindauer 6% Stunden.
Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot, für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. II. 34: 11 600. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K. G., sämtlich in Gießen.
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