Nr. 41 viertes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Samstag, l7. Zebruar 1954
Der zweite Opfertag des VOA.
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Am Freitag, dem 23. Februar, veranstaltet der Volksbund für das Deutschtum im Ausland seinen zweiten Opfertag für das Winterhilfswerk. — Unser Bild zeigt das Ausstanzen der Abzeichen im sächsischen Notstandsgebiet. Das Abzeichen zeigt diesmal den VDA.-Wirnpel und wird in einer Auflage von 20 Millionen Stück hergestellt.
Vom Schauplatz des Wiener Bürgerkriegs.
Das Innere des Arbeiter-Kaffeehauses „Goethehof", das im Mittelpunkt der Kämpfe stand nach der Niederringung des Aufstandes.
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Oer „Luchs" im Gau Hessen.
Von Geheimrat
Im „Gießener Anzeiger" vom 30. Januar wird üb-er das Auftauchen des Luchses in W e r- b,rf bei Wetzlar berichtet.
Genannt ist als Berichterstatter für fraglichen Aufsatz Herr Jagdaufseher F., der durch langjährigen Dienst in Ungarn den Luchs und seine Jagd Innen soll — so wird in dem Aufsatze gesagt —. Er „berichtet außerordentlich klar und interessant über den Niß mehrerer Rehe". F. folgert: „Ich be- hcupte steif und fest, es war der Luchs."
Am 27. Januar ist kurz vor der Haltestelle ein ler angefahren worden. (Ein Bahnsteigschaffner hcbe nachgesehen und gemeldet: „Es läge ein Tier w ischen den Schienen mit ganz langen Ohren und Difem Schwanz, hätte die Farbe wie ein Reh (es sei aber kein Reh und auch kein Hund). Bei seinem Mherkommen hätte es hinten nicht aufgekonnt, an them Auge hätte es geblutet, und mit den Vorderbeinen nach ihm geschlagen. Die beiden wecken daraufhin einen Jäger gegenüber der Haltestelle, und ncch etwa 20 Minuten begaben sie sich zu dritt an die bewußte Stelle, aber das Tier hatte sich indischen wieder erholt und war weg." „Zwischen br Schienen lag eine kleine Schweißlache und dickbreiiger Kot. Auf einer stark bereiften Stelle be- (aiöen sich zwei Trittsiegel."
In jagdlichen Belangen hielt ich (Verfasser) es tir geboten, der Sache auf den Grund zu gehen. Bor allen Dingen wollte ich Blutspuren auf den NiEursprung untersuchen. In Werdorf belehrte auch Herr Jagdaufseher Freitag, der Erfahrun- oen aus Ungarn haben soll, wie der Luchs und kctzenarten überhaupt rauben. Als ich dann die fririge an ihn richtete, ob er schon einmal einen Luchs gesehen habe, erhielt ich die kleinlaute Ant- D?rt „ja ausgestopft!" Auch hat er auf Be- frogen zugegeben, noch keiner Luchsjagd bei- xewohnt zu haben. Nach weiterem Ausforschen ge- iDinn ich die Ueberzeugung, daß er auch über die 9'öße der Luchsspur eine falsche Ansicht hat. Am Drte zwischen den Schienengleisen wurde mir von Harrn Freitag in Gegenwart des Herrn Bahnhofsvorstehers die Stelle gezeigt, wo das fragliche Tier bt-erfahren worden roar. Reste der „Blutlache" D(Ten nicht zu finden. Der Herr Bahnhofsvorsteher |ag:te, es seien nur Blutspritzer gewesen; dem wurde nicht widersprochen. Herr Freitag zeigte dann den ,gelben Kot des Luchses", nahm die mulmige fast
Or. Olt, Gießen.
trockene Masse in die Hand, und nun stellte sich heraus, daß es moderndes Brot war.
Einige Tage später konnte ich den Streckenarbeiter Mandler aus Aßlar, der gleich nachdem das Tier angefahren worden war, dieses besichtigte, mündlich befragen. Er sagte mit aller Bestimmtheit, es sei ein Schäferhund gewesen, den er mit der Laterne beleuchtet und so genau betrachtet habe, daß er ihn bei einer Begegnung wiedererkennen werde. Der Hund sei hinten gelähmt gewesen. Herr Mandler sagte mir noch, es sei ihm zugemutet worden, den verunglückten Hund totzuschlagen, er habe das verweigert, um nicht etwa haften zu müssen. Ueber den Vorfall sei viel gelogen worden, man habe ihn aber nicht zur Aufklärung befragt.
Hierzu bemerke ich, daß Herr Mandler einen sehr vertrauenerweckenden Eindruck macht und frei von Phantasie, klar und bestimmt sich ausdrückt.
Seit bald 50 Jahren befasse ich mich systematisch mit der Erforschung der Krankheiten des Wildes. Ohne Ueberhebung darf ich wohl sagen, daß noch niemand soviel Fallwild und gerissene Rehe untersucht hat, wie ich. In dem mir unterstellten veterinär-pathologisch-anatomischen Institut fallen an manchen Tagen mehrere Rehe an. In einem Falle sind zwei Hunde an einem Reh überrascht worden, dem zwei Rippen durchbißen waren. Auch hatte es Fleischwunden und Schrammen der Haut. Solche Verletzungen werden von Unkundigen als Kralleneingriffe des Luchses gedeutet. Daß Hunde recht oft an gewilderten Rehen den Kopf abnagen, ist mir von zahlreichen früheren und in jüngster Zeit vorgekommenen Fällen aus den letzten Tagen bekannt. Gestern ist mir ein Schaf zur Obduktion zugegangen, das ein Hund am Halse tödlich verletzt hat.
Oberförster Swart, Abtshagen in Pommern, hat in der „Deutschen Jägerzeitung" vom 12. Mai 1933 eine beachtenswerte Abhandlung über wildernde Hunde veröffentlicht, aus der ich einige Sätze herausgreife. „Der Schweißgenuß peitscht die Leidenschaft der wildernden zum äußersten auf, sie reißen aus Gier, nicht mehr, um sich an ihrer Beute vollzufressen." „Wahllos wird gerissen, was ihnen in den Weg kommt Kein Wunder also, wenn die Klagen über diese Pest für unsere Wildbahnen in jagdlichen Zeitschriften nicht verstummen wollen."
Ost wird das Jagdgebiet täglich oder nächtlich kilo
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Mussolinis Napoleons-Drama in Berlin.
Eine Szene aus dem Schauspiel „100 Tage", das. der Duce verfaßte, und das jetzt mit Werner Krauß als „Napoleon" im Staatlichen Schauspielhaus in Berlin feine reichsdeutsche Erstaufführung erlebte.
Jeder einmal Lokomotivführer.
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Irn Hauptbahnhos Leipzig veranstaltet die Reichsbahn gegenwärtig eine Ausstellung, die einen Ueberbtitf über den modernsten Stand der Verkehrstechnik bietet. Besonderen Anklang findet der Führerstand in der Schnellzuglokomotive, auf dem sich jeder Junge selbst wie ein Lokomotivführer vorkommen kann.
meterweise durchstreift. Ich habe es erlebt, daß ein wildernder Hund einen Jagdgefährten in einem acht Kilometer abgelegenen Dors gefunden hatte; habe auch Hunde abgeschossen, die zehn Kilometer vom Tatort zu Hause waren. Der Schäferhund ist, wie ich selbst erfahren habe, ohne weiteres fähig, Rotwild (Hirsche) zu reißen. Swart erzählt von einem Schäferhund, der mit einem schwarzen Viehhund früh jagte. Ein flüchtender Hirsch wurde gesehen, „ein Hase ohne Kops und ein Hirschkalb gefunden, aus dessen Halsschlagader noch Schweiß rieselte. Nach kurzer Zeit kehrte der eine Hund zum Kalb wieder zurück und wurde abgeschossen."
Dazu bemerte ich, daß im Gau Hessen die wilderndem Hunde, besonders die der Rasse „Schäferhund", genau so in unseren Wäldern ihrer Mord- gier stöhnen wie in Pommern, Schlesien und anderen Gebieten. Durch das Ueberhandnehmen der Schäferhunde wird diese Pest unserer Wildstände immer schlimmer. Fast jeder, der sich einen Hund zulegt, verfällt auf den blutgierigen Schäferhund, als gäbe es keine anderen Rossen.
Das Reißen der Rehe unter den Erscheinungen, für die der vermeintliche Luchs verantwortlich gemacht wird — abgebissener Kopf und Kralleneingriffe — hat nicht aufgehört, im Gegenteil, die Pest unter dem Wilde steigert sich ständig, wie Mitteilungen und Einsendungen bis zum heutigen Tage beweisen.
Es ist an der Zeit, daß endlich einmal die Jägerwelt zielsicher Stellung zu dieser Frage nimmt, jeden im Revier strolchenden Hund abschießt, Magen- und Darminhalt auf Wildbret untersuchen läßt, und die Hundebesitzer für den angerichteten Schaden haftbar macht.
Kirche und Schule.
Dekanatskonferenz der Geistlichen des evangelischen Dekanats Gietzen.
Die zweite Konferenz tagte am Donnerstag im Markussaal unter dem Vorsitz von Dekan Gußmann; sie wurde von Pfarrossistent Bernbeck (Lollar) mit Schriftlesung und Gebet eröffnet. Nach Besprechung einer Reihe dienstlicher Fragen hielt dieser einen Vortrag: „Die deutsche evangelische Kirche und ihre Volksdeutschen Aufgaben jenseits der Grenze". Der Vortrag war ein interessanter Gong durch alle Gebiete, mitunter durch eigene Eindrücke belebt; auch Proben aus auslanddeutschen Zeitungen dienten der Veranschaulichung. Von einem lebendigen, geistigen Austausch, auch der Theologen kann man sich viel versprechen. Der Vortrag wurde von einer lebhaften Aussprache beantwortet.
Bund deutscher Gebrauchsgraphiker (Bezirk Hessen-Nassau.)
Fachverband in der Reichskammer der bildenden Künste.
Auf Grund des Reichskulturkammergesetzes vom 22. September 1933 ist der „Bund deutscher Gebrauchsgraphiker" (BDG.) in die „Reichskammer der bildenden Künste" eingegliedert. Der Bund ist der einzige und allein zuständige Fachoerband für alle auf dem großen Gebiete der Gebrauchsgraphik schaffenden Künstler. Wer nicht Mitglied des Bundes ist, darf in Zukunft nicht mehr Aufträge ausführen, die dieses Gebiet betreffen.
Also: der BDG. in der Reichskammer der bildenden Künste ist die Z w a n g s o r g a n i f a t i o n für alle diejenigen Künstler, Die selbständig oder als Angestellte Schutzmarken, Signete, Geschäftsformulare, Warenpackungen, Plakate, Inserate, Kataloge, Prospekte, Lichtreklame, Messestände, Schrifttypen, Buchausstattungen, Illustrationen, Ehrenurkunden, Exlibris, Gelegenheitsgraphik ufw. entwerfen und zeichnen.
Die von dem unterzeichneten Bezirksvorsitzenden, Maler und Graphiker Albert W i n d i s ch, berufene und von dem Leiter der Landesstelle Hessen-Nassau der Reichskammer der bildenden Künste, Herrn Architekt B l a 11 n e r, bestätigte Aufnahme- kommis f i o n entscheidet unter dem Vorsitz des Bezirksvorsitzenden über die beantragte Aufnahme.
Die von der Aufnahme endgültig ausgeschlossenen Antragsteller haben das Recht, nach Verlauf von 12 Monaten ihre Aufnahme erneut zu beantragen.
Die Aufnahme neuer Mitglieder erfolgt ausschließlich im zuständigen Bundesbezirk und ist bei dem Unterzeichneten zu beantragen, bei dem auch die Aufnahmeformulare, die in zwei Stücken auszufüllen sind, vormittags zwischen 10 und 12 Uhr abzuholen sind. Auswärtigen Bewerbern können die Formulare auf Wunsch zugesandt werden. Nach Zurücksendung der ausgefüllten Formulare an den Unterzeichneten erfolgt Mitteilung. Nach erfolgter Aufnahme hat jedes neue Mitglied einige feiner Arbeiten an das Bundesarchiv nach Berlin (für Ausstellungszwecke ufw.) einzureichen.
Hiermit werden jetzt alle im Bezirk Hessen-Nassau und Hessen auf dem Gebiete der Gebrauchsgraphik tätigen Künstler, die noch nicht Mitglied des seitherigen BDG. waren, aufgefordert, umgehend ihrck Aufnahme in die Reichskammer der bildenden Künste (Fachverband BDG.) bei dem Unterzeichneten zu beantragen. Diejenigen Künstler, deren Aufnahme noch durch das frühere Reichskartell (Gau Heffen-Mittelrhein) erfolgte, gelten als Mit- glieder der Reichskammer.
Albert W i n d i f ch , Frankfurt a. M. 1, Am Dornbusch 9, Fernruf 58 204.


