Ausgabe 
16.2.1934
 
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Amtsverkündigungsblatt

für die provinzraldirektion Oberheffen und für das Kreisamt Gießen

7 Erscheint Dienstag und Freitag. 16t Februar 2lur durch die Post zu beziehen. 1934

Inhaltsübersicht: Verwendung von Instrumenten beim Gesangunterricht in den Schulen. Die Maß- und Gewichtspolizei und die Durchführung der Nacheichung im Kreise Gießen im Jahre 1934. Feldbereinigung Trohe. Dienstnachrichten.

Betr.; Verwendung von Instrumenten beim Gesangunterricht in den Schulen.

An die Schulvorstände der Landgemeinden des Kreises.

Das nachstehende Ausschreiben des Hess. Staatsministeriums, Ministerialabteilung für Bildungswesen, Kultus, Kunst und VolkS- tnm teilen wir Ihnen zur Kenntnis und Beachtung mit.

Gießen, den 13. Februar 1934.

Hessisches Kreisschulamt. I. V.: Weigand.

Das schönste Instrument ist die menschliche Stimme. Dement­sprechend ist der Musikunterricht in den Schulen hauptsächlich Ge­sangunterricht. Dabei ist den Schülern die Notenkenntnis beizu­bringen und das Absingen vom Blatt vorzubereiten.

(5's empfiehlt sich, nicht an den gewohntenSchulliedern" nur deshalb kleben zu bleiben, weil sie althergebracht sind,' sie sind oft musikalisch minderwertig. Altes Liedgut ist daher in neuer Form nach Art unserer Jugendsingbewegung heranzuzieyen. Auch hier muß ein heroischer Zug in den Vordergrund treten.

Gestützt und ausgestaltet kann der Gesangunterricht werden durch Musikinstrumente aller Art. Ein reines Mundharmonika- Orchester wirkt auf die Dauer ermüdend und ist in seiner musi­kalischen Wirkung begrenzt. Eine Mischnug von Mundharmonika und Ziehharmonika mit (Block-) -Flöten ist zu empfehlen. Im all­gemeinen muß es genügen, die Instrumente im Rahmen des Ge- sangunterrichts heranzuziehen, auch wenn es gilt, Schulfeiern auszugestalten. Bei weitergehenden Bedürfnissen ist ein Orchester außerhalb des schulischen Rahmens nur insoweit zuzulassen, als es die Schüler nicht belastet und nicht zu viel Unruhe in das Schulleben hineinträgt. t

Unter Hinweis auf die katastrophale Lage der deutschen Mup instrumenten-Jndustrie empfehlen wir Ihnen, beim Einkauf von Instrumenten aller Art stets selbst nur deutsche Marken zu wählen und in und außerhalb der Schule immer wieder auf diese Seite nationaler Pflicht nachdrücklichst aufmerksam zu machen.

In gleicher Reihenfolge und angemessenem Abstande wird die polizeiliche Maß- und Gewichtsrevision stattfinden.

Jeder Besitzer eichpflichtiger Gegenstände, soweit er namhaft gemacht worden ist, erhält durch das Eichamt eine Aufforderung zur Nacheichung, worin Tag und Tageszeit der Einlieferung an­gegeben ist. Die Einhaltung des Eichtermins ist zur raschen Ab­wicklung der Eichgeschäfte dringend erforderlich. Interessenten, die keine Aufforderung erhalten, sind ebenfalls verpflichtet, ihre eichpflichtigen Gegenstände zum obengenannten Zeitpunkt zur Nacheichung vorzulegen.

Die Gegenstände sind gehörig hergerichtet und gereinigt zu der auf dem Anforderungszettel festgesetzten Zeit einzuliefern.

Sind Reparaturen an Waagen nötig, so empfehlen wir, solche nur nach Anforderung von Kostenvoranschlägen von einem Fach manne ausführen zu lassen. Die Auftragserteilung für die Repa­ratur ist Sache des Besitzers. Die Eichbeamten haben damit nichts zu tun, und die Waagenreparaturschlosser sind nicht Beauftragte der Eichbehörde, sondern private Gewerbetreibende.

Die Neigungswaagen, Schaltgewichtswaagen sowie solche Gegenstände, die wegen ihrer Größe oder Befestigung am Auf­stellungsort oder ähnlichen Gründen nicht eingeliefert werden können, werden auf besonderen Antrag am Standort des Gegen­standes nachgeeicht.

Eichungen, die am Ausstellungsort der Gegenstände stattfinden sollen, sind während der Eichtage beim Eichamt zu beantragen, widrigenfalls der nicht ermäßigte Mindestgebührenzuschlag (5 Ml.) in Ansatz gebracht wird.

Es empfiehlt sich, daß die Bürgermeistereien den Beginn der Eichtage in ortsüblicher Weise bekannt geben lassen und kurz vor­her nochmals darauf Hinweisen. Eine Benachrichtigung betreffs Tag, Tageszeit und Anzahl der je Tag abzufertigenden Inter­essenten wird den Bürgermeistereien durch das Eichamt Gießen rechtzeitig zugehen.

Gießen, den 14. Februar 1934.

Hessisches Kreisamt Gießen. J. V.: Schmidt.

Bekanntmachung

betreffend die Maß- und Gewichtspolizei und die Durchführung der Nacheichung im Kreise Gießen im Jahre 1934.

Die in zweijähriger Wiederkehr gesetzlich vorgeschriebene Nach­eichung der im eichpflichtigen Verkehr befindlichen Meßgeräte sdas sind Längen- und Flüssigkeitsmaße, Meßwerkzeuge für Flüssig­keiten, Hohlmaße, Gewichte und transportable HandelSwaagen bis ausschließlich 3000 Kilogramm) soll im Kreise Gießen dem­nächst beginnen und nach folgendem Rundreiseplan durchgeführt werden.

Zur Durchführung der Nacheichung werden örtliche Eichtage in nachstehender Reihenfolge abgehalten:

Vom Hessischen Eichamt Gießen aus:

Am 7. März in Wieseck,' .

Am 13. März in Großen-Buseck, zugleich für Alten-Buseck, Trohe, Rödgen und Beuern;

Am 21. März in Burkhardsfelden, zugleich für Hattenrod und Oppenrod;

Am 22. März in Reiskirchen, zugleich für Bersrod, Saasen mit Bollnbach, Winnerod und Lindenstruth;

Am 9. April in Ettingshausen, zugleich für Harbach, Queckborn, Münster und Ober-Bessingen.

Im Bedarfsfälle mehr als einen Tag.

Anmerkung: Die Gemeinde Röthges nimmt an dem Eichtag in Laubach (Kreis Schotten) am 16. April d. I., Stockhausen und Weickartshain am Eichtag in Lardenbach (Kreis Schotten) am 23. April d.J. teil. Der Einlieferungstag wird den Gemeinden durch das Eichamt Gießen besonders mitgeteilt.

Es empfiehlt sich, daß die Bürgermeistereien den Beginn der Eichtage in ortsüblicher Weise bekanntmachen lassen und kurz vorher nochmals darauf Hinweisen.

Gießen, den 14. Februar 1934.

Hessisches Kreisamt Gießen. I. V.: Schmidt.

Bekanntmachung.

Betr.: Feldbereinigung Trohe; hier: Hauptgeldausgleich.

In der Zeit vom 14. Februar bis einschließlich 20. Februar 1934 liegen auf dem Amtszimmer der Hessischen Bürgermeisterei zu Trohe

das Hauptgeldausgleichungsverzeichnis nebst Abschrift des Artikels 42 aus dem Feldbereinigungsgesetz, worauf ich die dinglich Berechtigten und insbesondere Hypothekengläubiger ausdrücklich Hinweise, zur Einsicht der Beteiligten offen.

Einwendungen hiergegen sind bei Meldung des Ausschlusses während der Offenlegungszeit daselbst, schriftlich und mit Gründen versehen, einzureich§n.

Friedberg, den 7. Februar 1934.

Der Hess. Feldbereinigungskommissar.

J.V.: Wingefeld.

Dienstnachrichten des Kreisamts.

-Wilhelm Meckel II. zu Röthges wurde zum kommissarischen Beigeordneten der Gemeinde Röthges bestellt und verpflichtet.

Druck der Brühl'sch en Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.

Meinungsverschiedenheilen über grundlegende Punkte zuvorzukommen, habe die italienische Regierung die gleichzeitige Veröffentlichung einer Verlautba­rung in den drei Hauptstädten vorgeschlagen, die den gemeinsamen Wunsch der drei Wachte, daß die Unabhängigkeit und Unversehrtheit Oesterreichs geachtet werden müsse, aussprechen würde.

Daily Telegraph" meldet, daß der Vorschlag einer gemeinsamen Erklärung von dem tsche­choslowakischen Außenmini st er Be­tt e s ch bei seinem Vesuch in London besprochen worden sei. Die Meldung dagegen, daß der ita­lienische Botschafter G r a n d i dem englischen Außenminister Sir John Simon bereits einen Ent­wurf der geplanten Erklärung vorgelegt habe, sei nicht zutreffend. Die englische Regierung müsse sich noch darüber entscheiden, ob sie sich einer gemein­samen Erklärung anschliehen könne. Aber das eine könne unzweideutig sofort gesagt werden: Die eng­lische Regierung werde keine Erklärung unterschreiben, die irgendeine neue Verpflichtung für England oder in ande­ren Worten irgendein Versprechen oder eine Garantie zur Verteidigung Oesterreichs durch militärische Aktion mit sich bringen würde. Die englische Regierung, so meldet auch der sozia­listischeDaily herald", lehne es durch­aus ab, irgend etwas zu tun, was in irgendeiner Weife als eine Billigung des Verhaltens der österreichischen Regierung aufgefaßt werden könnte.

Ein phantastischer plan.

Tschechische Sozialisten wollen den Schutz­bündlern zu Hilfe kommen.

Budapest, 16. Febr. (DNB.)Pesti hirlap" veröffentlicht einen Wiener Sonderbericht, wonach ein Plan bestanden haben soll, nach dem aus der Preßburger Gegend bei einem Kampf um

und Polizeistreifen sind aus dem Stratzenvud ver-, schwunden. Die Straßenbahnen verkeh­ren wieder in vollem Umfange. Theater und Kinos öffnen am Samstag wieder. Die öffentlichen Gebäude werden nach wie vor von Truppen und Polizei bewacht. Durch die Straßen ziehen größere Truppen- und Heimwehrabteilungen. Die Poli­zei- und das S i ch e r h e i t s k o r p s, die in den letzten Tagen ununterbrochen in die Kämpfe ein­gesetzt waren, sind heute zur Erholung in die Kasernen zurückgezogen worden. In den Außenbezirken und in den großen Kampf­abschnitten wird die militärische Ueber- wachung voll aufrecht erhalten. Der allgemeine Bereitschaftszustand bleibt bestehen.

Die Entwasfnungsaktion und Waf­fe nsuche in dem ganz Wien umgebenden Gürtel der Gemeindebauten, die in den Kämpfen die stra­tegischen Stützpunkte des Aufstandes bildeten, wer­den systematisch fortgesetzt. Neue umfang­reiche Waffenlager sind in den Nachtstunden entdeckt worden. Es wurden gefunden: 73 Maschi­nengewehre, 3276 Gewehre, 3700 Revolverpistolen und 228 000 Patronen. Die meisten Maschinen- aewehre sind in dem Arbeiterviertel Favoriten ge­funden worden. Das Viertel Schmelz zeichnet sich durch 3000 Revolverpistolen und 19 000 Schuß Jn- fanteriemunition aus. Da jedoch das Ergebnis der Waffensuche der Hauptkampfabschnitte in Floridsdorf und Ottakring fehlt, muß für das Endergebnis mit weit höheren Ziffern gerechnet werden. Weiter ist bis jetzt festgestellt worden, daß in den lebenswichtigen Betrieben, in Lebens­mittellagern, Konsumvereinen und städtischen Be­trieben ein großes Netz von Feldtelephonen angelegt war. Die verhafteten Schutzbündler haben erklärt, daß diese Anlagen schon vor längerer Zeit in die Betriebe geschafft worden seien.

Die Regierung schreitet in der Säuberung der Wiener Verwaltung von sozialdemo- kraüschen Elementen weiter fort. Das alte Wappen der Stadt Wien, der Doppeladler, ist von heute ab wieder eingeführt worden. Aus den Amts­räumen des Rathauses verschwindet der sozialdemo­kratische Bilderschmuck. In. den Schulen und in der

für erlogen erklärt.

Wien, 17. Febr. (DNB.) Der Ministerrat, der von Freitag 16 Uhr bis Samstag gegen 1 Uhr tagte, stellte u. a. fest, daß das S t a n d r e ch t mit vorläufiger Ausnahme der Länder Wien, Nieder­österreich, Oberösterreich und Steiermark bereits aufgehoben werden könnte. (Die Aufhebung könnte also in Tirol und im Burgenlande erfolgen.) Auch in den genannten vier Ländern solle möglichst bald die Aufhebung erfolgen.

Der Bundespräsident hat ferner den Staatssekre­tär für Arbeitsbeschaffung, Neustädter-Stür- m e r, der bisher den heimwehren angehörte, zum Mini st er für soziale Verwaltung und den bisherigen Soüalminister, Schmitz, der B u n d e s k o m m i s s a r für die Gemeinde Wien geworden ist, zum Mini st er ohne Portefeuille ernannt. Die Aufgaben des bis­herigen Staatssekretärs Neustädter-Stürmer gehen auf das Handelsministerium über. Bundesminister Schmitz wird weiterhin mit der ständischen Neugestaltung betraut. Schließlich wird aus­drücklich als Beschluß des Ministerrates festgestellt, daß die Verordnung über das Betätigungs­verbot für die Sozialdemokratische Partei dahin ausgedehnt wird, daß sämtliche Mandate, die auf Grund eines sozialdemokra­tischen Wahlvorschlages erworben wurden, als er­loschen zu gelten haben.

Dollfuß und die Heimwehren

Wien, 16. Febr. (DRV.) Von zuständiger Stelle werden die in der ausländischen Presse umlaufenden Gerüchte über einen Bruch innerhalb der Regierung und ernste Meinungsverschiedenhei­ten zwischen den Kabinettsministern in der üblichen amtlichen Weise dementiert. Das Dementi soll sich gegen die Gerüchte richten, daß die h e i m - wehr seit dem Aufstande innerhalb der Regierung die allein maßgebende Rolle spielen werde und daß insbesondere der Vizekanzler Major Fey zukünftig in er st er Linie maßgebend sein werde, während der Bundeskanzler immer mehr in dm Hintergrund gedrückt werde.

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»chulstrahe 1

Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8'/,Uhr des Vormittags Grundpreise für I mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Text­anzeigen do n70mm Breite 60 Rpf.,Platzvorschrift oder schwieriger Satz 25°/0 mehr Ermäßigte Grundpreise: Stellen-, Vereins-, gemein­nützige Anzeigen sowie ein­spaltige Gelegenheitsanzei­gen 5 Rpf., Familienanzei­gen, Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6Npf. Vereins- u. Tageskalender im Textteil 12 Rpf. je mm

lgödie Oesterreichs.

utige Tragödie, die sich in diesen Tagen in sipielt, bringt uns wieder in Erinnerung, ;rade das Wien der Vorkriegszeit war, in >lf Hitler den ersten politischen Anschau- -rricht erhalten hat. In seinem Erinne- Lekenntnis- und LehrbuchMein Kampf" 1er Führer, daß die ersten persönlichen (Ein- Wien auf seine Stellung zum Marxismus sozialen Frage von größter Bedeutung ge­lb. Wir dürfen hinzufügen, daß aus dem der völkischen Weltanschauung des Natio- smus die Wiener Schule seines Begrün- nicht Hinwegzudenken ist. Denn das da- Lien war zwar noch die alte Kaiserstadt an en Donau. Aber das Heiter-Melancholische lußzeit dies sonderbare Gemisch einer Operetten und Tonfilmen leider allzu konservierten Atmosphäre war in dem chrzehnt vor dem Weltkrieg wenigstens in sen des deutschbewuhten Oesterreichertums ter düsteren Schwarzseherei gewichen, die md Zusammenbruch voraussah. Ungemein ch schildert der Führer grade den seelischen )es Deutschtums in der Donaumonarchie, Beamtenschaft und Heer durch Jahrhunderte fte Stütze des Hauses Habsburg gewesen sich nun an die slavischen und ungarischen itäten verraten fühlen mußte. Werden und i der alldeutschen Partei Georg von r e r s und der unerhörte Aufstieg der sozialen Partei unter der Leitung des Oberbürgermeisters Dr. Karl Lueger ir Adolf Hitler die erste und vielleicht auch vollste und nachhaltigste politische Schule rbens. Damals kam er aber auch zum ile in engste Berührung mit der Sozial- r a t i e. Daß es die Sozialdemokratie öfter« Prägung war, eine schon damals befon- ikale unter dem KennwortAustromarxis- äter berüchtigt gewordene Spielart, war icht ohne Bedeutung für die Entwicklung len Grundanschauungen des Führers. Nicht r die niederdrückenden persönlichen Erleb- t auch überall in Deutschland hätte machen llber die gereizte Untergangsstimmung im r letzten Kaiserzeit warf ihre düsteren in alle Winkel. Dem erbitterten Nationali- pf, in dem die Deutschen nach Einführung meinen Wahlrechts hoffnungslos an die quetscht wurden, entsprachen nicht minder sozialpolitische Auseinandersetzungen, die ndere Färbung dadurch erhielten, daß die nokratie alle Nationalitäten umfaßte, wenn er in Gruppen geteilt, aber unter gemein- ährung, und infolgedessen als zuverlässige :s um sein völkisches Lebensrecht ringen- fchtums nicht in Betracht kam.

em Zerfall der habsburgischen Monarchie nun ein national fast rein deutsches Oester- ?r dieser Rumpf konnte nach Abtrennung sog. Nachfolgestaaten zufallenden Gebiete ) den Anschluß an den großen Wirtschafts- nd die starke politische Einheit des Deut- ches wieder lebensfähig werden. Der Frie- St. Germain zwang indessen Oesterreich iche Unabhängigkeit auf. Die Jahre wach- irtschaftlicher Verelendung namentlich der sen, ständiger Finanznot des Staates und mnerpolitischer Erschütterungen haben ge- lches Danaergeschenk dem deutschen Volk reich mit der Gewähr oder besser gesagt Zerpflichtung staatlicher Unabhängigkeit von macht worden ist, die von dem allen wirt- scyaftluyen und völkischen Gesetzen entsprechenden Zusammenschluß eine Gefahr für den Bestand ihrer Kriegsgewinne befürchteten. In diesem nun wider Willen selbständigenBundesfreistaat" Oester­reich nimmt der Wasserkopf Wien, die einstige Hauptstadt einer Großmacht von 52 Millionen Ein­wohnern, heute fast ein Drittel der Gesamtbevölke­rung Oesterreichs in seinen Mauern auf. Während die andern ganz überwiegend landwirtschaftlich orientierten Bundesländer von der christlich-sozia­len Partei beherrscht wurden, wurde die Zweimil­lionenstadt Wien eine ausschließliche Domäne der Sozialdemokratie, die keinen Finger rührte, um die hier in der einstigen Verwaltungszentrale des Ge­samtreichs zusammengedrängte, jetzt brotlos gewor­dene Beamtenschaft vor der wachsenden Verelen­dung zu bewahren, ja die vielmehr in dieser zu­nehmenden Proletarisierung des Mittelstandes nur einen eigenen Machtzuwachs erblickte.

Die Wohnungsbaupolitik der marxistischen Stadt­verwaltung hat den alten Hausbesitz wirtschaftlich ruiniert, aber die Gemeinde Wien zum größten Hausbesitzer gemacht, der feine Wohnungen in­dessen nur an organisierte Sozialdemokraten ab« gab. So entstanden mit den dem alten Hausbesitz abgepreßten Steuergeldern die riesigen Baublocks und Wohnhöfe, moderne Massensieblungen, einst von aller Welt als soziale Glanzleistungen des Austromarxismus bestaunt, heute als planmäßig zur Verteibigung eingerichtete Stützpunkte bie Hauptwiderstandsnester des Republikanischen Schutz­bundes im Bürgerkrieg. Denn mochten auch die Wiener Austromarxisten auf ihrer roten Insel im schwarzen Meer der christlich-sozial orientierten übri­gen Bundesländer keine Möglichkeit sehen, legal zur Macht zu kommen in dem Staate, dessen Hauptstadt sie nur beherrschten, so haben sie die (Eroberung der Macht, gegebenenfalls mit revolutionären Mitteln, stets im Auge behalten. Im Linzer Parteiprogramm der österreichischen Sozialdemokratie vom Septem­ber 1926 steht schon der Satz:Die Sozialdemokra­tische Arbeiterpartei muß in ständiger geistiger und physischer organisierter Bereitschaft zur Verteidi­gung der Republik stehen und die engste Geistes- gemeinschaft zwischen der Arbeiterklasse und den Soldaten der Wehrmacht pflegen; aber sie muß