Donnerstag, 15. November 1934
Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhefsen)
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Semester-Eröffnungsfeier der Llniversität
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Wenn zu dieser Feier oingeladen worden wäre, so solle hier nicht eine feierliche Rektoratsübergabe, sondern eine Stunde der Besinnung gehalten werden. Innerhalb der Hochschulgemeinde selbst solle die Arbeit aus der einen Hand in die andere übergeben
Da im Lande die äußeren schulischen Verhältnisse recht verschiedenartig sind (wenig geeignete Schulhöfe, viel auswärtige Schüler und dgl.), wird begreiflicherweise mancherorts stärkstes inneres Dabei- und Bereitsein nicht ausreichen, eine restlos befriedigende Lösung für die Morgenfeier zu erzielen. Man mag und muß sich dann eben abfinden mit der Tatsache, daß ein Teilerfolg immer noch besser ist als gar keiner, und daß nicht etwa irgend ein glatter und dem Auge wohlgefälliger äußerer Ablauf das Entscheidende darstellt.
Die Erfahrungen und die Schulung der Kräfte, die die Durchführung vornehmen, werden mit der Zeit aus der freiwilligen Gestaltung der Morgenfeier eine Einrichtung schaffen, zu der man sich auf Grund ihres Wertes gern verpflichtet.fühlt, und aus der für Führung und Gefolgschaft wertvollste Wechselwirkungen sich ergeb em
Sie sah bang zu ihm aus. Sie erwartete nichts anderes als einen schroffen Verweis.
„Was mit Ihnen ist, Fräulein von Dönitz?"
Seine Stimme klang weich, behutsam, klang, wie Edelgard sie nie gehört. Nur mitunter in einer schmerzlichen Stunde der Sehnsucht sich erträumt.
worden sei. Große Opfer seien gerade in einer wirtschaftlichen Notzeit von dem Hessenlande gebracht worden. Weiter gelte sein Donk dem Kanzler unserer Universität Pg. Professor Hummel, den Dekanen und der Führung der Studentenschaft. Durch das kameradschaftliche Zusammenarbeiten zwischen Dozentenschaft und Studentenschaft sei in den vergangenen Semestern aufbauende Arbeit geleistet worden. Für die Zukunft gelte es, die Aufgabe, die Hochschulreform, die nicht nur organisiert werden könne, in Angriff zu nehmen. Bei dieser Arbeit sei ein Rektoratsjahr nur eine kurze Spanne. Seinem
Gestern abend fand auf Einladung des Rektorats und der Studentenschaft in der Neuen Aula der Universität eine kurze Semester-Eröffnungs- feier statt. Sehr zahlreich waren Dozenten und Studenten erschienen, um in echter Kameradschaft gemeinsam das Semester zu beginnen.
Oer Führer der Gießener Studentenschaft pg. Bernhard Edler von Graeve
Hatte er geseufzt? Oder hatte die Schlafende den heißen Strom seiner Gedanken in sich hineindringen gefühlt? Edelgard bewegte sich. Sie seufzte leise auf, machte noch eine halb träumende Bewegung mit den Händen. Nun richtete sie sich auf. Starrte vollkommen verwirrt auf Robby Herman.
Sie glich jetzt vollkommen einem Kinde mit dem etwas verwirrten Gespinst ihrer lichten Haare, den großen, erschrockenen Augen.
Alle Verlegenheit war plötzlich von Edelgard gewichen. Der hier mit ihr sprach, lachte und törichtes Zeug redete, ihr jetzt behutsam den kleinen Hut reichte, den Mantel umlegte — es war ein vollkommen verwandelter Mensch.
Und plötzlich überkam sie eine tiefe Seligkeit. Er zürnte ihr nicht mehr. Nun würde alles gut werden. So gut, wie es eben werden konnte, denn das eine, was sie ganz still für sich geträumt, das konnte sich natürlich nie erfüllen. Aber gegen den Zustand, der bisher zwischen ihr und Direktor Herman bestanden, war dies jetzt schon vollkommenes Glück.
Sie stieg in das Auto, ließ es geschehen, daß er ihr die warme Pelzdecke schützend um den Körper wickelte. Und nun fuhren sie beide zusammen der Stadt entgegen.
Der Wagen war kaum angefahren, da löste sich aus der Dunkelheit eine Gestalt. Sie hatte verborgen in einem der großen Torbogen gestanden, die die Vorderfront des Gebäudes umgab.
Diese Gestalt stand einen Augenblick tief atmend da, wie einer Gefahr entronnen. Dann lief sie mit ein paar Sprüngen rund um das Gebäude herum, bis in den Schutz der kleinen Parkanlage.
Ein Auto stand dort mit abgeblendeten Lichtern. Eine Zigarette glomm rot auf.
„In Ordnung?" klang eine leise, erregte Männerstimme.
„In Ordnung ...!" antwortete der Herangekommene. „Aber beinahe wäre es schief gegangen."
„Wieso schief gegangen? Hat der Wächter Sie gesehen? Der hat doch gerade heute an der anderen Seite mit dem Stechen der Uhr begonnen."
„Nein, aber der Direktor kam unerwartet."
„Wer? Herman?"
„Ja!"
„Was wollte er?"
„Die Schriftstücke über die Farbenfilmverhandlungen!"
„Waren Sie mit der Kopie schon fertig?"
„Ja! Ich kannte mich gerade noch ins Nebenzimmer flüchten, als er kam. Ein Glück, daß er so anderweitig beschäftigt war."
„Anderweitig?"
Ein höhnisches Lachen in der Dunkelheit.
„Wenn Sie jetzt schnell einmal mit dem Wagen in die Weinstuben Kuntze fahren, dann werden Sie Herrn Direktor Herman mit seiner Sekretärin sehen. Habe mir schon lange gedacht, daß sie sich den auch kapern wird. Wenn ich auspacken wollte ...!"
„Los!" klang es aus dem Dunkel des Autos. „Kommen Sie, wir fahren jetzt zu Kuntze: ich fetze Sie vorher ab. Und wenn das wahr ist, Mensch, was Sie mir da erzählt haben, dann lege ich noch einen Hunderter auf Ihr Honorar drauf."
(Fortsetzung folgtI)
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sicherer und kräftiger auf diesem schon beschrittenen Wege vorwärts schreite.
Die Schlußansprache hielt der neue Rektor
Professor Or Pfähler
Er dankte zunächst seinem Vorgänger für die geleistete Arbeit und betonte dabei besonders, daß er sein Amt gerade kurz nach der Machtübernahme angetreten habe. Die Ehre und die Last der alleinigen Führung habe in einer Zeit voller Spannungen auf feinen Schultern geruht. Er freue sich, gerade aus den Händen von Professor B o r n f a m m dieses Amt übertragen zu bekommen.
Dann kam der Rektor auf den Tag von Lange- marcf zu sprechen und bezeichnete ßangemarrf als ein Mahnmal in unserer heutigen Zeit. Jede deutsche Hochschule habe, so fuhr er fort, Langemarck als teuersten Schatz anvertraut bekommen. 1914 sei Langemarck, als helle Flamme, ein Ort der Begeisterung gewesen. 1918 wäre Langemarck, als geheime Glut, ein Ort der Bewährung und des Durchhaltens gewesen. Ebenso müsse die helle Begeisterung des wiedererwachenden Deutschlands von 1934 sich in ein zähes und verbissenes Einsetzen für die Aufgaben und die Arbeit des Werktages wandeln. An dieser Aufgabe müßten die älteren und die jüngeren Generationen Zusammenarbeiten: die älteren mit ihrem Wissen und die jüngeren mit ihrer Fragestellung, durch die sie das Wissen erst dem ganzen Volke nutzbar machten. Dies sei der einzige Weg einer wirklichen Hochschulreform, die nur aus dieser lebendigen gegenseitigen Befruchtung heraus- wachsen könne. Heber unserer ganzen Arbeit stehe der Wille unserer Führers und Kanzlers.
Ein dreifaches Sieg-Heil auf Adolf Hitler und die erste Strophe des Deutschland- und des Horst- Wefsel-Liedes beendeten die Feierstunde.
„Das geht doch nicht!" entfuhr es Edelgard.
„Warum geht das nicht? — Natürlich geht das! — Das heißt" — er überlegte einen Augenblick —, „ich muß Sie bitten, einen kleinen Umweg mit mir zu machen. Es warten ein paar auswärtige Geschäftsfreunde in dem Weinrestaurant Kuntze auf mich, um mit mir noch etwas wegen eines dringenden Geschäfts zu bereden. Ich müßte Sie also bitten, eine halbe Stunde lang mein Gast in der Weinstube zu sein." '
Edelgard schüttelte erschreckt den Kopf.
„Das ist doch ganz unmöglich, Herr Direktor. Ich kann doch nicht spät abends mit Ihnen —*
„Haben Sie kein Vertrauen zu mir, Fräulein von Dönitz?"
„Vertrauen?"
Sie sah ihn mit einem unbeschreiblichen Blick an und wußte nicht, daß dieser Blick alles verriet, was sie fühlte, und daß dies ungewollte Verständnis ihrer Liebe den Mann mit tiefer Seligkeit erfüllte.
„Aber was würde man sagen, wenn man Sie mit Ihrer Sekretärin zusammen —"
„Man würde sagen, daß sich ein so fleißiger Mensch wie Sie die Heimfahrt in meinem Auto zehnmal verdient hat. Sie können doch nicht die Nacht hier oder im Wartesaal verbringen. Nun seien Sie einmal vernünftig, Fräulein von Dönitz! In Amerika würde man über so etwas überhaupt nicht ein Wort verlieren. Die Hauptsache ist: Weiß Ihre Frau Mutter Bescheid, daß Sie heute länger arbeiten wollen? Und wird sie sich nicht sorgen?"
Edelgard schüttelte den Kopf. Nein, der Mutter hätte sie telephoniert, daß es spät werden könnte. Sie würde wohl sicherlich schon schlafen.
„Also, bann los — los, Fräulein von Dönitz?" sagte Robby Herman fröhlich. „Beeilen wir uns! Sonst hat mein Geschäftsfreund, der gute van Steu- wen, wirklich schon Schluß gemacht. Und das wäre mir fatal. — Was ist denn das?"
Er unterbrach sich, sah auf das kleine verpackte Paket, das Edelgard jetzt in ihre Aktenmappe steckte.
„Ist bas Ihr Abendbrot? Haben Sie denn noch nicht gegessen?"
„Ach, ich habe in der Eile der Arbeit gar nicht daran gedacht", gestand Edelgard.
„So? Und da sitzen Sie hier den ganzen Abend mit knurrendem Magen?"
Er sagte es so entsetzt, daß Edelgard nun doch lachen mußte.
„Ach, er hat gar nicht geknurrt, Herr Direktor.
„So? Und wenn ich Ihnen sage, daß er geknurrt hat? Durchs ganze Haus habe ich es gehört. Jetzt weiß ich auch,' was das für ein Geräusch war, das ich vorhin beim Heraufkommen hörte. Sie find sehr hungrig, Fräulein von Dönitz. Und ich kann es nicht verantworten, daß Sie der Firma wegen an Hunger sterben."
Helft der Winterhilfe!
Jedes Opfer für dieses Werk der Nächstenliebe ist wertvoller Dienst am deutschen Volke und ein wichtiger Baustein für eine bessere deutsche Zukunft, kein Volksgenosse fehle bei diesem Hilfswerk! Jeder opfere
zum Wohle unseres Boltes!
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Offenes Singen.
Der Fachamtsleiter für Volksmusik in der NS.- Gemeinsthaft „Kraft durch Freude", Otto Siegler, teilt uns mit:
Nicht weil es nun im Deutschen Reich einmal so Mode ist, weil andere Gaue und Städte das gleiche tun, damit wir auch „mitkommen", richten wir in Gießen die Offene Singstunde als Liederstunde des Volkes ein, nein, weil wir um den gemeinschaftsbildenden Wert des gemeinsamen Singens wissen, weil wir eine kulturelle Aufgabe sehen, weil wir der Meinung sind, daß das Volkslied nicht nur eine literarische Angelegenheit sein darf, über die Volkswissenschaftler Abhandlungen schreiben, sondern daß es vor allem im Singen und Klingen lebendig werden muß. Wir wollen nicht schulmeisterlich animieren, sondern Gelegenheit zum frohen gemein»
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Roman von Klothilde v. Stegmann.
könnte und dürste, der über konservatorische Bildung, oder einen klangvollen Tenor verfügt. Der Konzertftil kann für unser Singen nicht Vorbild sein, so wenig rote uns die Offene Singstunde nur „Uebungsstunde" sein wird. Deutsche Menschen erleben bei uns singend das, wovon viel zu viel geredet wird: die Gemeinschaft des deutschen Volkes.
Die erste Offene Singstunde am kommenden Freitag, 16. November, 20.15 Uhr, in der Aula des Gymnasiums bringt u. a. drei sehr leicht singbare, klangreiche Kanons, dazu zwei tiefinnerliche deutsche Volkslieder. Wir danken in besonderen Maße den Gießener Gesangvereinen, die sich an unseren Singstunden beteiligen werden. Sie Helsen damit ein nicht unbedeutendes Stück Volksgemeinschaft verwirklichen, und zeigen, daß sie wissen, worum es uns heute in allem geht, um die Neuformung des deutschen Dolksdildes. Und dazu ist die Anspannung der besten Kräfte erforderlich.
Deutsche Arbeitsfront.
Jrauenaml der DAJ. — Fachgruppe Hausgehilfen.
Achtung Hausgehilfen!
Freitag, 16. November, abends 8.30 Uhr, findet für die Mitglieder der Zellen Mitte und Nord eine sehr wichtige Mitgliederversammlung im Caf 6 Ebel, Burggraben, statt. Da diele Versammlung von größtem Interesse für jedes Mitglied ist, wird restloses Erscheinen zur Pflicht gemacht.
An diesem Abend spricht die stellvertretende Kreisleiterin der NS.-Frauenschast, Frau Wrede, über das Thema:
„M ütterschulung im nationalsozialistischen Staa t". Mitglieder, die ihre Beiträge für Monat Oktober noch nicht bezahlt haben, können diese täglich von 3 Uhr bis 6.30 Uhr im Hause der Deutschen Arbeitsfront, Schanzenstraße 18, begleichen. Mitgliedskarte ist stets mitzudringen. Pünktliches Beitragszahlen ist die unbedingte Pflicht eines jeden Mtgliedes, denn nur die Mitglieder können die
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Born kämm, wünsche er nichts besseres, als daß hat" Möge "das Schicksal es gebens daß unsere auf-!»!- Alma mater. Ludovidana unter seiner, fführun, bauende Arbeit im äußeren Frieden geschehen kann.
Dann sprach Pg. von Graeve von den Anforderungen in den kommenden Semestern. Jeder müsse an seinem Platze stehen und allen seinen Verpflichtungen nachkommen. Bei seinem ganzen Tun müsse jeder daran denken, daß er ein untrennbares Glied in der Gemeinschaft des deutschen Volkes fei. Jeder andere Gedanke bedeute Fahnenflucht. Wie immer in entscheidenden Stunden gelte auch hier der Ruf „Freiwillige vor!" Das oberste Gesetz bei all unserem Handeln sei das Gesetz der Volksgemeinschaft. Wer diesem Gesetz nicht Folge leisten könne, der möge uns verlassen. Der Führer selbst habe vor allem den freien Willen zur Gemeinschaft gefordert. Er rufe nur die, die aus ganz freiem Herzen ihm folgen könnten und wollten, die ganz vorbehaltlos nur das Ziel, dem Vaterlande zu dienen, kennen würden. Die junge Mannschaft habe ihren Führer verstanden. Das Regiment Gießen der akademischen Mannschaft werde bald die richtigen Leute kennen, die nur dafür leben, dem deutschen Volke seine Jugend zu erziehen. Den Mittelpunkt bilde das Gießener Kameradschaftshaus und alle die Wohnkameradschaften, die sich darum gliedern. Dor uns leuchte in weiter Ferne das Morgenrot des neuen Deutschland. Möge auch die Geschichte hart über uns hinweggehen, in uns lebe das alte Wort: „Wir stürmen unsere Enkel frei!"
Nach dem Führer der Gießener Studentenschaft sprach der bisherige Rektor der Landesuniversität
Professor Dornkamm
werden. Nach vierzehnmonatiger Rektoratszeit fei es feine Hauptpflicht, vor allem den Dank an den Reichsftatthalter und die hessische Regierung hier in aller Oeffentlichkeit auszusprechen für das Vertrauen, von dem die Arbeit der Landesuniversität getragen
Er stutzte. Er hatte doch gestern das Aktenkuvert nit feinem Inhalt ganz glatt ins Fach hineingelegt. (°s war nicht feine Art, irgend etwas unordentlich lineinzustopfeN. Oder hatte er in der Eile, als er ir.e Besprechung mit den anderen Herren hatte, es loch üoersehen? 7™v .
(i-rgfältig ein. Dann schloß er den Schrank und noUte sich bereits auf den Rückweg machen.
nahm zuerst das Wort und führte ungefähr folgendes aus: Bei Eintritt in das neue Semester sei es unsere Aufgabe, zunächst des früheren Studentenschaftsführers Pg. H. I. Adam zu gedenken, der feit diesem Semester in Berlin studiere. Der Führer der Deutschen Studentenschaft hat nun mich
„e n ? ir^n n frh em uteixorarsjaijr nur eine lurze opurme. öeuttmi istls, d"i° Arbeit 1° w-iL zu Mr-n,^i- fiTme’n: N°chs°lg°r im Rektaramte, ,° schloß Professor Kamerad Adam in dreisemestriger Arbeit erfüllt
samen Singen geben. Das ist der eigentliche Sinn unserer Offenen Singstunde.
Der Singfreudigkeit unserer Tage soll gedient sein durch Uebermittlung von wertvollem, bodenständigem und lebensnahem Liedgut. Das Konjunkturlied, das nur so von „Gesinnung" trieft und sich oft bei kritischer Prüfung als pseudo-vaterländischer Kitsch entpuppt, hat bei uns keinen Platz. Dagegen wenden wir uns dem echten alten und neuen Volkslied, das nicht gemacht, sondern gewachsen ist, zu. Kraftvolle Mannschafts- und Bekenntnislieder, daneben frisch-fröhliche Kanons werden in unseren Offenen Singstunden gesungen werden. Um das lebensnahe Tun geht es uns, nicht ums Spintisieren. Dabei garantieren wir für den Wert der Lieder, die bei uns gesungen werden. Mit billigen Reißern werden wir uns nicht zufrieden geben.
Die Offene Singstunde wendet sich an jeden deutschen Volksgenossen, der ein lebendiges Verhältnis zu Lied und Volk hat. Wir treten entschieden der irrigen Auffassung entgegen, daß nur der fingen
Ganz mechanisch, ohne etwas zu denken, öffnete er rnd) einmal die Tür zu dem Sekretävinnenzimmer Kbenan. Da fuhr er zurück.
Das Zimmer war schwach von der draußenstehen- ! -n Laterne erleuchtet. An dem Schreibmaschinentisch ssß Edelgard. Das heißt, sie saß nicht, sondern sie toar mit dem Oberkörper vorn über die Maschine (Hunten. Sie schlief. Das Licht fing sich in ihren li onden Haaren und ließ sie golden aufglanzen. Ihre tönbe hingen kraftlos herunter. Unendlich rührend mb unendlich zart sah sie aus, wie sie da ruhte, dem Cüchlafe hingegeben.
Auf den Zehenspitzen schlich er näher, schaltete die Snrbeitslampe ein — Edelgard erwachte mcht. Und nun sah er, wie blaß und müde die feinen Züge nxiren. Kein Wunder! Sie mußte wie wahnsinnig Gearbeitet haben. Denn auf dem kleinen Aktenblock s itlich der Maschine häuften sich die beschriebenen Siogen. Er hatte es ihr ja vorausgesagt, daß es zu- isei werden würde. Aber angesichts der Schlafenden tcar fein Zorn vollkommen vergangen. Nichts fühlte < - als Mitleid, Reue und Liebe.
Ja, Liebe! In diesen stillen Minuten, da er Edel- c:arb betrachten konnte, ohne daß sie seine Nähe einte, gestand er es sich ein: er liebte dies Mädchen. Cor liebte es so leidenschaftlich, wie er nie mehr zu l?ben geglaubt. Es gab kein Ausweichen und keine Flucht vor dieser Erkenntnis. Margaret, die er geliebt und die ihn betrogen, sie verschwand wie in einem tiefen Däm erlicht. Unentrinnbar allein blieb bis Empfinden für Edelgard.
In tiefster Seele aufgewühlt, stand er da und blickte auf die Schlafende. Was hatte das Schicksal bnmit bezweckt, daß es ihm Edelgard in den Weg toführt? Sollte er zum zweitenmal von einer Frau sl tief enttäuscht werden wie von Margaret? Konn- |(th diese rührenden Züge wirklich lügen? Aber auch Xiargaret hatte dies Zarte und Kindliche gehabt. Und doch, welch erfahrenes Raffinement hatte da- buter gesteckt. So stand er da, rang Und kämpfte nit sich und wußte doch, alles Mißtrauen würde »cht helfen. Er war an Edelgard verloren.
& Aus der proviuzialhaupistadi. L Siebener Einzelhändler werben! inus Mi4 gutem Recht tritt eine Gruppe vertrauens- 0,25 würdiger Unternehmungen des Gießener Einzel- kten !«ndels in der heutigen Nummer des Gießener fester Anzeigers" erneut hervor und wirbt mittels einer ItraH Sonderseite gemeinsam für den Verkauf. Den An- 15o flforud) auf beste Beachtung ihres Werberufes haben M I kch diese Geschäftsleute wohl erworben, lieber 15 000 Volksgenossen hat der deutsche Einzelhandel ' nieder in den Wirtschaftsprozeß emaeglieöert. Diese ■'at heischt Anerkennung durch die Käuferschaft. — Vie Bilddarstellung auf der heutigen Sonderseite «iat auf wie um das Jahr 1650 die ersten Der- toufsfolonnaben an den Häusern der Marktplätze :ieqrünbet wurden. Fürwahr ein gewaltiger Ab- ’anb, gemessen an den zeitgemäßen Läden und Aus- Mungseinrichtungen, die der Einzelhändler von ;»ute feiner Kundschaft bietet, und an feinen Aufwendungen, die viele Volksgenossen beschäftigen.
„Was ist denn?" fragte sie. Und dann ging eine ; glühende Röte über ihr Gesicht.
r. , v . „Verzeihen Sie, Herr Direktor, ich weiß gar nicht,
ersehen? Er nahm es heraus und steckte es f roas mit mir —"
„Was mit Ihnen ist? Uebermübet finb Sie, Kinb. Es ist sehr unrecht von mir, baß ich Ihnen nachgegeben unb nicht für eine Hilfe gesorgt habe. Nun aber schnell nach Hause! Unb morgen vormittag bleiben Sie baheim unb ruhen sich aus."
Ungläubig sah Ebelgarb zu Robby Herman auf. War bas derselbe Mann, der so streng und schneidend sprechen konnte? Güte und Fürsorge leuchteten aus seinen Augen. Er sah sie jetzt an, wie Rudolf Kutschner sie angeschaut. Und doch ganz, ganz anders noch.
Sie war grenzenlos verwirrt. Unb so brachte sie nichts anderes hervor als:
„Ich möchte aber morgen nicht fehlen, Herr Direktor. Ich möchte kommen."
„Sie werden nicht kommen."
Das klang wieder sehr energisch, erinnerte etwas an den früheren Robby Herman. Edelgard erschrak. Hatte sie ihn mit ihrem Widerspruch wieder verletzt?
„Wenn Sie befehlen!", sagte sie gehorsam.
Da sah er sie seltsam an.
„Befehlen? Nein, Fräulein von Dönitz. Ich bitte Sie darum!" Dann fuhr er leichter fort: „Wissen Sie denn überhaupt, wie spät es ist, Sie kleine Arbeitsbiene? Schon Mitternacht vorbei."
Edelgard erschrak.
, „O Gott, wie komme ich denn da nach Hause? — Wenn ich nur noch den letzten Zug nach Wannsee bekomme!"
Sie raffte in fliegender Eile ihre Sachen zusammen.
Ein übermütiges Glücksgefühl brannte in Robby Herman auf.
„Sie brauchen sich nicht zu beeilen, Fräulein von Dönitz. Sofern die Eisenbahndirektion für unsere fleißigen Sekretärinnen keinen Extra-Nachtzug eingerichtet hat, dürften Sie den Zug nicht mehr er- reichen. Aber ich weiß einen Ausweg. Kommen Sie, ich habe meinen Wagen unten! Ich fahre Sie heim."
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deshalb:
kaufe beim Einzelhändler! Du gibst Arbeit und Brot!
Neuer Arbeitsaufiakt in den Schulen.
Das Staatspresseamt teilt mit: Eine Verfügung |-r Ministerialabteilung für Bildungswesen, Kultus, Kunst und Volkstum des Hessischen Staats- r inifteriums vom 18. Oktober 1934 empfiehlt allen schulen, den täglichen Unterricht mit einer all- iK meinen Körperschule, einem Lied und lagesspkuch zu beginnen. Dieser Arbeitsauftakt üirb überall dort, wo man in frischer Entschlossen- j it trotz mancherorts vorhandener Schwierigkeiten n eine Gestaltung herangeht, die nicht an der Zerstäche, im Aeutzerlichen hängen bleibt, sondern i r körperlichen, charakterlichen und völkischen Ziel- stzung gerecht wird, eine wertvolle Bereicherung Ls gemeinschaftlichen Lebens und Erlebens in der |6d)ule bedeuten. Mit einem solchen Beainn des • t glichen Unterrichts wird auch, das sei besonders htont, keineswegs die Einrichtung des Schul- ne b e 15 abgeänoert oder gar aufgehoben. Diese Morgenfeier, in der fast alle Altersstufen der be- beffenöen Schule zu einer Gemeinschaft vereinigt snd, liegt vor dem eigentlichen Klassenunterricht, te steht somit nichts im Wege, das Schulgebet an ! ter seither üblichen Stelle des Unterrichts einge- igt zu lassen. Wie weit ein Gebet als Abschluß !-s Tagesauftaktes bzw. der Morgenfeier selbst imgebaut werden kann, darüber werden die Er- ihrungsberichte der einzelnen Schulen sicher ge- uiaenb Ausschluß bringen. Grundsätzlich steht jeden- filts einer solchen Erweiterung nichts entgegen.
Durch die in der obenerwähnten Verfügung be- ' nders betonte Freiwilligkeit bezüglich der Ein- j.ihrung einer Morgenfeier wollte Herr Ministerial- nnt Ringshaufen unter allen Umständen ver- ti eiben, daß ihre Durchführung und ihr Inhalt ! verflachen, daß nur befehlsgemäß und ohne die her erforderliche innere Einsatzbereitschaft an die (’ieftaltung eines derartigen Tages-Auftaktes heran- . («gangen wird. Nur wer erfüllt vom Geiste unserer c-oßen Zeit und mit jugendfrischem Herzen und in fhrfftcr Tatbereitschaft vor die Buben oder Mädels riitt, wird spüren, wie aus der gekennzeichneten Morgenfeier Kräfte wachsen, die von der Stätte der schule hinführen zur Wirklichkeit des Lebens, zur (lemeinschaft und zum Einsatz für Volk und Vaterland. Freilich, wer diese Bindungen und Wirkungen t d)t verspürt, für den wird der Beginn des täglichen Unterrichts mit Körperschule, Lied und Tages- ’ hrud) eine Störung und Kürzung des allgemeinen Imterrichtsbetriebs darstellen. Ihm gehen Minuten j verloren, die er für eine Besprechung vielleicht der ii.ebirge Hinterindiens besser angewandt wüßte. Benn solche Kräfte nicht zu einer Einführung und Gestaltung der Morgenfeier verpflichtet werden, tonn es der Sache selber nur dienlich sein.


