Ur. 39 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger ^General-Anzeiger für Overyeffen)
Donnerstag, 15. Februar 1934
Der Bürgerkrieg in Oesterreich.
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Schußbereiter Maschinengewehrposten in einer Hauptstraße des Wiener Zentrums.
Das Flugzeug - eine Waffe des Friedens.
Ein Besuch im Hause der Deutschen Lufthansa.
Unser Berliner Mitarbeiter Dr. R. hat im Hause der Deutschen Lufthansa, Berlin, vorgesprochen, um sich über den neuen Stand des deutschen Luftverkehrs zu unterrichten und hatte hierbei Gelegenheit, interessante Einzelheiten aus dem umfangreichen Arbeitsplan zu erfahren.
In den letzten Jahren hat der deutsche Luftverkehr einen gewaltigen Aufschwung genommen. Während die meisten Menschen noch in der Zeit unmittelbar nach dem Weltkriege eine unüberwindliche Scheu vor dem Fliegen hatten, ist heute die Angst des Publikums so gut wie restlos überwunden. Man fühlt sich heute in den bequemen und behaglich eingerichteten Flugzeugen der Deutschen Lufthansa genau so sicher wie in einem Eisenbahnabteil. Zahlreiche Menschen in einem Alter von über neunzig Jahren sind in der letzten Zeit geflogen, darunter sogar ein Indianerhäuptling, der sich mit einem Zirkus nach Berlin verirrt hatte, und der felsenfest von sich behauptete, einhundertsechs Jahre alt zu sein. Das Fliegen ist zu einer Selbstverständlichkeit geworden.
Spiegeleier in dreitausend Meter Höhe
Es gibt leider noch immer einige unentwegte Angstmeier, die von der Einrichtung und der Leistungsfähigkeit' der modernen deutschen Flugzeuge einen sehr verschwommenen Begriff haben. Sie wissen nicht, daß man es fast ebenso bequem haben kann wie zuhause in der eigenen Wohnung, wenn man im gemütlich geheizten Zimmer vor dem Schreibtisch sitzt. In einigen Flugzeugen ist sogar eine kleine elektrische Küche eingerichtet, die von einem Steward betreut wird. Diese Küche ist etwa so groß wie ein kleines
Dienstbotenzimmer. Wenn man während des Fluges Lust verspürt, einen starken Mokka zu trinken, oder ein paar Spiegeleier zu essen so genügt ein Wink Auf ein Menu mit mehreren Gängen muß man freilich verzichten. Das ist aber nicht allzuschwer, wenn man bedenkt, daß die weitesten Strecken in einer geradezu phantastisch kurzen Zeit zurückgelegt werden. Den meisten Passagieren vergeht diese Zeit „im Fluge" Wenn sie Neulinge sind, so werden sie meist nicht müde, die Aussicht zu genießen, die erfahrenen Flugpassagiere hingegen lehnen sich behaglich in die Polster zurück, um noch rasch zwischen Berlin und London ein kleines Nickerchen zu machen.
Ein Brief reist durch die Lust.
Wer nicht selbst fliegen kann, läßt seine Briefe reifen. Ein Brief von Berlin nach Los Angeles ist beispielsweise nur sechs Tage unterwegs Für diese Zeitersparnis sorgen die Katapult-Flugzeuge, die in einer Entfernung von tausend bis fünfzehnhundert Kilometern von der Küste auf hoher See vom Schiss abgeschossen werden. Das Flugzeug, das auf dem Schiffsverdeck stationiert ist, steht auf einem Startschlitten, der auf einer Schienenbahn läuft und wird durch eine Schleuderanlage in die Luft befördert. Im regelmäßigen Flugdienst zwischen Deutschland und Südamerika, der in diesen Tagen von der Deutschen Lufthansa ausgenommen wurde, ist der Dampfer „Westfalen" ein wichtiger Flugstützpunkt. Er besitzt das größte Katapult der Welt, das in der Lage ist, Flugzeuge bis zu einem Gewicht von 14 000 Kilogramm abzuschießen.
Wieviel Briefe und Warenproben, Drucksachen und Geschästspapiere nehmen auf diese Weise durch Wind und Wetter, hoch über dem Geschrei der Möwen, hoch, über ragende Klippen, ihren Weg über den Ozean.
Eine Haubitze wird zur Beschießung der marxistischen Parteiheime in Stellung gebracht.
Känguruhs als Fluqpaffagiere
Aber nicht nur Menschen, Waren und Briefe werden rasch und sicher durch die Luft befördert, sondern auch allerhand seltsames Getier. Bor wenigen Tagen hatte der Berliner Flughafen Tempelhof seine große Sensation. Das planmäßige Nachtflugzeug London—Berlin brachte eine eigenartige und kostbare Fracht. Im Flugzeug reifte ein regelrechter Zoo: Aasgeier, Uhus, Eulen, Adler, ein Brüllaffe, ein Witwenaffe, ein paar Beutelratten, junge Känguruhs, zwei Mufflons, eine weiße, südafrikanische Katze und einige Sorten Vögel, kamen mir nichts dir nichts durch die Luft geflogen, um von Berlin aus nach ihrem Bestimmungsort Wien weiterzufliegen. Eine originelle Sendung reiste im Flugzeug von Rom nach Hamburg. Sie enthielt hundert Moskito = Stechmücken, die für das Tropeninstitut in> 1 Hamburg bestimmt waren. Tiertransporte durch I Flugzeuge sind längst keine Seltenheit mehr. Unter anderem wurden auch schon Bären aus Rußland im Flugzeug transportiert. Auch Brieftauben sind sehr häufige Passagiere.
Noch immer nicht schnell genug.
Die R e i s e g e s d) m indigkeit der Flugzeuge soll in diesem Jahre erheblich beschleunigt werden. Während im vergangenen Jahre die Flugplan-Geschwindigkeit 160 Kilometer in der Stunde betrug, wird sie in diesem Jahre 210 bis 230 Kilometer betragen. Zwischen Berlin und Frankfurt am Main und Berlin — Köln werden Blitz-Strecken eingerichtet. Die Flugdauer beträgt achtzig Minuten. Für die ungeheure Schnelligkeit, mit der heute der Raum überwunden wird, mögen einige Beispiele genügen Ein Flug von Berlin nach München dauert drei Stunden, von Berlin nach Kopenhagen zwei Stunden, von Berlin nach Paris vier Stunden fünfundfünfzig Minuten. Von Deutschland aus kann wer Lust und Geld hat, bis nach Kapstadt in Südafrika, Batavia in Niederländisch-Jndien und nach Indo-China fliegen. Die weiteste Strecke, der 14 800 Kilometer lange Weg nach Batavia, wird in elf i Tagen zurückgelegt.
Es ist kein Wunder, daß der Andrang des Publikums unter diesen günstigen Flugbedingungen außerordentlich stark ist. Wie mir der freundliche Pressereferent der Lufthansa versichert, müssen oft viele Passagiere zurückgewiesen werden, da die Plätze alle besetzt sind. Während im vergangenen Jahr auf den kleinen Flugzeugen nur ein Pilot feinen Dienst verrichtete, werden in diesem Jahre in allen Personenmaschinen zwei Männer beschäftigt sein, der eigentliche Pilot und der Funker-
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rnaschinist, da in diesem Winter sämtliche Flugzeuge mit Funktelegraphie ausgerüstet wurden. Zum erstenmal wird man bald auch nach Polen fliegen können. Früher war der direkte Luftverkehr zwischen Deutschland und Polen nicht möglich. Auf Grund eines Abkommens zwischen den beiden Ländern werden regelmäßige Flüge nach Polen stattfinden. Die Schranken der Luft sind gefallen, das Flugzeug ist eine Waffe des Friedens geworden.
Daten für Donnerstag, 15.Februar.
1781: der Dichter Gotthard Ephraim Lessing in Braunschweig gestorben; 1890: Staatsrat Dr. Robert Ley geboren; 1915: deutscher Sieg über die Russen in der „Winterschlacht in Masuren" (7. bis 15. Februar).
Das unvergessene Züheripiel.
Von Michael Kohlhaas
Ha, heute! Schweigt mir doch, ihr heutigen Primaner und Unterprimaner ein für allemal von euren Liaisons!
Aber vor vierzig Jahren, meine lieben jungen Dächse, als wir Grauköpfe noch blond waren, da gehörte Mut dazu, ja Kühnheit, und vor allem Erfindung, so jemand außerhalb seines Humanistenpferches auf des Lebens ewig grüner Weide sich er- luftieren wollte. Versetzt euch beispielsweise nur mal mit mir — denn nicht bloß Casus Cäsar hatte seine verhängnisvollen Ideen des März — in jenen furchbaren Nachmittag des 15. März 1892, da plötzlich der Direktor unseres Konviktes, dortlands Studienseminar genannt, uns von Prima und Unterprima allen und jeden Besuch in bekannten ober verwandten Familien in der Stadt verbot. Erschüttert saßen wir an unseren Pulten und gewahrten gar nicht in unferm Gram, wie das neidvolle Ungeziefer der unteren Klaffen uns selbst noch in unserem Unglück Grimassen der Schadenfreude widmete.
In diesen düsteren Tagen starb meine steinalte Großtante Brigitte, und laut Mitteilung meiner Mutter entfiel im Erbwege auf unsere Familie neben altmodischem Hausrat und 'fallierten Aktien der Gründerzeit auch eine wunderschöne, reich mit Elfenbein und Perlmutter eingelegte Zither, vermittelst deren Tante Brigitte täglich von zwei bis drei Uhr ihr immer kleiner werdendes Sopranstimmchen begleitet hatte,- mit dem sie gern einem anscheinend wenig erfolgreichen Jugendgeliebten bis in ihre letzten Tage den bescheidenen Trost nachsang: „Weilst du cmch fern, dein Zitherspiel bleibt unvergessen." Auf dieses elfenbeingeschmückte Erbstück baute ich nun einen stolzen Glückstraum auf und erbat demzufolge nicht nur von meinen Eltern brieflich die Zither, sondern auch vom Seminardirektor mündlich die Erlaubnis, mir Unterricht im Zitherspiel erteilen zu lassen und solcherweise das Andenken der verblichenen Großtante zu ehren. Gerührt von dieser bei Jünglingen nicht eben häufig anzutreffenden Pietät, drückte mir die Seminarleitung die Hand und erteilte die Genehmigung zum Besuch des Zitherunterrichts bei Frau Humann in der Katzengasse.
Als musikalischer Anfänger reichlich verspätet, wollte ich das bislang Versäumte durch Verdopplung der sonst üblichen Stundenzahl, das ist durch vier Zitherlektionen je Woche, ausgleichen und erhielt mit Rücksicht auf meinen befriedigenden Schulfortgang und meine, wie der Ausdruck lautete, achtenswerte Familientreue auch hierzu die Erlaubnis.
Ja, auf der Höhe meines instrumentalen Lebens waren mir, wie der Seminardirektion vier Doppelstunden in der Woche nicht zu viel. Folge: der mir so gewogene Direktor traute mir nach Umfluß eines Jahres eine derartige Beherrschung der Zither zu, daß er, um meinen seltenen Fleiß und meine nicht gewöhnliche Willensstärke, wie er wörtlich sagte, zu belohnen, mich und meine Elfenbeinzither für eine Sondernummer des Maifestkonzertes unseres Gymnasiums vorschlug. Mein Sträuben, mir übrigens als „ansprechende Bescheidenheit" ausgelegt, war vergebens — der Vorschlag wurde angenommen.
So stand ich denn mit einem Salonstück für Zither auf dem Programm und saß auch am Tag des Festes, als die Reihe an mich kam, auf dem Podium oben, unmittelbar vor dem Dichter Homer, dessen Büste aus einem Lorbeerhain herausguckte. Saß an einem zierlichen Tischchen, das meine Prunkzither nebst einem Notenständer trug, hatte neben mir einen eigenen Sklaven zum Umblättern und bildete, wie mir später meine Mitschüler versicherten, einen sehr wirkungsvollen Kontrast zum alten Homer schon dadurch, daß ich in meinem Lampenfieber mit den Beinen zippelte und zappelte, während der Dichterfürst die Ruhe der Klassizität ergreifend zum Ausdruck brachte. Kunst das, wenn einer aus Gips ist! Im übrigen lag eine ganz beträchtliche Spannung über den Zuhörern; denn zum erstenmal war da die Zither aus ihrer volkstümlichen Niederung in den Konzertsaal der guten Gesellschaft emporgediehen.
Was sie aber nun hier unter meinen Händen von sich gab, war nicht von der Art, daß jemals wieder mit ihrer Zulassung in seriöse Räume gerechnet werden dürfte, ja, war nicht einmal von der Beschaffenheit, daß meine selige Großtante sich irgendwie hätte geehrt fühlen können. War vielmehr ein fortgesetztes Steckenbleiben und Danebengreifen, war bald ein bocksteifes Gehopse und bald ein unmelodisches Geschepper und alles miteinander nicht entfernt den Schweiß wert, der mir in Tropfen und Perlen auf der Stirne stand.
Der gesamte Lehrkörper des Gymnasiums in der vordersten Reihe saß da mit tiefernsten, zum Teil sogar mit verzerrten Gesichtern, und die Honoratioren der Stadt unmittelbar dahinter fühlten sich ebenfalls noch zu schmerzlich bewegten Mienen verpflichtet. Alle anderen Festgäste und Zuhörer jedoch, und darunter in erster Linie der ganze Schülerpöbel, drohten zu platzen vor unterdrückter Heiterkeit. Als endlich die zur Verherrlichung der Maienwonne so ungeeignete Programmnummer erledigt war, überschüttete der Schulvorstand, Oberstudiendirektor Bömmfer, den Seminardirektor mit den bittersten Vorwürfen ob feines Vorschlages, worauf der Se-1
minarbireftor nach dem ewigen Naturgesetz der Weitergabe und Verstärkung seinen Grimm nicht bloß in einem scheußlichen Donnerwetter über meinem Haupt entlud, sondern auch nach auf das hartnäckigste den Ursachen meines Debakels nachforschte und zu seinem Schmerz dieses ermittelte: Ich hatte von Anfang an je Woche nur eine einzige Zitherstunde von Frau Humann erbeten und gar bald auf diese, unter Hinweis auf meine Studienüberlastung, nicht mehr eingehalten, um fo regelmäßiger aber dafür das mit meiner Familie befreundete Haus des Gutsbesitzers Firrlein ausgesucht und die für den Zitherunterricht vorgesehene Zeit dazu verwendet, mit der kleinen blauäugigen und blonden Susi Firrlein im Park zu lustwandeln oder sonstigen Kurzweil zu treiben.
Seit dieser Tatbestandsermittlung würdigte mich der Seminardirektor keines Blickes mehr. Doch, Gott fei Dank, hat mich ja bald darauf das Slbitur aus dem Bannkreis feiner Verachtung weggebracht. Immerhin: in Erinnerung an mein Maifest-Salon- stück kann ich heute noch keine Zither hören. Aber meiner Großtante Brigitte und der erst durch ihr herrliches Instrument mir erschlossenen Möglichkeiten bleibt in meiner Familie ein dankbares Gedenken gesichert. So haben wir erst unlängst wieder ein paar Blumen auf ihr Grab gelegt und meine Frau Susanne, geborene Firrlein, sagte dabei gedankenvoll vor sich hin: „Weilst du auch fern ...'," fo daß ich mich für versuchtet hielt, wahrheitsgemäß beizufügen: „... mein Zitherspiel bleibt unvergessen."
Wie Robert Koch den Cholera-Bazilluö entdeckte.
Im Februar 1884, also gerade vor 50 Jahren, konnte Robert Koch der deutschen Regierung melden, daß es ihm gelungen sei, den Cholera-Bazillus zu entdecken. Um die Bedeutung dieser Tat richtig zu verstehen, muß man sich die Geschichte dieser Entdeckung vor Augen führen, wie dies Prof. Kleine vom ^obert-Koch-Jnstitut in der „Deutschen Medizinischen Wochenschrift" tut. Als im Juni 1883 das Auftreten der Cholera in Damiette am Nil gemeldet wurde, ging ein Entsetzen durch die Welt, denn die schon Dorangegangenen Epidemien hatten furchtbare Opfer gefordert. Auch bei dem schnellen Friedens- schluß von Nikolsberg durch Bismarck 1866 hatte die Cholera in der preußischen Armee eine unheilvolle Rolle gespielt. — Die französische Regierung sandte eine wissenschaftliche Mission nach Aegypten zur Ergründung der geheimnisvollen Seuche, über deren Ursachen damals noch die widersprechendsten Ansichten herrschten, und daraufhin schickte auch die
deutsche Regierung eine solche Expedition unter Leitung von Robert Koch nach Alexandria. Koch fand dort einen geeigneten Arbeitsplatz im Griechischen Hospital. Die mikroskopischen Untersuchungen mußten unter Belästigung durch zahllose Fliegen ausgeführt werden. Während sich in den Lungen, in Milz, Nieren, Leber und im Blut der Cholera-Leichen keine bestimmten Jnfektionsstoffe nachweisen ließen, fand Koch im Darm wider Erwarten außerordentlich tiefe und auffallende Veränderungen, die z. T. von der Amöben-Ruhr herrührten, deren Erreger Koch fo nebenbei entdeckte. In den Fällen, in denen der Darm mikroskopisch die geringsten Veränderungen zeigte, trat eine bestimmte Art von Bazillen auf. Koch erinnerte sich, ein Jahr vorher in Berlin in einem Cholera-Darm, den er aus Indien erhalten hatte, dieselben Bazillen in der gleichen Anordnung gesehen zu haben. Ob diese unbekannten Bazillen wirklich die Ursache der Cholera waren, blieb noch eine offene Frage, da es auf keine Weise gelang, die Krankheit durch Reinkulturen oder direkte Versütterung auf die Versuchstiere zu übertragen. Um dem Problem weiter nachzugehen, begab sich Koch, als die Cholera in Aegypten im Herbst 1883 zu erlöschen begann, nach Indien und traf am 11.12. 1883, seinem 40. Geburtstag, in Kalkutta ein. Im Krankenhaus der medizinischen Hochschule wurden ihm vortreffliche Arbeitsräume zur Verfügung gestellt, und hier konnte er an Cholerakranken und Choleraleichen die in Aegypten beobachteten Bazillen in allen Fällen feststellen. Die Uebertragungs» versuche auf Tiere blieben aber wieder ohne Ergebnis. Es zeigte sich, daß die Seuche auf Tiere nicht zu übertragen ist. Nachdem Koch in zahllosen Untersuchungen den Nachweis erbracht hatte, daß diese Bakterien bei keiner anderen Krankheit außer bei der Cholera vorkommen, daß ihr erstes Erscheinen mit dem Beginn der Krankheit zusammenfällt, daß sie mit dem Ansteigen des Krankheitsprozesses entsprechend zunehmen und mit dem Ablauf der Krankheit verschwinden, erstattete er im Februar 1884 einen ausführlichen Bericht über seine Entdeckung. Doch fand diese erst verhältnismäßig spät allgemeine Anerkennung und wurde mit vielen Urteilen und falschen Schlußfolgerungen bekämpft. „Wenn wir fragen", schließt Prof. Kleine, „welche besonderen günstigen Umstände damals die Entdeckung des Cholera-Bazillus ermöglichten, so müssen wir neben den in Kochs eigener Person liegenden Faktoren die von ihm geschaffene geniale Methode der Rein- fultur auf festem Nährboden nennen. Diese Methode ließ Koch zum Begründer einer neuen Wissenschaft werden und enthüllte die Ursache vieler tödlicher Seuchen."


