Junge deutsche Aaüon
hatten wir, von der Nordsee kommend, den Kanal leben, mit Sonderburg und Tondern und den an-1 durchfahren ... Und weiter wanderren die Blicke deren Städten der Nordmark ...
Wir wollen gestatten
Trommler und Fahnenträger. — (Aufnahme: Baumann i. Fa. Photo-Pfaff.)
durchfahren .. . . ....
über Kiel hin. Die gewaltigen Werftanlagen, kleine NDC-Dampfer, dort die Fähre ... und dort drüben
der schmale, gewundene Strich die Förde sein. Wir standen lange, lange dort oben, blickten hinab auf die Stätte, an der sich seit 1894 alljährlich das Deutschtum der Nordmark zu ein* großen Kundgebung, zu einem Bekenntnis zum Reich vereint ... In der neuen, vorbildlichen Jugendherberge auf halber Höhe des Knivsberges saßen wir dann noch lange bei dem Führer des Grenzdeutschtums.
So ließe sich noch viel, unendlich viel erzählen. Gewiß gehören Frohsinn und Uebermut zu einer rechten Fahrt', aber selbst wenn wir von dieser lustigen Seite berichten würden, ein ernster Unterton würde immer mitschwingen. Denn stärker und nachhaltiger als alles andere Erleben ist das Wissen um deutsche Not, um deutsches Ringen. Das verfolgt einen, wenn man mit offenen Augen durch die Lande fährt und das läßt einen nicht wieder los, das bestimmt die innere Haltung, macht einen stark und wach für die Schwere der Aufgaben, die noch vor uns — vor der deutschen Jugend liegen.
„Fliegeralarm! Lustgefahr 20!"
Mädels im Dienste des zivilen Lustschuhes.
Knie wurde immer dicker und dicker. Bluterguß, meinte Kuhl... Ich ärgerte mich eigentlich gar nicht. Man brachte mich in eine große Halle, und klebte eine Marke auf meinen Hals.
Ein Mann mit einer bunten Mütze brachte mich in einen dunklen Wagen. Und dann fuhr ich stundenlang ... Ich glaubte schon, Laux hätte mich treulos verlassen. Doch nach vielen Stunden hielt der Wagen. Kuhl holte mich ab und brachte mich nach Hause. Dort lag Laux schon im Bett und stöhnte entsetzlich...
Nachtfahrten mache ich immer sehr gerne. Laux ist doch ein netter Kerl. Wenn die Jungens nachts im Zelt pennen, bindet er mich an seine Beine an, damit ich nicht am nächsten Morgen weg bin. Er muß mich doch wohl sehr lieb haben. Dafür tu ich ihm auch gern einmal einen Gefallen. Z. B. damals nach Passenheim, die 30 Kilometer. Krümel wollte durchaus mit. Laux setzte ihn auch auf mich drauf. Zwei Mann ist ja ein bißchen viel! Ich hätte ja meinen Rahmen einfach einknicken lassen können — aber man soll nicht so schäbig sein.
Einmal war ich furchtbar stolz! Die Jungen hatten da ein „olles Motorrad" ausgetrieben. Ich dachte, meine Zeit wäre jetzt vorbei, denn diese «tänker machen uns eine große Konkurrenz, aber b^be ich gedacht: Als sie nach Hause wollten, fuhr das Ding einfach nicht mehr! Was blieb ihnen anderes übrig, als mich und einen Kamerad von mir anzuspannen und die „Ntaschine" abzuschleppen.
Wenn ich mich nicht irre, müßte ich so ungefähr ?khn Jahre auf dem Buckel haben. Ehrlich gesagt, 'ch sehe schon etwas verbogen aus! Einige Berzie- s'Ä im §oufe der Zeit schon abgebrochen und der Rheumatismus steckt mir ordentlich in den dE diese verfluchte KurzatmigkeitI r-aux sieht das auch ein. Er belästigt mich nicht.
DteIL ®a5 letztemal hat er mich beim Winterlager gebraucht, wo ich einen Sack Kartof- CTJur die verflossene Horde 15 Kilometer weit mJxPPCnvmmu)k- Seit der Zeit stehe ich auf dem ?/£cn- habe ich doch eine kleine Sehn-
?ad) ?e5. Landstraße, nach den Jungen ... Man kann doch nicht so leicht davon los! Man ist 5ai,rrat,'!! i(t d°ch ein
Ein regnerischer, stürmischer Tag! Die Straßen sind nur schwach belebt. Doch in der Gegend des Polizeigebäudes in W. herrscht reges Leben. Junge Mädels, regenfest angezogen, kommen in Gruppen zu zweien und dreien aus allen Richtungen, streben dem hohen, weitgeöffneten Tor an der Friedrichstraße zu...
Auf dem Hofe ein unablässiges Rufen und Grüßen. Rund hundert Mädels sind versammelt. 16- bis 25jährige sind es; größtenteils Mädels vom BDM., Schülerinnen und Berufstätige. Teilweise kommen sie geradewegs aus dem Geschäft; der Chef hat freigegeben für den Nachmittag; denn eine Luftschutzübung ist angesetzt.
Ein Schupooffizier aibt kurze Befehle. Dann verteilt sich alles rasch auf drei Wagen: einen Omnibus und zwei Ueberfallautos. Schon nach kurzem verlassen die Wagen den Hof, fahren in schnellem Tempo durch die Stadt, hinaus nach Fort S. Noch immer strömt der Regen vom dunklen Himmel, klatscht gegen die Scheiben, auf das Verdeck; aber
am Kai — mit dem Glase war es zu erkennen — das mußte unser neues Schulschiff „G o r ch F o ck" sein. Jäh wandten sich die Blicke, drüben nach Feh- marnbelt hinüber grüßten sie still und ernst. Dort sank die „Niob e", und mit ihr 69 junge deutsche Menschen ...
Und wieder ein anderer Tag! Wir saßen auf dem Ahrensbera in dem gemütlichen deutschen Jugendheim. Wir blickten hinein in die sinkende Dämmerung. Drunten in Apenrade — hart an der langgestreckten Förde, deren Band so schnell und unmittelbar hineinmündete in das Grau des Abends — blitzten die ersten Lichter auf. Mit einigen Sudetendeutschen, mit den deutschen Mädeln aus der Stadt saßen wir zusammen, und Stille war um uns. Wir dachten wohl alle an Deutschland, das erfüllt war von Parteikämpfen ... „Versailles", sagte plötzlich der lange Kieler Student, der drunten in Sudetenland zu Hause war, in das Schweigen hinein. Wir nickten und dachten an das Schicksal von Nordschleswig. Trotz der 54 Prozent deutscher Stimmen fiel die Stadt da unter uns nicht an Deutschland ... Und ähnlich mar es mit Haders-
Quartier im Heuboden.
jRrrrr. Füü—tiii, bum! Rrrrr, Füll—tiii, bum! Bubi wird wach. Er schläft, wie immer natürlich an der Scheunenlucke. Rrrr, Füü—tiii, bum! „Donnerkeil!" brummt er, wickelt sich aus der Decke und macht die Luke wieder dicht. Es ist wieder still. Alle schlafen wie die Ratten. Das war wieder mal so ein schöner „Klotz" gestern. Drüben in der Ecke sägt jemand mit bewundernswerter Ausdauer einen ordentlichen Stamm. Was der wohl dabei denkt? Andere Leute wollen doch auch schlafen. Zack! Ein Turnschuh saust durch die Luft. Das Sägewerk ist unschädlich gemacht. Bubi dreht die Nase nach Westen und schiebt die östliche Schulter dem Polarstern etwas näher! Da! Die Sägerei fängt schon wieder an. Diesmal kommt's aber von der anderen Ecke. Ich glaube, da schläft Hans. Da ist aber nichts zu machen. Der Kerl schläft hinter einer Leiter. Er hat also vorgesorgt. Bubi duselt wieder ein. Er hört im Traume fernes Wasserrauschen, sieht Kreissägen sich drehen und Bretter fallen. Da er nun so neugierig ist, geht er zu nahe heran und em Brett fallt ihm auf den Fuß. Er wird wach und sieht sich in die Wirklichkeit versetzt. Aha! Sem Turnschuh ist wieder da, der Da drüben hat eine feine Nase gehabt. Es ist drei Uhr. Nach einer Weile bemerkt er eine starke Feuchtigkeit. Emer quasselt im Schlaf „Kannst du auch schwimmen?" Das ist Pimpf, der Jüngste. Der wird doch wohl nicht...! Bubi verhört ihn.
— hm — eigentlich müßtest du Hordenkeile haben. Ernst, der ewig Durstige, grinst. Das Grinsen wird zum schallenden Gelächter. In der Hand hat er die Feldflasche und siehe da, sie ist leer In der Nacht hatte er beim Trinken den Korken Der« loren und die Flasche neben sich ins Stroh gestellt. Aber natürlich nicht in sein Revier.
Oie Wildsau.
Langsam neigt sich der Tag zu Ende. Die Na- tur ringsum verfällt in tiefes Schweigen Eine Schar Hitlerjugend zieht durch den Schönbuch An Unterhaltung fehlt es nicht. Witze werden geklopft daß einem die Haare zu Berge stehen. Einer summt leise ein Lied vor sich hin, andere nehmen es auf hell klingt das Lied jetzt durch den stillen Wald.
Wenn auch der Dreck oben in die Stiefel hinein-
Am 21. und 22. April findet in ganz Deutsch» land der Reichs-Werbe- und -Opfertag des Iugendherbergsverbandes statt. Die gesamte deutsche Jugend wirbt für das Iugendherbergs» werk und sammelt am Opfertage Bausteine für neue Jugendherbergen. Jeder Deutsche muß für die Mitarbeit am Iugendherbergswerk gewonnen, muß über die Bedeutung des Iugendwanderns und Der Jugendherbergen aufgeklärt werden. Zur Durchführung hieser Aufklärung ist das Bildhest „Schafft uns Jugendherbergen!" her» ausgebracht worden. Die Schrift zeigt in anschau» lichen und eindrucksvollen Bildern die bisherigen Erfolge des Iugendherbergswerks. die Freuden des Wanderns und die Arbeit der deutschen Jugend, die durch Schaffung von Jugendherbergen in allen Teilen Deutschlands das Wandern zum schönsten, gesündesten und billigsten Sport, der Körper und Geist erfrischt, machen will. Dis Schrift hat 32 Seiten Umfang und ein farbiges Titelbild und wird zum Preise von 10 Pf. durch die gesamte Hitlerjugend und alle übrigen Jugendorganisationen des Deutschen Reichs, insbesondere durch die Ortsgruppen des Reichsverbandes für deutsche Jugendherbergen verbreitet.
Die deutsche Jugend will wandern. Beherzigt den -Aufruf der Jugend: „Schafft uns Jugendherbergen!"
läuft; das macht doch nichts, unentwegt geht's durch Dick und Dünn weiter.
Da — auf einmal — ein Gepolter dicht nebenan im Wald. Wie am Boden gewurzelt, stehen wir still Was war das? — Horch, da grunzt es! Ein Wild» schwein? — Das könnten wir gerade noch brauchen, daß uns so ein steifhaariges Borstentier über den Weg läuft!
Rasch entschlossen werden die Fahrtenmesser gezogen. Ein paar von uns setzen zum Sprung über den Graben an — hupv! — und bringen mit offe« ner Waffe ins dunkle Holz ein. Ein Sekunde Stille — plötzlich lautes Gepolter und Grenzen — Taschenlampen blitzen kurz auf — Geschrei! Da bringen sie aus dem Wald — einen Hitlerjungen mit heraus ...
Es war einer von uns. Beinahe wäre es ihm durch sein „sau"mäßiges Grunzen an den Kragen gegangen!
Mit der „Wildsau" in der Mitte gingen wir in Pfundsstimmung weiter durch den Forst, unferm Ziel entgegen.
Was muß ein richtiger Zunge in der Hosentasche haben?
Was muß ein richtiger Junge in der Hosentasche haben, und wodurch unterscheidet er sich von den sogenannten Musterknaben? — Ein Taschenmesser, das ist richtig und wichtig. — Und wenn es noch schneidet, bann ist es tüchtig. — An einer Kette macht es sich besonders fein. — Das sieht nach Uhr aus, ohne Uhr zu fein. — Und wenn man darf, kann man Brot abfdjneiben — ober auch Wurst, meist barf man keins von beiben. — Dann gehört Strippe oder Bindfaden in eine Jungen- tafche, — Wie ein fester Korken auf eine volle Flasche. — Damit fesselt man den Feind oder fängt einen Hund vor der Tür. — Wenn er dann beißt, kann die Strippe nichts dafür. — Am besten läßt man aber schon vorher los, — das ist ehrlicher Brauch, denn ohne Hund und Strippe geht es auch. — Briefmarken gehören in die Tasche und dann Draht, — einige Schrauben, Spulen und Kontakte von dem Radioapparat, — Ein Brennglas, Sicher- heitsnadeln, ein Geldbeutel, ein Fayrradventfl, — 3n seiner Tasche hat man eben nie zu viel. — Nicht nur das Taschentuch, wie sogenannte Musterkn« ben ... Wozu die eigentlich ihre Tasche haben-
von 60 bis 80 Kilometer zu einem Fluko zusammen- gefaßt.
Eine halbe Stunde, eine Stunde vergeht; die zweite ist auch nahezu herum. Immer aber noch jagen sich die Meldungen, geben die Mädels mit ruhiger Stimme die Warnung durch nach den benachbarten Orten. Sie wissen, von welcher Bedeutung für Deutschland die Organisation des zivilen Luftschutzes, des Flugmelde- und Warndienstes ist. Der aktive Luftschutz fällt so gut wie ganz aus, da uns durch bas Versailler Diktat nur 81 ortsfeste Flakgeschütze zuaestanden worden sind. Deshalb muß der passive Luftschutz so stark wie möglich ausgebaut werden. Grundlage einer jeden Luftschutzmaßnahme aber ist, da es einen absoluten Luftschutz nicht gibt, die rechtzeitige Kenntnis vom Herannahen der feindlichen Flugzeuge. Darum das Netz von Flugwachen, darum überall im Reiche die Ausbildung Der Frauen und Mädels, die sich freiwillig melden.
Die Dunkelheit ist schon lange angebrochen, als die Teilnehmer an der Hebung wieder die Wagen besteigen. Während die Scheinwerferkegel der Autos gespenstisch durch den Abend jagen, steigt aus dem Innern der Wagen ein Lied nach dem andern. Deutsche Jugend singt; Jugend, die selbst eine anstrengende mehrstündige Uebung nicht müde gemacht hat; Jugend, die immer bereit ist zum Dienen, zum Aufbau des neuen Deutschland!
H; M.
Ich Gehöre einem Pimpf.
Ein Fahrrad erzählt...
Ich gehöre einem Pimpf, der Laux heißt. Ich bin ziemlich alt, sozusagen ein alter Kämpfer. Wenn ich einen Kilometerzähler hätte, würde er schon einige Kilometer anzeigen. Ich habe viel verbotene Sachen mitgemacht. Bei nächtlichem Plakatkleben und Versammlungen bin ich dabeigewesen. Ich habe mich dabei immer sehr anständig benommen — denn mein Herr, damals Hitlerjunge — konnte mit mir immer rechtzeitig ausrücken, wenn die „so sehr beliebte Schupo" kam. Jetzt ist es ja anders geworden, weil ich nicht mehr so viel Angst auszüstehen brauche, Denn bas tut meinem ollen Fahrradherzen auf die Dauer nicht gut. Höchstens mal kommt so mas noch vor. — Zum Beispiel neulich, als Laux mit seinem Kameraden auf ein paar Aepfel in einem Garten scharf war und sie nächtlicherweise holen wollte... Ich wollte durchaus die Pimpfe davon abbringen und bekam ab und zu Plattfüße Aber das half mir alles nicht. Und schließlich war ich auch stolz, als wir mit vollem Affen heim- trubelten.
Aber sonst macht mir das Leben einen Heiden- spnß! Ich bin immer unterwegs. Ich gehöre sozusagen der ganzen Jungenschaft. Aber es gibt noch immer einige, die mich niemals sauber machen wollen, wenn sie mich gebraucht haben. — Und dauernd ungewaschen macht schließlich auch keinen Spaß!
Sonntags bin ich schon immer weg! Laux nennt bns „Auf Fahrt gehen". Dann muß ich immer sei° ncn Affen mitschleppen und der ist gar nicht jo Acht, denn ich gehöre ja auch nicht mehr zu den Jüngsten. Manchmal fahren wir zum Entsetzen mancher Leute ohne Licht. Dann kommt es häufig Dor, daß wir ab und zu gegen einen Baum fahren. Besonders auf diesen scheußlichen Landwegen. Dann bin ich krank. Aber bis jetzt ging es noch immer ganz glücklich ab. Nur auf Der Lunge bin ich nicht mehr so recht. Manchmal quietscht sie auch ganz verflucht. Manchmal ist es auch umgekehrt. Einmal muß Laux nicht ganz auf der Höhe gewesen sein, tzch merkte mit Entsetzen, daß er wie ein Besoffener f)in und her pendelte und — rummmms ... lagen mir auch schon im Graben. Ich war heil, aber fein
Das Knivsbergdenkrnal hatten wir erstiegen, sahen weit hin übers Land. Dort lag Hadersleben, drüben fern am Horizont das mußte Ä p e n ra d e,
in den einzelnen 2Bagen herrscht frohes Leben...
Im Fort eilt sofort jeDes Mädel an seine Station. Flugwachkommando — kurz Fluko — und Warnzentrale werden besetzt... Die Hebung kann beginnen! Aus dem Fluko läuft Die erste Meldung ein. Ein Blick auf die Karte, kurze Berechnungen, halblaute Befehle, und dann flammen über der Warnzentrale an einer Tafel Inschriften auf: „Fliegeralarm! Luftgefahr 20!"
Rasch folgen Die MelDungen! Aufmerksam sitzen Die Mädels am FelDtelephon, notieren Die übermittelten Warnungen, geben sie telephonisch weiter an Die einzelnen Flugwachen. Ständig wechseln Die Namen; alle Orte Der UmgegenD erscheinen in Leuchtschrift...
Pünktlich unD genau arbeiten Die MäDels. Sie wissen. Daß es auf Den Bruchteil einer SekunDe ankommt bei Der Weitergabe Der Warnung an Die Fluawachen, Die überall im Reiche in einem Ab- ftano von 10 bis 12 Kilometer eingerichtet sind. Alle Flugwachen mieDer finD in einem Umkreis
Erleben.. .
Ach ja, Fahrten ins schöne deutsche Land! Stundenlang ließe sich davon erzählen, von all diesem Erleben. Aber an den meisten Tagen waren es keine großen und aufregende Dinge, Die in uns hängen blieben. Sonne und blauer Himmel ober fo ein paar lustige weiße Wölkchen, Die keck über uns dahin segelten, genügten schon, um uns froh zu stimmen. Standen wir dann wieder an der Arbeit, Dann lebten in uns immer noch Diese BllDer nach Mit einem ganz anDeren Schwung, mit einer ganz anderen Freude ließ es sich Da schaffen im täglichen Einerlei...
Oder jener Abend in der alten Hansestadt L ü - beck, als wir BDM.-Mädel mit Danziger Jungen zusammensaßen, und ihr Führer in seiner knappen soldatischen Art erzählte vom Kampf der alten Stabt, von ber zähen, unerbittlichen Abwehr aller Willkür Ernst unb nachdenklich gingen wir an Dem Abenb schlafen, nachDem wir Den großen Ring geschlossen und unser Lied gesungen hatten. „Kein schöner Land auf dieser Welt als hier das unsre.." Das klang wohl in uns allen noch lange, lange nach.
Einige Tage später — die Holsteinische Schweiz in all ihrer lieblichen Schönheit hatten wir durchquert —standen wir oben auf dem Marine-Ehrenmal in Laboe. Tief unter uns lag die Förde, lang und blau und glitzernd ... Kleine, schnittige Segelboote auf ihr, weiß leuchteten sie herauf. Drüben vor Fried- richsort brummten einige Wasserflugzeuge ... Links davon Holtenau mit Den mächtigen Schleusenkammern: Tor zum Kaiser-Wilhelm-Kanal ... Erinnerungen wurden wach; im vergangenen Sommer
Wir deutschen Mädel sind zu einem Wettkampf aufgerufen worden. Wir folgen diesem Ruf, nicht, um eine Pflicht zu erfüllen, sondern um einer Rechtfertigung vor uns selber standzuhalten. Wir sehen auch in diesem Kampf nicht ein Ringen um einen Höchstpreis — wir sehen Darin mehr. Wir fühlen in diesem Aufruf bas Neue, Die große Wandlung, Die unser Deutsches Staatsleben erfahren hat. Schon oft hat ein Aufruf im vorigen Jahr sich an Das Volt gewanDt, schon oft mürben alle Kräfte gefordert und aufgeboten. Jetzt aber wendet sich untere Regierung nur an die deutsche Jugend. Sie soll Zeugnis ablegen und den Beweis erbringen, daß in ihr all Die erforderlichen Kräfte und Werte schlummernd, die notwendig sind, um gesunden, kräftigen Boden für das Werden eines neuen Staates zu bilden.
Diese Tat unseres Führers zeigt uns wieder einmal ganz klar, wie Wesen und Gestaltung unserer Jugend einen ganz neuen Sinn bekommen haben. Wir Mädel sehen wieder die Vergangenheit unb fühlen noch einmal die innere Not unseres Wesens, das nach Gestaltung rang, das Kräfte und Werte in sich schlummern fühlte, Die unter Dem Druck Der Verhältnisse sich nicht entfalten konnten. Wir erinnern uns unserer Bitterkeit unD beinahe neidvollen Gedanken, wenn einige bevorzugte aus- erwählte Menschen unseren Weg kreuzten, die frei und ungehemmt von sorgenden Alltagsgedanken sich entwickeln und beweisen konnten, zu welchen Leistungen sie fähig waren. Wir wollten ja nicht nur Die so selbstverständliche Pflicht einer Haustochter erfüllen, und wir begnügten uns auch nicht damft — um leben zu können — irgendeiner monotonen Beschäftigung in Fabrik, Büro oder Wirtschaftsbetrieb nachzugehen. Wir wollten gestalten, Eigenes neben und jeder Arbeit den Stempel unserer Persönlichkeit aufdrücken und zeigen können, daß wir nicht nur da waren, um die Gesetze des Alltags zu erfüllen.
Aber niemand fühlte unser Drängen und niemand sah unsere jugendliche Not. Und jetzt löst sich Dieser Druck. Alle Hindernisse und Hemmungen sind weggewischt, unser Führer zeigt uns einen neuen, von uns ersehnten Weg. Wir treten in einen Wettkampf ein, der von uns nichts anderes verlangt, als nur ein Besinnen auf unferSelbft und ein Preisgeben unseres Könnens. Wir sind frei, wie wir es nie zuvor gewesen sind. Wir dürfen jung fein und dennoch diese Jugend als einen Wertteil für Das Volksganze opfern. Ting.


