Nr. 61 Erstes Blatt
I84. Jahrgang
Dienstag, 13. Marz 1934
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Das Gaargebiet als französisches Faustpfand.
Will Frankreich eine provokatorische Politik in der Abrüstungsfrage?
Paris, 13. März. (DNB.-Funkspruch.) Die Pariser Morgenpresse weist auch am Dienstag wieder darauf hin, daß die französische Antwort auf die englischen Abrüstungsvorschläge negativ a u s f a l l e n werde. Frankreich, so erklärte der „Matin" werde in sehr höflicher, aber sehr entschlossener Form die Bedingungen stellen, von denen es den Abschluß eines allgemeinen Abkommens abhängig mache.
Besonders aufschlußreich sind die Ausführungen des „Oeuvre", das feine Informationen häufig aus bester Quelle schöpfen kann. Es schreibt, es sei bereits bei der letzten kurzen Sitzung des Landesverteidigungsrates zutage getreten, daß sich der größte Teil der Mitglieder der Auffassung des Generals Weygand anschlösse, der dabei in voller Übereinstimmung mit dem Ministerpräsidenten, dem Kriegsminister und dem Außenminister stehe.
Nach Weygands Ansicht müsse in der Antwort an England erklärt werden, die französische Regierung sei angesichts der Aufrüstung Deutschlands und angesichts der augenblicklichen politischen Verhältnisse nicht in der Lage, sich in der Abrüstungsfrage irgendwie zu binden und rate deshalb dringend, a b z u - warten, vorausgesetzt, daß England keine besonderen Sicherheilsgarantien anbiete. Die französische Regierung sei der Auffassung, daß sie durch den Abschluß eines allgemeinen Abkommens, in dem die Zustimmung zur Aufrüstung Deutschlands enthalten sei, gleichzeitig das einzige Pfand verliere, das sie augenblicklich im S aarge b i e t noch in Händen habe. 3n Regierungs- krelfen werde der Standpunkt vertreten, daß Frankreich, wenn es den Abschluß eines solchen Abkommens ablehne, im Ianuar 1935 mit voller Berechtigung erklären könne, Deutschland habe die Verträge nicht geachtet und Frankreich sähe sich deshalb auch nicht veranlaßt, sie zu achten und weigere sich, das Saargebiet zu verlassen, solange Deutschland nicht eine andere
Politik einschlage (!).
„Excelsior" schreibt, die französische Regierung habe nicht die Hoffnung aufgegeben, schließlich doch noch zu einem Abkommen zu gelangen. Sie werde aber niemals ihre Zustimmung zu zweifelhaften Experimenten geben. — Der „Petit Parisien" erklärt, daß die französische Antwort keine technischen Einzelheiten enthalten werde. Trotzdem fordere ihre Abfassung die größte Aufmerksamkeit, weil man gegenüber der „teilweisen gewollten Ungenauigkeit der Vorschläge" eine klare und unzweideutige Sprache sprechen müsse. Die Aufgabe der französischen Regierung wäre jedenfalls leichter gewesen, wenn man ihr gewisse Zugeständnisse in der Frage der Garantien, der Effektivbestände und der Rüstungen Überhaupt gemacht hätte.
GirFohn Simon hat wenig Hoffnung.
Auch ein bescheidenes Abkommen wertvoll.
London, 13. März. (DNB.-Funkspruch.) Sir John (Simon erklärte in einer Rede in Birkenhead, er fürchte, daß manche Teile des letzten britischen Planes nach deutscher Ansicht nicht weit genug und nach französischer Ansicht zu weit gingen. Die Regierung bemühe sich zu verstehen, was an den Forderungen und Besorgnissen anderer Mächte vernünftig und begreiflich sei. Nur auf diese Weise könne sie hoffen. Überhaupt noch eine internationale Abrüstungsvereinbarung zu erreichen. Selbst ein Abkommen von verhältnismäßig bescheidener Reichweite, das weit hinter dem ursprünglich Erstrebten zurückbleibe, würde doch bedeutungsvoll sein. Denn immerhin könne man dann sagen, daß zum erstenmal in der Geschichte der Menschheit die Nationen der Welt sich auf eine Begrenzung der RÜstungen geeinigt haben: damit wäre dann der Grundstein des Weltfriedens gelegt. Nur mit Angst und Hoffnungslosigkeit könne er dagegen an die Möglichkeit eines Fehlschlagens denken. Eine große Anstrengung sei notwendig, pm auch nur ein abgeändertes Abkommen zu erreichen. Aber wenn erst einmal ein abgeändertes und teilweises Abkommen zustande gebracht sei, dann werde man einen Unterbau haben, an dem man künftig weiter bauen könne.
England hält am Macdonaldplan fest.
London, 13. März. (DNB. Funkspruch.) Reuter meldet: Gut unterrichtete Kreise äußern sich abfällig über gewisse Mutmaßungen hinsichtlich des wahrscheinlichen Inhalts der französischen Antwortnote auf die britischen Abrüstungsoorschläge und be
zeichnen diese Mutmaßungen als miesmacherisch. Reuter erklärt, daß der britische Plan, der kürzlich von Eden in Paris, Berlin und Rom erläutert worden sei, nach wie vor unverändert bleibe und daß kein Anlaß zu der Vermutung bestehe, er werde sich als unannehmbar erweisen. Aus diesem Grunde sei es voreilig, zu
sagen, daß die britische Regierung ihre Pläne zur allgemeinen Abrüstung infolge mangelnder Bereitwilligkeit der anderen aufgegeben habe und ihre Aufmerksamkeit lediglich darau) richte, eine Luft- konvention zu erreichen, die sich auf die betreffenden Vorschläge des Maodonald-Planes beziehe.
Englands Flotte das Pfand seiner nationalen Sicherheit.
Kein Verzicht auf den Bau von Schlachtschiffen. - Die Sorge vor den französischenU-Booten.
deren Ausrüstung mit der der erwähnten anderen Kreuzer Übereinstimme. Aus eine Frage, ob bei Frankreich Erkundigungen eingezogen worden seien, warum es so viele U-Boote baue, erwiderte Lord Stanley, er glaube, es seien Frankreich gegenüber derartige Andeutungen gemacht worden; er bedauere, daß Frankreich seinerzeit nicht dem Londoner Flottenvertrag beigetreten sei. Der Marinevoranschlag bedeute keine Herausforderung gegenüber einem anderen Lande, aber einen w e - sentlichen Beitrag zur Sicherheit Englands. — Die Haushaltsvoranschläge für die britische Flotte wurden dann vom Unterhaus a n -
London, 12. März. (DNB.) Die neuen Haushaltsvorschläge für die englische Flotte wurden am Montagnachmittag vom Ersten Lord der Admiralität E y r e s Monsell dem Unterhaus vorgelegt. Eyres Monsell erklärte u. a., England versuche immer noch, eine Begrenzung der Rüstungen herbeizuführen, seiner Meinung nach sei es daher ganz unmöglich, daß das englische Kreuzerpro- gramm am Vorabend der Flottenkonferenz von 1935 aus der Annahme heraus erhöht würde, die Konferenz werde fehlschlagen. Er wolle aber vollkommen klarstellen, daß England bei Ablauf des Flottenvertrags am 31. Dezember 1936 d i e volle zugelaffene Kreuzertonnage haben werde. Die Forderung, die Tonnage der Schlachtschiffe auf 10 000 Tonnen zu begrenzen, müsse a b - gelehnt werden. Das Schlachtschiff müsse das Rückgrat der englischen Flotte bleiben. Die englischen Schlachtschiffe müßten viel stärker sein als der nächst kleinere Schiffstyp, mit dem sie im Kriegsfall in Berührung kämen, lieber die zugunsten einer Tonnageherabsetzung angeführte Unterscheidung zwischen Angriffsund Verteidigungswaffen könne man nur sagen: Die einzige Begriffsbestimmung, der in Genf allgemein zugestimmt wurde, sei die, daß eine Waffe offensiv ist, wenn man davor steht und defensiv, wenn man dahinter steht. (Großes Gelächter.) Eine Herabsetzung der Schlachtschiffe auf 10 000 Tonnen würde ein Anreiz für Angreifer fein und die Verteidigungskraft des angegriffenen Landes gefährlich vermindern.
Der konservative Abgeordnete Admiral Sir Roger Key es wies auf die Notwendigkeit des strategischen Ausbaues von Singa-
pore hin, der für eine wirkungsvolle Unter- . _ stützung Australiens und Neuseelands im Kriegs- Ig e n o m m en. fall unerläßlich fei. Der Londoner Flottenvertrag'
stelle eine gefährliche Einschränkung der englischen Flotte dar. Der Simon-Liberale L a m e r t äußerte schwere Befürchtungen wegen der französischen Unterseebootsflotte. Frankreich habe 1650 Flugzeuge, die zusammen mit den französischen Unterseebooten den englischen Handel im Kanal lahmlegen können. Frankreichs Macht scheine sich auf Unterfeebote, Flugzeuge und den Völkerbund zu stützen.
Der Parlamentssekretär der Admiralität Lord Stanley erklärte, die Regierung habe stets deutlich zu verstehen gegeben, daß sie kleine Kreuzer in größerer Zahl wünsche. Sie habe den anderen Mächten in dieser Richtung ein praktisches Beispiel gegeben, das leider nicht befolgt worden fei. Denn zwei von den anderen großen Seemächten hätten mehrere 10 000-Tonnen-Kreuzer gebaut, die viel schwerer bewaffnet seien, als die der britischen Leander-Klasse. Die Admiralität habe sich daher gezwungen gesehen, dem gegebenen Beispiel der anderen zu folgen; dies sei der Grund für das Erscheinen einer neuen Klasse von Kreuzern, der Minotaur-Klasse von 9000 To.,
Südslawien will lieber den Anschluß als die Äüilkehr der Habsburger.
Belgrad, 12. März. (DNB.) Außenminister Jeftitsch sprach in der Skupschtina über die Außenpolitik Südslawiens. Der Minister bezeichnete den B a l k a n p a k t als die Grundlage der Belgrader Politik. Gegenüber Bulgarien wolle Südslawien seine Annäherungsbestrebungen fortsetzen. Uber die Frage der österreichisch-ungarischen Monarchie sei ein endgültiges Urteil gefällt worden. Da jedesmal, wenn von Restaurationsbestrebungen gesprochen worden sei, ein Blutvergießen unvermeidlich scheine, diene die Habsburger Frage keinesfalls dem Frieden. Südslawien sei vor der lebenden Habsburger Monarchie nicht zurückgewi- chen, und es würde dies vor einer wiedererweckten noch weniger tun. Es habe den Anschein, als ob die Besprechungen zwischen Mussolini, Dollfuß und Gömbös arttirevisionistischen Charakter hätten. Die österreichische Frage könne nicht im Sinne der einen oder anderen Macht, sondern nur auf einer allgemeinen Grundlage gelöst werden.
Der Abgeordnete Kaimakowitsch (Regierungspartei) erklärte, die Wiedereinsetzung der Habsburger wäre die größte Gefahr für die südslawischen Grenzen. Wenn Südslawien vor die Entscheidung „Anschluß oder Restauration" gestellt werde, müsse er Öen Anschluß al s das kleinere Hebel vorziehen, zumal er auch im Selbstbestimmungsrecht der Völker begründet sei, um das man im Weltkrieg gekämpft habe. Zwischen Südslawien und Deutschland bestünde keine Streitfrage, weder in territorialer noch in ethnographischer Beziehung. Die nationalsozialistische Regierung in Berlin sei endgültig gefestigt und habe schon schwierige Fragen der Außenpolitik gelöst, was besonders der Vertrag mit Polen beweise. Wie Südslawien sei auch Deutschland g e - gen d i e Habsburger. Diese Einstellung der beiden Staaten könne einst die Grundlage zu einer engen politisch en Zusammenarbeit im Donau-Becken abgeben.
Rom, 12. März. (DNB.) Ministerpräsident Gömbös ist am Montag um 21.40 Uhr mit dem Sonderzug Mussolinis in Rom e i n getroffen. Am Bahnhof hatten sich der Duce, einige Staatssekretäre, der Generalsekretär der Faschistischen Partei und zahlreiche hohe Beamte des Außenministeriums eingefunden. Mussolini begrüßte Gömbös herzlich. Als die beiden Staatsmänner den Bahnhof verliehen, wurden ihnen von einer zahlreichen Menge herzliche Kundgebungen dargebracht. Gömbös nimmt in der ungarischen Gesandtschaft Wohnung. Bundeskanzler Dollfuß wird wegen des schlechten Wetters nicht mit dem Flugzeug, sondern mit der Bahn in Rom eintreffen. Er wird am Dienstagabend in Rom erwartet.
Gömbös wird den Dienstag dazu benutzen, um dem Pap st feine Aufwartung zu machen und den Kardinalsiaatsfekretär Pacelli, den Kardinal Sin
tere und den Großmeister des Malteser-Ordens Ehigi zu besuchen. Am Abend findet ein Essen in der ungarischen Gesandtschaft beim Vatikan statt, an dem vermutlich auch kardinal Pacelli teilnehmen wird. Die erste Breierbe- sprechung wird auf den Mittwoch fallen. Ferner fleht fest, daß Dollfuß und Gömbös gemeinsam an einem Frühstück des Malteser-Ordens teilnehmen werden, und daß Mussolini im Palazzo Venezia oder im Hotel Exzelsior ein Essen gibt.
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Die italienischen Blätter bringen Gömbös und Dollfuß außerordentlich herzlich gehaltene Begrüßungsworte. „G a z e 11 a del P o p o l o" schreibt, daß es sich bei den Besprechungen in Rom nicht um die Schaffung eines politischen oder wirtschaftlichen Blockes handele, der gegen irgendeinen, fei es nun Deutschland oder die Kleine Entente gerichtet sei, sondern daß die
Absicht einzig und allein die sei, die Unabhängigkeit Oesterreichs und Ungarns zu stärken und imRah » men des Viererpaktes und nach den Richtlinien der italienischen Donaudenkschrift Abkommen wirtschaftlicher Natur zu treffen.
In einem Leitartikel des halbamtlichen Gior- nale d'Jtalia sucht Gaida den Nachweis zu bringen, daß die italienische Politik im Donaubecken von jeher in gerader Linie auf das wirtschaftliche Wohl Oesterreichs und Ungarn bedacht war. Die Begegnung von Rom, meint er, habe ein besonders feierliches Gesicht, ohne etwas Außerordentliches darzustellen! Die Verhandlungen würden von den drei Grundsätzen der italienischen Politik ausgehen:
1. Völlige Unabhängigkeit Oesterreichs und Ungarns,
2. die Notwendigkeit, ihnen die Möglichkeit zu deren Verteidigung zu geben,
3. die Notwendigkeit, daß die Zusammenarbeit vor allem von Italien angeboten werde, nachdem bis zum Ueberfluß die feindselige Untätigkeit aller Staaten festgestellt sei.
Der italienische Donauplan sehe bekanntlich e i n S y st e m von ineinanderverketteten zweiseitigen Abkommen vor. Wenn daher beim italienisch-österreichisch-ungarischen Abkommen von regionaler Verständigung gesprochen werde, so dürfe man das doch nicht im Sinne eines Paktes von der Art der Kleinen Entente oder des Balkanpaktes verstehen. Beim italienischen System sei der Grundsatz der Paktbildung vollkommen ausgeschlossen. Die italienische Politik im Donaubecken scheine immer mehr Ver st ä ndnis in Frankreich zu finden, dagegen einiges Mißtrauen bei einem Teil der deutschen Presse und eine fortdauernde, wenn auch heute etwas abgeschwächte Feindseligkeit der Kleinen Entente. Das deutsche Mißtrauen sei unbegründet. Italien arbeite im Donaubecken nicht mit der Absicht, Privilegien zu schaffen. Seine wirtschaftlichen Richtlinien entsprächen nur den natürlichen Interessen Oesterreichs und Ungarns. In der Frage des Zuganges zur See z. B. habe Triest keine ausgesprochenen Konkurrenzabsichten gegen Hamburg. Die Kleine Entente habe keinen Grund, sich über die italienische Politik zu beschweren, sie habe nie etwas für Oesterreich und Ungarn getan und jede Möglichkeit der Unterstützung vorbeigehen lassen. Italien h a n de 1 e, wo Die andern niemals etwas tun wollten.
OefferreüWer Fühler in Prag.
Wien, 12. März. (DNB.) Der Leiter der Wirtschaftspolitischen Abteilung des Wiener Außenministeriums Gesandter Dr. W i e s n e r ist am Montag von der Regierung nach Prag entsandt worden, um die Handelsvertragsverhandlungen zwischen der österreichischen und der tschechoslowakischen Regierung wieder in Fluß zu bringen. Dieser Entschluß wird in Zusammenhang mit der Dreierkonferenz in Rom gebracht. Man nimmt an, der Gesandte habe den besonderen Auftrag, mit der tschechoslowakischen Regierung über eine Teilnahme der Tschechoslowakei und der Kleinen Entente an den von der italienischen Regierung geplanten wirtschaftlichen Vereinbarungen zwischen Oesterreich, Ungarn und Italien zu verhandeln.
Die Verbände der estnischen Freiheitskämpfer aufgelöst. Die Wahlen sollen verschoben werden.
Reval, 12. März. (DNB.) Die Regierung Päts, die von der Bauernpartei gebildet ist, hat Montagabend zu einem überraschenden Schlag gegen die estnischen Freiheitskämpferverbände ausgehvlt. Die Freiheitskämpferverbände wurden im ganzen Lande aufgelöst, zum Teil mit Hilfe von Militär, das vor dem Hauptquartier der Freiheitskämpfer Maschinengewehre auffuhr. Die Truppen waren mit Handgranaten ausgerüstet. Die Auflösung der Verbände hat sich jedoch reibungslos vollzogen. Die Führer der Freiheitskämpferbewegung wurden v e r h af t e t. Im ganzen Land ist der Kriegszustand verhängt worden. Der General L a i d o n e r, der ehemalige Oberkommandierende der estnischen Truppen im Krieg gegen Rußland, wurde zum Oberbefehlshaber der estnischen Truppen mit besonderen Vollmachten ernannt. Die Feiheits- kämpser sollen für heute abend ein gewaltsames Vorgehen geplant haben, dem die Regierung zuvorge kommen ist.
Man rechnet mit umfassenden Entlassungen innerhalb des Offizierskorps, da die Propagandatätigkeit innerhalb des Heeres in letzter Zeit sehr stark war. Man rechnet ferner damit, daß die Präsident- schaftswahl und die Parlamentswah- l e n, die im April stattfinden sollen, verschoben werden. Die Stadtverordnetenwahlen, bei denen in den Städten Reval, Dorpat und Narva die Freiheitskämpfer die absolute Mehrheit erzielt hatten, sollen annulliert werden. Die gesamte Presse der Freiheitskämpfer ist verboten worden. Die Maßnahmen der Regierung werden in einer durch die halbamtliche Telegraphenagentur verbreiteten Verlautbarung damit begründet, daß die Freiheitskämpfer angeblich b e - roaffnete 23 e r b ä<i b e bildeten und m i t Terrvrmaßnahmen gedroht haben sollen. Es wird abzuwarten sein, wie sich die scharfen Maßnahmen gegen die Freiheitskämpfer auswirren werden. Die Freiheitskämpferbewegung verfügt besonders bei der jüngeren Generation über einen sehr starken Anhang.


