Ur. 265 Zweiter Blatt
Gi-tzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheffen)Montag, U.Novembe 195^
Der königliche Hochzeitszug
und den langen Weg
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als Unglück gebracht hat. Der 11. November Ist in England ein Tag feierlicher, stiller Einkehr. Doch wird dieser Tag nicht nur mit kirchlichen Feiern begangen, sondern es finden auch große militärische Paraden und Zeremonien statt. Als erstes werden am Ehrenmal in Whitehall Kränze für die Gefallenen niedergelegt. Der König an der Spitze seiner Söhne und anderer Mitglieder des königlichen Hauses und hoher Truppenteile erweist als erster die Ehrenbezeugung. Dann folgen Mil. lionen von Menschen, Mütter, Väter, Geschwister,
an der Börse, alles verharrt in schweigendem Ge- bet, die Männer nehmen die Hüte vom Kopfe, das
mantenübersäte Krone von England auf dem Haupte, er hält die Hand der Königin und betritt unendlich langsam den Saal. Er bleibt genau vor dem Thron stehen, grüßt je dreimal nach drei Seiten und läßt sich dann langsam auf dem Thron nieder. Hiernach folgen die zwei traditionellen Minuten des gespannten Wartens auf das Erscheinen des Sprechers des Hauses der Gemeinen. Dann kniet der Lordkanzler vor dem König nieder und überreicht ihm die Thronrede, die der Köniy mit lauter und fester Stimme verliest. Danach grüßen er und die Königin wieder mit dreifacher Verneigung und entfernen sich genau so langsam wie sie gekommen sind. Die ganze Handlung dauert kaum fünfzehn Minuten.
Jetzt ist es heraus: Der Hauslehrer Dr. Bell- m a n n hat das Halsband gestohlen — Sie können sich im heutigen Familienblatt von den näheren Einzelheiten überzeugen: mit dem heute erscheinenden Schluß unseres Romans „Das Halsband" von Frank F. Braun finden Sie auch die Aufklärung des Falles und die richtige Antwort auf ’ unsere Preisfrage. Die meisten unter denen, die
Aber das Wunder war noch im Wort, es brauchte nur Augen und Ohren zu finden, die seinen Zauber verstanden, so wurde die Seele des Wortes lebendig im Sang: aus des Knaben Wunderhorn stiegen die Lieder wie Lerchen.
An den verschiedensten Stellen des Weges, an denen der Hochzeitszug vorbeikommt, werden Tribünen errichtet, die für besonders privilegierte und zahlungsfähige Gäste bestimmt sind. Liebhaber haben schon jetzt für einen guten Platz Hunderte von Mark nusgegeben.
Hunderte von Mark für nur ganz wenige Minuten — aber was ein echter Engländer ist, der
Tischlampe.
Ferdinand Stotz, Justizsekretär i.R., Treis a. d. Lda., Hauptstraße 46: Gert Buchheit, „Kämpfer für das Reich".
Frau E. Bickelhaupt, Gießen, Kaiser- allee 36: Lederhandtasche.
Frau Elisabeth Ries, Gießen, Wilhelmstr. 59: Gebäckschale.
Heinrich Schirmer, Gießen, Marburger Straße 4: Linolschnitt „Papageien".
Frau Meline Zimmermann, Laubach, Im Hain 13: Oelgemälde von Fries, „Rote Rosen". Frau M. Bayersdorf, Gießen, Wilhelm- straße 51, pari.: silberner Zuckerlöffel.
Luise Roth, Gießen, An der Kaserne 21: Konfektservice.
Frau E. Schäfer, Freienseen über Grünberg: Tortenplatte mit Tortenheber.
Altbürgermeister Leun, Großen-Linden: „Der unerschöpfliche Ratgeber".
Feldwebel Otto Weniger, Gießen, Walltorstraße 71: Diesel, „Wir und das Auto".
H. Lenz, Gießen, Frankfurter Straße 125: Anwand, „Karl Maria von Weber".
Militär grüßt. Eine unbeschreibliche Stille liegt über ganz London, ein leichtes Hüsteln, ein raschelnd zu Boden fallendes Blatt, sonst nur Stille — Schweigen — ein Eindruck, den man nie wieder vergißt...
Kuriose Parlamentseröffnung.
Gewöhnliche Sterbliche sehen zwar nur die eine
‘EDer EEKausleßrer EDr. EEfcellmann war es...
3)ie £ösung unserer Preisfrage: „Wer (jat das SKalsöandgestohlen?“
Goethe-Bund.
Schiller-Gedenkfeier: Ludwig Wüllner.
10. Kurt Häuser, Gießen, Liebigstraße 15: Ren- ker, „Der Kampf mit dem Gletscher".
Kinder und Greise, die stumm am Ehrenmal vor- nnh inThl>nTP-xMto nffor Zeremonien
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es mehrere Hochzeitszüge. Erst wird das Königs- gehen läßt, noch dazu einen königlichen Hochzeitspanr in vollem Staat kommen, in kurzem Abstand I zug, der nicht alle Jahre wiederkommt.
Hälfte der Feierlichkeiten bei der Pnrlaments- e r ö f f n u n g , und zwar nur das, was sich auf den Straßen begibt. Die eigentlichen Feierlichkeiten, die im Inneren des House of Lords vor sich gehen,
Oes Knaben Wunderhorn.
Von Wilhelm Schäfer.
Brentano und Arnim hießen die beiden Gesellen, die in der Frühe auszogen, am Rhein, in Franken und Schwaben Schatzgräber der deutschen Seele ^Dl^Stimmen der Völker in ihren Liedern hatte Herder gesammelt und war der neuen Weltbürgerschaft Prophet und Apostel gewesen; sie aber wollten dem eigenen Volk den Schatz seiner Lieder heben, daß es die Zukunft erkenne.
In den Stuben und Höfen der Handwerker bot das Lied feine Strophen dem Bänkelfang dar, draußen im Land hielt es den Mund der Burschen und Mädchen fröhlich geöffnet. ,
Was die Urahne fang, als sie noch selber im Schmuck der Bänder den Reigen abging, das fangen bie Enkel: wie der Bach und der Wald, die Wiesen und Wolken im Wechsel der Tage die Unvergäng- lichkeit waren, jährlich im Frühling verjüngt, so hielt das Lied über Jugend und Alter die Herkunft lebendig.
Immer aufs neue gesungen, tn Leid und Freude gleich mächtig, bot es der Liebe den Raum, dann die Wirklichkeit nur durch bie Fenster herein sah, indessen das Pfeilergewölbe, zum Sternhimmel geweitet, der Sehnsucht die heimlichen Türen auf- H^a^roaren die Zelter der Träume bunt aufgeschirrt und lockten zum Ritt in selige Fernen, da chwollen die Geigen, als ob in den Tonen die Seele auf Mondstrahlen ginge, da war das Herz eine Amsel, die letzte Seligkeit flötend vor dem Geheimnis der Nacht. ,
Brentano und Armm, die beiden Gesellen, selber von Jugend und Liebe der Zauberei mächtig, drangen hinein in den Berg darin das Lied solchergestalt seine heimliche Wunderwelt hatte
Und alles Lied war Wort, das nut den Wellen der Melodie auf den Strömen der Urhefe selig dahin fuhr; sie fischten das Wort aus den Strömen und brachten es glücklich zu Tag.
Da waren es Perlen, im Reim zu Kränzen gebunden; so reich war der Raub, daß ihre Hande nicht alles zu fassen vermochten
Des Knaben Wunderhorn hießen sie dann d'.e stattlichen Bände, darin die Worte, rote andere Worte zu lesen, abgelöst vom Gesang, fremd und frierend auf Papier gedruckt waren.
Englands Hanplsiadl im Zeichen der Möge
Unpolitischer Brief aus London.
Zur Feier von Schillers 175. Geburtstage hatte der Gießener Goethe-Bund den greifen Vortragsmeister Dr. Ludwig Wüllner zu Gast gebeten; eine leider nicht übermäßig zahlreiche Hörergemeinde war der Einladung in die Neue Aula gefolgt. Wüllner, der vor einigen Jahren bereits an der gleichen Stelle zu uns gesprochen hatte, betrat, von herzlichem Beifall begrüßt, eine ehrwürdige Erscheinung von noch immer erstaunlicher jugendlicher Frische und Beweglichkeit des Geistes, das Podium und begann die Feierstunde mit zwei Gedichten, welche die hohe sittliche Weltanschauung des deutschesten aller Dichter zum Ausdruck bringen: den „Worten des Wahns" und den „Worten des Glaubens"; diese, beiden Gedichte gaben, ruhig, besinnlich und eindringlich gesprochen, einen verhaltenen und gleichsam gedämpften Auftakt. Es folgte dann das (wie Wüllner bemerkte) für Hörer und Dortragenden gleichermaßen schwierige, große Gedicht „Das Ideal und das Leben", das in der typisch Schiller- fchen Antithese des Motivs zuvor ganz kurz erläutert wurde. Wüllner hatte hier eine Saite des Schil- lerschen Werkes angeschlagen, die sonst meist unve- rührt bleibt und häufig vergessen wird, obwohl gerade diese reine Gedankenlyrik auch dem Sprecher im Vortragssaal dankbare Aufgaben bietet; freilich sollte der immer, auch in der vollkommensten Interpretation, flüchtige Eindruck nachträglich durch die eigene Lektüre vertieft werden. Denn diese Gedichte, die zwischen der eigentlichen Lyrik und der Ballade selbständig inmitten stehen, stellen, unbeschadet mancher vertrauten und geflügelten Verse, in ihrer Gesamterscheinung erhebliche Ansprüche.
Es folgte bann, aus dem gleichen Kreise, „Das verschleierte Bild zu Sais", ein berühmtes Gedicht, das in der gesammelten Vermittlung Wüllners eine gradezu dramatische Steigerung erfuhr und eine vortreffliche Ueberleitung zum folgenden Abschnitt bildete: nach der Pause hörten wir zwei der bekanntesten Balladen, „Die Bürgschaft" und „Die Kraniche des Jbykus", die wohl den meisten der Hörer noch immer so vertraut waren, daß sie große
London, im November.
Im Monat November wird der Londoner, der in festliche Umzüge und prächtige Schaustellungen aller Art geradezu kindlich verliebt ist, wieder reichlich auf feine Kosten kommen, denn der November ist der Monat der Festzüge. Zunächst zieht durch die Stra- ßen Londons der bunte Zug der „Lord Mayor Sh o w“, wenige Tage später wird mit eindrucks- vollen Zeremonien der „A rmistice Day“ gefeiert dann findet die feierliche Eröffnung des Parlamentes durch den König und die Königin statt. Es beginnen die ersten großen Bälle und Feste der Wintersaison. Und zu all dem kommen in diesem November die H o ch z e i t s- feierlichkeiten des Prinzen George mit Prinzessin Marina, die eine ganze Woche währen sollen.
Tradition und Propaganda.
Der Lord Mayor ober Oberbürgermeister wirb jebes Jahr neu gewählt. Dies ist deshalb möglich, weil der Lord Mayor im Grunde genommen nur dem Namen nach der „Oberbürgermeister" der Stadt ist. Sie eigentliche Arbeit des höchsten Magistratsbeamten von London verrichtet ein bereits viele Jahre im gleichen Amt befindlicher „Clerk“ der Grafschaftsbehörde, des Londoner County Council, den so gut wie niemand kennt. Das Amt des Lord Mayor ist mehr repräsentativer Natur. Obgleich ohne seine Erlaubnis — der Tradition gemäß — selbst der König das Gebiet der City nicht betreten darf, besteht in Wirklichkeit die Hauptehre des jeweiligen Lord Mayor gerade darin, daß er im Laufe des Jahres mehrere Male mit dem König in Berührung kommt und der Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens der Stadt ist. Daher dröngen sich stets so viele reiche City-Herren danach, einmal zum Lord Mayor ernannt zu werden. Pan der Stadt erhält der Lord Mayor für sein Amtsjahr einen Nepräsentationszuschuß van etwa 300 000 Mark, was aber nicht ausschließt, daß er aus seiner Tasche mindestens nach einmal solch eine Summe investieren muß. — Mehrere Tage nach der Wahl des Oberbürgermeisters findet die traditionelle Lord Mayor Show statt.
Sie geht folgendermaßen vonstatten: Der neue Würdenträger wird in einer uralten vergolde» ten Kalesche durch die Hauptstraßen Londons gefahren, und ihm folgt eine endlose Karnevals- Prozession von allerhand Wagen, Deputationen, Truppen und buntem Volk. Mit dem Lord Mayor in derselben Kutsche fahren ein Stadtrat, ein Sadt- schreiber und der Amtsbüttel. Der eine hat ein Zepter, der andere ein großes Schwert und der dritte die Amtsglocke in der Hand. Alle sind in prächtige Trachten gekleidet und sehen wie Figuren aus einyn schönen Märchen aus. Die Prozession, die hinterher kommt, vereint das komische Aussehen mit dem praktischen Zweck. Natürlich ist sie sehr laut und sehr auffällig — aber gleichzeitig bedeutet sie eine große Propaganda für den britischen Handel, für bie britische Industrie und für die britischen Waren. Geschäft ist Geschäft. Neben lustigen Zirkus- und Theaterfiguren sieht man bie neuesten britischen Automobile, ganze Flugzeuge und andere Wunder der Technik. Die Lord Mayor Show ist das Gaudium für bie groß- Masse; viele hunberte Jahre ist sie schon alt unb gehört zum Englänber so wie ber Whisky unb das Cricketspiel — unb solange ein englisches Königreich bestehen wirb, wird auch im November bie Lord Mayor Show sein.
Waffenstillstandstag.
Armistice - Day. Waffe nstil lstand stag wird auch — wie es nun einmal in diesem am meisten an die Tradition gebundenen Lande der Welt — jedes Jahr in gleicher Weise gefeiert. Da gibt es keine Aenderung — und so wird jedes Jahr im Monat November dasselbe in derselben Reihenfolge zu sehen sein. Auch in England ist dieser Tag kein Jubeltag, gerade er zeigt mit aller Deutlichkeit, baß ber Weltkrieg auch den Siegerstaaten nichts
sofort! — leiber war es schon zu spät unb Bell« mann bereits so gut wie überführt.
Wir veröffentlichen anschließend bie Liste ber Preisträger, zuvor jedoch möchten wir allen Einsendern aus Stadt und Land unseren herzlichen Dank sagen für die Mühe, die sie sich gemacht, und für den Eifer, den sie bewiesen haben. Denen aber, bie biesmal leer ausgegangen finb, wünschen wir mehr Glück fürs nächste Mal. Im übrigen hoffen wir, baß ber am Freitag, bem 16. November, beginnenbe neue, große unb span- nenbe Roman in ben Familienblättern, „Ein Stern fiel vom Himmel" von Hans Dominik, mit bem gleichen Interesse gelesen werben wirb wie „Das Halsband", auch wenn es biesmal keine Preise zu gewinnen gibt.
Oie fünfzig Preisträger.
In Anbetracht ber bemerkenswert unb erfreulich langen Reihe richtiger Antworten haben wir bie ursprünglich vorgesehene Zahl ber Preise um ein Beträchtliches erhöht: entscheibenb für bie Preiszuerteilung war bie Reihenfol g e bes Eingangs ber richtigen Lösungen, gemäß ber bei ber Ausschreibung verkünbeten Devise „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst". — Es erhalten Preise:
1. Berta Möller, Gießen, Lubwigstraße 701:
stehend, die königliche Proklamation. Dann, am Tage des großen Ereignisses, strömen nach der Gegend von Pall-Mall, Whitehall und Westminster, durch die die königliche Prozession geht, Hunderttausende von Menschen. Genau gegenüber dem Parlament liegt das Westminstercollege, und es ist ein altgewohnter Anblick, die Zöglinge dieser Schule in Morgenröcken — und Zylinderhüten auf die Bäume klettern zu sehen, damit sie ben Zug besser über- schauen können. Wenn ber König vorüberfährt, grüßen bie Zöglinae lustig und munter mit ihrem Zylinderhut dH König, als ob er ein alter Bekannter wäre. Zuerst erscheinen die ausländischen Diplomaten, dann die Fürstlichkeiten, die Peers und andere Persönlichkeiten von Rcmg. Danach kommt der königliche Zug. Den Vortrab bildet eine Schwadron Liie Guards in blinkenden Helmen, dann
Die ersten Flugversuche.
Das englisch-australische Luftrennen mit seinen die kühnsten Hoffnungen übertreffenden Erfolgen läßt uns leicht vergessen, daß es erst gut dreißig Jahre her sind, als die Brüder Wright ihre ersten Flugversuche unternahmen. Angeregt wurden sie durch das Studium der Literatur über den Vogelflug und die Versuche Lilienthals. Im Jahr 1900 bauten die Brüder einen Gleitflieger und machten mit ihm bei Kitty Hawk an der Küste von Nord-Karolina ihre ersten Flüge. Fast zwei Jahre verbrachten sie in aller Stille mit dem Studium des Gleichgewichts und der Technik des Fliegens. Die bei ihren Flügen an der Küste gesammelten Erfahrungen befriedigten sie keineswegs, denn die von ihnen mühselig aufgestellten Tabellen erwiesen sich als unzuverlässig. Sie bauten sich daher in ihrer Werkstatt einen künstlichen Windschacht unb erprobten in ihm verschiedene neue Verfahren, wobei sie von ihrer Schwester kräftig unterstützt wurden. Erst Ende 1903 glaubten sie mit ihrem stark verbesserten Apparat wieder im Freien die lange unterbrochenen Flüge aufnehmen zu können. Am 17. Dezember 1903 fanden vier Flüge statt, bei denen sich die Brüder ablöften; fünf Zeugen wohnten diesem Ereignis bei. Das Flugzeug war er» fanden, wenn es auch zunächst nur wenige Sekunden sich in geringer Höhe aufhalten konnte. Fast vier Jahre dauerte es, bis bie Brüber Wright Nachfolger fanben. Der Brasilianer Santos Dumont flog am 12. November 1906 über 220 Meter weit bei einer Flughöhe von 3 bis 6 Metern, wozu er 21 Sekunben brauchte. Schon im Jahr darauf hielt sich Henry Jarman 56 Sekunben in ber Luft. Von ba ab vollzog sich bie Entwicklung ber Fliegerei mit Sturmesschritten. Balb erfolgte bie lieber» fliegung bes Kanals, bie eine ungeheure Begeisterung in ber ganzen Welt auslöste; ein Rekord löste den anderen ab und welche Leistungen mit dem Flugzeug noch erreicht werden können, läßt sich gar nicht absehen, nur ahnen. Das Stratosphärenflugzeug, mit dessen Konstruktion verschiedene Nationen eifrig beschäftigt sind, wird neue lieber« raschungen bringen.
blick und die klare Gliederung der ausladenden Gedichtgebäude keinen Augenblick verlor.
Diese auch physisch und gedächtnismäßig bedeutende Leistung wurde noch übertroffen, als Mull- ner, nach einer weiteren Pause und mit kurzen, die Situation erläuternden Einführungsworten auch den Dramatiker Schiller zu Worte kommen lleß. Wir hörten zunächst die drei großen Monologe Wallensteins, die jeweils einen entscheidenden Wendepunkt der Riesenhandlung bezeichnen: jenen ersten, berühmtesten, ber ben Friedländer verhängnisvoll zwischen den feindlichen Lagern zeigt, zwischen dem Kaiser und den Schweden; dann die Traumerzählung am Vorabend der Schlacht bei Lützen, die Wallensteins Verhältnis zu Oktavio Piccolomini kennzeichnet; und endlich den dritten, „Du baff5 erreicht, Oktavio", der die unaufhaltsame Katastrophe anfünbigt.
hab ich gesagt!
Wir aber freuen uns herzlich über bie außer- orbentlich rege Beteiligung unb über ben verhältnismäßig fehr hohen Prozentsatz richtiger Lösungen innerhalb ber Gesamtzahl ber Einsendungen. Die meisten Einsender haben — eine ganze Reihe von ihnen überdies verblüffend schnell — bie entscheibenbe Szene in ber Hand- hing herausgefunben; viele haben auch ihren Verbacht genau unb richtig begrünbet. Neben verschie- benen anberen Einzelheiten, wie z. B. der Sache mit der Brille, war dies der entscheidende Punkt: während im Schlafzimmer der Frau Konsulin die Puderspur untersucht wird, erbietet sich Bellmann, die Schuhe der Konsulin zu holen; er braucht dazu unverhältnismäßig lange Zeit und entschuldigt die Verzögerung mit einer Ausrede; in Wirklichkeit hat er unterdessen seine eigenen spitzen Schuhe gegen ein Paar breite ausgewechselt und damit den Verdacht von sich abzulenken versucht...
Das haben die Einsender der richtigen Antworten zum großen Teil auch in ihrer kurzen Begründung angegeben, unb wir finb sehr befriebigt über ben trefflich entwickelten kriminalistischen Scharfblick unb Spürsinn ber Familienblatt-Leser, bie sich roeber burch unsere begleitenben Bild- tommentare noch burch bie mancherlei über» raschenben Wenbungen ber Romanhanblung selbst haben täuschen ober beeinflussen lassen.
Natürlich ist auch, wie nicht anbers zu erwarten war, eine ganze Anzahl falscher Antworten eingegangen. Unter biesen fielen bie meisten Stimmen erstaunlicherweise auf Strombeck; ungefähr auf gleicher Höhe folgten bann Mita Finkenbey, Wingart Reußner unb Reginald Zurrhelm. Die apartesten Antworten kamen verhältnismäßig spät und beschuldigten nicht nur den Assessor Luzius, sondern auch den Konsul und die Konsulin. Nur ganz wenige Einsender gaben der Ueberzeugung Ausdruck, daß das Halsband überhaupt nicht gestohlen worden, sondern nur verloren gegangen sei. Viel Spaß hat uns übrigens ein noch kurz vor Torschluß einlaufendes Telegramm mit der dringenden Aufforderung bereitet: Verhaftet Strombeck
wird bann bie Braut mit ihren Eltern unb ben Brautjungfern folgen. Zu gleicher Zeit setzt sich ber Zug bes Bräutigams, ber von seinem Bruder, dem Prinzen von Wales, begleitet wird, von St. James- Palace aus in gleicher Richtung in Bewegung. Für ben Rückweg, nach vollzogener Trauung, ist ein noch längerer Weg vorgesehen, damit möglichst alle Leute ben Zug sehen können. Besonderes Interesse werden sicherlich die acht Brautjungfern erregen, denn sie sind alle acht königliche Prinzessinnen, unb zwar: Prinzessin Juliana von Holland, die Prinzessinnen Irene, Eugenie unb Katharina von Griechenland, Prinzessin Elisabeth van Park, Großfürstin Kira von Rußland, Lady Mary Cambridge und Lady Iris Mauntbatten.
sehen nur einige Auserwählte. Beides aber ist gleich interessant. Einige Tage vor dem Zusammen- treten des neuen Parlaments verliest der „City uu „lvl|lwl .............
Remembrancer“, ber eine altertümliche Perücke auf1 beteiligt haben, werben heute befriebigt in die seinem Kopf trägt, auf den Stufen der Bor,e.Worte ausbrechen: Also doch! oder: Siehst du, was
Weiter aus dem „Tell" die Erzählung von der Begegnung mit dem Landvogt: kurz, aber ungemein lebendig und mit einer fast heiteren Wendung zum Schluß; dann die Schilderung der Fahrt über den See; und zuletzt in großer Steigerung die „hohle Gasse". In allen sechs Stücken erlebte man nicht nur den Dortragsmeister, sondern auch den geschulten und erfahrenen Schauspieler Wüllner: das Podium wird zur Szene, ein mitreißendes, bem Schillerschen Vers prachtvoll angeglichenes Temperament kommt zum Durchbruch, unb immer wieder muß man bie geistige Konzentration und das enorme Gedächtnis bestaunen, das den großen und sehr verschieden gearteten Stoff so sicher beherrscht.
Den Abschluß des Vortragsabends bildete das Lied von der Glocke, ein Vortragsstück ersten Ranges und eigentlich ohne Beispiel, mit dessen Wiedergabe Wüllner noch einmal alle Register ziehen und alle Elemente seiner Sprechkunst zusammenfassen konnte. Der Wechsel der Stimmungen und Eindrücke, das Gegeneinander von Aktion und Reflexion, von Dramatik und Lyrik wurde im großen Gedicht m elfter» lich beherrscht, das Ganze innerlich verbunden, gegliedert unb gesteigert, daß man sich faum einen stärkeren Ausklang ber Schiller-Feier hätte denken können. (Merkwürdig übrigens, daß etwa zur gleichen Zeit, als gestern abend der große Fabrik- foürer noch immer io oeriruui waren, van ne yiu[jc brand ausbrach, bie stürmische Schilderung er Teile frei wie der Vortragende selbst/ aus dem > Feuersbrunst vor den ahnungslosen Hörern auf- Gedächtnis hätten mitsprechen können. An diesen, klang.) Das Auditorium dankte dem greiseni Tie ter «beiden Stücken entfaltete sich die volle Meisterschaft! zuletzt mit lautem, anhaltenden ^stall und de. greisen Sprechers, der selbst im Furioso der! verließ mit starken, lange nachklingenden Eindrücken Lalladesken Steigerung des Geschehens den lieber-Iben Saal. y
kommen nicht weniger als fünf vergoldete Equipagen, in denen die Hofchargen Platz genommen haben, unb zum Schluß erscheint die königliche Staatskarosse, ein prächtiges Kuriosum aus der Rokokozeit von geschnitztem vergoldeten Holz, gezogen von acht Pferden. Die mittelalterlich gekleidete, mit Hellebarden bewaffnete Tower-Garde schreitet rechts und links zu Fuß nebenher. Eine weitere Schwadron Life Guards beschließt den Zug. Inzwischen ist im Inneren des House of Lords alles in gespannter Erwartung. Aus gepolsterten Sesseln haben etwa 500 Peers mit ihren Gattinnen Platz genommen. Die Peers sind alle in purpurrote Mäntel mit Hermelinkragen gekleidet, die Peeresses tragen helle Balltoiletten unb in ihren Haaren schimmernde kronenartige Diademe. Alle anderen Persönlichkeiten sind in Parabeuniform. Ein unbeschreiblich schönes, schimmerndes Bild! Gegen elf Uhr wird es im Saale mäuschenstill. In der Tür rechts vom Thron ist erwartungsvolle Bewegung entstanden. Die königliche Garde in roten Uniformen, goldenen Panzerbrüsten und enormen Puschelhelmen erscheinen und bilden Spalier. Nach ihnen kommen der Jnsignienträger, der Marquess of Salisbury mit bem Reichsschwert, ber Marquess von Londonderry mit bem Reichshut und andere Groß- würdenträger. Und endlich „Des Königs allererha- benste Majestät". Alles steht auf. Der König erscheint in seinem großen Königsmantel, die dia-


