Aus aller Welt
Line der letzten Regierungshandlungen des verstorbenen Reichspräsidenten.
Der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes, -erzog Karl Eduard von Sachsen-Koburg und Gotha, überreichte dem Präsidenten des amerikanischen Roten Kreuzes und 59 internationaler Rot- Kreuz-Verbände, John Barton P a y n e, die höchste Klasse der deutschen Roten-Kreuz-Medaille. Er bemerkte dazu, daß diese Verleihung einer der letzten Regjerungsakte des verstorbenen Reichspräsidenten von Hindenburg gewesen sei.
Prinzenbesuch in München.
Prinz Georg von England reiste nach zweitägigen Aufenthalt in München mit dem O-Zug nach Paris weiter. Er war mit seiner Braut, Prinzessin Marina von Griechenland, sowie mit Prinz und Prinzessin Paul von Jugoslawien nach München gekommen. Der Besuch war rein privater Natur. Man besuchte mehrere Museen und die Residenz, in der die Schatzkammer besonderes Interesse fand. Gleichzeitig mit Prinz Georg von England weilte aucb der ehemalige deutsche Kronprinz in München, der im selben Hotel abgestiegen war.
„(0raf Zeppelin" wieder daheim.
Das Luftschiff „Graf Zeppelin" ist am Dienstagoormittag unter Führung von Kapitän Lehmann von seiner liebten diesjährigen Südamerikafahrt nach Friedrichshafen zurückgetehrt und ist um 10.42 Uhr auf dem Werftgelände glatt ae- landet. Das Luftschiff führte 23 Fahrgäste, 150 kg Post und 47 kg Fracht mit sich. Für die dies-
Französische Herbstmanöver.
Der „Graf Zeppelin" über dem Uebungs- gelände.
Paris, 11. Sept. (DNB.) Kriegsminister General P 6 t a i n ist in Val Dahon zur Teilnahme an den großen Herbstmanövern eingetroffen, die um Besan?on unter der Oberleitung des Generals Höring Dienstag früh begonnen haben. Der französische Luftfahrtminister General Dö- nain wird an den Ostmanöoern ebenfalls teilnehmen. Er verläßt im Laufe des Nachmittags die Hauptstadt in einem von ihm selbst gesteuerten ^Der^^erichterstatter des „Paris Midi" erwähnt in feinem Stimmungsbild, daß in dem Augenblick, in dem der deutsche Militärattache Gene- ral Kühlenthal mit einigen ausländischen Kol- legen auf dem Manövergelände eingetroffen war, plötzlich das Surren von Motoren vernehmbar wurde. Kurz darauf kam etwa 300 Meter das Luftschiff „Graf Zeppelin" vorbeigeflogen. „Ein Arm erhob sich zum Zeichen des Grußes, und anschließend richteten sämtliche ausländischen und französischen Offiziere, Soldaten, . Journalisten und Schlachtfeldbummler den gleichen schweigenden Gruß an den Riesen der Lüfte, der seinen Weg gleichgültig fortzufetzen schien."
Verschärfte Lage im amerikanischen Textilstreik.
N e u y o r k, 12. Sept. (DNB.) Die Lage im amerikanischen Textilstreik ist am Dienstag wieder etwas gespannter, vor allem im Hinblick auf z a h 1° reiche neue Unruhen. In Neuengland ereigneten sich am Montag verschiedene Zusammenstöße zwischen Streikenden, Polizei und Arbeitswilligen, wobei zahlreiche Personen verletzt wurden. In Lance st er (Pennsylvanien) stürmte eine etwa tausendköpfige Menge eine Seidenfabrik. Außerdem wurden zahlreiche Kraftwagen umgeworfen. Zahlreiche Arbeitswillige wurden durch Steinwürfe verletzt. In Kannapolis (Nordkarolina) traf eine fliegende Streikkolonne in Stärke von 1300 Mann auf etwa 100 Kraftwagen ein, um die dort noch arbeitende große Handtuchfabrik zur Schließung zu zwingen. Die Streikenden gaben einen Angriff auf die Fabrik jedoch vorläufig auf, da sie von Polizei und etwa 300 Nationalgardisten bewacht wird.
In Saylesville (Rhode Island) haben die ganze Nacht zum Mittwoch schwere Zusammenstöße zwischen 4000 Streikenden und Nationalgarde angedauert. Zu heftigen Kämpfen kam es auch in Central Falls (Rhode Island), wo sich die Streikenden im Friedhof festgesetzt hatten und durch Grabsteine gedeckt, auf die vorrückenden Nationalgardisten ein wildes Steinbombardement eröffneten. Schließlich konnten die Streikenden aus dem Friedhof vertrieben werden, aber der Kampf fetzte sich in den tränengasgefüllten Straßen mit unverminderter Erbitterung fort. Die Stadt liegt in völliger Finsternis, da die Streikenden sämtliche Straßenlaternen zerstört haben. Die Zahl der Verletzten ist so groß, daß eine Derbandstation errichtet werden mußt.
Sie Hüstungsmagnaien der USA. als Friedensstörer in Südamerika.
Washington, 12. Sept. (DNB.) Vorstellungen verschiedener nichtgenannter Regierungen, darunter wahrscheinlick Englands und Argentiniens, gegen die Verhöre des Senatsausfchuf- ses zur Untersuchung der Rüstungsindustrie veranlaßten den Vorsitzenden des Ausschusses, Senator N y e, nach einer Besprechung mit Staatssekretär Hüll zu der Erklärung, daß sich der Ausschuß nicht notwendigerweise die von den Zeugen geäußerten Ansichten zu eigen mache, daß jedoch das Verhör ohne Rücksicht auf Namen und Person- lichkeiten weitergehe.
Am Dienstag wurden Zeugen über das G e - fchäftsverfahren der Flugzeugfirmen vernommen. Außer den schon üblichen B e st e ch u n° gen ergab sich aus ihren Aussagen, daß sich der mexikanische Präsident Rodriguez den Flugzeugankauf für die mexikanische Regierung persönlich vorbehielt und daß sich nordamerikanische Firmen in Mexiko, Bolivien und Chile ein- flußreichcr R e g i e r u n g s b e a m t e r als Verkaufsagenten bedienten, und den in Aussicht stehenden Friedensschluß zwischen Bolivien und Paraguay stark bedauerten.
werden zwei Vorträge über das Thema „B e d e u - tung von Bibel und Bekenntnis für die evangelische Kirche der Gegenwart" gehalten. Vortragende sind Missionsdirektor D. Knak (Berlin) unib Oberkirchenrat Langmann (Berlin). Am Donnerstag wird die Hauptversammlung des Verbandes der deutschen und auch die des Verbandes der preußischen Pfarrervereine abgehalten. In beiden Versammlungen werden Entwürfe einer neuen Satzung behandelt.
Rußlanb vor den Toren des Völkerbunds.
Sie Einladung fertiggestellt. - Sie Franzosen sammeln Unterschriften.
London, 12. Sept. (DNB. Funkspruch.) „Times" meldet aus Genf, der Wortlaut der Einladung an Rußland fei jetzt fertig. Der Brief zitiere den Anfang von Artikel 1 der Völkerbundssatzung, nicht aber den Schluß, wo es heißt, daß der neu eintretende Staat Garantien für feine aufrichtige Absicht gibt, feine internationalen Verpflichtungen zu beobachten. Die Weglassung sei auf Betreiben mehrerer Vertreter, darunter des britischen, erfolgt, weil man fürchtete, die Absicht, möglichst viele Unterschriften zu erlangen, könne dadurch vereitelt werden. Die französische Abordnung befasse sich mit der S a m m- lung von Unterschriften und der Sondierung der Sowjetvertreter, mit denen sie bereits „in der Nähe von Gens in Fühlung fei." Die französische Abordnung könne den Russen jetzt Mitteilen, daß eine Zweidrittelmehrheit und ein Ständiger Rats- s i tz gesichert find.
. „News Chroncle" glaubt, gute Gründe für die Annahme zu haben, daß die Zulassung Sowjetrußlands die Verlegung des Sekretariats nach Wien ober einer anberen gastfreunblichen Stabt zur Folge habe. Es gelte als möglich, daß in ber Schweiz eine Volksabstimmung über die Frage veranstaltet werben wirb, ob d i e Schweiz Mitglieb bes Völkerbundes bleiben soll. Das Sekretariat prüfe die Frage, was im Falle eines Austritts der Schweiz zu tun fein werde.
Ser Ersah für den Ostpakt.
London, 12. Sept. (DNB.-Funkfpruch.) „Daily Expreß" berichtet aus Genf, am Dienstagabend fei in französischen Kreisen von der Möglichkeit eines V e r t e i d i g u n g s - B ü n d n i s e s zwischen
Frankreich und S o w j e t r u ß l a n d die Rede gewesen. Die feindselige Haltung Polens gegenüber dem Ostpakt habe dazu geführt, daß Frankreich die Hoffnung verloren habe, auf diesem Wege die Einkreisung Deutschlands zu erreichen. Es scheine kein anderer Ausweg zu bleiben, als die Wiederbelebung des Vorkriegsbünd« n i f f e 5 mit Rußland.
Letzte Schwierigkeiten.
Paris, 12. Sept. (DNB. Funkspruch.) Die großen französischen Informationsblätter werfen einer Reihe von kleinen Staaten vor, im letzten Augenblick zu schikanieren, nachdem sie bereits ihr grundsätzliches Einverständnis zur Aufnahme Sowjetrußlands gegeben hätten. Vielfach wird diese Haltung der Mächte in unmittelbarem Zusammenhang mit der Antwort der Reichsregierung auf die Östpaktvorfchläge gebracht. So schreibt der „Matin": Die ersten Auswirkungen der deutschen Ablehnung machten sich bereits bemerkbar. England habe gelegentlich der Londoner Reise Barthous seine Zustimmung zur Aufnahme Sowjet- rußlands in den Völkerbund nur gegeben, da es in ihr eine Stabilisierung der Rüstungen auf dem Festlande erblickt habe. Heute falle diese Möglichkeit aber fort. Sir John Simon befinde sich in der vorzüglichen Lage, f e l b ft weiterhin für die Aufnahme Sowjetrußlands zu wirken, den englischen Dominien aber vollkommen freie Hand zu lassen, den Bemühungen der anderen Mächte Steine in den Weg zu legen. Da im Völkerbundsausschuß alle Stimmen gleichen Wert hätten, werde man sechs Oppositions stimmen der englischen Dominiens, einer Ja-Stimme des Mutterlandes gegenüberstellen können.
Das Gaargebiei braucht keine landfremde Polizei. Sie Seutfche Front an den Völkerbundsrat.
Genf, 11. Sept. (DNB.) Der Landesleiter der Deutschen Front und die Fraktion Deutsche Front des Landesrats des Saargebietes haben an den Völkerbundsrat ein Schreiben gerichtet, in dem es u. a. heißt:
Der Herr Präsident der Regierungskommission hat dem Hohen Rat des Völkerbundes verschiedentlich berichtet, die Lage im Saargebiet erfordere es dringend, ihm internationale Polizeitruppen zur Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung im Saargebiet zur Verfügung zu stellen. Die Deutsche Front im Saargebiet hat gegen diese Maßnahme stets p r o t e st i e r t, da sie geeignet sei, Schwierigkeiten zu schaffen, die heute nicht vorhanden sind.
Die Schwierigkeiten hinsichtlich der Polizei des Saargebietes liegen unserer Auffassung nach nicht darin, daß die Polizeitruppen nicht geeignet wären, sondern darin, daß vor allen Dingen bei der staatlichen Polizei in Saarbrücken ungeeignete Kräfte mit der Führungbetraut worden sind. Wir haben mehr als einmal auf die Tatsache hingewiesen, daß Präsident Knox Emigranten wie Machts und Ritzel mit maßgebenden Funktionen der Polizeileitung betraut hat. Uns ist inzwischen die Tatsache bekannt geworden, daß der Emigrantenkommissar Machts noch am 9. November 1933 für d en französischen Spionage- d i e n st arbeitete und auffallenderweise bereits am 1. November vorigen Jahres mit feiner jetzigen Funktion bei der staatlichen Polizei in Saarbrücken betraut wurde. Im übrigen steht fest, daß die beiden
Emigrantenkommissare Machts und Ritzel bei führenden Leuten des französischen Spionagedienstes in Forüach heute noch regelmäßig ein- und ausgehen. Hiermit ist wohl der einwandfreie Beweis erbracht, daß die beiden Genannten sich in ihren Dienstobliegenheiten von Gesichtspunkten leiten lassen, die zu ihrer Dienstpflicht, Ruhe und Ordnung im Saargebiet aufrechtzuerhalten, m scharfem Widerspruch stehen.
Vor einigen Wochen ist der englische Staatsangehörige Mr. H e m s l e y zum Leiter der gesamten Polizeikräfte des Saargebietes ernannt worden. Wir haben die Hoffnung, daß durch diese Maßnahme nicht nur eine Besserung des Einsatzes dex Polizei zu vernünftigeren Zwecken herbeigeführt wird, sondern daß Herr Hemsley auch eine den augenblicklichen Verhältnissen entsprechende andere Verwendung der vorhandenen Gendarmerie und Polizisten vornimmt. Bei den im Saargebiet Herr- schenden Verhältnissen ist es sicher eine Kleinigkeit, reichlich Arbeitskräfte zur geeigneten Erfüllung derjenigen Aufgaben (Büro- und Portierdienst) zu finden, für die jetzt Polizisten und Gendarmen verwendet werden.
Wir bitten daher den Hohen Rat des Völkerbundes, zunächst alle Maßnahmen veranlassen zu wollen, welche geeignet sind, die vorhandenen Polizeikräfte zweckmäßig zu verwenden und die Führung auch in den mittleren Polizeistellen so zu gestalten, daß das Vertrauen der Bevölkerung und der unterstellten Beamten zu dieser Führung wiederhergestellt wird.
OieKaiastropheder„MorroCastle"
Das Schiff brennt immer noch. - Kapitän Willmotts verkohlte Leiche gefunden. - Belastende Aussagen in der Untersuchung.
Der Brand, der im Wrack der „Morro Castle" weiter wütet, hat erneut so bedrohliche Formen angenommen, daß die auf dem Schiff tätigen Feuerwehrleute zurückgezogen werden mußten. Auch das Ufer an der BranDungsstelle wurde von sämtlichen Zuschauern geräumt. Man erwartet eine Expl o - sion der großen Oelvorräte, die das Schiff vollständig auseinanderreißen dürfte.
Der Befehlshaber der Feuerwehr von Asbury Park teilt mit, daß in den Räumen des Kapitäns eine verkohlte Leiche gefunden worden ist. Man nimmt an, daß es sich um den schon vor der Katastrophe gestorbenen Kapitän Robert Willmott handelt. Die Leiche lag auf einem Bett, dessen Metallgestell infolge der Hitze geschmolzen war. Man sand bei ihr einen Schlüsselbund, der ein Metallschild mit dem Wort „Kapitän" trug. Die Feuerwehrleute, die an Bord des Dampfers gegangen sind, haben das Sonnen- und Promenadendeck und die zwei drunter liegenden Decks sorgfältig abgesucht und erklären, keine Spur von Leichen gefunden zu haben. Die Kabinen seien vom Feuer völlig zerstört worden. Im Laderaum des Schiffes fei noch ein heftiger Brand im Gange.
Die Untersuchung über die Ursache des Brandes der „Morro Castle" dauert an. Wahrend der erste, der zweite und der dritte Offizier der „Morro Castle" bei ihrer Ansicht blieben, daß
Brand st iftung vorliege, enthüllte die weitere Untersuchung die unerklärliche Tatsache, daß der erste Offizier, der nach dem Tode des Kapitäns das Kommando übernommen hatte, nach Ausbruch des Brandes weder den Chefingenieur, noch den zweiten Ingenieur wecken ließ. Weiter wurde festgestellt, daß der Chefingenieur, anstatt seinen Posten im Maschinenraum zu beziehen, auf Deck ging, um das brennende Schiff zusammen mit 30 Matrosen und nur zwei Passagieren zu verlassen. Die Untersuchung ergab weiter, daß ein vorbeifahren- der Dampfer den Telegraphisten der „Morro Castle" über das Großfeuer befragte, bevor die „Morro Castle" ihren ersten Notruf an alle ausgesandt hatte, daß der Telegraphist diesen „Ruf an alle" auf eigene Verantwortung bereits um 4.15 Uhr Neuyorker Zeit gegeben hatte, und erst zehn Minuten später auf Befehl des Kapitäns mit Dem Senden des 8O8-Rufes begann.
Ein als Fahrgast mitreisender Feuerwehrmann sagte aus, er sei drei Stunden vor der Aussendung des 808-Rufes durch Brandgeruch aufgewacht. Andere Fahrgäste erklärten, sie hätten keinen Feueralarm gehört. Ueberhaupt seien sie in ihrem Bemühen, in die Rettungsboote zu kommen oder Rettungsgürtel zu erhalten, nicht unter st ützt worden. Die weitere Untersuchung ergab, daß sich die D e r l u ft l i ft e der Fahrgäste auf 29 v. H., die der Besatzung jedoch nur auf 18 v. H. belaufe.
jährigen F r e i f a h r t s g e w i n n e r startet das Luftschiff am 27. September, 10 Uhr, zu einer Sonderfahrt.
Schwere Unwetterschäden in der Schweiz.
Die Schäden, die die schweren Unwetter und Hochgebirgs-Gewitter in den letzten lagen in der Schweiz anrichteten, lassen sich erst fetzt einigermaßen übersehen. Die Verheerungen reichen über die ganze Mittel- und Ostschweiz, vom Berner Oberland bis an den Bodensee. Die Schadensumme geht in die Millionen Goldfranken. An verschiede- nen Orten wurden Brücken fortgerissen. Ueberall haben sofort die Bergungsarbeiten eingesetzt, zum Teil unter Verwendung von größeren Gruppen
Arbeitsloser. Verschiedene Ortschaften waren während des Unwetters längere Zeit von jeder Verbindung abgeschnitten. Das Unwetter hat auch in den Bergen eine Reihe Todesopfer gefordert. Außer den am Galenstock tödlich verunglückten drei Baseler Touristen werden jetzt am Gletscherhorn bei Ander- matt zwei Touristen vermißt. Im Gebiet des Klaufenpasses ist ein Tourist vom Unwetter überrascht worden und den ausgestandenen Strapazen erlegen.
Das größte Hotel des Verner Oberlandes eingeäschert.
Im Regina-Palasthotel in Becllenberg, dem größten Hotel im Berner Oberland, brach Feuer aus. Das Hotel brannte vollständig nieder. Dom Mobiliar
konnte so gut wie nichts gerettet werden. Das Hotel, das 150 Betten aufweist, ist das einzige am Platz, das während der Winterszeit geöffnet ist.
Ein alter Kämpfer für das Deutschtum in Afrika gestorben.
In Berlin st a r b im Alter von 73 Jahren Superintendent und Oberpfarrer i. R. Justus Graßmann. Er wurde vor dem Burenkriege an die neugegründete deutsch-evangelische Gemeinde in Johannesburg (Südafrika) als Pfarrer berufen. Unter schwierigsten Verhältnissen hat er die deutsche Gemeinde in Johannesburg aufgebaut. Im Burenkriege hat er sich der Buren besonders angenommen und die deutschen Kämpfer an der Front in jeder Weise unterstützt. Ihre daheimgebliebenen Frauen und Kinder hat er durch große Geldsammlungen versorgt. Auch die Entwicklung der deutschen S ch u l e i n A s r i k a hat er durch Zusammenarbeit mit den deutschen Behörden und der deutschen Kolonie aus kleinsten Anfängen zu blühender Entfaltung gebracht. In der deutschen Heimat wirkte Superintendent Graßmann stets für den Misfionsgedan- fen und die kolonialen Bestrebungen. Die Beisetzung erfolgt in Neuhaldensleben.
Zwei Balkons
mit zwölf Menschen auf die Straße gestürzt.
In der Hauptstraße in Bendzin (Oberschlesien) ereignete sich ein schweres Unglück. An einem Hause löste sich im zweiten Stockwerk plötzlich ein Balkon von Der Mauer, auf dem sich acht Personen befanden, und stürmte mit seiner ganzen Last auf den darunter befindlichen Balkon, auf dem sich gleichfalls vier Personen aufhielten. Dieser Balkon hielt dem Anprall nicht stand und löste sich aus der Verankerung. Die Trümmer der beiden Balkons und die zwölf Menschen stürmten auf die Straße. Zwei Personen waren sofort tot, sieben weitere erlitten schwere Verletzungen; drei der Schwerverletzten liegen im Sterben. Die übrigen drei Verunglückten kamen mit leichteren Verletzungen davon. Die sofort eingeleitete Untersuchung hat ergeben, daß die Eisenträger, auf denen die Balkone ruhten, vollständig verrostet waren. Der Hausbesitzer wurde verhaftet.
Spinale Kinderlähmung in Dänemark.
Infolge der Ausbreitung der spinalen Kinderlähmung in verschiedenen Teilen Dänemarks hat der Kriegsminister beschlossen, die Herbstmanöver abzusagen. Ein Teil der Reservisten war bereits einberufen. Nach Angaben der obersten Gesundheitsbehörde betrug die Zahl der an spinaler Kinderlähmung Erkrankten in ganz Dänemark in den letzten Tagen etwa 700, davon etwa die Hälfte in den ersten zehn Tagen des September.
Bei der Weinlese verunglückt.
Bei der Weinlese auf dem Grundstück des Vieh- und Landesproduktenhändlers Adolf Stein in Großkarlbach im Badischen ereignete sich ein schwerer Unfall. Während der Frühstückspause unterhielt sich der von der Gemeinde aufgestellte Wingert- schütze mit den Traubenlesern. Plötzlich loste sich aus der Pistole des Wingertschützen ein Schuß. Während die Irmgard Meder nur unwesentliche Verletzungen am Bein baoontrug, erlitt die Betta Stein empfindliche Verletzungen an der rechten Brustfelle, am rechten Arm und im Gesicht. Der Arzt ordnete die Ueberführung der Schwerverletzten in die Universitätsklinik Heidelberg an.
krckflwagen rast in eine Straßenbahn. — Zwei Tote, vier Schwerverletzte.
In Berlin-Friedenau ereignete sich ein schweres Verkehrsunglück. Ein mit sechs Personen besetzter Personenkraftwagen versuchte einen Autobus zu überholen und raste dabei in eine entgegenkommende Straßenbahn. Sämtliche Insassen des Personenkraftwagens mußten mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus gebracht werden, wo der Führer des Wagens, der Reifende Horst Herbst und die Ehefrau Klara Bormann kurz nach der Einlieferung ihren Verletzungen erlagen. Der Kraftwagen wurde vollkommen zertrümmert. Der Triebwagen der Straßenbahn wurde so schwer beschädigt, daß er aus dem Verkehr gezogen werden mußte.
Frecher Raubüberfall auf einen Kassenboten in Hannover.
Auf bem Adolf-Hitler-Platz in Hannover wurde ein Kassenbote der Commerz, und Privatbank überfallen. Es wurde eine Tasche geraubt, in der sich außer 2 0 0 0 0 Markin Bargeld mehrere Wechsel befanden. Der Bote befand sich auf dem Wege von der Reichsbank zum Hause der Commerz- und Privatbank, als ein Mann, der einem Kraftwagen entstiegen war, auf ihn zu sprang, ihm mit einem Totschläger überden Nacken schlug, so daß er blutend zusammenbrach, und ihm die Banktasche raubte. Bevor der Verbrecher fest- gehalten werden konnte, bestieg er wieder den Kraftwagen und entkam. Die Kriminalpolizei wurde sofort verständigt. Die Kennzeichen des Kraftwagens konnten festgestellt werden.
Ein Radschah mißbraucht die Regierungsgewalt und wird seines Landes verwiesen.
Der Radschah von Jhaipur in Mittelindien ist von der indischen Regierung gezwungen worden, feinen Staat auf unbestimmte Zeit zu verlassen. Zur Begründung dieser Maßnahme wird erklärt, daß der Radschah seine Regierungsgewalt mißbraucht, die Verwaltung vernachlässigt und seinen Staat an den Rand des Bankrotts gebracht habe.
Wettervoraussage.
Der hohe Druck hat sich über dem Festland weiter durchgesetzt. Er erstreckt sich von Osten her in westlicher Richtung bis nach den britischen Inseln hin, so daß Deutschland an seine Südseite zu liegen kommt. Bei vorwiegend östlichen Winden wird zunächst vielfach heiteres, trockenes und tagsüber wieder recht warmes Wetter vorherrschen.
Aussichten für Donnerstag: Stellenweise Frühnebel, am Tage überwiegend heiter und warm, nachts frisch, trocken.
Aussichten für Freitag: Fortdauer der Hochdruckwetterlage.
Lufttemperaturen am 11. September: mittags 22 Grad Celsius, abends 17,9 Grad; am 12. September: morgens 16,3 Grad. Maximum 23,2 Grad, Minimum 14,7 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 11. September: abends 18,7 Grad; am 12. September: morgens 16,4 Grad. Niederschläge 0,3 mm. Sonnenscheindauer 6,4 Stunden.
Hauptschriflleller: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich W. Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot für Den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. VIII. 34: 10100. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen.


