Rr.36 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien)
Montag, p.8ebruaN934
Iamilie,Sippeun-Volk
Von Or Achim Gercke.
Die „Zeitschrift für Standesamtswesen" veröffentlicht einen Aufsatz des S a ch v e r - ständigen für Rafseforschung beim Reichsmini st erium des I n - n e r n, dem wir nachstehende Darlegungen entnehmen.
Das Jahr des Sieges 1933 Hot geendet. Es war das erste Jahr des deutschen Ausbaues ouf völkischer Grundlage, geboren aus dem Erwachen der Nation, der Besinnung des Volkes und Rückfindung zu den gesunden Kräften nationalen und sozialen Wollens. 1933 brachte den Anfang, es schuf die Möglichkeit zielsicher weiterzubauen, es schuf den ©tauben und das Vertrauen an die Notwendigkeit und Richtigkeit der völkischen Wiedergeburt in letzter Stunde.
Im Kerne aller durch den nationalsozialistischen Staat angegriffenen Aufgaben stehen die Rasse- fragen. Zahl, Art und Wert unserer Rasse gilt es zu erhalten, zu verbessern, zu erhöhen, um der ewigen Zukunst unseres Volkes willen. Nur ein Volk, das w ä ch st, kann bestehen, nur wenn es seine Art sein heiliges So-und-nicht-anders-sein bewahrt, kann es seine schicksalhafte Sendung erfüllen, nur bei ständigem Bemühen darum, daß seine besten Kräfte, seine gesundenErb anlagen, seine wertvollsten Eigenschaften eine volle Entfaltungsmöglichkeit erhalten, daß das Gute das Schlechte, das Hochwertige das Minderwertige verdrängt und besiegt, kann dies einzige Volk der Deutschen eine Zukunft erkämpfen, die seiner geschichtlichen Vergangenheit wert ist.
Das Dritte Reich will organisieren, d. h. fuhren, es will die Rasse, die sein heiligster Besitz ist, vor der Gefahr der Entartung beschützen (Strafbestimmungen, Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses, Arierparagraph), es will die organischen Lebenszellen seines rassischen Bestandes behüten und gesund erhalten (Familienpolitik, Bevölkerungsund Rassepolitik) und muß dazu staatliche Stellen schaffen, die den Willen der Führung zur Tat werden lassen (Erbgesundheitsämter, Sippenämter).
Die Aufgaben, die den Gesundheits- und Erb- gesundheitsämtern zufallen werden, werden eine neue Art von Aerzten heranbilden, Aerzte, die nicht mehr nur das Einzelwesen in seinem Gesundheitszustand beurteilen, sondern die aus der Verantwortung für die Volksgesamtheit heraus Führer im erbgesundheitlichen Sinne sein wollen. Ihnen wird das zur Seite stehen, was wir Sippenamt nennen wollen. Das Sippenamt ist das notwendig weitergedachte und für die neuen Aufgaben entsprechen- ausgebaute Standesamt. Es soll der Träger der getreuen Aufzeichnung und Aufbereitung der sippenkundlichen und erbbiologischen Tatsachen sein, um aus diesem Material die großen Linien der Bevölkerungs- und Rassepolitik ablesen und verfolgen zu können. Und ebenso wie die gesetzlichen Maßnahmen die organischen Einheiten im Volkskörper zu erhalten und zu fördern suchen, so werden auch die notwendig werdenden Amtsstellen diesem natürlichen Volksaufbau angepaßt sein müssen
Der Einzelne gilt für sich nichts, im Rahmen seines Volkes kann er ein wertvolles Glied sein. In rassischer Hinsicht liegt sein Wert in seiner Bereitschaft, eine hochwertige E h e zu führen. Seine Verehelichung ist der Grundstein, auf dem er d i e Familie gründen kann. Die kinderlose Ehe ist keine Familie. Die Ehe ist nur die Familie im Ansatz. Wer das Unglück erfährt, keine Kinder bekommen zu können, kann wenigstens elternlose Kinder zur Aufzucht annehmen, um seiner Ehe die Erfüllung in der Familie zu schenken.
Im Volksbewußtsein galt die Familie immer als Keimzelle der Nation. Im Rat der Reichsstadt Nürnberg saßen jtets nur Männer, die Familienväter waren. Das war nicht verordnet, es war selbstverständlich. Wenn heute, um ein Beispiel zu nennen, in einer deutschen Mittelstadt von allen
Direktoren der Schulen nur einer Kinder, und auch der nur ein Kind hat, so zeigt es sich, wie es für den Staat notwendig wird, durch Maßnahmen der Familie wieder Geltung zu verschaffen, die ihrem unermeßbaren Werte für die Rasse zukommt. Würde der Staat sich entschließen, bei seinen Beamte n die Erfüllung dieser an sich selbstverständlich erscheinenden Pflicht zur Familiengründung zur Voraussetzung derBeförderung und Berufung an leitende Stellen zu machen, und würde er nur in den seltensten Fällen Ausnahmen zulassen, nur wo er besonders begabte Persönlichkeiten, sogenannte „Extremvarianten", unbedingt braucht, dann wäre unendlich viel erreicht. Hier sei nicht von Arbeitsbeschaffung gesprochen, die da wäre, wenn die hunderttausenden Junggesellen, die in beamteter
Nationalsozialist sein heißt Opfer bringen!
Spendet für das Winterhilfswerk!
Stelle ihr sicheres Einkommen haben, heiraten würden, sondern nur an den Grundsatz gedacht. Eine stärkere Demonstration der bevölkerungspolitischen Absicht ist undenkbar, abgesehen von dem notwendig eintretenden Erfolg der tatsächlichen Familiengründungen.
Noch ein weiterer Gedanke wird für den staatlichen Aufbau leitend sein. So wie man die Grenzen der kommenden Reichsländer, gleichgültig wie ihre Gestalt einmal wird, niemals in schematischer und unnatürlicher, also traditionsloser Weise, bestimmen wird, sondern nach den blutsverwandten Stämmen abstecken muß, so wird man auch sonst auf die rassischen Einheiten höherer Ordnung, die über der Familie stehen, acht geben. Hausvater und Hausmutter, die eine Familie gründen, entstammen nicht nur einer Familie, die ihre Eltern einstmals gegründet haben, sondern sie sind in einen ganzen Kreis von Blutsverwandten hineingeboren, die S i p p e. Durch die Eheschließung wird Sippe mit Sippe verkettet, wird das ganze großartige Gefüge des Volksorganismus ineinander verzahnt. Die Sippe umfaßt außer den Verwandten in auf- und absteigender Reihe (Vorfahren und Nachkommen; Ahnen, Eltern, Kinder und Onkel) auch die Seitenverwandten und ihre Nachkommen (Geschwister, Geschwister der Eltern und Großeltern und alle Nachkommen dieser). Während nun die Familie dort lebt, wo der Hausvater seinem Beruf nachgeht, lebt die Sippe zumeist dort, wo dieser Kreis der Blutsverwandten herstammt: in der Heimat. Die Heimat der Familie ist nicht ein mehr oder weniger zufälliger Wohnsitz, es ist die Heimat der Sippe und ihres Blutes. Jeder hat eine Heimat, jeder kann, soll und muß zu seiner Heimat nahe Fühlung gewinnen, sie erschließt ihm tausend Dinge der Erkenntnis. D t e Heimat Öen Menschen wiedergeben, die nicht mehr bodenverwurzelt sind, wird ein leitender Gedanke sein müssen.
Familie, Sippe, Volk: der Herd, die Heimat, das Vaterland. Wir wollen sie hegen und schützen. Wie die Gesetze, die die Zukunft bringt, immer aussehen mögen, sie werden diese organische Lebensoerkettung des einzelnen in s einem Volk und in seiner Landschaft beachten müssen. Sie werden den Frieden des häuslichen Herdes schützen, die Heimfindung zur Heimat derer, die noch eine Spur von Sehnsucht danach in sich tragen, erleichtern damit die Idee des Reiches und das Wort „Vaterland" ganz tief verstanden werden können. So und so werden Familie und Sippe ihr volles Lebensrecht erhalten und unser Volk zu neuer reicher Blüte bringen. Familie, Sippe und Volk: eins notwendio dem anderen
Arbeitslose als Schnee-Bildhauer.
Vorsintflutliche Tiere aus Schnee die von Arbeitslosen in den Parkanlagen von Freiberg (Macksten) hergestellt wurden.
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„Was wir fürchten sollen und was nicht!" Zum 100. Todestage Friedrich Schleiermachers am 12. Februar.
Von Or. Peter Schwarz.
Wir haben heute besonderen Anlaß, der hundertsten Wiederkehr des Todestages von Friedrich Schleiermacher zu gedenken, der in der Zeit der tiefsten Erniedrigung Deutschlands von der Kanzel der Ulrichskirche in Halle und darnach von der der Dreifaltigkeitskirche in Berlin der Wiedergeburt des deutschen Geistes aus dem Glauben heraus verkündete. Weit über den Rahmen protestantischer Theologie hinaus, die Schleiermacher mit reformatorischem Geist erfüllte, greift feine Bedeutung; er wirkt gestaltend ein auf die gesamte geistige Situation seiner Zeit, in der sich, in innerer Unbefriedigtheit über das Aufklärertum, ein tiefes Bedürfnis nach einer Wiedererweckung religiösen Glaubens entfaltet hatte. Gerade Schleiermachers wissenschaftlicher Geist und seine religiöse Aufgeschlossenheit befähigten ihn, hohe geistige Bildung und lebendige Frömmigkeit zu vereinen; er ! selbst nennt Philosophie und Religion die beiden Brennpunkte seiner Lebensellipse.
Sowohl von Vater- wie von Mutterseite aus Familien mit Predigertradition stammend — sein Vater ist Militärpfarrer in Breslau und Feldprediger im Siebenjährigen Krieg — wird Friedrich Schleiermacher am 21 November in Breslau geboren und im Pädagogium zu Niesky erzogen, das der Herren- huter Brüderunität gehört. Dort erlebt der Fünfzehnjährige in leidenschaftlicher Innigkeit den Geist herrenhuterischer Frömmigkeit. Aber schon in Barby, der Hochschule der Brüdergemeinde, wo er seine theologischen Studien beginnt, zeigt sich sein selbständiger Geist, bringt ihn in offenen Widerspruch zu der Einseitigkeit der wissenschaftlichen Bildung, die ihm hier zuteil werden soll, und er verläßt ^nrhn
Als ein „Herrenhuter höherer Ordnung" setzt er unter großen Entbehrungen in Halle feine theologischen Studien fort und tritt feine erste bescheidene Pfarrstelle mit dem Gelübde an, fein Amt „nicht nur als ein Handwerk auszuüben". Aber erst in den sechs Jahren, die er als Chariteprediger in Berlin lebt, reifen die großen Arbeiten, mit denen er auf die geistigen Bewegungen feiner Zeit einwirkt. Im Berliner Kreis der Romantiker entfaltet sich fein universaler Geist; in enger Freundschaft mit Friedrich Schlegel, der zu ihm in die Charite zieht, nimmt er an dem Kampf gegen die herrschende Aufklärung teil. Auf Schlegels Anregung schreibt Schleiermacher die „Reden über d i e Religion" (1799), mit denen er sich „an d i e Gebildeten unter ihren Verächtern" wendet und den Versuch unternimmt, seine religiösen Auffassungen mit der Weltanschauung der Romantiker zu verbinden.
Die Grundideen feinet späteren Glaubenslehre sind in diesem Frühwerk schon enthalten. Lebendig, bekennend, anklagend kämpft Schleiermacher für die Religion. Phantasie und Gefühl nennt er als die Grundkräfte, die zur Erfassung des Glaubens entfaltet werden müssen. Er zeigt die Ursachen der Mißachtung der Religion im Dogmatismus und der Enge kirchlicher Auffassungen. Darum lehnt er es ab, ein System zu schaffen, er will die Religion wiedererwecken, die „in Sinn und Geschmack für das Unendliche" liegt und „Sinn und Leben in unendlichen Gefühlen ist". In diesen „Reden über die Religion" lesen wir eines der tiefsten Worte deutscher Frömmigkeit: „Mitten in der Unendlichkeit eins werden mit dem Unendlichen und ewig sein in jedem Augenblick, das ist die Unsterblichkeit der Re-
Oberhessischer Kunstverem.
II Jahresausstellung:
Drei mitteldeutsche Maler.
Die am Sonntag der Öffentlichkeit übergebene zweite Jahresausstellung des Kunftvereins vereinigt Proben aus dem Werk dreier Künstler, die lediglich durch ihre gemeinsame landschaftliche Herkunft verbunden sind, ihrem G5til und künstlerischen Temperament nach dagegen sehr verschieden auf den Beschauer einwirken: Fritz Neuenhahn, Weimar (Aquarell), Georg Kühn, Freiberg i. Sa. (Litho) und Franz Huth, Weimar (Pastell).
Den breitesten Raum beanspruchen die Arbeiten von N e u e n h a h n , der ein halbes hundert Bilder ausstellt, und zwar Aquarelle in so großer Zahl, wie wir das bisher im Kunstverein noch nicht erlebt haben. Das Aquarell ist hier nicht als Vorstudie, Beiwerk oder Variation, sondern durchaus mit ernsthaftem Anspruch auf Selbständigkeit und malerische Eigengeltung behandelt. Wenn man die Kette dieser Bilder betrachtet, die motivisch zahlreiche Wiederholungen und Abwandlungen des gleichen Motivs aufweisen, so offenbart sich hier em liebenswürdig-heiteres Temperament, dem die improvisatorische Technik des Aquarells als Ausdrucksmittel vorzüglich zu entsprechen scheint. Der Nachdruck liegt aus dem Landschaftlichen; Lust, Wasser und Himmel in ihrer Bewegtheit und ihrer Beziehung zueinander, in der verschiedensten Beleuchtung und jahreszeitlichen Stimmung —: das ist der dominierende Eindruck dieser Aquarell-Reihe. Winterlandschaften Berqlandschaften, Seestucke . alles sicher ersaßt, geschickt aus dem größeren Zusammenhang ausgeschnitten, sehr hell, luftig und locker gemalt Dazu gibt es eine kleine Auswahl zarter und farblich empfindlicher Blumenftücke - wir nennen etwa die lila Tulpen und die Zinnien mit '^em Kontrast von Gelb und Rot —, dazu em paar geschmackvoll und dekorativ gemalte Porträts. Uebrigens kann man in der Ausstellung eine Monographie über Neuenhahn von Dr. Richard B i e bekommen und daraus ersehen, daß diese Aquarell-Gruppe, so umfangreich sie ist, den künstlerischen Aktionsradius Neuenhahns motivisch und technisch keineswegs erschöpft; jedenfalls wird man den Eindruck oerAus- stellung schon durch die Bildbeigaben der Monographie angenehm ergänzt und erweitert finden.
Von Georg Kühn aus Freiberg in Sachsen findet man eine Serie von Zeichnungen, vorwiegeno Architekturen und Städtebilder, in einer ebenso persönlich-eigenartigen wie in ihrer Wirkung mter= essanten Technik; der Graphiker Kühn bedient sich
und die Notwendigkeit gesunder Bodenständigkeit
und Volksverbundenheit für alle echte Kunstübung
Atter schlesischer Fastnachtsbrauch.
In Krampe bei Grünberg wird noch heute ein
erinnert.
Franz Huth aus Weimar, der eine Serie von Pastell-Bildern vorführt, ist in Gießen kein Unbekannter mehr; seine Arbeiten sind bereits mehrfach in früheren Jahren auf den Ausstellungen des Kunstvereins gezeigt worden. Auch heute findet man von ihm wieder eine Anzahl recht charakteristischer Motive; neben den von ihm bevorzugten Interieurs mit ihren gedeckten Farben, dämmerigen Hintergründen und spielenden Lichtern, sieht man eine Reihe stiller, sommerlicher Landschaften, die eine liebevolle und fleißige Hingabe und Versenkung in die sinnfällige Welt der Erscheinungen bekundet. Der Katalog verzeichnet, um einiges herauszugreifen, malerische Vorwürfe aus dem Hause Wahnsried, „Am Grab Richard Wagners", die Georgenkirche, wo der rote Adlerorden gestiftet wurde, die Potsdamer Garnisonkirche, „Blick auf Bayreuth", „Jean Pauls Grab" und die Wartburg; man mag bereits aus dieser flüchtigen Aufzählung erkennen, wie sehr grabe heute die Bilder von Franz Huth schon rein stofflich die Aufmerksamkeit eines großen Publikums auf sich zu lenken vermögen. —
nachdrücklich betonte; als Beispiele wurden Rembrandt, Leibi und Thoma herangezogen. Der Vor
tragende streifte ferner in kurzem Rückblick die verschiedenen künstlerischen Strömungen und Richtungen des 19. Jahrhunderts, die einander abgelöst haben. Die gegenwärtige Ausstellung entspreche durchaus dem, was heute in der Kunst gefordert und anerkannt werde. Das Schöne müsse auch
immer sittlich sein. Der Vortragende ging ferner kurz auf die ästhetische Begriffsbildung ein und auf das Verhältnis zwischen Kunst und Künstler, zwischen Kunstwerk und Volk. Wo das Verständnis fehle, der Widerhall im Volke, befinde sich die Kunst auf Abwegen. Nach einem weiteren Rückblick auf die Kunst der vergangenen Zeit und einem Hinweis auf die Richtlinien Hitlers für die Bewertung von Kunst und Künstlern besprach der Vortragende die gegenwärtige Ausstellung, die etwa hundert Bilder umfasse und in ihrer Auswahl und Anordnung dem Aquarell eine bevorzugte Stellung ein- räume; gerade am Aquarell könne man sehen, was ein Künstler zu leisten vermöge. Im Folgenden wurden die Arbeiten von Neuenhahn und von
seltsamer Fastnachtsbrauch geübt, der gewiß mit der alten germanischen Sitte des Feldumganges zusammenhängt. In den frühen Stunden des Fastnacht- Dienstag zieht eine vermummte Narren-Gesellschaft von Gehöft zu Gehöft, voran der Schimmelreiter, I werden, ganz in Weiß gekleidet, mit langem Bart und wallen-'
dem Haupthaar, eine Weidenrute in der Hand. Seit jeher wird, wie Christof Krumbhermer in den „Schlesischen Monatsheften" mitteilt, der Schimmel auf eine kindliche und drastische Weife dargestellt. Der Schimmelreiter ist ein möglichst langer Mann, dem zwei Kornsiebe, eins vor die Brust und eins auf den Rücken, umgehängt werden. Das Ganze wird mit einem weißen Tuch umhüllt; der Pferdekopf wird aus einem Frauenstrumpf gebildet. Diesem Schimmelreiter folgen Musikanten mit Ziehharmonika, Violine und Teufelsgeige und dahinter der sog. Fleckelmann, der von oben bis unten mit bunten Flecken besetzt ist. Den Schluß des Zuges bildet die einzige Frau in dieser drolligen Zeremonie mit einem Tragkorb, aus dem eine große Puppe mit zwei Gesichtern hervorlugt und ein Schornsteinfeger mit einem großen Rutenbesen. Der Zug wird von der gesamten Dorfjugend begleitet, während es von Gehöft zu Gehöft geht und der folgende Vers die Runde macht: Frau Wirtin hat viel Ehr und Ruhm / Drei rote und drei weiße Blum' / Die woll' wir ihr verkaufen. / Wenn sie uns einen Groschen schenkt / Den wollen wir versaufen. Diese närrischen Reste eines alten germanischen Flurumganges sollen den Ritt Wotans über die Felder zur Zeit, da die ersten Frühlingsstürme über das Land brausen, versinnbildlichen und ein Opfer für diesen germanischen Gott bedeuten. Das eigentümliche doppelgesichtige Wesen im Korbe der Frau stellt die Wende der Jahreszeiten dar, mit dem einen Gesicht zum scheidenden Winter und mit dem anderen zu dem leise sich ankündenden Frühling.
westfälischen Industriegebiet" einen wichtigen Beitrag zur Kenntnis und zum Verständnis der fäli- schen Rasse. Prof. H. W. Siemens besaßt sich mit den verschiedenen Methoden zur Anlegung einer Ahnentafel. Der Aufsatz „Photographie und Rasse- forschung" von Prof. Dr. v. Holländer sollte von Liebhaber- und Berufsphotographen beherzigt
Huth einer Charakterisierung unterzogen, bei jenem insbesondere die schmissige Linienführung, die Kraft und die Sicherheit der Landschaftsbehand- lung, bei diesem die inneren Werte seiner Malerei rühmlich hervorgehoben. Auf die Arbeiten von Huth, der persönlich bei der Eröffnung der Ausstellung anwesend war, ging der Vortragende besonders ausführlich ein, erläuterte u. a. die Rolle des Porzellans in den Stilleben, die Technik der Interieurs und der Blumenstücke, und wies auf die Bodenständigkeit und Volksverbundenheit der Bilder hin, die in Bayreuth, in Potsdam ober vor der Wartburg entstanden sind. Die Weihestimmung der geschichtlich und kulturhistorisch bedeutsamen Stätten, die Huth gemalt habe, müsse sich federn Beschauer mitteilen. Nachdem der Maler selbst noch einige Bemerkungen zu seinen Arbeiten abgegeben hatte, erklärte Geheimrat 011 die Ausstellung für eröffnet.
Die Ausstellung wurde am Sonntagvormittag eröffnet. Der Vorsitzende des Kunstvereins, Geheimrat Professor Dr. Olt, hielt einen Einfuhrungs- oortrag, in dem er, anknüpfend an die vorige Ausstellung (Deutsche Plastik des Mittelalters) zunächst
eines weichen und pastosen Stils, der dennoch nichts! auf die Unterschiede zwischen der deutschen und der UnbefHmmtes ober Verschwommenes ins Bild'lateinischen Kunst in Stil und Charakter hinwies bringt, sondern im Gegenteil mit leichten Wischern, nohmh-.r sRnhonffnnhmPoit
weichen und tiefen Schattenflächen eine überaus belebte und gegliederte Oberfläche und eine zumal architektonischen Motiven sehr zugute kommende Pta-। ftif erzielt. Man betrachte etwa daraufhin bie Blat-! ter „Salzburg" und „Alter Winkel am Bodensee 1 oder die außerordentlich fein erfaßte Nördlinger Straßenflucht (Rohlss hat das gleiche Motiv Jjer- vorragend gemalt) und man wird gewahr werden, wie diese scheinbar flüchtig eingefangenen Ausschnitte sich aus einiger Entfernung zu plastisch-räumlicher Wirkung überraschend zusammenschließen. Auch die Landschaften gewinnen in dieser Technik eine Weite, perspektivische Tiefe und Rundung, die man sonst nur auf Gemälden findet. Zu den Landschaften ordnen sich im gleichen Stil ein paar rund und lebendig aufgesetzte Porträtstücke („Mädchenkopf"; „Alter ).| Interessant auch als Bewegungsstudie die Figur bes1 Dirigenten im „Domkonzert", besten ausholenbe körperliche Geste zu bem spitzbogigen Hintergründe des gotischen Raumes sehr eigenartig in Beziehung gesetzt ist, und die „Heimkehr nach der Arbeit", ein Blatt, das nicht nur gegenständlich merkwürdig an, ein von Daumier vielfach abgewandeltes Motivs
Zeitschriften.
— Die bekannte Monatsschrift „Volk und Rass e", Organ des Reichsausschusses für Volks- gesundheitsdienst (I. F. Lehmanns Verlag München 2 SW, Einzelheft 0,70 Mk.) veröffentlicht u. a. im Februarheft ein Preisausschreiben für bie besten Vertreter ber fünf wichtigsten in Deutschland vor- kommenben Rassen: nordisch, fälisch, westisch, ostisch, dinarisch. Es werden fünf Preise ausgeschrieben. Lichtbilder aus allen deutschen Gauen und aus allen Volksschichten sind erwünscht. Dr. Friedrich Büchler liefert in seinem Aufsatz „Rasfenfragen im rheinisch-


