Nr. 212 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhesjen)
Dienstag, V. September 1934
Sie Katastrophe der „Mrro Lastle".
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^^cbunkbild von dem amerikanischen Passagierdampfer „M o r r o C a stl e", der auf der Rückfahrt von Kuba nach Neuyork unweit seines Heimathafens in Brand geriet und völlig ausbrannte.
Oie amtliche Untersuchung. - Kapitän Warms vermutet Brandstiftung.
Neuyork, 10. Sept. (DNV.) 3m gedrängt vollen Sitzungssaal der Neuyorker Zollbehörde begann unter dem Vorsitz des Hilfsdirektors der Inspektionsbehörde für die Handelsmarine, Dicker- son Hoovers, die Untersuchung der Vun- desbehörde über die k a t a ft r o p h e der „211 o r r o £ a fH e". Als erster Zeuge wurde der Stellvertreter des Kapitäns Darms vernommen. Als er den Tod seines Freundes, des Kapitäns Wilmot, schilderte, brach Warms zusammen. Er erklärte, dah Wilmot am Freitagabend ganz plötzlich infolge einer akuten Verdauungsstörung gestorben sei. Bei der Ausreise sei Wilmot ganz gesund gewesen. Warms sagte ferner aus, dah er als Vrand- ursache Brand st iftung vermute. Diese Vermutung gründe er auf die Tatsache, dah bereits auf der vorigen Reise ein Brandstiftungsversuch unternommen worden sei. Von dem Ausbruch des Feuers habe er um 2.45 Uhr früh Nachricht erhalten. Zu dieser Zeit meldete die Deckwache das Auftreten von Feuer und Rauch in den Ventilatoren an der Backbordfeite mittschiffs. Er, Warms, habe darauf sofort den zweiten Offizier angewiesen, sofort die nötigen Maßnahmen zu treffen. Kurz darauf habe die im Salon befindliche Nachtwache Feuer in der Bibliothek gemeldet. Der Brand war hier in einem Schrank ausgebrochen, dessen Türen aufsprangen. 3m 3nnern wurde Gasolin festgestellt. Noch vor 3 Uhr habe er Generalalarm gegeben. Die 2Nannschaft sei herausgerufen worden und die Stewards und die Salonwache hätten Anweisung erhalten, die Passagiere zu wecken. Ein Blitzschlag komme als Brandursache nicht in Frage.
Während die ersten drei Offiziere der „2Norro Castle" bei ihrer Vernehmung als Zeugen die An
sicht aussprachen, dah der Brand im Rauchsalon mit Hilfe benzingetränkler Gegenstände angelegt worden fei, glaubt der Polizeichef von Havanna an einen kommunistischen An- schlag. Ein Neffe des am Vorabend des Brandes plötzlich verstorbenen Kapitäns wies auf den bis dahin ausgezeichneten Gesundheitszustand seines Onkels hin und regte eine Untersuchung darüber an, ob nicht Sabotage von selten eines verärgerten Besahungsmitgliedes vorliege.
Explosion auf hem brennenden Wrack.
Auf der noch brennenden „Morro Castle", die zur Ebbezeit etwa drei Meter tief im Sande liegt, erfolgte am Montag früh unter donnerartigem Getöse eine heftige Explosion. Aus dem zweiten Schornstein schoß eine Funkenfontäne hoch in die Luft. Man vermutet, daß der größte Teil des Decks eingestürzt ist. Wegen der Befürchtung, daß sich noch weitere Explosionen ereignen werden, ist die Feuerwehr angewiesen worden, das Legen der Schlauchleitungen ins Innere des Schiffes einzustellen. Auch die Küstenwache, die das ganze Schiff durchsuchen sollte, darf den Dampfer nicht eher besteigen, als bis das Feuer ausgebrannt ist. Die Flammen schlagen jetzt auch aus dem Bug heraus.
Bon den hundert Mitgliedern des „Gesangvereins „Concordi a", die an der Vergnügungsreise an Bord der „Morro Castle" teilgenom- men hatten, sind bisher 23 Tote geborgen worden. Fünf Mitglieder werden noch vermißt.
Wie von einem Freunde mitgeteilt wird, befindet sich der deutsche Vizekonsul Landmann wohl- behalten in Springslake (New Jersey). Frau Landmann mußte jedoch wegen großer Erschöpfung dem Krankenhaus in Point Pleasant (New Jersey) zugeführt werden. Ihr Zustand ist aber nicht besorgniserregend.
Eine Verordnung über den Warenverkehr.
Berlin, 8. Sept. (DNB.) In einer auf Grund des Gesetzes über wirtschaftliche Maßnahmen vom 3.Juli 1934 vom Reichswirtschaftsministerium im Einvernehmen mit dem Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft erlassenen Verordnung wird der Reichswirtschaftsminister ermächtigt, den Verkehr mit Waren zu überwachen, und zu reaeln, insbesondere Bestimmungen über deren Beschaffung, Verteilung, Lagerung, Ab- satz und Verbrauch zu treffen. Er kann Anordnungen über die Aufzeichnung geschäftlicher Vorgänge, namentlich über die Buchführung, treffen. Der Minister kann seine Befugnisse übertragen und hierzu besondere Ueberwachungs st eilen errichten. Der Minister bestellt einen Reichsbeauftragten, der die Ueberwachungsstelle leitet und an die Weisungen des Ministers gebunden ist. Dem Reichsbeauftragten kann ein Beirat zur Seite gestellt werden. Die Finanzgebahrung der Ueberwachungsstelle unterliegt den Bestimmungen des Gesetzes zur Erhal-, tung und Hebung der Kaufkraft vom 24. März 1934, Abschnitt 1 (Beiträge-Gesetz). Wer vorsätzlich oder fahrlässig einer Anordnung zuwiderhandelt, die der Reichswirtschaftsminister auf Grund dieser Verordnung trifft, wird mit Gefängnis und Geldstrafe be- straft.
Aus aller Well.
Der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes in Amerika.
Der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes, Herzog Karl Eduard von Sachsen-Koburg-Gotha ist in Washington eingetroffen. Es ist ein Frühstück beim Präsidenten des amerikanischen Roten Kreuzes, Payne, und ein Bankett beim deutschen Botschaftsrat vorgesehen. Zu diesem Bankett sind Ein- ladungen ergangen an die führenden Beamten des amerikanischen Roten Kreuzes, des Staatsdepartements sowie mehrere ausländische Missionschefs. Herzog Karl Eduard wird anschließend die Weiterreise nach'Chikago zum Besuch der Weltausstellung antreten.
Das große Los. —
Eine Million auf Nummer 276 122.
Als erster Gewinn wurde am letzten Tage der Ziehung der Preußisch-Süddeutschen Klassenlotterie das „Große Los" gezogen. Eine Million Reichsmark gewannen die glücklichen Inhaber der Nummer 27 6 1 2 2. Der Gewinn fiel in beiden Abteilungen nach Bayern, wo das Los in der einen Abteilung in Vierteln, in der anderen Abteilung in Achteln gespielt wurde. Auf die Gewinner entfallen nach Abzug der Steuern je 200 000 bzw. 100 000 Mark.
Die Dürre in Kanada.
125 000 Stück Vieh werden geschlachtet.
Die Bundesregierung hat einem von den Provinzen Manitoba und Saskatchewan gemachten Vorschlag grundsätzlich zugestimmt, wonach 1 25 000 Stück Bieh in den durch die Dürre betroffenen Gebieten geschlachtet werden sollen. Es herrscht Einigkeit darüber, daß es unrentabel wäre, das Vieh den Winter hindurch am Leben zu erhalten. Die Provinzen und das Dominion werden dis Transportkosten nach den Schlachthöfen übernehmen. Die Eisenbahnen gewähren Vorzugstarife. Der Vundesminister für Landwirtschaft, Weir, ist nach Westkanada abgereist, um die letzten Einzel- heilen zu regeln.
Wettervoraussage.
Ueber dem Festland ist der Luftdruck kräftig an- gestiegen, so daß es nach Auffüllung der Reststörun- gen zu einer ausgedehnten Hochdruckzone gekommen ist, in deren Bereich sich das Wetter wieder freundlich gestalten wird. So wird nach Dunst- und Frühnebelbildungen tagsüber wieder Aufheiterung eintreten, wobei die Temperaturen über mittag wieder stärker ansteigen.
Aussichten für Donnerstag: Im ganzen freundliches und tagsüber warmes Wetter.
Lufttemperaturen am 10. September: mittags 16,6 Grad Celsius, abends 14,7 Grad: am 11. September: morgens 14,7 Grad. Maximum 20,2 Grad, Minimum 13 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 10. September: abends 17,1 Grad: am 11. September: morgens 15,7 Grad Celsius. — Nieder- schlüge 2,9 mm.
Oie Reichswehr auf dem Parteitag
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Einmarsch der Infanterie in das Stadion.
Erzählung von Hans Zranke-Heilbromi.
Nachen wieder zurück, -bis an die Baustelle, die da-
Als die Brücke, die zwischen G. und K. über den
^eckor führt, vor vielen Jahren gebaut wurde, war: ben im Schilf dort unter anderem ein Arbeiter beschäftigt, der in bie er in der Zi
Der Mann war als ein lustiger und lieber Kerl bei seinen Arbeitskameraden bekannt, olle hatten sie ihn gern, er wußte auf der Mundharfe gut zu spielen, und seine Schnurren und Witze waren prächtig, wenn auch ein wenig derb. Und weil er so lustig und stets guter Dinge war, saß er auch gerne bei einem Schoppen Wein in der Schenke, denn hier löste sich seine Zunge und kamen die Schnurren ihm ins Gedächtnis gestiegen. Und der
der nahen Stadt seinen Wohnsitz hatte, sich aber, um das lästige Fahrgeld zu sparen, billig in G. eingemietet hatte und seine Frau des Samstags nach K., der Bahnstation, kommen ließ, um einen Teil des Lohnes ihr anzuvertrauen, frische Wäsche und ein wenig Hausgemachtes zu empfangen und feine unsauberen Sachen der Frau zu übergeben. Dazu natürlich einen Gruß und herzhaften Kuß für die Kinder.
in G. zuzustreben.
Eines Montags nun wunderte man sich auf der Baustelle, daß dieser Arbeiter nicht auf seinem Arbeitsplätze erschien wie es seine Pflicht war und man dachte, er habe vielleicht auch am Sonntag einen über den Durst gehoben und schlafe nun in G. seinen Rausch aus. Der Nachen, den er sonst sorgfältig-festzumachen pflegte, schaukelte abgetrie- ~ " des jenseitigen Ufers, die Laterne, Zeit des Neumondes bei sich trug, lag
Wenn er so mit der Frau gescherzt und geschäkert hatte, wenn sie sich wieder einmal gegenseitig in die Augen geschaut hatten, wenn er die Küsse für die Kinder auf ihrem Munde abgegeben hatte und sie noch einmal umfaßt hatte, dann ging er wohl nach Abfahrt des Zuges noch einmal in die Schenke Zurück und trank hier einen oder gar zwei Schoppen mehr als das seine Art war, und leise pfeifend stieg er dann zum Neckar hernieder, setzte sich in seinen Kahn und ruderte mit ein paar mächtigen Schlägen auf die Baustelle zu, die dunkel aus dem
Als die Arbeiter den Ruf des Arbeiters und feine hellsichtige Deutung begriffen hatten, wurde es auf der Arbeitsstelle ganz still. Niemand wagte nach dem Mitelpfeiler zu schielen, in dem sie selbst, seine Kameraden, unwissend ihm das Grab geschüttet hatten: niemand tat einen Schlag mit dem Hammer,
vor dem Pfeiler nieder, in stille selbstverständliche Andacht versunken. Es ist niemandem in dieser Ge-
Als nun aber der Arbeiter auch am Dienstag nicht auf der Baustelle erschien und auch in seiner
auf den Brettern. Die Kollegen fluchten ein wenig, einer mußte in einem anderen Nachen den Flüchtling vom anderen Ufer herbeiholen, die anderen aber standen bald mitten in der heftigsten Arbeit,
niemand hob das Beil oder den kurzen Schlegel, es lag eine furchtbare und grauenvolle Stille rings-
mit einem letzten Blick auf den Pfeiler, der einen Bauspruch und eine Jahreszahl trug, wieder von binnen ging.
Dies aber ist die Geschichte dieser seltsamen Andacht.
noch, wo denn nun der Vermißte zu suchen gewesen iiM.iuriI uu„u ...uuu ... — vm-öi-h wäre und wo er aller Voraussicht nach auch sein
denn gerade heute ging die große Füllung der Grab gesunden hatte: auf dem Grunde des Mittel- Strebepfeiler an, die Tage waren schön und wol- pfeilers, der damals soweit wie nun jetzt dieser kenlos, und bald ratterten die Betonmaschinen und, Pfeiler gewesen war!
ließen Zentner auf Zentner in die hohen Formen! der Pfeiler gleiten, auf denen einst das ganze Gewicht der Brückenbögen zu liegen kam.
Schlafstelle in G. nicht aufzutreiben war, wurde bei der Frau in der Stadt eine Rückfrage gehalten, die ergab, daß er auch dort nicht gewesen war, so .... ....
daß man sagen konnte, er sei buchstäblich vom Erd-I um. Es war ein ganz klarer herbstlicher Tag, und hoben verschwunden. Nun glaubte man natürlich 'äus dem nahen Flußbade hörte man das Geschrei zunächst, daß der Mann ertrunken sei und man.Der Kiirder. Als man sich aber von dem ersten
mals bei dem Bau der Pfeiler angelangt war: das Wasser reichte bis kurz an die Baustelle heran, wo die Schächte der Pfeiler schon gezimmert, standen, um den Beton aufzunehmen, den die großen Maschinen den Tag über ausspien und aus großen Mäulern fallen ließen.
wartete, daß seine Leiche an einem der nächsten Tage in dem nahen Wehr hinge, das dort den Strom teilte und alles auffing, was angetrieben wurde. Aber auch hier kam der Verschwundene nicht ans Licht.
Seine Frau war sehr traurig, denn gerade am Samstag hatten sie lange zusammen geschäkert, der Mann hatte auch vieles von dem Bau der Brücke erzählt und wie nun mit der Pfeilerfüllung und den weiteren Arbeiten bald alles der Vollen- düng entgegengehen werde. Es war auch feftgeftellt worden, haß er noch zwei Schoppen getrunken hatte, ehe er sich vergnügt und munter auf feinen abendlichen Heimweg gemacht hatte. Ein Bauer hatte ihn noch mit feiner Laterne ins Boot steigen sehen.
Die Geschichte vom Tode des Arbeiters hätte sich wohl im Nebel des Unaufklärbaren verloren, wenn nicht eine seltsame Begebenheit auf der Baustelle wenige Tage später die Aufklärung gebracht hätte. Die großen Mittelbogen nämlich waren nun eingefügt worden, der Mittelpfeiler war seines Brettergerüstes entkleidet und stand hoch und gewaltia da, und man war dabei, den östlichen wesentlich kleineren Pfeiler mit der Betonmasse zu füllen. Die Schachtwände waren auch hier gestützt und gefügt und ansehnlich war auch hier die Tiefe, in die man noch einmal herabschaute, ehe sich die Walzen der Maschinen in Bewegung setzten. Und ehe das ge» schah, da rief mit einem Male ein junger Hilfs- arbeiter, der über den Rand in den Abgrund spähte: „Da unten liegt ja der I!" Nun war es zwar nicht der Vermißte, der da tag, es war nicht einmal ein Bündel Kleider, Lumpen oder Säcke, es war nur ein Schatten, den der Mann gesehen hatte. Vielleicht war es nicht einmal ein Schatten, sondern ein Gesicht, ein Anruf. Denn obwohl man nichts fand, wußten die Arbeiter mit einem Male den-
gend aufgefallen zuletzt, wenn die Frau dort kniete, denn alle kannten hier ihre Geschichte, und man konnte wahrnehmen, daß viele Rücksicht auf dies Gehaben geübt wurde: man ging langsam und ohne Laut an ihr vorüber, Lachen und Gespräche brachen , „ , _ rv_ v„, ... ab, ja, es ist oft vorgekommen, daß die schweren Wasser ragte, um bei ihr festzumachen und über polternden Erntewagen und Fuhrwerke ihren Lauf die Bohlen und Bretter hinweg seinem Nachtlager vor der Brücke verhielten, wenn ihre Lenker die m Frau dort knien sahen, und warteten, bis die Frau
rtilf hpr TRrttrfo herbe Wein mundete ihm besonders, wenn er
UUJ Vvi -OrUCTC* Samstags mit feinem Weibe zusammen saß, das er eine Woche lang nicht gesehen hatte. Er kam zu diesem Beisammensein stets in einem der Nachen, Auf der Brücke bei G. im Schwäbischen konnte ö’c tin ber Baustelle gebraucht wurden, über den man vor Jahren mitunter — namentlich an den gefahren, und er fuhr nachts auch in dem großen Festtagen — eine einfache Frau beobach- r" v
ten, die lange Zeit auf der Brücke auf und ab zu gehen pflegte, oder auf einem mitgebrachten kleinen Feldftuhle niedersaß, und dies immer unmittelbar in der Nähe des mittleren Pfeilers, der in einer Art Obelisk endete. Es war eine dunkelgekleidete Frau, die einen runden schwarzen Hut trug und an deren Kleidung man außer einer golden leuchtenden Brosche keinerlei Weiß oder Farben beobachten konnte. Oftmals auch stellte die Frau den Feldstuhl zur Seite und kniete im Staub der Brücke
Schreck erholt hatte, schritt ein älterer Arbeiter, mit dem der Vermißte oft einen Trunk getan hatte, langsam aus der Gruppe heraus und auf den mittleren Pfeiler zu und nach ihm schoben sich die anderen. Aus dem zu Tode Gestürzten tasteten nun diese Aberzentner Beton, lastete das Gewicht der Rundbogen, ein Grab war hier geworden, wie es wenige Menschen haben und finden werden. Der alte Arbeiter schritt, wie gesagt, langsam auf dieses Grab ZU, legte feine Hand wie liebevoll auf die rissige Ußanö, lächelte ganz seltsam und verschluckte dann das Wort, das er aussprechen wollte. Dann nahm er seine Mütze ab, und die ganze Belegschaft betete leise.
Die von der Kriminalpolizei kurz darnach wieder aufgenommenen Nachforschungen bestätigten den seherischen Einfall des Hilfsarbeiters: der Mann mußte bei der Heimkehr in den Schacht des Mittel- Pfeilers gestürzt und zu Tode gekommen fein; ohne daß sie es ahnten, hatten feine Arbeitskameraden Über ihm das Grab gewölbt ...
So kam es, daß die Frau des Toten jahrelang hier ihre Andacht verrichtete: betend und kniend vor der sehr unheiligen Wand eines Betonpfeilers: aber alle, die es wußten, ehrten diese Gebete mit Stille und Schweigen.
Wie stellt man Trunkenheit feff?
Die neuen Gesetze zur Verhütung erbkranken Nachwuchses und gegen gefährliche Gewohnheitsverbrecher sowie die Bestimmungen über Straftaten, die in der Trunkenheit begangen werden, und gegen das Anwachsen von Verkehrsunfällen, die durch Betrunkenheit veranlaßt find, machen jetzt auch bei uns die Festellung notwendig, ob jemand angetrunken oder betrunken gewesen ist. In England ist die Trunkenheit schon seit langem unter Strafe gestellt, und es ist dort ein vielbehandeltes Problem, wie man die Menge des genommenen Alkohols und den Grad seiner Wirkung genau erkennen Fann. Es bieten sich aber heute, wie Ferd. Goebel in der „Aerztlichen Sachverständigen- Zeitung" ausführt, verschiedene Möglichkeiten. So gibt es psychisch-klinische Methoden, unter denen besonders die folgende sich bewährt haben soll: Die zu untersuchende Person muß sich mit geschlossenen Füßen vorn überbeugen und dabei mit beiden Hän- den einen Gegenstand halten ein nüchterner Mensch kann in dieser Stellung mindestens 20 Sekunden verharren, wer aber Alkohol getrunken hat, beginnt plötzlich zu schwanken und zu wanken. Dann gibt es chemisch-physische Methoden, von denen die Chrom- fäure-Methode gut erprobt ist. Schließlich bringt auch bie Blutuntersuchung gute Ergebnisse.


