Er. 263 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien)
Zreitag.y. November (934
„Emdens" letzter Kampf vor 20 Fahren.
OaS ruhmvolle Ende des berühmtesten deutschen Kreuzers.
Von Kontre-Admiral a. D. Mahrholz.
Dunkel liegt auf dem Meer, eine Regenboe fegt über das Wasser, und auf der Brücke des Kreuzers „Emden" ducken sich zwei Offiziere hinter den Wetterbezug, um nicht völlig durchnäßt zu werden. „Bei Penang hatten wir besseres Wetter", sagt der eine Offizier zu feinem Kameraden, „die Sicht war fabelhaft, beinahe zu gut für eine Ueberraschung. Aber nachher bei dem Angriff auf den russischen Kreuzer „S ch e m t s ch u g" im Hafen kam uns das zu statten, man konnte kaum vorbeischiehen, so gut war er zu sehen, obwohl wir nicht mit den Scheinwerfern leuchteten. Ich bin gespannt, ob wir heute auch feindliche Schiffe im Hafen treffen werden." — „Ich finde es famos vom Kommandanten", erwiderte der andere, „daß er die Offiziere, die bei Penang nicht dabei waren, vom Begleitschiff heruntergeholt hat, denn es ist doch eine ganz andere Sache, bei solch einer Gelegenheit ein richtiges Kriegsschiff unter den Füßen zu haben. Still, da kommt der Kommandant, ich bin begierig, ob er heute die Unternehmung wieder verschiebt." Prüfend sieht Kapitän von Müller zum Himmel. Es hat zu regnen aufgehört, und die Sicht ist besser geworden. Der FT.-Offizier meldet, daß immer noch feindlicher Funkspruch zu hören ist, doch scheint er nicht mehr so nahe wie gestern. Nach kurzer Ueberlegung sagt der Kommandant zu dem neben ihm stehenden Kapitänleutnant von Mücke, dem Ersten Offizier des Kreuzers: „Wir wollen heute bei Hellwerden Port Refuge ansteuern und dort ankern. Sie werden dann mit dem Landungszug an Land fahren und möglichst schnell die Funkstation zerstören. Lassen Sie sich aber auf keinen ernsthaften Kampf ein, denn wir brauchen alle Leute für den kommenden Kreuzerkrieg. Wenn nicht anders möglich, werden wir eben die Funkstation mit der Artillerie des Schiffes zerstören. Dann schneiden Sie die Kabel durch, nehmen möglichst viel Depeschen- und Codematerial mit und kommen beschleunigt wieder an Bord. Also guten Erfolg und auf Wiedersehn." Der FT.-Offizier erhält darauf Anweisung, scharf auf den feindlichen Funkverkehr zu achten und jede Abgabe einer Meldung seitens der Landstation durch kräftiges Dazwischenfunken zu verhindern. Ruhig gleitet das Schiff durchs Wasser, im Osten rötet sich der Himmel, und in der Dämmerung ist voraus Land zu sehen: die Süd-Keeling- Jnseln auf deren östlichster, der Direction-Insel, die Funkstation steht.
Auf der Back vorn stehen die Leute klar zum Ankern, die Gefechtsstationen sind besetzt, das Landungskorps hält sich bei den Booten bereit. Punkt 6 Uhr fällt der Anker, und einige Minuten darauf sind die Boote zu Wasser. Von feindlichen Schiffen ist nichts zu sehen, auch sonst regt sich nichts an Land. Da die See ruhig ist, wird der Kohlendampfer „Buresk" herbeigerufen: die Zeit soll ausgenutzt werden zum Kohlennehmen. Auf den Funkspruch hin fragt die Insel-Station an, von wem und in welchem Code gefunkt worden ist: natürlich erfolgt darauf keine Antwort. Das genügt, um den Verdacht der Funker an Land zu erregen. Trotz Dazwischenfunkens gelingt es ihnen, einen Funkspruch durchzubringen „Strange ship off entrance“. (Fremdes Schiff vor der Einfahrt.) Rur wenige Minuten ist die Landesabteilung zu spät gekommen, um die Abgabe der Meldung zu verhindernd Jäh bricht dann der Funkverkehr ab, doch nun wird ein feindliches Schiff im Kopfhörer vernommen, das nach Widerstandsmessungen aber noch 200 bis 250 Seemeilen entfernt sein muß. Kapitän von Müller gibt daraufhin zwar das Kohlennehmen als zu gefährlich auf, glaubt aber die für die Zerstörung der Kabel und Funkstation angesetzte Zeit von zwei Stunden noch abwarten zu können. Von Land sind
jetzt mehrere Detonationen zu hören: das Zerstörungswerk hat begonnen, und man sieht deutlich den hohen Funkmast umfallen. Gegen 9 Uhr wird vom Ausguck im Dormars eine Rauchwolke in nördlicher Richtung gemeldet, in der der Kohlendampfer „Buresk" vermutet wird. Doch kommen dem Kommandanten alsbald Zweifel, weil die Rauchentwicklung sehr stark ist, und „Buresk" im allgemeinen rauchlos fährt. Er läßt daher die Landungsabteilung durch ein Signal zur Eile mahnen. Aber es ist schon zu spät. Sehr bald werden nämlich vom Mars hinter der Rauchwolke Kriegsschiffmasten gemeldet, die ja nur zu einem feindlichen Schiff gehören können. Der Landungsabteilung wird das verabredete Notsignal gegeben, Dampf auf in allen Kesseln befohlen und Klarschiff zum Gefecht angeschlagen. Das feindliche Schiff kommt mit hoher Fahrt näher, man kann jetzt deutlich vier Schornsteine ausmachen. Es ist der australische Kreuzer „S y d n e y", der — herbeigerufen durch das Funksignal — sich den Cocos-Jnseln schnell nähert.
Wie wir jetzt wissen, gehörte „Sydney" zu dem Bedeckungsgeschwader einer Transportflottille, die mit anderthalb neuseeländischen Brigaden und zwei australischen Divisionen auf dem Wege zum europäischen Kriegsschauplatz zufällig hier kreuzte. Außer englischen Schiffen waren an dem Schutz des Transports noch der japanische Kreuzer „Jbuko" beteiligt; nur mit Mühe konnte der älteste englische Offizier den Japaner davon abhalten, bei Eintreffen der Meldung vom Sichten der „Emden" auszubrechen, um sich am Kampf gegen den Feind zu beteiligen.
Obwohl sich die Landungsabteilung mit dem Ein- schiffen beeilt, gelingt es nicht mehr, sie an Bord zu nehmen. Mit geteilten Gefühlen sieht Kapitänleutnant von Mücke die „Emden" nach Norden abdampfen. Hier ist inzwischen alles klar zum G e f e ch , so gut dies ohne die ausgeschifften Leute geht. Mit hoher Fahrt nähern sich die beiden Gegner. „Emden" erstrebt die günstige Windstellung, was ihr auch gelingt; der Kommandant will versuchen, den Gegner durch seine Artillerie in der Fahrt herabzusetzen, um dann mit der Torpedowaffe die Entscheidung herbeizuführen. Auf 9000 Meter wird das Feuer eröffnet, und zunächst scheint „Emden" artilleristisch im Vorteil, mit der zweiten Salve werden bereits Treffer erzielt, was das Einschießen des Gegners erheblich verzögert. Aber die Unterlegenheit der deutschen 10,5-Zentimeter- gegenüber den 15-Zentimeter-Geschützen des Feindes, sowie dessen besserer Schutz machen sich bald bemerkbar. Ein Versuch, auf günstigere Entfernungen heran- zukommen, scheitert an der überlegenen Geschwindigkeit der „Sydney". Durch einen unglücklichen Treffer wird auf der „Emden" die elektrische Befehlsübermittelungsanlage außer Gefecht gefetzt, was zur Folge hat, daß die Artilleriebefehle nicht mehr so geschlossen durchkommen, wie es für den Erfolg nötig ist. Etwa 20 Minuten nach Beginn des Gefechts wird die R u d e r a n l a g e zerschossen, und Versuche, das Handruder in Betrieb zu. nehmen, scheitern, da das ganze Gestänge zerstört ist. Das Schiff muß daher während des ganzen übrigen Gefechts mit den Schrauben gesteuert werden. Die Ausfälle bei den Geschützmannschaften mehren sich, das eigene Feuer wird schwächer, denn es fehlt an Ersatz, da mit dem Landungskorps 10 v. H. der Besatzung an Land sind. Kapitän von Müller dreht heran, um seine Torpedowaffe zum Tragen zu bringen, aber der Feind wartet nicht, sondern dreht seinerseits ab und entfernt sich mit hoher Geschwindigkeit. Inzwischen hat der Artillerieoffizier den Rest der Artilleriemannschaften zusammengeschart und besetzt damit zwei Geschütze,
schließlich feuert aber nur noch eins, von dem Artillerieoffizier geleitet, bis er zu Tode getroffen zusammenbricht. Auch die Brücke wird jetzt m i t Treffern überschüttet. Der größte Teil des Personals fällt aus, und nur wie durch ein Wunder bleibt der Kommandant unverletzt. Er versucht ein zweites Mal, zum Torpedoschuß heranzudrehen, da die Befehlstelegraphen und Sprachrohre alle ausgefallen sind, müssen die Befehle durch Läufer und Befehlskette in die Maschine gegeben werden. Aber nun werden die Schornsteine umgeschossen, und wegen der dadurch entstehenden Rauch- und Gasgesahr müssen die Feuertüren in den Heizräumen offen bleiben, so daß die Fahrt des Schiffes stark vermindert wird. Schließlich fällt auch die letzte Waffe, der Torpedo, aus, weil der Torpedoraum infolge eines Unterwassertreffers voll Wasser läuft. Damit ist das Schiff feiner letzten Waffe beraubt, und der Kommandant entschließt sich, um die Ueberlebenden der Besatzung nicht nutzlos zu opfern, das Schiff bei der Nord-Keeling-Jnfel a u f Strand zu setzen. Erst als das Schiff dort als Wrack festsitzt, hört der Gegner gegen 11.20 Uhr mit seinem Geschützfeuer auf und dreht gleich darauf ab, um den Dampfer „Buresk" zu jagen.
Nach etwa fünf Stunden kommt „Sydney" im Westen mit einem internationalen Signal im Topp wieder in Sicht der „Emden". Da inzwischen alle Geheimsachen, darunter auch das Signalbuch vernichtet sind, wird mit der Winkflagge herübergegeben „No signalbook“. Darauf eröffnet der Gegner völlig unvermutet das Feuer auf das völlig wehrlose Schiff, wodurch schwere Verluste eintreten. Um dem unsinnigen Schießen Einhalt zu tun, bleibt als einziges, schnell wirkendes Mittel nur d i e weiße Flagge, worauf endlich das Feuer eingestellt wird, lieber dieses Setzen der weißen Flagge sind später in der englischen Presse hämische Bemerkungen gemacht worden. Es muß daher noch einmal ausdrücklich betont werden, daß diese Maßnahme nichts zu tun hat mit dem Signal für die Uebergabe eines im Gefecht befindlichen I Schiffes, denn dieses Gefecht war ja bereits fünf Stunden vorher beendet! Mithin kann also auch gar kein Zweifel bestehen, daß der Kommandant die Ehre Der Kriegsflagge in vollstem Maße gewahrt hat.
Ruhmreich wie ihr Endkampf war auch die kurze Kriegslaufbahn der „Emden". Durch ihre Vernichtung wurden die Engländer von einer schweren Sorge befreit, denn keiner der deutschen Auslandskreuzer, mit Ausnahme vielleicht der „Karlsruhe", hat derartige Erfolge aufzuweisen gehabt wie dieses Schiff. Sein Kommandant hatte selbst beim Chef des Kreuzergeschwaders, Admiral Graf S p e e, seine Entsendung zum Handelskrieg erbeten, und Graf Spee wußte wohl, daß er damit einen Offizier beauftragte, der für diese schwierige Aufgabe ganz besonders geeignet war. Das Ziel, den englischen Handel zu schädigen und das englische Prestige bei der indischen Bevölkerung zu schmälern, erreichte Kapitän von Müller mit größter Tatkraft, Ausdauer und Unerschrockenheit. Den nur wenige Wochen währenden Operationen der „Emden" fielen 19 große Dampfer mit ü b er 60000 Tonnen zum Opfer, was allein für England einen Verlust von rund 45 Millionen zur Folge hatte. Hinzu kommt der Schaden, der durch die Behinderung und Lahmlegung der Schiffahrt im Indischen Ozean hervorgerufen wurde, der auch nicht annähernd abzuschätzen ist. Neben dem reinen Handelskrieg versäumte Kapitän von Müller nicht, dem Gegner auch militärisch Abbruch zu tun. Bei einem kühnen Einbruch in den Hafen von Penang wurden der russische Kreuzer „Schemtschug" sowie Der französische Zerstörer „Mousquet" vernichtet; in Madras gelang es, die für die Versorgung der Seestreitkräft wichtigen Oeltanks und auf Den Cocos-Jnseln die Kabel und die Funkenstation zu vernichten. Nicht vergessen darf aber werden, daß durch das Wirken des Kreuzers die britischen Truppentranspo rte zum heimischen Kriegs-
Vor 50 Jahren starb Alfred Brehm.
Am 11. November 1884 — also vor 50 Jahren — starb in Renthendorf in Thüringen der Naturforscher Alfred Brehm. Er lebt weiter in seinem großen Werk „Brehms Tierleben", in dem er Die Ergebnisse seiner ausgedehnten Forschungsreisen niedergelegt hat.
schauplatz um über einen Monat verzögert wurde — eine Tatsache, an die im allgemeinen nicht gedacht wird. Seit den ersten September-Tagen, als der Kreuzer im Golf von Bengalen erschien, bis zu den Cocos-Jnseln waren seine Taten gekennzeichnet durch Wagemut und Unternehmungslust, so daß nach seinem Untergang die „Times" schrieb, er hätte Eigenschaften gezeigt, die an ein Volk mit der Marine-Ueberlieferung Englands erinnerten. Dieses Lob ist zwar echt englisch-überheblich, zeigt aber, wie „Emden" von unserem Hauptgegner zur See eingeschätzt wurde. Und in der Tat; die glänzenden Leistungen des Schiffs wurden unter den schwierigsten Verhältnissen erzielt. Abgeschnitten von jeder Unterstützung und mit der sicheren Aussicht, seinem Schicksal auf die Dauer nicht entgehen zu können, hat Kapitän von Müller einen ehrenvollen Kampf geführt. In den letzten Wochen mußte das Schiff gewissermaßen von der Hand in den Mund leben, es nährte sich buchstäblich aus dem Ozean. Alles für das Leben des Schiffes Notwendige, besonders Brennstoff, wurde aus den Prisen herausgeholt und oft unter schwierigsten seemännischen Verhältnissen an Bord genommen. Es war gewiß ein rauhes Recht,, und doch konnte man dem Schiff keine Handlung von Roheit ober Gewalttätigkeit nachsagen. Im Gegenteil: die Kapitäne und Mannschaften der genommenen Schiffe rühmten Kapitän Müllers Zuvorkommenheit und seinen Edelmut. Von der gegnerischen Presse ist dies auch größtenteils anerkannt. So schrieb z. B. die „Times" bald nach der Vernichtung: „Wir sind erfreut, daß der Kreuzer „Emden" jetzt endlich vernichtet worden ist, aber wir begrüßen Kapitän von Müller als einen tapferen und ritterlichen Gegner. Wir vertrauen darauf, daß fein Leben gerettet worden ist; denn sollte er nach London kommen, würden wir ihm ein hochherziges Willkommen bereiten. Unsere seemännische Rasse weiß einen wagemutigen und erfolgreichen Seemann zu bewundern, und es gibt wenige Vorfälle in der neueren Seekriegsgeschichte, die bemerkenswerter wären als die glänzende Laufbahn der kleinen ,Emdens" — Leider entsprach die Behandlung des Kapitäns von Müller seitens der englischen Behörden nicht dieser ritterlichen Auffassung der „Times": er wurde bei seiner Ueberführung nach England und dort selbst in einer Weise behandelt, wie dies einem kriegs-
„Go endete eine liebe."
Festvorstellung im Lichtspielhaus.
Das ist noch gar nicht so lange her: eines Tages kommt eine junge Schauspielerin von Wien nach Deutschland, niemand kennt ihren Namen, sie spielt, in ziemlich beträchtlichen zeitlichen Abständen, zwei große Rollen: die Rose Bernd auf der Bühne in Berlin, bann bie Leopolbine Dur in bem Film „Maskerabe": bieser Film wirb, mit Recht, ein internationaler Erfolg, bie zuvor namenlose junge Dame aus Wien steht auf einmal in ber ersten Reihe ber beutschen Schauspielerinnen, unb ihr Name ist in aller Munbe: Paula Wessely. Ihr zweiter Film heißt: „So enbete eine Liebe." Gestern Abenb fanb im Lichtspielhaus in einer Festvorstellung bie Erstaufführung statt, unb bas große Haus war, wenn wir recht gesehen haben, so gut wie ausverkauft. *
Ein historischer Film. Die Handlung ist einfach: wenn man es recht verstehen will, die alte, in vielen Varianten abgewandelte Volksweise „Es waren zwei Königskinder", diesmal im Empirekostüm, vor welthistorischen Hintergründen. Der Film schildert, wie bie junge habsburgische Erzherzogin Mane Louise vom Schicksal ober von ber Staatsräson bazu ausersehen wirb, bie Nachfolgerin ber Josephine Beauharnais unb bie Zweite Gemahlin pes Kaisers Napoleon zu werben. Der Kaiser wünscht einen Erben unb erzwingt bie Lösung seiner ersten Ehe, weil Josephine nach menschlicher Vorau^icht ihm unb Frankreich keinen Thronfolger wirb schenken können. Die Wahl fällt auf bie junge österreichische Prinzessin. Sie ahnt nicht, wozu sie aus- erseben ist; Kaiser Franz sträubt sich bagegen, well er ihr versprochen hat, sie solle nach ihrem Herzen wählen bürfen; aber Metternich, ber bie Geschicke Habsburgs in seinen Hänben hält, erkennt: ber Antrag aus Paris ist keine Brautwerbung, sondern ein Ultimatum. Er betraut den jungen Herzog Franz von Modena mit ber Mission, Marie Louise auf ben Thron von Frankreich vorzubereiten. Die Begegnung ber beiben enbet aber ganz anbers: aus einer jugenblidjen Tänbelei vor Jahren in Schönbrunn ist beim ersten Wiebersehen eine große Liebe geworben. Der Herzog reift, ohne von ber Geliebten Abschieb zu nehmen, er vermag ihr nicht zu sagen, was sie boch in ein paar Tagen erfahren muß, zurück nach Wien unb broht mit einem Skandal- aber ber alternbe Kaiser ist zu schwach, unb Metternich hat inzwischen alle Vorbereitungen ge= troffen- es gelingt ihm auch, Marie Louise von ber Notwenbigkeit bes Verzichtes zu überzeugen: sie opfert bas1 Glück ihres Herzens bem Wohl ihres
reich.
kleibung, bas tatioe Kulisse.
zu sagen ist. In ber Einfachheit unb Natürlichkeit dieser Darstellung beruht wohl hier wie in ber „Maskerabe" ber entscheibenbe Einbruck; unb hier wie bort ist es eine Einzelheit, eine Kleinigkeit, ein Tonfall, ein Blick, eine Wenbung bes Kopfes, bie bas Ganze unvergeßlich macht.
Laubes. Nach einer letzten schmerzlichen Begegnung I gar nichts Strahlenbes ober Musikalisches hat, son- mit Franz non Madena schreitet sie in Wien zum > d-rn immer verhalten, em wenig gedeckt und ver- Altar - zur Trauung mit dem Kaiser van Frank- chle.er b.tat.t unb doch all - -u-druckt was
Den Partner ber Wessely gibt Willy Forst; er spielt ben Herzog von Mobena, unb man hat bar* aus aufmerksam gemacht, baß bies seine erste seriöse Rolle sei. Man kannte ihn aus vielen Lustspielen unb Operetten als scharmanten Bonvivant, bis er alle Welt mit ber großartigen Inszenierung ber „Maskerabe" überraschte. Nun ist er ins Ensemble zurückgekehrt, mit einer nicht einmal besonbers dankbaren Aufgabe; er löst sie mit Takt, in guter Hal- tung, unb man kann wohl nichts Besseres barüber sagen als bies, baß es ihm gelang, bie Erinnerung an sein altes Fach nahezu völlig zu verwischen.
Grünbgens als Metternich. Es ist immer wieder eine Freube, biefen Schauspieler zu sehen, ber in allen Sätteln gerecht ist, — er hat es bewiesen — unb bem boch jebe seiner Rollen auf ben Leib geschrieben zu sein scheint. Ob ber wirkliche Metternich so aussah, ist fraglich — aber er spielt Den Metternich dieses Films glänzenb. Man kann ihn auch nicnt mit bem Metternich aus bem „Kongreß" vergleichen, ben ein anberer auf feine Weise spielte. Grünbgens gibt einen Diplomaten von Format, überlegen, ruhig, unerschütterlich, bes Erfolges vollkommen gewiß. Jedes Wort fitzt, jede Bewegung ist beherrscht. Und trotz aller unburchbringlichen, kühlen Gelassenheit spürt man in einer kleinen Szene auch ben wärmeren Ton echten Gefühls.
Franz Her ter ich spielt sehr einleuchtend ben Kaiser Franz, Erna M o r e n a bie unglückliche Josephine, Jürgensen knapp unb bestimmt ben Talleyranb, unb Gustav Wa 1 bau (nicht Tiebtke, wie es irrtümlich im Programm heißt) einen brol- ligen Wiener Hofrat. *
Dazu gab es ein festliches Beiprogramm. Der Musikmg ber Stanbarte 116 fanb mit zwei schwung- voll gespielten Stücken unter ber tüchtigen Leitung von Musikzugführer Herrmann großen Bei all. Ferner ein klangschön roiebergegebener Opernfilm ber Comebia: „Rigoletto", von ben Berliner Philharmonikern gespielt, bie bekanntesten Partien ita- lienstch Angern Außerbem bie bekannte Werbung für bie Winterhilfe, eine aktuelle Tonwoche unb em Vorspann zu bem Ufafilm „Der junge Baron Neuhaus." i.. "T*
Wie weit bie in ihren Umrissen historisch beglaubigte Fabel in allen Einzelheiten ber Filmgestaltung mit ber geschichtlichen Wirklichkeit uber- einstimmt, mag bahingestellt bleiben; es ist auch nicht säuberlich belangvoll. (Ueberraschenb wirkt, nebenbei bemerkt, bas berühmte Zitat aus „Don Carlos" in Talleyranbs Brief an Metternich; aber es macht sich zum minbesten auch in biesem Zusammenhang nicht übel.) Wesentlich bleibt unb im Grunbe entscheibenb für bie Bewertung bes Films ber menschliche Fall, bie sehr traurig enbenbe Geschichte einer jungen Liebe. Das Historische gibt, vom Beschauer aus gesehen, am Enbe nur bie Em- tleibung, bas anmutige Kostüm unb bie reprasen-
Karl Hartl schrieb bas Buch unb führte Regie. Es wäre wohl nicht gerecht, seine Leistung an per Inszenierung jenes anberen Films zu messen, ber zu Anfang erwähnt würbe, unb an ben man — um ber Wessely willen — mehrfach erinnert wirb, obwohl sich, abgesehen von ber weiblichen Hauptrolle, keinerlei Berührungspunkte unb brauchbare Dergleichsmöglichkeiten ergeben. Was ber Regisseur Hartl zu leisten vermag, wirb man am besten nach ber filmisch ausgezeichnet geformten kleinen Szene beurteilen, bie man „Erinnerung an Schönbrunn" überschreiben könnte, unb bie auf eine ebenso un- aufbrinqliche wie mit optischen Mitteln überzeugenbe Weise Zeit unb Raum überbrückt, bie Verbinbung zur Vorgeschichte herstellt unb bie psychologischen Voraussetzungen schafft zur ferneren Entwicklung ... in einer sehr reizvollen, zugleich bilbhaften unb stimmungsreichen Spiegelung. (Man kann es nicht näher beschreiben, sonbern muß es selbst auf sich wirken lassen.) Was ber eigentlichen Hanblung an Aktivität mangelt, ersetzt bie Spielführung durch kultivierten Dialog, repräsentatives Bild (wie die pompöse Trauung zum Schluß) und durch bie zarte Stimmung ber kurzen Liebesszenen in Ungarn.
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Im Mittelpunkt ber Darstellung bie Marie Louise ber Paula Wessely. Eine bezaubernbe Leistung auch ba noch, wo sie ben großen Einbruck ihrer ersten Filmrolle nicht völlig erreicht; aber es ist ber Wesensunterschieb beiber Rollen zu bebenfen. Man kann sich ber Unmittelbarfeit bieser Darstellung so wenig entziehen wie man sie begrünben kann; vielleicht ist es bie merfroürbige, nicht einmal physto- gnomisch befonbers betonte Ähnlichkeit nut tuoie Höflich. Vielleicht ist es der Klang ber Stimme, Die
Zeitschriften.
— Im Oktoberheft ber Politischen Monatshefte „Volk u n b R e i ch" (Herausgeber Friebrich Heiß, Berlin; Volk-unb-Reich-Verlag) schreibt Arpab Török über „Ungarn zwischen Italien unb bem Deutschen Reich". Der Aussatz „Die österreichische Frage unb bie Mächte" gibt eine ausgezeichnete Schilberung, worin bas Interesse besonbers Frankreichs unb Italiens an ber österreicvifchen „Unabhängigkeit" be- grünbet liegt, unb wie stark bie Führerrolle Italiens in ber antideutschen Oesterreichpolitik bes Auslandes heute ist. — In sechs Aufsätzen werden die durch den Ostpaktvorschlag Frankreichs aktuell gewordenen Probleme des Nahen Ostens behandelt. Der Gauleiter und Oberpräsident Erich Koch schildert „Ostpreußens politische Brückenlage"; temperamentvoll zeichnet Walter Sturm die polnische Reichsidee und begründet bie Notwendigkeit einer beutsch-polnischen Zusammenarbeit. Aufsätze über bie wehrpolitische Lage Litauens, bie außenpolitischen Tenbenzen bieses Lanbes sowie bie beutsche Mitwirkung bei ber Entstehung bes heutigen litauischen Staates vervollstan- bigen bas Bilb.
Hochschulnachrichten.
Der o. Professor Dr. Hans Otto b e Boor an ber Universität Greifswalb ist zum Drbinarius für Bürgerliches Recht unb Zivilprozeßrecht an ber Universität Marburg ernannt worben.
Privatbozent Dr. Hans G 1 u n z von ber Univer- ität Köln ist mit ber Uebernahme ber Professur ür englische Sprache an ber Universität Frank- urt beauftragt worben. Er wirb seine Lehrtätigkeit in ben nächsten Tagen beginnen.
Der Abteilungsvorsteher unb Prosektor im Anatomischen Institut ber Universität Frankfurt, Prof. Dr. Rich. Wagner ist auf Grunb bes § 6 des Gesetzes zur Wieberherstellung des Berufsbeamtentums in ben Ruhestanb versetzt worben.
Dr.-Jng. Ernst August Cornelius in Ber- lin ist zum Drbinarius in ber Fakultät für Maschinenwesen an ber Technischen Hochschule Berlin- Charlottenburg ernannt worden.
Der ao. Professor Dr. Rudolf Mond an der Universität Kiel ist zum Drbinarius für Physiologie an ber Universität Hamburg ernannt worben.
Der ao. Professor Stephan Lösch ist zum Drbinarius für Neues Testament in ber katholisch-theologischen Fakultät ber Universität Tübingen ernannt worben.


