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das sie vergossen haben, ist Taufwasser geworden für das Dritte Reich. Und so wollen wir in diesem neuen Reich zurückblicken auf das. was hinter uns liegt, noch in fernster Zukunft, und wollen uns ein Bekenntnis ein­prägen: Dir wollen stets entschlossen sein, zu handeln! Jederzeit bereit, wenn es notwen­dig ist, zu sterben! Riemais gewillt, zu kapitulieren!"

Der Dank an den Führer.

Stürmischer Beifall umbrandete den Führer, als er geendet hatte. Brausend stieg das Horst-Wes- s e l »Lied empor. Aus der Masse seiner alten Kämpfer wird dem Führer ein jubelnd aufgenom- menes dreifaches Sieg-Heil dargebracht. Dann schreitet der Führer durch die dichten Reihen seiner Alten Garde, hier einem alten Streiter die Hand schüttelnd, dort mit einem anderen einige Worte tauschend überall immer wieder von dem Jubel seiner Getreuen begrüßt. Fast eine Stunde währt dieser Rundgang durch den Saal. Dann verläßt der Führer, von jubelnden Heil-Rufen über« schüttet, das Treffen seiner alten Garde. Erst lang­sam leert sich der Saal, der wieder eine denkwür­dige Kundgebung gesehen hat.

Der Dank an die koken Kampfer.

Eine Verfügung des Führers zum 9. November.

Berlin, 8. Rov. (DRV.) Die RSK. gibt fol­gende Verfügung des Führers bekannt: Unsere Toten haben für die Bewegung das größte Opfer gebracht. Sie haben im Dienste der nationalsozialistischen Idee und für die Erobe­rung des Staates ihr Leben hingegeben. Ihr Andenken zu ehren und ihren Hinterbliebenen den Dank der Bewegung in sichtbarer Form abzustatten, ist eine Ehrenaufgabe für die National­sozialistische Deutsche Arbeiterpartei.

Ich bestimme daher unter dem 9. November 1934, den 11. Jahrestag der nationalsozialistischen Er­hebung in München und des großen Opfers nufe­rer ersten Blutzeugen:

1. Aus den Mitteln der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei wird jährlich ein Be­trag einer halben Million für die unmit­telbaren Angehörigen unserer Gefalle­nen zur Verfügung gestellt.

2. Die Verteilung dieses Betrages erfolgt fe nach Lage der sozialen und wirtschaft­lichen Verhältniffe der betroffenen Familie.

3. Die Ausführungsbeslimmungen erläßt der Reichsschahmeister der NSDAP.

München, den 9. November 1934.

(gez.) Adolf Hiller.

Auch Berlin gedenkt der koken Kämpfer.

In der Frühe des 9. November.

Berlin, 9. Nov. (DNB.) Würdig gedenkt die Reichshauptstadt der Toten der Bewegung. Star­ben doch annähernd 50 deutsche Freiheitskämpfer in den Jahren 1925 und 1933 für Adolf Hitler, unter ihnen auch fünf blühende junge Menschen, die in den Reihen der Hitlerjugend im Kampfe um Deutschlands Zukunft fielen. Selbst eine aus dem Bunde deutscher Mädel hat in diesen kampf­reichen Tagen des Jahres 1932 ihr Leben geben müssen. Es gibt wohl kaum einen Friedhof Ber­lins, der nicht wenigstens einen der gefallenen Vor­kämpfer für das Dritte Reich als letzte Heimstätte ausgenommen hat. Der Luisen st ädtische Friedhof birgt die meisten gefallenen National­sozialisten. Hier liegen allein ihrer 15. Der N i - colaifriedhof ist wieder Anziehungspunkt für viele Tausende. Dort liegt H o r st Wessel. Schon in den frühen Morgenstunden marschieren die Ab­ordnungen der SA. und HI. mit Kranzgewinden zu den Gräbern. Die Ehrenwachen werden aufge- stellt, während mit stummem Gruß die Angehörigen und die Kameraden in zahlloser Folge an den ge­heiligten Stätten der Bewegung vorüberziehen.

Am Ehrenmal Unter den Linden ist ebenfalls eine Ehrenwache aufgezogen. Denn dieser Tag gilt gleichermaßen auch dem Gedenken an die Toten des Weltkrieges, die mit den Kämpfern Adolf Hitlers für ein Deutschland in Ehre und Freiheit ihr Leben ließen. Hier tür­men sich schon bald die Kranz- und Blumenspenden zu einem mächtigen Hügel vor dem schlichten Lor­beerkranz.

Ehrung der Reichswehr.

München, 8. Nov. (DNB.) Der Befehlshaber im Wehrkreis 7, Generalleutnant Adam, wird im Beisein einer Abordnung des Wehrkreiskommandos für die am 9. November 1923 gefallenen Kämpfer der Bewegung anderGedenktafelimHofe des Wehrkeiskommandos einen Lorbeer­kranz mederlegen. Vor der Gedenktafel wird e i n Doppelposten des Roichsheeres und der SS. Aufstellung nehmen.

Beförderungen zum 9. November.

München, 9. Nov. (DNB.) Die NSK. meldet: Der Führer hat zum 9. November in d e r S A. und SS. folgende Beförderungen ausgesprochen: Zum SA.-Obergruppenführer den Adju­tanten des Führers Gruppenführer Wilhelm Brückner; zu SS. - Obergruppenfüh­re r n Reichsleiter und SS.-Gruppenführer Buch und Darr 6, zu SA.-Gruppenführern den Stabsführer der Obersten SA.-Führung Bri- gadefuhrer M a r x e r, den Führer der SA.-Gruppe Nordsee Brigadeführer Böhmker, den Führer der SA.-Gruppe Mitte Brigadeführer Kob; den Führer der SA.-Gruppe Westfalen Brigadeführer Schramme; zum S A.-B r i g a d e f ü h r e r den Chef des Personalamtes der Obersten SA.-Führung Oberführer Grenz; zum Oberführer den Ad­jutanten des Chefs des Stabes Lutze, Standarten­führer Reimann.

Tagesbefehl an das TlSKK.

Berlin, 8. Nov. (DNB.) Der Korpsführer des NSKK. Obergruppenführer Hühnlein hat fol- genden Tagesbefehl erlassen:

Schicksalstag des deutschen Volkes. Tag der Schmach und Tag des Aufbruchs. Ein blutiges, wachrüttelndes Fanal unauslöschlich in die Herzen derer einaegraben, die, wie ich, jenen 9. November 1923 nuterleben durften, als der Platz vor der Feldherrnhalle in München vom Herzblut der Besten gerötet der Opfergang der Freiheitskämpfer des Dritten Reiches gegangen In Dankbarkeit und stiller Trauer

senkt das Nationalsozialistische Kraftfahrkorps am heutigen Tage seine Sturmständer und Standarten an den Gräbern derer, die für Deutschland fielen. Wofür sie gelebt, gelitten und gestritten, unserer toten Kameraden heiligstes Vermächtnis wir führen es fort: Deutschland muß leben, und wenn wir st erben müssen.

, Oie Polizei

trägt die Ehrenzeichen der Partei.

Berlin, 8. Nov. (DNB.) Der preußische Mini­sterpräsident General Göring und der Reichs- und Preußische Minister des Innern Dr. Frick haben anläßlich des 9. November 1934 für ihren Befehlsbereich in einem gleichlautenden Erlaß die Genehmigung erteilt, daß Auszeich­nungen, die von der NSDAP, an Ange­hörige der uniformierten Polizei für besondere Der- dienste verliehen worden sind, fortan zur Uni­form getragen werden dürfen.

Erneute Aussprache zwischen Gömbös und Schuschnigg.

Politische Gemsjagd am Semmering.

Wien, 8. Nov. (DNB.) Ministerpräsident Gömbös ist auf dem Semmering einge­troffen. Er wird an einer Gemsjagd in den Staatsforsten von Neuberg im Gebiet der steirischen Alpen teilnehmen. Hierbei wird sich auch Gelegen­heit zu politischen Aussprachen ergeben. Bundeskanzler Dr. Schuschnigg hat den unga­rischen Ministerpräsidenten heute abend im Kraft­wagen am Semmering aufgesucht und eine lange Unterredung mit ihm gehabt. Auf dieser Fahrt war Dr. Schuschnigg von dem ungarischen Ackerbau­minister Kalay, der seit Mittwoch in Wien weilt, begleitet. Ackerbauminister Kalay nahm ebenfalls an den Unterredungen teil.

Erst nach dem Abschluß der Besprechungen zwi­schen Mussolini und Gömbös geben die italie­

nischen Blätter ihre Zurückhaltung auf. Der Corriere della Sera": Die italienisch­ungarische Zusammenarbeit werde durch jene mit Oesterreich ergänzt. In dieser Beziehung bestände kein Gegensatz, sondern vielmehr handele es sich um die folgerichtige Fortsetzung einer seit 12 Jahren eingeschlagenen Politik. Die Selbständigkeit Oester­reichs werde durch die herzlichen Beziehungen mit Ungarn nicht geschmälert, sondern gesichert. Italien bilde als Großmacht den Stützpunkt dieser Bezie­hungen. Die großzügige Politik Italiens ermögliche auch anderen Staaten den Beitritt zu den römi­schen Protokollen. Dies sei ein Vorzug des loyalen und selbstlosen Vorgehens Italiens im Osten.

Oie öffentliche Ordnung im Saargebiet nicht gestört.

Knox berichtet dem Dreierausschutz in Rom.

Rom, 8.Rov. (DRV.) wie amtlich mitgeteilt wird, hat der Dreier-Ausschuh für die SaarAbstim- mung am Donnerstagvormittag unter Vorsitz Baron Aloisis seine Arbeiten in Rom fortgesetzt. Der Prä­sident der Regierungskommission Knox berichtete dem Ausschuß über die allgemeine Lage im Saar­gebiet. Knox erklärte, daß bisher die öffent­liche Ordnung nicht gestört worden fei. Immerhin habe sich die Regierungskommission, auf ihre Vollmacht gestützt, aktiv mit der Verstär­kung der Polizei beschäftigt. Andererseits lenkte Knox die Aufmerksamkeit des Ausschusses auf die wirtschaftliche Lage, die wegen der Schwierig­keiten heikel sei, denen die Wirtfchaftskreife am Vorabend der Abstimmung bei der Erlangung der üblichen kurzfristigen Kredite begegneten.

Kleine politische Nachrichten.

Der Beauftragte des Führers für Abrüstungs­fragen, von Ribbentrop, ist in London eingetroffen. Wie verlautet, handelt es sich um einen

privaten Besuch Ribbentrops, der einen Teil seiner Ferien auf Einladung von Freunden m Schottland verbringen wird.

*

Die Geheime Staatspolizei hat über den Reichsbankrat Köppen, dessen unsoziales Verhalten gegenüber einem notleidenden Mieter die Empörung seiner Volksgenossen erregt hatte und der am Montag dieser Woche bereits festgenommen wurde, die Schutzhaft verhängt.

Der Reichsstatthalter in Hamburg hat auf Vorschlag des regierenden Bürgermeisters dein Wunsche des Senators der Verwaltung für. Wirt, schäft, Technik und Arbeit Dr. B u r ch a r d ent. sprechend diesen aus seinem Amt als Mitglied der hamburgischen Landesregierung entlassen und Staatssekretär Ahrens zum Senator und Mit- glied der Landesregierung ernannt. Dr. Burchard wird an anderer hervorragender Stelle weiterhin dem Staate dienen. Außerdem hat ihn der regie­rende Bürgermeister zum hamburgischen Staats- r a t ernannt.

*

Der Stabsleiter der PO. hat den bisherigen kom­missarischen Reichsschulunasleiter, Pg. Dr. Max Frauendorfer, zum Leiter des Haupt­amtes Schulung in der Obersten Leitung der PO. ernannt. Frauendorfer behält die Leitung des Amtes für ständischen Aufbau bei.

Der ehemalige litauische Ministerpräsident W ol­de m a r a s war im Zusammenhang mit dem Militärputsch vom 7. Juni vom Feldgericht z u zwölf Jahren schweren Kerkers ver­urteilt worden. Woldemaras hatte sich in einem neuen Prozeß wegen eines ZeitungsartikelsAuf Schicksalswegen" zu verantworten. Das Urteil lautete auf sechs Monate Gefängnis. Der Mitangeklagte Redakteur Karutis wurde frei- gesprochen. Eine praktische Auswirkung hat das Urteil nicht.

Das neue Kabinett Flandin bereits gebildet.

Bündnis zwischen Großbürgertum und kleinbürgerlicher Linken zur Aufrechterhaltung des Burgfriedens.

Doumergues Rücktritt.

Keine Einigung mit den Radikalsozialisten.

Paris, 8. Nov. (DNB.) Das Kabinett Dou- mergue ist z u r ü d g e t r e t e n. Die Minister hiel­ten seit 11.30 Uhr einen Kabinettsrat ab, in dem d i e radikalsozialistischen Minister Her- riot, Berthod, Bertrand und Queuille ihren Rück­tritt erklärten. Der radikalsozialistische Handels­minister Lamoureux, der an einer schweren Grippe leidet, nahm ebenso wie Staatsminister Tardieu an der Sitzung nicht teil. Das Kabinett hat daraufhin seinen Gesamtrücktritt beschlossen. Die radikalsozialistischen Minister sind zurückgetre­ten, weil eine Verständigung über die Vorlage der drei provisorischen Haushaltszwölftel nicht erzielt werden konnte.

Ministerpräsident Doumergue hat darauf dem Präsidenten der Republik seinen Rücktritt und den Rücktritt der noch an seiner Seite verbliebenen Mi­nisterkollegen mitgeteilt. Der Präsident der Repu­blik hat Doumergue für seine Dienste gedankt. Als Doumergue das Elyfee verließ, war er Gegenstand einer lebhaften Sympathiekundgebung. Aus den Reihen hörte man wiederholte RufeEs lebe Dou- mergue!" Doumergue hat an das französische Volk folgenden Aufruf gerichtet:Ich bin gezwungen, mein Amt niederzulegen. Ich bitte alle meine Mit­bürger, die Ruhe zu bewahren. Sie ist not­wendig, um die augenblicklichen Schwierigkeiten im Interesse der Sicherheit und des Vaterlandes zu lösen."

Das neue Kabinett.

Zahlreiche Mitarbeiter Doumergues beibehalten.Tardieu und P6tain fehlen.

P a r l s, 9. Rov. (DRB.) Der Präsident der Re­publik Lebrun halte am Donnerstagnachmittag den bisherigen Außenminister Laval und nach dessen Ablehnung den bisherigen Minister für öffentliche Arbeiten Flandin mit der Ka­binettsbildung beauftragt. Bereits um 0.35 Uhr französischer Zeit war das neue Kabinett Flandin wie folgt gebildet worden:

Ministerpräsident ohne Portefeuille: Flandin, Abgeordneter, Demokratische Allianz;

Staatsminister ohne Portefeuille: Herriot, Ab­geordneter, Radikalsozialist;

Staatsminisier ohne Portefeuille: Louis Marin, Abgeordneter, Republikanische Vereinigung;

Außenminister: Laval, Senator;

Justiz: Pernod, Abgeordneter, rechte Mitte;

Kriegsmarine: Pietrl, Abgeordneter, Links­republikaner:

Kriegsmarine: P i L t r i, Abgeordneter, Linksreplk.; Inneres: Regnier, Senator, Demokratische Linke; Krieg: General Maurin;

Luftfahrt: General DLnain;

handel: Marchandeau, Abgeordneter, Radikal­sozialist;

Finanzen: Germain-Martin, Abgeordneter, Radikale Linke;

Rationale Erziehung: Ma Harm 6, Abgeordneter, Radikale Linke;

Oeffentliche Arbeiten: Roy, Senator, Radikal- sozialist;

Kolonien: Roll in, Abgeordneter, Republikanisches Zentrum;

Handelsmarine: Bertrand, Abgeordneter, Radi­kalsozialist;

Arbeitsminister: I a c q u i e r, Abgeordneter, Radi­kalsozialist;

Pensionen: Rio öltet, Vertreter der Kriegsteil­nehmer;

Landwirtschaft: Eaffez, Senator, Radikalsozialist; Oeffentliche Gesundheitspflege: Queuille, Abge­

ordneter, Radikalsozialist;

Post und Telegraph: Mandel, Abgeordneter, parteilos.

hervorzuheben ist besonders, daß sich In der neuen Regierung zwei Staatsmlnister befinden, außer herriot -auch Louis Marin, wodurch Flandin offensichtlich die Burgfriedensformel hat

aufrecht erhalten wollen, nachdem ihm die Mit­wirkung Tardieus versagt worden ist. Von den Ministern Doumergues gehören also zwölf auch dem neuen Kabinett Flandin an. Ausgefchie- den sind neben Tardieu noch Marschall P ö t a i n, der Arbeitsminisier M a r q u e t, der Justizminister L 6 m e r y, der Unterrichtsminister Berthod. Flandin hat der Presse folgende Erklärung abge­geben:

Der Burgfriede dauert an. Es ist mir gelungen, Persönlichkeiten um mich zu ver­sammeln, die mit Ueberzeugung Frankreich dienen und es verstehen, alle niederen P a r t e i u n t e r s ch i e d e zu vergessen, um nur ein Ziel zu haben: Kampf gegen

das Elend und die Arbeitslosig­keit, Wiederherstellung der Wirtschaft, Auf­rechterhaltung der Finanzen und Reformie­rung des Staates. Ich hoffe, daß das Land eine Regierung, die ich in möglichst kur­zer Zeit zu bilden mich bemühte und die sich sofort an die Arbeit begeben wird, mit Sym­pathie aufnehmen wird."

Flandin hat um 1 Uhr nachts dem Präsidenten der Republik feine Mitarbeiter vorgestellt. Die Er­nennungsdekrete erscheinen im Staatsanzeiger vom Freitag. Das neue Kabinett, das Freitag nach­mittag seine erste Besprechung abhalten wird, wird sich am Dienstag, dem 13. Novem­ber, den beiden Kammern vor st eilen.

Freundliche Ausnahme in der preffe.

Oie radikale Rechte mißtrauisch. - Oie marxistischen Parteien ablehnend.

Paris, 9. Nov. (DNB. Funkspruch.) Der neue Ministerpräsident findet in der Presse die freund­liche Aufnahme, um die er in seiner kurzen programmatischen Erklärung gebeten hatte. Der tiefe Eindruck, den der Abtritt des Kabinetts Dou­mergue gemacht hat, so schreibt derPetit Parisien", wurde größtenteils gemildert durch die Tatjache, daß das neue Ministerium nach demBilde des vorausgegangenen geschaffen, d. h. ein Burgfriedenskabinett ist. In allen Krei­sen zollt man der Arbeit Doumergues Anerkennung, der der Mann bleiben werde, der dem Blutvergießen Einhalt geboten und die Staatskasse gefüllt habe. Di-e Betrauung Flandins wurde mit großer Genugtuung ausgenommen.

In beiden Kammern, in politischen, finanziellen und in sonstigen Kreisen, sowie auch auf der Straße beglückwünscht man sich zu der Betrau- ung einer jungen Persönlichkeit, die wiederholt auf den von ihr bekleideten hohen Posten Entschlußfreudigkeit und Zähigkeit bewiesen hat. Man beglückwünscht sich um so mehr, als Flandin von Anfang an entschlossen war, im Außenamt Lavalzu behalten. Laval hat die kom­mende Dölkerbundstagung vorbereitet. Er hat zahl­reiche diplomatische Besprechungen gehabt. Am Vor­abend der Saarabstimmung kommt es vor allem daraus an, an den Plänen nichts zu ändern.

DerMatin" nennt die neue Regierung einKa- b i n e 11 des Waffenstillstandes, und der wirtschaftlichen Ankurbelung, dessen erstes Programm darin bestehen müsse, den Staats­haushaltsplan vor dem 31. Dezember verabschieden zu lassen. Frankreich müsse unbedingt jeder finan­ziellen Beunruhigung enthoben werden in einer Stunde, in der die außenpolitische Lage ganz besonders die Aufmerksamkeit in Anspruch nehme. DasJournal" nennt das Kabinett Flandin weniger linksgerichtet als das Kabinett Doumer­gue. Dennoch hätten die Radikalen einmütig be­schlossen, es zu unterstützen. Auch die Sozialisten schienen ihm nicht ablehnend gegennüber zu stehen.

Das Blatt Herriots(Er e 51 o u d e 11 eJ ver­

spricht dem neuen Ministerpräsidenten die vor­behaltlose Unterstützung der Radi­kal s o z i a l i st e n. Alle Bedingungen seien erfüllt, um eine aufrichtige, günstig wirkende Zusammen­fassung der Kräfte zu sichern, um den Burgfrieden ausrechtzuerhalten und zu festigen und um die republikanische Freiheit zu verteidigen, sowie ben Staatshaushaltsplan rechtzeitig zu verabschieden. Das genüge für den Augenblick. Die Betrauung Flandins ist dem Blatt um so sympathischer, als der Ministerpräsident auf der Landestagung der Demokratischen Allianz sich für ein enges Zu­sammengehen seiner Partei mit den Radikal­sozialisten ausgesprochen hat und auch ein wirt­schaftliches Programm entwickelte, das dem Blatt Zusagt.

DasEcho de Paris", das Blatt des General­stabs, das den neuen Ministerpräsidenten wegen seines Bündnisangebotes von Arras an die Radi­kalsozialisten in den letzten Tagen scharf angegrif­fen und als einen Verräter der Sache der natio­nalen Einigung gegeißelt hatte, steht der neuen Regierung sehr mißtrauisch gegenüber. Man wisse nicht, was man davon halten solle, daß Tardieu, Pötain und Marquet allein es abgelehnt hätten, weiterhin an der Seite der Leute zu sitzen, die Doumergue erdros­selt hätten. Der General D e n a i n sei auszu­nehmen, da er a l s rein technischer Mini- ft e r zu gelten habe. In Pernot und Mandel zeige das neue Kabinett eine weiter rechts­gerichtete Tendenz als die Regierung Dou­mergue. Es handele sich um ein strategisches Ma­növer.

Der marxistischeP o p u l a i r e" beschränkt sich auf die Feststellung, daß mit dem Ausscheiden Doumergues ein erster Sieg über den Fa­schismus errungen sei. Es bleibe Pflicht der Sozialisten, den Kampf bis zur Endentscheidung fortzusetzen. Die kommunistischeHumani16^ macht aus ihrer feindlichen Haltung gegenüber der neuen Regierung keinen Hehl.

Flandins parlamentarische Plattform.

der Radikatsozialisten und der Demokratischen Allianz.

Vertrauenskundgebung

Paris., 8. Nov. (DNB.) Die radikalfozialistifche Kammersraktion hat eine Entschließung angenom­men, in der sie sich bereit erklärt, der neuen Re­gierung ihren Beistand zu leihen, wenn sie die Verpflichtung übernimmt, die wirtschaft- Hdje Wiederher st ellung gleichzeitig mit der Verteidigung des republikanischen Regimes zu gewährleisten. In der Aussprache kam zum Ausdruck, daß nichts von dem Programm Flandins einer loyalen Mitarbeit der Radikalsozia- listischen Partei im Weg stünde. Flandin habe be- fanntgegeben, daß er auf die Eindringung von Haushaltszwölsteln verzichte, aber die dringliche Verwirklichung der Staatsresorm gewährleisten wolle. Der neue Ministerpräsident wolle d i e Nationaloer. fammlung nach Versailles einberu­

fen, wenn die Mehrheit das wünsche, aber er gedenke vorher den Haushaltsplan für 1935 verabschieden zu lassen. Unter diesen Umständen habe Herriot den Standpunkt vertreten, daß der vertrauensvolle Beistand der Radikalsozialistischen Partei dem Ministerpräsidenten Flandin gewährt werden könne.

Die Demokratische Allianz hat ihrem Vorsitzenden, dem Ministerpräsidenten Flandin, ihr Vertrauen ausgedrückt. Die Entschließung lautet: Die Demokratische Allianz ist sich der Gefahren bewußt, die Frankreich von innen wie von außen drohen. Sie st eilt das Interesse des Lan­des über jede politische Erwägung. Sie entbietet Gaston Doumergue für die ungeheu­ren von ihm geleisteten Dienste ihren achtungsvol­len Gruß. Sie schenkt ihrem Vorsitzenden Flau-