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Lunge deutsche Nation.

Oer Wimpel.

Wir sind jung!

Die Zukunft liegt vor uns.

Wir wollen sie durch Einigkeit gestalten.

Und als der Führer einen neuen Zeit

Wird unser Führer über Deutschland walten.

Wir sind treu!

Wir halten unseren Schwur!

Und unsere neue Fahne fall bezeugen, Daß wir in einem Bund geschlossen sind.

Kein Drohen soll das deutsche Herz uns beugen.

Wir sind stolz!

Auf unserer Fahne Sinn.

durch das Ziel marschieren. Der Scharführer eilt einer Mannschaft entgegen. Jedem einzelnen drückt er die Hand.Wir haben's geschafft!" rufen sie sich zu. Und aus diesen wenigen Worten spricht der tiefe Sinn dieses Sportes der HI. Das ist das Größte bei diesem Sport, daß er nicht zu Rekord­wahn führt, sondern jeden zur Kameradschaft er­zieht K r e d 1 e r.

Nachtwache.

Vom nahen Kirchturm schlägt es 4 Uhr. Ich bin eben aufgewacht. Das ungewohnte Strohlager will mir keine Ruhe gönnen. Draußen schreitet die Wache auf und ab. Der knirschende Schritt verhallt und kommt wieder zurück. Bald werde ich draußen in Dunkelheit und Kälte stehen und Wache halten. Ich bin wieder eingeschlafen. Ein

Tritt an meine Füße. Ich springe auf.Ablösung? , hörte ich oder glaubte ich zu hören, Der Schlaf hängt mir noch tüchtig an. Schnell laufe ich auf den Hof. Ein eisiger Strahl aus dem Brunnen wäscht den Schlaf aus den Augen. Nun gehe ich auf und ab. Es ist noch finster. Im nahen Rit­tergut kräht der Hahn. Der Tag beginnt. Drüben im Park schreit ein Kauz, und bald fangen bte kleinen Sänger mit ihren ausgeruhten Kehlen an, ein lustiges Lied in den aufsteigenden Tag tu sin­gen. Die Morgendämmerung tritt ein. Immer deutlicher werden die Bäume im nahen Park. Jetzt nähern sich Schritte Die Wache wird kontrolliert. Es ist mächtig kalt. Männer gehen zu ihren Ar­beitsplätzen, denn der Tag beginnt. Doch auch im Lager wird es lebendig. Der Hornist bläst den Weckruf: 6.30 Uhr. Nach fünf Minuten stehen die Jungzüge zum Frühsport angetreten.

W

Oer Zungmädel-Heimabend

neue Lieder. Jeder Heimabend ist so schön, daß

Gepäckmarsch

bei

Iungvolk-Gulaschkanone

das auf

Und

Wir Als

hallen über und BDM.

eintreten in eure herrliche Kameradschaft!"

(Sin Jungmädel.

immer wollen wir zusammen stehen, deutsche Jugend, jung und treu und stolz. Sinnbild soll der Wimpel vor uns wehen!

F. S.

tnnten. Das ist Kameradschaft.

Auf der Straße, die die Mannschaften zum Ziel führt, saust ein Auto vorüber. Am Steuer sitzt ein junger Mann, auf dem Kopf eine rote Kappe. Fatzke!" höre ich einen hinter mir sagen. Zwei Welten sind es, die sich hier begegnen.

Die letzten hundert Meter vom Ziel im Stadion der Industriestadt. Durch ein Spalier von Hunder­ten von Kameraden marschiert die erste Mann- schäft geschlossen in das Stadion ein. Der Spiel» mannszug spielt, grüßender Jubel von weit über 5000 Jungen und Mädel, die zu den Unterbann- Sportveranstaltungen geeilt sind, braust auf und begrüßt die sechs Jungen, die da tadellos ausge­richtet, mit zackigem Schritt, in strammer Haltung j

Fertig los!" Die letzten Worte den weiten Platz, der von HI., DJ. sowie Tausenden von Zuschauern dicht umsäumt ist. Achtzehn Mannjchasten marschieren. Alles kräftige Jungen, Sungarbctter und Bauern der mittelldeut- fchen HI. Hell strahlt die Sonne vom klaren, blauen Himmel. 20 Kilometer mit Gepäck ist bei dieser Hitze keine Kleinigkeit. Bald sind die Straßen der Stadt durchquert. Das Häusermeer, aus dem unzählige Fabrikschornsteine herausragen, bleibt in der Ferne zurück. Auf der Landstraße, durch Dör­fer, über Feldwege marschieren die Mannschaften, lieber 100 Jungens sind unterwegs. Schon ist das Feld weit auseinandergezogen. Einige haben be­reits aufgegeben. Da sitzt einer im Straßengraben. Er hat sich eine Blase angelaufen, aber mit will er, nur weiter, damit feine Mannschaft den Sieg er­ringt. Noch einer gefeilt sich zu ihm. Sie ziehen die Schuhe aus, werfen sie in eines der Begleitautos und laufen barfuß weiter.

. Erika, alle meine Freundinnen sagen immer, ich sollte doch zu den Jungmädeln kommen. Kannst du mir nicht bitte einmal erzählen, was ihr da treibt? Ich stelle mir eure Heimabende schrecklich langweilig vor!"

. . . Aber Lotte, der Heimabend ist für uns der chönste Tag in der ganzen Woche. Bei uns herrscht eine so innige Kameradschaft. Jede hilft der ande­ren. Zu Anfang des Heimabends fingen wir ein Lied und besprechen alles Wichtige, z. B., wann die nächste Fahrt ist ober was sonst alles los ist. Dann lieft uns unsere Führerin aus einem schönen Buch etwas vor. Die Bücher, die unsere Führerin hat, hast du sicher noch nicht gelesen. Das sind nicht olche Geschichten wieTrotzkopf" und sowas. Auf dem letzten Heimabend hat uns unsere Führerin etwäs von ihrer großen Fahrt nach Ostpreußen erzählt. Fabelhaft muß solch eine Großfahrt fein. Unterwegs hatten sie einmal bei einem alten Bauern Quartier, der hat ihnen viel vom Welt­krieg und von der Schlacht bei Tannenberg erzählt. Nach dem Krieg ist der Bauer von feinem Hof durch die Polen vertrieben worden. Wenn wir größer ind, dürfen wir auch solche großen Fahrten machen. Manchmal basteln wir auch oder lernen

Der Bannführer fährt mit einem Arzt die Strecke ab.Na, Jungens, könnt ihr noch weiter?"Alle­mal!" tönt es zurück.Wir holen uns die fünf Mark!" rufen andere und erinnern ihn daran, daß er den drei besten Mannschaften neben den aus­gesetzten Preisen einen Geldbetrag zur Anschaffung von Sportgeräten versprochen hat.

Die Sonne brennt. Sie meint es heute allzu gut. Durch das historische Gelände von Roßbach mar­schieren die Hitlerjungen, an dem Denkmal, das an die Schlacht erinnert, vorbei, hinüber auf die Der» kehrsstrahe, die die größten Städte Mitteldeutsch­lands verbindet. Noch acht Kilometer sind es bis zum Ziel. Von mancher Mannschaft marschieren nur noch ein bis zwei Jungen. Sie wollen wenig­stens durchhalten. Mit Gesang, in gleichem Schritt kommt die eine Mannschaft vorbei. Andere pfeifen Mit frischem frohen Mut...". Mit den Schulter- riemen haben sie sich aneinandergekettet. Ein großer Junge von kräftigem Wuchs hat die Schulterriemen dreier Kameraden an sein Koppel geschnallt und zieht sie so mit sich fort. Dort tragen zwei Jungen Den Tornister eines dritten, bannt er sich einige Augenblicke verschnaufen kann. Hier gibt ein Jung­arbeiter einem Schüler aus feiner Feldflasche zu

wir unsere Führerin bitten, ihn etwas länger aus­zudehnen. Aber um J48 Uhr wird unerbittlich Schluß gemacht. Wir stehen auf, fassen uns bc: den Händen und fingen unser Bundeslied.

Dann kommt noch etwas sehr Lustiges, Reinemachen, d. h., wir müssen den Boden scheuern und Staub wischen. Es stehen nicht viel Gegenstände in unserem Heim, ein paar Tische, Bänke und ein Stuhl. An der Wand hängt ein gro­ßes Bild von unserem Führer. Und Unterschiede gibt es bei uns nicht. Volksschülerinnen und Mädel aus höheren Schulen schließen engste Kamerad­schaft und verkehren herzlich zusammen. Klicken kommen gar nicht in Frage, wie es bei uns in der Schule Mode ist. Bei uns Jungmädeln im BdM. ist alles eine große Gemeinschaft. Wirst du jetzt auch mit zu uns kommen?"

Ja, Erika, wenn es bei euch so ist, werde ich auch mittun Ich dachte, euer Heimabend fei solch ein langweiliges Kränzchen. Ich werde mir sofort die Erlaubnis von meinen Eltern holen und dann

Beinahe...

Bon Göh Leisenheimer.

Wir waren zu britt auf Sommerfahrt und hatten die Nacht in dem malerischen Mainstädtchen Milten­berg zugebracht. Schon am frühen Morgen schwan­gen wir uns auf unsere Räder, und die Fahrt ging dem Neckar zu. _ . (m..re

Es ist ein wunderschöner Morgen. Kem Wolk- chen ist am Himmel zu sehen. Die Vögel jubilieren. Ungezählte Tautröpfchen hängen an den Gras­halmen. Es geht bergan, und die Sonne brennt.

Höher klettert sie am Himmel empor, und immer glühender werden ihre Strahlen. Der Weg wird steiler und steiler. Schweißtropfen stehen uns auf Stirn und Wange. Müde hängen wir auf unseren Rädern. Kein Wort fällt mehr. Jeder ist mit sich selbst beschäftigt. Leise knarren die Räder. Wann kommt der Kamm? Immer steiler wird die Straße. Da winkt in der Ferne dunkler Tannenwald. Dort sinken wir völlig ausgepumpt von den Rädern.

Nach kurzer Rast müssen wir weiter. Doch zu steil ist der Weg. Kilometer um Kilometer schieben wir unsere vollbepackten Räder dem Bergkamm zu.

Endlich ist er erreicht. Einen Augenblick holen wir tief Atem. Kurze Anweisungen: Nicht so dicht auf fahren; bei Kurve Klingelzeichen und bremfen.

Langsam rollen die Räder an, schneller ... crifebe Luft fegt an uns vorbei, nimmt uns den Schweiß von der Stirne, bauscht unsere Hemden auf, macht uns fast übermütig. Die Hände umklammern die Lenkstangen. Die Füße stehen fest auf den Pedalen zum Bremsen bereit. Doch frei drehen sich die Räder. Im rasenden Laus eilen sie die Waldstraße hinab. Da spritzt ein Stein beiseite. Links ein Seitenweg. Vorbei. Ein Reh poltert ins Dickicht. Oh, möchte es immer so weitergehen. Leise rappelt mein Rad. Laß es rappeln. Wie könnt' ich halten?

Wir nähern uns dem Neckar. Die Fahrt wird langsamer. Das Gelände wird ebener. Mein Rad rappelt stärker. Deshalb halten wir. Ich sehe es nach. Der Ass ist noch gut aufgeschnallt. Das Koch­geschirr sitzt fest. Luftpumpe, Schelle sind es nicht. Doch wie kommt das? Das Hinterrad hängt schief. Die Schraubenmutter, die es hält, ist locker. Be­tretenes Schweigen. Endlich einer:Mensch, wenn das vorhin herausgegangen wäre." Nochmals steht die Fahrt vor unseren Augen, die rasende Fahrt, die vielen Kurven und dann...

Kranker Iungzugführer.

Ich bin krank geworden und liege im Bett. Gestern war ich noch mit meinem Jungzug schwim­men. Alles drehte sich um mich, keinen Augenblick stand ich allein. Wenn ich in der einen Ecke war, rief in der anderen jemand nach mir. Jeder wollte etwas Anderes wissen. Jetzt liege ich hier. Ganz allein. Keiner denkt daran, mich zu besuchen. Sonst, wenn jemand nicht zum Dienst kommt, mache ich ein Kreuz hinter seinen Namen. Er wird das nächste Mal da sein. Hier im Bett mache ich gleich drei Kreuze. Aber nicht in das Dienstbuch; bas darf ich nicht. Der Betreffende weiß nicht, daß ich ihn hier rausschmeihen kann.

Wenn ich wieder gesund bin, wird man mich bitten, eine Fahrt zu machen. Das können sie eben nicht allein. Und natürlich werde ich die Fahrt machen. Ich werde auch wieder schwimmen gehen, vielleicht bekomme ich dann wieder die Grippe. In Gedanken gehe ich alle Kameraden, und was sich so nennt, durch und erwäge, wer denn wohl mal an mich denken könnte. Vielleicht fällt mein Fehlen nächsten Montag auf. Da ist Heimabend. Aber dann wird Günter mich vollkommen ersetzen. Aller­dings der Geschäftsführer wird auch kommen. Er wird mich vermissen. Er, der einzige im gan­zen Fähnlein, in der Schule, der einzige überhaupt, wird mich aufsuchen, mich Kranken, untätigen, da­her überflüssigen Jungen. Ich werde ihm den Beittag geben und werde ihn bitten, wieder zu kommen, vielleicht nächsten Montag, wenn ich Dann noch krank bin . . . Doch ich werde wohl kaum so lange krank bleiben. Dann werde ich wieder ein Mensch, bin gesund, kann laufen, schwimmen, Fahrten machen, kann Uniform tragen, und bin ihnen wieder überlegen, bin fähig, ihnen zu zeigen, was und wie sie es machen sollen. Gerd Meurer.

Titanenkampf im Keffelraum.

Bon Cornelius Quint.

Feuertüren auf!", schreit der Oberheizer.

Noch einmal, im Kreislauf jener vier Stunden, die wir vor den Kesseln arbeiten müssen, geht es los: Feueraufbrechen, Aufwerfen, Durchstoßen. Die Feuertüren fliegen auf. In das dämmrige Dunkel des Heizraumes schlagen Flammen hinein, weiß­glühend, alles versengend. Wehende Wimpel un­ersättlicher Gier.Kohlen her", schreit der Ober» Heizer den Trimmern zu. Er schreit wie ein Jaguar, aber die Trimmer schassen es nicht mehr. Schaufel um Schaufel schwarzer, schimmernder Kohle wandert in den Höllenrachen: zehn, zwanzig, dreißig Pützen achtzig Zenter. Immer höher türmen sich die Feuerberge unter den drohenden, zischenden Kessel- Ungeheuern, aber sie bekommen nie genug Fraß.

Durchstoßen!"

Die Schaufeln fliegen zur Seite. Vier Heizer haben schon die Kratzen gepackt und fahren damit hinter den glühenden Kohlen und lodernden Flam- men her, ausbreitend, beruhigend. Der Zeiger des Manometers bleibt trotzdem unerbittlich. Wir wer­fen die Kohlen auf und stoßen die Feuer durch, doch der Dampf sackt weiter ab, und der Zeiger fällt, langsam, wie von magischen Kräften gezogen. Immer nach links, immer nach links. Und wir wehren uns dagegen mit allen Kräften. Die Luft I im Heizraume ist schon heiß und dick vom Schweiß der Trimmer und Heizer. Ueberafl kocht Gestank auf. Verbogen und glühcnb kommen die Kratzen aus dem Feuer, wir fassen mit nassen Lappen zu, und aufzischend fliegt die eiserne Stange wieder in den Geschirrhaken zurück. Gähnend öffnen sich die schwarzen Türen der Aschfälle. Eine Sekunde haben wir Zeit, tief Atem zu holen. Mit dem Schweiß- tuch wischt jeder über das verrußte Gesicht, in das der Schweiß seine hellen, tiefen Rillen gegraben hat. Ein neues Signal blitzt auf: Grün! Die Ma­schinen haben Fahrt verloren.Aufbrechen", über- jetzt der Oberheizer das Signal und reguliert da­bei die Stellung der Windhutzen, um die Hüllenglut noch mehr anzufachen. Wir fassen ins Geschirr, das schwere Schüreisen kommt herunter. Armdicker Stahl. Mit aller Kraft wird die Feuertür zurückge­worfen. Das Schüreisen jagt tief in die Glut, wühlt

sich, von der Kraft nackter Arme getrieben, bis zu den Rosten durch. Knirschend faßt die Schlacke an. Immer weiter treibe ich das Eisen unter die harte Kruste, zwei, drei, vier Meter tief hinein. Und bann geht es los im Chorus:

Ho ruck, und zuck, ho ruck, unb zuck!"

Mit der ganzen Körperschwere wuchten wir an den heißen Stangen. Sie rühren sich kaum.Und noch einmal, unb noch einmal", ruft der Oberheizer. Langsam kommen die stählernen Gestänge in Be­wegung Die Schlackenbecke, auf ber mehr als zwanzig Zentner Kohlen lüften, hebt sich, knirscht. Flammen lecken aus dem Feuerloch heraus, sengen die Haare meiner Brust unb verbrennen die Haut unserer Arme. Aber wir finb keine Milchmädchen mehr. Immer weiter geht es. Noch einen Ruck unb noch einen Zuck. Der Stahl fliegt durch die Glut. Die Schlackendecke ist durchbrochen. Flammen lodern weißglühend und jagen die Helle Hitze der Kessel zum Schornstein hinaus. Die Schüreisen kommen aus den Feuern unb schießen zischend und gurgelnd in bie laue Flut ber Aschfälle. Der berbe und rohe Eingriff hat geholfen. Der Manometerzeiger stoppt, beginnt leise zu vibrieren, um Haaresbreite nur. Er sucht unb tastet auf unb ab. Dann steigt er. Jeder Millimeter, jeder Strich auf dem Zifferblatt ist für uns ein Atemzug der Besinnung. Die Lenzpumpen beginnen in unsere Arbeit hineinzustöhnen, saugen langsam Wasser an und drücken es in die Kessel hinein. Die Signale vom Maschinenstand sind er­loschen.

Die Maschine hat wieder volle Fahrt ausgenom­men. Wir können uns den salzigen Schweiß von der Stirne wischen.

Noch zehn Minuten bis zur Ablösung, bann steigt sie endlich klappernd durch die Schächte hin­ab. Das heißt für uns: schnell rauf auf Deck. Luft! Helle! Kühle!

Und über der Kimmung, dort, wo sich Himmel und Meer vermählen, steht ein feiner, brauner Sttich. Land! Der Wind weht schon die frischen Düfte der Erde herüber. Der klirrende Aufruhr un ferer Arbeit in den schwarzen Höllen hat also, trotz seiner Schwere, noch Ruhm und Glanz. Es ist ein Titanenkampf, dessen Lohn nichts weniger ist, als die Eroberung der Erde. Eine Freude steht in mir auf. Groß, stark und rein, wie sie sonst nur Musik bereiten kann. Ich weiß nun: die ungezügelte Weite der See bändigt unsere Kraft!

Oie Lawine.

Helle Wolken trieb der warme Frühlingswind über die Berge. An den Hängen wuchsen die ersten Blumen, und die Wildwasser brausten unbändig in weihen, kalkigen Strudeln.

Trotz der Warnung des Bauern beschlossen wir, eine ferne Spitze zu ersteigen. Morgens, wenn wir vor unserer Hütte abkochten, grüßte sie im Neuschnee herüber, lange hob sie sich abends noch wie ein gewaltiger Turm am hellen westlichen Himmel ab.Unbesteigbar bei Schmelze, unmittel­bare Lawinen- und Steinschlaggefahr" so lau- taten die Auskünfte, die man uns gab

Kurz vor Tagbeginn fliegen wir auf. Jeder Schritt brachte uns höher. Lange und schweigend stampften wir durch ein düsteres Holz. Hier herrschte noch der Winter, selten verirrte sich jemand auf diesen Pfad, nur Jäger und eilige Schmuggler be­traten ihn. Die niedrigen Kiefernstämme hatte der Wind gebrochen, hin und wieder ragte ein rie­siger Wetterbaum aus dem Dickicht, zerfressen und morsch hing ein altes Kreuz an seinem Stamm.

Wir wateten durch einen Büch, der den Wold von einer großen Geröllhülde trennte.

Die Sonne schien näher gerückt ols gewöhnlich; hoch über uns lag der Berg, lieber verharschte Schneewehen, deren Heller Glanz die Augen blen­dete, gingen wir vorsichtig hinweg, manchmal brach man ein und versank bis an den Leib.

Wir fanden vermoderte Holzreste von Schiern und Hanffetzen, wenig weiter einen verrosteten Kochtopf.

Jeder Meter mußte jetzt erkämpft werden. Fels­brocken und Erdrutsche versperrten den Weg und verlangten mühsames Umgehen. Dann nahm uns eine gewaltige Schlucht auf. Eisige Kälte stieg aus einem jagenden Wildwasser.

Wir rasteten. Einige Aepfel, Rosinen und etwas Schokolade bildeten die Mahlzeit. Kaum hatten wir uns gesetzt, meinten wir Rufe zu vernehmen. Es rauschte aber nur wieder das Wasser. Doch, da hörten wir es alle:Hilfe! Hilfe?" Wir stolperten den steilen Pfad hinab. Laut riefen mir und gaben Signalschüsse. Die Schreie mußten aus dieser Rich­tung gekommen fein! Immer wieder brüllten wir durch die Hände. Und dann kam sie die Ant­wort. Zuerst schien es tief im Berg zu stöhnen,

es donnerte und dröhnte und eine ungeheure weiße Masse schoß an uns vorbei und hinterließ eine dichte Wolke weißen Staubes. Die La­wine hatte die obere Schlucht verschüttet. Unser Lagerplatz und die Rucksäcke waren metertief be­graben. An Weitergehen war nicht mehr zu denken.

Unbesiegt ragte Die Spitze, und blaue Schatten verdunkelten ihren Firn ... hajo.

»Mir wolle uns im BdM. anmelde.

Sprechstunde in der Geschäftsstelle des BdM. Die Tür wird stürmisch geöffnet, und herein brin­gen zwei Mädel. Erschrocken bleiben sie an der Tür stehen, sie hätten sich wahrscheinlich den Raum anders gedacht. Es sind zwei winzige Kerlchen, ihre Köpfe reichen kaum bis zur Türklinke. Die Haare find zerzaust, Gesicht und Hände beschmutzt. Sie kommen wohl direkt vom Spiel auf der Straße.

Ich frage sie nach ihren. Wollen.Mir wolle uns im BdM. anmelde." Während ich zwei Formu­lare aus meinem Schreibtisch nehme, frage ich, warum sie nicht schon früher zu uns gekommen feien. Die eine erzählt, daß ihr Vater es nicht hätte haben wollen, die andere hat früher nie etwas davon gewußt. Ich will noch wissen, wie sie jetzt auf einmal darauf kommen, im BdM. zu sein. Sie erzählen, daß die Emmy, die bei ihnen in der Straße wohnt, im Heimabend so ein schönes Nadel­kissen gemacht hätte und Schüsselchen aus Luft» schlangen, und daß sie das auch lernen möchten. Auch stünden sie immer an der Straße, wenn die anderen Mädchen vorbeizögen und sängen.

Es sind Kinder aus der Altstadt. Ich fülle ihren Anmeldeschein aus und erkläre, wo sie sich am kommenden Mittwoch einzufinden hätten. Da sagt die eine kleinlaut:Mer hawe aroer noch ka Kledderwest." Vorläufig sollten sie nur pünktlich kommen, meine ich, hübsch ordentlich gekämmt, die eine streicht verlegen die wirren Haare aus dem Gesicht, und mit sauberem Gesicht und Händen, dann würden die anderen Mädel sie schon gern haben. Während dieser guten Ratschläge sehen die beiden Kleinen auf ihre schmutzigen Hände unb verstecken sie verlegen hinter dem Rücken. Aber mit strahlenden Augen blicken sie zu mir auf. Als sie dann gehen, vergessen sie auch die schmutzigen Hände noch einmal und erheben sie zum deutschen Gruß. Ri a R uss.