Dienstag, 9. Zanuar 1954
184. Jahrgang
Giehener Anzeiger
Staviskys Flucht aus Paris
Paris, 8. Ian. (DNB.) lieber die Flucht Sta- vifkys aus Paris am Weihnachtsabend sickern jetzt Einzelheiten durch. Picaglio, der als Stavijkys Freund a n d e r Z e i t u n g „V o l o n t e" arbeitete, wurde am 23. Dezember von Stavisky angerufen. Stavisky fragte ihn, ob er, wie alle Jahre, seinen Weihnachtsurlaub in seiner Villa in Cervoz verbringen werde. Als Picaglio bejahte, antwortete Stavisky, daß er sich ihm anschließen werde. Am 24. Dezember verließen sie im Auto Paris, übernachteten in Fontainebleau und fuhren am 28. Dezember nach Dijon weiter. Sie unterbrachen jedoch wegen schachten Wetters ihre Autofahrt und fuhren mit der Eisenbahn weiter. Da die Zentralheizung der Villa Picaglios in Cervoz nicht in Ordnung war, mietete Picaglio in feinem Namen eine Nachbarvilla. Er verließ am 28. Dezember Cervoz wieder. Nach seiner Ankunft in Paris erfuhr er von dem Haftbefehl gegen Stavisky.
Paris, 9. Jan. (DNB. Funkspruch.) „Echo de Paris" berichtet aus Madrid, daß Stavisky im Juli 1932 auch in Spanien einen groß angelegten Betrug vollführen wollte. Mit Hilfe einflußreicher Persönlichkeiten habe er in Madrid die Gründung einer Landwirtschaftlichen Kreditbank mit einem Kapital von 500 Millionen Pesetas geplant. Sein eigener Anteil habe 50 Millionen betragen sollen. Die Verträge seien bereits fertiggestellt gewesen, als ein Mitglied des Derwaltungs- rats, "durch eine Aeußerung Staoiskys mißtrauisch gemacht, die sofortige An Zahlung seines Anteils gefordert habe. Stavifkv fei darauf
Als der verhaftete Direktor des Credit Municipal von Bayonne, Tiffier, von dem Selbstmord Staviskys hörte, soll er auegerufen haben: „Das ist unmöglich. Ein Mann wie Stavisky bringt sich nicht um." Auch der Rechtsbeistand Tissier' teilt diese Auffassung und erwartet eine gerichtsärztliche Untersuchung.
Die Rachrichl von dem Selbstmord fand nicht überall Glauben. In vielen Kreisen wurde von einem Vertuschungsmanöver der Polizei gesprochen, die einen für viele Persönlichkeiten stark belastenden Mann habe verschwinden lassen wollen.
Der sozialistische „Populaire" und die kommunistische „humanite sind natürlich lebhaft bemüht, den Fall Stavisky in ihrem Sinn propagandistisch auszuwerten. Dazu gehöre es wohl auch, wenn von ihnen behauptet wird, Stavisky habe als Polizeispitzel gearbeitet. Dabei habe er in vieles Einblick gewinnen können. Ieht, wo er unbequem werde, habe man l h n beseitigen wollen. 3a, die Urheber dieser Information versteigen sich sogar zu der Behauptung, daß zwei Polizei- beamte in aller Stille mit der Mission betraut worden seien, Stavisky ins Jenseits zu befördern. Man habe einen Selb st mord nur vorgetäuscht. „Aber", so fährt das Blatt fort, „wie der Selbstmord des Reinac nicht den Panamaskandal verhindert hat, und ebenso wie der Selbstmord des Obersten Henry die Dreyfuß-Asfäre nicht zu verstecken vermochte, dürfte auch der sogenannte Selbstmord Staviskys nicht den Bayonner Skandal vertuschen."
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den sie mich nicht kriege n." Picaglio reifte nach Paris zurück, nachdem er Stavisky erklärt hatte, das er ihn nicht anzeigen werde, weil Stavisky sich während einer Krankheit seiner Tochter gegenüber sehr gefällig gezeigt hatte.
Stavisky wollte auch Spanien beglücken.
Paris, S.Ian. (DRV.) Der Riesenbetrüger Stavisky hat am Montag in einer von ihm gemieteten Villa in Ehamonix einen Selbstmordversuch unternommen, indem er sich eine kugel durch den Kopf jagte. In der Rächt zum Dienstag ist er der schweren Schuhverlehung, die er sich beigebracht hat, erlegen.
Stavisky reiste in Begleitung eines übel beleumundeten und mehrfach vorbestraften Mannes, dessen Rame noch nicht bekanntgegeben worden ist. Während Stavisky sich bereits einen ge- fälschten Pah besorgt Halle, was seine Flucht erleichterte, reiste sein Begleiter auf seinen richtigen Ramen. Polizeibeamte verfolgten deshalb auch zunächst die Spur des Letzteren, die nach Ehamonix zu einer Villa führte. Die Beamten umstellten das Haus, während der Besitzer versuchte, sich Einlaß zu verschaffen. Er überstieg die Gartenmauer und klopfte an die Verandatür, ohne Antwort zu erhalten. Während er eine Fensterscheibe eindrückte, um den Riegel des Fensters zu öffnen, ertönte ein Schuh. Bald darauf fand man Stavisky röchelnd in einem der Zimmer liegen. Der Arzt stellte den Ein- und Aus- schuh am Kopf fest und erklärte, dah Stavisky nur noch wenige Stunden am Leben bleiben könnte.
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Paris, 8. Jan. (DNB.) Kolonialminister D a l i- m i e r hat Montag abend dem Ministerpräsidenten Chautemps sein Rücktrittsschreiben überreichen lassen. Ministerpräsident Chautemps hat den Rücktritt angenommen. In dem Rücktrittschreiben nimmt Dalimier auf die einmütige Bestätigung Bezug die der Kabinettsrat der völligen Kor- r ek't heit seinerHandlung gezollt habe, und hebt hervor, daß ihm in der ganzen Angelegenheit kein Vorwurf gemacht werden könne. „Ich biete Ihnen, Herr Ministerpräsident", so heißt es dann weiter, „meinen Rücktritt an. Ich will nicht das Risiko übernehmen, daß meine Handlung als Arbeitsminister 1932 selbst ungerechtfertigter Weise Ihrer jetzigen Regierung zum Vorwurf gemacht werde. Ich lege Wert auf die erneute Feststellung, daß Sie zu keinem Zeitpunkt meinen Rücktritt gefordert haben.
In dem Antwortschreiben des Ministerpräsidenten Chautemps heißt es nach einem Hinweis auf die Tatjache, daß der Kabinettsrat einmütig d i e Gutgläubigkeit Dalimie rs anerkannt hat: „Wir find der Ansicht, daß Sie nach völliger Entlastung Ihrer etwaigen moralischen Verantwortung sich Ihre politische Freiheit wieder nehmen müssen, um sich gegen ungerechte Angriffe zu verteidigen. Ich kann mich mit dem Ausdruck des Bedauerns über Ihren Entschluß vor Ihren Beweggründen nur beugen, und ich versichere Sie nochmals meiner freundlichen Achtung.
Der durch den Rücktritt Dalimiers freigewordene Posten des Kolonialmini st ers wird nach allgemeiner Auffassung Arbeitsminister Lamoureux übertragen werden, während der Minister für die Handelsmarine F r o t das Arbeitsministerium übernehmen und selbst durch den Unterstaatssekretar im Innenministerium Bertrand ersetzt werden dürfte. Der halbamtliche „Petit Parisien will die Möglichkeit einer großen Kabinettsumbll-
freie Regierung. Die Vereinigten Staaten seien niemals Anhänger der Isolierung in Handelsangelegen, heilen gewesen. Aber in allen politischen Dingen seien die Amerikaner Anhänger der Iso» (ierung und würden es hoffentlich auch immer bleiben. Die Führer der Nation sollten sich a b - feits von europäischen Streitigkeiten halten. Die Vaterlandsliebe müsse so angefeuert werden, daß dem aus mannigfaltigen Teilen gemischten amerikanischen Volke ein edler Stolz auf ihr Land eingeflöht werde.
Oie Abrüstung.
Sir John Simon erstattet dem Ministerpräsidenten Bericht.
London, 8. Jan. (DNB.) Ministerpräsident M a c d o n a l d ist aus Schottland nach London zu- rückaekehrt. Er hatte heute vormittag eine lange Besprechung mit Sir John Simon über den gegenwärtigen Stand der Abrüstungsfrage. Der britische Außenminister hat Macdonald ausführlich über seine Besprechungen in '.Rom und Paris Be- richt erstattet. Entgegen den bisherigen Erwartungen meldet Reuter, dah für die nächsten Tage weder mit einer Kabinettssitzung noch mit einer Sitzung des Abrüstungsausschusses des Kabinetts zu rechnen ist, d>e speziell die Abrüstungsfrage zu beraten hatten. Diese Verschiebung sei nicht etwa so aufzufassen, alt ob man die Abrüstungsfrage weniger tatkräftig w-i- ter behandele, sondern weil man der Ansicht sei, daß die Zeit der Verhandlungen zur gegenseitigen Unterrichtung der Regierungen noch nicht abgeschlossen sei. Diese Verhandlungen wären noch
das nicht das Entscheidende, sie haben vor der Hand noch Raum genug. Für sie geht es um Lebensfragen ganz anderer Art. Beide sind sie bei der Grenzverteilung Südamerikas sehr schlecht weg- gefommen. Sie sind eingeklemmt zwischen ihre Nachbarn ohne eigenen Zuga n g zu m Meere. Paraguay hat wenigstens noch die Möglichkeit, durch den schiffbaren Strom, von dem es feinen Namen hat, unmittelbaren Anschluß an den Weltverkehr zu finden. Bolivien dagegen — übrigens eins der Länder mit dem relativ stärksten Ausfuhrüberschuß — ist von allen Seiten eingeengt und auf den guten Willen feiner Nachbarn angewiesen, wenn es den Anschluß an die Weltwirtschaft nicht verpassen will. Das war nicht immer so, es hatte ursprünglich einen Ausgang zum Stillen Ozean. Nach dem unglücklich verlaufenen „Salpeterkrieg aber, den es zusammen mit Peru gegen Chile führte verlor es seinen Hafen und war nun vollständig auf die Hochebene zurückgedrückt. Kem Wunder, daß es nun aus dieser Gefahr einer wirtschaftlichen Erstickung nach der anderen Seite drückte und von Paraguay die Abtretung des Chaco-Gebietes forderte, mit dem auch Bolivien wenigstens an die großen Binnenwasier- strahen Südamerikas Anschluß gefunden hatte. Paraguay wieder lehnte das ab, nicht nur aus Prestigegründen, sondern auch weil dann seine Hauptstadt unmittelbar an die neue Grenze gekommen wäre, also unter ständiger Bedrohung gelegen hatte.
Im Hintergründe sprechen dabei noch starke wirtschaftliche Interessen mit, die in die Richtung der Vereinigten Staaten weisen. Man nimmt an, daß in dem strittigen Objekt große OeIvorrate vorhanden sind, dah in ihm also Zukunstsmoglich-
Nr. 7 Erstes Blatt
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feiten von unvorstellbarer Ausdehnung schlummern. Und deshalb sind es wohl auch nicht zuletzt dl e amerikanischen Banken gewesen, die diesen ganzen Krieg finanziert haben. Bolivien war dabei von vornherein in der ungünstigen Lage, well die an sich schon großen Schwierigkeiten Des Klimas seine Position als Angreifer gefährdeten, und diesen örtlichen Nachteilen ist es nun auch zum Opfer gefallen, obwohl es nach der Bevölkerungszahl viel stärker ist. Das ganze Problem beruht dann, daß die Aufteilung des alten spanischen Kolonialbesitzes in vernünftigen Formen bisher noch nicht gelungen ist. Wir haben in den letzten Jahren ja auch noch andere kriegerische Auseinandersetzungen in Südamerika erlebt; aber in einem Lande, wo Tausende von Quadratkilometern schließlich noch keine Rolle spielen, wo zudem bei ruhiger Ueberlegung die wirtschaftlichen Interessen mehr miteinander als gegeneinander gehen, sollten eigentlich doch die Voraussetzungen geschaffen fein, zu einer befriedigenden Verständigung zu kommen.
Senator Borah
für politische Isolierung.
Amerika soll abseits von europäischen Streitigkeiten bleiben.
N e u y o r k, 9. Jan. (Reuter. Funkspruch.) In einer Rede vor,dem Senatsausschuß für auswärtige SUnaeleqenfreiten fugte Senator Borat), Isolierung bedeute in Wahrheit Freiheit des handelns und Unabhängigkeit des Urteils. Sie bedeute nicht Bereinfamung für eine
Seit Jahr und Tag fchon herrscht — trotz des Völkerbundes und trotz eifriger Bemuhunaen der amerikanischen Staaten . 3 ™11 4 c ,n $ a r
guay und B ° N ° i - n e>n Krieg tief im Urwald. Er ! di eint fetzt mit einem Erfolge Paraguays geendet zu haben, das einen vollständigen Sieg m t der Gefangennahme von dreizehn Regimentern melden konnte Die unter der Vermittlung des Pan- orbnuna der Gebiete, um die es hier geht. Immerhin ift 9bas Kampfobjekt, das Gebiet des Chaco Boreal umfangreich genug, um. wenn es einmal kultiviert ist viele Millionen Menschen aufzunehmen ist jedenfalls um ein Vielfaches großer als die Gebiets die Deutschland in dem Versailler Vertrag ^^Für^die^"kriegführenden Parteien selbst aber ist
glauben. v
Das Echo, das das Treffen bisher in der französischen Presse findet, ist äußerst gering; meistenteils begnügt man sich mit einem unkommentierten Bericht. Einzig und allein die Emigrantenpresse widmet der Zusammenkunft fpaltenlange Artikel. Aus jeder Zeil spürt man die Angst, daß diese Jugend aus Deutschland mit einem anderen Bild und einer anderen Auffassung von Nationalsozialismus zurückkehren könnte, als es die Emi- grantenpresfe zu zeichnen sich bemühte. So wird aus dieser ängstlichen Aufregung der Emigranten der Wert und die Wichtigkeit des Treffens offenbar. Hier kehrt eine Gruppe von Menschen nach Frankreich zurück, die Deutschland ohne di e E m i g r ante n b r i l l e gesehen und die erlebt hat, daß die deutsche Jugend nicht nach Krieg und Revanche schreit sondern daß sie ohne plumpe und ehrlose Anbiederung zu einer ehrenvollen Verständigung mit dem alten „Erbfeind" bereit ist. Auf der anderen Seite aber darf das Gewicht eines derartigen Treffens nicht überschätzt werden. Die Wirklichkeit der großen Politik mit ihren noch immer offenen Gegensätzen wird in absehbarer Zeit kaum durch den guten guten Willen der Jugend der beiden Völker beeinflußt werden, es fei denn, es gelänge der französischen Jugend, die Deutschland noch immer erniedrigende und entwürdigende Zwangs- ordnung von Versailles zu liquidieren.
Oer Hauptschuldige im Bayonner Leihhausskandal verübt Selbstmord.
Oie Polizei entdeckt Stavisky in Ehamonix. - Oer Betrüger erschossen aufgefunden. Mißtrauen in Paris.
düng noch nicht völlig ausschalten und spricht in diesem Zusammenhang wieder van der Möglichkeit einer Uebernahme des Außenministeriums durch Herrivt.
In 5 Fahren 19 mal vertagt. Wie Stavisky seine Prozesse zu verschleppen verstand.
Paris, 9. Jan. (DNB.) Der Generalstaatsanwalt hat am Montag eine eingehende Untersuchung darüber angestellt, wie es Vorkommen konnte, daß der Prozeß, der gegen Stavisky seit 5 Jahren vor der 13. Pariser Strafkammer anhängig ist, nicht weniger als 19 M a l zur Verhandlung anberaumt und ebenso oft wieder a u f später verschoben worden ist. In diesen 5 Jahren standen vier verschiedene Präsidenten der 13. Strafkammer vor. Zwei von ihnen sind inzwischen gestorben, 5 Staatsanwälte hatten den Fall nacheinander in ihren Händen. Als die Angelegenheit im Juni des vergangenen Jahres zum letztenmal zur Verhandlung anberaumt war, erschienen weder der Angeklagte noch die Privatkläger noch die Zeugen. Die Rechtsanwälte Staviskys legten ein ärztliches Gutachten vor, wonach Stavisky leicht geistesgestört fein sollte. — Die nächste Verhandlung in diesem verschleppten Prozeß gegen Stavisky war auf den 26. Januar d. I. angefetzt worden. Als Anwalt Staviskys wäre dann der radikale Abgeordnete Hesse vor Gericht erschienen. Da Abgeordneter Hesse Vizepräsident der Kammer ist und am heutigen Dienstag bei Wiederzusammentritt des Parlaments das Präsidium neu gewählt werden muß, nimmt man an, daß sich der Abgeordnete Hesse unter diesen Umständen nicht wieder um den Posten eines Vizepräsidenten der Kammer bewerben wird.
Rücktritt Oalimiers.
Bleibt es bei einer Personalverschiebung im Kabinett Chautemps?
Landnöten.
Jenes Wort „EinEuropaderaufrechten Daterlände r", das man dem Film „A m H i m- mel Europas" zum Geleit mitgegeben hat, könnte man auch als Motto dem gegenroärtia in Berlin stattfindenden d e u t s ch - f r a n z ö f i f ch e n Jugendtreffen mitgeben. Auf dieser vom Sol- bergfreis einberufenen und von der Hitlerjugend geleiteten Veranstaltung trifft sich die Jugend zweier, seit Jahrhunderten miteinander im Kampfe liegenden Nationen, um sich vorurteilslos und ohne Scheuklappen kennen und vielleicht verstehen zu lernen.
Wir Deutschen stehen erfahrungsgemäß derartigen Veranstaltungen skeptisch gegenüber. Wir erinnern uns an die unzähligen Versuche, die vor allem die deutsche Jugend in dem vergangenen Jahrzehnt in dieser Richtung gemacht hat und die trotz der denkbar größten Aufrichtigkeit auf beiden Seiten immer wieder im Sande verlaufen sind. Wir erinnern uns auch des greifen Mac Sagnier, der mit feiner „Jeune Rspubliquö" einer der mutigsten Vorkämpfer auf französischer Seite war und der sich besonders mit seinem Bemühen um das Verständnis der deutschen Jugend verdient gemacht hat.
Trotzdem dürften die schlechten Erfahrungen des letzten Jahrzehnts nicht ohne weiteres übertragbar und maßgeblich fein für das augenblicklich stattftn- dende deutsch-französische Jugendtreffen. Man muß nämlich berücksichtigen, daß damals eine pazifistische ober vornehmlich konfessionell eingestellte Jugend die Brücken zu unserem westlichen Nachbarland zu schlagen versuchte und es dabei oft an Vorsicht fehlen ließ, während hier und heute derselbe Versuch von einer bewußt nationalistischen Jugend gewagt wird. In den Begrüßungsanspra- chen betonten sowohl die französischen Delegierten wie die deutschen Vertreter, daß sie grundsätzlich jede Form eines würdelosen Pazifismus ablehnten, und daß sie sich von vornherein der völkischen eigenarten und der nationalen Grenzen bewußt sein wollten. Aber gerade darum, w e i l sie zu ihrem eigenen Volk in einem Verhältnis der bedingungslosen Bejahung stünden, darum seien sie auch innerlich bereit und willens, den Werten fremder Nationen und Volkstümer Achtung und Verständnis entgegenzubringen. ,, .
Nach dem bisherigen Verlauf des Treffens scheint sich tatsächlich unter diesen Voraussetzungen eine fruchtbare Zusammenarbeit anzubahnen und zu entwickeln. Vor allem die am dritten Tage des Treffens stattgefundene Debatte über „Jugend und Sozialismus", bei der von deutscher Seite Hajo von Hadeln, der Führer der Berliner Studentenschaft und von französischer Seite der Schriftsteller Pierre DrienlaRochelle sprachen, ist in dieser Hinsicht bemerkenswert gewesen. Symptomatisch für die Grenzen einer möglichen Verständigung waren dabei vor allem die Sätze des französischen Vertreters, die konkret auf den von Hadeln herausgestellten Sozialismus der deutschen Jugend Bezug nahmen. „Wir anerkennen", so anroortete la Rochelle, „daß Deutschland nicht durch Theorien, sondern durch eine verjüngte Rasse seiner Führer den Sozialismus verwirklichen will Werm der französische Nationalismus das auch noch nicht verstehen kann, so muß er es doch vertrauensvoll
Er reifte schleunigst wieder zurück imb überbrad)te i W* Zinteiis om
Stavisky biefe Nachricht. Stavisky erwiderte darauf: auf Nimmerwiederfeyn oer,cywu.u mit dem Revolver spielend: „Lebendig wer-j
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Druck und Verlag: vriihl'sche Univerfitätsvuch- und Steindruckerei H. fange in Sietzen. Schristle'tung und Geschäftsstelle: Schulstrahe 7 im T-xtt-ii 12 Ryf. j- mm


