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Nr. 235 Erstes Blatt

184. Jahrgang

Montag, 8. Oktober ch34

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Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Katatonischer Separatisienaufsiand in Barcelona niedergeschlagen.

Das Militär versagt sich den Aufrührern. - Die Zentralregrerung Herr der Lage. Dre Geparatistensührer verhaftet.

Madrid. 8. Off. (DNV. Funkspruch). Die Er- elgniffe in Spanien haben sich am Samstagabend und in der Nacht zum Sonntag überstürzt. Am Samstagnachmiltag war der Mini st er rat zusammengetreten und hatte beschlossen, sich am Dienstag dem Parlament vorzustellen.

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Gegen 20 Uhr brach in Madrid, nachdem der Tag ziemlich ruhig verlaufen war, ein neuer Großangriff der Marxisten los. In allen Stadtvierteln setzte heftiges Gewehrfeuer ein. Polizei und Militär hatten in den mangelhaft be­leuchteten Strahen schwere und vertu st­reiche Kämpfe zu bestehen, indessen ist es den Marxisten nicht gelungen, die Oberhand zu ge- winnen.

Dagegen gestaltete sich die Lage in Bar­celona für die Regierung Lerroux außerordent­lich ernst. Der Präsident der General-Junta von Katalonien. Companys, rief um 20.17 Uhr vom Balkon des Regierungsgebäudes die selbstän­dige katalanische Republik aus. Außer­dem bildete sich in Barcelona eine provisorische spanische Zenlralregierung unter Füh­rung des früheren spanischen Ministerpräsidenten A z a n a, die sich die Aufgabe gefetzt hat, Spanien in eine Föderativ-Republik umzuwan­deln.

Angesichts dieser bedrohlichen Lage verhängte der Staatspräsident um 23.20 Uhr den Kriegs­zustand über das gesamte Staatsgebiet, ein­schließlich Katalonien.Außerdem wurde die Schlie­ßung sämtlicher Grenzen angeordnet. Roch in der Nacht erhielten die in Cartagena liegenden Flotteneinheilen den Befehl, nach Barcelona in See zu gehen, und zahlreiche Truppenabteilungen wurden gegen die separatistischen Aufrührer in Marsch ge­setzt. darunter zwei Bataillone Fremdenlegion, die in Algeciras eingetroffen waren.

Em mißglücktes Spiel.

Zur Vorgeschichte des Separatistenaufstandes in Katalonien werden folgende Einzelheiten bekannt:

Nachdem die gesetzmäßige katalanische Regierung (Generalidad) am Freitag, also am ersten Tag der in ganz Spanien ausgebrochenen revolutionären Aufstandsbewegung, immer wieder die Madrider Zentralregierung ihrer Zuver­lässigkeit versichert hatte, und dabei nicht müde wurde zu betonen, daß sie die Ordnung in Katalonien unter allen Umständep auf­rechterhalten würde, gingen schon am Sams- taamittag Gerüchte um, rbonach die Generalidad em doppeltes Spiel mit der Madrider Regie­rung getrieben habe. Wie sich herausstellte, sollten die Beteuerungen der Generalidad dazu dienen, Madrid in Sicherheit zu wiegen, damit inzwischen die völlige Abschließung und Isolierung Kataloniens vom übrigen Spanien in Szene gesetzt werden könnte. Diese war auch am Samstagabend restlos durchgefuhrt.

Zu diesem Zeilpunkt war sowohl jeder Eisenbahnverkehr als auch der Tele­phon- und Telegraphenverkehr an den kalaloulschen Grenzen stillgelegl worden. Gleichzeitig hatten sich die Separatisten geschickt über die wichtigsten Punkte verteilt, so daß die Generalidad nun ohne weitere Gefahr den Abfall von Spanien erklären zu können glaubt. So erfolgte denn auch am späten Samstagabend durch den Vorsitzenden der Generalidad die Unabhängigkeitserklärung Kataloniens und die Ausrufung der freien katatonischen Republik. Gleichzeitig rief man die .. s p a n i s ch e f ö d e - rative Republik" aus und ernannte zu ihrem Präsidenten Azana, den Rlinisler- präsidenten der letzten halbmarxistischen Regie­rungen der Jahre 1932/33. Dieser erklärte nun

seinerseits die Madrider Regierung für illegal und abgeseht.

Der Präsident der Generalidad, Companys, erschien auf dem Balkon des Palais der Generali­dad und verlas unter dem Beifall der Menge einen Aufruf, in dem es heißt: Katalanier! Die mon­archistischen und fascistischen Kräfte haben die Ne­gierung übernommen, um die Republik zu zerstö­ren. Alle guten Republikaner sind aufgestanden, um die Zerstörung der Republik zu verhindern. Kata­lonien kann dem ganzen spanischen Volk, das für eine Freiheit kämpft, seine Solidarität nicht ver- veigern. Katalonien bricht alle Beziehungen zu den panischen Regierungsstellen ab.

Die Generalidad hatte nun allerdings bei ihrem hochverräterischen Spiel einen schweren Feh - l e r gemacht. In ihrer maßlosen Selbstüber­hebung glaubte sie sich des Heeres, so­weit es in Katalonien garnisoniert ist, und der Polizeivöllig sicher. Als nun die Madrider Regierung als Antwort auf die Abfallerklärung Kataloniens sofort den Kriegszu st a n d über das ganze spanische Staatsgebiet verhängte, ließ man den Befehlshaber der dortigen Militärstreit­kräfte in das Regierungsgebäude der Generalidad kommen, um seine Stellungnahme zu erfahren.

General Datei bat sich eine Stunde Be­denkzeit aus, die er sofort dazu benutzte, um die gesamte Garnison von Bar-

tanische Regierungsgebäude angeseht und das

Gebäude mit Mörsern beschossen hatten.

In zahlreichen Stadtteilen von Barcelona fanden in den Morgenstunden des Sonntags noch lebhafte Schießereien zwischen den spanischen Regierungs­truppen und den bewaffneten Aufständischen statt, man rechnet aber damit, daß die Truppen, die von Militärflugzeugen unterstützt werden, überall die Oberhand gewinnen werden.

EmunruhigerSonniagmMdrid Energischer Kampf gegen den Generalstreik

M a d r i d, 8. Okt. (DNB.) In den Abendstunden des Sonntags verübten Anarchisten und Iungsözia- listen in verschiedenen Teilen Madrids erneut zahlreiche Ueberfälle auf Polizeistreifen und Militär­posten. Dabei kam es zu heftigen Feuergefech­te n, in deren Verlauf wieder eine Reihe von Men­schen ihr Leben lassen mußte, und zahlreiche Ver­wundete festaestellt wurden. Bei den Schießereien nahmen die Angreifer auch die Villa des Mi­nisterpräsidenten unter Feuer.

Der linksbürgerliche Bürgermeister von Madrid und zahlreiche marxistische Gemeinderäte wurden wegen Sabotage der Regierungsmaßnahmen a b g e s e tz t. Der Minister ohne Portefeuille Mar -

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Generalstreiks für ganz

Gewalttätige Streikende werden von Polizisten verhaftet ein Bild von einem öer früheren Generalstreiks. Es ist zu befürchten, daß solche Szenen sich jetzt wiederholen, nachdem die Sozia­listen und die Syndikalisten die Bekanntgabe der neuen Ministerliste nut der Ausrufung des Generalstreiks für ganz Spanien beantwortet haben.

celona zu alarmieren. Eine weitere Stunde später waren die spanischen Batte­rien an den wichtigsten Plätzen aufgefahren. Maschinengewehre in Stellungge­brach t und die wichtigsten Gebäude, darunter die Generalidad. militärisch beseht. Der spanische General und die ihm unterstellten Truppen haben vorbildlich ihre Pflicht erfüllt.

Als der Präsident der sogenanntenKatalanischen Republik" diese unerwartete Wendung sah und ihm außerdem gemeldet wurde, daß auch der größte Teil der katalanischen Polizei gemeinsame Sache mit dem Militär machte, begann er im Rundfunk in halbstündigen Abständen stark gefärbte Berichte über die Gesamtlage herauszubringen und die ge­samte Bevölkerung Kataloniens zu den Waffen zu rufen. Der Sender in Barcelona wechselte zwischen Tanzmusik und dem Spielen der Nationalhymne ab, wobei er zwischendurch fort­gesetzt in die Welt rief:Siegen oder st e r - b e n". Azana hoffte vor allem auf die Hilfe der syndikalistischen Landarbeiter­organisationen, die seit langem von ihm selbst bewaffnet und ausgebildet waren, und die neben den separatistischen Escamots eine Art kata­lanische Sturmtrupps bildeten.

Der separatistische Aufstand in Katalonien ist sodann überraschend schnell vollkommen zusam­mengebrochen. Die katalanische Regierung hat sich, obwohl sie im Rundfunk immer wieder erklärt hatte, daß siesiegen oder sterben" wolle, am Sonntag um 6.15 Uhr den Regierungs- truppen des Generals Batet ergeben.

Die gesamte Regierung, der Bürgermeister von Barcelona, die TNitglieder der Stadtverwaltung und der Oberbefehlshaber der katalanischen Streitkräfte wurden verhaftet, nachdem die spanischen Regierungstruppen im Morgen­grauen zu einem Generalangriff auf das kata-

tinez de Velasco wurde zum Regierungs­kommissar im Madrider Rathaus ernannt.

Die Streikbewegung dauert ziemlich unver­ändert an. Die Regierung hat deshalb den Befehl er­lassen, daß am Montagmorgen überall d i e Ar­beit wieder ausgenommen werden muß, falls die Streikenden nicht ihre Arbeitsplätze ver­lieren wollen. Sowohl die f a s ch i st i s ch e Or­ganisation wie auch die o a n i f i e r te Jugend der katholischen Volksaktion sind in hervorragender Weise überall da eingesprun­gen, wo durch den Streik wichtige Arbeitskräfte äusfielen. Vermutlich werden diese Kräfte die Mar­xisten immer mehr aus den Betrieben verdrängen.

Auch im Norden r och schwere Kämpfe mit Aufständischen.

Madrid, 7. Okt. (DNB.) Der zweite große Unruheherd der letzten Tage, das Kohlenge­biet von A st u r i e n , wo die verhetzte Arbeiter­schaft den Kommunismus ausgerufen hatte, steht auch bereits kurz vor der Unterwerfung. Militär- aufqebote haben das ganze Gebiet abgesperrt. Die Säuberungsaktion macht gute Fortschritte. Die Schwierigkeiten des bergigen Geländes verlang­samen jedoch den Vormarsch. Aus den übrigen spanischen Provinzen werden örtliche Aktionen auf­ständischer Elemente gemeldet, die sich zumeist in entlegeneren Dörfern abspielten. Dabei wurden 10 Polizeiposten erschossen und mehrere Kirchen nie­dergebrannt. Motorisierte Polizeikräfte haben auch in diesen Gegenden die Staatsautorität wiederher­gestellt. In der Provinz Leon (Nordwestspanien) sollen revolutionäre Minenarbeiter mehrere Villen niedergebrannt haben. Im asturischen Kohlenbecken, wo neue Truppen, die durch Kriegsschiffe im Hafen von Aviles ausgebootet worden waren, sollen ge- mcinfam mit den bereits im Minengebiet befind­lichen Streitkräften einen konzentrischen Angriff

durchführen, die Ordnung wiederhergestellt haben. Verlustziffern sind nicht bekannt. Aus der Provinz Galicien (Nordwestspanien) liegen Nachrichten vor, wonach auch dort in verschiedenen Orten ver­sucht worden sei, eine galicische Republik auszu­rufen. Polizei und Militär hätten die Staatsauto­rität ohne besondere Anstrengung aufrechterhalten können. Besonders gespannt soll die Lage in Bil­bao (Biscaya) sein, wo die Marxisten auf Unter­stützung separatstischer Banden rechneten. In meh­reren Dörfern sei der Kommunismus ausge­rufen worden, mehrere Polizeibeamte feien über­fallen worden; vier Beamte sollen getötet wor­den fein.

Azana verhaftet?

Die Rädelsführer

werden vor ein Kriegsgericht gestellt.

Paris, 8. Okt. (DNB. Funkspruch.) Nach einer bisher nicht bestätigten Meldung desMatin" sol­len der frühere spanische Ministerpräsident Azana und drei katalanische Führer bei Barcelona ver­haftet worden sein, als sie gerade im Begriffe standen, sich an Bord eines kleines Dampfers nach Frankreich einzuschiffen. Der Präsident von Kata­lonien, Companys, hat nach feiner Verhaftung erklärt, erübernehmedie ganze Verant­wortung für das, was innerhalb der Genera- lidgd vor sich gegangen sei. Der B ü r g e r m e i st e r von Barcelona, der ebenfalls verhaftet wurde, hat seinerseits die Verantwortung für alles, was im Rathaus vor sich ging, übernommen.

Wie aus Barcelona weiter verlautet, sind die R e- aierungstruppen ziemlich erschöp ft. Als Verstärkung werden in Barcelona ein Batail­lon Infanterie, eine Kompanie Fremdenlegion und ein Flugzeuggeschwader erwartet. Verschiedene Tor­pedobootszerstörer liegen im Hafen. Weitere Kriegs­schiffe sind angekündigt. Mit der Verwaltung der Generalidad Katalonien ist ein Obers^ und mit der Leitung der Stadtverwaltung ein Major beauftragt worden. An Bord des DampfersUruguay" ist ein Kriegsgericht zur Aburteilung der hochver­räterischen Mitglieder der früheren katalanischen Regierung zusammengetreten. Obwohl die spanische Verfassung die Todesstrafe abgeschafft hat, sehen die Kriegsartikel, die bei Kriegszustand maß­gebend sind, die Todesstrafe vor. Es ist also nicht ausgeschlossen, daß die Rädelsführer erschossen werden.

Begeisterte Kundgebungen für Ministerpräsident Lerroux.

Wie die Telegraphenagentur Fabra meldet, wurde Ministerpräsident Lerroux aus Anlaß der erfolgrei­chen Niederwerfung des Separatistenaufstandes in Katalonien von der Bevölkerung Ma­drids begeistert gefeiert. Zehntausende von Menschen füllten die Straßen der Innenstadt, und als Ministerpräsident Lerroux sich von seiner-Woh­nung in das Innenministerium begeben wollte, wurde sein Wagen derart von der jubelnden Menge umdrängt, daß der Ministerpräsident nur mit Mühe das Ministerium erreichen konnte. Die gleichen Be­geisterungsstürme umbrandeten Lerroux, als er sich z u einem Besuch des Staatspräsiden - t e n nach dem Nationalpalast begab. In den Außen­bezirken waren vor allem die Truppen das Ziel der Freudenausbrüche der Menge. Die Provinzial­behörden übermitteln zahlreiche Kundgebungen, in denen die Bevölkerung ihreTreuezu r R e g i e- r u n g und ihre Freude über das Verschwinden des revolutionären Spuks zum Ausdruck bringt.

EmgliederungderArtamanen- heweguna in die Hitlerjugend.

Güstrow (Mecklenburg), 8. Okt. (DNB.) In Güstrow wurde im Rahmen einer großen Kund­gebung die Artamanenbewegung in die Hitlerjugend eingegliedert. Die Artamanen waren einst in den Nachkriegsjahren d i e Vorkämpfer für d i s Idee des deutschen Bauerntums. Sie waren die Pioniere des Nationalsozialismus auf dem Lande und haben gleichzeitig über die dama­ligen Parteien hinweg die Volksgemein­schaft der schaffenden Deutschen aus Stadt und Land in die Tat umgesetzt. Sie werden nunmehr in der großen Gemeinschaft der Hitlerjugend ihre segensreichen Arbeit zum Besten der deutschen Jugend f o r t s e tz e n.

Auf dem Schützenplatz in Güstrow hielt vor etwa 800 Artamanen und mehreren Tausend Hitlerjungen zunächst der bisherige Bundesführer der Artamanenbewegung,tfer nunmehr als Unterbann« sichrer dem Sozialen Wnt der Reichsjugendführung angehört, Alfred Woyirfch, eine Ansprache, in