Nr. 57 Drittes Matt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Donnerstag, 8. Marz 1934
Gammelsonntag am ll.^cirj
Tagewerke:
1400
Die Ausführungen des Landschaftsführers fanden
3000
ken—Hessen-Nassau seit Jahrhunderten verbinden.
O.jj.-'fpOTt
und die
issenschaft
ihre
15.
kein Hemmnis, zur Vertiefung und zu ihrer
spannt fühle in das ewige Volkstum. Ueberall, mindestens in jedem Kreise, werde ein Heimatmuseum entstehen, doch sei Zersplitterung zu vermei- meiden.
Der Staat werde reichere Mittet als die Vergangenheit der Wissenschaft zur Verfügung
stellen. Der heutige Staat sei sondern die stärkste Triebkraft der wissenschaftlichen Arbeit Verbreitung.
Reichsbund „Volkstum und Heimat"
Künstler mit der Hand sorgfältig graviert, von ihrer Ausführung hängt das Aussehen der fertigen Plakette ab.
das deutsche Volk sich unter der Führung Adolf Hitlers aufgerafft hat, der Not entschlossen die Stirn zu bieten.
Maßnahme: *.
Erweiterung und Verlegung der gemeindlichen Wasser- und Elektrizilätsversor- gungsanlagen in E b e r st a d t und Pfungstadt durch den kreis Darmstadt
Instandsehungs- und Verbesserungsarbeiten im Gaswerk durch den Gaswerksoerband R h e i n g a u AG.
Die zahlreichen Abzeichen, Ansteckblumen und Plaketten, die das Wintevhilfswerk des deutschen Volkes herausgegeben hat, werden bereits von vielen Volksgenossen eifrig gesammelt. Andere dagegen scheinen diesen hübschen Kunstwerken wenig Interesse entgegenzubringen. Das ist falsch, denn wenn aüch mancher kein Verständnis für diese Ehrenabzeichen hat, so sollte er doch an seine Kinder denken, die ihn einmal mit großen Augen fragen werden, wie es im Jahre der nationlsozialistischen Revolution in Deutschland ausgesehen hat. Wie schön ist es, wenn wir ihnen dann Erinnerungszeichen vorweisen können, die ein Mahnmal an die siegreich überwundene Notdar- st e l l e n. Denken wir doch an unsere eigene Kindheit zurück: Mit ehrfürchtigem Staunen ließen wir uns von unseren Großvätern erzählen, die den Krieg 1870/71 mitgemacht und noch Bismarck mit eigenen Augen gesehen hatten. Ebenso fragen schon heute die Angehörigen der jungen Generation jeden Kriegsteilnehmer nach seinen Erlebnissen aus und können sich gar nicht satt hören.
Die Abzeichen des Winter Hilfswerks haben bei der Herstellung zwar wenig Kosten verursacht, sind aber dennoch durchweg recht wertvolle und geschmackvolle kleine Kunstwerke. Die Reichsführung des Winterhilfswerks hat streng darauf geachtet, daß nur Entwürfe ausgeführt wurden, die künstlerisch einwandfrei waren. Der Erfolg hat diesen Bestrebungen recht gegeben. Es hat sich deutlich gezeigt, daß ein Abzeichen besonders begehrt war, wenn es ungewöhnlich gut ausgeführt war. Das gilt auch für die monatlichen Metallplaketten. Die Stempel, mit denen sie geprägt wurden, werden von erfahrenen Handwerkern nach Entwürfen guter
scher Wertarbeit. Wenn sie heute, wo sie überall zu freudige Zustimmung, vor allem auch durch einen sehen sind, von manchem Volksgenossen auch nicht Vertreter des Siegerlandes, der auf die starken genügend geschätzt werden, so werden sie doch bald geschichtlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Klam- begehrte Erinnerungszeichen sein an die Zeit, da mern hinwies, die das Siegerland mit Rheinfran-
Fußball: Luxemburg - Deutschland.
Die spannenden Endkämpfe in den deutschen Gauligen treten diesmal hinter der Bedeutung des 100. Länderspieles des DFB., den Fußball-Länderkampf Luxemburg — Deutschland in Luxemburg zurück. Der Kampf gilt als Ausscheidung für die im Mai und Juni in Italien stattfindende Weltmeisterschaft, zu der aus der Schar der 40 Bewerber 16 Nationalmannschaften zugelassen werden. Deutschland steht mit Luxemburg und Frankreich in der Gruppe XII, die zwei Teilnehmer nach Jta-1 lien schicken kann. Ein Sieg in Luxemburg ist mit | der Teilnahme an den Spielen in Italien gleichbedeutend, der zweite Teilnehmer der Gruppe dürfte Frankreich sein, das ebenfalls über Luxemburg siegen sollte.
Die deutsche Mannschaft bestreitet den 100. Länderkampf des DFB. in folgender Aufstellung: Tor: Buchloh (Speldorf); Verteidiger: Hundt (Schwarzweiß Essen), Haringer (Bayern München); Läufer: Janes (Fort. Düsseldorf), Szepan (Schalke 04), Lehm (1. FC. Nürnberg); Stürmer: Albrecht, Wigold (beide Fortuna Düsseldorf), Hohmann, Rasselnberg (beide VfL. Benrath), Kobierski (Fortuna Düsseldorf). Als 100. Länderkampf des DFB. hat der Kampf in Luxemburg besondere Bedeutung. Von den 99 ausgetragenen Spielen haben die deutschen Fußballer 36 gewonnen und 42 verloren, während 21 Kämpfe unentschieden endeten. Der Kampf in Luxemburg sollte den 37. deutschen Sieg ergeben, zumal der DFB. von den fünf Länderkämpfen dieser Saison nicht einen verloren hat.
Aeichstagung derReichsbahn-Turn-undGportvereine
Die Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Reichsbahn- Turn- und Sportvereine, die rund 100 000 Mitglieder in etwa 400 Vereinen umfaßt, wird am 10. März zu Potsdam ihre erste Reichstagung abhalten, zu der etwa 600 Vertreter aus allen Teilen des Reiches erwartet werden. Durch den großzügigen Werbefeldzug, den die Arbeitsgemeinschaft innerhalb der deutschen Eisenbahnerschaft unternimmt, ist die Mitgliederzahl ständig im Wachsen. Ein Verdienst der Arbeitsgemeinschaft ist darin zu erblicken, daß sie in den acht Jahren des Bestehens der Bewegung kürzlich alle ihre Mitglieder für die Leibesübungen neu
gewonnen hat. Die Vereine führen von jeher Mitglieder den Fachsäulen zu.
Suche nach dem
„ Unbekannten Gtraßenfahrer."
Der Deutsche Radfahrer-Verband führt am
Hitler schafft Arbeit!
Weitere bewilligte Maßnahmen im Arbeitsbeschaf- fungsprogramm des Rhein-Main-Gebietes:
Am 11. März trägt die Anstecknadel das Bild des Ritters Georg, der den Drachen tötet. Dieses Bild soll das Symbol des Sieges über Hunger und Kälte sein. Alle Volksgenossen, die mitgeholfen haben, den Endsieg sicherzustellen, werden am 11. März weiterkämpfen und ihre Spende dankbaren Herzens an das Winterhilfswerk abführen.
Die Gauführung des Winterhilfswerks.
3um 11. 1934.
Mord und Totschlag — sie haben's gedroht, da war Deutschland von Sozis rot.' Heut hilft Hitler. Kopf hoch, Mann! Der Sozialismus fängt erst an!
Für Volk und Führer, bis zum Tod: Dem letzten Volksgenossen Brot!
Die Gauführung des WHW.
Die Landesgrenzen feien gefallen, früher feien fie leider oft auch Grenzen der Wissenschaft gewesen. Das habe aufzuhüren.
Die bestehenden Vereine und Zeitschriften sollten nicht zerschlagen, sondern gefördert werden zu gemeinsamer planvoller Arbeit. Man dürfe die Kulturarbeit nicht in ein Schema einspannen.
Ministerialrat Ringshausen verglich die Kultur mit einem bunten Blumenstrauß, an dessen Vielfarbigkeit man sich freuen müsse. Die fähigsten Köpfe sollten mi einem wissenschaftlichen General st ab vereinigt werden. Aus den historischen Kommissionen solle ein Wissenschaft- lich er Landesausschuß entwickelt werden, der außer Geschichte im weitesten Sinne auch die Naturwissenschaft bearbeiten müsse. Diesem Ausschuß läge in Zukunft die Führung der wissenschaftlichen Forschung ob, natürlich im Einvernehmen mit dem Staate. Die wissenschaftlichen Ergebnisse könnten durch eine Heimat- a k a d e m i e, die an keinen Ort gebunden sei, in Vorträgen verbreitet werden; vor allem sei der Lehrer st and zu einem Mittler zwischen Wissenschaft und Volk berufen. Die neue Lehrerbildung werde ihn dazu besonders befähigen. Es gehe um eine große Sache. Alle Berufenen müßten mithelfen. Wo ein Wille fei, da sei ein Weg.
Lin hohes Ziel fei gesteckt: Die Lrweckung aller Kräfte, die in der deutschen Seele schlummerten.
In jeder Gemeinde werde in Zukunft eine Chronik geführt werden; jede Gemeinde werde eine Ortsgeschichte erhalten. Ueberall müßten die Kirchenbücher verzettelt werden, damit jeder Volksgenosse seine Ahnen kennen ler- . n e n könne und durch das Wissen um Ahnen- Ischicksal, Ahnenleid und Ahnenfreude sich einge-
LPD. Frankfurt a. M, 6. März. Hier fand eine Tagung der Führer der Altertumsvereine der Landschaft Rheinfranken- Hessen-Nassau statt. Nach kurzer Begrüßung durch den Leiter des Fachamts Heimatgeschichte und Denkmalspflege, Pg. Dr. Adolf Müller, Direktor der Stadtbücherei Darmstadt, ergriff der Landschaftsführer
Ministerialrat pg. Ringshausen
das Wort zu folgenden richtungweisenden Ausführungen:
Es fei unsere Aufgabe, dem Leben Sinn und Inhalt zu geben. Nicht das Wissen, die T a t wandle die Welt. Dazu gehöre ein klares Ziel und ein fester Wille. Man dürfe nichts dem Zufall überlassen. Der Wissenschaft habe die Verbindung mit dem Volke gefehlt. Das Volk habe nicht teilnehmen können an den Gütern der deutschen Kultur.
Der nalionalsozialislische Staat werde die Kluft schließen und die geistigen Errungenschaften möglichst schnell dem Volke zuführen; denn das Volk sei der wahre Mutterboden jeder Gröhe.
Der Nationalsozialismus schätze die Wissenschaft sehr hoch. Der Staat sei entschlossen, die Arbeit der Gelehrten mit allen Mitteln zu fördern und zu unterstützen. Die Pflege der Geschichtswissenschaft sei besonders notwendig. Nach ihren Ergebnissen verlange das Volk Heimatliebe, vaterländische Gesinnung, staatspolitische Einsicht müßten verbreitet werden. Das ganze neue Gebiet sei zu erfassen. Es dürfe keine Lücken geben. Daher sei die Zu- sammenfassung der Altertumsvereine ein Gebot der Stunde. Er wolle nichts Wertvolles zerschlagen, doch Fehler und Mängel seien auszumerzen.
Das gleiche gilt von den G l a s p l a k e t t e n, die demnächst für das Winterhilfswerk verkauft werden sollen und von den Porzellanabzeichen, die in verschiedenen deutschen Gauen ausgegeben worden sind. Sie alle sind Erzeugnisse bester deut-
April in allen deutschen Gauen die Suche nach dem „Unbekannten Straßenfahrer" durch. Zu diesem Zweck wird es in allen Radfahrer-Gauen ein 100- Kilometer-Straßenrennen geben, an dem sich alle über 18 Jahre alten Radler, die bisher noch nicht öffentlich in Erscheinung getreten sind, beteiligen können. Die drei Ersten einer jeden Fahrt erhalten
Erinnerungsmedaillen und werden von da ab der besonderen Obhut des DRV. unterstehen.
Schiedsrichter- und Spielwarte- Sitzung in Gießen.
Am Samstag fand in Gießen eine Sitzung der Schiedsrichter und Vereinsspielwarte des 8. Kreises 'Lahn-Dill unter dem Vorsitz des Kreisspielwarts L u h - Allendorf statt. In der Sitzung wurden die nunmehr einsetzenden Aufstiegspiele zur Kreis- j klasse 1 behandelt und die bereits festgelegten Termine bekanntgegeben. Ferner wurden Richtlinien I über «ommerspiele und Lehrgänge für Schiedsrichter und Vereinsspielwarte angegeben. Nach der Durchsprechung der neuen Spielordnung der Deutschen Turnerschaft wies L u h noch auf das am 15. April von der Gießener Turnerschaft vorgesehene Hallenhandballturnier hin.
Spielvereinigung 1900 Gießen
1900 1. Jugend — Spv. Lollar 1. Jugend 10:0 (3:0).
Die 1. Jugend von 1900 besiegte die gleiche Mannschaft des Spv. Lollar mit 10:0 Toren. Bereits vor der Pause war das Spiel entschieden. Die Gäste setzten den Einheimischen in den ersten 30 Minuten stärksten Widerstand entgegen, konnten jedoch nicht verhindern, daß der Platzverein nach 15 Minuten in Führung ging. Bis zur Halbzeit erhöhten die Einheimischen auf 3:0 Tore. Nach der Pause wurde Lollar vollständig in seine Spielhälfte eingeschnürt und kam nur noch zu einzelnen Durchbrüchen. Das Spiel wurde auf beiden Seiten sehr fair durchgeführt. Bei den Gastgebern war kein schwacher Punkt. Der Sieg in dieser Höhe war verdient.
VfB. Gießen 1. Jugend — 1900 2. Jugend 1:0.
Die neu zusammengestellte 2. Jugend von 1900 konnte gegen VfB. 1. Jugend ein ehrenhaftes 0:1 erzielen. Das Spiel war jederzeit offen. Ein Handelfmeter entschied das Spiel zugunsten des Lokalgegners.
1900 1. Schüler — Spv. Wehlar 1. Schüler 1:2.
Das Spiel fand in Wetzlar statt. Die Kleinsten von 1900 unterlagen mit 2:1 Toren bei gleichmäßig verteiltem Spiel.
Handball im Gau XII der OT.
OSL. gegen Tv. Hausen 11:3 (7:1).
Am Sonntag trafen sich beide Mannschaften auf dem VfB.-Sportplatz zu einem Freundschaftsspiel. Beide Mannschaften traten nicht ganz vollzählig an. Das Ergebnis entspricht dem Spielverlauf. Die Turnermannschaft, die nach längerer Zeit wieder spielte, hatte einen guten Tag. Insbesondere gefiel der schußfreudige Sturm.
Kurze Sportnotizen.
Der neue „?"-W agen der Auto-Union, mit dem Hans Stuck am Dienstag auf der Berliner Avusbahn drei neue Weltrekorde aufstellte, wird voraussichtlich am 6. Mai beim Autopreis von Tripolis an den Start gehen. Führer des Wagens wird auch dort Hans Stuck sein.
fördert. Und die Zwiebeln hatten auch ihr Geld gebracht. Ja, die Moorscholle lohnte schon seinen Fleiß. Wenn nur der Schacktarp nicht wäre, der Schacktarp mit seinen Schrecken!
Wieder seufzt der Alte und blickt auf das steigende Wasser. Dor ihm rauscht das Haff, das mit kurzen, schlagkräftigen Wellen gegen den Strand wütet; seitab tost der Strom, Dem sein Bett zu eng wird.
Wie lange noch —?
Dem Rehwilde, das neulich noch in nebelfeuchter Frühe auf den Wiesen äste, ist der Zutritt zu dem weiten Plan versperrt: Wasser, Wasser. Und so zieht es dem Hochwalde zu — vorsichtig, jede noch so unscheinbare Erhebung nutzend. Den Graben, den es sonst zu überfallen pflegt, umgeht es: trügerisch ist das jenseitige Eis, das schon manch Stuck um seine gesunden Gliedmaßen brachte. Und drüben, auf der Wiesenschlänge am Waldrande, ist es nicht anders. Das morsche Eis bricht bei jedem Tritt.
Im Walde gibt es neue Hindernisse. Die gewohnten Wechsel hat der Sturm gesperrt. Hier legte er dem Wilde eine Fichte in den Weg, dort schleuderte er einen abgedrehten Wipfel herab und warf noch allerlei dürres Reisig hinterher. Weiter- ab brach er einen Stamm mit faulem Kern und wieder ein wenig weiter entwurzelte er ein paar Schirmfichten und warf sie auf schon halb vermoderte Windbuchriesen. Schon sind die Trichter zur Hälfte gefüllt mit Wasser.
Zusammengedrängt stehen die Rehe. Ihre Lauscher spielen; ihre Lichter gehen hierhin und dorthin- Überall ist es anders als neulich, lieber ihnen heult der Sturm in Wipfeln und Zweigen; um fie herum pfeift es in dürrem Gras, raschelt es im Rohr und Schilf. Da ziehen sie weiter waldwärts, vorbei an Trichtern und Gräben, die sich zusehends füllen. r
Kaum sind ihre zierlichen Gestalten tm Dunst verschwunden, da zieht es heran — plump und massig: Elchwild. Denselben Weg nimmt es, den vor ihm die Rehe zogen. Aber weder Wasser noch Kämpen können die Elche von ihrem Wege abbringen. Für sie, diese Urbewohner des schwankenden Moores, gibt es hier kein Hindernis. Nur brüchiges Eis hemmt für Augenblicke ihre Bewegung.
Auf schmalem Damm hält mitten in der Wildnis des Bruchwaldes ein Elch, ein alter Hirsch. Seit er damals im Julmond, als der Winter hierzulande seine größte Kraft aufbot, fein kapitales Schaufel
Schacktarp.
Von Edmund Scharein.
Tag für Tag heult der Sturm fein schauerliches Lied. Erst kam er vom Meere her, brachte den Dünensand der Kurischen Nehrung in Bewegung, wühlte das Haff auf und polterte durch den Forst. Und als er sich ausgetobt, brachte der Nordwind über die weit ins Haff vorspringende Winden- burger Ecke frische Grüße vom Baltikum und deckte mit Schnee die Wunden, die sein Vorgänger dem Hochwald geschlagen.
Wiederum schlug das Wetter um; wiederum heult der Frühlingssturm seine Weisen, der Tauwind, der den Schacktarp bringt und das flache Land an der Küste des Kurischen Hasss in Knechtschaft schlägt.
Schacktarp: Eis und Wasser, weichendes Eis und steigendes Wasser. Schacktarp: Zeit, in der das Eis nicht mehr die Festigkeit hat, Lasten zu tragen, in der aber der Verkehr im Kahn hier im Lande der Ströme nicht möglich ist.
Schacktarp: Ueberschwemmung und Not bringt er Mensch und Tier. Da ist er Mensch zur Untätigkeit verurteilt; da bangt er um feine Habe. Da ist das Wild auf der Flucht vor dem vordringenden Wasser.
Vor seiner Hütte steht der alte Fischer. Er prüft den Wind. Der kommt noch immer vom Haff her und wehrt dem Eise des Stromes den Zutritt zum offenen Wasser, daß sich die Schollen flauen und Eis und Wasser nach den Ufern drängen.
Seitwärts geht der Blick des Alten über der Wiesen weithin überschwemmte Tafeln. Hier und dort blinkt noch das Eis, aber mehr und mehr nimmt das Wasser überhand. Schon bedroht es das Heu auf hohen Gerüsten, den Rest einer spärlichen Ernte. Schon füllt es die tiefen Furchen zwischen hohen, schmalen Dämmen; schon geht es gegen den schmalen Psad, die einzige Verbindung mit dem Nachbar, an. Wie lange noch wird es dauern, bis das Wasser die Hütte gefährdet, bis es die Menschen zwingt, auf Rettung ihres Lebens, ihres Viehs und ihres kärglichen Hausrats bedacht zu
Der alte Fischer seufzt. Es war ein hartes Jahr: der Fang war schlecht, im Sturm ging das Gezeuge verloren. Das einzige waren die „Blanken , diese begehrten Kartoffeln, die in Königsberg> g - len Absatz finden und von dort aus weiter verschickt werden. Mit der Anke, seiner schmucken Tochter, hatte er sie im Kahn nach der großen Stadt ge
geweih verlor, wurde er noch einsamer als vorher. Und so folgte er auch jetzt nicht den andern, den Tieren und Kälbern und geringen Hirschen, die rechtzeitig vor dem Hochwasser ihre Zuflucht zu den Rettungshügeln jenseits des Stromes nahmen, sondern schlug sich abseits und harrte aus, obschon das Wasser ihn hart bedrängte. Was schert ihn das Wasser? Wasser und Moor sind ihm vertraut, seit er als Kalb unter dem Schutz der treusorgenden Mutter durch diese Gründe zog. Weit schlimmer als das Wasser ist das trügerische B l a n k e i s , das ihn so oft zu Fall gebracht.
Er hebt den Kopf, holt sich Witterung. Es ist immer dasselbe: Nebel und Moder und lang, wie sie das Hochwasser bringen. Er äugt mit den kleinen Lichtern dorthin, wo ein Schatten auf das Wasser fällt. Da ist er ja schon wieder, der große Vogel, vor dem fast alles Getier, ob es nun Flügel oder Beine hat, auf der Hut ist.
Der Uhu aber blockt abseits auf wasserumspültem Weidenstamm und plustert sich auf zu einem unförmigen Federklumpen. Dann glättet sich fein Gefieder und feine großen Augen tasten die übrr- schwemmten Gräben ab und verweilen auf den wenigen Stellen, die das Wasser noch nicht erobern konnte. Dort im Buschwerk schlug er an blauem Herbsttag den Igel, hier in den Kämpen überraschte er an grauem Wintermorgen den Hasen, der gerade dabei war, sich in feiner Sasse einzurichten. Aber mit dem leidigen Wasser kam eine karge Zeit. Nichts zeigt sich heute; nur ab und zu tönt von den fernen Blänken her ein Entenruf. Da nimmt sich der Uhu auf. Mit lautlosen Schwingen strebt er dem Rande des Hochwaldes zu, der blauen Dämmerung entgegen. Dort in den Fichten beziehen lärmende Krähen allabendlich ihr Nachtlager.
Noch immer hält der Elch auf dem Damm. Ein paar Knospen hascht er vom Weidenstrauch — die letzten. Nichts hat das Strauchwerk um ihn herum mehr herzugeben, weder Knospen noch Rinde. Und drüben, hinter dem Strome liegen die Rettungs- hüael — Oasen in dieser Wasserwildnis. Dort ist Aesung genug und übergenug.
Da zieht der Elch den Hügel hinunter. Hochaus spritzt hinter ihm das Wasser. Durch die Erlen plantscht er, die selbst im trockenen Sommer unter Wasser stehen, und rinnt durch breite Gräben. Aber dann fühlt er unter feinen Schalen diese Polster, die dem schwankenden Moore eigen sind. Ungleichmäßiger wird der Boden, höher das Wasser und schwieriger das Dorwärtskommen.
Endlich hat er den Strom erreicht. Gut sind die Aussichten, das andere Ufer zu gewinnen, nicht. Der Elch kennt die Äraff des Wassers, die Tücken der Strudel und weiß um die Gefahren, die die treibenden Schollen bringen. Aber jetzt gibt es kein Zaudern mehr. Der Abend ist da mit Nebel und Mulm. Jenseits des Stromes jucht der Uhu, fernab dem Haff zu ruft der Eisbrecher, der sich feit gestern müht, Bresche in das Eis zu schlagen.
Schon ist der alte Elch in der Mitte des Stromes. Er weiß den Strudeln auszuweichen und dem Treibeis. Alles ging gut bislang. Schon eräugt er das Ufer. Da naht das Verhängnis — eine Eisscholle, zackig und spitz. Der Elch'weicht aus, rinnt gegen die Strömung, kommt in den Strudel, dreht sich einmal um sich selbst und noch einmal. Hinter ihm — breitfeit — eine Scholle in schaukelnder Bewegung, vor ihm ein riesiger Keil, dessen Spitze gegen das kämpfende Wild gerichtet ist... Nur mit äußerster Kraftanstrengung entgeht es der gefährlichen Zange.
*
Drüben auf dem Hügel steht der alte Elch, schält und verbeißt. Die Aesung ist hier ganz nach seinem Geschmack, und der Uhu, der da in seiner Nähe unentwegt sein Hochzeitslied heult, stört ihn nicht. Er kennt diese absonderliche Weise. Jedes Jahr, wenn das Wasser kommt und das Eis auf den Strömen in Bewegung gerät, erschallt dies Fauchen und Juchen des großen Vogels.
Vor feiner Hütte steht der alte Fischer. „Es geht gut ab", sagt er dankerfüllt zu seiner Tochter. „Der Sturm hat nachgelassen, das Eis ist in Bewegung."
6ocbfcbulnarf>rid)ten.
Professor Dr. Friedrich Klaus in g von der Universität Frankfurt a. M., Mitglied der Akademie für deutsches Recht, ist jetzt auch in den Reichsausschuß für Bank- und Börsenrecht der Akademie für deutsches Recht berufen worden. Professor Klausing gehört ferner dem Akademieausschuß für Aktienrechtsreform an.
Der durch die Emeritierung von Professor A. Döderlein freigewordene Lehrstuhl für Geburtshilfe und Gynäkologie an der Universität M ü n - ch e n ist dem ordentlichen Professor Dr. Heinrich Eymer an der Universität Heidelberg an- geboten worden.
Die Preußische Akademie der Wissenschaften in Berlin hat den Professor der deutschen Literatur an der Universität Turin, Arturo Farinelli zum korrespondierenden Mitglied ihrer Philosophisch-Historischen Klasse gewählt.


