England nachgerade begriffen, daß sich inzwischen manches geändert hat und es auch für England zweckmäßig ist, aus dieser Erkenntnis die Folge- rungen zu ziehen. So gibt die Times die Meinung Englands wider, wenn sie schreibt, daß England nickt die Aufgabe und Absicht habe, für die Aufrechterhaltung aller europäischen Grenzen die Verantwortung zu übernehmen, von denen einige nach englischer Auffassung „nicht gut aezogen" seien. Die britische Regierung sieht sich also nicht in der Lage, die französischen Wünsche nach weiteren Garantien für die Aufrechterhaltung der in Versailles geschaffenen Zustände zu erfüllen.
Weniger eindeutig ist die britische Haltung gegenüber der Forderung Frankreichs nach B ü r g » schäften für d l e Innehaltung der Rüstungskonoention. Die Frage der Ausführungsgarantien, die nun also im Vordergrundes französisch-englischen Gesprächs steht, ist so alt wie das Abrüstungsproblem selber, denn mit jeder internationalen, machtbegrenzenden Abmachung tauchte auch der Zweifel nach der Gewißheit ihrer Durchführung und der Haltbarkeit im kritischen Augenblick der Erprobung auf. Aber die Versuche, ausreichende Bürgschaften zu schaffen, scheitern meist an der Unmöglichkeit, klare und praktisch brauchbare Begriffsbestimmungen festzulegen. Die Definition des „Angreifers" als des Friedensbrechers hat bisher die größten Schwierigkeiten gemacht und es hat vorerst nicht den Anschein, als ob man jetzt weiter gekommen wäre. Die Debatte hat wohl deshalb auch diesen zweifellos heikelsten Punkt zunächst beiseitegeschoben und die Frage der Sanktionen im Falle der Verletzung der künftigen Rüstungskonvention — von einem A b rüstungsabkom- men kann man nicht mehr sprechen — in den Vordergrund gerückt. Hier war England früher nur bereit, sich an einer gemeinsamen Beratung der Vertragskontrahenten über Maßnahmen gegen den Vertragsbrecher zu beteiligen. Es scheint, als ob die britische Regierung nun jedoch bereit wäre, weitergehende Bindungen auf sich zu nehmen, um den Grundsatz einer Konvention zur Begrenzung der Rüstungen überhaupt zu retten.
Der französische Vorschlag geht auf das Genfer Protokoll vom Jahre 1924 zurück, nach den Worten F W. von Oertzens, eines der ersten deutschen Abrüstungssachoerständigen, ein fein ausgeklügeltes System, das jede Macht, die sich einem Schiedsspruch nicht fügt, mit Sanktions- und Exekutionsmaßnahmen wirtschaftlicher, finanzieller und militärischer Art durch die übrigen Unterzeichner des Abkommens automatisch bedroht. „Automatisch", das ist dos Stichwort, auf das Frankreich aroßen Wert legt, und an dem England sich stößt. Denn in Paris will man den bis ins einzelne aus- aebauten Sicherheitsapparat schlagartig abrollen sehen, sobald ein Vertragsbruch festgestellt wurde. England aber will bis zuletzt seine Entschlußfreiheit bewahren, es will selber entscheiden, ob ihm die Sühne des Vertragsbruchs englisches Geld und womöglich auch englisches Blut wert ist. Sv stehen die Dinge also noch keineswegs klar. Dazu kommt, daß England, wenn es auf die Garantiewünsche Frankreichs auch nur in dem beschränkten Maß eingeht, soweit sie sich auf die zukünftige Rüstungskonvention beziehen, dabei voraussetzt, daß Frankreich seinerseits einer Rüstungsangleichung zumindest in der Form einer deutschen Heeresvermehrung unter Bereitstellung entsprechender Verteidigungswaffen zustimmt. Ob England auf den immer noch erwarteten Schritt Frankreichs zu einem Rüstungsausgleich durch eigene Rüstungsbeschränkung verzichten wird, muß dahingestellt bleiben Mehr noch als eine deutsche „Aufrüstung" fürchtet man in Paris die Beschränkung der eigenen Kampfmittel. Wenn es nach dem Willen des französischen Generalstabes ginge, müßte jedes Rüstungsabkommen ja sogar Frankreich die Möglichkeit lassen, sein Heer wie Kriegsmaterial den modernsten Ansprüchen jeweils anzupassen. Frankreich will also mit andern Worten für sich selbst freie Hand behalten, während die deutsche Bewaffnung und Heeresstärke sich in einem fest umgrenzten Ausmaß halten soll, dessen lieber« schreiten als Vertragsbruch durch gemeinsame Sanktionen der übrigen Unterzeichner streng geahndet werden soll, lieber den Begriff der Gleichberechtigung herrscht also in Paris noch immer eine merkwürdige Auffassung. In den nächsten Tagen wird man nun wohl sehen, wie weit Frankreichs Garantiewünsche gehen und ob sie den britischen Vorbehalten soweit entgegenkommen, daß das Abrüstungsgespräch wieder in Fluß kommt.
Reue (Spur im Mordfall Printe?
Paris, 7. April (DRB.-Funkspruch) Der mit der Untersuchung der Mordanaelegenheit des Gerichtsrats P r i n c e , des auf seltsame Weise ums Leben gekommenen Untersuchungsrichters im Fall Staoifky, beauftragte Polizeiinspektor Bony ist an Donnerstag telephonisch nach Paris zurück- berufen worden, wo er angeblich neue Anweisungen erhalten hat. Bony, der in der französischen Presse heftig angegriffen, ja sogar beschuldigt wird, m i t den wahren Mördern des Gerichtsrats unter einer Decke zu stecken, äußerte, daß er dessen ungeachtet seine Untersuchung fortfetzen werde. Er fei mehr denn je davon überzeugt, daß die drei zuletzt Verhafteten, Lussat, Carbons und Spirito, die Mörder von Prince seien. Daß alle drei ein Alibi beizubringen versucht hätten, falle nicht ins Gewicht, da die Angaben sich in verschiedenen Punkten widersprächen. Die Frage sei nur, für wessen Rechnung die drei das Verbrechen ausgeführt hätten. Aber auch diese Frage hoffe er recht bald zu lösen. Er verfolge bereits eine Spur, über die er sich aber noch nicht äußern könne. Er hoffe, in etwa zwei Wochen seine Untersuchung beendet zu haben und dann den unwiderleglichen Beweis von der Schuld der drei Verhafteten und ihrer Hintermänner zu erbringen.
Italienische Beteiligung am „Neuen Wiener Journal",
Wien, 6. April. (DRB.) Wie verlautet, hat eine italienische Finanzgruppe b i e Aktienmehrheit des „Reuen Wiener Jour- nal" erworben. Das Blatt wird zum Hei- matschutzblatt ausgestaltet werden. Der Rest der Aktien bleibt in den Händen des alten Besitzers L i p p o w i tz. Damit hat Italien xum ersten Male direkten Einfluß auf die österreichische Publizistik genommen. Das politische Interesse Italiens an Oesterreich, das sich in dieser Transaktion dokumentiert, erweckt hier großes Aufsehen.
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Das christlich-soziale „Neuigkeitsblatt" meldet, der frühere deutsche Reichskanzler Dr. Wirth fei in Wien eingetroffen unb habe im Parlament in ben Räumen des Christlich-sozialen Clubs mit einigen Herren Besprechungen gehabt. Wirch foH beabsich-
Die ÄurchoWliisation der ASDAp. im Gau Heffen-AaffaunachdenneuenRiWnienderpariel
Das Gaupresseamt teilt mit:
Die ausschließliche Machtstellung ber Partei im nationalsozialistischen Staat bringt es mit sich, daß die NSDAP, bis in das letzte Dorf und Haus ihre direkten Fühler ausftrecken muß. Der vor der Machtübernahme schon gut eingespielte Apparat der Partei wurde nunmehr auf Veranlassung des Gauleiters durch das Gau-Organisationsamt einer scharfen Ueberprüfung und Durch- glieberung unterzogen. Die Neugliederung und Durchorganisation wurde soeben fertiggestellt. Danach bildet die Partei im gesamten Gau-Gebiet ein nicht zu durchschlagendes Netz von Kreisen, Ortsgruppen, Stützpunkten, Zellen und Blocks.
Der Gau gliedert sich in: 38 kreise, 750 Ortsgruppen unb 532 felbftänbige Stützpunkte, diese sind wieberum eingeteilt in 2217 Zellen unb 7979 Blocks. Damit ist das gesamte Gebiet des Gaues Hessen - Nassau bis zum letzten bewohnten Haus politisch erfaßt.
Die außer dem Gauleiter zur politischen Kontrolle unb Bearbeitung dazu eingesetzten H o h e i t s - träger, Block- unb Zellenwarte ber Partei kommen zusammen mit den den Hoheitsträgern beigegebenen Stabswaltern auf 23 753 Politische Leiter im Gau Hessen-Nassau. Zu diesen Politischen Leitern kommen außerdem hinzu: 5423 Amtswalter der N S B O., die 135 000 NSBO.-Mitglieder betreuen, weiterhin 1762 Amtswalter der NS. - Hago , die 69 000 Hago-Mitglieder führen, außerdem im Gau
Hessen - Nassau 1021 Amtswalter ber N S. - Beamt e n s ch a f t und 1227 Leiterinnen ber N S. - Frauenschaft, welche 36 000 Mitglieder umfaßt, ferner 2556 Amtswalter der NSV. mit 75 000 Mitgliedern.
Diese Zahlen zusammengesetzt ergeben 33165 politische Leiter unb Amtswalter der Partei mit einer direkten Gefolgschaft einschl. Mitglieder der Partei selbst von 427 000 Volksgenossen.
Bei diesen Zahlen sind nicht berücksichtigt: 96 000 Mitglieder der HI., JV. unb BDM. und vor allem die Kolonnen der SA. und SS. Weiterhin sind in diesen Zahlen noch nicht enthalten die vielen Hun- derttausenbe Mitglieder der Deutschen Arbeitsfront, bie ber NSBO. unterstehen.
Im wesentlichen ist bei biefer Durchgliederung der Partei zu beachten, baß nicht etwa ber schematische organische Aufbau das Maßgebliche ist, sondern eine damit vor allem in Verbindung gebrachte Auswahl von politischen Leitern, die nach strengen Gesichtspunkten vorgenommen wurde. Die Partei will nur das beste Menschenmaterial in der Führung wissen unb wirb ihre Führer unb Unterführer durch un- ermübliche Schulungsarbeit zu einer Führerauslese bringen, bie die Gewähr bietet, bem Volk für die Zukunft in jeder Beziehung Vorbild und Beispiel an Pflichterfüllung und Disziplin zum Wohle der Gesamtheit zu fein.
Das Urteil von Bukarest.
Wie lange bleibt Rumänien im französischen Fahrwasser?
Arn 29. Dezember 1933 wurde ber bamalige rumänische Ministerpräsident Duca, ein Freunb bes französischen Kurses, aber auch ein Staatsmann lauteren Charakters unb ein Gelehrter von Rang, von politischen Fanatikern auf bem Bahnhof des Königsschlosses Sinaia erschossen. Nach einem Vierteljahr hat das Bukarester Kriegsgericht das Urteil gefällt, das als ein moralischer Sieg der „Eisernen 49 a r b e" anzusprechen ist. Kein Wunder daher, daß in allen politischen Kreisen Rumäniens der Freispruch der Führer der „Eisernen Garde", Codreanu und des Generals Car- t a c u z i n o, wie eine Bombe eingeschlagen hat.
Glaubte man in den Kreisen der Regierung und ihrer Anhänger ernstlich, daß ausgerechnet ein Kriegsgericht, in dem Offiziere das Urteil zu fällen hatten, gegen die „Eiserne Garde" entscheiden würde? War es vielmehr nicht geradezu symbolisch, daß die „angeklagten" Anhänger unb Führer der „Eisernen Garde" den Urteilsspruch mit Hochrufen auf den König beantworteten? Anders hätten die Dinge gelegen, wenn die Regierung Tatarescu- Titulescu einen bestimmenden Einfluß auf den Urteilsspruch gehabt hätte unb auch bann nur, wenn das jetzige rumänische Kabinett nicht ein solches Schattenregiment wäre, hinter bem nur ein Bruchteil ber Bevölkerung, nicht aber die stärksten politischen Faktoren bes Landes, die Krone, die Armee, bie Polizei unb das Bauerntum stehen. Gewiß, König Carol wird heute nicht mehr mit ber gleichen Begeisterung verehrt wie nach feiner Rückkehr aus bem freiwilligen Exil und gerade die „Eiserne Garde" war es, bie gegen seine langjährige Freunbin, Madame Lupescu schärfste Angriffe erhob.
Aber im Bewußtsein der breiten Massen unb In dem politischen Programm ber „Eisernen Garbe" nimmt bas Königtum als unbestechlicher Hort staatlicher Integrität gegenüber ber parlamentarischen Korruption ber jetzt wieber regierenden Liberalen Partei noch immer die höchste Stelle ein. Der Regierung Tatarescu aber ist es nicht gelungen, der Zivilgewalt die Kraft zu verleihen, die notwendig gewesen wäre, um die heimliche aber tatsächliche Herrschaft der Armee, die in unbedingter Treue
hinter dem König steht, zu brechen. Die Führer der „Eisernen Garde" wiederum wissen sehr wohl, daß sie nur mit, aber niemals gegen bie Armee zum Ziel gelangen können.
Bei ber Bewertung des Urteils von Bukarest ist schließlich noch ein Gesichtspunkt zu beachten. Es war ber französische Gesandte, der im November 1933 von bem allen Pariser Forderungen willfährigen Außenminister Titulescu bie Auslösung der „Eisernen Garde" gefordert hatte. Mit diesem Ultimatum krönte Frankreich seine Politik gegenüber einem Volk unb ßanb, das sich — in aller „Freundschaft" natürlich — von ben Pariser Finanzagenten wie eine Kolonie ausplündern lassen mußte.
Dieser Ausdruck ist nicht zu scharf, denn selbst bie alte, vorsichtige „Timea" nannte kürzlich bie französischen Finanzmethoden gegenüber Rumänien rücksichtslos unb aufreizen b. Auf bie französische Forberung nach Auflösung ber „Eisernen Garbe" hat nun das Kriegsgericht von Bukarest ebenfalls die Antwort erteilt. So bedeutet der Spruch für das Kabinett Tatarescu nicht nur neue innerpolitische Verwicklungen, sondern auch außenpolitische Schwierigkeiten. Die Lage spitzt sich auf die Frage zu: Wie lange noch Rumänien seinen politischen Aufbau und seine Wirtschaft bem Phantom einer Freundschaft opfern soll, für die es alles bezahlen muß und nichts erhält.
In Bukarest bauern die Versuche, den Ausbruch einer offenen Regierungskrise zu verhindern, weiter an. Ministerpräsident Tatarescu hielt Freitag nachmittag dem König eingehend Vortrag über die durch das Urteil im Duca-Prozeß geschaffene Lage. Darauf setzte der König für Samstag nachmittag einen Mimsterrat unter feinem Vorsitz an. Wie man hört, legt der König größten Wert auf das Verbleiben der Regierung. Es dürfte wohl lediglich der Kriegsminister U i k a r ausscheiden. Ministerpräsident Tatarescu erklärte Pressevertretern, für den Rücktritt der Gesamtregierung läge keine Veranlassung vor, solange sie sich des Vertrauens der Krone erfreue.
Ligen, auch mit Bundeskanzler Dr. Dollfuß zusammenzutreffen.
Oie Büraermeister von Wien ernannt.
Wien, 6. April. (DNB.) Heute fand unter dem Vorsitz des Bundeskanzlers Dr. Dollfuß ein Ministerrat statt, in dem Dr. Dollfuß dem Bundes- fommiffar für Wien, Minister a. D. Schmitz, das Dekret über seine Berufung zum Bürgermeister von Wien überreichte und ihn beglückwünschte. Hierauf beschloß der Ministerrat eine Verordnung, mit der dem Bürgermeister die Befugnisse eines Bundeskommissars für Wien übertragen wurden. Schmitz legte dann den Eid ab. In später Abendstunde wurde nach langen Verhandlungen auch die Ernennung der drei Vizebürgermeister der Stadt Wien vollzogen. Zum ersten Dizebürgermeister wurde Major Lahr, ein Vertreter der Heimatwehr, zum zweiten Vizebürgermeister Dr. Joseph Kresse, Angehöriger der Christlichen Partei, und zum dritten Vizebürgermeister Dr. Winter ernannt.
Japanische Fliegerbomben auf Kalgan
Peking, 7. April. (DNB. - Funkspruch.) lieber Kalgan, nördlich von Peking in der chinesischen Provinz TschilL, erschienen sechs japanische Bomben-und Jagdflugzeuge, die Flugblätter abwarfen, in denen die bevorstehende Besetzung Kaigans durch japanische Truppen angekündigt wird. Eine chinesische Abwehrbatterie beschoß ein japanisches Flugzeug, allerdings ohne Wirkung. Die Flugzeuge haben darauf das Feuer erwidert und mehrere Bomben abgeworfen.
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Die chinesische Regierung erklärte, für den Fall, daß Kaiser P u j i seinen Plan, nach China zu reisen, ausführen sollte, seien sämtliche chinesischen Staatsbehörden angewiesen, ihn sofort zu verhaften, da er nack dem Gesetz chinesischer Staatsangehöriger sei und Hochverrat gegen die chinesische Republik begangen habe. Um weitere politische Verwicklungen zu vermeiden, bittet die chinesische Regierung Japan, Kaiser Puji von einer Reise nach China abzuraten. Als Zweck dieser. Reise war angegeben, daß Puji bie Gräber feiner Ahnen bei Peking besuchen wolle.
Dem Leberwinder der Minlime
Eine Ehrengabe für Gauleiter Sprenger.
LPD. Frankfurt, 6. April. Dem Reichsstatt- halter in Hessen, Gauleiter Sprenger, ist vom Rhein -Mainischen Industrie- unb Hanbelstag eine prachtvolle Arbeit des Prof. Letträ, Direktor der Kunstgewerbeschule in Hanau, als Ehrengabe überreicht worden. Die prächtige Arbeit des bekannten deutschen Silderschmiedes symbolisiert die durch ben Nationalsozialismus ermöglichte unb burch Sprengers Tatkraft herbeigeführte Einigung bes Rhein-Main-Ge- b i e t s über alle künstlichen früheren Grenzen hinweg. Die mit Sorgfalt hergestellte Schenkungs- urfunbe trägt die Unterschrift des Präsidenten ber Inbustrie- unb Handelskammer und Treuhänders der Arbeit, Reichshandelsführer Dr. Karl Lüer unb des Präsidenten der Handelskammer in Mainz, Rudolf Scholz
Generaloberst von Einem gestorben.
Mülheim (Ruhr), 7. April. (DNB.-Funkspr.) Generaloberst von Einem ist heute gegen 4 Uhr im Alter von 81 Jahren g e ft o r b e n.
Karl von Einern, genannt von Rothrnaler, war im 14. Ulanen-Regiment während des Feldzuges 1870/71 Offizier geworden. 1881 kam er zum Generalstab, in bem fick feine weitere Laufbahn vollzog. 1893 würbe er Kommandeur des 4. Küraj- sier-Regiments in Münster, ä la suite dessen er feit 1907 stand. 1895 wurde er Chef des Stabes bes 7. Armeekorps unb 1897 Oberst. Als solcher würbe er 1898 Abteilungschef im Kriegsministerium unb 1901 Direktor des Allgemeinen Kriegsbeparte- ments. 1903 wurde er ber Nachfolger des Kriegs- Ministers von Goßler unter Beförderung zum Generalleutnant. 1909 trat er zurück. An feine Stelle trat General von Heeringen. Er selbst wurde Kommandierender General des 7. Armeekorps, das er auch im Weltkrieg führte. Dann wurde er im September 1914 nach dem Rücktritt des Generalobersten Freiherrn von Haufen Oberbefehlshaber der dritten Armee. Als solcher hielt er mit feiner Armee zwischen Reims unb den Argonnen in ber Champagne Wacht. Nach der Winterschlacht in ber Champagne erhielt er den Orden Pour le m£rite. Auch in der Herbstschlacht 1915 behauptete er sich mit feiner Armee und bann weiter bis zum Ende
des Krieges auf den blutigen Schlachtfeldern ber Champagne. Ende September 1918 führte er feine Armee unter dauernden Gefechten über bie Maas und nach dem Waffenstillstand über den Rhein zurück.
Am 18. Januar 1919 nahm er ben Abschied und lebte zunächst in Münster i. W., siedelte aber bann Anfang 1930 nach Mülheim (Ruhr) über. Im ver- gangenen Jahre erschien aus seiner Feder „Erinne- rflngen eines Soldaten" im Verlag K. F. Koehler in Leipzig, ein Buch, bas wichtige Beiträge über bie Geschichte ber wilhelminischen Aera und des Weltkrieges, besonders ber Marneschlacht, enthält.
Der Reichsberusswettkamps verdient tatkräftige MerMimg
Ein Aufruf an die deutsche Wirtschaft.
Berlin, 6. April (DNB.) Der Reichswirtschafts, minifter unb ber Reichsarbeitsminister erlassen anläßlich des bevorstehenden Berufswettkampfes nachfolgenden Aufruf an die deutsche Wirtschaft:
Der von ber Deutschen Arbeitsfront und ber Reichsjugendführung in der Zeit vom 9. bis 15. April 1934 veranstaltete Reichsberufswettkampf ber deutschen Jugend verdient, mit allen Kräf- ten unterstützt zu werden. Von der beruflichen Ertüchtigung des Nachwuchses hängt im wesentlichen der Erfolg unseres Kampfes um ben Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft ab. Gerade durch diesen Berufswettkampf wird die deutsche Jugend mit besonderem Nachdruck auf di e B e - deutung guter fachlicher Ausbildung hingewiesen. Daraus werden der deutschen Wirtschaft unmittelbar und mittelbar ideelle und materielle Vorteile erwachsen. Deshalb erscheint es nicht unbillig, wenn auch die deutsche Wirtschaft zu ihrem Teile an der erfolgreichen Durchführung bes Reichsberufswettkampfes mit« hilft. Cs wird erwartet, daß den Teilnehmern des Berufswettkampfes bie hierzu notwendige Freizeit gewährt wird. Soweit dadurch Lohnausfälle eintreten sollten, ist Gelegenheit zu bieten, daß bie ausgefallene Arbeitsleistung z u einer anderen Zeit nachgeholt werden kann.
Oie Mitwirkung Jugendlicher bei Giraßensammlungen.
Berlin, 6. April (DNB.) Der Reichsminister drs Innern hat die Zulassung von Jugendlichen für Straßensammlungen im Reich mit Wirkung vom 1. Mai 1934 einheitlich geregelt. Danach dürfen auf Antrag bei den zuständigen Be- Hörden uniformierte Mitglieder ber Hitler-Jugend einschließlich des I u n g v o l » k e s unb bes Bundes Deutscher Mädel im Alter von 10 bis 1 8 Iahren auf ben Straßen für die Hitler-Jugend oder für andere Organisationen an bestimmten Tagen Geld sammeln, Postkarten unb ähnliche Werbemittel verkaufen. Die Sammler müssen mindestens zu zweien angesetzt werden. Die gleiche Vergünstigung erhalten die uniformierten Jugendlichen bes VDA. und der bem Reichssportführer unterstellten Sportverbänbe. Dagegen ist nichtuniformierten Jugendlichen unter 18 Jahren bie Erlaubnis, auf ben Straßen zu sammlen, zu versagen. Nicht zulässig ist ferner für Jugendliche zwischen 10 unb 18 Jahren bas Sammeln in Häusern und in Lokalen wegen der für die Jugend hiermit verbundenen sittlichen unb körperlichen Gefahren. M i t Eintritt ber Dunkelheit müssen die Straßensammlungen abgebrochen werden.
Außerdem hat ber Reichsminister bes Innern, ber sich wieberholt gegen je de Ueberbean- spruchung Jugendlicher gewendet hat, bestimmt, daß' Jugendliche nicht mehr als an einem Tage im Monat zu Geldsammlungen herangezogen werden dürfen.
Gemeinsame Arbeitstagung von Arbeitsfront und Wirtschaftsführung.
Berlin, 6. April. (DNB.) Der Stabsleiter der PO. und Führer der Deutschen Arbeitsfront Dr. Robert Ley hat Arbeitsfront und Wirtschaftsführung zu einer Arbeit s tagung eingel oben, bie am 10. April in Berlin im großen Sitzungssaal ber Arbeitsbank ftattfinben wirb. Der Zweck biefer Arbeitstagung ist die Schaffung der Grundlagen für bie gemeinsame Arbeit aller für bie Sachen- unb Menschenführung in Wirtschaft unb Arbeitsfront verantwortlichen Gruppen unb Persönlichkeiten. Für die Tagung sind Einladungen ergangen an die Führer Der Wirtschaft, die Hauptwirtschaftsgruppenführer, die Treuhänder der Arbeit, die Bezirksbeauftragten für wirtschaftliche Fragen, die Amtsleiter der DAF., bie Reichsbetriebsgruppenleiter, den Amtsleiter ber ^^BO. ben Amtsleiter ber NS.-Hago, die Bezirks- leiter der DAF., den Amtsleiter für ständischen ^uiuau, bie Bezirksbeauftragten für ständischen Aufbau, den Amtsleiter für Beamtenfragen, den Amtsleiter für Kriegsopferversorgung unb an den Amtsleiter des Aerztebundes.
Oie Betriebsführer in die Arbeitsfront.
Berlin, 6. April. (DNB.) In einem Aufruf des Bresse- und Propagandaamts ber NSBO. und Deutschen Arbeitsfront heißt es: Das Fundament ber Arbeitsfront ist hie Betriebsgemein- schäft aus Arbeitern, Angestellten und Unternehmern. Um diese Grundlage zu schaffen, ist es nötig, daß jeder deutsche Unternehmer seinen Beitritt zur Deutschen Arbeitsfront erklärt. Die Aufnahmesperre zur Arbeitsfront ist bis zum 1. M a i aufgehoben, um jo jedem Volksgenossen die Möglichkeit zu geben, sich in die Deutsche Arbeitsfront einzureihen. Die Parole lautet: Jeder Betriebsführer bis zum 1. Mai Mitglied der Arbeitsfront!
Befreiung vom Oiensthalbjahr 4934 für die Studierenden der Hochschulen für Lehrerbildung.
Berlin, 6. April. (DNB.) Die Reichsführung der Deutschen Studentenschaft plant, diejenigen Abiturienten und Abiturientinnen 1934 von der 2lb- leiftung des Diensthalbjahres zu befreien, die die Hochschulreife erhalten haben und an einer preußischen Hochschule für Lehrerbildung im Sommersemester 1934 das Studium beginnen werden.
Der Staat bedarf gegenwärtig zur Erziehung der deutschen Jugend in kürzester Zeit eines nationalsozialistischen Lehrernachwuchses. Die Deutsche Studentenschaft behält sich vor, die befreiten Abiturienten und Abiturientinnen später einzuziehen.


