»Gießener Konzertverein.
II. Symphonie-Konzert.
Ainchim Raff, der während der Weimarer Tätiget won Franz Liszt einige Zeit dessen Privat. Mr gewesen war, stellte in einem Briefe fest, Ls..,Lifzt auf dem Klavier das Orchester und im »Wer Klavier spiele." Daß der große Klavier- Wr sich eine Reihe von Orchesterwerken für den N!rrtvvrtrag auf dem Klavier eingerichtet hatte, ist e!ii nt Seine vielseitige Ausdrucksfähigkeit und aiiigkeit auf dem Tasteninstrument mußte ihn da- ?: noch eines Tages der Orchesterkomposition zu- .irm. „Die Stunde kommt vielleicht nur zu früh, lut ich mich selbst verliere, indem ich einem un>
a«k^7ren unfaßbaren Schattenbilde nachjage." (1873) T l Beziehung des schaffenden und des nachschasfen- di ü Künstlers in Liszt erkennt am klarsten Richard B iacin e r : „So gelten mir deine Orchesterwerke jetzt gjlklt.'am als eine Monumentalisierung deiner per- si riiyen Kunst."
ir
je: enge Anschluß an eine anregende Grundidee UMt bei Liszt notwendigerweise zu einer Ab- nmirhmg von der überlieferten klassischen Syrnpho- ni'chrm führen. Während diese vornehmlich rein nirsimlischen Gesetzen folgte, stellt Liszt mit musi- ti »icnen Mitteln Lebensvorgänge in ihrer Diel« fc M°n Entwicklungs- und Erscheinungsform dar, in nhr er den musikalischen Verlauf, deren Ab- tfkiiumg in engem Anschluß folgen läßt. So gleicht fl »r Form also der musikalischen Ausdeutung eines Lteri-sprozesses.
schloß sich dabei auch dann streng an die di iberische Vorlage an, soweit diese ihm zusagte; sawi aber gestaltete er selber als Dichter den Stoff mir, ms er seiner inneren Natur gemäß erschien. 2tfc -er zur Feier des 100. Geburtstages von G^eirhs in Weimar feinen »Tajjo" fchreibt, da
&-;t5 musikalische Begabung war dauernd außer- _j lsl!rilrschen, poetischen Momenten verhaftet. Es wnchrn nur dann möglich, seinem tiefgehenden Ge- fr Reichtum bleibende Formung zu geben, wenn it|r rgendeine dichterische Anregung, sei es als dich- tsirsc-e Gestalt, sei es als ein Begriff, der fein tiefstes Menschentum erregte, oder als Werk bildender iMf zur Hilfe kam. Erst damit war ihm die Fähig- k'N! gegeben, das innerste Wesen des Erlebten im d Erringenden Lichte der Musik zu erfassen. (Aus o|We: Tatsache heraus erscheint es verständlich, daß Lnitials Klavierspieler sich nicht an der reichen Ori-
iteratur begnügen ließ, sondern gern Lieder, ja 9» Piz Liederzyklen für das Klavier bearbeitete.)
folgt er nicht, wie es gegeben gewesen wäre, der Goetheschen Dichtung, sondern B y r on , der sich ebenfalls des Tafso angenommen hatte, „übte einen vorherrschend bestimmenden Einfluß auf unsere Gestaltung dieses Gegenstandes". Klage und Triumph des Dichters find die Angelpunkte des Werkes geworden und zum leitenden musikalischen Grundmotiv erwählte Liszt den Gesang der Lagunenschiffer, den er noch selber in Venedig gehört hatte: Verse aus der „Befreiung Jerusalems" von Torquato Tasso. Diese schwermütige Weise begleitet das Schicksal des Titelhelden; so erscheint dieses Werk als eine großartig angelegte Variation, für das dann später Liszt selber den Namen „symphonische Dichtung" prägte.
In ähnlicher Weise verfuhr Franz Liszt bei der Abfassung des Totentanzes, den er nach Orcagnas Triumph des Todes am Campo Santo in Pisa schon 1838 geplant hatte. Hier wird das alte „Dies irae" zum immer wiederkehrenden Leitgedanken einer scharf kontrastierenden Entwicklungsreihe.
Dieselbe Zeit, in der Liszts symphonische Dichtungen entstanden, veranlaßte auch Richard Wagner, einer Anregung Franz Liszts folgend, zur Ueberarbeitung eines Werkes aus seinem schicksalsschweren Pariser Aufenthalt: „Eine Faust- Ouvertüre". Unter dem nachhaltenden Eindruck der Aufführung von Beethovens Neunter Symphonie erfaßt Richard Wagner „eine innige Sehnsucht, gerade jetzt, wo das Elend seiner Lage in Paris ihm immer klarer bewußt wurde und er tiefinnerlich an jedem Erfolg auf dem betretenen Wege verzweifelte, etwas zu schaffen, was ihm ebenso innerliche Genugtuung geben sollte. So entwarf er eine Ouvertüre zu „Faust". Sie gibt ein Abbild der schweren seelischen Kämpfe des Meisters, der sich „aus seinem tiefunbefriedigten Innern gegen die ro’?erlid)e Rückwirkung einer äußeren künstlerifchen Tätigkeit stemmt". Auf Grund eines Schreibens an Liszt trug sich Richard Wagner mit dem Gedanken, diesem durch „Faust" angeregten Werk den Untertitel „ein Tongedicht für Orchester" zu geben.
Das Gefühl der wiedergewonnenen deutschen Heimat läßt Richard Wagners „M e i st e r s i n g e r" zur Ausführung kommen. Das Vorspiel erwuchs aus dem überwältigenden Erleben der deutschen Landschaft. „Bei einem schönen Sonnenuntergang, welcher mich von dem Balkon meiner Wohnung aus den prachtvollen Anblick des ,goldenen' Mainz mit dem vor ihm dahinströmenden majestätischen Rhein in verklärender Beleuchtung betrachten ließ, trat auch plötzlich das Vorspiel zu meinen Meistersingern nah und deutlich wieder vor die Seele".
Dieses Vorspiel, vielleicht mit bas beredteste Zeugnis deutschen Musikstils, legte Obermusikmeister Ernst K r a u ß e breit an, mit weitem Atem ausgesponnen. Er war besonders bemüht um die thematische Klarheit, zumal im Schlußteil mit der lieber- bauung der Themen. Den lyrischen Eoisoden gab er mit feinem Empfinden nach und verstand es anderseits, eine grandiose Klangpracht in den Bläsern zu entfalten. Nur einige Uebergänge hätten vielleicht noch der glättenden Hand bedurft; der plötzliche Programmwechsel mag daran Schuld tragen.
Erich Flinsch zeigte sich mit der Durchführung des Flügelparts im „Totentanz" von Liszt als ein versierter Pianist, der über ein hohes Maß technischen Könnens verfügt. Die Kadenzen gestaltete er zwar dynamisch abweichend von der Partitur; jedoch mit durchaus berechtigtem persönlichem Zuge. Ein stellenweise noch mehr intensivierter klanglicher Ausgleich zwischen Thema und Fiaurierung wäre zuträglich gewesen. Größte Sorgfalt, verbunden mit feinem musikalischem Empfinden, legte er auf die verweilenden Momente; da zeigte er bewunderungswürdige Gelöstheit des Klanges; besonders an der Stelle des überaus empfindungsvoll geblasenen Klarinettensolos. Solist und begleitendes Orchester arbeiteten geschlossen im engsten Einvernehmen, und so wurde dem Werk eine Wiedergabe zuteil, die schlechthin ergreifen mußte.
Der zweite Teil des Programms ließ Obermusik- meifter Krauße im Lichte seiner Dirigentenfähigkeiten erkennen. Die grübelnd gebärende Einleitung zur Faust-Ouvertüre warf ihr Reflexlicht auf die kommenden Ausführungen. Die Themen waren klar profiliert; die Steigerung vor der Generalpause war groß herausgestellt. Die Holzbläser bewiesen klangliche Geschlossenheit und Weichheit. Nur dem auf- steigenden Gang der ersten Violinen wäre breitere Dehnung angemessen gewesen.
In Liszts „Dass o" waren die strepitoso=6tetten mit scharfem Akzent betont, aufwallend in Leidenschaft. Von ganz besonderem Eindruck war die (Einführung des Themas durch die Baßklarinette. Im Allegretto (quasi Menuetto) hätte eine leichtere, graziöse Beschwingtheit den Charakter dieses anmutigen Satzes ausgeprägt. Zu schillerndem Klangprunk erhob sich der letzte Satz mit feiner triumphalen Coda.
Der Kontakt zwischen Publikum und Konzertgeber war schon nach dem Meistersinger-Vorspiel gefunden; die Hervorrufe nach den einzelnen Werken waren der Ausdruck dankender, zustimmender Anerkennung.
Dr. H.
Ur. 285 Zweiter Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Dberhefsen)
Donnerstag, 6. Dezember 1934
Programm für den Tag der „Aaiionalen SolidaniÄ" am 8. Dezember. Oer Weg nach oben wird ein Weg des Opfems sein.
15 l!U)r: sämtliche Sammler sind im LafL Leib angetreten. Das gilt auch für diejenigen, die in der presse nicht aufgezählt wurden, aber eine besondere Aufforderung inzwischen erhalten haben.
fSibis 15.30 Ahr: verteilen der Sammelbüchsen und der Abzeichen.
15.00 Uhr: Feierliche Eröffnung des Sammelwerkes durch den Kreisleiter.
16 Ss 16.45 Uhr: Konzert des Stadttheaterorchesters «vor dem Stadttheater. Ls sammeln der 3nfen- idant und die Künstler des Stadttheaters, ferner die übrigen Sammler, soweit sie keinen Sonderauftrag erhalten.
17 !'is 17.30 Uhr: Konzert der SA. - Standartenkapelle auf dem Kreuzplah.
!7D bis 18 Uhr: Konzert der SA. - Standarten- l fapeUe beim Cafe Heiller. Es sammeln die SA.-Führer und die übrigen Sammler soweit !sie keinen anderen Auftrag erhalten.
ISJd bis 19.15 Uhr: Große Serenade mit Fackeln tauf dem Oswaldsgarten, ausgeführl vom 2Uu- Isikkorps der Gießener Reichswehr unter Bereinigung des Offizierkorps. 150 Soldaten aus den lhiesigen Teilen des Reichsheeres fingen. Diese Weranstaltung wird auf den Reichssender Frankfurt übertragen. Alle Sammler sind anwesend.
Dllhr: Große Kundgebungen der 4 Gießener Ortsgruppen zum Tag der „nationalen Solidarität".
LasL Leib Gießen-Nord.
Es spricht der Führer der SS.-Standarte 83, pg. Zakober. Kampfliederabend und Konzert der SA.-Standartenkapelle.
Univerfitälsaula Giehen-2Nitle.
Es spricht der Rektor der Landesuniversität Prof, pfahler. Konzert der Kapelle des Gieße- ner Marinesturmbannes, unter Mitwirkung des Vauerschen Gesangvereins.
3 m Kameradschaftshaus der Studentenschaft am Leihgesterner weg Gießen-Süd.
Es spricht der SA.-Standartenführer Lutter. 3m Programm: Ernstes und heiteres aus dem Leben des Gießener Kameradschaftshauses, unter Mitwirkung des Singkreises der Studenten. Konzert ausgeführt von Teilen des Musikkorps des 3nf.-Regts. Gießen.
3m Stadttheater Giehen-Osi.
Es spricht der Bannführer der H3. pg. heim. Konzert des Stadttheaterorchesters, Darbietungen einzelner Mitglieder des Stadttheaters.
2 1.30 Uhr spätestens find diese Kundgebungen zu Ende. Anschließend Sammeln in der Stabt.
heil Hitler!
Schmelz, Kreispropagandaleiter.
Anstatt zum Tag der nationalen Solidarität.
Erster Appell der Gammler.
(?stenr abend fand im Saale des Cafs Leib ein Hp?U der Sammler für das große Hilfswerk am X|t|g e der Nationalen Solidarität, am l »nnenden Samstag, statt. Kreispropagandaleiter (> tum e 13 nahm zunächst eine zahlenmäßige Fest- i telnng der Sammler aus den verschiedensten Grup- j ei vor. Hierauf machte er aufschlußreiche Mit- tnlmgen über den Aktiv ns plan für dieses GaitnelroerE. Von allgemeinem Interesse find fol- (|ens? Angaben:
C wird ein Abzeichen an die Spender verab- mcht, das die Beisteuer zu dem Hilfswerk befindet. Dabei wird aber erwartet, daß alle bie-
jr igen, bie wirtschaftlich in entsprechenben
vnhättnisfen leben, sich nicht mit einem Abzeichen begnügen, fonbern burch wieberholle Snenben ihre Bereitwilligkeit zum Opfern behüben. Es wirb natürlich ganz auf ben Einzel- JaH ankommen, aber es wirb erwartet, baß ie'eermann voll unb ganz feine Schulbigkeit tut.
9 c
§
ttn Samstagnachmittag wird bei der Deranstal- tue vor dem Stadttheater das gesamte Merpersonal, mit Ausnahme des Orchesters, nein, ferner werden sich an dieser Sammlung t shitler-Jugend und das Jungvolk beteiligen, ac Schluß dieser Veranstaltung wird die Hitler- iig-nb in der Ludwigstraße, das Jungvolk in der mraUee je eine Haussammlung durchführen.
Znr Musikzug der SA.-Standarte 116 wird von 11:8 :i s 18.30 Uhr am Kreuzplatz und von 18.30 filL.s.19 Uhr am Caf 6 Hettler konzertieren. Bei t Mm Gelegenheiten werden die Führer der SA. oiusoen Konzertplätzen, ferner im Seltersweg und i 1 Wen dortigen Geschäften, sowie in den Straßen i:eths des Selterswegs bis zur Bahnhofstraße,
aber mit Ausnahme der letzteren, in Straßen- und Haussammlungen für das Winterhilfswerk tätig fein.
Das Musikkorps unserer Reichswehrgarnison wird um 18 Uhr mit einer Ehrenkompanie von der Kaserne abmarschieren und sich zum Oswalds- garten begeben, wo von 18.15 bis 19.15 Uhr eine Serenade ftattfinben wird. 150 Soldaten werden dort auch durch Gesänge erfreuen. Das Offizierkorps wird dieser Veranstaltung beiwohnen. An diesem Platze werden der Kreisleiter, die Mitglieder der Kreisleitung, die SS.- und die höheren SA.-Führer, der Rektor, der Senat und die Dekane der Universität sammeln.
Reben diesen Veranstaltungen unb Sammlungen werben in allen Straßen der Stabt noch Haussammlungen burchgeführt, bamit jeber Volksgenosse seine Opferspenbe für bas gute Derk beisteuern kann. Es wirb erwartet, baß auch bei blefer hausfammlung In großzügiger Weife bie Opferfreube für bas Hilfswerk zum Ausbruck kommt.
Am Abend finden folgende große Kun da e - düngen statt: Ortsgruppe Gießen-Nord im Caf6 Leib, Gießen-Mitte in der Neuen Aula, Gießen-Süd im Kameradschaftshaus der Studentenschaft (Studentenheim), Gießen-Ost im Stadttheater. Alle diese Veranstaltungen müssen bis 21.30 Uhr beendet sein. Anschließend wird noch einmal eine Spendensammlung in den Straßen der Stadt, ferner noch in sämtlichen Lokalen durchgeführt werden.
Am Bahnhof und im Lichtspielhaus werden gleichfalls Sammlungen veranstaltet.
Die Sammelleitung hegt die Hoffnung, daß alle Volksgenossen in reichlicher Weise spenden werden, damit jeder Sammler seine Sammelbüchse beizeiten voll hat und sie gegen eine weitere Büchse umtauschen kann. Der Umtausch der Büchsen soll im Caf6 Leib ftattfinben. Damit die Sammler bei diesem Umtausch von ihren Standorten aus rasch zum Caf6 Leib und wieder zurück zu ihrem Revier kommen können, wird die Straßenbahn für diesen Zweck den Sammlern freie Fahrt einräumen.
Ein preis für bie Abzeichen ist nicht festgelegt, es wirb aber erwartet, bah jebermann sich hinsichtlich ber Minbeslgrenze in ber richtigen weise selbst einschäht unb bie nach obenhin in keiner Weife begrenzte Opfermöglichkeit recht well faßt.
Die Sammlung wird um 24 Uhr abgeschlossen. Anschließend werden die Sammelbüchsen im Saal des Cas6 Leib abgeliefert.
Oie Opferpflicht aller Volksgenossen wurde am Schlüsse des Appells von Kreispropagandaleiter Schmelz und von dem stellvertretenden Kreisleiter Hopfenmüller in kurzen Ansprachen eindrucksvoll betont. Beide Redner wiesen dabei auf die große Not hin, in der sich noch viele Volksgenossen befinden, und stellten
die Verpflichtung zu wirksamer Hilfeleistung als Ausdruck der echten Volksgemeinschaft, aber auch als Kundgebung der nationalen Geschlossenheit im Hinblick auf das Ausland
wirkungsvoll in den Vordergrund. Hierauf schloß der stellv. Kreisleiter Hopfenmüller den Appell mit dreimaligen, von der großen Versammlung begeifert aufgenommenen Sieg-Heil-Rufen auf den Führer und Volkskanzler Adolf Hitler. Gemeinsam wurde dann der erste Vers des Horst-Wessel» Liedes gesungen.
Aus Oer Provinzialhauptstadt.
Gießener Einzelhändler werben!
Im Weihnachtsmonat erweist sich das Schaufenster des Einzelhändlers von besonderer Anziehungskraft. Die Kauflustigen empfangen hier unzählige Anregungen, die ihrer Wahl und ihren Kaufneigungen sehr oft erst Ziel und Richtung geben. Diese Tatsache tritt besonders wirksam in die Erscheinung, wenn die Auslagen im Fenster, wie auch die Ausstattung im Laden Geschmack und künstlerisches Empfinden verraten. Man braucht nur einen Gang durch die Geschäftsstraßen der Stadt zu unternehmen, um zu erkennen, mit welcher Liebe und mit welchem reichen Aufwand der Gießener Einzelhandel um den Weihnachtskunden wirbt. Die künstlerische Ausstattung des Ladengeschäfts wird hier in einer so verfeinerten Form gepflegt, daß sie die lebensfrohe Zeit des Rokoko bei weitem übertrifft, wie sie in der Bilddarftellung ihren Ausdruck findet auf der heutigen Sonderseite mit Anzeigen vertrauenswürdiger Unternehmungen des Gießener Einzelhandels. Heute hat eben jeoer Käufer den berechtigten Anspruch auf höchste Leistung. Dem trägt der Einzelhändler Rechnung. Deshalb:
Wahre deinen Vorteil, kaufe beim Einzelhändler!
Molmstag.
Freunde und Glück, Überraschungen und Ge- schenke erhellen die Tage der Kinder. Wir wollen ihnen nichts davon rauben. Wir lassen wieder den Nikolaus zu ihnen kommen. Gerade den Nikolaus! Denn er ist es vor allem, der Freude und Ab- weselung in diese erwartungsvollen Tage bringt. Der Nikolaus lüftet ein wenig den Vorhang, hinter dem die Weihnachtsherrlichkeit verborgen liegt.
Die Tage find nebelig und regnerisch. Die Kinder sitzen im Zimmer und denken an die Weihnachtstage. Wenn sie aber auf die Straße kommen, sehen sie in den Schaufenstern die ausgestellten Spielsachen und Geschenke. Ihr ganzes Denken kreist in diesen Tagen um diese Freuden. Eine gläubige Hoffnung leuchtet aus ihren Augen.
Und wie angenehm gruselig ist es dann, wenn die Kameraden fragen: War der Nikolaus voriges Jahr auch bei euch? Da erscheint er wieder plötzlich vor ihrem Geiste. Natürlich war er da! Und welchen Lärm hat er gemacht! Aber Geschenke hat er doch dagelassen.
Gerade in der Mischung von äußerer Rauhheit und der inneren Güte liegt der Hauptreiz beim Nikolaus. Im Dämmerlicht des Zimmers wird die äußere Erscheinung des langbärtigen, im tiefsten Basse sprechende Weihnachtskünders ja doch sehr ge- mildert. Er kann schon recht derb auf der Treppe und an der Türe poltern. Das erhöht nur das wonnige Gruseln. Freilich soll er auch kein Kinderschreck sein. Bei allem Gruseln und Herzklopfen sollen ihn die Kinder doch gern haben.
Bei älteren Kindern kommt natürlich eines Tages die leise Zweifelsfrage: War das nicht der Onkel Karl? Oder war es der Vater? Die Stimme kam ihnen so bekannt vor! Dann freilich lösen wir das Rätsel, aber auf eine Art, daß sich auch hierbei das Kind noch freut. Als „Narretei" oder „Dummheiten" darf man den Nikolaus niemals abtun. Für unsere Kinder ist es eine ganz ernsthafte Sache, und wenn die älteren den Zusammenhang kennen, dann sagen wir ihnen, daß sie ihre kleinen Geschwister bei ihrem Glauben lassen sollen. Dieses Geheimnis au wahren, fällt allen älteren Kindern leicht. Sie fühlen sich bann schon ein bißchen erwachsen und sind stolz darauf.
Wer seinen Kindern eine Freude bereiten und ihnen ein Stück Märchenwelt in der Weihnachtszeit lebendig machen will, der soll den Nikolaus bestellen. In bie Häuser, in die er seither immer einkehrte, kommt er sowieso. Aber es gibt auch noch kinderreiche Familien, bei denen er bisher nicht mit seinem Sack und der Rute vorsprach. Schicken wir ihn, eingedenk unserer Winterhilfe-Opferpflicht, auch einmal dorthin!
Er soll als Vorbote des Weihnachtsfestes fein und wird sicher von allen Kindern mit großer Freunds begrüßt werden.
Offenhaltung der Ladengeschäfte an den nächsten drei Sonntagen.
Die Ladengeschäfte in Gießen werden an den nächsten drei Sonntagen, 9., 16. und 23. Dezember, von 14 bis 19 Uhr für den Geschäftsverkehr geöffnet sein.
Amt für Volkswohlfahrt, Ortsgruppe Gießen-Süd.
Die Pfundsammlung in der Ortsgruppe Gießen- Süd wird am Donnerstag, 6. Dezember, von der Frauenschaft burchgeführt.
Die Hausfrauen werden gebeten, die Pakete bereit- zustellen unb auf den Umhüllungen Gewicht und Inhalt zu verzeichnen, da für jede Spende eine Quittung erteilt wird.
Amt für Volkswohlfahrt, Gießen-Ilord.
Die von der Ortsgruppe Gießen-Nord verausgabten Kohlengutfcheine
sind von den Kohlenhändlern bis spätestens Freitag, 7. Dezember, auf unserer Geschäftsstelle, Walltor. straße 16, gegen Empfang von Wertquittungen vorzulegen.
Verspätet eingereichte Gutscheine werden nicht mehr berücksichtigt.
Deutsche Arbeitsfront.
RS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude".
Wintersport bei „Kraft durch Freude".
In Verbindung mit dem Amt für Reisen, Wandern und Urlaub veranstaltet bas Sportamt Frankfurt a. M. ber NS.-Gemeinschaft „Kraft burch
Drei Nationen greifen das Grönlandeis an.
In diesem Sommer Haden drei Expeditionen, eine englische, eine französische und eine italienische, einen Vorstoß in bas unbfannte Innere Grönlands unternommen» das sich inmitten der Gebirgszüge an den Küsten in unübersehbarer Weite wie eine gigantische Eiswüste erstreckt. Die französische und die italienische Gruppe versuchten den Angriff von Osten aus; beide aber mußten ihr Vorhaben wegen der schwierigen Eisverhältnisse und der Ungunst des Wetters aufgeben. Die Franzosen standen unter Leitung von Dr. Paul Victor. Nachdem man bas Packeis nicht überroinben konnte, hat sich bie Forschergesellschaft in Angmagssalik niebergelaffen, wo sie ben ganzen Winter mit Vorbereitungen zur Wie» berholung ihres kühnen Unternehmens im nächsten Jahr verbringen wirb. Die italienische Expebition unter Führung von Graf B o n z i begann ben Aufstieg von Kap Brewster am 22. August b. I., wäh- renb ihr Schiff „Njall" bort bis zur Rückkehr warten sollte. Zu ihrem größten Entsetzen fanben sie von ihm aber keine Spur, als sie am 29. August nach vergeblichem Bemühen ihre Ausgangsstelle wieder erreicht hatten. Das Schiff war von Eis ein- geschlossen unb abgetrieben worben. Erst nach elf Tagen aufreibenber Wartezeit in Schneestürmen und grimmiger Kälte, während der die Forscher mit ganz geringen Lebensrnitteln auskommen mußten, gelang es der „Njall", sich vom Eis zu befreien und zu der harrenden Expedition zu stoßen.
Glücklicher war jedoch die englische Gruppe unter Leutnant Martin L i n d s a y, die sich inzwischen nach dem erfolgreichen Verlauf ihrer Grönlandreise wieder nach Aberdeen eingeschifft hat. Zum Unterschied von den Franzosen und Italienern wählte Lindsay mit seinen Begleitern den Weg von Westen nach Osten, und es gelang ihnen, die Insel in ihrer ganzen Breite zu durchqueren und das gesteckte Ziel an der Ostküste Grönlands zu erreichen. Die Expedition legte mit ihren Hundeschlitten, die besonders sorgfältig zusammengestellt waren, eine Strecke von insgesamt 1800 Kilometern zurück, von der allein fast 1700 Kilometer ohne jedes Depot bewältigt wurden. Die Ergebnisse dieser Unternehmung werden der Oefsentlichkeit demnächst unterbreitet werden. Zum Vergleich mag angeführt werden, daß Nansens berühmte Durchquerung Grönlands von Gylden- lövefjord an ber Oftküste nach Gobhaat an der West- lüste im Jahre 1888 viel weiter südlich an einet bedeutend schmaleren Stelle erfolgte, die nur Ü60 Kilometer breit war.


