Nr. 260 Drittes Blatt
Gtehener Anzeiger (General-Anzeiger für Vderheffen)
Dienstag, 6. November (934
Aus der Provinzialhauptstadt.
Oie Reueinstellung von Jugendlichen unter 25 Jahren.
Vom Arbeitsamt Gießen wird uns getrieben:
Es ist anscheinend in den Kreisen der Unternehmer und Betriebsführer noch nicht genügend bekannt, daß seit dem 1. September 1934 jede Neu- Einstellung und Neubeschäftigung von Jugendlichen beiderlei Geschlechts unter 25 ! Jahren der ausdrücklichen vorherigen schriftlichen Zustimmung des zustän- iDigen Arbeitsamts bedarf. Diese Zustimmung ist, was vielfach übersehen wird, auch bei Einstellung von alten Kämpfern oder von Inhabern von Arbeitspässen oder Landhelferbriefen erforderlich. Das Gleiche gilt für eine vorübergehende Beschäftigung von Jugendlichen unter 25 Jahren. Der Führer des Betriebes hat die Zustimmung bei dem Arbeitsamt nachzusuchen.
Der Antrag auf Zustimmung ist bei dem Arbeitsamt zu stellen, in dessen Bezirk der Betrieb oder Die Betriebsabteilung, die die Einstellung vornehmen wollen, ihren Sitz haben. Der Antrag ist auf u'inetn befonderen Formblatt: „Antrag aus Zustimmung zur Einstellung von Personen unter 25 Zahlen (Ap. 3)" zu stellen. Das Formblatt ist im Han-- i>el erhältlich.
Stellt ein Betriebsführer einen Jugendlichen un- er 25 Jahren ohne die Zustimmung des Arbeitsamts ein, so macht er sich dadurch st r a f b a r und ann nach § 21 Abs. 2 Ziffer 1 der „Anordnung über die Verteilung von Arbeitskräften vom "8. August 1934" mit Geldftrase ober G e - ängnis bis zu drei Monaten bestraft Derben.
Berufung an der Universität.
Von ber Pressestelle ber Universität Gießen wirb ms mitgeteilt:
Professor Dr. Karl 5) u m m e l in Gießen hat (ine Berufung auf ben Lehrstuhl für Geologie und Paläontologie an ber Universität Gießen erhalten. LSZahre im Dienste der Stadt Gießen.
Von ber Direktion der städtischen Elektrizitätswerke wird uns mitgeteilt:
Nachstehende Belegschaftsmitglieder können, wie . ntenstehend angegeben, auf eine 25jährige un- nterbrochene Dienstzeit bei der Stadt Gießen bzw. |*i ber stäbt. Straßenbahn Gießen zurückblicken: Nohr, Heinrich, Hilfsarbeiter, wohnhaft Großen-
Buseck, Oberpsorte 10, ab 8. Oktober 1909 beim Bauamt, ab 2. Oktober 1918 beim Elektrizitätswerk. Merbach, Albert, Kontrolleur, wohnhaft Gießen, Robheimer Straße 34, ab 1. November 1909 bei ber Straßenbahn.
| Becker, Heinrich, Wagenführer, wohnhaft Gießen, Eberstraße 20, ab 2. November 1909 bei ber Straßenbahn.
e i l m a n n, Richarb, Hausmeister, wohnhaft Gießen, Hammstraße 35, ab 4. November 1909 bei ber Straßenbahn.
1 r e u t e r, Heinrich Kontrolleur, wohnhaft Gießen, Hinter ben Schießgärten 24, ab 8. November 1909 bei ber Straßenbahn.
Losch, Lubwig, Wagenführer, wohnhaft Gießen, Lahnstraße 15, ab 8. November 1909 bei ber Straßenbahn.
äener, Peter, Wagenführer, wohnhaft Gießen, Grabenstraße 12, ab 3. November 1909 bei ber Straßenbahn.
Aus parteiamtlichenBekanntmachungen
Wie bie Abteilung Kasse bes NSLB. Kreis hießen bekanntgibt, sinb bie Monatsbeiträge für Nitglieber im Ruhestanb vorn 1. Oktober ab auf
Professor psahler, Rektor der LandesuniverMt.
Von der Pressestelle der Universität Gießen wird uns mitgeteilt:
Der Reichsstatthalter in Hessen hat dem ordentlichen Professor für Pädagogik und Psychologie Dr.
die Hälfte ermäßigt worden. Wenn für Oktober und November der volle Beitrag bereits entrichtet ist, erfolgte für Dezember und Januar die entsprechende Anrechnung. Bis zum 15. November haben bie Kassenwarte eine Liste mit ben Namen ber Ruhestänbler ihres Bezirkes ober ihrer Schulgruppe an bie Abteilung Kasse einzureichen. — Der B e - zirk L i ch bes NSLB. hält am morgigen Mittwoch, 7. November, 15 Uhr, in ber Turnhalle zu Lich eine Tagung ber Arbeitsgemeinschaft Turnen ab, anschließenb finbet bei Glöckner eine Tagung ber Arbeitsgemeinschaft Volksschule unb bie Bezirkskonferenz statt.
Der NSLB. Kreis Friebderg hält am morgigen Mittwoch, 7 November, 15 Uhr, im Hotel Trapp zu Friebderg Kreisversammlung ab.
Deutsche Arbeitsfront.
Verwaltungsstelle 19 Gießen.
Bekanntmachung.
Alle Mitglieber ber früheren Verbänbe, bie ihren Fragebogen bis heute noch nicht ausgefüllt haben, werben hiermit nochmals gebeten, bis 18. b. 2H. (spätestens) benfelben beutlich ausgefüllt an bie Abteilung Kartei, Schanzenstraße 18, abzugeben.
Desgleichen werben auch bork Beiträge entgegengenommen von benjenigen Mitgliebern, bie währenb ber Umorganisation nicht kassiert worben sinb.
Neuanmelbungen finben dortselbst statt.
Reichsberufsgruppen der Angestellten in der OAF.
Beginn ber Lehrgänge:
Kurzschrift für Anfänger: Dienstags unb Freitags um 19.45 Uhr: Kurzschrift für Fortgeschrittene: Dienstags unb Freitags um 20.15 Uhr; Kurzschrift, Rebeschrift: Dienstags und Freitags um 21 Uhr; Maschinenschreiben: Dienstags unb Freitags um
G e r h a r b Pfähler für bas Amtsjahr 1934/35 zum Rektor ber Hessischen Lanbesuniversität ernannt.
*
Professor Pfähler, ber alten schwäbischen Theologen- unb Bauernfamilien entstammt, würbe am 12. August 1897 in Freubenstabt im Schwarz- walb geboren. Ursprünglich war ber neue Rektor Theologe, aber nach bem Kriege würbe er neben seinem Stubium als Neuphilologe Volksschullehrer. Später setzte er sein Stubium in Tübingen roieber fort unb würbe nach seiner Promotion Privatbozent j für Pädagogik unb Psychologie an ber Universität! Tübingen. Dann war Professor Pfähler Professor an ben Hochschulen für Lehrerbilbuna in Rostock, Altona unb Frankfurt a. M. Seine wissenschaftlichen Arbeiten erstrecken sich auf bie Gebiete ber Kinder- unb Jugenbkunbe, ber psychologischen Typologie unb Charakterologie. In neuerer Zeit hat seine Arbeit vor allem bem Ausbau ber in Arbeitsberührung, mit Ernst Kretschmer von Oswalb Kroh unb ihm; begrünbeten Erbcharakterologie gegolten.
Seit Anfang 1934 hat Prof. Pfähler in Gießen ben Lehrstuhl für Psychologie unb Päbagogik übernommen unb bient hier ber Bildung echten philosophischen Geistes auf ber Grunblage beutscher Weltanschauung unb nationaler Erziehung.
Der neue Rektor, der bem SA.-Sturm 54/R. 116 schon seit längerer Zeit angehört, erfreut sich auch bei seinen Sturmkameraben größter Beliebtheit. Auch für bie Gießener Studentenschaft ist Professor Pfähler kein Unbekannter mehr, denn seit einiger Zeit schon steht er im engsten Konnex mit ber Führung ber Gießener Stubentenschaft.
19.30 Uhr; Engi. Hanbelskorresponbenz: Mittwochs um 20.15 Uhr; Buchführung: Freitags um 20.30 Uhr; Textilwarenkunbe Dienstags um 20.30 Uhr; Gewerberecht unb Unfallverhütung: Freitags um 20.15 Uhr. Die Lehrgänge in Kurzschrift unb Maschinenschreiben finben im Ortsgruppenheim, Lony- straße 18, statt. Alle anberen Lehrgänge werben in ben Räumen ber Öffentlichen Hanbelslehranstalt, Gießen, Liebigstraße 16, abgehalten.
Elternabend im Jungvolk.
Der Werbeabenb, den am Sonntag das Jungvolk vom Stamme der Welfen im Caf6 Leib abhielt, war ein erneuter Beweis dafür, daß bie Jugenb neue Wege zu gehen weiß. Der Werbeabenb, gleichzeitig ein Elternabenb, unterschieb sich in seiner Form wesentlich von allem bisher Ueblichen. Alles, was ber Abenb brachte, war straffe Zusammenfassung, im Sinne auf bas Wesentliche gerichtet, kaum schmückenbes Beiwerk, sonbem nur Inhalt. Ein klares Wollen kam in Wort unb im Lieb, im Spiel unb im Bilb zum Ausbruck. Dazu kommt, baß bie Führer bie Jungens ganz in ber Hanb haben, so baß bie Auszüge unb Abaänge zeitlich unmittelbar folgen konnten. Es war ferner ein wesentliches Kennzeichen, ein burchaus erfreuliches Merkmal, baß bie Aufmerksamkeit ber Teilnehmer bes Abenbs nicht ftunbenlang in Anspruch genommen würbe, sonbern bas Programm in einer Stunbe abgewickelt war unb ben zahlreichen Zuhörern boch stärkster Einbruck blieb.
Schon ber Auftakt ber Veranstaltung war eine Besonderheit, ein feiner Gebaute. Auf ber Bühne würbe im klaren Schattenriß ein Trommler gezeigt, ber bas Sinnbilb für biefen Abenb barstellte. Gleichzeitig mürbe ein Sprechchor oorgetragen, ber burch Einzelsprecher, bie sich an verschiebenen Stellen im Saale befanben, stark belebt unb zu bramatischer unb interessanter akustischer Wirkung
geführt mürbe. Der Einmarsch ber Fahnen und Wimpel mürbe unter bem Klange von Trommeln unb Fanfaren zum Bekenntnis zur Fahne. Forsch sangen bann bie Jungens bas Lieb „Es zittern bie morschen Knochen", bem, erfreulich unpathetisch, ber Vortrag bes Gebichtes „Wir" folgte. Lieb (,^)er zu uns") unb Gebicht („Jungenkampf") unb noch einmal Lieb („Bergen op Zoom") unb Gebicht („Es gibt ein Wort") sprachen bas Wollen unb ben Geist im Jungvolk aus. Der Stammführer Hasenzahl hielt bann eine kurze Ansprache, in ber er beson- bers bie Eltern herzlich begrüßte unb aufforberte, bie Jungens in bas Jungvolk zu schicken. Die Jugenb ber Gegenmart habe mehr Recht zu leben als jene Jugend, bie einmal nur bas Vergnügen kannte. Das, roas ber Abenb heute bringe, sei geschaffen unb geübt morden in nur menigen Tagen, sei erarbeitet morden. Die Trommeln geben ben Rhythmus an, bie Jugenb marschiere, mirfe im Geiste bes Führers für bas neue Deutschlanb ...
Dann klang roieber ein Fanfarenmarsch auf, von bumpfen Wirbeln ber Lanbsknechtstrvmmeln begleitet. Schließlich würbe bie Bühne zum Zeittheater, auf bem sich ein geistiger Kampf zwischen bem Vergangenen unb bem Werbenben abspielte. Ein Sprechchorspiel von Richarb Euringer brachte unter bem Titel „Schlachtruf ber Jugenb" eine lebhafte geistige Auseinanbersetzung mit bem Bürger, bem Hanbwerker, bem Muskaten, mit bem Schwärmer, beren Stimmen immer roieber übertönt mürben von bem Willen zur Zukunft in ber Jugenb. Der Kanon „Lemar Duob üs Slam" ergänzte bas Spiel unb leitete gleichzeitig auch sinngemäß über zu einem zmeiten Sprechchorspiel, bas in ähnlicher szenischer Fassung aufgeführt mürbe. Jugenb, noch unorganisiert, nur rounschenb, m neuer Form zusammengefaßt zu merben unb sich sehnenb nach einem Sinn ihres Lebens, ftanb auf ber Bühne unb sah sich abroechselnb vor bem politischen Jrrlehrer, vor bem Schroärmer, ber nur auf ben Himmel vermies, vor verschiebenen anberen noch, bie auf bie Jugenb einrebeten, sie gefangen nehmen, ihr ben Weg verbauen mollten, mährenb ben Jungens boch aus ferner Höhe gesagt mar, baß sie ihren Weg unbeirrt im Glauben an bie Zukunft gehen müßten. Schließlich erwachten bie Manen ber Gefallenen bes Weltkrieges unb wiesen ber Jugenb mit Fackelschein in ber Dunkelheit ben Weg. Das Spiel („Ruf von ber Grenze" von Ruparb Rupp) unb ber Abenb klangen aus in bem Lieb ber Hitler-Jugenb: „Vorwärts, vorwärts".
Die Eltern werben aus biefem Abenb nachbenk- lich nach Hause gegangen fein, sicherlich auch in bem Bewußtsein, baß es bem beutschen Volke um seine Jugenb nicht bange zu sein braucht.
Pflichtfortbildung
des Deutschen Dentistenstandes.
Im Rahmen der vom Reichsbentiftenführer Schaeffer eingeführten Pflichtfortbilbung des Deutschen Dentistenstanbes fanb, wie man uns berichtet, am Samstag unb Sonntag in Gießen ber Pflichtfortbilbungskursus bes Schulungsbezirkes Gie- hen bes Reichsverbanbes Deutscher Dentisten statt.
Der D r g a n if a t i o n sle i t e r wies in seiner Begrüßungsansprache barauf hin, baß bie Dentisten als erster Berufsstanb im nationalsozialistischen Deutschlanb mit ber Einführung ber Pflichtfortbil- bung einen völlig neuen Weg beschritten Haden, ber vom Reichsärzteführer unb Leiter bes Sachver- ftänbigenbeirates ber Dolksgefunbheit Dr. Wagner, wie auch von anberen Dienststellen ber Reichsleitung ber NSDAP, anerkannt unb als gerabezu vorbildlich bezeichnet worben ist. Aufgabe ber Pflicht- fortbilbungsturfe ist, ben ganzen Berufsstand geschlossen zur Jbee des Nationalsozialismus zu erziehen, ferner die systematische Weiterbildung der
Nachdruck verboten!
18. Fortsetzung.
iicht, das ganz Abwehr mar.
Ein Glimmen trat in seine Augen. Schön, ver- iiufelt schön mar dies junge Geschöpf mit ben strah- Isnben Augen, bie jetzt in der leichten Erregung beinahe dunkel roaren roie Samt, mit dem schön ge- ichroungenen Munde, der jetzt so abroeisend schmieg — mit dem ganzen Hauch von Reinheit und Uner-
Man durfte die Kleine nicht aus den Augen ver- i-eren — und es war eigentlich schade, daß man hier (d als ein erbarmungsloser Mensch auftreten und He Kleine nebst ihrer Mutter aus der anscheinend |d heißgeliebten Häuslichkeit vertreiben mußte^Aber das liefe sich nun nicht ändern. Kaufte er nicht für ten anderen, so konnten morgen andere Käufer
kommen — und man würde keine Fühlung zu der spröden Kleinen bekommen.
Schließlich, zum Vergnügen boten sie ja auch die Besitzung nicht zum Kauf an.
Studczynski beschloß, mit dem Preise an bie oberste Grenze dessen zu gehen, was ihm bie Vermittlungsfirma genannt hatte. Wenn man sich recht nett unb entgegenkommenb zeigte — wer weiß, ob man bann nicht boch einmal ein bankbares Lächeln auf bem jetzt so hochmütig verschlossenen Gesichtchen zu sehen bekam. Gelegenheit, hier ins Haus zu kommen, mürbe man ja oft genug haben. Er mar schon fest entschlossen, bie Besitzung zu erroerben, noch ehe er sie ganz gesehen. .
Aber, roas sich nun seinen Blicken bot, roar wirklich außergewöhnlich schön. Das roar wirklich ein fürstlicher Besitz, in bem sich Zimmer an Zimmer reihte, viele von Saalesgroße, alle in erlesener Ausstattung. Möbel, Tapeten, bie Ausschmückung ber Wänbe: alles zeigte einen kultivierten, burch Generationen gepflegten Geschmack.
Währenb bie Gesellschaftsräume unten mit einer Einrichtung in allen Stilarten etwas prunkvoll unb feierlich wirkten, waren oben bie Wohn- unb Privatzimmer mobern, behaglich mit allen Einrichtungen eines ganz neuen Hauses. Man sah auf Schritt unb Tritt, mit welcher Liebe bie Herren von Dönitz biefen Besitz ausgebaut hatten. Unb Stubczynski kam eine leise Ahnung, daß die Worte des schönen Mädchens vorhin doch eine gewisse Berechtigung hätten. Erst war es ihm sentimental unb lächerlich erschienen — aber nun überkam ihn boch eine Ahnung, roas ererbter Besitz bebeuten konnte
„Wirklich sehr schön!" meinte er immer roieber, roenn er mit Ebelgarb burch bie Zimmer unb bie Treppen hinauf schritt. „Ich glaube, es ist ganz bas, roa-' ich für ben betreffenben Herrn suche "
„Wollen Sie nicht auch noch bie Wirtschaftsräume ansehen?" fragte Ebelgarb, als sie burch bas ganze Haus gegangen waren. Stubczynski hatte zwar nicht bie geringste Ahnung, roie solche Wirtschaftsräume beschaffen sein mußten. Aber er wollte bas Zusammensein mit bem schönen Mäbchen gern verlängern. War Ebelgarb boch angesichts seines Entzückens über ihr Vaterhaus ein wenig zugänglicher geworden.
Die alte Marie, die an einem Tische in der Riesenküche hantierte, unb ber alte Gärtner sahen ben Fremben mit neugierigen und etwas ängstlichen Augen an.
„Wohl schon lange im Hause?" fragte Stud- czynski halblaut.
Edelgard nickte. „Ja, und ich mache mir um den alten Gärtner Sorge. Die alte Marie, das Mädchen, > können wir vielleicht mitnehmen; aber der alte treue ■ Mann — glauben Sie, daß der neue Besitzer ein । Plätzchen frei haben würde für einen zuverlässigen i Menschen, roie unser alter Wilhelm einer ist?"
Sie standen jetzt draußen auf ber breiten Altane • — mit Entzücken sah Stubczynski auf bas bittende ' Mädchengesicht.
MI UNS Meist?
Vornan von Klothilde v. Stegmann.
„O danke!" Edelgard sah flüchtig auf den Brief nit dem Firmenstempel der Maklerfirma Braun & Cv. Sie roar erleichtert, daß bie Mitteilung mit ben Angaben bes Herrn Stubczynski überein- rimmten.
„Ich hatte eigentlich erwartet, baß bie Firma einen ihrer Beauftragten mitschicken würbe", sagte sie, währenb sie bie Tür zu bem Jagbzimmer öffnete, bas bem Salon benachbart roar.
„Mein Freunb unb Auftraggeber wünschte ausdrücklich, baß ich birekt mit ben Besitzern geeigneter Häuser verhanble. Er meinte, bas wäre für alle Teile angenehmer. Tatsächlich sinb bie Bemühungen ber Vermittler, um jeben Preis ein Geschäft zu- i anbezubringen, für ben Käufer oft etwas ftörenb." I Unb für ben Verkäufer schmerzlich", kam es, hft gegen ihren Willen, von Ebelgarbs Lippen.
„Wieso bas, mein Fräulein?"
Ebelgarb sah ben eleganten bunflen Herrn fast
ünster an: . , , .
„Nun, es ist nicht ganz leicht, ein Haus, in bem man seit langem gewohnt unb gelebt hat, in anbere hänbe gehen zu sehen."
„Deutsche Mentalität!" sagte Herr von Stub- czynski, leicht lächelnb. „Ich bin em Kosmopolit, nein Fräulein, ich kenne keine Binbungen an em haus, nicht einmal an ein ßanb. Wo es mir gut -!eht, da ist meine Heimat. Diesen Grunbsatz sollten Sie auch annehmen, er erleichtert bas ßeben.
Er sah Ebelgarb mit einem werbenben Lächeln n — aber Ebelgarb machte ihr schroffstes, ihr Brinzessinnengesicht, wie bie jungen Kolleginnen im Werk es nannten. . „ , .
„Unsere Grunbsätze sinb boch eben anbere , sagte ie kurz. „Wollen Sie mir bitte folgen!?
Sie hatte ben feinen Kopf etwas steil m den 1 Warfen gebogen, ihre Lippen waren fest geschlossen. Der Mann neben ihr sah auf bas herbe, reine Ge-
roäre bas, Herr Stubczynski?
versteigert würbe.
Aber nun würbe sie boch sehr verlegen, benn bas Gesicht Stubczynskis zeigte einen gerabezu amüsierten Ausbruck.
„Sehr biplomatischEsind Sie ja nicht, mein gnädiges Fräulein! Ein anberer hätte vielleicht die Gelegenheit benutzt, nun tüchtig auf den Preis zu drücken. Aber ich will das nicht tun. Mein Freund und Auftraggeber hat mir freie Hand gelassen; ich finde ben Preis zwar nicht niebrig, aber borf) für ein so schönes Besitztum immerhin angemessen. Wir würben also bereit sein, bas Geforberte zu zahlen. Allerbings eine unangenehme Bedingung müßten wir daran knüpfen."
„Und welche?"
„Und nun bie Frage bes Wohnens, mein gnäbiges Fräulein! Ich sehe ein, von heute auf morgen kön-
Ebelgarb nickte: „Vollkommen leer. Mein verstorbener Bruber hat es kurz vor seinem Tobe voll- ftänbig renovieren lassen. Er mar bamals heimlich verlobt unb wollte es wohl als Wohnsitz für sich unb seine zukünftige Frau einrichten. Dann starb mein Bruber, unb so blieb bas Häuschen stehen."
Summe nannte, schien sie ihr so unwirklich hoch. Am Enbe zerschlug sich ber Kauf baran? Unb sie konnten ja nicht mehr warten. Die Bank hatte gestern roieber gemahnt, nun schon ganz offiziell. Besser, man verkaufte freiwillig, als baß einem das Haus
„Nun, ich will sehen, daß ich mit meiner Fürsprache bei meinem Auftraggeber etwas erreichen kann."
„Oh, wie würbe mich bas beglücken —" Impulsiv streckte Ebelgarb Stubczynski ihre Hanb entgegen.
„Dann tue ich es um so lieber", sagte er be- beutungsooU.
Wieber überkam Ebelgarb ein leises Gefühl ber Abwehr — aber sie schalt sich selbst besroegen. Wenn man so empsinblich roar roie sie, würbe man nicht viel erreichen. Unb so schloß sie mit bem Versuch, sehr liebenswürdig zu sein: „Ich würde Ihnen unendlich dankbar sein — heutzutage ist es für einen alten Hausangestellten fast unmöglich, irgendwo unterzukommen."
„So, und nun, mein gnädiges Fräulein, dürfen wir vielleicht noch einmal hineingehen und über den Preis sprechen?"
Edelgard wurde verlegen. Ach jetzt erst, wo es um Geld, Zahlen und vielleicht Feilschen ging, begriff sie so ganz, daß die geliebte Heimat in andere Hände kommen sollte.
„Vielleicht könnten Sie das besser mit Mutter — ober mit unserem Sachwalter, Justizrat Storm, er-
„Das Haus müßte sofort zwecks notroenbiger Renovationen unb Umänberungen geräumt werben, unb zwar innerhalb einer Woche."
„Innerhalb einer Woche?"
Ebelgarb erschrak nun boch — roie sollte man in so kurzer Frist eine passenbe Wohnung finben, ben Umzug bewerkstelligen? Das war fast unmöglich. Unb vor allem bie Mutter, so schwerfällig war sie jetzt in allem — biese Hast, bieje Aufregung —, es würbe zuviel für sie sein. Unb sie selbst von früh bis abenbs im Betrieb, benn bie Ferien gingen in wenigen Tagen zu Enbe.
„Wenn ich nur wüßte, wie ich es bewerkstellige. Sie sagte es zaghaft. „Wo soll ich so schnell eine Wohnung herbekommen, bie Möbel unterstellen? Wir werben ja nur bas Wenigste mitnehmen können."
„Ich bachte auch, mein gnäbiges Fräulein, baß ich bas Haus mit einem großen Teil des Inventars übernehme, das heißt des Inventars der Gesellschaftsräume. Ich nehme an, baß Sie bafür boch keine Verwenbung haben würben. Der Preis würbe sich ja selbstverstänblich noch erhöhen. Aus ben oberen Zimmern würbe ich Sie bitten, das auszuwählen, roas Sie für Ihren Gebrauch behalten wollen." .
„Da wären wir ja schon einen Schritt weiter.
,e I „Welcher Vorschlag
Ar°r S1"”™ Der Grundriß Ihres Besitztums zeigt jenseits des
”ennÄ ^ !Aar'- aus eme"r kleinen Insel -m° Ar. «aaaNer.
* r " Häuschen. Wenigstens ist es als bas in bem Angebot
Wir würden auch ein wenig h-runtergehen-, der V-rmittlungsfirma bezeichnet. Steht das Haus sagte Ebelgarb hastig. Jetzt, da der Fremde die leer
„Es wäre also sofort beziehbar?"
„Jawohl! Sie meinen?"
Edelgard sah mit ungläubigen Augen auf den vor ihr Sitzenden. Sollte es Wirklichkeit sein? Sollte es eine Möglichkeit geben, daß bie Mutter unb sie noch nicht gleich vertrieben mürben? Sie hatten beibe schon selbst erwogen, bas Kavalierbäuschen zu beziehen, um die teuren Heizungskosten der schloß- artigen Villa zu sparen. Auch war bas Kavalier- Häuschen viel behaglicher, man verlor sich nicht in ber Flucht ber Zimmer. Es roar viel geeigneter für zwei Frauen, die so zurückgezogen lebten roie Mutter unb sie.
(Fortsetzung folgtI)
lebigen?"
Stubczynski lächelte leicht. Wie ängstlich sie bas gesagt hatte, bie Kleine — geschäftsgeroanbt schien sie nicht zu sein. Nun, um so großzügiger mürbe er ihr mit seinem vorbehaltlosen Angebot erscheinen. M„, r.,v ..... --------, -
„Natürlich müssen alle biese geschäftlichen Dinge! nen Sie keine passenbe Wohnung finben. Sie sollen zwischen Ihrem juristischen Sachwalter unb mir bas auch gar nicht übereilen. Ich möchte Ihnen einen besprochen werben; auch ber Kaufvertrag, zu bem Vorschlag machen, muß aber natürlich zunächst noch es, wie ich benfe, ohne Schwierigkeiten kommen die Genehmigung meines Auftraggebers einholen." roirb, muß ja abgeschlossen merben. Nur bamit Sie -.....
Ihrer Frau Mutter schon Positives berichten können,


