Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Dienstag, 6. November 1934
Nr. 260 Zweites Blatt
Das Echo der Simon-Erklärung
Verdrehungslünste der „Times"
Maßnahme
Kommumstenlerror im Saargebiet
1934/35 besonders aktuell.
—r—
auf
Meine erste Bücherei
Von Wilhelm Scharrelmann
behandelt also ...
Frankreichs mit dem Verbot aller Uniformen und Aufmärsche innerhalb der ohnehin entmilitarisierten Zone auf deutscher Seite als paritätische Maßnahmen. Neuerdings, so sagt das Blatt weiter, habe die französische Regierung verlauten lassen, daß die militärischen Pläne für ein schnelles Einrücken in die Saar im Falbe eines Ersuchens der Regierungskommission fertig seien. Bischer seien aber keine Truppen von ihrem normalen Standorte fortbewegt worden. Man hoffe, daß dies auch nicht geschehen werde. Es brauche kaum gesagt
danken, daß dieser Feuerüberfall keine Opfer gefordert hat. Der Polizei gelang es, trotz des Feuerüberfalls die Anhöhe und den anschließenden Wall von den Provokateuren zu säubern, die jetzt ihr Heil in der Flucht suchten. Im übrigen sind die von über 2000 Personen besuchten Versammlungen, in denen Landesleiter Pirro in Landsweiler sprach, in vollkommener Ruhe und Ordnung verlaufen, lieber« all kam die Empörung deutlich zum Ausdruck. Aber allgemein wurde betont, daß sich die Deutsche Front und ihre Mitglieder niemals von ihrer Linie der unbedingten Disziplin abdrängen lassen würden, obwohl die Besucher der Versammlungen der Deutschen Front in der gemeinsten Weise belästigt, angehalten und mit Stahlruten und eisernen Rohren bedroht wurden. Nur der eisernen Disziplin der Mitglieder der Deutschen Front ist es zuzuschreiben,' daß es nicht zu Zusammenstößen kam. „Nieder mit Pirro" usw. ertönten die Sprechchöre des Gesindels. Am Ortseingang von Landsweiler war ein Ueberfall auf den Wagen des Landesleiters Pirro geplant. Zu diesem Zwecke hatten sich verschiedene Kommunisten quer über die Straße gelegt. Ein Wagen kam auch tatsächlich herangebraust und hielt, um die Wegelagerer
daß ich mich, wenn auch nur ein paar Augenblicke lang, in ihnen wieder zu der reinen Einfalt Zurückfände, in der ich sie einst las, noch frei von der lächelnden Ueberlegenheit des Wissens, des Urteils und des Geschmacks, mit der man als Erwachsener liest.
Die erste Erinnerung an ein Buch, die ich habe, geht auf ein illustriertes Märchenbuch zurück, das mir in die Hände geriet, lange vor der Zeit, in der ich das Leben erlernte, so daß ich heute weder seinen Titel noch seinen Inhalt bezeichnen kann, das aber noch immer leuchtend in meiner Erinnerung steht. Es waren Bilder darin, die ein wirklicher Künstler gezeichnet und gemalt haben muß, so farbenschön, seltsam und berückend zugleich waren sie. Zum ersten Male, daß ich in eine Welt hineinblickte, die mit meiner eigenen keine Aehnlichkeit besaß, und die doch für meine Empfindung genau so wirklich und ebenso lebendig war. Der Märchenprinz, der mit fliegendem Mantel einen Hirsch verfolgte, den Hirsch selber, der durch das Dunkel eines Tannenwaldes brach, Knappen und Ritter auf bäumenden Rossen, Lanzen und Schilde, eine Burg auf einem Felsen, zauberhaft in dem klaren Licht des Tages, und die Dämmertiefe des Waldes, atemversetzend und voll von Geheimnissen, erschienen mir ebenso wirklich wie die Welt des Traums, die mich zuweilen bis zu schreckhaftem Aufschrei erfüllte.
Ich habe oft bedauert, daß mir weder dieses Buch noch die anderen, die mich durch die ersten Schuljahre begleiteten, erhalten geblieben sind. Vielleicht ist ihr Inhalt für meine Entwicklung bestimmender gewesen, als ich heute nachweisen könnte. Aber lebendig sind sie immer noch in mir, und in den Traumtiefen der Seele taucht mitunter eine leise Erinnerung an sie wieder in mir auf. Als ich sie las, ahnte ich nichts von der stillen Gewalt, mit der sie mich innerlich formten, und später war es selbstverständlich für mich, daß der Zwölfjährige sie halb mitleidig und halb verächtlich an die Seite schob und zu „höherer" Lektüre griff. Heute wäre ich dankbar dafür, wenn ein Wissender und Klügerer sie für mich im stillen aufgehoben hätte... Nur eins von ihnen, das ich mit sechzehn Jahren las^ hat sich durch einen Zufall erhalten und steht noch heute in meinem Bücherschrank: Nacherzählungen der deutschen Heldensagen, die mir zum erstenmal die Gestalten des Nibelungen- und Gudrunliedes nahebrachten, die Beowulfsage, König Artus und seinen Hof, die Taten Dietrichs von Bern, den Grafen Haimon und Bayard, das starke Roß, das die vier Haimonskinder trug. Es ist em arg zer- lefener Band und dos Papier vergilbt, und hier und da finden sich Sätze wie: „Große Freude und Wonne hatte die Königin mit den werten Gasten
Staatssekretärs anlangt, so muß noch einmal mit allem Nachdruck darauf hingewiesen werden, daß die Beschlüsse des V ö l k e r b u n d s r a t e s vom März 1926, die ohne Mitwirkung Deutschlands zustande gekommen sind, Sinn und Zweck verloren haben, seitdem das Rheinland geräumt ist. Es wäre ungeheuerlich, wenn während der Abstimmungsperiode das
oder: „Die Liebkosungen taten der betrübten Maid wohl" — aber was liegt daran? Sein Eindruck war doch so stark und lebendig, daß er bis in die Träume meiner Knabenzeit hineinwirkte, und die jugendliche Kriemhild der Nibelungen ist wohl die erste Frauengestalt gewesen, die ich liebte. Die anderen Bücher meiner Kindheit sind längst dahin, und meine Erinnerung an sie ist lückenhaft und ohne Linie. Nur an eine biblische Geschichte mit Bildern im Stile Schnorrs von Carolsfeld erinnere ich mich noch, deren Gestalten, am tiefsten die der Passion, einen unauslöschlich tiefen Eindruck in mir hinterließen. Ich sehe mich noch in der Stille eines Karfreitagmorgens auf einer Fußbank in einer Zimmerecke sitzen, das erwähnte Buch auf den Knien.
Neulich auf einer Hochzeit war es rührend, als die Mutter dem überraschten Bräutigam an der Tafel die Erstlingsschuhe überreichte, in denen er die ersten Schritte ins Leben getan hatte und die sie die langen Jahre hindurch im stillen für ihn aufgehoben hatte. Ob aber nicht mit den ersten Büchern, die ein Kind las, tiefere Eindrücke verbunden wären und die Erinnerung an die ersten Schritte in die Welt der Märchen, Sagen und Geschichten beziehungsreicher wäre? Denn das, was eine junge Seele zuerst berührte, lebt unvergänglicher in ihr weiter, als wir selber zuweilen ahnen, und behält in den geheimnisvollen Fundamenten unseres geistigen Lebens einen unverrückbaren und bedeutungsvollen Platz.
Saargebiet unter hie Bajonette einer interessierten Partei, d. h. Frankreichs, gestellt würde. Ein solches Vorgehen könnte weder von der Regierungskommission, noch von dem Völkerbundsrat angeordnet oder verantwortet werden, da dies in krassem Widerspruch zu dem vertraglich verbürgten Recht auf freie und unbeeinflußte Abstimmung stehen würde.
Saarbrücken, 5.Nov. (DNB.) In der Nacht zum Samstag war in L a n d s w e i l e r bei Neunkirchen die kommunistische Gemeinderatsabgeordnete Frau Fuchs bei einem Eifersuchtsstreit von ihren Liebhabern, die sie in ihre Wohnung ausgenommen hatte, derartig verprügelt worden, daß der Arzt ihre Ueberführung in ein Krankenhaus für notwendig erklärte. Bei den Liebhabern handelt es sich um' Emigranten. Diesen vollkommen unpolitischen Vorfall verstanden die kommunistischen Drahtzieher in wahrhaft schamloser Weise mit einer für den gleichen Abend in Landsweiler anberaumten Versammlung der Deutschen Front, auf der Landesleiter Pirro sprechen sollte, in Verbindung zu bringen. Schon am Nachmittag zogen kommuni st ische Pro-vokateure durch die Ortschaft und versuchten auch, sich vor dem Versammlungslokal zu postieren. Mehrere Kommunisten wurden mit Stahlruten und Eisenrohren festgestellt. Die Polizei ging mit dem Gummiknüppel und mit der blanken Waffe gegen die Landfriedensbrecher vor. Aber von einer Anhöhe am Ortsausgang aus wurde ein heftiges Feuer auf die Polizei eröffnet. Nur dem Umstande, daß es bereits stockfinster war, war es zu ver-
den Zeilen — vielmehr sozusagen hinter dem Bild teht. Die sehr reizvolle Landschaft um Dresden herum bietet ihm gerade hierfür geschickt geschnittene, dankbare Motive. Auch die Musik von Pro- essor Clemens Schmalstich gibt der Regie brauchbare Hilfen. Uebrigens verliert sich die Ausgestaltung des Themas glücklicherweise md)t im Sentimentalen, was nahegelegen hätte, sondern hat in humorvollen Szenen voll natürlicher Jugendlichkeit immer ein bekömmliches Gegengewicht gegen eine Ueberbetonung des Gefühls. Was die Darstellung angeht, so wird es gerade in Gießen von besonderem Interesse sein, daß Hanna Waag eine der Hauptrollen spricht, die Musikschülerin Hanna Hagedorn; sie gibt diese kleine Liebhaberin sehr zart, verhalten, empfindsam und scheu; manchmal wirkt eine Großaufnahme mit dem Cello wie em Ausschnitt aus einem berühmten Gemälde; bei aller Sparsamkeit im darstellerischen Aufwand gelingt ihr doch ungezwungen und überzeugend der verinnerlichte Ausdruck eines verwirrten Gefühls. Sehr geschickt eingesetzt als Gegenspielerin und Gegentyp ist Sybille Schmitz, früher in Darmstadt: kühler, obwohl nie kalt, sicherer, minder mädchenhaft, elegant und gescheit. Sympathisch der junge Lieben- einer in der vorzüglich für ihn passenden Rolle des Meisterschülers. S l e z a k hat sich für unseren Geschmack etwas übertrieben an das komödiantische Pathos seiner Rolle ausgeliefert. Sehr gut Walter Ladengast, ein bisher unbekannter Darsteller. Elsa Wagner in ihrer herzlichen Mütterlichkeit und Ernst B e h m e r seien noch genannt. —
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Aus dem Beiprogramm ist ein eindrucksvoller Bildbericht von der Eröffnung des Winterhilfswerks
Hochschulnachrichten.
Professor Dr. Walter Schoenichen, Direktor der staatlichen Stelle für Naturdenkmalpflege, hat einen neu eingesetzten Lehrauftrag für Naturdenkmalpflege an der Universität Berlin erhalten.
Dr. med. Dr. phil. Otto Schultze, Ordinarius an der Universität Königsberg, wurde auf den Lehrstuhl für Psychologie an der Universität Halle berufen.
Professor Dr. Emil Utitz von der Universität Halle ist zum o. Professor der Philosophie an der Deutschen Universität Prag ernannt worden.
Geh. Justizrat Professor Dr. Fritz van kalter, der bekannte Strafrechtler an der Universität München, konnte dieser Tage seinen 70. Geburtstag begehen.
Oberingenieur Lutz Pistor in München wurde auf den ordentlichen Lehrstuhl für Hochbaukonstruktion an der Technischen Hochschule in München berufen.
Dr. Johannes Hielscher, nichtbeamteter ao. Professor für Philosophie an der Universität M ü n- ster ist zum Ordinarius in Münster ernannt wordem
Sie stand weder auf einem Wandbrett noch den Börten eines Bücherschrankes. Der Ausdruck Bücherei ist überhaupt viel zu stolz und anmaßend dafür, denn sie war so klein an Bestand, daß sie zur Not unter dem Kopfkissen meines Kinderbettes hätte Platz finden können. Heute ist sie längst in alle Winde verweht. Aber ich wollte, ich besäße sie heute noch, die ersten Bücher, unter denen die enge Welt meiner Kindheit sich langsam zu weiten begann. Aehnliche Entzückungen, wie sie mir aus ihnen zuteil wurden, habe ich nur selten wieder empfangen, unö ich glaube, wenn ich sie heute noch besäße und sie in einer stillen Stunde wieder aufschlagen konnte,
Das Kabineti Doumergue kämpst um sein Leben.
Paris, 6. Nov. (DNB.-Funkspruch.) Nicht im Ministerrat von heute vormittag, sondern wahr» scheinlich erst in der Sitzung der radikal- sozialistischen Kammergruppe am Nachmittag wird die Entscheidung über das Schicksal des Burgfriedenskabinetts Doumergue fallen. Vorläufig sind nicht bestätigte Gerüchte in Umlauf, nach denen heute abend der Rücktritt der radikalsozialistischen Mini st er nicht ausgeschlossen wäre. Nur Innenminister March a n d e a u und Handelsminister Lamoureux, der übrigens heute abend zu Wirtschaftsverhandlungen nach Moskau fährt, sollen sich gegen den Austritt aus der Regierung ausgesprochen haben. Man behauptet, der Ministerpräsident werde als Ausgleich für die Erleichterung, die dem Präsidenten der Republik in der Frage der Kammerauflösung zugestanden werden soll, versprechen, das Mandat der Abgeordneten auf sechs Jahre heraufzusetzen. Sollte die Regierung jedoch in der Frage des Haushaltszwölftel i n d i e Minderheit geraten und der Ministerpräsident beim Senat öie Auflösung der Kammer durchsetzen, dann würden, wie man versichert, öie Neuwahlen möglichst bald abgehalten werden. Man spricht vom 6. Dezember für den ersten und vom 16. Dezember für den zweiten Wahlgang.
Der Nationalrat der rechtsstehenden republikanischen Vereinigung hat unter dem Vorsitz des Ministers Marin beschlossen, geschlossen für die Staatsreformpläne Doumer- g u e s zu stimmen. In einer Entschließung, die auf die drei Millionen Wähler der Partei Bezug nimmt, werden die innen- und außenpolitischen Gefahren angedeutet, die ein Bruch des Burgfriedens und der Sturz des Ministerpräsidenten Doumergue mit sich bringen würde. Doumergue hat eine Abordnung des nationalen Berbandes der ehemaligen Frontkämpfer sowie Vertreter zahlreicher Wirtschafts-, Gewerbe-, Industrie-, landwirtschaftlicher und Steuerzahler-Verbände empfangen, die insgesamt 3V2 Millionen Mitglieder zählen. Sie fordern eine Staatsreform, die der Regierungsmacht wieder Ansehen und Festigkeit verleiht und verlangen eine gesetzmäßige Möglichkeit zur Einordnung der Wirtschaft nach Berufen und Neuorganisierung des Wirtschaftsrates.
Der Präsident der Abrüstungskonferenz, Henderson, hat nach Rücksprache mit den hauptsächlich interessierten Regierungen, die Tagung des Präsidiums der Abrüstungskonferenz auf 20. oder 21. November, also gleichzeitig mit der Sondertagung des Völkerbundsrates, angesetzt.
nicht zu überfahren, rechtzeitig an. Die Separatisten sprangen auf den Wagen, dem aber zu ihrer maßlosen Ueberraschung Polizisten mit dem Inspektor der Saarpolizei, dem Engländer Hem- s l e y, an der Spitze, entstiegen. Die Separatisten hatten den falschen Wagen, den Wagen des Uebersallkommandos „geschnappt". Sie wurden mit Gummiknüppeln in die Flucht gejagt, nachdem etwa 18 Schüsse von dem Gesindel auf die Polizei abgegeben worden waren.
Der Saarbevollmächtigte
des Reichskanzlers in 2Rom.
Rom, 5. Rov. (DRV.) Der Saarbevollmächtigte des Reichskanzlers, V ü r ck e l, und der Vortragende Legationsrat im Auswärtigen Amt, Dr. Voigt, sind hier eingetroffen, um gelegentlich der gegenwärtigen Tagung des Dreierkomitees des Vülkerbundsrates, das sich mit der Vorbereitung der Saarabstimmung und mit anderen das Saargebiet betreffenden Fragen befaßt, diesem den deutschen Standpunkt in den zur Erörterung gestellten Fragen darzulegen.
„Musik im Blut."
Lichtspielhaus.
Es ist, nicht ohne Grund, anläßlich dieses Films nn einen andern erinnert worden, den wir im Sommer hier gesehen und besprochen haben: „Reisende Jugend". Der Vergleich drängt sich auf, die Verwandtschaft ist doppelt begründet: im Thema und in der Behandlung des Themas. Erich W a s ch n e ck s Regie erinnert stellenweise auffallend an jene Inszenierung von Carl Froelich; über Froelich hat es wohl etwas leichter gehabt, weil ihm der dramatischere Stoff zur Verfügung -land, rein äußerlich der wirksamere — und teil- weise auch noch stärkere Schauspieler, obwohl auch Waschneck über ein gutes, in manchen Einzelzugen ausgezeichnetes Ensemble verfügt. Während aber Froelich eine literarische Vorlage in Gestalt eines -rügen Schauspiel-Textes hatte, stammen Ideeund Drehbuch zu „Musik im Blut" vom Regisseur Waschneck selber. Das ist an sich immer begrüßenswert, wenn eine Filmschöpfung nicht aus zweiter ’.ber dritter Hand kommt; und in diesem Fall -cheint es uns ein besonders beachtliches Verdienst iu fein, wenn eine Produktion daran geht, aus iiqener Initiative neue Wege zu beschreiten und er Kamera ein neues Feld zu erobern. Bei Dreyer and Froelich war ein norddeutAes Gymnasium •er Schauplatz, hier ist es die Musikhochschule in Dresden. Neu und nicht ohne Reiz, daß der Film micht nüchtern und sachlich den Schauplatz angibt, .andern ihn wirklich aufschlieht und dem Beschauer ungeschminkte oder jedenfalls der Wirklichkeit ab- uhotographierte Einblicke in diese kleine Welt ge- irtattet, die sicher vielen zuvor kaum näher bekannt war. Das eine Hauptmotiv der Fabel ist im Titel ioereits angeschlagen, das andere ist eine Liebespeschichte unter jungen Musikschülern ... übers Kreuz. Die Berührungspunkte mit der „Reifenden Jugend" liegen demnach zu Tage. Es interessiert der weniger, wie das im einzelnen angesponnen, entwickelt und gelöst wird; auch soll die Besprechung dem Beschauer nicht zuviel vorwegnehmen: wesentlicher scheint uns der Stil der Inszenierung. Sie beginnt etwas enttäuschend, lustspielmäßig- sonventionell, aber nach und nach spürt man, wie ier Regisseur sich an seiner Aufgabe erwärmt und efteigert hat. Waschneck arbeitet sprunghaft, im- 'ressionistisch, episodisch; und da ihm die dramatt- ihen Akzente nicht so reichlich und kräftig zu Ge- ■ ote standen wie seinem Kollegen Froelich, fand er alb seine Stärke im Stimmungsmahlgen, fast . Lyrischen, in der psychologischen Ausschöpfung einer j Meinen Szene, kurz in dem, was — nicht zwischen
London, 6. Nov. (DNB. Funkspruch.) Die von Sir John Simon im Unterhaus abgegebene Erklärung über die britische Haltung in der Saarfrage wird in der Presse ausführlich wiedergegeben, ver- ananlaßt aber nur wenige Blätter zu redaktionellen Aeußerungen. „Time s" sagt, die hoffnungsvolle Beurteilung der Lage durch Simon werde noch unterstützt durch das kluge Auftreten und die Zurückhaltung der deutschen und der französischen Regierung in einer Frage, die in beiden Ländern lebhafte Erregung verursache. Die zeitgemäße deutsche Vorsichtsmaßnahme sei auf eine f r a n = zösischerseits getroffene Vorsichts - zurückzu führen. Die „Times" Die militärischen Vorbereitungen
Zu den Ausführungen des englischen Staatssekre- lärs ist folgendes zu bemerken:
Die Aufrechterhaltung der Ordnung des Saar- ipbietes, die Sir John Simon zu Beginn seiner Seöe als einen Erfola der Regierungskommission I instellte, ist in erster Linie ein Verdienst der > eutschen Bevölkerung selb st, die allen Provokationen zum Trotze mustergültige Disziplin ewahrt hat. Solche Provokationen, die von den ihr üsylrecht mißbrauchenden Emigranten hervor- ;;erufen werden, abzustellen, ist Sache der Regie- ungskommission und derjenigen französischen Stelen, die sie immer wieder ermuntern. Man wird also erwarten dürfen, daß der englische Staatssekretär nach den weitgehenden Vorleistungen auf »eutscher Seite nunmehr seinen Einfluß da- :o i n gebraucht, daß auch von Frankreich mnd ber Saarregierung entsprechende Maßnahmen nachgeholt werden.
Was die juristischen Ausführungen des englischen
Simon sieht keine Gefahr für die ordnungsmäßige Durchführung der Saarabstimmung.
Oer britische Außenminister von den Anordnungen des Saarkommiffars Bürckel befriedigt. Keine Verwendung britischer Truppen. — Wo bleibt der Ordnungsruf an Frankreich?
zu werden, daß die Regieruugskommission nur berechtigt wäre, um Hilfe zu ersuchen, wenn die Ruhestörungen ernst genug wür- den,um ihre Autorität zu gefährden. Glücklicherweise könne aber jetzt erwartet werden, daß es keines Eingreifens von außen her bedürfen werde.
Patts ist zufrieden.
Paris, 6. Nov. (DNB.-Funkspruch.) Die Unterhauserklärung Sir John Simons über die Saarfrage soll in französischen Regierungskreisen einen vorzüglichen Eindruck gemacht haben, weil man in ihnen eine Bestätigung des französischen Standpunktes und einen Beitrag zur Schaffung einer rosigeren Atmosphäre erblickt. Der Hinweis Sir John Simons darauf, daß niemals an öie Heranziehung englischer Truppen geöacht rooröen sei, roirö vom offiziösen „Petit Parisien" als Öurchaus natürlich unö öen Völkerbundsgrundsätzen entsprechen!) bezeichnet. Die englische Haltung sei nicht etwa ein Mangel an (Solidarität gegenüber Frankreich. Eng- lanö schenke Frankreich volles Vertrauen. Herr Knox sei sich seiner Verantwortung voll bewußt. Er weröe seine 508-Rufe nur im Falle äußerster Not ausstoßen.
L o n ö o n, 5. Nov. (DNB.) Der Staatssekretär des Aeußeren Sir John Simon erklärte im Um «terhous auf die Frage des Führer der Arbeiteropposition nach der Aufrechterhaltung der Ordnung im Saarbecken:
„Die Verantwortung für die Aufrechterhaltung Der Ordnung im Saarbecken liegt bei der R e - gierungskommission des Saargebie- c e 5, öie sich öiefer Ausgabe weiter erfolgreich unterzieht. Eine Lage, in öer sich öie Regierungskom- mission öes Saargebietes unfähig sieht, öie Ordnung aufrecht zu erhalten, dürfte nickt e i n- tr ete n, unö roirö, so hoffe ich zuversichtlich, niemals eintreten. Schon im Jahre 1926 teilte öie Negierungskommission öes Saargebietes öem Völ- rerbunösrat mit, daß sie berechtigt sei, im Falle ibsoluter Notwenöigkeit auf Truppen außerhalb öes Gebietes, aber in her Nachbarschaft bet Gebietsgrenzen, zurücken g r e i f e n, um öie Drönung aufrecht zu erholen. Das Unterhaus kann hieraus ersehen, öaß ö i e 3erroenöung britischer Truppen niemals in Frage gekommen ist unö nichts derartiges ist unsererseits in Aussicht genommen. 'Gewisse französische Vorkehrungen in ?em Teile Frankreichs, öer an öas Saargebiet im Westen grenzt, finö reine Vorsichtsmaßnahmen.
Der öeutscheBotschafterhat mir öie Nach- :ichten bestätigt, wonach öie öeutschen Regierungs- ?efyörben in einem Befehl an öie SA.- unö SS.-For- nationen auf öer öeutfdjenSeite der Saar- Grenze für einen Gürtel von 25 Meilen Breite, das Tragen von Uniformen, die Abhaltung von Aufmärschen und Kundgebungen sowie Ansamm- tmgen jeder Art für die Zeit öer Abstimmung verölen haben. Gleichzeitig haben sie feierlich ver- ichert, öaß öie Gefahr eines Eindringens in öas Saargebiet nicht bestehe. Ich habe sowohl Herrn on Hoesch als auch öem französischen Botschafter ie Besrieöigung öer britischen R e - , i e r u n g über öiefe Mitteilung zum Ausöruck I, gebracht. Vom französischen Botschafter habe ich 1 ie Zusicherung erhalten, öaß öie französischen Vorehrungen reine Vorsichtsmaßnahmen arfteUen. Unter diesen Umständen dürfen wir erwarten, daß die Abstimmung, bei angemessener Zurückhaltung auf allen Seiten am 13. Januar rdnungsgemäß durchgeführt werden I wird."


