Kür -en Bücheriisch
«gebührend berücksichtigt sind. Dieses Werk wird auch unentbehrlich für die deutsche Schule und den deutschen Erzieher werden. r r
— Berthold, Luise: Hessen-Nassau- isches Volkswörterbuch. Band 2, Lieferung 7. Marburg, Elwert, 1934 2,50 RM .— Diese neue, dem Sprachvergleicher Wilhelm Schulze gewidmete Lieferung des großen Werks umfaßt die Artikel „Muhkäfer" bis „Nefthuttch . Wieder ist eine Fülle von wertvollem und anziehendem Stoff Durchgearbeitet; ich nenne nur die Zusammensetzungen mit „Mund", „Mutter" und „Nacht", sowie die zahlreichen Bildungen mit der Vorsilbe „nach". Karten werden gegeben für „Nachlauf spielen (Kriegen, Greifen, Fangens, Nachlaufches ufw.), die „letzte Tagesmahlzeit" (Abend-brot, -suppe, -essen
— Biologischer Wille. Wege und Ziele biologischer Arbeit im neuen Reich. Von Professor Dr. Ernst Lehmann, Tübingen. I. F. Lehmanns Verlag, München 2 SW. — (305) — Das Bändchen gibt einen kurzen Ueberblick über die Geschichte der modernen Entwicklungslehre. Wir erfahren, wie sich aus den biologischen Forschungen der letzten Jahrzehnte der Rassengedanke herausentwickelte, wie er in Deutschland an Boden gewann und was heute auf dem rassenhygienischen und anderen biologisch bedingten Gebieten gearbeitet wird. Der Verfasser macht Vorschläge zu einer sinnvollen Gestaltung des Unterrichts: nicht leere, verstandesmäßige, sondern lebensnahe, biologisch begründete Schulung, die den Schüler zum brauchbaren Glied des ganzen Volkes heranbildet. Für die Hochschulbildung stellt der Verfasser ebenfalls eine Reihe von Forderungen. Biologische Seminare und biologische Diplomprüfungen sind für eine Reihe von Berufen wichtiger als die rein medizinische Vorbildung, für die verschiedenen anderen Fakultäten bilden sie notwendige Ergänzungen.
— Das kleine Buch der Vögel und Nester. 32 vielfarbige Bildtafeln mit einem Nachwort von Heinz Graupner. Insel-Verlag zu Leipzig. Insel-Bücherei Nr. 100. In farbigem Pappband 80 Pf. — (302) — In der Reihe der vielfarbigen Inselbücher gesellt sich zum Blumenbuch und zum Schmetterlingsbuch jetzt ein neues Bändchen, das
Biologische Schriften.
Das Deutschtum im Ausland.
— Das Deutschtum im Ausland. Dargestellt von Dr. Franz Thierfelder. Reclams Universal-Bibliothek Nr. 7226. Geheftet 35 Pf., gebunden 75 Pf. — (535) — Dieses Werk gibt eine Bestandsaufnahme des gesamten Deutschtums in der Welt. Das Auslandsdeutschtum wird vom nationalsozialistischen Staat in seiner ungeheuren Bedeutung erkannt. Der volksdeutsche Gedanke umspannt heute alle Glieder des deutschen Muttervolkes. Dr. Thierfelder ist als Leiter der Deutschen Akademie in München dazu berufen, die Gedankengänge herauszustellen, und widmet ihnen eine größere Einleitung, der er — auf Grund des neuesten authentischen Materials — einen Ueberblick über das Grenzlanddeutschtum in der ganzen Welt folgen läßt. Diese fesselnden Einzeldarstellungen berücksichtigen die historische Entwicklung, die wirtschaftliche und die kulturelle Lage unserer Volksgenossen. Jeder mit seinem Volkstum verwachsene Deutsche wird diese Schrift mit größter Anteilnahme und hohem inneren Gewinn lesen.
— Tausend Jahre deutscher Kampf im Osten. Von Dr. Hans S ch o e n e i ch. Reclams Universal-Bibliothek Nr. 7224. Geheftet 35 Pf., gebunden 75 Pf. — (538) — Das Werk schildert in großem historischen Rahmen den gewaltigen Volkstumskampf im Osten. Unwiderleglich beweist es das Recht des deutschen Volkes auf den Boden, den es schon in Urzeiten besessen und dann in jahrhundertelanger kolonisatorischer Aufbauarbeit der abendländischen Kultur erschlossen hat. Das riesige
Zur Geschichte und Kultur Westfalens.
und Nachtessen; Nachtsuppe), für „nachtwandeln" (nachtswandeln, wandern, mondsüchtig sein, mit den Holden fahren). Nach dem Sprachatlas des Deutschen Reiches ist außerdem die Grenze zwischen „gestern" und „nächt" (für gestern abend), die mitten durch Oberhessen von Süden nach Norden zieht, auf einem kleineren Bild wiedergegeben. Wieder ist außer der reichen sprachlichen Belehrung und Anregung auch eine Fülle volkskundlicher Erscheinungen in der Lieferung behandelt, wie etwa schon das oben genannte „mit den Holden fahren^ oder die Stichwörter „Mutzen", „Nabel", „Nacht" u. a. ahnen lassen. Für den hessischen Heimatfreund und besonders den Heimatunterricht wird das Werk immer wieder als eines der wichtigsten Hilfsmittel zu benutzen fein. F. Maurer, Erlangen.
uns die Vögel als Nestbaumeister zeigt. Wie bei den Blumen und Schmetterlingen handelt es sich auch hier um die Wiedergabe von Bildern, die als kleine Kunstwerke gelten dürfen und die ganze Liebe der Künstler zu ihren Schöpfungen erkennen läßt. Als Vorlage dienten die farbigen Kupferstiche aus einem Werk des Schweizer Tierfreundes Heinrich Rudolf Schinz, der in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts eine stattliche Sammlung von Vogelnestern befaß und die Vögel auch eifrig in der Natur beobachtete. Etwas von der Beschaulichkeit dieses alten Vogelfreundes haben die Bilder erhalten, und das gibt ihnen den besonderen Reiz, den keine photographische Aufnahme erreichen könnte. Vom Zaunkönig bis zur Nachtigall führt die Reihe der Bilder, und überrascht von dem Reichtum kunstvoller Nest- formen bewundern wir manchen vertrauten, aber auch manchen unbekannteren Vogel und sein Nest, das er ja in der Natur selbst meistens unseren Blicken zu entziehen versteht. Diese Bilder der innigen Beziehung zwischen den kleinen Nestbaumeistern und den zierlichen Bauwerken wecken in uns ein Gefühl von Wärme und Ergriffenheit. Mütter werden das Büchlein gern ihren Kindern zeigen und in den Bildern einen Spiegel ihrer eigenen Zärtlichkeit finden. Wir alle aber sind dankbar für das Buch, das nicht lehren oder Naturkunde treiben, sondern die Freude an der Natur selbst wecken will.
Gebiet der Ostmark, die sich von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer erstreckt, erfährt nach seinen einzelnen Teilen eingehende Behandlung. Die historische Darstellung ist lebendig, die großen Führer im Ostkampf treten hell in Erscheinung, vor allem der Ordensmeister Hermann von Salza, Heinrich der Löwe, der Große Kurfürst, Friedrich der Große, Hindenburg und Hitler.
— Erwin Barth von Wehrenalp: Deutschland greift über den Aequa - tor. Ein Volksbuch von Deutschlands Kolonien einst und jetzt. Ganzleinen 2,85 RM. Verlag E. C. Ettenhosen, Berlin-Schöneberg. — (42) — Deutschland hat in jahrzehntelangem Wirken unter großen Opfern in seinen Kolonien mitgeholfen, den Grundstein zur Entwicklung des „dunkelsten Afrikas" zu legen. Es hat mit seinem „Griff über den Aegua- tor" den unzivilisierten Völkern größten Nutzen gebracht. Dann kam das Diktat von Versailles, — es nahm unter der Vorspiegelung, Deutschland sei unfähig zu kolonisieren, ihm seine Kolonien. Aber unvergessen sind die Namen der Deutschen, die ihr Wirken und Leben an das Aufblühen der deutschen Kolonien gaben, Lüderitz, Nachtigal, Peters und die vielen anderen. In drei großen Kapiteln: „Deutschland kolonisiert" — „Weltkrieg" — „Unter Mandatsherrschaft" zeichnet Barth von Wehrenalp ein Bild von der Entwicklung der deutschen Kolonien. In jeder Zeite wird der Beweis erbracht^ daß Deutschland in Versailles auch in der Kolonial- frage schreiendes Unrecht angetan wurde.
Deutsche Erzähler.
— Walter von Molo: Der Große Fritz im Krieg. Novelle. Mit einem Nachwort von A G lo y. Reclams Universal-Bibliothek Nr 7268. Geheftet 35 Pü, gebunden 75 Pf. — (385) — Von Molo gestaltet hier die Novelle des Führertums, verkörpert in der Person des Großen Friedrich. In das Geschehen eines einzigen Tages sind Größe und Härte, Heldentum und übermenschliche Leistung des Siebenjährigen Krieges zusammengeballt Die Gestalt des großen Königs durchstrahlt Handlung und Stil der Novelle — die Führerpersönlichkeit, die die ganze Verantwortung trägt und nur einen Gerichtshof über sich anerkennen kann: Gott, das Urteil der Nachwelt. So ersteht Friedrich vor uns: selbstlos und sachlich bis aufs letzte, streng und unerbittlich gegen jedermann um des Ganzen willen, das Gestalt gewordene Symbol des Volkes, der Führer, der seiner Gefolgschaft gewiß ist. weil er aus ihrem innersten unbewußten Willen handelt. In der dramatischen Schilderung einer der kritischsten Phasen des Krieges zeigt sich seine geniale Persönlichkeit in überwältigender Größe. Die Novelle Molos ist die Urstudie seines großen Fri- dericus-Romans, der in weitesten Kreisen so durchschlagenden Erfolg hatte. Sie wird von alt und jung begeistert gelesen werden.
— Ernst Wiechert: „Der Todeskan- d id at" — „La Ferme Morte" — „D e r Säte r". Verlag A. Sangen--©. Müller, München. Kleine Bücherei Bd. 37. Preis 80 Pf. —..(316) — In der ersten Erzählung ist mit unerhört sparsamen Mitteln das Erlebnis der Wandlung junger Menschen im Angesicht des Todes gestaltet. „La Ferme Morte" — das ist das nackte Grauen, von dem nur der etwas aussagen kann, der es erlebte und dem zugleich die Sprache der Dichtung so gegeben ist wie Ernst Wiechert. — In der letzten Erzählung „Der Vater" nimmt der Dichter das uralte Thema vom Vater und Sohn auf. wegen Den überstrengen, harten preußisch-adeligen Pflichtbe- griff des Vaters, vor dem alle Herzlichkeit und Liebe verzichten muß, steht die Todeserfahrung des Sohnes, für den es kein Zuhause mehr gibt. -Die schwermütige Melodie Der Wucherischen Sprache macht diese Erzählungen mit ihrem tiefen Wissen um die Menschenseele zu Meisterwerken des gegenwärtigen Schrifttums.
— Joachim von der Goltz: Der Baum von Cl 4 ry. Albert Langen/Georg -Müller Verlag München, 1934. 300 Seiten. In Seinen gebunden 5,50 Mark. — (354) — Wer nicht mit dabei war an der Front, wird mitgerissen werden von der brennenden Gegenwart dieser Dichtung. Wem aber diese Namen — Somme, Soretto, Peronne — Stationen des eigenen Sehens sind, wer überhaupt irgendwo an deutschen Fronten kämpfte, der spürt plötzlich: hier ist einer von uns Stimme und Erinnerung geworden. Der einzelne spürt: so war es, so hast du damals gefühlt, so hast du damals gelitten, gestürmt. Nicht umsonst hat von der Goltz fast zwanzig Jahre gewartet, bis er dieses Buch schrieb — solche Fülle der Erlebnisse, Gedanken, Gestalten braucht lange Reifezeit. „Es war im Westen, um die Zeit, als keine Truppe mehr sang. — Als in den Briefen der Männer stand: „Haben unsere Kinder noch Brot? — Als Mannestat und Treue sich verzehrte im Kampfe gegen des Materials wachsende Uebermacht." Mit diesen Worten setzt das Buch ein, nimmt den Seser auf in die zerschossenen Sandschasten an der Somme und auf der Sorettohöhe und läßt ihn nicht mehr los. In einer Sprache, geprägt von soldatischer Knappheit, bringt der Dichter dem Seser die Gestalten dieser Welt nahe. Unvergeßlich werden jedem die Gestalten der Leutnants Bruckner und Burrian, des Kanoniers Siebenreuth, des Infanteristen Karl, des rührenden „kleinen" Kriegsfreiwilligen bleiben. Unverwischbar bleibt die Landschaft des Todes im Gedächtnis haften — das Grauen der Verwüstung und darüber die rührende Schönheit eines ersten Frühlingstages, der im einfachen Mann den Glauben weckt an die Unzerstörbarkeit des Lebens.
— Max Mell: Mein Bruder und ich. Den Erinnerungen eines alten Wieners nacherzählt. (Die Kleine Bücherei Nr. 40.) Preis 0.80 RM. Albert Sangen / Georg Müller, München 1935. — (370.)— Eine psychologisch sehr feine Erzählung des österreichischen Dichters. Mell gestaltet in strenger künstlerischer Verdichtung im Bilde eines einmaligen Erlebnisses Gefährdung und Rettung eines Knabenschicksals. Mit sicherem, tiefem Einfühlungsvermögen in das Seelenleben des Heranwachsenden zeichnet der Dichter die entscheidenden Stunden im Leben eines zarten Knaben nach, der, erschüttert vom Tode seines Bruders und verstört von törichten Worten einer Verwandten in seltsamer Verstrickung das Leben seines verstorbenen Bruders weiterzuleben sich entschließt.
Volkskunde.
— Ein Handbuch der deutschen Volkskunde erscheint soeben bei der Akademischen Ver- lagsgesellschaft Athenaion m. b. H. Potsdam. Als Gemeinschaftswerk führender deutscher Gelehrten, von denen jeder sein Gebiet knapp, klar und erschöpfend behandelt, umspannt es das weite Gebiet von Doklstumund Heimat in Wort und Bild, geschrieben ebenso für den Gebildeten wie für den Mann aus dem Volke. Die erste Lieferung des prächtigen Werkes zeigt bereits deutlich, aus wie tiefen und wie vielen Quellen es schöpft, wie hier Vergangenheit und Gegenwart zu einem ganz einzigartigen Bild deutscher Volkskunde zusammenfließen. Anschaulichkeit und Klarheit stehen als Leitsätze obenan. Demgemäß ist der größte Wert auf schöne, reichhaltige und zweckmäßige Bebilderung gelegt. Der Plan des Werkes sieht in zwei großen Abteilungen: „Einführung in die deutsche Volkskunde" und „Le- bensäußerungen des deutschen Volkstums" in fast 50 kapitelmäßigen Abhandlungen eine einprägsam aeglieberte, alle Gebiete umfassende, auf den neuesten wissenschaftlichen Forschungsergebnissen aufgebaute Darstellung der deutschen Volkskunde vor. Als Herausgeber zeichnet der Direktor des Vaterländischen Museums in Hannover, Dr. Wilhelm P e ß l e r, dessen Anregung die deutsche Wissenschaft den berühmten Atlas der deutschen Volkskunde verdankt. So ist alle Gewähr gegeben, daß dieses „Handbuch", dessen Zweck es ist, das deutsche Volksleben darzustellen, selbst lebensvoll, reich und schön ist, ein Führer zu den Quellen des Volkstums und feinen tausendfältigen Auswirkungen im deutschen Lebensraum von der Urzeit bis zur Gegenwart. Als besonderer Verdienst muß die eingehende Behandlung des Auslandsdeutschtums erwähnt werden, wie auch die Kulturströmungen, die zwischen Deutsch- land und den anderen Völkern hin und herlaufen,
— Der Raum Westfalen. Band II, Teil 2. Untersuchungen zu feiner Geschichte und Kultur. Mit Beiträgen von Max Braubach, Paul C a s - fer, Alois Schulte und Eduard Schulte. —
Vor mehreren Jahren bereits hat die Provinzialverwaltung Der Provinz Westfalen eine groß angelegte Publikation zu veröffentlichen begonnen, in der durch die Feder der berufensten Fachleute die Geschichte und Kultur, Verwaltung, Wirtschaft und Verkehr des westfälischen Lebensraumes untersucht und dargestellt werden sollten. Von diesem Werke, das den Titel „Der Raum Westfalen" trägt, ist im Jahre 1931 ein Band erschienen, der die „Grundlagen und Zusammenhänge" behandelt, im Jahre 1932 ein weiterer Band mit Untersuchungen über „Wirtschaft, Verkehr und Arbeitsmarkt". Beide Bände fanden in der Presse und in der Fachwelt stärkstes Interesse. Das geographische und historische, wirtschaftliche und politische Raumproblem wurde hier zum ersten Mal für das nordwestdeutsche Gebiet angeschnitten und zur Diskussion gestellt; von Freunden und Gegnern wurde das Thema lebhaft erörtert. Nunmehr erscheint von dem Werke ein weiterer Band, der geeignet ist, die Erörterung zu vertiefen und fruchtbarer zu gestalten. Er enthätt Untersuchungen zur Geschichte und Kultur des westfälischen Raumes aus der Feder des Bonner Universitätsprofessors M. Braubach, Der in VerbinDung mit ED. Schulte eine eingehende Darstellung der politischen Neugestaltung Der westfälischen Gebiete im Anfang Des 19. Jahrhunderts gibt, ferner von P. Taffer, der Drei Aufsätze beisteuert („Der Raum Westfalen in Der Literatur Des 13 bis 20. Jahrhunderts", „Der niederrheinisch-westfälische Reichskreis", „Das West- falenbewußtsein im Wandel der Geschichte") und von Aloys Schulte, Der gemeinsam mit EduarD Schulte Den im Jahre 1866 von Bismarck ins Auge gefaßten Plan einer Angliederung von Oft* frieslanD, Emsland und Osnabrück an die Provinz Westfalen behandett. Auf Einzelheiten Dieser Aufsätze, Deren jeDer eine besondere Würdigung verdiente, können wir hier nicht eingehen. Allen gemeinsam ist das Ergebnis, daß der westfälische Lebensraum, der Raum, in dem sich das westfälische Schicksal abgespielt hat und noch abfpielt, in dem Der durch Rasse, geschichtliches Erlebnis und gemeinsame Kultur verbundene westfälische Mensch feit 1000 Jahren wohnt, nicht identisch ist mit der
heutigen Provinz Westfalen, die mehr Zufallsprodukt des Wiener Kongresses und politischen Handels ist als ein organisches Gebilde. Ueberall nach Norden und Osten greift das westfälische Blut und die westfälische Geschichte über den Rahmen Der 1815 entstandenen Provinzgrenzen hinaus, unD niemals, auch nicht im 19. Jahrhundert, hat man, wenn man von „Westfalen" sprach, damit das Gebiet gemeint, das von Den heutigen Verwaltungs- grenzen umschlossen ist. In welcher manchmal grotesken Weise Diese Verwaltungsgrenzen vor 100 Jahren durch Austausch und Zusammenlegung von Gebieten „mit so unD soviel tausend Untertanen" gewonnen wurden, das geht aus Den eingehenden und mit dankenswerter Genauigkeit geführten Untersuchungen von Braubach — E. S ch u 11 e klar hervor. Wie fragwürdig eine solche nicht organisch von innen heraus erwachsene, sondern statistisch errechnete Gebietsaufteilung dem die großen Zusammenhänge schauenden und Die Grundgesetze geschichtlichen Lebens beachtenden Politiker erscheinen mußte, zeigt das Bestreben Bismarcks, die alten organischen Bindungen im Jahre 1866, als dies nach der Besitzergreifung Hannovers durch Preußen wieder möglich war, wieder herzustellen, wie dies aus den Ausführungen von A. Schulte deutlich wird. Die Untersuchungen von P. C a s s e r endlich, die in mancher Hinsicht sich auf Neuland bewegen, zeigen, wie diese inneren Zusammenhänge des aus dem Blut geborenen westfälischen Gemeinschaftsbewußtseins im Laufe der Jahrhunderte immer lebendig geblieben und auch nach außen hin bald stärker bald schwächer wirksam geworden sind, so daß er mit Recht das Wort Bismarcks an Den Schluß feiner Ausführungen fetzen kann. „Eins ist Ihrer LanDschaft immer eigentümlich geblieben, wie sie auch in bischöfliche Territorien und kleine Fürstlichkeiten geteilt sein mochte, sie hat sich immer einig gefühlt als .Westfalen' und selbst bei der konfessionellen Scheidung. Ich habe immer gefunden, daß der Westfale sich als solcher bekennt, während ich dasselbe von anderen deutschen Stämmen nicht sagen kann... Der Westfale, so unangenehm ihm sein nächster Nachbar in Westfalen sein mag, er bleibt immer Westfale." — Hoffentlich wird der Schlußteil des Werkes, der weitere Untersuchungen zur Vorgeschichte, Geschichte und Kultur des westfälischen Raumes enthalten soll, bald folgen.
Neue Dramen.
— In Der „Kleinen Bücherei" Des Verlages Albert Langen-Geora Müller erschien: Paul AlverDes: Die Freiwilligen. Mit sechs Holzschnitten von Karl Rössing. — (314) — In Dieser kleinen Szenenfolge gestaltet AlverDes, selbst einer Der Freiwilligen vom August 1914, auf eine schlichte Art Das Stürmen und Sterben Der jungen Freiwilligen von ßangemarcf. Die eben noch mit jugenDlichem Uebermut von Der nahen Schlacht wie von einem Abenteuer reDen, Deren Gedanken beim Grollen Des fernen Artilleriefeuers zur Schulbank unD Den heimlichen FreuDen ihres Fahrtenlebens zurückschweifen, wenn auch schon eine Ahnung Des KommvnDen in ihnen steckt — sie reifen im Augenblick Der EntscheiDung zur letzten Bereitschaft unD opfern ihr junges Leben.
— Weking. Des Sachsenherzogs Kampf und Ausgang. Schauspiel in 3 Auszügen. Von Helmut H ü t t e n h a i n. I. F. Lehmanns Verlag, München. Preis 1,80 Mark. — (325) — Bei dem allgemeinen Interesse, das heute germanischer Kultur und germanischer Geschichte entgegengebracht wird, ist immer besonders umstritten der Kampf zwischen Dem Sachsenherzog Weking (WidukinD) unD Karl, Dem Frankenkönig, Den Die einen Den Großen, Die andern den Sachsenschlächter nennen. Der Verfasser stellt Den Sachsenherzog Weking dar als Den geroal» Ligen Kämpfer um altlächsische Sitte unD Art, Den ersten Künder eines Reiches all Derer, „Die gleichen Blutes sind".
Ans fremden Literaturen.
— Knut Hamsun: Segender Erde. Roman. Wohlfeile Neuausgabe in Seinen gebunden 4,80 Mark. Verlag Albert Sangen/Georg Mueller, München. — (318) — Dies ist kein Roman im üblichen Sinne, es ist vielmehr Die schon fast mythisch anmutenDe Gestaltung eines der ewigen Themen aller Dichtung. Mit großartiger Schlichtheit, Die Das Kennzeichen wirklicher Dichtung ist, erzählt Hamsun Die Geschichte vom ersten SieDler im OeDlanD. Ein Mann wanDert nach NorDen, dorthin, wo Das Sand niemandem mehr gehört. Mit ihm ist nur seine Kraft, sein Wille zur Arbeit und sein unerschütterlicher Glaube an sich. Er beginnt zu roden, Bäume zu fällen, eine Hütte zu bauen. Er tauscht gegen sein Holz das nötigste Gerät, Sebensmittel, eine Ziege und Saatkorn ein, er pflügt und sät — und Die Erde segnet seine Mühe. Ein Mädchen kommt zu ihm, Inger, die Magd, die seine Frau wird und die Mutter seiner Kinder. Auch Unglück und Schuld bleiben nicht aus; aber der Mann schafft weiter in verbissener Treue, sein Wohlstand mehrt sich, und seine Söhne wachsen heran, lieber allem Schicksal aber ist Die unendliche Melodie der Natur. Der ewige Kreislauf des Jahres bindet die Menschen an Die fruchtbare Erd«, ihr Sebcn erfüllt sich in Saat und Ernte, in Arbeit und Ruhe. — Hamsun schrieb dieses Buch, als er fast 60 Jahre alt war, und wurde dafür mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Zu feinem 75. Geburtstage veranstaltete der Verlag diese wohlfeile, von vielen deutschen Freunden Hamsuns sicher willkommen geheißene, wohlfeile Neuausgabe des berühmten Buches.
— I o van Ammers-Küller: Tanta- l u s. Ein Eheroman. Deutsch von Franz Dülberg. Buchausstattung von Hans Meid, Berlin. W.ohlfei/e Ausgabe. Carl Schünemann, Verlag, Bremen. — (308) — Bei diesem Roman wird die Frage nach Sinn und Wert der Ehe gestellt. Dje Dichterin zeichnet einen Mann, der seiner Frau in Siebe zugetan ist, aber die romantische Vorliebe für kleine Siebesabenteuer auch in Der Ehe nicht aufgeben kann. Und sie stellt dagegen eine Frau, die wirklich nicht altfränkisch ist. Sie versteht ihren Mann so gut, sie verzeiht ihm alles in ihrer Siebe, aber sie laßt nicht von der alten Anschauung, daß die Ehe ein heiliges Bündnis ist, das keine Kompromisse verträgt. Der tragische Schluß läßt erkennen, wie fragwürdig Die modernen Anschauungen von der Freizügigkeit des Mannes sind. Und dadurch, daß sich Io van Ammers-Küller zu der „altmodischen" Auffassung von der Heiligkeit der Ehe bekennt, trägt sie mit zur Ueberwindung oberflächlicher Anschauungen und zur Vertiefung des Verhältnisses von Mann und Frau bei.
Recht und dichter.
— Dr. Theodor Maunz: „Neue Grundlagen des Verwaltungsrechts". (Heft 9 Der Sammlung: „Der deutsche Staat Der Gegenwart", herausgegeben von Staatsrat Professor Dr. Carl Schmitt.) Kart. 2 Mark, Hamburg. Hanseatische Verlagsanstalt. — (344) — Ausgehend von Der Feststellung, daß das Verwaltungsrecht des alten Staates, weitgehend von der dualistischen Staatsauffassung des Siberalismus bestimmt war, kommt Der Verfasser zu neuen Grundsätzen eines nationalsozialistischen Verwaltungsdenkens. Zwei Grundbegriffe erfahren durch ihn eine sichere Deutung: Rechtliches und politisches Ermessen und Die subjektiv öffentlichen Rechte. Er unterscheidet scharf die politische Führung, die frei ist von irgendwie gearteten Ansprüchen Der Volksgenossen und Die politische Durchführung, Die einen bedingten Anspruch der Volksgenossen an den Staat zuläßt. Der Verwaltungsrichter hat heute Die bestehenden Rechtsgebilde politisch zu gestalten, wobei selbstverständlich die nationalsozialistische Wertauffassung zugrunde gelegt werden muß.
— Prof. Heinrich Henkel: „Die Unabhängigkeit des Richters in ihrem neuen Sinngehalt." (Heft 10 der Sammlung: „Der deutsche Staat der Gegenwart", heraus- gegeben von Staatsrat Professor Dr. Carl Schmitt.) Kart 1 Mk., Hamburg. Hanseatische Verlagsanstall. — (343) — Die Notwendigkeit, dem völkischen Sehen zu dienen, verändert die richterliche Unabhängigkeit in eine Selbständigkeit, die in den Bindungen an die lebenden Grundsätze des völkischen Führerstaates ihren inneren Gehalt erfährt. Die richterliche Unabhängigkeit beruht nicht so sehr in einer verfassungsmäßig gegebenen formalen Garantie, als vielmehr in den substanziellen Gehalten und in den Auswirkungen, die mit der Garantie Der richterlichen Unabhängigkeit im Rechtslehen verbunden finb. So tritt denn auch der neue Sinn des Unabhängigkeits- begriffe Dort am klarsten in Erscheinung, wo es sich um den Zusammenklang von Freiheit und Bindung des Richters, also um den Ausbau des richterlichen Ermessens, handelt. In den richterlichen Entscheidung gen müssen die staatspolitischen Anschauungen Der Staatsführung xum AusDruck kommen. Gerade in der Verbundenheit mit der Staatsführung sieht Henkel aber die Wahrung der richterlichen Unabhängigkeit.


