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Die 25 Zweiterksassekarten waren ausnahmslos eigene Herstellung", die Beschriftung war mit Blei­stift vorgezeichnet und mit chinesischer Tusche nach­gezogen worden. Sie lautete auf Strecken: Köln- Stettin, KölnGarmisch, StuttgartKiel, Mün­chen-Bremen, BraunschweigGenf, BerlinDuis­burg, BerlinAachen usw. Eine besonders gut ge­lungene Fälschung ist außerdem noch eine Karte ParisFrankfurt. Die Karten dritter Klasse waren meist nur verfälscht. Zielbahnhof, Kilometerzahl und Fahrpreis waren geändert, außerdem war bei den meisten Karten ein roter Kontrollstrich durchgezogen, durch den mit einem Tropfen roter Tusche der O-Zug- Zuschlagerspart" wurde.

Der Schaden, der der Reichsbahn durch die um­fangreichen Fälschungen entstanden ist, läßt sich noch nicht übersehen. Wahrscheinlich wird er sich auch in Zukunft nicht genau feststellen lassen, da der Täter vermutlich einzelne Karten mehrmals benutzt hat.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Pilze.

Von Pfarrer l. *5\. Aisch, Äad-Nauheim.

Die warmen Regengüsse nach einem glühenden Sommer haben zur Freude aller Pilzfreunde Wald und Feld mit einer Fülle eßbarer Pilze bereichert. Bei der großen Trockenheit hatte mancher die Hoff- nung auf ein gutes Pilzgericht fahren lassen. Run hätte man denken sollen, daß juna und alt hinaus­zieht, den Segen einzuheimsen. Aber, weit gefehlt! Es scheint, als ob die Pilze die Aschenbrödel sind. Als eine Frau, mit der neuen Heimatflur noch un­bekannt, jemanden fragte:Gibt es hier denn Leine Pilze?", kam die verblüffende Antwort:Ei, das habe Sie doch nit nötig!" Dabei gibt es doch keinen Deutschen, der es nichtnötig hätte", alles einzu­heimsen, was der Himmel uns an Nahrungsmitteln in Feld und Flur beschert. Im Krieg haben wohl die Leute gelernt, sich mit jedem Hälmchen und Krümchen einzurichten. Jetzt, wo es uns alle Tage gesagt wird, w i e kostbar jedes heimische Lebens­mittel ist, und wo uns die reiche Pilzen- und Obst­ernte so sichtbar als Geschenk aufgebaut ist, ist noch jeder dastehende eßbare Schwamm, jeder an der Straße achtlos verfaulende Apfel ein Vorwurf für arm und reich.Ein kleines Vieche gibt auch Mist", sagt ein alter Landwirt. Und er hat recht. Denn jedes bißchen Eßbare, das wir aus Feld und Flur retten, hilft unserem Vaterland weiter und ver-' drängt etwas von der schwer erschwinglichen Aus­landware. Es kommt wirklich nicht darauf an, ob die Hand, die es aufnimmt, einen eleganten Hand­schuh trägt, oder harte Arbeitsschwielen hat. Jeder Deutschehat's nötig". Es ist einfach unsere Pflicht und Schuldigkeit, alles zu retten, was möglich ist.

Wer irgend kann, soll mit Kind und Kegel zur Pilzenjagd gehen. Aber: Macht's richtig! Nehmt nur Pilze, die ihr kennt. Nehmt Bekannte mit, die andere Sorten kennen, und ein Messerchen zum Ab- schneiden. Dann könnt Ihr im nächsten Jahre wie­der an derselben Stelle Ernte halten. Laßt alles stehen, was ihr nicht kennt! Denkt an die Sammler nach euch. Sie wissen vielleicht noch für ihren Kochtopf zu verwenden, was ihr habt müssen stehen lassen. Wie enttäuschend ist es, wenn man den Spuren der vorangegangenen folgt, und offen­bar alsgiftig" zertretene Blutreizker und ausge- riffene Rotkäppchen findet. Und ist es wirklich so schlimm, wenn die reizenden Fliegenpilze im Grü­nen stehen bleiben? Und freut sich nicht jedes Auge an den entzückenden Schmetterlingen des Wald­grundes, den in allen Farben strahlenden Täub­lingen? Der stille Spaziergänger nimmt einen ganz anderen Eindruck mit von der erholsamen Ruhe des Waldes, wenn er nicht auf Schritt und Tritt neben den nach wie vor so sehr beliebten Butterbrot­papieren häßlich zerstörte Pilznester findet.

Schon ein einzelner im Stadtwald erbeuteter Champignon versetzt beim Nachtessen die Familie in Feststimmung, wenn sein lukullischer Duft das Haus durchzieht, weil er von der Mutter, in zierliche Scheiben geschnitten, in frischer Butter gebraten, über einem halbierten weich gekochten Ei anaerichtet für Vater lecker aufgebaut ist. Welche Freuoe aber erst, wenn die Ernte zum Mittagessen für alle reicht, und esSchweineschnitzel" aus Steinpilzköpfen zu Kartoffelbrei und Apfelmuß gibt. Die großen, von den Lamellen befreiten Köpfe, werden roh in Ei und geriebenen Brötchen gewälzt, mit Pfeffer und Salz bestreut, und in Fett gebacken.

Ist eine Pilzjagd einmal besonders reich gewesen, muß alles noch am gleichen Tage verarbeitet wer­den, und die Pilzjäger müssen der Hausfrau helfen. Beim Putzen wird gleich sortiert. Champignons werden möglichst immer für sich behandelt, alle an­deren Sorten auch gemischt. Alles Jungvolk kommt in Weckgläser, ebenso als zweite Wahl-die festen Stücke und Stiele der großen Pilze. Zerfaserte Ränder und Unansehnliches wird dünn geschnitten und an der Luft getrocknet. Weggeworfen wird beim Putzen nur das Schlechte und die alten Lamellen. Die Haut bleibt bei allen Pilzen, außer Grünlingen und Butterpilzen, darauf. Alle Stiele bleiben ungeschabt, nur wird von Birkenpilzen das Holzige entfernt, ebenso der lederne Stiel der kleinen Gulaschpilze. Die Haut enthält die meisten Duftstoffe. Die getrockneten Pilze werden auf einem groben Durchschlag durchgeschüttelt, das dabei ab­fallende Pulver leicht mit feinem Pfeffer vermischt, in der Bleichbüchse als schnelle Würzen für Suppen und Soßen aufgehoben. Die getrockneten Stücke bleiben am besten, in einem Beutel. Darin werden sie auch im Laufe des Winters gelegentlich an der Heizung nachoetrocknet und tüchtig durchgeschüttelt. Ein dazu gestecktes Tütchen Pfeffer hilft sie be­wahren. Vor Gebrauch werden sie über Nacht in wenig Wasser aufgeweicht, in demselben Wasser weichgekocht, abgetropft und bann fein gehackt. Fein gewiegte Zwiebeln werden mit Fett (fein Schweine­fett) und einem Eßlöffel Mehl gelb geschwitzt. Dann werden die Pilze dazugegeben. Ganz vorsichtig fügt man von dem Pilzwasser bei. Es macht leicht bitter. Mit Zitronensaft, saurer Sahne, Pfeffer und Salz abgeschmeckt wird daraus eine herrliche Tunke für Ochsenfleisch, Nudeln ober Kartoffeln, auch als Fastenspeise.

Kleinere Mengen frischer Pilze vermehren unb bessern jebes Hackfleisch, Füllungen für Eierkuchen, Weißkraut, Kohlrabi, Tomaten, Kohlwickel, Gullasch, ober geben bie Grunblage für herzhafte Suppen unb bereichern jebes knappe Fleischgericht.

Die Pilzarten kennenzulernen ist also sehr loh- nenb. Man lasse sich nicht bie Mühe verbrießen. Sichere Kenntnis einzelner Sorten ist ber sicherste Schutz gegen Giftpilze.

Vornotizen.

Tageskalenberfür Samstag: Licht­spielhaus, Bahnhofstraße:Ein Mann will nach Deutschland". Astoria-Lichtspiele, Seltersweg: Der Weltkrieg". Artillerieverein, 20.30 Uhr: Monatsversammlung. Deutsche Stenographen- schaft,Karlsruhe", Oktoberfest.

Tageskalenber fürSonntag: Stadt- theater, 19 bis gegen 22 Uhr,Der Zigeunerbaron". Flieger-Ortsgruppe Gießen bes DLV., 15 Uhr, Flughafen, Großflugtag. Lichtspielhaus, Bahn­hofstraße:Ein Mann will nach Deutschlanb". Astoria-Lichtspiele, Seltersweg:Der Weltkrieg". Walbeslust am Flughafen, 17 Uhr, Saison-Schluß­konzert. Landsturm-Bataillon Gießen (XVIII9), Bataillonstag. Schützenverein Gießen, ab 9 Uhr Königs-Schießen. ,Liebigshöhe", 20 Uhr, Tanz. Oswalbsgarten, Beginn ber Herbstmesse.

Aus bem Stabttheaterbüro wirb uns geschrieben: Sonntag, 7. Oktober, erste Vor­stellung außer Abonnement zu kleinen Preisen, bie romantische Operette:Der Zigeunerbaron" von Johann Strauß in ber szenischen Neubearbeitung von Paul W r e b e, Fritz Cuj 6 als musikalischer Leiter unb Hannah Spohr als Gast für bie Choreographie. Dienstag, 9. Oktober, zweite Vorstellung im Dienstag-Abonnement mit ber Erst­aufführung ber Bauernkomödie:Krach um Jolan­the" von August Hinrichs; Spielleitung Kurt Lüpke. Mittwoch, 10. Oktober, zweite Borstelluna im Mittwoch-Abonnement, bas Shakespeare-Lustspiel: Was Ihr wollt" unter ber Spielleitung von In­tendant Hanns König; Bühnenmusik: Albert Krämer; musikalische Leitung Konzertmeister Franz Kerzisnik. Freitag, 12. Oktober, als zweite Vorstellung im Freitag-Abonnement, zum erstenmal Sigmund Graffs Schauspiel:Die Heim­kehr des Mathias Bruck"; Spielleitung Karl Löser.

Die Vortrags-Vereinigung (Goethe- Bund, Kaufmännischer Verein unb Deutsche Ange­stelltenschaft) teilt uns mit: Der Goethe-Bund unb Kaufmännische Verein veranstalten, gemeinschaft­lich wie seit Jahren, auch in biesem Winter wieber­

um eine Vortragsreihe von fünf Lichtbilder-Vor- trägen. Dieser Vortrags-Gemeinschaft ist die Deut­sche Angestelltenschaft, Ortsgruppe Gießen, eben­falls beigetreten. Der erste Vortragsabenb finbet am tommenben Mittwoch, 10. Oktober, in ber Neuen Aula statt. Es hält ber Sübarabien-Forfcher Hans Helfritz einen Lichtbilber-Vortrag über seine abenteuerreiche Forschungsreise zu ben Wol- kenkratzer-Stäbten Südarabiens. Helfritz hat in ber Wüste Sübarabiens als erster Weißer gerabezu märchenhaft anmutende Entdeckungen machen und mit feiner Kamera festhalten können: Wolkenkratzer­städte mit zehn- bis sünfzehnstöckigen Hochhäusern mitten in der Wüste. An Hand von einzigartigen Lichtbildern gibt er einen spannenden Bericht über seine abenteuerliche Reise unter Räuberbeduinen, Arabern und reichen Sultanen, über seine Erleb­nisse mit Menschen, Tieren und ber Wüstenland- schaft, sowie über seine Entbeckungen kultureller unb historischer Art. (Siehe heutige Anzeige.)

Ehrung eines verdienten Weidmannes.

Am Abenb bes 3. Oktober, bes Tages, an bem bergeistige Vater" besHubertus", Herr August K i l b i n g e r in Gießen, seinen 70. Geburtstag beging, war eine stattliche Zahl Gießener Jäger imJägerstübchen" desHessischen Hofes" ver­sammelt, um bem Jubilar Glück zu wünschen unb Dank zu sagen. Diesem Gebauten verlieh der Ver­einsführer August Pascoe in seiner Ansprache Ausdruck. Er führte aus, wie August Kildinger es war, ber in ben Nachkriegsjahren zuerst betonte, daß unbebingt etwas geschehen müsse gegen bie Gefahren, bie bem einheimischen Weibwerk von selten bes SBilberertums und fast noch mehr einer gewissen Sorte von Jägern drohten. Von ihm ging der Gedanke des Zusammenschlusses aus, er warb von Mund zu Mund, sammelte zum ersten Male zahlreiche Jager zu gemeinsamem Jagdschießen auf den Schießständen des Schützenvereins und leitete die Aussprache, die sich anschloß und in ber 62 Gießener Jager sich zu einem Zusammenschluß in einem lokalen Verein bereiterklärten. Dem Ausbau bieses Vereins seit seiner enbgültigcn Grünbung im Februar 1921 bis heute galt feine ganze Arbeit; sein Wachsen, seine Erfolge, sein Ansehen unb seine weithin anerkannte Arbeit waren ber Stoh seines Grünbers. Neben ber allgemeinen Mitarbeit im Vorstand unb Führerrat war es vor allem bas jagbliche Schießen, besten Pflege sich ber treffliche Jagbschütze unb bekannte Schütze großer Preis­schießen früherer Jahre angelegen sein ließ. Die jagdlichen Schießstände auf bem Gelänbe bes Schützenoereins Gießen legen bavon Zeugnis ab. Er war es vor allem, ber für ben Gebauten ihrer Anlage immer roieber im Hubertus warb Nicht vergessen sei aber ber treue Jagdfreund, ber mun­tere, anschauliche Erzähler, besten Anekboten aus früheren Jägerzeiten unb aus Alt-Gießen schon so oft bie Mittwochsrunbe am Jägertisch imHessischen Hof" erfreuten. Für alles dieses zu banken, fühle sich, so führte ber Rebner aus, berHubertus" aufs tiefste verpflichtet. Daher hat ber Verein ihn zum Dank für feine Arbeit für Weibwerk unb Verein" zu feinem Ehrenmitglied ernannt. Nach lieber«

reichuna ber Urkunde und einer Festgabe dankte der Gefeierte in Worten herzlichen Dankes für bie große Ueberraschung unb Ehrung unb feierte bas deutsche Weibwerk in seiner Schönheit unb seinem Gebunbensein an bie Natur ber Heimat, ber ewigen Kraftquelle für ben Menschen. An ben einfachen Festakt schloß sich ein froher Jägerabenb an.

Wichtige Aenderungen im Winterfahrplan.

Der Winterfahrplan 1934/35 bringt u. a. verschie­dene Aenderungen, bie für unser engeres Heimat- gebiot sehr wichtig find. Der O-Zug, der bisher um 6 Uhr nach Trier fuhr, fällt fort, ebenso der Ge- genzua von Trier, der bisher um 1.23 llfjr hier eintraf. Der Sonntagszug in die Rabenau (Gre- ßenLollarLondorf), ab Gießen 23.00 Uhr, ver­kehrt ab morgen nicht mehr. An seiner Stelle wird ber Werktagszug, der um 21.17 Uhr Gießen verlaßt, nunmehr auch an Sonntagen gefahren. Der Zug Mücke Gießen, ber bisher um 7 Uhr hier eintraf, kommt von morgen ab 25 Minuten später an. Der vielbenützte schnelle Personenzug nach Koblenz (bisher Gießen ab 8.06 Uhr) fährt im Winterfahrplan bereits 3 Minuten früher, also um 8.03 Uhr.

OieFliegerbeimGroßflugtagin Gießen

Neben bem Weltmeister im Kunstflug Gerharb Fieseler werben bei bem morgigen Großflugtag in Gießen noch eine Anzahl weiterer Flieger mit­wirken. Der Segelflieger Fischer (Darmstabt) zählt zu b e r Jungmannschaft, bie burch ganz außerorbentliche Leistungen schon in bie vorberste Front ber beutschen Fliegerei vorgerückt ist. U. a.

hat Fischer burch seinen Segelflug von Darmstabt über Luxemburg, Belgien nach Norbfrankreich, ber mit ber Flugstrecke von über 200 Kilometern län­gere Zeit einen Weltrekorb barstellte, in ber Öffent­lichkeit Aufsehen erregt, ferner hat er in ben letzten Tagen burch seinen Zielflug vom Hesselberg nach Nürnberg, ben von bem Frankenführer Julius Streicher ausgesetzten Ehrenpreis (einen Rhön- abler für feine Fliegergruppe) gewonnen. Mit über 2000 lleberlanbfilometern im Segelflug, bavon brei Flüge über je 200 Kilometer, zählt Fischer bereits jetzt zu ber Elite unserer deutschen Segelfliegerei, lieber ben bekannten Flieger unb Fluglehrer Maier, ber früher mit feiner Maschine auf bem Gießener Flughafen stationiert war, braucht man hier wohl nichts mehr öu sagen, _,u sein großes fliegerisches Können zur Genüge betanni ist. Wei­ter werben bie Besucher bie Flieger Lochner unb Dr. Janke, sowie bie Segelfliegerin Frl. Men - b e l von Gießen sehen können. Frl. M e n b e l wirb auch ben Fallschirmabsprung ausführen. Auch biese Flieger-Jungmannschaft wirb unter Beweis stellen, daß ihre flugsportlichen Leistungen mit guter Be- grünbung bas Interesse ber Öffentlichkeit bean­spruchen können.

Der Klugtag wird bestimmt durchgeführt!

Wie bie Flieger-Ortsgruppe Gießen bes DLV uns mitteilt, wirb ber Großflugtag am morgigen Sonntag im Gießener Flughafen mit aller Be­stimmtheit burchgführt. Die Wetteraussichten bessern sich ftänbig, so daß auch mit günstiger Witterung die den Aufenthalt im Freien angenehm macht zu rechnen ist. Niemand lasse sich bie wohl kaum wieberkehrenbe Gelegenheit entgehen, ben Welt­meister Fieseier hier fliegen zu sehen! Der Karten-Dorverkauf ist noch bis heute abenb im Gange, von morgen ab gilt nur ber Kartenverkauf an ben Tageskassen. (Siehe heutige Anzeige!)

Gictzener Woc, ^Marktpreise.

* Gießen, 6. Oft. Auf bem heutigen Wochen­markt kosteten: Molkereibutter, bas Pfunb 1,45 bis 1,55 Mark, ßanbbutter 1,35 bis 1,40, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, bas Stück 4 bis 10, Eier (auslänbische) 9 bis 11, (inländische, Kühlhauseier) 9 bis 11, Wir­sing (grün), das Pfund 12 bis 15, Weißkraut' 8 bis 10, Rotkraut 12 bis 15, Gelbe Rüben 8 bis 10 Rote Rüben 8 bis 10, Spinat 10 bis 12, Römisch^ kohl 8 bis 10, Bohnen (grün) 15 bis 20, (gelb) 15 bis 20, Unterkohlrabi 8 bis 10, Erbsen 30 bis 35 Rosenkohl 30, Feldsalat 80, Tomaten 10, Zwiebeln 10, Meerrettich 35 bis 50, Schwarzwurzeln 25, Rhabarber 6 bis 8, Kürbis 5 bis 6, Pilze 25 bis 35, Kartoffeln 4XA, Pfirsiche 25 bis 40, Preisel­beeren 30, Aepfel 7 bis 15, Birnen 8 bis 15, Zwi­schen 10 bis 15, Nüsse 25 bis 30, junge Hähne 80 bis 90, Suppenhühner 60 bis 70, Gänse 80 bis 85, Enten 80 bis 90, Tauben, das Stück 50 bis 60, Blumenkohl 10 bis 50, Salat 8 bis 10, Salatgurfen 10 bis 25, Einmachgurfen (100 Stück) 1 bis 1,20 Mark, Endivien 5 bis 15 Pf., Oberfohlrabi 5 bis 8, Lauch 5 bis 10, Rettich 5 bis 10, Sellerie 10 bis

20, Radieschen, das Bund 10 Pf., Kartoffeln, der Zentner 4 Marf, Weißkraut 5 bis 6, Rotkraut 8 bis 9, Wirsing (grün) 7 bis 9, Aepfel 8 bis 14 Mark.

Gießener Hausfrauenberatung.

Für die Mitglieder der Gießener Haus­frauen b.eratung ist es immer eine schöne Abwechslung, wenn ihnen an den wöchentlichen Zu­sammenkünften aus der Fülle hauswirtschaftlicher Erfahrungen wertvolle Anregungen übermittelt werden und diese sich nicht allein auf das tägliche Wirken der Frau in der Küche beziehen, sondern auch mancherlei andere Kenntnisse übermitteln, die nutzbringend angewandt mancherlei Vorteile drin­gen und im Rahmen unserer Volkswirtschaft Über­aus wertvoll sein können. Wie schon wiederholt hervorgehoben wurde, ist es grade die Frau, die die verschiedenen Wirtschaftsgebiete ganz wesentlich beeinflußt und sehr dazu beiträgt, unser Wirt- schaftsbarometer zu bestimmen. Es wäre daher ver­fehlt, wollte man diese Zusammenkünfte ohne jeden tieferen Gehall ansprechen.

Auch der jüngste Hausfrauenabend stand wieder im Zeichen eines Aufklärungsvortrags. Frau Kin - fei hatte sich mit dem ThemaGesundheit und Schönheit des Körpers" zur Verfü­gung gestellt und damit ein sehr aktuelles Gebiet erfaßt. Die Rednerin ging in ihrem Vortrag vom Mythos der alten Deutschen aus, berichtete vom Jungbrunnen der Germanen, der die Fähigkeit be­saß, durch sein heilkräftiges Wasser die Menschen wieder gesund, jung und schön zu machen, und wies bei dieser Gelegenheit darauf hin, daß ganz in der Nähe Gießens, in der Treiser Gemarkung, ein solcher Jungbrunnen gewesen sein soll. Schon lange vor den alten Germanen wußten bereits die Grie­chen und Römer, daß zur Gesund- und Jungerhal- tuna des menschlichen Körpers Licht, Luft und Wasser dienen.

Ganz im Gegensatz zum Mittelalter, wo es ge­radezu als sündhaft galt, seinem Körper irgend­welche Pflege und Bedeutung zukommen zu lassen, legt man in unserer Zeit wieder den größten Wert auf Körperpflege. Die Rednerin verstand es nun an Hand ihrer aufschlußreichen Erläuterungen über den menschlichen Organismus und dessen verschiedene Funktionen, Ausgaben und Leistungen einen klaren Umriß darüber zu geben, wie wichtig es ist, burch sorgsame Pflege den Körper widerstandsfähig und gesund zu erhalten. Neben sportlicher Betätigung ist es von besonders großer Wichtigkeit, daß man der Pflege der Haut größte Bedeutung beimißt, weil sie die Blutzirkulation und die damit bedingte Wärmeabgabe des Blutes reguliert, denn eine schlechtdurchblutete und mangelhaft durchfettete Haut setzt dem Eindringen von Bakterien und anderen Kranheitserregern keinen Widerstand entgegen. Oft schwere Erkrankungen des Organismus sind dann die üblichen Folgeerscheinungen. Darum ist es wich­tig, daß die Haut stets elastisch und weich bleibe, wenn ihre Funktionstüchtigkeit erhalten bleiben soll. Es ist daher unerläßlich, daß man z. D. nach einem Bad den Fett- und Talgverlust der Haut wieder durch Zuführung entsprechender Nährstoffe ergänzt.

Neben der Pflege der Haut ist für die Gesund­erhaltung unseres Körpers auch die Wirkung des Sonnenlichtes von besonderer Bedeutung, denn es spendet Licht und Wärme, beides unerläßliche Vor- öedingungen für unsere Gesundheit und unser Wohl­befinden. Hier beschäftigt sich die Rednerin ausführ­lich mit den heilbringenden ultravioletten Strahlen des Sonnenlichtes und in Verbindung damit mit ber künstlichen Höhensonne, burch deren Bestrahlung bas Wohlbefinden des Organismus gefördert wird, weil hierdurch ber Bestand an Eisen, Phosphor und Kalk im Körper vermehrt wirb. Dadurch tritt bei Kin­dern, wie bei Erwachsenen nach ber Bestrahlung ein allgemeines Wohlbefinden ein. Nervosität unb Mü­digkeit verschwinden, denn Phosphor ist Nervennah­rung. Besonders für die überarbeitete Hausfrau, deren Nerven oft sehr unter dem Uebermafj ber Anforderungen leiden müssen, sind die Höhensonnen­bäder eine wirkliche Wohltat. Durch sie erholen sich wieder Körper und Geist, und eine größere Lei­stungsfähigkeit tritt ein.

Die Vereinsleiterin dankte ber Rebnerin für ihre interessanten und belehrenden Darlegungen und be­schloß den Abend mit einem dreifachen Sieg-Heil auf unseren Führer.

*

** Sperrzeit für Tauben. Die Besitzer von Tauben werden in einer Bekanntmachung im heutigen Anzeigenteil darauf aufmerksam aemacht, daß sie in der Zeit vom 6. Oktober bis 6. Novem­ber ihre Tauben einzuhalten haben.

** Einen Gruben-, Schwellen- unb Papierholz-Verkauf zeigt bie Bürgermeiste­rei Gießen in einer Bekanntmachung im heutigen Anzeigenteil an. Es sei besonders darauf aufmerk­sam gemacht.

** D e r siebente Junge. Die Ehefrau bes Arbeiters Karl Vogel von hier, Wiesecker Weg 40, wurde gestern abenb von ihrem siebenten Jungen entbunden. Mutter und Sohn sind wohlauf.

Reichstreffen des Reichsbundes Volkstum und Heimat.

-- Friedberg, 4.Oft. Der vor einem Jahr auf der Tagung in Kassel gegründete Reichsbund Volkstum und Heimat hält in ber von Ministerialrat R i n g s h a u sen geführten Landschaft Rheinfranken-Nassau-Hessen sein e r st e s Re i ch s treffen in der Zeit vom 14. bis 19. Oktober in Friedberg und vom 20. bis 22. Oktober in Mainz ab. Zu diesem Treffen, das in Form der vom Reichs­bund schon wiederholt durchgeführten Rüstwochen veranstaltet wird, kommen etwa 350 bis 400 Ver­treter aus sämtlichen deutschen Gauen in unsere Landschaft. Die eigentliche Programmgestaltung geht von der Geschäftsführung des Reichsbundes in Berlin aus. Vertreter von dort weilten dieser Tage in unserer Stadt, um mit dem Geschäftsführer der Landschaft Rheinfranken - Nassau - Hessen, Professor Dr. S pil g er (Darmstadt), unb dem mit der ört­lichen Leitung beauftragten Fachschaftsleiter ber Fachschaft Laienspiel der Landschaft Rheinfranken- Nassau-Hessen, Oberstudiendirektor Philipps (Friedberg), den Aufbau der großen Tagung im einzelnen zu beraten. Das Ergebnis ist, daß für aus­reichende Unterkunft in unserer Stadt Sorge ge­tragen ist, wie auch die nötigen lagungs» und Aus­stellungsräume gesichert sind. An bobenftänbigen Veranstaltungen, die bem Programm ber Reichs­führung des Reichsbundes den Rahmen geben, sind u. a. verschiedene Ausstellungen, wieSchule unb Heimat",Heimisches Schrifttum",Heimisches Handwerk",Die schone Heimat",Heimat unb Na­turschutz" vorgesehen. Unsere Stadt wirb sich mit «allen Kräften in ben Dienst ber Tagung stellen.

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