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Nr. 234 Erstes Blaff

M. Jahrgang

Samstag, 6. Oktober 1934

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Geistige Bilanz.

Eine der führenden Persönlichkeiten des neuen Deutschland hat neulich in einer Rede bemerkt, daß kein Lorkburf den Nationalsozialismus so schwer ge­troffen und so als unberechtigt empfunden worden sei, wie der der Kultur- und Geistesfeind- schäft. Er geht zurück auf die ersten Monate nach der politischen Machtergreifung, in denen der Kampf um die totale Durchsetzung der neuen Staatsidee die Beseitigung nicht nur der politischen Träger des alten Systems, sondern auch seiner geistigen Grund­lagen und Voraussetzungen verlangte. Wenn die kommunistische und marxistische Auffassung politi­scher Aufgaben in Deutschland ausgerottet werden sollte, was die Lage des Reiches und die große Mehrheit seiner Staatsbürger gebieterisch verlang­ten, so mußten auch die geistigen Funda­mente vernichtet werden, auf denen jene verderb­lichen politischen Erscheinungen aufgebaut waren, oder die ihren Geist und ihren zerstörenden Willen in künstlerischer und geistiger Form darstellten.

Es war die Zeit, in der ganze Scharen von Lite­raten, Künstlern und auch Gelehrten über die deut­schen Grenzen in das benachbarte Ausland fluteten, nicht alle gezwungen, sondern viele in der eigenen Erkenntnis, daß ihnen im neuen Deutschland bald das Publikum fehlen werde. Man erinnert sich der Kundgebungen des ohnmächtigen Zornes, dem sich einige dieser entthronten Vertreter deutscher Litera­tur und Kultur Hingaben, als sie bemerken mußten, daß immer noch genug Geist in Deutschland ver­blieben war, und daß gerade die edelsten Repräsen­tanten der Künste und Wissenschaften ihrer volk- Ilichen Sendung auch im neuen Staate bewußt und itreu blieben. Der Vorwurf der Geistesfeindschaft, iden sie eifrig und, ihrer Rolle getreu zu Nutzen ider poltischen Gegner, verbreiteten, war schon durch idiese Tatsache als eine Ueberschätzung ihrer Bedeu­tung für das Gesamtbild der deutschen Kultur ent- llarvt.

Es soll aber nicht geleugnet werden, daß das 'Gefühl und die Besorgnis geistiger und künstlerischer 'Minderung zunächst auch in Kreisen laut wurde, 2»ie aus vielerlei Gründen mit dem früheren Zii- sstand verwachsen oder auch nur an ihm gewöhnt rroaren. Der Nationalsozialismus hatte in feiner schweren Kampfzeit, obwohl er den Bau seines geistigen Fundaments nicht vernachlässigte, doch im «wesentlichen eine andere Aufgabe gehabt, als die «Gewinnung jener Bildungsschichten, die ihre Dor- jtetlungen und Bedürfnisse teils aus der Atmosphäre Der Vorkriegszeit, teils aus dem geistigen und mo­ralischen Chaos der Nachkriegsjahre bezogen.

Die Republik hatte für geistige und künstlerische «Sammlung und Reinigung nichts getan, nichts tun Rönnen, weil die wechselnden Herrschaften der gei­stig verarmten Sozialdemokratie, des gegen alle und »alles toleranten Liberalismus und des religiös ge­fundenen Zentrums, oder gar ihre Vermischung in Koalitionen auf diesem Gebiete fast, noch ohnmäch- ttiger waren, als auf dem der Politik. Reich und Lander hatten sich schließlich darauf beschränkt, mit Häutern Bedauern die materielle Verarmung zum Anlaß zu nehmen, um in den Etats die für die För­derung geistiger und kultureller Bestrebungen aus- rgeworfenen Posten zu kürzen oder, gänz zu streichen. Won vielen Großstädten gar nicht zu reden, in de­ren wüsten Parteiparlamenten die Zuschüsse für die Theater und andere Einrichtungen nur noch als «Gegenstand der Agitation und des Aemter- und Machtyandels behandelt wurden.

Was war natürlicher, als daß aus dieser Not die Tugend gelehrt wurde, man müsse die Künste s i ch ffelbst überlassen, das nehmen, was sie bieten, faß weite Kreise des Publikums von dem Gebote­men das am willigsten aufnehmen, was im Gewände Les Sensationellen und absolut Neuen auftrat, und sich allmählich daran gewöhnte, das, was manch­mal auch mit Geist und Können verbunden war, j ools Geist schlechthin und als seine allein gültige Form anzusehen. Daß dies nur eine verhält­nismäßig kleine und auf die Großstädte beschränkte Schicht war, daß die Luft zwischen Volk und Kunst immer dünner wurde, bemerkten und vermißten nur Wenige, und unter ihnen gab es manche, die einen solchen Zustand als hohe Kulturstufe priesen, weil foie Kunst dermisera plebs, dem gemeinen Volke, ssowieso verschlossen sei! u

Mit solchen Torstellungen, die das Volk kunst- i sfremd und die Kunst volksfremd machen, hat d e r neue Staat gründlich gebrochen. Auch er kann ssich nicht das Ziel setzen, die gesamten kulturellen Aeuherungen in seine Regie zu nehmen; die Auf- " mabe des Staates wird immer im wesentlichen eine leitende und fördernde sein und nicht ver- zgesfen dürfen, daß der geistige Schöpfungsprozeh Über Nation ebenso wenig wie der körperliche einer rationalistischen Beschränkung oder Reglementie­rung ausgesetzt werden darf. Aber wie seine Be- «mühunaen dahin gehen, erbkranke Personen aus übern physischen Prozeß der Dolkwerdung auszu- ffchließen, so hat er auch das Recht und die Pflicht, Oben geistigen und kulturellen Formungsprozeß der Nation aus ihren eigenen reichen und volksver- Qbunbenen Kräften sich vollziehen zu lassen.

Es ist, kaum anderthalb Jahre nach der Geltung jsolcher Anschauungen, vielleicht noch zu früh, eine Bilanz der Leistungen des neuen Staates auf die­sem roeitumfaffenben und wenigen ganz erfchloffe- mem Gebiete zu ziehen, wie es auf politischem und sozialem möglich ist. Aber auf einige positive An­zeichen einer reichen und fruchtbaren geistigen und . Ikünstlerischen Bewegtheit kann man doch schon hin- I weifen. Es ist nicht mehr vorgekommen, daß in den I. staatlichen Haushaltsplänen Kulturpositionen ge- trichen ober gekürzt wurden. Die in den letzten Jahren vor der nationalen Umwälzung ständig und mmer häufiger - wiederkehrenden Meldungen, daß Theater geschloffen oder auf einen einseitigen Spiel- plan beschränkt werden mußten, haben plötzlich auf-

Frankreich am Scheidewege."

Herrioi gegen die marxistische Front.

Die Kantonalwahlen am Sonntag verursachen im ganzen Lande nervöse Stimmung.

Herriot verteidigt die Politik der Radikalsozialisten.

Paris, 6. Oft. (DNB.) Staatsminister Her - riot sprach in Lyon zu den Kreiswahlen am Sonn­tag. Besonders ironisch sprach er von denjenigen, deren Ziel die Diktatur des Proletariats ei und die sich eifriger Förderung erfreuten durch Revolutionäre im Smokin g", durch Plutokraten, die nichts anderes zu tun hätten, als ihre üppigen Renten zu verzehren und durch f r er­giebige Schriftsteller, die auf ihren Schläf­ern rührende Schriften über das Elend der Armen verfaßten. Das Werk des inneren Aufbaues fei nur möglich im Rahmen des Friedens. Mit B r i a n d zusammen habe er sich einst um die aufrichtige Aussöhnung mit dem deutschen Volke bemüht. Auch heute noch glaube er, daß die Annäherung zwischen zwei großen Nationen für Europa und die Welt' ein wesentlicher Friedensfaktor sei. Aber durch dieErinnerungen Stresemanns" werde be­wiesen, daß Deutschland Frankreichs Freigiebigkeit als Schwäche ausgelegt und sich darüber lustig ge­macht habe. Herriot verteidigte bann die von ihm betriebene A l l i a n z p o l i t i k und rühmte sich vor allem seiner Vorarbeit, die zum Eintritt Sowjetrußlands in den Völkerbund geführt habe.

Hierauf fetzte er sich mit den Sozialisten auseinander. Nachdem die Sozialisten erklärt hätten, daß sie die am Burgfrieden festhaltenden Radikal- ozialisten bis aufs Messer bekämpfen würden, sei die Frage der Wahltaktik bereits durch die Sozialisten selbst entschieden. Die Radikalsozia- listische Partei könne sich unmöglich auf einen Pakt mit den Sozialisten einiaffen, ohne von diesen die geringste Garantie beispielsweise in der Frage der Landesverteidigung zu fordern. Die So­zialisten hätten ihn in schwierigen Stunden st e t s im Stich gelassen. Die Sozialisten müssen mit Ja oder Nein antworten, ob sie für b i e Lan - besoerteibigung seien, ob sie bas Privat­eigentum adlehnten, ob sie für bie parla­mentarische Republik seien ober für bie Diktatur bes Proletariats. Frankreich stehe a m Scheibewege: Revolution ober Evolution. Eine anbere Wahl gebe es nicht.

Erbitterter Wahlkampf.

Wird dieNationalversammlung eiuberufen?

Paris, 6. Okt. (DNB. Funkspruch.) Die Rebe Herriots in Lyon wirb als eine Tatsache gewertet, bie zugunsten Dournergues unb gegen die mar­xistische Front entscheidend ins Gewicht fallen werde. Die Presse ist der Ueberzeugung, daß die Stellungnahme des Führers der Radikalsozialisti- schen Partei den Trennungsstrich zwi­schen national- und antinational- denkenden Franzosen, den der Minister­präsident in seiner Rundfunkansprache gezogen habe, verstärken wolle und daß diese Stellungnahme für die Haltung des radikalsozialistischen Landes­parteitages in Nantes entscheidend fein werde. Da­

bei verkennen die Blätter nicht, daß die Parole Her­riots auf den Widerstand des linken Flügels der Radikalfozialistifchen Partei stoßen werde, der viel­leicht, wie auch aus der Kritik einiger radikalfozia- listifcher Blätter an der Rede Dournergues hervor­geht, nicht geneigt fei, die Schwenkung zum Rechtsblock, die Herriot anscheinend voll­zogen habe, mitzumachen.

Der Vorstand der NeusozialistischenPar- t e i hat beschlossen, bei Eröffnung des Parlaments den Auftrag auf Einberufung der Berfas- fungsgebenden Versammlung stellen zu lassen. In parlamentarischen Kreisen rechnet man damit, daß die Regierung nach Erledigung der dringendsten parlamentarischen Arbeiten (insbeson­dere Verabschiedung des Staatshaushaltsplans) die Einberufung der Nationalversammlung des Se­

nats unb der Deputiertenkammer gemeinsam nach Versailles beantragen werbe.

Der sozialistischeP o p u 1 a i r e" versucht Unruh« unb Spannung zu erzeugen mit ber Vorankündi- gung, baß bie Frontkämpfervereinigung Feuerkreuz" in ber Nacht auf Sonntag burch Maueranschläge ben sofortigen Rücktritt bes I u st i z m i n i st e r s C h e r o n unb eine Verstär­kung ber Machtbefugnisse Dournergues forbern werbe. Die Mobilgarbe von Paris unb Umgegend fei im Hinblick auf bie Möglichkeit von Unruhen alarmiert. Vielleicht wolle man einen neuen 6. Fe- bruar vorbereiten. Aber auch bie Verbänbe ber So­zialistischen Arbeiterpartei ftünben bereit. Wie sich aus biegen Aeußerungen ergibt, herrscht eine fie­berhafte Spannung, bie mancherorts im Lanbe in eine Kampfstimmung Umschlägen tonnte.

Zuspitzung Der Lage in Spanien.

©er revolutionäre Generalstreik der Marxisten.

Der Verkehr zum Erliegen gebracht. - Schwere Ausschreitungen in Madrid.

M a b r i b, 6. Oft. (DNB.) Der General­streik in Mabrib dauert unvermindert an. Die Eifenbahnzüge, die zunächst noch regelmäßig, wenn auch mit großen Verspätungen, verkehren, mußten Freitag abend zum Teil ihrenDerkehr e i n ft e 11 e n. Die Weichensteller des Südbahnhofes verließen ihre Arbeitsplätze, so daß bie Züge w e - der ein- noch ausfahren konnten. Der Schnellzug von Jrun, der Grenzstation in den west­lichen Pyrenäen, nach Madrid mußte feine Fahrt in Valladolid aufgeben, da dort keine Wechsel­maschine zur Verfügung stand. Der aus Santander kommende Zug lief zwar in Madrid ein, führte aber keine Fahrgäste.

Die Zwischenfälle in ber Hauptstadt häuften sich nach Anbruch der Dunkelheit. An einer Weichen­kreuzung der Straßenbahn stellten die Aufständi­schen die Weichen so ein, daß drei Straßen­bahnen aus verschiedenen Richtungen inein­anderfuhren, wobei es Verletzte gab. An an­deren Stellen der Stadt wurden Sprengstoff­anschläge verübt, die außer Materialschäden einige Verletzte im Gefolge hatten. Die Streikenden steckten ferner eine Kraftdroschke in Brand, deren Fahrer den Streikbruch gewagt hatte. Der Fahrer wurde schwer verwundet. Die Polizei ist im übrigen HerrderLage. Zahlreiche Strei­fen zu Fuß unb zu Pferb burchziehen bie Stabt, ferner sieht man häufig Polizeikraftwagen mit Über­fallkommandos und aufmontierten Maschinengeweh­ren. Zur besseren Ueberwachung der Umgebung ber Polizeidirektion wurden auf dem Dach dieses Ge­bäudes starke Scheinwerfer eingebaut. Bis jetzt sind insgesamt 500 Verhaftungen vor­genommen worden.

Die Streikleitung der Marxisten hat den Befehl ausgegeben, den Streik am Freitagfriedlich" zu führen und ab Mitternacht, falls keine Gegen­order erfolgt, zumrevolutionären" Ge­

neralstreik überzugehen. Hiermit dürfte die von der Regierung veranlaßte Zusammenziehung von M i 1 i t är in den Madrider Außenbezirken in Zusammenhang stehen. An verschiedenen Stellen der Stadt sind Maschinengewehre in Stellung ge­bracht. Zahlreiche Patrouillen durchstreifen die Stra­ßen. Während die rechtsstehenden Madrider Abend­blätter, die von nicht organisiertem Personal her- gestellt werden, erscheinen konnten, kam die übrige Presse nicht heraus.

Aufstand der Bergarbeiter in Asturien.

Besonders ernste Formen hat der Generalstreik in Asturien (Nordspanien) angenommen, roo bie Grubenarbeiter allerlei Gewaltakte ver­übten. U. a. würben mehrere Ueberfäüe van Syn- bikalisten auf Polizeiposten burchgeführt, wobei bis jetzt fünf Polizisten g e t ö t e t unb vier schwer verwundet sind. Zehn Arbeiter sollen g e - tötet fein. Die Regierung hat, nachdem die ernsten Nachrichten aus Asturien eingetroffen sind, den Kriegszustand über diese Provinz verhängt. Wie verlautet, sollen mehrere Flugzeug­geschwader von Madrid aus dorthin unterwegs fein. In Eibar, zwischen Bilbao unb San Se­bastian, stürmten bie Marxisten eine Waffenfabrik. Die Ausstänbischen haben bann auf bem Rat­haus bie weihe Flagge gesetzt unb sich ber Polizei ergeben. Zur Nieberwerfung bes revolutio­nären Aufstanbes ber Minenarbeiter im asturischen Kohlengebiet würben von Vallabolib, Astora und ßconat Artillerieabteilungen unb Maschinengewehr­kompanien in Marsch gesetzt. Die Regierung ist auherorbentlich zuversichtlich unb hofft, binnen kur­zem bie Ruhe unb Drbnung im Lanbe wieberher- stellen zu können.

Umfassende Sammlungsverbote zugunsten des Muterhilssiverks nnd derAdols-Mler-Spende der deutschen Mtrtschast.

gehört, unb wir lesen statt besten, baß eine nam­hafte Anzahl von Bühnen, namentlich in ben kul­turell bebrohten Grenzgebieten, roieber eröffnet ober bester ausgestattxt finb. Die Frage ber Weiter­existenz bes Deutschen Opernhauses in Charlotten- burg, bie Jahre lang von ber Stabt Berlin halb bejaht, halb verneint würbe, ist mit einem Male burch ben Willen bes Reiches, bie Energie eines feiner Zeit oerbunbenen Jntenbanten unb bie freu­dige Teilnahme ber Bürgerschaft glänzenb gelöst.

Tausenbe von Künstlern finb burch bie Wieber- belebung ber Theaterfreubigkeit ihrem Beruf zurück- gegeben unb ber Gefahr ber Proletarisierung ent­zogen. Die überall aufblühenbe Spielsreubigkeit, bie Einrichtung von Thingplätzen für Volksfestspiele, all bas verrät ein Streben unb einen Glauben, bie keine Erinnerung mehr kennen an bie noch so kurz hinter uns liegende Zeit ber Theaterbämmerung mit ihrer Resignation: Schauspiel unb Oper ge­hören einer vergangenen Kulturepoche an unb sinb nicht mehr lebendig zu halten.

Natürlich kann eine solche Bilanz nicht ben An­spruch auf Vollständigkeit erheben: aber sie genügt schon heute, um ben Vorwurf zurückzuweisen, bas neue Deutschlanb roenbe sich von ber großen Trabi- tion ber beutschen Kultur ab unb begünstige ben Rückfall in eine ben Geist verachtenbe Epoche. Diese Gefahr besteht nicht: bafür bürgt schon bie Person bes Führers unb Kanzlers, von bem kürzlich sein Stellvertreter Rubolf Heß, ber ihn als Menschen wohl am besten kennt, gesagt hat, baß er ein Künst­ler sei.

Aus dem Germanischen INuseum in Nürnberg.

Im Verwaltungsrat bes Germanischen Mu­seums in Nürnberg legte Geheimrat Dr. Zimmermann ben Verwaltungsbericht vor. Der im vorigen Jahre beschlossene Erweiterungsbau für die Barockabteilung des Museums ftanb im Mittel­punkt bes Berichts. Die Voranschläge für 1935 wur­den genehmigt. Die Versammlung setzte sich lebhaft für bie Durchführung bes Bauplanes für,bie Trach- tenfammlung ein.

Berlin, 6. Okt. (DNB.) Der Reichsschatz- me ist er hat bie folgenbe Anorbnung erlassen:

Am 9. Oktober 1934 beginnt bas Winter- hilfswerk bes beutschen Volkes. Um biefem einen vollen Erfolg zu sichern, orbne. ich hiermit an, daß alle © l i e b e r u n g en ber Partei, rote auch alle ber Partei angesch 1 ossenen Verbänbe währenb ber Dauer bes Winterhilss- roerEes jebe Sammlung an Gelb- ober Sachspenben zu unterlassen haben. Ich mache bie ftr engfte Einhaltung biefer An­orbnung allen Parteibienstellen zur unbebingten Pflicht.

Nach bem Reichsgesetz über bas Verbot von öffent­lichen Sammlungen vom 3. Juli 1934 finb alle Sammlungen von Gelb- unb Sachspenben auf öffentlichen Straßen ober Plätzen, von Haus zu Haus, in Gast- ober Vergnügungsstätten ober an anberen öffentlichen Orten bis zum 31. Oktober 19 3 4 verboten.

Als Sammlung gilt auch ber Verkauf von Gegen- ftänben, bereu Wert in keinem Verhältnis zu bem geforberten Preis steht. Ich weise barauf hin, baß bas von mir für bie Partei unb bie ber Partei an- geschlossenen Verbänbe erlassene Verbot Samm­lungen jebe r Art, also nicht bloß Sammlun­gen, bie dem bezeichneten Reichsgesetz unterliegen, umfaßt, unb baß sich mein Verbot unabhängig von ber Geltungsbauer bes Sammelgesetzes zeitlich b i s zum Enbe bes Winterhilfswerkes bes deutschen Volkes erstreckt.

Von dem Verbot wird auch die Werbung d o n Jo g. fördernden Mitgliedern unb von Patenschaften erfaßt.

Die Erhebung von Spenden für di^ Adolf- Hitler-Spende der deutschen Wirt­schaft wird durch mein Verbot nicht berührt.

gez.: Schwarz.

Das Kuratorium ber Abolf Hitler-Spenbs ber beutschen Wirtschaft gibt bekannt:

Der bevorstehenbe Beginn bes Winterhilfswerkes 1934/35 veranlaßte mich zu ber Mitteilung, baß bie Sammlungen für bas Winterhi 1 fs- werk nicht unter bas Sammelverbot zugunsten berAbolf Hitler-Spenbe ber beutschen Wirtschaft" fallen.

Bezüglich ber N S. - V o l k s w o h l f a h r t ist fol­genbe Regelung getroffen: Für Betriebe, bie sich in ungünstiger wirtschaftlicher Lage be- finben unb im Besitz ber von berAböls Hitler- Spenbe ber beutschen Wirtschaft" ausgestellten Be­scheinigung find, kann von ber Geschästsfüh- führung bes Kuratoriums auf Antrag bas Sam­melverbot zugunsten berAbolf Hitler-Spenbe ber beutschen Wirtschaft" auch auf bie Spen- denvorhaben ber NSV. (Mitglieberbeiträge, Patenschaften usw.) aus gebest werben. Da- burch sinb bei biefen Firmen alle weiteren Leistungen an bie NSV. abgelöft. Wäh­renb ber Dauer bes Winterhilfswerkes werben b e sondere Sammlungen für bie NSV. nicht veranstaltet.

Nachstehend ist noch einmal bie Liste derjenigen Dienststellen unb Einrichtungen aufgeführt, für bie bas im Auftrage des Führers durch feinen Stellver­treter erlaßene Sammelverbot zugunsten derAdolf Hitler-Spende der deutschen Wirtschaft" Gültig- leit bat; PO. ber NSDAP., SA., SS., NSKK.,