Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhessen)
'r. 259 Drittes Blatt
Hubertusjagd
macht eingekreist wurde 'Aber noch konnte ihm der Fuchsschwanz nicht entrissen werden, denn in scharfen Rechtswendungen entzog er sich immer wieder den Verfolgern. Schließlich gelang esFrauPauly (nicht zum'ersten Male) in taktisch hervorragendem schneidigem Ritt dem Fuchs an die Seite zu kommen, ihm an der Seite zu bleiben und schließlich auch den Fuchsschwanz zu entreißen. Im „Halali, Halali! Halali!" klang die Jagd aus.
Während das Feld der ersten Gruppe den Fuchs jagte, waren auch die Unteroffiziere und Mannschaften auf dem Flughafen angekommen. Die Fuchsjagd der Reichswebrloldaten gestaltete sich
Es war ein rechter Herbsttag, der vergangene Samstag, an dem sich gegen 15 Uhr in der Nähe ter Wellersburg die Offiziere und berittenen Unteroffiziere und Mannschaften unserer Gießener Reichswehr, viele Mitglieder des Gießener Reit- unb Fahrklubs, sowie zahlreiche Gäste zu Pferde Unfanden, um an der Hubertusjagd teilzu- liehmen. Die Luft war feucht und kalt, von den Zäumen an der Straße wurden durch den anhallenden Westwind die letzten Blätter herabgefegt, in !»en Tälern lagen graue Nebelschleier, die den Blick hn weitere Fernen verhinderten. Unter den Rei- i«rn herrschte, trotz des trüben und unfreundlichen
। haben in der Trennung natürlich auch die Leideform, z. B. die Statt ist gefunden für das Essen. In der Zusammensetzung werden dagegen diese Zeitwörter ziellos und haben daher keine Leideform. Mithin verbietet sich der Ausdruck: das Essen ist stattgefunden. Vielmehr läßt sich nur sagen: das Essen hat stattgefunden, die Person hat teilgenommen. Die ohne das Hilfszeitwort „haben" stehenden Mittelwörter „stattgefunden" usw. gehören der unzulässigen Leideform an. Wer ein „stattgefundenes Essen" in den Mund nimmt, muß auch eine „teilgenommene Person" schlucken. Nun gilt es indessen, nicht allein den sprachlichen Mißbrauch vor Augen zu führen, sondern auch einwandfreie Ausdrucksweisen anzugeben. In der Tat bieten sich hierzu mehrere Möglichkeiten. In vielen Fällen ist das Mittelwort überflüssig; denn man kann einfach
Montag, 5. November 1934
sagen: Bei dem Essen gestern im Ratskeller, oder: Bei dem gestrigen Essen im Ratskeller. Treten allerdings zu dem leitenden Hauptwort (Essen) noch weitere Bestimmungen, so wäre, weil die Anziehungskraft mit der Entfernung abnimmt, ein bezüglicher Nebensatz angebracht, z. B.: Bei dem Essen, das gestern unter zahlreicher Beteiligung der Einwohner im Ratskeller stattgefunden hat. Soll es aber ein Mittelwort fein, so steht ein geeigneter Ersatz in ausreichendem Maße zur Verfügung: das . . . veranstaltete Essen, der ... unternommene Ausflug, die . . . vorgenommene Prüfung, die . . . angestellte Untersuchung, die ... vollzogene Eheschließung, die . . . abgehaltene Sitzung, die für . . . einberufene Versammlung, die für ... angesetzte Verhandlung. Für das Teilnehmen käme bie . . - beteiligte Persop in Betracht. R. L.
Das Feld setzt dem Fuchs nach. Beim Sprung über die letzte Hürde.
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Das „Halali" der Unteroffiziere und Mannschaften nach der Jagd. — (Aufnahmen: Photo-Psass.)
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Gefallenen ehrung bei Bänninger
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Die Belegschaft bei der Gedenkfeier vor dem Ehrenmal. — (Aufnahme: Photo-Pfaff.)
Nach der Jagd.
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mährend das Musikkorps der Reichswehr konzertierte, das reitsportliche Ereignis ab.
damit die Jagd zu beenden
Nachdem der Bruch verteilt war, wurden den Mannschaften der Reichswehr die Pferde sorgt und in die Ställe zurückgebracht
Anzeiger" Nr. 256 vom 1. November.) Die Führung der Betriebszelle hatte mit der Fahne unmittelbar an dem Gedenkstein Aufstellung genommen. Der SA.-Musikzug unter der Stabführung des Musikzugführers Herrmann leitete die Gedenkfeier mit dem „Ave Maria" ein. Anschließend wurde unter der Leitung von Universiätsmusik- direktor Prof. Dr. Temesvary von der gesamten Belegschaft ein Massenchor „Mahnung", komponiert von Prof. Temesvary, gesungen, den der SA.-Musikzug begleitete
Hierauf hielt der Betriebsführer Bänninger die Gedenkansprache, in der er sagte: Knapp 20 Jahre sind verstrichen seit jenem denkwürdigen 2. August, an dem etwa 100 Mann unserer Belegschaft' von der Arbeit weg zu den Fahnen eilten, um ihr Vaterland zu verteidigen. Im Laufe der vier Jahre wurden es der Kämpfer immer mehr. Als die Regimenter Ende 1918 in die Heimat zurückkehrten, fehlten 21 unserer Arbeitskameraden: sie waren gefallen für das Vaterland und geblie- bei in Feindesland. In den kommenden Zeiten der Revolution und in dem Strudel des Parteienstaates hat man leider zu oft vergessen, die Erinnerung zu pflegen an jene, die im Weltkriege geblieben sind. Wir haben deshalb von der Künstlerhand des Herrn Ködding diesen Gedenkstein ausführen lassen, um auch für kommende Zeiten unsere gefallenen Kameraden zu ehren. Indem wir diejenigen ehren, die im Kriege fielen für ihr Vaterland. ehren wir zugleich alle diejenigen, die im Kriege ihr Leben eingesetzt haben für Volk und Vaterland und das Glück hatten, heil nach Hause zurückzukommen. Gefallen sind von unserer Firma folgende Arbeitskameraden: Friedrich Zimmermann, Schleifer; Wilhelm Hildebrand, Schmelzer; Hermann Hetzger, Former; Heinrich Fehling, Modellschlosser; Karl Hamel, Gewindeschneider; Wil
helm Buße, Former; Wilhelm Keller, Former; Ludwig Albach, Gewindeschneider; Heinrich Geißel, Former; Heinrich Jacob, Schleifer; Peter Schneider, Verzinker; Philipp Schmidt, Schmelzer; Ruprecht Jung, Modellschlosser; Johann Thomann, Büroangestellter; Friedrich Müller, Werkzeugdreher; N. Schafraneck, Kernmacherei-Vorarbeiter; Ludwig Nebeling, Former; Carl Herbert, Lackiererei-Hilfsarbeiter; Ludwig Stein, Gewindeschneider; Ernst Müller, Schleifer; Karl Keil, Bohrerschleifer. Zu Ehren dieser Gefallenen legte der Redner an dem Gedenkstein einen großen Kranz nieder, wäh- rend der SA.-Musikzug die Weise vom guten Ka- meraden spielte und die Versammlung die Gefallenen mit dem deutschen Gruß ehrte.
Betriebsführer Bänninger ehrte sodann bi»
Eine pietätvolle Feier zur Erinnerung und Ehrung der Gefallenen der Firma Bänninger zu Gießen fand am Samstagnachmittag auf dem gärtnerisch schön angelegten Platze vor dem Verwaltungsgebäude der Firma statt. Zu der Feier hatte sich die gesamte Betriebsgemeinschaft eingefunden, ferner waren der Musikzug der SA.- Standarte 116 unter Leitung des Musikzugführers (Herrmann und einige geladene Gäste zugegen. Vor Beginn der Feier spielte der SA.-Musikzug in bekannt schneidiger Weise einige Märsche.
Zu der Gedenkfeier versammelte sich die große Gemeinschaft in weitem Halbkreis um den inmitten einer großen Rasenfläche errichteten Gedenkstein, den unser Gießener Bildhauer Ködding geschaffen hat. (Siehe Bildbericht im „Gießener
Herdschweigen.
Eines der vielen ungeschriebenen Gesetze der Germanen war das „Herdschweigen". Es umgrenzte alles, was im Hause geschah, was mit der Familie und der Sippe zusammenhing, und legte jedem einzelnen die Verpflichtung auf, davon nichts in die Welt hinauszutragen. Nicht, weil man etwas zu verbergen hatte, sondern aus der weisen Erkenntnis heraus, daß andere die Dinge mit anderen Augen betrachten, und daß ein falsches Bild entstehen würde, wenn sie unx Begebenheiten wissen, zu denen ihnen die innere Voraussetzung fehlt.
Wieviel Unglück geschieht bei uns, weil viele das Herdschweigen so lange nicht mehr als Ehrenpflicht ousfaßten? Wieviel Ehen sind daran zerbrochen, daß die Frau das innere Geschehen ihres Hauses nicht hütete? Daß der Mann sich verraten sah, wo er Vertrauen gegeben hatte. Nachlässigkeit, Eitelkeit und das Gefühl, sich durch Mitteilung von persönlichen Angelegenheiten interessant zu machen, sind oft zur Triebfeder der Geschwätzigkeit geworden, und keine Reue holte zurück, was einmal den Mund verlassen hatte.
Detters, beste Stimmung. Die ankommenden Gäste wurden immer wieder mit dem entsprechenden Signal begrüßt — die Pferde standen unruhig lerum, warteten der Jagd, zu der sie geritten wer- jgen sollten und der sie aus der Situation heraus mtgegenfiebeuen. Man sah ausgezeichnetes Pferdematerial.
Die Beteiligung an dieser Jagd war außerordent- !ch stark. Sie wurde in zwei Gruppen geritten. D»ie Offiziere, die Mitglieder dös Reit- und Fahr- l ubs und die Gäste, etwa 30 Personen, ritten zu- irfL Wenig später folgten die Unteroffiziere und Mannschaften der Reichswehr, insgesamt etwa 50 5iann.
Für die erste Gruppe stellte Oberleutnant Fett len Fuchs, dem unmittelbar zwei Damen folgten. Seneral Lütke führte als Master das Feld. Die Aruppe der Unteroffiziere und Mannschaften hatte Unteroffizier Albrecht zum Fuchs, das Feld vurde von Oberfeldwebel Bax geführt. Die vorge- ??ichnete Strecke wurde im normalen Jagdfeld geeiten und brachte verschiedene Schwierigkeiten, die über zu bewältigen waren. Der Kurs führte über Ewa 5'/- Kilometer. U1 .
Nachdem die ersten Takte des Liedes „Wohlauf E Kameraden auf's Pferd, auf's Pferd!", das Signal s mm Beginn der Jagd, verklungen waren, setzten i.d) die stattlichen Kavalkaden in kurzem zeitlichen Abstand in Bewegung und schlugen sofort ein schar- |»5 Tempo an, das während der ganzen Jagd in Unverminderter Schärfe gehalten wurde. Der Kurs üihrte über eine Anzahl künstlich aufgebauter Hindernisse, wie auch über viele natürliche Gräben, wie e im Tale der Wieseck häufig sind. Zunächst ritt man den Wald am Fuß des Hangelsteins entlang, . jiann hinüber nach Trohe, kurz vor dem Dorfe bog '.as Feld nach rechts ab und kam dann südlich I j,es Waldstreifens am Flughafen dem Ziele näher.
«twa 15 Minuten nach dem Beginn der Jagd er- I Ichien der Fuchs und die Reiter der ersten Gruppe I o uf dem Fluahafen, auf dem sich alles sammelte.
Auf dem Flughafen herrschte reges Leben. Es b alten sich in Erwartung des Schauspiels viele Zuschauer eingefunden, die nicht enttäuscht wurden. Es I ho1 sich ihnen manches schöne Bild. Das Musikkorps s unserer Reichswehr war am Zielplatz und konzer- nerte unter Leitung von Obermusikmeister
Ein kameradschaftliches Beisammensein der ziere mit den Mitgliedern des Reit- und Fahrklubs und den Gästen im Flughafenrestaurant schloß.
nicht weniger spannend. Der Fuchs und das Feld, die Teilnehmer saßen durchweg auf überaus kräftigen Perden, jagten in schärfstem Tempo über die Hürde und verfolgten den Fuchs, der sehr geschickt ritt. Schließlick gelang es dem Unteroffzier Kaier, dem Fuchs den Schwanz zu entreißen und
kriegsbeschädigten Kameraden, denen er als äußeres Zeichen des Dankes und der Anerkennung für ihr Opfer der Gesundheit im Kriege das Buch unseres Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler „Mein Kampf" überreichte. Bei dieser Ehrung handelte es sich um folgende Arbeitskameraden: Heinrich Becker (Steinbach), Heinrich Binz (Mendorf), Heinrich B o ch (Gießen), Valentin Naumann (Leihgestern), Karl M ö l l (Watzenborn), Rudolf Müller (Launsbach), Karl O p p e r (Daubringen), Georg Weichsel (Gießen) und Karl W i ß n e r (Saasen).
Betriebsgemeinschaftswalter Diehl sagte am Schlüsse der Feier in einer Ansprache: Soeben hat unser Betriebsführer unseren gefallenen Arbeitskameraden ein Denkmal geweiht. Diese Anregung verdanken wir unserem ältesten Arbeitskameraden Jakob Stecker Nur wenige Arbeitskameraden können sich an den Abschied dieser 21 Kameraden aus diesem Hause erinnern. Sie haben die Heimat verteidigt und mit ihrem Leben teuer bezahlt, damit wir heute in Frieden unserer Arbeit nachgehcn können. Sie gaben alles für ihr Deutschland, und dieses neue Deutschland unter unserem Führer Adolf Hitler ehrt diese toten Arbeitskameraden. Ein echter Deutscher ehrt seine Toten, und wehe dem, der die Toten nicht ehrt; er ist nicht wert, daß er lebt. Im Namen der gesamten Belegschaft spreche ich Ihnen, Herr Bänninger, für dieses Ehrenmal aufrichtigsten Dank aus. Damit haben Sie unseren Arbeitsplatz um ein schönes Stück verschönt. Ihr 21 gefallenen Arbeitskameraden bleibt bei uns in ständiger Erinnerung, dafür bürgt euch das neue Deutschland. Das neue Deutschland ehrt euch mit dem deutschen Gruß und dreimaligem Sieg-H?il.
Damit fand die schlichte und würdige Gedenkfeier ihren Abschluß.
Nach der Ankunft der Reiter und nach kurzer Zause begann dann die eigentliche Fuchsjagd, die rinen außerordentlich spannenden Verlauf nahm. Oer Fuchs (Oberleutnant Fett) preschte los, brachte die Zielhürde hinter sich und jagte in scharfem Ga- !cavv über das Vorqelände des Flughafens. Aber iofort war ihm das Feld auf den Fersen das in Äscher Folge - ein großartiges und begeisterndes Bild für die Zuschauer - die Hürde nahm und !»em Fuchs mehr und mehr aufruckte. Der Fuchs konnte sich aber verhältnismäßig lange den Rucken galten, bis er schließlich doch von der Ueber-
Es lohnt sich wahrlich nicht und es ist unserer nicht würdig, um eines Augenblickserfolges willen das Schönste aus unserm Dasein zu opfern: das grenzenlose und unbeschränkte Vertrauen zwischen Mann und Frau und Familie.
Stattgi f mden
Die Mitteilungen des Deutschen Sprachvereins | berichten:
„Bei dem gestern im Ratskeller stattgefundenen Essen —". Mit Verlaub: es gibt ein gefundenes Fressen, aber kein stattgefundenes Essen Einige zielende Zeitwörter (wie finden, nehmen) werden mit einem vorgesetzten Hauptwort (Statt — Stätte, Teil) zu einem Worte verschmolzen: stattfinden, teilnehmen. Die einfachen zielenden Zeitwörter, die ihr Ziel durch das Hauptwort im Wenfall erhalten.
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