llr.259 Zweites Blatt
Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Montag, 5. November 193^
Buch auf Schicksal und Lebensweg des Volkes. Dar« fchenWirkungen dieser Jahreszeit find für den um gelte es heute, das gute deutsche Buch mit allen Ueberarbeiteten weit günstiger.
an:
deutsche Ueberlie, Deutschla seit der T> Baustein zu...
Wir müssen uns oorbereiten für die nächste Schlacht.
Arbeitsschlacht.
Werkbilder von Heinrich Hauser.
Glut und Eisen.
chwerem Sand und Klebsand.
Hier müssen wir Futter holen für unseren Ösen: achtzehn Tragen Sand, zehn Tragen Lehm, sechs Tragen Klebsand.
Der A b st i ch.
Wenn der Abstich losgeht, läutet eine Glocke: Nie Winderhitzer hören aus zu blasen. Das ist, wie wenn die Artillerie das Feuer einstellt, wenn die
Hochschulnachrichien.
Dr. Friedrich Matz, Prioatdozent für klassische Archäologie an der Universität Berlin, ist zum Ordinarius an der Universität M ü n st e r ernannt worden.
Ministerialrat Johann Daniel A ch e l i s vom preußischen Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung in Berlin ist zum Ordinarius für Physiologie an der Universität Heidelberg ernannt woroen.
Der ao. Professor Dr. Ernst Holzlöhnek wurde zum Ordinarius für Physiologie als Nach, folger von Professor Hob er an der Universität Kiel ernannt.
Der ao. Professor Dr. Karl Kellermann von der Bergakademie in Clausthal ist zum DrbU narius für Stoffwirtschaft an der Technischen Hoch, schule in Aachen ernannt worden.
Die Woche des deutschen Buches wurde mit einer öfsentlichenKundgebunginGe. Halt einer Morgenfeier gestern Vormittag im Gie- gener Stadttheater offiziell eröffnet. Die Gießener Militärkapelle, die sich dankenswerterweise in den Dienst der guten Sache gestellt hatte, leitete unter ber Stabführung von Obermusikmeister E. Krautze mit der „Oberon"-Ouvertüre von Carl Maria von Weber die Kundgebung festlich ein.
3m Winier auf Urlaub.
Segnungen und Freuden der richtigen Winterfrische.
Von Dr. med. Hans Hoske.
Wie der Sommer mit seinen satten Farben und der Frühling mit seinem ersten, lieblichen Aufblühen 1 uns in eine gehobene Stimmung versetzen, so auch die Wunder des Winters. Der Städter kennt ja oft
, Lebens, vor allem auch auf die \ Pflege der großen kulturellen Schrifttum werde vom neuen
X Obhut genommen, und so Hen Buches ein gewichtiger
. jeraufbau des Reiches.
Oberbürgermeister Pg. Ritter begrüßte namens der Gießener Stadtverwaltung die Werbe« arbeit der deutschen Buchhändler aufs wärmste und agte für die Veranstaltung alle nur mögliche Un- erstützunq zu. Man habe die Bedeutung des deut- chen Buches für die sittliche und moralische Erziehung des Volkes heute klar erkannt. Er kenne aus der Praxis genügend Beispiele dafür, wie große Teile des Volkes durch schlechte Bücher verdorben worden seien. Heute werde das deutsche Buch nur von dem einen Gedanken geleitet: Was dient und rammt dem deutschen Volke? Der Redner schloß nit der Bitte, den Buchhandel zu unterstützen, auf mß der Tag des Buches ein Tag wahrer Dolks- lemeinschaft zum Heil und Segen unseres Volkes oerbe.
Der Direktor ber Gießener Universitätsbibliothek, Studienrat C l a r i u s , überbrachte^ im Namen des Rektors die besten Grüße und Wünsche der San* lesuniversität; er wies auf die enge Verbindung •pon Wissenschaft und Buch hin, betonte, daß bte deutsche Jugend aus deutschen Büchern lerne, die icrabe heute als Künder deutschen Wesens m. ber "Seit geschätzt werden müßten. Auch heute — rote in den Zeiten des schlimmsten Hasses gegen unser Iolk — könne die Gehässigkeit von Juden . nd Judengenossen nichts daran ändern. Das euftche Buch sei der beste Gegenbeweis gegen alle Zerleumdungen. Wir müssen stolz sein auf das sutsche Buch und die Bestrebungen der Buchwoche üiach Kräften unterstützen. So dienen wir dem deut- ichen Buche und der deutschen Wissenschaft im Geiste inseres Führers.
Dr. Gerhard Pallmann, Kameradfchaftsfüh- rcr der Universität Gießen, betonte, die Deutsche Studentenschaft habe im Verein mit der deutschen Hochschule ein besonderes Interesse an der Heu- flh.ge« Veranstaltung, sie begrüße es, daß der Na- ^onalsozialismus durch die Woche des Buches für bos Buch wirbt; er überbringe dazu die besten Dünsche der Gießener Studentenschaft. Die großen Revolutionen müßten in zwei Kategorien eingeteilt werden: in solche, die aus der Tiefe des Volkes kommen, und solche, die vorausgedacht wurden, ehe if e ausbrechen — wie z. B. die Revolution von 1789. Der Nationalsozialismus sei strukturell von solcher Art grundsätzlich unterschieden. Nach dem • Siege komme es darauf an, das seelische Erlebnis h lks Kampfes auf alle Lebensbezirke zu übertragen. Gerade in diesem Jahre sei die Schulung von be- bnberer Bedeutung; die geistige Welt des Libero- smus sei noch in nichts erschüttert; die geistige Aufbauarbeit des Nationalsozialismus müsse jetzt norausgebad)t werden, darum habe die Welt 'des Ruches' gerade jetzt besondere Bedeutung. Die beut« chen Arbeiter hätten am 19. August eine riesige Lertrauenskunbgebunq geäußert, bie nicht enttäuscht Derben bürfe. Sozialismus bestehe nicht nur wirt- chaftlich, sondern auch in geistigen Dingen. Die Deutsche Studentenschaft wünsche der Ausstellung
Auftakt zur Buchwoche in Gießen
Oeffentliche Kundgebung im Stadttheater.
der hundert nationalsozialistischen Bücher besonders in Gießen vollen Erfolg.
Anschließend las Intendant'Hanns König „Die Nacht im Bücherschrank" von Wilhelm Matthießen, ein von mancherlei Gestalten aus berühmten Büchern und Partituren bewegtes, romantisches Phantasiestück. Darauf brachte die Reichswehrkapelle die Einleitung des dritten Aktes der „Meistersinger" (Tanz der Lehrbuben und Festwiese) zu Gehör.
Den ge ft Dortrag hielt Kreisschulrat Nebelt n g , der u. a. folgendes ausführte: er komme von einer Feierstunde, in der Worte aus der Bibel gelesen wurden, aus dem Buche, das Millionen zum । treuen Begleiter geworden, aber auch vielfach von tödlichem Haß verfolgt worden fei; man könne die Woche des Buches nicht begehen, ohne dieses Buches zu gedenken. Luthers Bibelübersetzung vor 400 Jahren sei für uns von besonderer Bedeutung. Man könne sich unser Leben nicht ohne das Buch denken: es sei unser Begleiter von der Kindheit dis ins Alter und werde auch neben Radio und Film immer sei- nen Platz behaupten. Das Buch habe von jeher sowohl den guten als auch den zerstörenden Mächten gedient; unsere Zukunft werde davon abhängen, wie sich der Kamps zwischen den aufbauenden und den zerstörenden Kräften entscheide. Es sei auch eine Aufgabe der Buchwoche, für solche Entscheidung den Boden zu bereiten. Rach einem Rückblick auf die vergangene Epoche beantwortete der Redner die Frage nach der Aufgabe des Buches im völkischen Staat dahin, daß das Buch um des Volkes willen ba fei — einerlei, welcher Gruppe das Buch angehöre. Damit sei dem Verfasser, dem Verleger und dem Verkäufer eine große Verantwortung auferlegt. Welche Anregungen und Willensimpulse gebe uns das Buch; eine neue Wirklichkeit entstehe in der Welt des Buches. Bedeutenden Einfluß habe das
kaum noch einen richtigen Winter; er weiß nur vom Schmutz der Straßen, von spritzenden Automobilen und nassen Füßen zu berichten. Er ahnt nichts von der Märchenwelt, die der Winter draußen im Walde geschaffen hat, nichts von der wundersamen Stille, die ihn umgibt, wenn er Feld und Wald zu Fuß oder mit Schneeschuhen durchstreift. Er kennt wohl kaum das einzigartige Vergnügen, auf blanken Schienen über das glatte Eis zu gleiten, im Frohgefühl eigener Kraft und der Beherrschung des Raumes. Er sieht nichts von den Farben, die der Winter uns zeigt. Wie wenig wissen doch jene Menschen von der Natur, die vom „Leichentuch des Winters" sprechen. Es gibt, behaupte ich, keine Jahreszeit, die so unendlich feine Farben, so duftig und weich, zeigt, mannigfach in ihren Schattterun- gen, wie sie der Winter malt.
Wie der Sommer als besondere Prägung noch seinen Ausdruck im Gewitter, der Herbst im Nebel hat, so zeigt der Winter seine ganze Schönheit im lautlos tanzenden Schneefall ober auch im brausenden Schneesturm. Wer den Winter niemals so gesehen und erlebt hat, der sollte lieber nicht über ihn urteilen. Er hat nicht nur gesundheitlich größere Wirkungen, die sich in der nachträgli - chen Erholung sehr deutlich ausprägt, sondern er vermag auch durch seine Stille den gehetzten, getriebenen Menschen eher jener Innerlichkeit, die uns allen so nottut, wieder zuzuführen, als das irgend eine andere Jahreszeit vermag.
Dadurch, daß wir uns im Winter so lebhaft im Freien bewegen können, gewinnen wir auch ein größeres Maß von Freude, als dies in der heißen Jahreszeit möglich ist. Wer denkt nicht noch mit Vergnügen an die Schneeballschlachten und Schneemänner, die ihn als Jungen ergötzten. Was hindert uns, als Erwachsene, auch jetzt noch dieser reinen Freude nachzugehen? Wer sich dazu zu alt fühlt, der ist noch älter als derjenige, der sich einen hohen Blutdruck ober eine Gehirnverkalkung einbildet. Und wer da glaubt, daß frohes Spiel mit seiner Würde als „Erwachsener" unvereinbar sei, überlege, ob der wahre Grund für diesen „höheren Gesichtspunkt" nicht in einem Minderwertigkeitsgefühl wurzelt. Die meisten fürchten nämlich, durch eine gewisse Unge- schicklichkeit lächerlich zu wirken. Man muß auch über sich selber lachen können! Wer es nicht lernen will, zeigt damit nur eine komische Ueberheblichkeit.
Gewiß: die Freude wird einem verdorben, wenn man kein gehöriges Schuhzeug hat und sich nasse Füße holt. Und die Freude wird auch getrübt, wenn die Frau des Hauses ein elegantes modefarbenes Ski-Kostüm trägt, das dann sehr bald einen ersten unheilbaren Teer- oder Wachsfleck bekommt. Wer als Wintersportler etwa glaubt, er sei der Mittel- punkt und müsse sich danach ausstaffieren, der tut besser, damit bis zum Abend zu warten, wo man im netten Kreise zusammenzusitzen pflegt. Im Winter muß sich der Mensch auch in diesem Punkt der Na- 1 tur unterstellen und sich ihr einordnen durch Beach- ; tung von Einfachheit und Zweckmäßigkeit.
‘ Wer überhaupt die Natur liebt und sich die Müde ; gibt, sie sehen und verstehen zu wollen, der wird ihr " im Winter viel näher kommen als im Sommer und sich dabei sicherlich besser erholen.
K r a u ß e die Morgenfeier. *
Nach Beendigung der Kundgebung besichtigten die Besucher die im Foyer des Stadttheaters eingerich- tete Buchausstellung der Arbeitsgemeinschaft der Gießener Buchhändler: hier sind die ersten hundert von der Reichsstelle zur Förderung des deutschen Schrifttums empfohlenen Bücher zusammengefaßt. Die geschmackvoll und übersichtlich ausgemachte Bü- cherschau gliedert sich in einzelne Sachgebiete: Dichtung — Krieg und Nachkrieg — Bevölkerungspolitik und Rassenkur.de — Geschichte und Vorgeschichte — Nationalsozialismus und Weltanschauung. Die Ausstellung, die sich des lebhaften Interesses der Besucher erfreute, ist während der Buchwoche täglich geöffnet und wird hoffentlich ihren Zweck im Sinne der Werbeveranstaltung vollauf erfüllen. —
Jede Schicht ist ein Kampf. So fangt es Laufkran kommt übers Gießfeld gerollt, bimmelnd roie die Feuerwehr. Singender Elektromotor im ssührerhaus, immer höher, immer höher, Rüder- cirollen immer näher: jäh stoppt es bei uns.
1 Die Laufkatze schiebt sich die Krandrucke entlang; leer Haken sinkt. Wir picken einen großen Blechtrog (in werfen Schippen und eine Trage hinterher. — Ab' bimmelt der Kran, wir fahren mit: vierter und fünfter Mann, Peter und ich.
Als flöge man im Flugzeug über ein Schlacht- U- Das Gießfeld raucht, Dampfschwaden Hullen uns ein, rot durchleuchtet von der Glut des Eisens. Tniere Gefickter beschlagen naß. Durch Nebelbanke schknwkrTn©angbe? «JacW: ®f«" WV™* sprüht wie Flammenwerfer, Menschen wühlen Rm- Lm auf wie Schützengräben Eie trompete, ne em aroßen Handtellern gleich, streifen m dr g uberm teoben, saugen Eisenbarren aus dem Gießfeld wer s-n sie polternd ab in Guterwagen. Kammbaren stürzen mit Gepolter auf Eisenbarren, Wasiersauen sr,prüften über roter Glut. Krane bimmeln sich ieurd) Dampf hindurch Signale 3".- Dumbum der Gasmaschinen. Brausen, tiefes allmächtiges Brausen !.vm Himmel herab, aus der Tiefe der Erde herauf. Brandung der Arbeitsschlacht.
Abspringen beim Magazin. Zementkeller; dunkel wie im Bauch einer Kuh. Aber angefuUt mit Reu» inen, Stöhnen, Stapfen, Fluchen. Die Dunkelheit iit voller Menschenleiber. Und voll nassem Lehm,
Es gibt noch immer viele Volksgenossen, die jeden verwundert und verständnislos ansehen, ber im Winter auf Urlaub geht, weil er nicht bte geringste Lust mehr verspürt, in der „schönen Sommerszeit" seine Ferien zu verleben.
Was wir von einem Urlaub haben wollen, ist „Erholung". Das heißt also: wir wollen den Kräfteverbrauch nicht nur ersetzen, sondern für künftige Zeit auch einen Uebevschuh schäften. In der Natur wer- den Kräfte nicht dadurch ersetzt, daß man viel und lange ruht, ivndern vielmehr durch einen gehörigen Wechsel von Beanspruchung und Ruhe. Dafür ist nun gerade der Sommer weniger geeignet. Wir haben ja gerade in diesem Jahre erlebt, daß es oft so heiß war, daß man schon morgens um 9 Uhr sich kaum mehr bewegen machte. Die ganze Ferienzeit besteht dann in einem faulen Herumliegen. Wie ganz anders ist es doch im Winter. Es fehlt die druckende, schlaftmachende Hitze, die uns zu jedem Tun unlustig werden läßt. Und doch braucht niemand zu frieren ober gar zu erfrieren. Ja, es ist eine ganz allgemeine Erfahrung, baß alle, die zum ersten Male m den Winter gehen, sich viel zu warm anziehen. Es ist kein Scherz, obwohl das viele glauben, wenn man ihnen erzählt, daß man bei dickstem Schnee seinen Kaffee getrost im Freien trinken kann. Das braucht dann nicht etwa wie eine Eskimoversammlung aus- zu ehen, sondern ganz im Gegenteil: man sitzt in Hemdsärmeln, und die Damen in ihren Sommer- kleidchen, seidenen Strümpfen und — den schweren Skistiefeln sehen fast befremdlich aus. Es kann nam- lich sogar so heiß werden, daß man die Sonne mei-
Mitteln zu fördern, das schlechte aber mit aller Kraft auszurotten. Dolkserzieherischen Charakter habe besonders auch das wissenschaftliche Buch. Ganz im Vordergründe des Interesses stehe heute das politische Buch und das Kriegsbuch, im politischen Schrifttum stehe Hitlers „Mein Kampf", die Bibel des Nationalsozialismus, im Mittelpunkt; das Buch des Führers habe Millionen von Menschen die Grundlagen ihres Glaubens gegeben. Wir alle wollen uns einsetzen für das gute deutsche Buch: jedem Deutschen ein gutes Buch — das sei die Parole in diesen Tagen. Der Redner schloß mit einer Erinnerung an den Opfertod des Buchhändlers Palm in Braunau: um Deutschlands willen geschehe es, wenn wir heute für das gute deutsche Buch werben.
Hierauf sprach Frau Rose S t i r I vom Stadttheater drei Gedichte: „Das Buch" von Franz Karl Ginzkey, „Herbstliche Einkehr" von Anton Wildgans und „Auferstehung" von Nierentz; Dramaturg Paul Nieren las ein Prosastück, „Das Fest der Bücher" von Wittich, das dem Charakter des Tages besonders angepaßt war. Mit Gebet und Tempeltanz aus „Olaf Trygvason" von Edvard Grieg beschloß die Militärkapelle unter Leitung von Obermusikmeister
Zeitschriften.
— „D a s Innere Rei ch." Zeitschrift für Dichtung, Kunst und deutsches Leben. Herausgeber: Paul Alverdes und Karl Benno von Mechow. Preis pro Heft 1,80 Mark, vierteljährlich 4,80 Mark. Verlag Albert Langen/Gevrg Mueller, München. — Im Novemberheft spricht u. a. Wolf Justin Hartmann vom tieferen Sinn des Lange- marck-Sturmes: „Im Untergang der Blüte einer zerklüfteten Nation keimte und sproßte die Schöpfung für die Zukunft!" Dom deutschen Handwerk, das gerade in diesen Tagen die Bestätigung seiner wichtigen Aufgaben im Dolksganzen erfuhr, von seinem Fleiß und von seiner soliden Tüchtigkeit erzählt Heinrich Kromer in den „Erlebnissen eines Kunsthandwerkers". Selbstverständlich fehlen auch die rein dichterischen Beiträge nicht. Ein eigenartiges Werk von unheimlichem Ernst ist die „Chronik des Amtsschreibers von Thorshafen" von Veronika Lüve. Erzählung. Mit einer kleinen Betrachtung von hohem Reiz ist Wilhelm Schäfer vertreten. Gedichte steuerten Adolf Beiß, Matchias Engels und Günther Eich bei. Das Muster einer liebevollen, von Sachkenntnis, von Achtung vor der schöpfen- schen Leistung und von kameradschaftlichem Zusammengehörigkeitsgefühl geleiteten Buchanzeige gibt Paul Alverdes in seinem Beitrage über das neue Kriegsbuch „Der Baum von Clüry von Joachim von der Goltz.
Jschneffky tritt mit beiden Füßen auf die Stange, daß sie festliegt. Peter und ich hauen ihr mit chweren Hämmern wechselnd, taktmäßig aus den Kopf: sie bebt, sie fährt hinein. Gar nicht leicht, genau auf den Kopf zu treffen.
Schon färbt sich die Stange unter rot — dann weiß - dann biegt sie sich: Wie furchtbar muh die Hitze bannen fein. Zweitausend Grad und mehr! Jetzt riefelt es, sickert es unter ihr weiß hervor — ein winziges Rinnsal schlängelt sich. Achtung es reiht sich Bahn! Die Lehmwand bricht! Das Eisen! Es schieht in Stöhen, in mächtigen Schüssen, in Sprüngen kommt es an. Wuchtig, rasend, gewaltig wie eine Lawine. Das Eisen, das 6t|en.
Wie die Hasen jagen wir zurück; Jschnefsky zieht die glühende Eisenstange hinter sich. In großen Sätzen über die Rinnen, verfolgt! Weißglut senkt uns den Rücken, blendend weißes Licht jagt uns. Eisenspritzer brennen durch alle Kleiderschichten, durch die Haut hindurch. Peter brennt wie eine Fackel, wirft sich schnell in den Sand, wälzt sich. Bahnjunge kommt mit Feuerspritze, löscht ihn ab. Jetzt läuft der Eisenstrom. Ruhig, -stark, schwellend, immer hoher schwellend. Millionen Funken sprühen aus den Rinnen. Nebelschwaden fliehen aus der frischen, feuchten Erde, die das Eisen dörrt. Ein herrliches Bild voll Kraft, voll feierlicher Schönheit. Wir stehen am Rand der Rinnen, die Krempen gegen die Hitze herabgebogen, die Jackenärmeln vom Gesicht, Schaufeln in der Hand. Ob alles klargeht?
Der Strom staut sich im Wehr, in dem Fuchsbau, den wir auf der Brücke errichtet haben. Zwei Bäche zweigen von ihm ab: die leichtere Schlacke, die oben schwimmt. In Sturzbächen ergießen sie sich seitwärts über den Brückenrand — wie Wasserfälle, genau wie Wasserfälle —, hinein in die mächtigen Becher der Talbotwagen, unten im Schienenschacht. Die Lava steigt in den Schlünden der Wagen in weißen Spiegeln wie große Sonnenscheiben.
Minuten vergehen: Fünfzigtausend Kilo Roheisen ftrömen ab. Strömen ins Gießfeld. JBabn« jungen öffnen Furch auf Furche im Feld. Die weihen Schlangenleiber des Eisens kriechen hinein, füllen sie an. Langsamer wird ihre Bewegung: still liegen sie und über ihnen flimmern heiß die Gase. Die Schlangen erstarren, erröten, erst rote Kirschen, dann wie Rosen, bann wie Purpur, bis Schleier von Grau sich über sie senken. So kühlen sie ab im Sanb.
D i e Eisenprobe.
Eine Schöpfkelle an langem Eisenstiel halte ick in ben weißen Bach hinein. Der Strom reißt mich I herum, die Kelle ist voll. Ich gieße ste in eine
Form. Hebe die Form mit der Schaufel, werbe sie ins Wasser faß: Es zischt, cs erstarrt.
Rehme den großen Hammer, schlage bas Stuck entzwei. Die Bruchstelle ist sttahlenförmig, schim- wert in allen Regenbogenfarben. Manchmal ist sie auch stumpf wie Blei. Je nach der Art des Eisens, das der Ofen gerade schmilzt.
Die Winderhitzer fangen wieder an zu blasen: bte ganze Brücke flammt in ©lut. Feuergarben spritzen zehn, zwölf Meter weit. Hohl brüllt Donner aus dem Ofenbauch. Ein dicker Teppich Weißglut rollt über die Brücke auf. Große Feuerkugeln kollern uns bis vor die Füße, Wellblechfetzen fallen von dem hitzezerfresfenen Dach. Wunderbarer Anblick! Kann mich nie daran sattfehen, so wenig wie cm sturmgepeitschten Meer.
Das Lehmgeschütz.
Da läutet die Glocke. Wir müssen das Stichloch stürmen, ihm den Rachen stopfen. Jschnefsky geht als Erster vor, die Feuerspritze unterm Arm geklemmt, die Zähne gefletscht. Unbegreiflich, daß er nicht in Flammen aufgeht — wir bleiben hinter ihm zuruck, mindestens einen Meter. Wir können die strahlende Hitze nicht ertragen.
Der Strahl des Hydranten spritzt, zerstäubt, verdampft über der Lava. Kein Tropfen Wasser kommt bis an den Boden. Noch immer kriechen dicke Lavazungen wie Schlldkröten — feurige Schildkröten unter schwarzen Krustenpanzern.
Da werfen wir Wellblechstücke vor uns auf den Weg so wie man große Steine wirft in eine Furt, die man passieren will. Das hemmt die ©lut, deckt sie ab. Jetzt vorgehen in drei, vier großen Sprüngen! Schnell, sonst geraten wir in Brand!
Dicht an den Ofen drücken wir uns ran. Da find wir sicher unter Deckung der Kühlmantelrohre. Wasserfälle spenden kühlenden Dunst. Schnell treten wir mit den Füßen in die Wasserrinnen; unsere Sohlen dampfen. . ... . k.
Am Stichloch, seitwärts emgeschwenkt, hangt die Kanone. Jawohl, wir haben ein Geschütz. Es ist un- sere beste Angriffswaft^ Es schießt mit Lehm
Wir schwenken die Kanone vor bte Sttchlochofs- nung. Die Mündung senkt sich auf bas weiß- qlüh-nd- Maul. 2,chn°ssky zieh! d-n Abzugsh°b-l: Presluft faucht wie em bösartiges Krokodil. Eine dicke Säule nassen Lehms bringt gewaltsam em, verltovft die Osenschnauze.
Wir andern machen mit fliegender Hand neue Geschützmunition: dicke Tonkugeln. Der Kolben im Gelckükrohr zischt zurück. Zehn, fünfzehn Lehm- geschosse schmeißen wir in das Verschluhstutz daß es klatscht: Fauchen, Zischen — aus ist es: dicht ist ber Ofen.
Tage, wo es windet und weht. Mer bann macht es erst recht Freude, wenn Wolken von Schnee Hochgetrieben werden, daß die feinen Schneekristalle tanzen und über die weiße Fläche rascheln.
Die körperliche Betätigung in der staubfreien Win- terluft schafft ein echtes Bedürfnis n a chNa h - run g. Hier braucht der Appetit nicht künstlich mit „pikanten" Speisen aufgestachelt zu werden, weil die Natur einfach ihr Recht fordert. Darum wird der „Winterfrischler" auch nicht in den Speisen herum- stochern und mäkeln, sondern sich stets nach einer gediegenen, kräftigen Kost sehnen.
Das Wichtigste an diesem Appetit ist aber, daß die Nahrung auch wirklich verwertet wird, daß sie, bildlich gesprochen, nicht als neuer „Jahresring" um den Bauch gelegt, sondern als Muskelmasfe angesetzt wird und zur Kräftigung unserer inneren Organe dient. Nicht nur die Bewegung dient dieser besseren Nahrungsverwertung, auch die Lichtwirkung hilft außerordentlich mit. In keiner Jahreszeit ist nämlich die Bestrahlung mit den wirksamen, ultravioletten Strahlen so intensiv, wie gerade im Winter, besonders, wenn man Gelegenheit hat, ein
Oberhessen.
Landkreis Gießen.
♦ Annerod, 5. Nov. Die im 82. Lebensjahre stehende Witwe Klara Braun von hier erlitt in der vergangenen Nacht einen schweren Unfall. Sie stürzte und fiel dabei so unglücklich auf den Hinterkopf, daß sie noch zu nächtlicher Stunde mit einer Verletzung am Kopfe in ärztliche Behandlung nach Gießen gebracht werden mußte.
y Harbach, 2. Nov. Als Vorbote des nahenden Winters flog heute eine Schar von etwa 6 0
eigene Infanterie zum Sturm vorgeht.
Geduckt gehen wir über bie Brücke bas Stichloch cm das unter den dicken Wülsten ber Kühlrohre । M, ein böses, weißes Auge.
Wir entfesseln den Vulkan
, Eine lange Eisenstange stoßen wir °n den hart- ipbrannten Lehm, rote in bas Auge Polyphems. ftlann fein, daß der Riefe gleich zu toben anfangt. W 2[ber nein: man muß die Stange tiefer em- eiben.
Hochgebirge aufzusuchen.
Das find auch die Gründe, die den Arzt veran- lassen, mehr und mehr den Winter im Gebirge zu Erholungs - undHeilkuren anzuraten. Ge- rode die im heutigen Berufsleben im Vordergrund stehenden Erkrankungen, die wesentlich in einer All- gemeinerlchöpfung ihre Ursache haben, werden durch die klimatischen Einflüsse des Winters weit günstiger
Die Reihe der behördlichen Ansprachen wurde von oom! Hs^^tretenden Kreisleiter Hopfenmüller xoy '■ etwa, die Totalität der national- ,‘ojia" —7 nfchauung erstrecke sich auf alle
Gebier


