Wahnvorstellung oder krankhafte Eitelkeit?
Falsche Geständnisse und unaufgeklärte Mordfälle.
Welche merkwürdige Verwirrung kann einen Menschen veranlassen, ein Verbrechen zu gestehen, das er nicht begangen hat? Es hat viele Fälle gegeben, wo ein solches Geständnis von Leuten gemacht wurde, die unter einer Wahnvorstel- lung litten oder die durch eine krankhafte Eitelkeit angetrieben wurden, auf diese Weise von sich reden zu machen. Aber die Geschichte der Kriminalistik lehrt, daß hinter solchem Verhalten auch häufig eine sorgfältig durchdachte kalte Berechnung steckt. Da ist z. B. der Fall eines englischen Kolonialsoldaten, der seines Militärdienstes in Indien überdrüssig geworden ist. Er lieft in der Zeitung von einem seit langer Zeit unaufgeklärten Mord, beschäftigt sich mit allen Einzelheiten dieses Falles und behauptet dann, der Täter zu fein. Er wird unter strenger Bewachung nach England gebracht. Mit seiner Ankunft im Mutterland sieht er sein Ziel erreicht und zieht sein Geständnis zurück. Einen breiten Raum nehmen jene Fälle ein, wo in der letzten Minute vor einer Hinrichtung ein Freund oder Verwandter des Verurteilten unter Meineid erklärt, der Schuldige zu fein und die Unschuld des anderen beteuert. Ein derartiges Geständnis wird voll überlegt erst in der letzten Minute gemacht, denn die Behauptungen eines solchen Gestehenden halten meist einer gründlicheren Nachprüfung nicht stand. Wird die Hinrichtung aber erst einmal aufgehoben, so ist damit Das Ziel erreicht, denn der Aberglaube in Verbrecherkreisen sagt, daß eine Hinrichtung, die
erst einmal aufgeschoben ist, nie mehr ausgeführt werden wird.
Die Beamten von Scotland Yard wissen zu berichten, daß sie einmal tagelang einen Garten im Norden Londons umgegraben haben, weil ein Mann kurz vor der Hinrichtung in scheinbar letzter, übergroßer Reue g e ft a n b e n hatte, vor Jahren eine Frau und drei Kinder ermordet und da vergraben zu haben. Man fand von den vergrabenen Leichen k e i n e S p u r. Der Mann hatte mit feiner Behauptung nichts weiter als die Hinausschiebung der Exekution um einige Wochen erreichen wollen. Ebenfalls in London ereignete sich der folgende merkwürdige Fall: Ein Mann erscheint bei der Polizei, gibt die genaueste Beschreibung eines bisher unaufgeklärten Mordes und erklärt, er sei der Täter. Seine Ausführungen und sein Verhalten sind so überzeugend, daß er die Kriminalpolizei tagelang damit beschäftigt. Dann aber stellt sich heraus, daß dieser Mann u n - möglich den Mord begangen haben kann. Als man ihn fragt, wie er freiwillig fein Leben in so große Gefahr habe bringen können, erklärte er, er habe Selb st mord begehen wollen, aber nicht die Kraft dazu aufbringen können. Da habe er sich entschlossen, mit List zu versuchen, den Scharfrichter für diesen Vollzug zu gewinnen. Dem Laien mag es zunächst seltsam erscheinen, daß sich ein Unschuldiger eines Verbrechens anklagt. Solche Fälle sind aber in der Kriminalistik keine Seltenheit, und bei der Aufklärung eines Verbrechens muß mit dieser Tatsache immer gerechnet werden.
Horchwaqen, darunter ein Acht-Cylinder, ge- 3eiat, zwei Wanderer, ein Audi sowie ein großer und ein kleiner DKW. Am Adler st and sind zwei geschlossene Wagen und Kabriolet zu sehen. Unter den Nutzfahrzeugen sind vor allem drei Krupp- Chassis zu erwähnen, darunter ein luftgekühlter Krupp-Diesel. Die Diesel- Anwendung zeigen auch zwei Chassis von Maairus- Kraftfahrzeuge. Auch bewährte deutsche Zubehörteil-Firmen sind vertreten.
Aus aller Wett.
Schiffsunglück auf dem Rhein. — Zwei Tole.
Auf dem Rhein unterhalb der Brücke bei Baerl unweit Orsoy ereignete sich ein schweres Schiffsunglück. Ein mit Schwemmsteinen beladenes Motorschiff schlug während des Wendens so voll Wasser, daß es innerhalb weniger Sekunden sank. Während es gelang, den Kapitän, dessen Ehefrau und Kind zu retten, ertranken ein Schiffsmatrose und dessen Frau. Die Geretteten wurden in bewußtlosem Zustand an Land gebracht und in ein Krank- kenhaus eingeliefert.
Schiffszusammenstoß auf der llnlerelbe. — Eine Frau ertrunken.
Auf der Unterelbe stießen in der Nähe von Wittenbergen der Dampfer „Steinhöft" und der Motorsegler „Amanda" zusammen. Dabei wurde der Motorsegler so stark beschädigt, daß er sinkend auf den Strand gesetzt werden mußte. Die Ehefrau des Schiffers Dollinger vom Motorsegler „Amanda" stürzte bei dem Anprall der Fahrzeuge über Bord und ertrank.
Sühne für den Giftmord an einer Greisin.
Das Berliner Schwurgericht verurteilte den 50- jährigen Emil Riedel zu 15 Jahren Zuchthaus und zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 10 Jahren. Seine 20jährige Geliebte Pauline Krummheuer wurde zu zwei Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrenrechtsverluft verurteilt. Riedel war angeklagt worden, feine 81jährige Zimmervermieterin vergiftet und sich in den Besitz ihres Geldes gesetzt zu haben. Die verurteilte Krummheuer war der Beihilfe zur Giftbeibringung in mehreren Fällen, der Hehlerei und des Diebstahls beschuldigt worden. Der Antrag der Staatsanwaltschaft lautete auf
Todesstrafe bzw. auf eine zehnjährige Zuchthausstrafe. Das Gericht ging von den beantragten Strafen ab, da beide Angeklagte, insbesondere Riedel, nicht für voll zurechnungsfähig zu gelten hatten.
Sühne für einen Gattenmord.
Das Koblenzer Schwurgericht verurteilte einen aus Eich bei Andernach am Rhein stammenden Mann namens Dieter, der seine Frau durch 22 Messerstiche umgebracht hatte, zu sechs Jahren Zuchthaus und einem Jahr Gefängnis. Das Gericht erkannte ihm außerdem die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von fünf Jahren ab.
Der Gattenmord, der vor wenigen Monaten in Eich begangen wurde, hatte damals großes Aufsehen erregt. Dieler hatte auf einer Bierreise, die er nach Arbeitsschluß unternommen hatte, von «einem Bekannten erfahren, daß seine Frau angeblich die Ehe gebrochen habe. Darauf eilte Dieler sofort nach Hause, wo er auf dem Hof seines Anwesens seine Frau antraf, die dort mit ihren Kindern zusammen war. Die Frau, die aus der drohenden Haltung ihres Mannes nichts Gutes schloß, flüchtete zu ihrem im gleichen Orte wohnenden Bruder, in dessen Küche bann Dieler auf feine Frau einstach und sie durch 22 Messerstiche tötete. Er stellte sich nach begangener Tat sofort der Polizei.
Die Rache der verlassenen Geliebten. — Eine bessarabische Ortschaft in Flammen.
Die Rache einer verlassenen Frau hat in einer der letzten Nächte eine furchtbare Katastrophe über die Gemeinde Lodaesti in Bessarabien heraufbeschworen. Während ein Bursche namens Georg Spoiala seine Hochzeit mit einem Mädchen der Gemeinde feierte, legte feine verlassene Geliebte an vier Ecken des Hauses, in dem die Hochzeitsfeierlichkeiten ftattfanöen, Feuer an. Gerade als die Festlichkeiten ihren Höhepunkt erreicht hatten, fanden sich die Hochzeitsgäste plötzlich von Flammen ein» gekreist. Die Gäste konnten mit Mühe und Not ihr nacktes Leben retten. Das Feuer wütete weiter und erfaßte schließlich die Häuser der Nachbarschaft. Etwa 30 Häuser fielen den Flammen zum Opfer. Nur mit großer Mühe konnte man des furchtbaren Brandes Herr werden und den Rest der Ortschaft retten.
Wettervoraussage.
Das Störungsgebiet über den britischen Inseln wird durch kräftigen Druckanstieg abgeflacht und hat sich nordwärts verlagert. Da an der Rückseite dieses Tiefs immer noch kühle Luft heranbefördert wird, kommt es beim Zusammentreffen mit der wärmeren über dem Festland zu Haufengewölk und schauerartigen Niederschlägen. In der Höhe dringt auch Kaltluft vor, so daß sich der hohe Druck weiter kräftigen kann und zu mehr aufheiterndem Wetter führen wird.
Aussichten für Samstag: Wechselnd wolkig mit zwischenzeitlicher Aufheiterung, Temperaturen wenig verändert, zeitweise Regenschauer.
Aussicht en für Sonntag: Nach kühler Nacht anfangs neblig-dunstig, tagsüber teils wolkig, teils heiter und wärmer, vereinzelt auftretende Regenschauer.
Lufttemperaturen am 4. Oktober: mittags 14,7 Grad Celsius, abends 13,3 Grad: am 5. Oktober: morgens 11,4 Grad. Maximum 17,1 Grad, Minimum 10,4 Grad._____________________________
Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich W. Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot, für den übrigen Teil: Emst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. VIII. 34: 10 100. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei
R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen.
Bekanntmachung.
Betr.: Flugtag am Sonntag, 7. Oktober 1934.
Während des Flugtages ist zwischen der Straßenbahn und der Reichspost ein Gemeinschaftsverkehr zwischen Bahnhof bzw. Wiesecker Weg und allen dazwischenliegenden Haltestellen der Straßenbahn und dem Flughafen eingerichtet. Der Fahrpreis beträgt 30 Pf. von jeder Haltestelle innerhalb der angegebenen Strecke bis zum Flughafen. 5781V
Für die Rückfahrt gilt ebenfalls ein Fahrpreis von 30 Pf. vom Flughafen bis zu einer der obengenannten Haltestellen.
Das Umsteigen von der Straßenbahn in die Kraftwagen der Reichspost und umgekehrt erfolgt an der Volkshalle.
Innerhalb des Straßenbahnnetzes bis zur Volkshalle als Endstation gilt der übliche Tarif.
Gießen, den 3. Oktober 1934.
Direktion der Städtischen Straßenbahn Gießen. _____________________Lotz._____________________
Kartoffeltteferung.
Die Lieferung des Winterbedarfs an guten, haltbaren, ausgelesenen, lagerfähigen Speisekartoffeln — Industrie — für die Küchen der Unioerfitäfeflinifen Gießen von insgesamt 1800 Zentner ist zu vergeben. 5769V
Angebote nebst Proben sind bis Montag, den 15. Oktober 1934, vormittags 11 Uhr, an die Verwaltung der Universitätskliniken Gießen einzureichen, woselbst auch die Lieferungsbedingungen, deren Einhaltung unter allen Umständen gefordert wird, eingesehen werden können.
Die Lieferung kann geteilt vergeben werden.
Zuschlagsfrist 4 Tage.
Gießen, den 3. Oktober 1934.____________________
Zwangsversteigerung K r,34
Am Montag, dem 22. Oktober 1934, vormittags 10 Uhr, findet im Amtsgerichtsgebäude in Gießen, Gutfleischstraße 1, zweites Obergeschoß, Zimmer 221, die Zwangsversteigerung der im Grundbuch von Gießen, Band III, Blatt 121, auf den Namen des a) Goldschmidt, Alex, zu %, b) Dr. Walter Goldschmidt, Zahnarzt, wohnhaft in Veelih (Mark), zu %, soweit der Anteil des Dr. Walter Goldschmidt in Betracht kommt, statt. 5767D
Flur I, Jlr. 506 bis 513, hofreile bei der Stabf- roaage, Zchulslrahe 6, 396 qm, Schätzungswert 75 300 RM., Einheitswert 90 200 RM. (Das Erdgeschoß und der Zwischenstock sind für den Betrieb von Ladengeschäften geeignet.)
Hier handelt es sich um den dem Schuldner zu- geschriebenen Anteil von %.
Gießen, den 7. September 1934.
Im Auftrage des Hessischen Amtsgerichts: S o l d a n, Ortsgerichtsoorsteher.
Reichsbahnamtmann i. R. Wilhelm Bouteiller
Mietgesuche]
im Alter von 65 Jahren.
Essen, Frankfurt a. M. (Ober-Lindau 65), den 4. Oktober 1934.
Die Beerdigung findet in aller Stille statt
Kaufgesuche""]
Stellenangebote]
5772'
| Vermietungen |
5786 0
Familiendrucksachen
Verlobungsanzeigen
Vermählungsanzeigen
Geburtsanzeigen bei Brllhl, Schulstr. 7
Werbe-Drucksachen
liefert Brühl'sche Druckerei
Alte, alle Zweigelbetreibende Ver- ncherungs-A.-G. sucht tüchtigen, branchekundigen 5782V
Zuverläfs. 57730
Tages; mäddien gesucht. Zu ersr. in d. Geschäftsst. des Gieß. Anz.
Keine Ursprungszeugnisse,
«andern nur Zeugnisabschriften dem Werbungsschreiben beließen! — Lichtbilder undBewerbungsunter- lagen müssen zur Ver meidung von Verlusten auf der Rückseite Namen und Anschrift des
Bewerbers tragen I
Tüchtiges Zimertichen gegen gut. Lohn gesucht. 04790 Seltersweg 40.
Enid Spitznagel, geb. Bouteiller Dr. Heinz BouteilUf
Dr. med. dent. H. Spitznagel Else Bouteiller, geb. Hornberger und drei Enkelkinder.
Heute entschlief nach schwerem Leiden unser lieber Vater, Schwiegervater und Großvater
Kinderlieb.,fleitz. Mdchen von Beamtenfamilie in der Nähe von Gießen ges. Meldungen unt. 04793 and.G.A.
Todesanzeige.
Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß heute nach langem Leiden mein lieber Gatte, unser guter Vater und Großvater
Hauptvertreter g. lohnendste Bezüge.Offerten unt. X" 9199 an Anzeigengesellschaft m. b. H., Frankfurt am Main.
Laden
seitherSvortzen- trale, teilw. Einrichtung, Zentr.- Heiz., Blinklicht, zu vermiet. O48oa Bahnliofstr. 51.
Etagen- Häuser
mit 4 u. 5 Zim- mer'Wohnungen in guterLageper sofort bei günsti- gerAnzablungge- sucht. Schriftliche Angebote m.An- gabederMietein- nahmen u. d.Belastung a. Steuer usw. "ni 04797 an den Gießener Anzeiger erbet.
Zweirädriger Wanen gebraucht, zu kauf, gesucht. Schr.Angeb.unt. 04792 a.d.G.A.
Samstag 6. Okt. 20', Uhr
Monstsversammlg. Wegen derWich- tigkeit der Tagesordnung ist das vünktl. Erschein, aller Kameraden notwendig. 5779D
[Stellengesuche] Walltet mit Führerschein 3 sucht Stellung für sof.od.svater. Schriftl. Ang. u. 04794 a. d.G.A.
Bürgermeister i. R. August Müssig
Ehrenobermeister der Bäckerinnung Giefien-Land
im 71. Lebensjahr sanft in dem Herrn entschlafen ist.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Rosa Müssig, geb. Trunk nebst Angehörigen.
Rüddingshausen, den 4. Oktober 1934.
Die Beerdigung findet Sonntag, den 7. Oktober, nachm. 2 Uhr statt.
M-l-Mng. von Zahlungssatz. Mieter v. sofort gesucht. Schriftl. Ang. unt. 04805 an d. .Gieß. Anz.
bis zu 60-NM. von ruhig. Miet, gesucht. Schriftl. Ang. unt. 04804 an d. Gieß. Anz.
Schone 6-Zimmer-Wohlig, mit allem Zub., auch Bleichplatz, per 1. Januar zu vermieten. Schr. Anfrag. u. 04795 an d. Gieß. Anz.
0480/
Unsere liebe, gute Mutter und Großmutter
Frau Elise Hardt Wwe.
ist am 3. Oktober nach kurzem Krankenlager im 70. Lebensjahre sanft entschlafen.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Familie Karl Hardt
Karl Hardt.
Frankfurt a. M., Hausen, den 5. Oktober 1934.
Die Beerdigung findet am Samstag, dem 6 Oktober, um 3 Uhr nachmittags, in Albach statt
Danksagung.
Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Heimgang unseres lieben Vaters sagen wir auf diesem Wege unseren innigsten Dank.
Im Namen der trauernden Kinder und Enkelkinder:
August Sturm.
Gießen (Buddestraße 9), den 5. Oktober 1934.
_______________________________________________________________04800
iS KOHLER g&felteh
^<30" Gießen, Seltersweg 17 / Das große Spezialhaus für Herren- und Knaben-Kleidung
5777 A
des Hauses KOHLER hat ihre Ursache in dem unablässigen Bestreben der Firma, ihren Kunden den Kauf g%Uter Kleidung durch eine vernünftige Preispolitik zu erleichtern
54-
45- 16.75
49-
41-
32-
46-
33-
12.75
39-
34-
24-
38-
26.75
9.75
29.75
23.75
16.50
Winter-Mäntel . . Gabardine-Mäntel Regen-Mäntel . . . Sakko-Anzüge .. Sport-Anzüge . . . Loden-Mäntel. . .
68-
59-
21-
69-
49-
42-
Prachtvolle
Wintermäntel...
Unsere Schaufenster geben Ihnen schon einen kleinen Ueberblick unserer enormen Auswahl..doch sehen Sie selbst und wählen Sie aus der Fülle unserer Angebote. Sie werden zufrieden sein.
Gebr.lmheuser
Marktplatz
5791 A
Die starke Popularität


