Montag, 5. Marz 193H
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
m. 54 Zweites Blatt
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Deutschlands
freudiger zum Tantze
Bedrohte bayerische Ostmark
Sin altes deutsches Siedlungsland.
Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!
Adana (Cilicien) im Februar 1934.
Der nächtliche Riesenbrand des Großspeichers in der Oelsabrik von Wittenberge. Der Speicher brannte völlig aus, gewaltige Vorräte an Rapsfamen und Oelen wurden vernichtet.
rell, nachdem es seinen Jnselbesitz im östlichen Mittelmeer in erstaunlich schneller Zeit gefestigt hat und mit seinen Armen bereits nach dem abessinischen Bergland greift.
„Tanztee" im Jahre 4650.
Bayerischen Wald und Kraut kaum etwas gedeiht.
Gren^lande Schlesien und Ostpreußen richten, ge- ' schicksalumwittertes Stück derttscher Erde im
„Oie Deutschen an die Krönt!"
Zur 30. Wiederkehr des Todestages des Grafen Walderfee am S.Mürz.
Bon $. Langer.
Syrischer Frühling.
Oer Kampf der Großmächte in Vorderasien. — OaS Mossulöl. — Frankreichs Syrienmandate.
Von unserem A.G.-Sonderberichterstatier.
Rach Genüssung dieser Augen- und Zungenlust er- hub sich die Gesellschaft alsobald, und machte sich zu den Lusttäntzen bereit. M a h r h o l d war der erste, der von seiner Rose mund aufgefordert ward; und fing an, nach steigender Art, mit Fortsetzung des rechten Fußes, auf der rechten Seite des Zimmers, vom Aufgang gegen den Niedergang, zu tanken. Nachdem er sich nun im Tantzen gemachsam berüm gedrehet hatte: so blieb er stehen, und wartete seiner Rosemund; welche straks mit Fortsetzung des linken Fußes, auf der linken Seite des Saales, auch vom Morgen nach dem Abende zu lauffend und mit behenden Trittlein getantzet kam und im Tantzen sich gemach nach dem Mahrhold zu drehete und ihm die -and bot. Nach geschlossenen Händen tantzten sie beide zusammen, und als dieser Tantz dreimal wiederholet war, so ließ sich Mahrhold mit der Rosemund nieder; und die Stil muht forderte den Deut sch lieb auf, der erst ein gantzes Gesetz allein mit Fortsetzung des rechten Fußes männlich tantzete- welches nachmahls S t i l m u h t ebenmäßig, doch mit Fortsetzung des linken Fußes, auf der anderen Seite des Zimmers, weiblich verrichtete: bis sie endlich beide die Hände fügten und den Abgesang von hurtigen Dattelreimen nach dem Dreischlage zusammen austantzten.
Hierauf erhub sich die freundseelige Sch atz- wert h und ersuchte den Lieb hold ihr Gesell-
wogen wurde, sich auch zu Aufgaben und Stellungen berufen zu fühlen, die ihm nicht immer zukamen, dessen größtes Verhängnis aber doch ge- wesen ist, daß er nicht allein dem Namen nach der Nachfolger des großen Schwelgers M o l t k e sein wollte, dessen Freund und Vertrauter er ge-
Seine Aufgabe war es vielmehr, all die verschiedenen und oft sehr weit auseinandergehenden Sonderwünsche der sieben beteiligten Mächte auf einen Nenner zu bringen. Dreiviertel Jahr hat Walder- see dieses Oberkommando mit seltenem diplomatischen Geschick und Gerechtigkeitssinn geführt und damit seine zweifellos große diplomatische Begabung in den Dienst einer Sache gestellt, die das Ansehen des Deutschen Reiches in der Welt be-
N?cht ganz vier Jahre danach ist Graf Walder- see am 5. März 1904 gestorben. Die 30 Jahre die seitdem verflossen sind, geben den notigen Abstand zu die em Mann und die Möglichkeit, sein Leben und Wirken nicht mehr im Licht der oft gehässigen Intrigen zu sehen, die zu seinen Lebzeiten um ihn und sein Verhältnis zu dem Reichsgrunder fptelten und etwa dazu führen konnten, daß in Deutschland die sozialdemokratische und verwandte Presse mit Wonne jene berüchtigten „H u n n e n b r i e f e veröffentlichen und durchkauen konnte, zur gleichen Zeit, da Walderfee auf seinem so exponierten Posten in China weilte. Diese Dinge sind heute langst tot, und Walderfee lebt in der Erinnerung als der Mann fort, der vielleicht von seinem Ehrgeiz be-
die Seitenspieler ankamen, die Tafel zu dekken und bat den Mahrhold, seine Freunde zum Niederlassen zu nöthigen. Sie inzwischen nöthigte das übrige Frauenzimmer: und also begaben sie sich sämtlich zur Tafel, die mit allerlei eingemachten Sachen, Kuchen und Zukkerbilderchen gleichsam als beschneiet stund. Sonderlich aber ward im letzten Gange ein Springbrunnen von weiß und gelbem Zukker- kant, mit Wein gefüllet, aufgetragen, und in einer breiten künstlichgetriebenen güldenen Schüssel mitten auf die Tafel gesetzet.
Dieser Brunnen hatte rund ümher einen etwas -erhobenen Rand, dadurch sechs Säuen ityce Kopfe gleichsam so herfür täten, als wann sie aus dem Brunnen gekrochen kämen, und durch ihren Rachen den Wein in die Schüssel von sich gaben. Mitten aus diesem Brunnen kam ein indischer P^mbaum über ich gestiegen, aus dessen länglich-runden Russen ein edler Wein auf allen Seiten heraus sprühete, und die kleinen Rosenstöcke, so zwischen den Lauen oben auf dem Rande stunden, befeuchtete. Diese Lust aber währete nicht lange. Denn so bald der Wem des Brunnens Grundsatz von außen überschwammte, so zerschmolz der Zukkerkant, und der Brunnen be= gunnte sich gemach und gemach zu senken.
die Zeit vorbei zu sein, da mit militärischen Machtmitteln allein Recht in Unrecht verkehrt werden kann. Der Lebenswille der Nationen wird auch in der Exotik von gestern stärker als Maschinengewehre und Langrohrgeschütze. Wenn es heute auch noch unerfindlich ist, wie sich solche Gegensätze, wie sie in Vorderasien bestehen, friedlich ausgleichen sollen, so deutet das Erwachen der hier lebenden Nationen, verbunden mit einem wirtschaftlichen Aufstieg ungeahnten Ausmaßes auf schnelle Aenderungen, die für . ' . . rr f. _«___— Stnla.PTl
„Die Legende vom vertauschten Sohn" im Hessischen Landestheater.
In Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste fand im vollbesetzten Großen Haus des HessischenLan- destheaters in Darmstadt die süddeutsche Erst» aufführung von Malipieros Oper „Die Legende vom vertauschen Sohn" nach dem Text von Pirandello statt. Zwei anerkannte Künstler Italiens beschreiten mit diesem Bühnenwerk neue Wege, auf denen sich das Darmstädter Publikum, wie bei der deutschen Uraufführung in Braunschweig, vielfach noch nicht zurechtfand; trotzdem wurde am Schluß dem anwesenden Komponisten und seinen Dolmetschern auf der Bühne und im Orchester mit lebhaftem Beifall und wiederholten Hervorrufen Dank und Anerkennung gezollt. Die Legende vom vertauschten Sohn entstammt einem sizilianischen Volksmärchen, das Pirandellg zu seiner Dichtung benutzt hat. „Kein Ding ist wahrhaft — doch alles zur Wahrheit kann werden" sagt der falsche Prinz, als ihn die Stimme des Blutes zur Mutter zurückführt und ihn der Kö- nigsherrschaft entsagen läßt, die ein der Mutter seinerzeit untergeschobener Tölpel „als wirklicher König" antritt. Im Rahmen der ausgezeichneten Bühnenbilder Suhrs erschien unter der straffen Spielleitung des Generalindendanten Dr. Prasch die Aufführung in ihrer Symbolik und Realistik sehr überzeugend; mit vorzüglichen stimmlichen und bar» stellerischen Leistungen zeichneten sich die Haupt- darsteller Berta O b h o l z e r (Mutter), Magda Strack (Seherin Manna Scoma), Dr. H. All- m e r o t h (der richtige Sohn) und Eugen Vogt (der „idiotische Sohn des Königs") aus. Unter der überlegenen Stabführung Karl Friderichs erklang die schwierige, erfindungsreiche Partitur, besonders in der Ouvertüre zum zweiten Akt, in all ihren überraschenden Schattierungen. H.
Mabrhold ging mit seinen lieben Freun- ben in bie Tafelstube, bamit man zu den angestellten Wän en6Treitld,aft mochte Di- Fenster üefc I er mit dünnen Tüchern verhangen, und alle X-iä) der ter auf dem Kr°hn°Mucht°r ^r «ch für den
Vwx, Einwohner) zu- en. - Xu..... ,.u, trotzdem in der Bevölke-
Es war eine ber glanzvollsten Zeiten ber jüngeren beutschen Geschichte, in ber der Name bes Ge- neraUelbrnarschalls unb „Weltmarschalls Grasen Alfreb von Walbersee in ber ganzen Welt genannt würbe. Er war es, ein Deutscher ber berufen war, Höchstkommanbierenber einer internationalen Truppe zu sein, bie vor nun balb 35 Jahren die Ermorbung bes beutschen Gesanbten von Ketteler sühnen unb bie B o x e r d e w e a u n g nieberschlagen sollte, bie bamals China burchtobte. Eine ber qlänzenbsten militärischen Laufbahnen, allerbings auch nicht frei von Rückschlägen, hatte Walbersee hinter sich, als jene Aufgabe an ihn herantrat, mit ber gleichzeitig bas junge beutfche Kaiserreich zum ersten Male m voller Gleichberechtigung nicht nur neben ben anberen großen Nationen ber Welt auftrat, fonbern eine führende Rolle zu spielen hatte. Walbersee hat sich ber Aufgabe gewachsen gezeigt bie baburch nicht weniger schwierig würbe, baß bie entscheibenben Kampfe gegen bie chinesische religiös-nationale Sekte ber „G r o ß e n H a n b" schon beenbet waren, als Graf Walbersee am 21. September 1900 an Borb . „ 1 «v ______ «Ai- hör Slnnnnp =
Der Aufstieg, ber bem Sohn bes bamahgen Gouverneurs von Berlin beschieben war, hat nicht so balb seinesgleichen. Mit knapp 18 Jahren war Alfreb von Walbersee Leutnant, mit 35 Jahren schon Generalstabsmajor, brei Jahre spater Flugel- abjutant bes Königs unb schließlich Generalstabschef einer Armee im Kriege 1870/71. Vorher schon hatte er bie Aufmerksamkeit baburch auf sich gelenkt, datz er als preußischer Militärattache in Paris, von Bismarck persönlich empfohlen, eine Stellimg einnimmt, von ber aus er mustergültige Berichte über die französische Armee, über die Wirkung ber Chassepotgewehre unb ber Mitrailleusen, baneben aber auch allgemein politische Berichte nach Berlin schickte, bie von bester Urteilskraft unb einem scharfen Blick für bie Schwächen bes napoleonischen Systems zeugten. Nach bem Kriegein bem er seine militärischen unb taktischen Fähigkeiten be» sonbers in bem Felbzug an ber Loire unter Be- tueis stellte, würbe er von Bismark 1871 zum ersten beutschen Geschäftsträger in Frankreich ernannt, ber bie Aufgabe zu lösen hatte, bie biplomatischen Beziehungen zu ber französischen Republik roieber in Gang zu bringen.
Walbersee ist aber nicht nur Offizier unb Diplomat, fonbern in vielleicht noch weitergehenbem Maße Politiker unb Kulturpolitiker gewesen. Früher als anbere Staatsmänner hat er bie große Gefahr gesehen, bie bem jungen Reich von ber Sozial- bemotratie her brohte, unb mit Bismarck traf er sich in ber Vernichtungspolitik gegen ben Marxismus, bie allerbings nicht Wirklichkeit werben konnte, als ber große Steuermann bei bem jungen Kaiser in Ungnabe fiel. Kaum ein Jahr war Bis- marck in Friebrichsruh, als auch Walbersee bas gleiche Schicksal erreichte, obgleich Wilhelm II. ihn ursprünglich zu Bismarcks Nachfolger aus- ersehen hatte. Inzwischen hatte allerbings ein Er- : eignis biese kaiserlichen Pläne burchkreuzt, bei bem ■ Walbersee feine bamalige Aufgabe als Chef bes : Generalstabes so ernst genommen hatte, baß er
nicht tatkräftige Gegenmaßnahmen ergriffen werben Die Umwälzungen in Böhmen und die Nationalitätenpolitik der Tschecho-Slowakei, d,e eine Zersplitterung der deutschen Bevölkerung innerhalb ,. . , . i der "eigenen Staatsgrenzen bezweckt, spielen emp-
Während sich aller Augen mit Recht auf unsere vh°yerische Ostmark hinüber denn das
. ewtiroufeon richten. ae- s o 1 O) $ ist die vollkommene Beseitigmig
rät ein schicksalumwittertes Stucroern^er ml ii f,''^mfrfjen Vorfeldes in Böhmen eme Ge- Südosten unseres Vaterlandes m Gefahr, in ber b-c um|Q schwerer wiegt, als an den gefahrbreiteren Oeffentlichkeit unbeachtet zu bleiben, trotz , stellen biefes Grenzlanbes bie nach bem aller Hilfsmaßnahmen, bie insbefonbere üon ber I 1 ^nsetzenbe Lanbflucht nicht nur ben Ge- bayerifchen Regierung gerade im letzten Mr burte9nüberfd)u6 aufgezehrt, sondern sogar noch durchgeführt worben finb. Die bayerische Ost'« in den Bevolkerungsbestanb von 1913 ge
mark bereu nörblichster Punkt Hof ist, bie gegen
Osten eine 340 Kilometer lange gemeinsame Grenze 1^ Lanbwirtschast bleiben weit hin-
S" »gzsgs .7'
Naab aufhört, ist altes deutsches Siedlungsland, I @ranit unb anderen Stei-
bas in 3 h nh^t* hphauütet Ä und L E, bXÄi-MÄ*' hat, was schon der oberflächliche Bl ck auf bie Einbußen aber bie Verkümmerung brei-
Sanbtarte einbringlich vor Augen fuhrt. Dl - be Volksschichten, bie ungünstige Entwicklung ber
sche Kolonialarbeit war im Lau^ J - Unb bie schlechten Wohnverhat-
roie Kurt Tramplet m bem j5agernl £ Furchtbare Berichte kommen vor al em aus Verlag, München, er^enenen ^ • ^ör^rn im Bayerischen Walb, wo
unb Aufbau der bayerischen Ostmark wyrt, | unb Kraut kaum etwas gedeiht,
stetig weiter rodend und fuüimerenb 1 Allein in 20 Notgemeinben mit zusammen 46 000
finb über bie Oberpfalz, die „R o t <»;« nnnprmüftüdier Heimatsinn unb em f
s si-, Kind-rfcht-ck - und -m I°hrhun°-r^i^^^ dr°ißigi°>>r,g° Kn-g. Jn^d-N innerbcut(d)em
berten würbe bie . Kriegen Heim-
Zwist unb vonÄ^Mung 'X Bayer-
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schäft zu leisten unb tantzte mit ihm einen ansehnlichen Hochdeutschen Tantz. Endlich folgten alle bte anderen, die bisher nur Zuschauer gewesen, und ließen auch spüren, daß sie die Fertigkeit ihrer Glieder nicht verlassen hatte. Als man sich nun mit allerhand Täntzen wohl erlustiget hatte, so ward auch noch zuletzt das Lehrgedicht vom Vulkan und der Venus durch etliche Schautäntze sehr artig für« gestellet. Und hiermit nahm diese Lust mit jedermanns Vergnügung ihren gewünschten Ausgang ...
Der historische Weg nach Indien ist längst nicht mehr die ausschließliche Domäne Großbritanniens. Was den Oelinteressen der englischen Admiralität recht ist, das soll den Motorisierungswünschen der ranzösischen Armee billig sein. Frankreich hat ich politisch und militärisch in Syrien festgesetzt, und es ist entschlossen, hier nimmermehr zu weichen. Im Gegenteil! Dadurch daß es der „Regierung" von Damaskus einen unannehmbaren Vertrag nach dem anderen anbietet, versucht es, sein „Mandat" über Syrien zu verewigen und aus dem schnell aufstrebenden Land eine franzö- ische Kolonie zu machen. Jtti Norden, an der tür- 'ischen Grenze, versucht man, die Kürden gegen Ankara aufzuhetzen, und die vor einigen Wochen aufgetauchte Leseart eines Mandatswechsels in Palästina — der Ersatz Englands durch Polen! — war nichts weiter als ein französischer Versuchsballon. Hartnäckig hält sich bei all bem bas Gerücht, baß bie Rußlanbverträge über Angreifer, Nichtangreifer u. bgl., keineswegs an ben yrifchen Fragen, namentlich, soweit bas Oel in Frage kommt, vorbeigegangen finb. Schließlich liegen Mossul unb Baku in betreiben geologischen Becken...
Unb mit steigender Erbitterung sehen bie arabischen Bewohner bieses Raumes, wie bie Schätze ihrer Muttererbe gehoben werben für fremde Rechnung, wie man ihnen lediglich die Abfälle hm- rvirft, wie ergebenen Hunden. Das erklärt in ein- acher Weife die Tatsache, daß ganz Syrien heute ein politischer Unruheherd erster Ordnung ist. Der Hintergrund des Kampfes der Machte m Vorderasien ist bie panarabische I b e e ! Die
bie natürlichen Reichtümer ihrer Erbe, tm Lebens- sein können. ________
kampf der Völker aufzutreten. Und wirklich scheint I
Wer, noch trunken von dem Zauber Ist an- ! b u l s, von der erhabenen Schönheit des Goldenen Horns, der Prinzeninseln und des Golfs von Jsmid, 1 mit der Taurusbahn den Weg nach dem Innern > Anatoliens nimmt, der glaubt, die Zeit stünde , mit einem Male stille. Mit wahren Riesenkräften arbeitet bie junge Türkei an ber Erschließung bes bünnbefiebelten Innern Kleinasiens. Aber bieses ungeheure Gebiet mit seinen ungehobenen Schä- , tzen ist in wenigen Jahren nicht zu meistern. Oebe, kahle Felsen, Berge, bie keinen Namen tragen, Steppe, soweit das Auge reicht. Und wenn der Zug dann am Rande der Salzwüste zwischen Konia, dem Jconium der Antike, und dem cilicischen Taurus, entlangeilt, wenn Stunden um Stunden vergehen, ohne daß das Auge einen Ruhepunkt findet, so gehört eine gewisse Stärke dazu, um gegen die Verzweiflung änzukämpfen. Und umso höher steigt in einem die Achtung vor dem Mut der hier schaffenden türkischen Pioniere — und nicht zuletzt vor der Gigantenarbeit, die hier beim Bau dieser Bahn von deutschen Menschen geleistet worden ist.
Aber weder Steppe, noch Wüste, noch Weltenmeer sind ohne Grenzen. Der wildromantische Taurus setzt der anatolischen Einöde ein Ende, und durch ungezählte Tunnels trägt die Maschine den Menschen in eine andere Welt. Der Winter bleibt mit dem Gipfelschnee zurück, und vor dem Beschauer breitet sich das Paradies Ciliciens mit seinen Palmen- und Orangenhainen, mit seinen immerblühenden Gärten und seiner selbst im nordischen Kältemond belebenden und wärmenden Sonne. Man ist bereits im syrischen Raum, der von ber Bucht von Alexanbrette bis an ben Kanal von Suez reicht, fruchtbar unb unenblich reich, unb qerabe beshalb, bis auf ben heutigen Tag, Spielball in ben Hänben ber Mächtigen auf biefer Erbe.
Jugenbwo liegt Europa mit feinen Hoffnungen unb Sorgen, mit feinem politischen Tageskram. Fast ist man versucht, all bas, was von ben Sieger machten bort an ben berühmten grünen Tischen verhandelt wirb, als Theater anzusehen, als Täuschungsmanöver, dazu bestimmt, die Aufmerksamkeit von bort abzulenken, wo praktisch gearbeitet wirb, wo man ben unterbrückten Völkern zwar aud) oon zwischenstaatlichen „Gesetzen" spricht, von Manbats- Rechten" unb einem Bunb ber Nationen, wo man aber, unter sich ber Wirklichkeit offen Rechnung tragt unb die Kinder all beim rechten Namen nennt.
Frankreich, England, Rußland und Italien sind hier seit Jahr und Tag dabei, ohne jebe Rücksicht auf Genf unb anbere politische Schemen chre diplomatischen Angelegenheiten auszuhanbeln. Alles ist zwar noch im Fluß, noch in voller, bei weitem noch nicht abzusehenber Entwicklung, aber ba man willens ist, vorwärts zu kommen, macht man sicy gegenseitig nicht bas geringste vor. Im „vet- ko n z e r t ", um nur ein Beispiel zu nennen, haben sich Englänber, Franzosen unb Italiener mit ber Regierung bes Irak geeinigt, unb noch tr biesem Frühjahr, also ein volles Jahr vor Ab lau ber vertraglichen Fristen, wirb bas Mossulol im Ausmaße von monatlich 300 000 Tonnen 3" den Häfen am Mittelmeer fließen. Der gesamten Wirtschaft Vorberafiens wirb bas 3ugute kommen, uno wenn nicht alles trügt, fo bürfte hier bie „Weltkrise" balb nur noch ein Märchen sein.
Das alles ist natürlich nur Mittel 3um Zweck. Das Aufblühen im syrischen Raum, bie Bewässerungen unb Anpflanzungen, bie Grunbung neuer unb ber Ausbau bestehender Jnbustrien, geschieht E um der fchEN, "uudelformigen Araber- —vor ber Jangtse-
ITa H ÄS ku°s°ss°n?wirtKastlich'uL kuttu-> Mündung auf der Reed^ d-s^ufungsart- eintras.


