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Nr. 4 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Zreitag, 5.)anuaN934

2100

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1860

Aus der Provinzialhauptstadt

K. L.

soll.

er

o Bermuhler Verlag, Berlin- Luftschutzgedanke gehört heute

Murmeltiere in den deutschen Alpen.

auf der Baustelle:

Legende von diesen Königen und ihrem Stern, der ihnen einen neuen Inbegriff ihres Menschseins brin­gen sollte, daß sie trotz aller Ungewißheit, in die jedes Morgen und jeder große Wurf gehüllt ist, den Weg gingen, den zu gehen ihnen eine innere Stimme gebot, für die ein deutscher Dichter die Worte fand:In deiner Brust sind deines Schicksals Sterne." Das sind jene Sterne, die den Menschen dann und wann auf ihrer Erdenwanderung leuchten, denen es zu folgen gilt, wenn der Pfad nicht in die Irre und in das Gestrüpp der Verzweiflung führen

Chiemseebergen, wo der Bestand bis auf etwa 20 Stück zusammengeschmolzen ist.

gesamte Gebiet der Naturwissenschaft und ihre An­wendung in Naturschutz, Unterricht, Wirtschaft und Technik. Herausgeber: Dr. Oskar P r o ch n o w. Jahrgang 10, Heft 1A Seiten, 3 Tafeln und reis vierteljährlich 2,50 Mk.,

wußte, er erreichte ein Haus, und dort, bei seines­gleichen, entging er der über ihn hereingebrochenen Weltangst.

Josef Ponten,Volk auf dem Wege".

Winter im Wald.

Ein paar Wochen später lag der Schnee fußhoch. Die Zweige groß und klein trugen schwere Lasten und waren tief herabgebeuat, man schritt durch Hügel und Berge von Kristall, Glas und flimmern­dem Licht dahin. In den Hallen und Domen unter den Aesten und Bäumen dämmerte es geheimnis­voll und von nie gesehener Färbung. Die Schatten leuchteten blau, tiefer als die Flecke des Himmels zwischen den Kronen der Beschneiten in der eis­kalten Höhe, die Strahlenherde auf den Kuppeln der Bäume blendeten, es war ein verzaubertes Reich bald überhell, bald als erglänzte ein längst verlassener Weltkorper im Ampellicht des Alls... Mario zog gegen Abend eines sinkenden Tages, der klar und feierlich erstanden und vergangen war, durch die sanften Höhenzüge jenseits des Flusses der Hütte zu, eilig, da die Dämmerung kurz und kein Mond vor Mitternacht zu erwarten war. Seine eigenen Spuren im Schnee führten ihn zurück, wie blaue kleine Löcher zogen sie sich dahin, und weiter fern vor ihm wie eine Perlenkettenschnur Zuweilen kreuzte eine andere Perlenkette, feiner und leichter bereitet, seinen Weg, er erkannte hier und da den Tritt des Rehs und die von der hän­genden Rute leicht verwehte Bahn des Fuchses, jedoch nichts war recht deutlich, denn der Schnee war zu locker und stäubte... Langsam brach in Herrlichkeit der Sternenhimmel über Mario auf, als er heimlief. Im Dunkel des Hochwaldes sandte er den Blick zu den Ewigen empor, es schien, als hingen sie als winzige blitzende Kerzlein im ge­schmückten Gezweig. In heiliger Feier prangte der mächtige dunkle Dom.

Waldemar B o n s e l s,Mario und die Tiere".

Mein Freund, der Geizhals.

Man soll jedem Ding, jedem Geschöpf, das da kreucht und fleucht, eine gute Seite abgewinnen. Man soll sich auch über nichts und niemanden ärgern. Höchstens über sich selbst, wenn man wie­der einmal etwas gründlich falsch gemacht hat.

Unter unseres lieben Herrgotts schönem Himmel laufen gar viele Kostgänger umher. Sie sind nicht alle nach einem Muster gefertigt. Wenn anders, wäre es vor Langweile auf Erden nicht auszu­halten. Lustieren wir uns also doch nach Kräften, so wir einen Kauz finden, der aus der Schablone, die wir an den Mitmenschen anzulegen pflegen, sichtbarlich herausfällt. Solches braucht natürlich nicht mit lauten Worten, gar mit Gepolter, zu ge­schehen. Zum Lustieren genügt schon ein innerliches Schmunzeln.

Da ist zum Beispiel mein Freund der Geiz- Hals. Diele mögen ihn nicht leiden. Ich aber komme in eine heitere Stimmung, ich belustige mich über ihn, wenn er mir in Reinkultur begegnet. Ja, ich darf ihm gegenüber sogar einmal den Pharisäer spielen:Herr ich danke dir, daß ich nicht bin wie dieser da", so klingt's leise in mir auf.

Schon in der Jugenü zeigen sich eines Geizhalses Talente. Da wird zur heißen Sommerzeit ein Schulausflug gemacht. Die Mutter hat ihrem Bu­ben, dem Geizhälschen, eine Flasche mit Himbeer­wasser mitgegeben. Ihn dürstet zwar, aber er trinkt noch nicht. Ein Kamerad, dem ebenfalls die Zunge am Gaumen klebt und der nichts zu trinken hat, bittet ihn um einen Schluck. Vergeblich. Es kommt zum Zank zwischen beiden. Die Jungens gehen aufeinander los. Der Limonadenbesitzer stolpert über einen Stein. Er fällt und die Flasche zerbricht. Hallo, wie jubeln die anderen Buben. Welche Freude hat uns allen der Geizhals bereitet. Wie

23 Textabbildunge , , , .

einzeln 1 Mk. Hch"go Bermühler Verlag, Berlin- Lichterfelde. r f

Drerkönigsiag.

Ein Stern war den drei Königen, jedem in sei­nem Reiche erschienen, den sie noch nicht kannten. Eine innere Stimme befahl ihnen, diesem leuchten­den Zeichen zu folgen. Sie machten sich unter seiner Führung auf ihren weiten Weg zu einem Ziele, dessen Bedeutung sie nur durch die Ungewöhnlich­keit der himmlichen Erscheinung vielleicht nur ahnen mochten, dessen geheimnisvoller Sinn ihnen jedoch verborgen war. Sie hatten nur das verpflichtende Empfinden, daß am Ende ihrer Reise etwas ihrer harrte, das nicht allein das persönliche Opfer ihres Marsches, sondern auch einer Gabe wert war, mit der sie auch ihre äußere Machtfülle einem Höheren unterordnen zu müssen glaubten. Gold, Weihrauch, Myrrhen haben ihre sinnbildliche Bezüglichkeit aus der verehrungsvollen Huldigung, mit der sie als unerlöste Gottsucher dem Künder einer neuen Heils­lehre zu Füßen sanken.

Der Stern, der die heiligen drei Könige zu einem Kinde in der Krippe eines Stalles geleitete, in dem auch der geringste Prunk fehlte, der sie in ihrer Heimat umgab, will Symbol jener bedingungs- und vorurteilslosen Gläubigkeit sein, die sich in blindem Vertrauen auf die schicksalbestimmte Sendung eines außergewöhnlichen Menschen, wie er in dem Neu­geborenen in die Menschheitsgeschichte eingetreten war, seiner Führung unterwarf. Weil die drei Kö­nige Menschen waren, mit allem Hoffen und Seh­nen, das in jeder Menschenbrust als zehrende Flamme schwelt, deshalb glaubten sie ihrem Stern, deshalb vertrauten sie sich ihm als Pfadfinder an, und deshalb setzten sie ihr eigenes hochgeborenes Ich hintan, um der Weisung von oben zu folgen, die ihnen die fleischgewordene Menschheitssehnsucht, den Erlöser, den Befreier aus den dumpfen Niede­rungen eines primitiven All-Erlebens als höheres Ideal einer Daseinsführung zeigte. In der Krippe von Bethlehem waren alle sonstigen Unterschiede ausgelöscht. Nur der Mensch mit der außerirdischen Weihe der von Gott Begnadete, war das Licht in der Finsternis, war der wahre Herrscher.

Die heiligen drei Könige, die hinter dem Stern herqingen, haben deshalb für uns Jetzige einen tie­feren Sinn bekommen, den man in Zeiten verkannte, die statt der gestaltenden Einzelpersönlichkeit nur eine Vielheit von Meinungen kannte, aus der nie ein geeintes Wollen werden konnte, das Anstoß und Aufbau einer Zukunft gewesen wäre. Vielleicht ist das die beglückende Offenbarung der frommen

Zeitschriften.

D e r Naturforscher" vereint mitNa­tur und Technik". Bebilderte Monatsschrift für das

Hitler schafft Arbeit!

Wettere bewilligte Maßnahmen des Arbetts- beschaffungsprogramms im Rhein-Main-Gebiet:

Tagewerke

Maßnahme

Entwässerung von Wielenländereien Drängenossenschaft lieberjoffa

Verbesserung der Betriebsverhältnisse des kabel - Verteilungsnehes in Frankfurt a.2H.

Meliorationsarbeiten im hessischen Ried, Volksstaat Hessen

Versorgungsbetriebe einschließlich fia- nalisations- und Kläranlagen im Untertahnkreis

Insiandsehungs- und Ergänzungsarbei- ten in Gelnhausen, Wächtersbach und Altcnhahlau, Kreis Gelnhausen

Zum Gaudi der andern.

Und ist es nicht zum Hellen Auflachen ärgert euch doch nicht! daß solch ein Geizkragen und Knauser seine Pfennigfuchserei auch noch als eine reine Tugend ansieht? Wer mir ein Gaudi bereitet, ist mein Freund. Gewiß hält sich der Geizhals für einen klugen Mann. Von der Wurzel so vieler Hebel weiß er nichts. Erspart" aber immer am gerechten Verdienst der andern. Immer hat er Sorge um fein armes Leben. Und er glaubt be­stimmt, niemand durchschaue ihn und seine köstliche Eigenschaft.

Ich weiß, daß der Geizhals g e l d k r a n k ist, ge­nau so, wie der Trunkenbold alkoholkrank ist.

Aber über den Geizhals, der nichts vom Leben hat, das so schön sein kann, muß ich lachen siehe oben! Don seinem Mammon nimmt er ganz gewiß nichts mit ins bessere Jenseits. Vom golde­nen Kalb, um das er sein Lebtag tanzte, nicht ein­mal die Schwanzspitze. Seine Erben werden das goldene Kalb unter sich verteilen. Dann werden sie aus vollem Halse lachen.

Und ich werde mitlachen über meinen leider toten Freund, den Geizhals. Z-

Daten für Freitag, 5. Januar.

1643: der Physiker und Astronom Isaac Newton in Woolsthorpe geboren (gestorben 1727); 1846: der Philosoph Rudolf Eucken in Aurich geboren (ge­storben 1926).

vollen wirtschaftlichen Kreislauf der Nation, so mutz es 1934 gelingen, einen neuen ökonomischen Aus­gleich zwischen den Völkern durch Wiederherstellung eines normalen Waren- und Geldverkehrs zu finden.

In Niedersachsen sind in dem abgeschlosse­nen Jahre Millionen-Bauprojekte begonnen ober vorbereitet worden, die großen Harz-Wasserpläne, umfangreiche Flußregulierungen, Brückenbauten und vor allem Oedlandkultivierungen. An alle diese Auf­gaben knüpfen sich mannigfaltige Hoffnungen der niedersächsischen Wirtschaft. Niedersachsen mit seinen ausgedehnten Mooren und Brüchen wird ein Haupt­gebiet für die neue Siedlungstätigkeit werden, wenn erst einmal die Bodenverbesserungen durchgeführt sind. Die niedersächsische Industrie mit ihren weit­reichenden Exportbeziehungen ist von der Hoffnung

kann.

Es folgt Schlesien. Schlesien, vor allem Ober- schiesien, wird in dem Maße ein intakter Wirtschafts­köper werden, in dem es die Hilfe der Neichs- instanzen erhält. Die Formel umfaßt die ganze Problematik der künftigen Gestaltung der schlesischen Geschichte. Dies arme Land, das nicht nur unter den Nachwirkungen der allgemeinen Wirtschaftskrise, son­dern auch unter den Schäden einer verfehlten Grenz­ziehung, der Gebietsverluste und des Flüchtlings- zustromes, leidet, kann unmöglich aus eiaener Kraft gefunden. Es war darum die zentrale Aufgabe der Arbeit des ausklingenden Jahres, die Kenntnis Schlesiens zu verbreiten, die Kenntnis der Besonder­heit seiner Situation. Auch im Jahre 1934 wird diese Aufgabe bestehen bleiben. Es ist eine große Hoffnung und ein großer Wunsch der ganzen Pro-. vinz, daß man ihr die Beachtung schenken wird, die sie braucht und die sie wahrhaft verdient. Dabei han­delt es sich gleichermaßen um die Beachtung der Schönheit und der Nöte des Landes.

In Pommern bildet die Frage der Unter­bringung der Arbeitslosen noch immer das Haupt­problem. Das Ziel, Pommern von Arbeitslosen frei zu machen, soll und muß bis zum nächsten Früh­jahr erreicht werden. Zwei Drittel der pommerschen Arbeitslosen beherbergt allein Stettin. Diese Ar­beitslosen gilt es umzuschulden und auszusiedeln. Es ist ein Werk von großer wirtschaftlicher und kultu­reller Bedeutung, das damit eingeleitet wird. Eine Kolonisation von einem Umfang, wie sie bisher noch niemals durchgeführt worden ist. Dor allem die dünn bevölkerten Teile Ostpvmmerns werden be­siedelt werden. Nicht nur Landwirte sollen zur eige­nen Scholle gelangen, auch Handwerker und Arbeiter werden angesiedelt.

. Was die Wasserkante betrifft, so wird ihr Schicksal verbunden mit der Entwicklung der Hafen- metropole Hamburg und Bremen. Was man ihnen in erster Linie wünschen muß, ist mit einem Schlagwort gesagt: Normalisierung der Weltwirt­schaft. Alle Tatkraft und Initiative, die in dem jetzt vollendeten Jahr gerade in den beiden Hansestädten entfaltet worden ist, um die Fundamente ihrer Exi­stenz, Handel und Schiffahrt, wieder zu festigen, ist im praktischen Endergebnis an internationale Vor­aussetzungen geknüpft. So wie es im neuen Deutsch­land gelungen ist, einen notwendigen Ausgleich zwi­schen Binnenmarkt und Weltmarkt herzustellen, wie Exporteur und Reeder sich einordnen konnten in den

Außenhandels bringen wird.

.In Thüringen hat man energisch zur Selbst­hilfe gegriffen und wünscht, daß diese Selbsthilfe durch eine politische und wirtschaftliche Befriedung der Welt gefördert würde, damit die vielseitige hoch­qualifizierte Exportindustrie Thüringens wieder stär­ker als wertvoller Faktor auf dem Weltmarkt auf­treten kann. Davon hängt alles andere ab: Zurück­führung der sozialen Not auf ein Mindestmaß, Hebung des allgemeinen Volkswohlstandes und der Volksgesundheit, befriedigende Lösung des Bevölke-

und es gewiß zum Millionär gebracht hatte. Mußte er einmal in ein Wirtshaus gehen, gab er dem Kellner einen ganzen Pfennig Trinkgeld. Was lag ihm daran, datz ihn die Tischgenossen deshalb auf­zogen? Und daran, daß der Ober vor seinen Augen das Kupferstücklein in die Armenbüchse warf? D> Geizhals kann eben nicht aus feiner Haut heraus und gibt das nächste Mal wieder einen Pfennig!

zu den brennendsten Tagesfragen. Einen wichtigen Beitrag über den gesamten persönlichen und Sam­melschutz gegen Giftgase bringt Dr. Otto Rebmann in seinem AufsatzGasschutz . Dr. K. Kuhn be« handelt die für die Vererbungsforschung so wich­tige selbständige Entwicklung der Samenfäden, die sogenannte männliche Zeugung. Mit Erstaunen erfährt der Leser aus den Ausführungen von Professor Dr. Otto Scheerpeltz, wie im Wasser lebende Entwicklungsstufen von Kerbtieren den stärksten Wasserströmungen zu trotzen vermögen. An Hand prachtvoller Aufnahmen zeigt Dr. Oskar Prochnow technische Leistungen der Natur im Tier- und Pflanzenbau in seinem Beitrag ,Kunstvolle Stützgerüste in Bauformen der Natur" Heber das Vorkommen von Fehlfarben bei Tieren berichtet Dr. Knottnerus-Meyer. Professor Schwaßmann- Bergedorf zeigt eine reizvolle Ausnahme von dem Sternschnuppenfall am 9. Oktober 1933. Schließlich sei noch auf eine Abhandlung über das neue Tier­schutzgesetz hingewiesen, in der die wichtigsten Be­stimmungen wörtlich wiedergegeben und erläutert sind. Zahlreiche kleine Beiträge und Berichte über neue Forschungsergebnisse beschließen das wie immer mit vielen schönen Bildern ausgestattete und hervorragend gedruckte Heft.

Das neue Heft der LeipzigerI11 u ft r i r t e n Zeitung" beginnt mit einem großangelegten Rückblick aufDas Schicksalsjahr 1933". Daran schließt sich eine reich illustrierte Würdigung des nunmehr 70jährigen norwegischen Malers Edvard Munch. Dem Züricher Reformator Zwingli ist zu seinem 450jährigen Geburtstag ebenfalls ein mit interessanten Bildern ausgestatteter Beitrag ge­widmet. Ferner enthält das Heft viele schöne ein- und mehrfarbige Winterbilder. Außerdem Beiträge über das Mussolini-Forum in Rom, über deutsche Dolksbräuche zum Dreikönigstag, über die Ver­wendung von Holz im Straßenbau und über den

heranbiegen. Sie bemerkten uns, zielten aber schlecht; Granaten schlugen in den Fluß und jagten Wassersäulen auf, beschädigt wurde memand Dm- qesu durcheilten wir ohne Aufenthalt und stiegen dann durch ein Seitental aufwärts. Heberall ist der Schnee zu hohen Wehen durcheinander gebaut: blaue Schattenwände stießen an Wände von bren­nendem (Silber... Einmal, an kahler Gegenwand, springt die Straße schräg nach oben zurück, und während wir als Letzte noch tief unten m Schatten­kälte gingen, sahen wir unsere vordersten Gruppen bereits hoch über uns vor orangerot beleuchtetem Gestein aufsteigen und dahinter verschwinden. Diese gehorsam stetige Prozession grauer Manner, die aus der scharf abscheidenden Helle ms Hnbekannte wanderte, zog immer wieder den Blick empor...

Hans Carossa,Rumänisches Tagebuch".

Schnee in Rußland.

In diesem Jahre hatte es nur einen armen Win­ter in den Südländern gegeben, der Schnee hat^ sich weit nach Norden zurückgezogen - plötzlich und gerade an dem Tage, an dem Christian m den Sprengelvarort Holstein gefahren war, stieß der Sckmee^ wieder vor. Es schneite dicht und lautlos ^ völliger Windstille. Flocken wie Wattebausche kamen daher, dick wie Klndersauste, wollig, als würden alle Wolken,-haschen der Himmelsflur au Einmal geschoren. Die Luft war milde und saft wärm der Himmel schien ausdrucken zu wollen, däk"r es trotz neuem Winter gut meine es solle ein Vergnügen sein, sich beschneien zu lassen. Ge­streichelt wurde man, dicht bedeckt wurde man, em- gehegt in himmlische Wolle - und gab man sich der Hust, sich so angenehm beschneien zu lassen, nur 'nia hin so war man bereits eingeschneit. ffbriftianSunt> der Pfarrer traten bald, nachdem sie sich verwundert ein Weilchen umgeschant hatten, m ben Krttiz zurück - schwer zogen sie die Windsana- hinter sich zu, soviel Schnee war gefallen, wah- rend^sie draußen gestanden hatten .. Eines solchen Schneefalls erinnerte sich weder der Pfarrer, noch der Schulmeister Wer draußen war, mußte elend umfornrnen Nicht die Länge eines ausgestreckten Armes weit konnte man sehen. Vom Pastorat bis ,um Glockenstuhl war nicht weiter als ein Stein- 3murf aber weder der Stallknecht des Pfarrers, noch dieser selbst, noch der Schulmeister durften es wagen, hinauszugehen und die Glocke Denrrten ,2 pichen zu läuten, der Glockenton wäre nicht über das Dorf hinausgedrungen. Alle Schalle star­ben sofort im Schnee, aus Weiche und Wolle kam kein Hall. Die weite Welt beschränkte sich plötzlich für einen Menschen, der draußen war, auf ihn elbft, er bekam Angst, er fühlte sich totallem er begann zu laufen, wenn er noch eine Richtung

Winterlandschast.

Aus deutscher Prosa-Dichtung.

Winter in Rom.

Nach vielen langen Regentagen mit schweren fallenden Himmeln hebt hier eine Art von Früh­ling an; Duft kommt aus den Büschen, und die Lorbeerbäume, die der Mittag erwärmt, riechen nach ersten Sommertagen. Es gibt Sträucher, an denen die langen Kätzchen hängen, und andere Sträucher, die morgen blühen werden, wenn die Nacht so sanft ist wie diese letzten Nächte, die im wachsenden Monde langsam und milde vergangen sind. Unb dabei ist Weihnacht nah; die Leute sagen es wenigstens, und kommt man abends in die über- hellen Straßen der Stadt, so ist das Gedränge groß, und die Schaufenster schimmern. Hier aber in dem großen Garten, in dem wir wohnen, wird nicht Weihnacht sein: ein Tag wird kommen, hell und strahlend, und wird vergehen, und ein Früh­lingsabend wird sein ein Abend mit fernen dämmernden Himmeln, aus denen plötzlich alle Sterne brechen, alle die vielen Sterne, die über südlichen Gärten stehen. Für uns aber wird dieser Abend nur eine stille Stunde sein, nichts mehr; wir werden in dem entlegenen kleinen Gartenhaus sitzen und an jene denken, die Weihnacht haben... als ob wir selbst noch irgendwo die Kinder wären, die wir einmal waren die wartenden, frohban­gen Weihnachtskinder, auf die die großen Heber­raschungen zukommen...

Rainer Maria Rilke, Aus den Briefen.

Winter im rumänischen Feldzug.

Der Schneefall dauerte noch den ganzen Vor­mittag. Die Leute hatten innerhalb der Baracken in großen Blechkesseln Feuer angezündet; einige wuschen sich, andere lagen rauchend und lesend auf dem halbgrünen Maisstroh. Jeder spürte nun erst seine ganze Ermüdung, jeder lobte das beharrliche, ruheoerbürgende Gestöber. Draußen sah ich einen Mann, der aus Hebermut Brot in Schnee packte und über das Barackendach warf. So besprengt man da und dort in Niederbayern zur Weihnachts­zeit Schneeballen mit geweihtem Wein und schleu­dert sie über das Haus, um es vor Hnglück zu be­wahren Aber nach zwölf Hhr schneite es nicht mehr; Ostwind öffnete den Himmel, und bald horte man wieder Schüsse aus schwerem Geschütz das Tal durchhallen. Um die zweite Stunde kam der Marschbefehl. Dem Trotusul entlang zogen wir bald über ungarisches, bald über rumänisches Ge­biet. Eine Strecke ging es durch das Gesichtssei der Russen, deren Bergstellungen sich dort nahe

rungsproblems unb Steigerung der kulturellen Leistung. Schließlich gibt es für den Thüringer noch immer eine Frage, die ihn naturgemäß weit stärker berührt als die übrigen Volksgenossen: die große Flurbereinigung, Exklavenbeseitigung und natürliche innerdeutsche Grenzziehung im Rahmen der Ver­fassungsreform.

Im R h e i n l a n d hat man den unerschütterlichen Glauben, daß das neue Jahr einen allgemeinen Auf­stieg Deutschlands bringen wird. Von diesem Opti­mismus sind alle Schichten der Bevölkerung erfüllt, man erhofft eine stärkere Belebung des Jnland- absatzes und bei zunehmender Konsolidierung der außenpolitischen Verhältnisse auch eine Ankurbelung des Exportgeschäftes. In der S ü d w e ft m a r k, Deutschlands fruchtbarstem Garten, wünscht jeder vom neuen Jahr, daß Sonne und Regen so gleich­mäßig verteilt sind, daß der Wein und der Tabak, Obst und Braugerste gut gedeihen. Die Schiffahrt würde es nicht ungern sehen, wenn durch Aenderung der Seehäfen-Ausnahmetarife die Binnenwasser­straßen besser ausgenutzt würden. Nach sieben bis acht Jahren wird die Regulierung des Oberrheins vollendet sein. Man wünscht, daß durch sie der Bau des Rhein-Seitenkanals, für den der Versailler Ver­trag Frankreich die Genehmigung erteilt hat, verhin­dert wird, weil sonst große Gefahren für die Grund- wafserverhältnisse im badischen Oberland entstehen.

schön ist doch die häßliche Schadenfreude in solchem Falle.

Daheim erzähle ich deshalb die Geschichte und lache nochmals.

Mein Oheim, ein Schalk, nimmt mich bei Seite und schmunzelnd berichtet er:Des Buben, dem die Flasche ungenützt zerbrach, geriebener Großvater war Aktengewaltiger in Irgendwo. Er schloß sich zur Verwunderung seiner Mitarbeiter immer ein und verhängte das Schlüsselloch. Eines Tages aber war er offenbar vergeßlich. Ein Lichtstrahl huschte durchs Schlüsselloch in die Schreibstube. Ein Schrei­berlehrling, ein Dreikäsehoch, sah neugierig durch die bohnengroße Deffnung. Grinsend winkte der Frech­dachs die andern herbei. Da saß denn der hohe Chef auf dem Pultschemel aber nicht auf dem obligaten Hosenboden. Nein, den schonte er fein säuberlich und die Hnaussprechlichen dazu. Er sparte! Ich meinte als junger Naseweis: Geiz ist also gewiß ein Erbgut?

Da kannte ich einen, der einst als armer Bube bei der Verwandtschaft zum Essen rechum ging.

Das Alpen-Murmeltier war schon im 19. Jahr­hundert fast nur noch in der Gegend um Berchtes­gaden und dem Allgäu anzutreffen. Die Boden­beschaffenheit in diesen Gebieten gewährt die gün­stigsten Lebensbedingungen für die Murmeltiere. Der Bestand in der ursprünglichen Heimat ist auch heute noch verhältnismäßig groß; er wird im Berchtesgadener Gebiet auf 600 Stück und im All­gäu auf 1700 Stück geschätzt. Man hat, wie in der ZeitschriftDas Bayernland" mitgeteilt wird, die Ansiedlung auch in anderen Gebieten versucht, so ,

in der Pfrontener Gegend, wo heute ungefähr 501 Betrieb der Reichspost. Tiere angetroffen werden können, und in den -

Hoffnung auf Aufstieg. |

Unter den vielen Umschauen, Rückblicken und Um­fragen, die zum eisernen Bestandteil der Neujahrs­nummer einer Zeitung gehören, hebt sich diesmal eine besonders gute Umfrage heraus. Eine Berliner Zeitung hat ihre Korrespondenten der Länder und Provinzen Deutschlands angewiesen, kurz darüber zu berichten, welche Hoffnungen die einzelnen Landesteile Deutschlands in wirtschaftlicher Hinsicht mit dem Jahre 1934 verbinden, welche Wünsche sie über den wirtschaftlichen Wiederaufstieg äußern. An der Spitze steht O st preußen. Hier berichtet der Korrespondent, daß er überraschend

Un& dEseude Erf01 ge der Sommer- ^pvlwezieyungen YI von oer j;ojynung

schacht gegen öie, ^61*5(0^^ erfüllt, daß das Jahr 1934 eine Belebung des

trauen aller Schichten Wiederaufleben ließ, ^chaf- .

fensfreudigkeit an die Stelle lähmender Lethargie gesetzt hat. Die Durchführung des Jndustnalisie- rungsplanes ist in wirtschaftlicher und damit auch in sozialer Hinsicht die stärkste Maßnahme des neuen Jahres. Aus dieser modernen Kolonisation aus der Rückführung ostpreußischer Landsleute aus den übervölkerten Heberschußgebieten des Reiches, aus diesem Ostlandzug arbeitswilliger und arbeitsfreudi­ger Leute wird 'sich bei der Schaffung einer land­wirtschaftlichen Industrie über die neuen Arbeits­möglichkeiten für einheimische Arbeitslose hinaus die Möglichkeit einer dichteren Besiedelung des mensch- armen ostpreußischen Raumes bieten. Ihre Auswir­kungen werden sich auf sämtlichen Gebieten der Wirtschaft bemerkbar machen, vor allem aber bei der Landwirtschaft, die dann ihre Produkte in ausrei­chender Menge sozusagen an Ort und Stelle absetzen