werde es keinen Zwischenfall geben, lieber die deutsche Aufrüstung müsse man unter Berücksichtigung der gegebenen Tatsachen auf dem Fuße der Gleichheit miteinander verhandeln, d. h. ein aegenfeitiges Abkommen schließen, auf Grund dessen die Rüstungen der bei- den Länder sowohl vom organisatorischen wie materiellen Gesichtspunkt aus der Kontrolle unterworfen würden. An ein Bündnis mit Sowjetrußland zu denken, fei Wahnsinn. Mit den Sowjets trage man den ständigen inneren Kampf nach Frankreich.
„Excelsior" erklärt, die Unterredung Ribbentrop- Laval habe rein informatorischen Cha- ratter getragen und sei für beide Teile sehr nützlich gewesen. Ob es sich um die Rüstungen, um die Ostpaktfrage, wirtschaftliche ober juristische Fragen handele ober ob von der Saarfrage oder dem österreichischen Anschluß die Rede sei, dgs Dritte Reich fordere in erster Linie, daß man ihm Vertrauen schenke. Niemand in Frank
reich denke daran, es in bezug auf seine Wünsche ober seine lebenswichtigen Interessen in eine schwierige Lage zu bringen. Der allgemeine Wunsch jebes Franzosen gehe vielmehr dahin, daß sich Deutschland aus der Isolierung freimache. Aber man könne von Frankreich nicht verlangen, daß es die Kosten für die Rückkehr Deutschlands zu normalen internationalen Beziehungen trage. Was für Frankreich gelte, gelte ebenso für feine Freunde und Verbündeten.
Der rechtsgerichtete Abgeordnete Henrio t sprach über das Thema „Gegen den Krieg". Henriot erklärte, er fei kein Anhänger der Unveränderlichkeit der Verträge, denn gewisse Grenzpfähle seien ein Hindernis für den Frieden. Fast gleichzeitig sprach in der Sorbonne vor der intellektuellen Jugend der Schriftsteller Jules R o - main über das gleiche Thema. Die Abstimmung im Saargebiet möge den Auftakt zu einer Entspannung zwischen beiden Ländern barf1?!':::.
„Wenn es nach mir ginge..."
Lord Isothermere für großzügige Ausräumung der Konfliktstoffe.
C o n b o n. 4. Dq. (DJtB.-Juntfprud)). „Daily 211 a i I “ veröffentlicht einen an den Chefredakteur des Blattes gerichteten Brief Lord Rothermeres. Das Schreiben behauptet kurzerhand, daß Deutschland bereits über 1 0 000 Flugzeuge verfüge. Dabei muß der Verfasser selbst einraumen, daß diese Angabe eine ganz subjektive Schatzung sei. „3d) gehöre", so heißt es weiter, „zu den Leuten, die glauben, daß Deutschland und Großbritannien Freunde fein sollten. Ls gibt zwischen beiden Landern keine Gegensätze. Die meisten Bachrichten, die in England über Deutschland veröffentlicht werden, sind Schwindel. Hitler ist der glänzende Führer eines großen Volkes. Das hitlerregime fleht nicht vor dem Zusammenbruch, und Deutschlands Wirtschaftslage ist nicht so
tragisch. Denn es nach mir ginge, so würde ich die Kriegsschuldfrage des Versailler Vertrages preisgeben, Deutschland alle unter britischem IHanbat stehenden afrikanischen Kolonien zurückgeben und der deutschen Regierung Mitteilen, daß Großbritannien kein Interesse an der deutschen Politik in Osteuropa habe. Ferner sollte es ein englisch-französisch es Verteidigungsbündnis geben, das die Unverletzlichkeit der beiden Länder mit Einschluß ihrer überseeischen Besitzungen verbürgen würde. Ein solches Bündnis werde Frankreich in den Stand fetzen, sich von der Kleinen Entente loszulösen, d. h. von einer Verbindung, die für Frankreich selbst voller Drohungen und Gefahren ist."
brungene Äugt durchschlagen h<
Das Attentat von Leningrad
Großes Aufräumen bei den Eicherheitsbehörden.
bet wird.
Das Volkskommissariat bes Innern (OGPU.) hat ben Leiter der Polizeiverwaltung in Leningrad, M e b ro e b, feinen Stellvertreter Fomin unb weitere sechs Mitarbeiter der OGPU. in h a ft genommen. Gegen sie soll ein Verfahren wegen Fahrlässigkeit beim Schutze ber Sowjetbe- hörben eingeleitet werben. Bei Mebweb, Fomin unb ben übrigen OGPU.-Beamten hanbelt es sich um alte Mitglieber ber Kommunistischen Partei, bie zudem etwa 17 Jahre lang im Dienste ber sowjetrussischen Geheimpolizei stauben. Mebweb ist wegen seiner Verbiensie zweimal mit dem Orben ber Roten Fahne ausgezeichnet worben. Wegen ber Unterbrückung eines Aufstanbes in Mittelasien hatte er ferner eine Ehrenwache erhalten. Als Chef ber Geheimpolizei im Kaukasus war er bekannt als außerorbentlich guter Tschekamann, ber keine Mühe scheute. Fomin gehörte ber Kom
munistischen Partei ebenfalls feit 1917 an unb war ber befonberen Abteilung ber OGPU. zum Kampf gegen Koltschak in Sibirien zugeteilt. Die verhafteten OGPU.-Beamten werben von einem Son- bergericht ber OGPU. abgeurteilt. Bei weiteren 73 Festgenommenen hanbelt es sich durch- weg um Sowjetbeamte, bie bisher noch nicht in bte Oeffentlichkeit getreten waren. Aus Grunb bes Son- bergesetzes vom 3. Dezember droht allen Verhafteten die Todesstrafe.
Da bie Politische Polizei in Leningrad vollkommen versagt hat, beauftragte ber Ches ber Geheimpolizei Jagoda feinen Stellvertreter Agranow mit ber Säuberung ber Polizeibehörbe. Außerdem wurde eine Säuberungsaktion bei ber Obersten Staatsanwaltschaft in Leningrad angekündigt, da die amtlichen Stellen keine genügenden Maßnahmen für die Bekämpfung der regierungsfeindlichen Elemente getroffen habe. Die Untersuchung habe gezeigt, daß es sich bei dem Mord an Kirow nicht um einen Einzelfall handele, sondern daß gegenrevolutionäre Elemente Maßnahmen getroffen hätten, um gegen die Sowjetbehörden mit Terrormitteln zu arbeiten.
*
Die Schüsse, durch die der Sekretär der Leningrader Parteiorganisation, Kirow, niedergestreckt wurde, Haden eine neue Terrorwelle ausgelöst. Der Täter gehört nicht, wie zuerst verlautete, unzufriedenen Bourgeois an, sondern er war in einer Leningrader Filiale der Arbeiter- und Bauerninfpektion angestellt, also ein siebenfach gesiebter Kommunist.
Daß der Mord im Smolny«Institut gewissermaßen unter den Augen der Staatspolizei geschah, ist deshalb rätselhaft, weil die Machthaber bes Bolschewismus auf das Schärfste bewacht werden. Kirow war einer der Großen im Reiche des Bolschewismus. Abgesehen von feiner Rednergabe, mit ber er die Massen faszinierte und durch die er sich
abgab. Der Tater wurde sofort festgenommen. Der fchwerverwundete Kirow fiel bewußtlos zu Boden und wurde in fein Zimmer getragen. Die herbeigerufenen Aerzte fanden Kirow ohne Puls und ohne Atem; Wiederbelebungsversuche waren erfolglos. Die Aerzte stellten den Tod Kirows fest. Die Leiche Kirows wurde geöffnet. Dabei wurde festgestellt, daß die in den Nacken einge« Äugel den Kopf bis zum Stirnknochen )at, wodurch der Schuß soforttöd- l i ch wirkte. Der Mörder benutzte einen Nagan- Revolver, der in der Roten Armee verwen-
Moskau, 4. Dez. (DNB. Funkspruch.) Das Volkskommissariat gibt folgende Einzelheiten des Todes Kirows bekannt. Am 1. Dezember befand sich Kirow im Smolny-Palais, wo er sich in feinem Arbeitszimmer zu einer Rede in einer Leningrader Parteiversammlung vorbereitete. Neben feinem Arbeitszimmer hielt sich Nikolajew auf, ber, als Kirow das Zimmer verließ, von hinten einen Revolverschuß in öen Nacken Kirows
Wie liest der Italiener feine Zeitung?
Von unserem römischen E.-Korrespondenten.
Rom, Anfang Dezember.
An der Zeitungsbube stehen die Männer und fliegen das Morgenblatt durch, bis die Straßenbahn kommt; sie lesen hastig die Mittagsblätter in Erwartung des Autobus; sie kaufen ebenso das Abendblatt. Das ist auch anderswo nicht anders.
Die Damen bleiben im Vorbeigehen nur einmal ein bifferl recht lange stehen, um sich die Modenblätter von außen anzusehen und die gewagten Umschlagbilder der französischen Zeitschriften und Magazine mit einer unnachahmbaren Grazie zu übersehen. Blätternde und nicht kaufende Leserinnen soll es auch in anderen Ländern geben.
Heber den Schuhen der Großen, lieber noch auf dem Pflaster und auf dem Bauch, liegen die Kinder und lesen so unentgeltlich ihre Zeitung. So etwas sieht man bei uns nicht, denn nur in Italien haben die Kinder ihre Zeitung.
Die Bilder sind nicht süß und traut und geschmacklos, sondern witzig, luftig, draufgängerisch. In diesen Kinderzeitungen wird nicht bloß jede Woche einmal auch für die Kleinen etwas gebracht, o nein, sie können sich's leisten, ihre Leserschaft zufrieden zu stellen, denn sie erscheinen in Millionenauflage, wie keine einzige Taaeszeitung sie erreicht, nicht einmal Mussolinis Popolo d’Italia. Sie brauchen sich vor dem Analphabetentum nicht mehr zu fürchten, denn im Gegensatz zu den Großen, von denen noch immer jeder vierte drei Kreuze machen muß, wenn er seinen Namen schreiben soll (was natürlich nicht für die Städte zutrifft), können die Kinder Mussolinis alle lesen. Und sind sie noch keine Balillas, so verstehen sie die köstliche Bildersprache. Und für diejenigen, die keine vier Saldi aufbrinaen können, heftet der gute Mann in der Bude eben bie schönsten Seiten unten an, unter normaler Kniehohe. So spricht sich's in der Kinderwelt herum.
Klein oder groß, darin unterscheidet sich die Zeitungsleserschaft des Südens von der unfrigen, daß sie die „Öffentliche Meinung" nicht abonniert, sondern auf der Strotze kauft und am liebsten auch dort gleich lieft. Abonnenten gibt es freilich auch, der Sttatzenkauf ist jedoch die Regel. Er hat den Vorteil der Auswahlmoglichkeit. Man lieft nut,
was gerade reizt. Seit es keine Innenpolitik mehr gibt und in der Außenpolitik nur die amtliche Linie, sucht man um so mehr nach interessanten Begebenheiten des Alltags, und der Ausländer staunt oft, was alles für eine große Zeitung interessant genug scheint, um es mit allen Einzelheiten aufzutischen und gewöhnlich noch mit einem doppelt so großen Grünzeugkranz xu garnieren, den der Reporter in feinem höchsteigenen Phantasiepark zusammenrupft.
Die sogenannte schwarte Chronik, in der aus den Unglücksfällen und Verbrechen ein Hintertreppengewerbe gemacht wurde, ist allerdings verboten worden; für die unglücklich Liebenden, die das nächstbeste Tintenfaß austrinken, soll keine Reklame gemacht werden; aber da nun einmal das Verlangen des Zeitungslefers nach aufregenden Nachrichten so unstillbar ist wie der Hunger der Rotationsmaschine nach Papier, werden auch die für unsere Begriffe gänzlich uninteressanten Dinge „aufgemacht", oft viel auffallender und umfangreicher als Tatsachen von wahrhaft weltbewegender Bedeutung.
Nehmen wir einmal eine solche Spalte von über 200 Zeilen her. Da ist zunächst der tägliche Zusammenstoß mit dem Radfahrer, der nach römischer Sitte ohne Licht und Glocke fährt. Sein Name wird mit allen erreichbaren Einzelheiten genannt, seine elterliche Abstammung, seine Wohnung bis auf die Nummer des Türeingangs (in Rom gibt es außer der Hausnummer noch eine Wohnungstürnummer), nicht fehlt die Marke feines Fahrrades, und der Held selber erhält immer ein schmückendes Beiwort, er ist der Kentaure, der Ritter vom stählernen Flügel, der arme Teufel. Dann kommen die Verletzungen, die ärztliche Meinung, die vermutliche Zahl der Krankheitstage. So wird man in feinem Quartier bekannt.
Folgen „Die Ausreden von Adalgisa". Adalgisa ist ein bildhübsches Mädel, ihr Vater heißt Alfred Bettoni, sie wohnt da und da, sie arbeitet in dieser und jener Fabrik von 8 Uhr morgens bis 8 Uhr abends. Und so weiter. Nun. Adalgisa ist gestern einmal zu spät nach Hause gekommen, die Familie in Aufregung, der Vater, wie sie endlich kommt, haut. 30 Zeilen für dieses Ereignis.
Jetzt kommen die Würste, die Hannibal nicht vertragen konnte, Hannibal Quintilianus Forconi. 40 Zeilen.
Der fecchino Josaphat Faggi ist gewöhn^ zu
■
Die Waffen in -er deutschen Arbettsschlacht.
Köln, 3. Dez. (DNB.) Im Verband rheinischer Industrieller sprach der Präsident der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversiche- rung Dr. Syrup über das Thema „Arbeit und Arbeitslosigkeit im neuen Deutschland". Seit der Uebernahrne der Staatsgewalt durch Adolf Hitler seien in der Arbeitsschlacht ganz große Erfolge erzielt worden. Die Zahl der Arbeiter und Angestellten, die in der deutschen Wirtschaft b e - schäftigt würden, sei von 11,0 auf 15,6 Millionen geftiegen, während die Zahl der Arbeitslos en fast auf 2,25 Millionen gesunken fei. Hochburgen der Arbeitslosigkeit seien auch jetzt noch die Großstädte und Industriegebiete. Von den 2,282 Millionen Arbeitslosen entfielen am 1. Oktober allein 1,236 Millionen auf die Großstädte mit mehr als 100 000 Einwohnern. Staatsnotwendigkeiten und erkennbare Entwicklungstendenzen der deutschen Wirtschaft sprächen für Strukturveränderungen, die natürlich nur auf lange Sicht vorgenommen werden konnten. Dr. Syrup erörterte die Huzugssperre für Bezirke mit besonders hoher Arbeitslosigkeit, sei jedoch nicht angängig, das Reichsgebiet mit zahlreichen Sperrmauern zu durchziehen, denn dadurch werde die Bewegungsfreiheit der Arbeiter und Angestellten in starkem Umfange eingeschränkt und die eigene Initiative der Tüchtigsten gehemmt.
Weiter behandelte der Vortragende die notwendigen Erschwerungen der Landflucht.
Die Landwirtschaft bemühe sich unter Opfern, ihr, Arbeiter auch während des Winters xu behalten und Jahresverträge abzuschliehen. Diese Entwicklung dürfe nicht durch industrielle Anwerbung gestört werden. Die Reichsanstalt habe infolgedessen die Einstellung landwirtschaftlicher Arbeitskräfte für industrielle Betriebe, die erfahrungsgemäß gern solch, Arbeiter vom Lande aufzunehmen pflegten, ge. hemmt. Im Wege der L a n d h i l s e habe sie daneben rund 150 000 junge Leute aus den Städten und Industriegebieten in Bauernwirtschaf, t en übergeführt. Diesem Ziel diene auch der Arbeitsplatzaustaufch. Jeder Unternehmer müsse sich klar darüber werden, ob der alters, mäßige Aufbau seiner Gefolgschaft der richtige sei, und ob er nicht an Stelle einer Ueberzahl on jugendlichen Arbeitern ältere Familienväter unter Inanspruchnahme der geldlichen Zuschüsse ber Reichsanstalt einstellen könne. Es müsse aber durch aus sichergestellt fein, daß die jungen Arbeitskraft in der Landwirtschaft ober im Arbeitsdienst Aus. nähme finden. Die Reichsanstalt werde für bie Textilindustrie zum Ausgleich von Kurzarbeit infolge Rohstoffmangels eine verstärkte Kurzarbeiter« Unterstützung einführen, und in besonderen Fällen die Herstellung von Rohstoffen, die an die Stelle bes Auslanbbezuges träten, finanziell erleichtern. Bei weiterem Rückgang ber Arbeitslosigkeit werbe bie Reichsanstalt in ber Lage sein, überwiegend ihre Mittel bafür einzusetzen, ben Arbeitswilligen unb arbeitsfähigen Arbeitslosen Arbeit zu geben.
von allen anberen Bolschewistenführern unterschieb, gehörte er zu ben Säulen ber Partei. Kirow hat in ber Vorkriegszeit sich nicht in bie westliche Emigration begeben, sondern ließ sich in Sibieren einsperren. Er war bie rechteHandStalins. Da er gleichzeitig Mitglied des Polit-Büros war, also der zehn Männer, die mit Stalin die höchste Gewalt in Rußland verkörpern, ist sein Tod um so bemerkenswerter.
Aber sollte nicht der Mörder doch andere als persönliche Antriebe zum Mord gehabt haben? Nach außen hin erweckt Räterußland das Bild einer homogenen Masse. Sie hungert und darbt und ist von asiatischer Geduld. Sie hat die Lasten des zweiten Fünfjahresplanes auf sich genommen und wenn auch nur wenige Bolschewisten mit den modernen Maschinen umzugehen verstehen, so trägt doch der Glaube an die allesbe siegende Technik, von dem man im Westen längst abgekommen ist, gewissermaßen einen religiösen Charakter. Gerade weil der Durchschnittsrusse der Ma- chine fremd gegenüber steht, haßt oder verehrt er ie als höheres Wesen. Nun hat aber die Techni- ierung Rußlands, ganz abgesehen von ihrer Produktion, vor allem die Bauern zum Teil wurzellos gemacht. Alle bolschewistischen Berichte stimmen darin überein, daß ber russische Muschik, ber immer mehr in ben sozialisierten Betrieben zusammengefaßt wird, von einer gerabezu krankhaften Wanbersucht unb von einer innerlichen Unrast erfaßt ist, zu der bie Unbeweglichkeit bes Staatswesens in schroffem Widerspruch steht. Diese innere Unruhe ist vom Bolschewismus bekämpft, aber nicht besiegt worben. Im Gegenteil berichten bie bolschewistischen Blätter von einer Zunahme ber Unrast, bie ziel- unb planlos bie Menschen burch bie Gefilbe Rußlanbs jagt. Es kann sein, daß Nikolajeff von dieser Unruhe erfaßt würbe. Denn er war Mitglied bes Angestellten- unb Bauernrates, unb baß aus so^ialrevolutionären Gebankengängen sich bei ihm bte Jbee festsetzte, burch eine Tat bes inbivibuellen Terrors sich selbst gewissermaßen Lust zu schaffen. Das Ergebnis ist eine noch schärfere Ausübung der Staatsgewalt und wahrscheinlick auch eine noch schroffere Form der Unrast der russischen Massen.
Das japanische Kabinett beschloß, ben Unterzeichnern des F l o 11 e n v e r t r a g e s von Washington, und zwar jedem einzelnen, be- kanntzugeben, daß ber Vertrag als beenbet angesehen werbe. Es ist bamit zu rechnen, daß ber Geheime Staatsrat ihn einstimmig billigt.
Hause eine warme Suppe vorzufinben, lieft man voll Erregung, unb gestern, was sagen Sie bazu, war sie nicht fertig! Er nimmt also ben halbheißen Topf unb will ihn zum Fenster hinauswerfen, stoßt aber bamit an ber Kommobe an, der Topf zerbricht usw. usw.
Noch Schrecklicheres hätte passieren können, wenn Herr Scipio Testa, sein Vater ist gestorben, um nur eine Minute später aus dem Spezereiladen in der Cavourstraße Nr. 39 herausgetreten wäre. Er geht zu feinem Auto und — wer beschreibt sein Entsetzen — sieht darin einen fremden Mann sitzen! Ein versuchter Autodiebstahl also! Nummer des Wagens. Wohnung. 50 Zeilen.
Es ist klar, daß in allen genannten Straßen und Wohnungen das Zeitungsblatt von Hand zu Hand geht. Nicht selten findet man boccacciohafte Liebesabenteuer geschildert, die ein Spalte für sich einnehmen. Eine Zeitung bringt das alles sogar in Reimen.
Es wäre verfehlt zu glauben, daß das Niveau der italienischen Presse nach solchen Einlagesuppen für das popolino, das kleine Volk, beurteilt werden dürfte. Der Gebildete greift vielmehr zur „dritten Seite", wo Kunst und Literatur nicht minder liebevoll bedacht werden. Jede Woche hat der Film seine Vollseite mit musterhaften Bildern, was die technische Ausführung anbelangt. Der Arbeiter und Angestellte, der mit feinem Brotherrn in eine Meinungsverschiedenheit gerät, kann sich in feiner Rubrik ruhig aussprechen und erhält auf dem gleichen Wege Rat. Für die wohlmeinende Kritik, zuweilen darf sie sogar bissig sein, bann nämlich, wenn sie ber Allgemeinheit bient, ist eine Beschwerdetafel da, die der Gouverneur aufmerksam lieft. Wie man denn überhaupt auf Schritt und Tritt Anklänge an das öffentliche Leden im antiken Rom beobachten kann. Alles in allem genommen, muß der italienischen Zeitung ein ungemein reicher Textteil, eine Vielfältigkeit und Vollständigkeit nach- gerühmt werden, die sie zum richtigen Auskunftsorgan macht.
Wie es draußen in der übrigen Well aussieht, das schildern die Ausländskorrespondenten, die Botschafter der Presse. Auf ihnen ruht häufig bas vo- litische Schwergewicht des Blattes und sie steyen daher, wie in den angelsächsischen Ländern, in hohem Ansehen.
Im Argen aber liegt vielfach noch das Anzsigen- wesen. Di« buchdicken Sonntagsnmnmer» wurde
Arbeitsdienstpflicht in China.
Deutsche Einigkeit ein Beispiel für das chinesische Bott.
Schanghai, 4. Dez. (DNB. Funkspruch.) Zur Beschleunigung der Wiederaufbauarbeit in China hat Marschall T s ch i a n g k a i s ch e k die Einführung der allgemeinen Arbeitsdienstpflicht angeordnet. Die Pläne für die Wiederaufbauarbeiten, bie Deich« bauten, Bewässerungsanlagen, Straßenbau unb Aufforstung müssen innerhalb einer bestimmten Frist beim Marschall eingereicht werben. Die Heranziehung ber Bevölkerung zur Arbeit soll unter Rückficht« nähme auf wirtschaftliche Bebürfnisfe turnusmäßig erfolgen. Gestellung von Ersatzleuten ist verboten. Beamte, bie sich Nachlässigkeiten zuschulben kommen lassen, sollen streng bestraft werben. Jebe Division bes chinesischen Heeres muß monatlich 30 Kilometer Straßen bauen.
Der von einer Europareife zurückgekehrte Vize« ptäjibent bes Gesetzgebenben Reichsamtes, To/,« t s ch a n g, hielt eine Rede über die Lage Europa». Die fortgesetzten Rüstungen veranlaßten zu pejj' misttschen Betrachtungen. Japan werde dadurch Ge« legenheit zur Fortsetzung seiner imperialistischen Politik gegeben. Für China sei Einigkeit und der Wille zum Wiederaufbau notwendig. Auf feiner Reife durch Deutschland habe er den Ein« druck gewonnen, daß das deutsche Volk in uner« schütter!icher Einigkeit unbedingtes Vertrauen zum Führer habe. Der Geist der Hingabe und die Einigkeit des deutschen Volkes sollten ein gutes Beispiel für das chinesische Volk fein.
Dom Begen in die Traufe.
NotorischerDeutschenfressermitNeubildung des Memeldirektoriums beauftragt.
Alemel, 3. Dez. (DBB.) Der Gouverneur des INemelgebleles hat am Sonntag den Vorsitzenden der litauischen Landtagsfraktion und Führer der litauischen Schützen- und Jugendverbände im IHe- melgebiet PruvelalNs mit der Bildung des neuen Direktoriums beauftragt.
♦
Bestand zunächst noch die leise Hoffnung, daß ber Rücktritt bes Direktoriums Reizgys einen Kurswechsel ber Litauer im Memelgebiet antünbigte h wissen wir jetzt, baß man in Kowno nicht io entfernte st en baran benkt, auf bie W ber Memelkonvention zurückzukehren unb bem Land'
man in Rom vergeblich suchen. Zum „richtigen Zeitungslesen braucht es eben boch Muße, wie sie bie Straße niemals gewähren kann, unb so ergibt sich, wenn man ben (üblichen Zeitungsleser betroch- iet, ein eigenartiger Zusammenhang zwischen Zei' tung unb — Heim.
Äeifereforbe in alter Zeit.
Wenn wir heute ben „Fliegenben Hamburger" wie einen silbernen Blitz auf feinem geraden Schienen« roea von der Hauptstadt nach der größten deutschen Hafenstadt rasen sehen, dann haben wir nur ein ( überlegenes Lächeln für die umständlichen unb tony welligen Reisen unserer Großväter übrig. Damit , machen mir uns von den Ueberlandfahrten in der guten alten Zeit eine recht einseitige Vorstellung, da wir immer nur von den Mühen und Entbehrun« gen der Reisenden hören und nicht auch an ihrer ।
Rekordfreude und ihrem oft bewundernswerten j
sportlichen Ehrgeiz auf dem Rücken der Pferde oder ,
bei den Eilfahrten in den Postkutschen teilhaden. ।
Denn trotz der wenig vollkommenen Hilfsmittel wur> den auch in alten Zeiten bisweilen geradezu ver« bläffende Reisegeschwindigkeiten erzielt. Der Kurier, der im Jahre 1574 Heinrich III. den Tod stin^ Bruders Karl IX. mitteilen sollte, legte die fernung von Paris bis nach Warschau in nur zehn Tagen zurück. Nicht weniger verblüffend ift N Leistung^ die ein anderer reitender Kurier aufstellle. der die Reise von Versailles nach Rom in knapp j60 Stunden bewältigte. Bis zum Jahre 1836 wurden die Ergebnisse der Lotterie in ganz Frankreich burj) reitende Boten bekanntgegeben, die bisweilen HE beachtliche Geschwindigkeiten erzietten; einer ihnen hat den Ritt von Paris nach Bordeaux in «w Stunden zurückgelegt, eine rühmlicye Leistung, nx» man bedenkt, daß die Entfernung mehr als w Kilometer betrug. Mit größerer GÄuld mußten freilich die Reifenden wappnen, die in früheren Jay Hunderten die Postkutschen benutzten. Wenn man 0 schwerfällige ungefüge Bauart jener alten W bedenkt, die überdies mit keiner Federung aus» rüstet waren, kann man sich leicht vorstellem Qualen die Reisenden bei der schlechten beschall beit der damaligen Landstraßen zu erdulden yan Man war herzlich froh, wenn man an einem 6 . lichen Tag im Verlauf von 24 Stunden eine 'on von 40 Kilometer hinter sich gebracht batte, dies waren bereits Höchftleiftunaen, die nur vo. sonder» gut ausgerüsteten Kutschen erreicht
t<
WNN, Alf i>eta
oelai^ yänge' San! trauer
e" i das 2 sollen lull gehet 1
* bereit stey < t all" unW!
üiiserfla
ßoliMl W1
Pichle"
-es
rie
Serl yttchsch üeichsmi Dr. Goe aalen die Lrw Samai Dölbau llonalen Aeichsn flen 5 rungi hohe'
Die Reichs' auftlai die be len | Zäh jügun ©fei
Be l beabfii ein m nad)i ! zuregei vor 3n steuer hat der * einmalig genöen komme zur A -ilfe de (ein (oller V Re
De: 2. Dir ve 2li bei ' 3. Di m n1 be Die dar nicht'
Begeb Gru Tarif Steue
Weih, beitne Mark steue Erw
B e; hat eii lchuhes Entsi Arbeit« ßrbnur nen kai Lericht vigun eine D 3al|re M es Wiens Michl Alle, “rbe'd)af ^'Nschgs tarn. Dg


