Da läutete das Telephon.
Von Hans Seifferi.
James Fairoiew, der berühmte Krirninalschrift- steller, dessen Romane in der ganzen Welt verschlungen wurden, zündete sich eine neue Zigarette an. Dann überlas er noch einmal das Kapitel, das er soeben geschrieben hatte. Kein Zweifel, es war ihm gut gelungen! Ausgezeichnet hatte er die Spannung zu steigern, die Handlung dem Höhepunkt entgegenzuführen gewußt:
„üor lehnte sich zurück. Um seine Lippen spielte ein zufriedenes Lächeln. Draußen trommelte der Regen eintönig gegen die Scheiben. Da läutete das Telephon. Er nahm den Hörer von der Gabel, nannte seinen Namen und lauschte. Zwei drei Sekunden vergingen: dann drang eine halberstickte Frauenstimme an sein Ohr, die im Tone höchster Angst rief--"
Da läutete das Telephon. James Fairoiew fuhr zusammen. Sonderbarer Zufall! dachte er belustigt, nahm den Hörer und nannte seinen Namen. Das Rauschen der Muschel drang an sein Ohr, dann eine Frauenstimme, die angstvoll rief: „Retten Sie mich, Mister Fairview!"
Was war das? Er griff sich an den Kopf. Spielten die Nerven ihm einen Streich? Aber nein —: wieder, diesmal noch dringender, sprach die Stimme: „Helfen Sie mir, Mister Fairoiew!"
Jetzt endlich erwachte er zu seiner gewohnten Entschlossenheit.
„Wer spricht dort?" fragte er schnell.
„Ann Vickers, Blueberry Street 18!" antwortete die Stimme aus der Muschel.
„Warum rufen Sie nicht die Polizei, wenn Sie in Gefahr sind?"
„Oh, ich möchte nicht, daß die Polizei sich hineinmischt. Es ist eine heikle Angelegenheit. Und ich habe so grenzenloses Vertrauen zu Ihnen, Mister Fairview."
„So? Kennen Sie mich denn?"
„Ich habe Ihre Bücher gelesen. Ach, Sie sind so klug, Mister Fairview. Sie allein können mir helfen. Aber bitte kommen Sie schnell!"
Mister Fairview war nicht eitel, wie er gern zu betonen pflegte. Dennoch schmeichelte es ihm nicht wenig, daß eine fremde Frau, die seine Bücher gelesen, nun seinen Schutz suchte, und so rief er schnell:
„Ich komme sofort!"
„Tausend Dank, Meister!" hauchte die Stimme. „Ich wußte ja, daß Sie mir Ihre Hilfe nicht versagen würden. Ann Vickers, Blueberry Street 18. Vergessen Sie nicht!"
von allen Hausern die Hakenkreuzfahnen. Die SA. nahm geschlossen an der Veranstaltung teil.
Gegen 16 Uhr traf Ministerialrat R i n g s h a u - s e n hier ein. Er wurde von Ortegruppenleiter Pg. Weber herzlich begrüßt. Ministerialrat Rings- Hausen schritt sodann die Front der SA. ab. Die Fahnenweihe wurde mit einem Chorlied ein» geleitet, der Ortsgruppenleiter hielt eine kurze Ansprache. Er erinnerte dabei besonders an die Tatsache, daß Ministerialrat Ringshausen der erste nationalsozialistische Redner in Oberhessen gewesen sei.
Die Weiherede hielt Ministerialrat Pg. Ringshausen. In seinen Ausführungen sprach er zunächst von seinen Erinnerungen an die erste Zeit des Kampfes für den Nationalsozialismus, von den zerstörenden Kräften des Kommunismus, die mit verbrecherischem Willen ebenso das gayze deutsche Volk in Streit und Zwietracht hätten entbrennen lassen, wie sie den Reichstag in Flammen aufgehen ließen. Nur wenige seien früher den Weg für das neue Deutschland gegangen. Der Kampf sei aber unentwegt und mutig geführt worden im unerschütterlichen Glauben an den Führer und an die Kraft des deutschen Volkes. Adolf Hitler sei es gewesen, der der Arbeit die Ehre wiedergab, die ihr gebühre. Der Mann der Arbeit werde wieder zur Vorbedingung des Lebens werden, und der Staat werde ihm seine Rechte garantieren. Jetzt würden die Fundamente gelegt für die Zukunft Deutschlands. Dadurch, daß die Leistung in den Vordergrund trete, werde das Minderwertige automatisch ausgeschaltet. Immer müßten wir uns vor Augen halten, daß es nicht um den Einzelnen, sondern um das gesamte deutsche Volk gehe. Nachdem Ministerialrat Ringshausen noch über den Sinn der Fahne als Symbol der Treue gesprochen, weihte er die Fahne der Ortsgruppe, während das Deutschland- und das Horst-Wessel-Lied erklangen.
Nachdem noch ein gemeinsames Lied gesungen worden war, schloß Ortsgruppenleiter Pg. Weber mit einem dreifachen Sieg-Heil auf den Führer Adolf Hitler die Kundgebung.
Gauinspekteur Klostermann weiht Fahnen in Schotten.
X S ch o t t e n, 2. Sept. Heute fand in der hiesigen Turnhalle die feierliche Weihe der neuen Fahnen der Kreisleitung Schotten, der Ortsgruppen von Schotten, Ulrichstein und Eichelsachsen statt. Die Halle war festlich geschmückt. Unter den schneidigen Klängen der SA.-Kapelle zogen die alten Fahnen in die i Halle ein. Lebhaft wurde Gauinspekteur Kloster- m a n n begrüßt.
Nach einem Prolog — von Lehrer Emrich vorgetragen — begrüßte Kreisleiter Kromm alle Erschienenen, die politischen Amtswalter, die SA. und SAR., die Frauenschaft, BdM.; sein besonderer Gruß galt dem Gauinspekteur K l o st e r « mann. Der Männerchor Schotten trug einen schönen Chor „Heilig ist der Herr" unter Leitung seines Dirigenten Nagelschmidt vor und schuf damit die richtige Weihestimmung.
Dann ergriff Gauinspekteur Klostermann das Wort zur Weiherede. Er sagte u. a.: Der staatspolitische Kampf ist am 19. August abgeschlossen worden, einmütig hat sich unser Volk zu dem Führer bekannt. Die Partei ist Staat geworden. Treue haben wir dem Manne geschworen, dessen Wille allein bestimmend für uns ist. Die Partei ist so einig und geschlossen wie nie. In Frankfurt ist heute unsere Jugend versammelt, um die Zukunft braucht uns nicht bange zu fein, aus einem kämpferischen Geschlecht wachsen die Kämpfernaturen. Wir Lebenden können die Gnade noch gar nicht richtig ermessen, daß uns ein solcher Führer wie Adolf Hitler geschenkt wurde. Der Führer wächst ständig, erst die Zukunft wird seine ganze Größe erkennen. Er besitzt Volkstümlichkeit und Macht, dazu tritt die Tradition der Partei, die Deutschlands Zukunft sichert. Die heutige Fahnenweihe ist mehr als eine Feier- stunde, sie ist ein Opfern und Sichhin- geben dem Führer. Rot ist das Zeichen des Sozialismus, weiß das Feld der Ehre und hinein ist das uralte deutsche Hakenkreuz gezeichnet, das Symbol des Nationalsozialismus. Von Sieg zu Sieg sind diese Fahnen getragen worden. Treu
verschworen bleiben wir für alle Zeiten diesem Symbol. Mit ernsten Mahnworten überreichte Gauinspekteur Klostermann die Fahnen an Kreisleiter K r o m m, Ortsgruppenleiter Z e s ch k y von Schotten und an die Ortsgruppenleiter von Ulrichstein und Eichelsachsen. Die Ortsgruppenleiter und Kreisleiter versicherten Treue bis zum Tod und übergaben die neuen geweihten Fahnen an die Fahnenträger. Gauinspekteur Klostermann brachte alsdann ein Sieg-Heil auf den Führer aus.
Das Horst-Wessel- und das Deutschlandlied wurden begeistert gesungen.
Der Männerchor trug das wundervolle Lied „Mahnung" sehr wirkungsvoll vor. Kreisleiter K r o m m sprach allen Mitwirkenden Dank aus. Unter den Klängen des Badenweiler Marsches wurden die Fahnen aus der Halle gebracht Ein Propagandamarsch aller politischen Leiter, Der gesamten SA. und SAR. durch die Straßen der Stadt schloß sich an.
Aus der Provinzialhauptstadt.
Gewerbeschulrat Dr. Bünnings t-
Nach langer, schwerer Krankheit ist am Samstag der weit über die Grenzen von Oberhessen hinaus bekannte Direktor der Gewerbe- und Maschinenbauschule Gießen, Gewerbeschulrat Dipl.-Jng. Dr. phil. Rudolf Bünnings, verstorben.
Am 6. Dezember 1880 zu Elberfeld geboren, besuchte Rudolf Bünnings dort das Gymnasium. Nach bestandener Reifeprüfung erlernte er das Schreinerhandwerk und studierte an der Technischen Hochschule Karlsruhe Architektur und Kunstwissenschaft, diente als Einjährig-Freiwilliger bei dem Fuß-Artillerie-Regiment in Köln und war nach bestandenem Diplomexamen als Regierungsbauführer tätig, um dann als Lehrer an der Baugewerbeschule in Bingen zu wirken. Bei Kriegsausbruch war er Direktor der Gewerbeschule in Reutlingen. Er rückte 1914 als Reserve-Offizier mit dem Fuß- Artillerie-Regiment 3 ins Feld. Infolge Kriegsbeschädigung zum Frontdienst untauglich, wirkte er bis 1919 als Hauptmann und Leiter der Kriegsbeschädigtenfürsorge in Bad Lippspringe. Seit 1919 war er als Direktor der hiesigen Gewerbe- und Maschinenbauschule und als Leiter der Gewerblichen Berufsschule tätig. Seine nimmer rastende Arbeitskraft und sein großes Wissen auf allen Gebieten der Technik befähigten ihn, in zahlreichen Organisationen des Handwerks, der Kunst und der Technik segensreich zu wirken. So. war er bis 1933 Vorsitzender der Meifterprüfungskommission für die Provinz Oberhessen, Leiter der Gewerbeförderungsund Betriebsberatungsstelle der Hessischen Handwerkskammer, Vorsitzender Les Bezirksverbandes der Handwerker des Kreises Gießen, 2. Vorsitzender des Ortsgewerbevereins, langjähriges Mitglied der Vereinigung Darmstädter Künstler und Mitglied der Reichskammer der bildenden Künste. 1925 promovierte er an der Universität zum Doktor der Philosophie.
Mit Dr. Bünnings ist ein Mann in die Ewigkeit hinübergegangen, der in seinem Wirken stets bestrebt war, alle seine Kraft einzusetzen für die vollkommenste Erfüllung feiner Aufgaben. Das Gießener und das oberhessische Handwerk haben von dem Entschlafenen reiche Förderung erfahren, sowohl hinsichtlich der Ausbildung des handwerklichen Nachwuchses in der Gewerbeschule, wie auch in der praktischen Berufsberatung der Meister und Gesellen aus dem reichen Schatze von Wissen und Erfahrungen, den Dr. Bünnings besaß und von dem er gerne und ausgiebig an unser Handwerk weiterreichte. Mit besonderem Eifer widmete er sich der Förderung der jungen Meister und Gesellen, wobei ihm seine Tätigkeit als langjähriger Vorsitzender der Meisterprüfungskommission für Oberhesfen zustatten kam. Seine stete Bereitschaft, als wahrer Freund des Handwerks an dessen Wiederaufbau tatkräftig mitzuarbeiten, wie auch sein allezeit gefälliges und freundliches Wesen im Verkehr mit allen, die mit ihm in Berührung kamen, und seine hohen Verdienste um unser oberhessisches Handwerk werden den Entschlafenen bei unseren Handwerksmeistern, seinen ehemaligen Schülern und darüber hinaus bei allen denen, die mit ihm bekannt waren, für alle Zeit unvergessen fortleben lassen.
BornoNzcn.
— Tageskalender für Dienstag: Aytt für Beamte, Kreis Gießen, 20 Uhr, im Cafö Leib: Schulungsveranstaltung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Manolescu, der Fürst der Diebe". — 9 bis 21 Uhr, Hotel Köhler: Werbeschau des Aquarien- und Zierfischverelns Gießen.
NSDAP. - Amt für Äolkswohlfahrt.
kreisamksleitung Gießen.
An sämtliche Ortsgruppen- und Stützpunktamtsleiter der NS.-Volkswohlfahrt des Kreises Gießen.
Betrifft: Sammlung „Mutter und Kind" am 2. September 1 934.
Die Ortsgruppen wollen die Kontroll-Listen erste und zweite Ausfertigung an uns einsenden, wogegen die dritte Ausfertigung (blau) bei den Ortsgruppen verbleiben.
heil Hitler! Gez.: Kloß, Kreisamtsleiler.
5. d. R.: Gez.: Bl o h a u p t, kreisgefchäftsführer.
„Luftfahrt ist nof!'
Wir toten Flieger blieben Sieger — durch uns allein!
Volk, fliege wieder, und du wirst Sieger — durch dich allein!
Diese Gedenkworte am Fliegerdenkmal auf der Wasserkuppe sind eine große Verpflichtung für die Aufbauarbeit kommender Jahre. Heilige Ueberzeu- gUng trug im Großen Kriege den Kampf Deutsch-
"d^wille
ZUM Heldentum
R6otf Bittet tut not!
Werde Mitglied im veutscken Luftspoct-Perdandl
lands um sein Dasein, trägt den Kampf um seine Zukunft, um Wahrheit, Ehre und Vaterland.
Fliegen ift Losgelöstsein von der Erdgebundenheit, Deutschlands Flug geht dem sittlich höchsten Ziele der Menschheit zu, dem wahren Frieden, im Kampf gegen Lug und Trug. Die Fliegerei ist heute nicht nur Ausdruck der Entwicklung der Menschheit, sondern der inneren Kraft eines Volkes. So müßte Deutschlands Luftfahrt heute an erster Stelle stehen!
Deshalb, deutscher Volksgenosse, kämpf' selber mit! Werde Mitglied im Deutschen Luftsport- Verbandk
Anmeldungen bei: Flieger-Ortsgruppe Gießen (Kreisamt) Fernruf 2951, 2952.
Arbeitsdankgeschäftsstellen bei den Arbeitsämtern.
Das Staatspresseamt teilt mit: Auf Grund einer Vereinbarung zwischen Lem Landesarbeitsamt Hessen und dem Arbeitsdank, Gau 25, Hessen-Süd, werden bei sämtlichen Arbeitsämtern des Gaues am 1. September 1934 Arbeitsdankgeschäftsstellen eingerichtet. Die Arbeitsdankgeschäfts, stellen unterstützen die Arbeitsämter bei der Vermittlung ehemaliger Arbeitsmänner. Um Verzögerungen zu vermelden, werden daher sämtliche ehemalige Arbeitsmänner, falls sie noch keine Arbeit gefunden haben, angewiesen, sich bei den Arbeits- bankgeschäftsstellen ihrer zuständigen Arbeitsämter unter Vorlage ihrer Papi-re zu melden. Die Sprechstunden der Arbeitsdankgeschäftsstellen sind von 7 bis 10 Uhr festgesetzt. Eine Inanspruchnahme des
Er war schon aufgesprungen, hatte fül alle Fälle seinen Revolver zu sich gesteckt und verließ kaum zwei Minuten später seine Wohnung. Unten rief er ein Taxi an — seinen eigenen Wagen aus der Garage zu holen, erschien ihm Zeitverlust —, nannte dem Chauffeur die Adresse „Blueberry Street 18. So schnell es geht!" und ließ sich in die Lederpolster sinken.
Während der Wagen ihn seinem Ziel entgegentrug, durchkreuzten Gedanken sein Hirn. Seine Phantasie begann zu arbeiten und gaukelte ihm verlockende Bilder vor, in denen er, James Fairview, als Retter bedrängter schöner Frauen, eine beneidenswerte Rolle spielte.
„Nummer 18. Wir sind da!" meldete der Chauffeur und riß den Schriftsteller aus seinen Träumen. Er sprang aus dem Wagen, entlohnte den Mann und ging mit federnden Schritten in das Haus. Es war ein vornehmes Miethaus aus den achtziger Jahren, wie er mit flüchtigem Blick feststellte.
Klopfenden Herzens stieg er die läuferbedeckte Treppe empor. An der Flurtür im ersten Stock leuchtete ihm ein Messingfchild „M. P. Vickers" entgegen. Auf sein Klingeln erschien ein Mädchen und fragte nach feinem Begehr.
„Die gnädige Frau hat mich zu sich gebeten!" sagte er und gab dem Mädchen seine Karte. Sie verschwand und kehrte nach wenigen Augenblicken zurück: „Die gnädige Frau läßt bitten!"
Durch einen dunklen Korridor folgte er dem Mädchen in ein altmodisch eingerichtetes Zimmer, in dem, mit einer Handarbeit beschäftigt, eine weißhaarige Dame faß. Sie dankte auf seinen Gruß mit einem leichten Neigen des Hauptes, lud ihn ein Platz zu nehmen und fragte verbindlich:
"Was führt Sie zu mir, Mister — eh, Fairview, nicht wahr?"
Auf diesen Empfang war James Fairview nicht gefaßt.
„Gnädige Frau", begann er leise und beugte sich vor. „Sie erwiesen mir die Ehre, mich vor einer Viertelstunde anzurufen und meine Hilfe zu erbitten. Hier bin ich. Ich stehe zu Ihren Diensten."
Die alte Dame blickte ihn maßlos erstaunt an.
"Ich Sie angerufen und um Hilfe gebeten? Das muß ein Irrtum sein!"
„Aber — habe ich nicht die Ehre, mit Frau Ann Vickers zu sprechen?" stotterte James Fairview.
„Gewiß, das bin ich. Aber ich weiß nicht, wovon Sie reden. Wollen Sie mir nicht erklären ...?"
(£r murmelte hilflos: „Aber erinnern Sie sich ood), gnädige Frau! Sie sagten mir, daß Sie in Gefahr seien, und daß nur ich Ihnen helfen könne, da es sich um eine heikle Angelegenheit handle."
Er konnte nicht weiter. Die alte Dame betrachtete ihn argwöhnisch.
„Gefahr? Heikle Angelegenheit? Die Polizei? Ich verstehe kein Wort von alledem. Aber ich wiederhole Ihnen, daß ich Sie nicht angerufen habe und um Ihre Hilfe gebeten habe. Wie käme ich dazu?"
James Fairview fühlte, daß er eine etwas lächerliche Rolle spielte; er erhob sich und erwiderte:
„Bitte, verzeihen Sie vielmals, gnädige Frau. Es muß wohl ein Irrtum fein. Vielleicht habe ich den Namen oder die Adresse falsch verstanden. Entschuldigen Sie die Störung, und gestatten Sie, daß ich mich entferne. Adieu."
Enttäuscht und in seinem Selbstgefühl empfindlich verletzt, stieg er die Treppe hinunter und ging zu Fuß durch den schnell hereinbrechenden Abend noch Haus. Was sollte er von dieser Sache halten? Welches Geheimnis steckte dahinter? Diese ehrwürdige Greisin ... Ann Vickers ... der Telephonruf ... Und wenn der Hilferuf nun doch aus dem Haus Blueberry Street 18 zu ihm gedrungen war? Verwünscht, er hatte sich tölpelhaft benommen, hatte sich abfertigen lassen wie ein Schuljunge! Aber er würde dem Geheimnis um Ann Vickers schon auf den Grund kommen. Ganz beftimmt!
*
Immer noch in Gedanken mit dem seltsamen Erlebnis beschäftigt, kehrte er zwei Stunden später in seine Wohnung zurück. Beim Betreten fiel ihm irgend etwas Ungewohntes auf, obwohl er selbst nicht hätte sagen können, was es eigentlich war.
Er ging in fein Zimmer und drehte bas Licht an; da weiteten sich seine Augen, und er stieß einen jähen Schreckensruf aus. Schränke und Kasten standen offen; verschiedene in Hast herausgerissene Gegenstände lagen auf dem Fußboden verstreut; an der Wand, wo sein Stolz, der köstliche frühe Corot gehangen hatte, gähnte ein heller Fleck. Er suchte nach der eisernen Kassette, die Geld unb Wertsachen enthielt: weg!
Vernichtet warf er sich in feinen Schreibttschsefsel. Da fiel sein Blick auf bas Manuskript. Mechanisch las er:
. Sekunden vergingen; dann drang eine halb- erstickte Frauenstimme an fein Ohr, die im Tone höchster Angst rief —" Hier hatte er vorhin aufgehört. Und Darunter hatte jemand mit ungelenker Hand geschrieben:
„Fallen Sie nicht auf jeden Telephonruf herein, Mister Fairview! Es war nur ein kleiner Trick, Sie aus dem Hause zu entfernen. Sie, als gewiegter Kriminalschriftsteller, hätten bas eigentlich sofort durchschauen müssen. Mit bestem Gruß Ann Vickers."
Arbeitsdankes In Wiesbaden zwecks Arbeitsvermittlung kann in Zukunft nur in ganz besonberen Ausnahmefällen gestattet werden, Damit eine sachgemäße Durchführung Lurch die zuständigen Stellen nicht erschwert wird.
Keine persönlichen Anschriften bei Briefen an Behörden.
DNB. Von zuständiger Stelle wird mitgeteilt: Privatpersonen und Privatfirmen richten häufig Eingaben an die persönliche Anschrift von leitenden Beamten, statt an die Behörde selbst. Vielfach wirb die persönliche Anschrift gewählt in der Hoffnung, eine Sonderbehandlung ober gar Vorteile zu erreichen. Demgegenüber wird Darauf hingewiefen, daß persönliche Anschriften auf Brieffendungen an Behörden zwecklos find. Denn auch diese Briefe werden von dem persönlichen Empfänger in den ordnungsmäßigen amtlichen Geschäftsgang gegeben. Wenn der persönliche Empfänger aber, wie häufig, dienstlich abwesend ist, dann bleiben solche Briefeingänge ungeöffnet liegen, oder sie werden nach- gefanöt. Dadurch wird ihre amtliche geschäftsmäßige Behandlung ganz erheblich verzögert. Es kann mithin nur dringend empfohlen werden, Briefe an Be- Hörden stets nur mit der Amtsanfchrift der Behörde zu versehen.
OekanatsmissionSfest
in der Stadtkirche zu Gießen.
Am Sonntag fand das Missionsfest des Dekanats Gießen statt. In den Hauptgottesdiensten predigten in der Johanneskirche Missionar Ruff, in der Petruskapelle Missionar Walther, in der Stadtkirche Missionar Monninger.
Am Nachmittag fand in der Stadtkirche die Nachversammlung statt, die Dekan G u ß m a n n eröffnete. Er stellte die Versammlung unter das Losungswort des Tages aus dem 57. Psalm: „Mein Herz ist bereit, Gott, daß ich finge und lobe." Es ist etwas Großes, wenn einer feinem Gott lob- fingen kann. Aber das kann der Mensch nur dann, wenn er ein fröhliches Herz hat. Wir leben in einer großen und verantwortungsvollen Zeit. Viele Aufgaben find in der Heimat zu lösen. Wir haben aber auch viele Aufgaben draußen in der Ferne auf den Missionsfelbern. Wir denken an den Mis- fionsbefehl Christi, mit dem unser ganzes Christentum steht und fällt. Heute muß das Bewußtsein wieder geweckt werden, baß es notmenbig ist, Missionsarbeit zu treiben. Der Bericht von dem vergangenen Jahr ergab einen bedeutenden Rückgang der Einnahmen gegenüber den früheren Jahren. Das ist eine beschämende Tatsache. Darum, muß ein scharfer Appell gerichtet werden an alle Verantwortlichen in unserem Dekanat. Missionsschrift- ten müssen verteilt, Missionsversammlungen gehalten, die Menschen in dem Evangelium unterrichtet werden. Allen denen, die bisher in treuem Dienst aeftanben, wurde öffentlich der Dank abgestattet. Auf der großen Baseler Missionstagung lautete die Losung: „Wer mich bekennet vor den Menschen, den will auch ich bekennen vor meinem himmlischen Vater." Missionsarbeit ist Bekenntnisarbeit.
Nach dem gemeinsamen Gesang des Liedes „Einer ift’s, an dem wir hangen", sprach Missionar Monninger. Er berichtete von feiner Arbeit im Missionsgebiet an der Goldküste, aus dem er erst vor kurzer Zeit zurückgekehrt ist. Es war ein schwerer Anfang dort draußen. Furchtbar war das Schicksal der ersten Missionare. Aber dem schweren Anfang folgte ein vielversprechender Fortgang der Arbeit. Missionsarbeit ist eine Bußhandlung. Europa hat den Naturvölkern das Geld gebracht, es hat sie aus ihrer Sitte herausgerissen. Damit haben wir uns eine schwere Schuld aufgeladen, für die wir Buße tun müssen. Darum ist es nötig, Mission zu treiben aus dem Evangelium heraus.
Das Lied „Wach' auf, du Geist der ersten Zeugen" leitete über zu der Ansprache von Missionar Ruff. Er war 16 Jahre in China tätig. China ist ein armes und sozial sehr schlecht gestelltes Land. Das Existenzminimum beträgt dort 15 Pfennig pro Tag, so daß die Leute z. B. nicht im Stande waren, sich eine Bibel zu kaufen, die 20 Pfennige kostete. Der Chinese zeichnet sich aus durch Liebe zum Kinde. Durch den Ahnenkult und die schlechte soziale Lage kommt es oft dahin, daß man die
„Manolescu."
Wem zufällig einmal das schmale Reclam-Bänd- chen in die Hande fiel, in dem Leben und Taten des „Fürsten der Diebe" Manolescu beschrieben sind, und wer eine halbe Stunde Lektüre darangegeben hat, der wird es verständlich finden, daß
„ 8)lm sich beizeiten dieses dankbaren Stoffes bemächtigt hat und, nach einer (vor Jahren schon hier gezeigten) stummen Fassung, auch die zweite, tönende Auslage sich nicht entgehen ließ: niemand kann erwarten, hier ein ethisch oder pädagogisch zu empfehlendes Schauspiel zu erleben; aber eine abenteuerliche und spannende Sache ist unter der Regie von Dr. Willi Wolff, Der mit Tempo, sauberen Ausnahmen und beträchtlichen Mitteln gearbeitet hat, immerhin entstanden. (Ein paar Unwahrscheinlichkeiten muß man in Kauf nehmen.) In der stummen Fassung gab Mosjukin den Manolescu, diesmal ist es Ivan Petrovich, und er zeigt hier, als Hochstapler großen Stils und gefährlicher Liebhaber schöner Frauen, eine stärkere Leistung, mit mehr Temperament und Schwung, als vor kurzem in der ähnlich romantischen Rolle des Pa- ganini. Nächst ihm sind in zwei scharf ausgearbeiteten, charakteristischen Rollen Hubert von M e y e- r i n cf unb Fritz Kämpers zu nennen, während die weiblichen Rollen in erster Linie von Ellen Richter, Hilde Hildebrand und Mady Chri- ft i a n s getragen werben. — Der Film läuft nut zwei Tage im Lichtspielhaus; das Beiprogramm bringt u. a. einen Schwank „Mord im Kohlenkeller" und die neue Ufa-Tonwoche.
Seltsames Ergebnis einer Nasenoperation.
Im englischen Badeort Bournemouth fand man bet einer Nasenoperation, die an einem englischen Soldaten vorgenommen werden mußte, eine winzige Papierrolle mit Geheimzeichen. Der Soldat hat den Weltkrieg mitgemacht, wurde verwundet und geriet so in deutsche Gefangenschaft. Nach Kriegsende kehrte er in feine Heimat zurück und klagte dauernd über Nasenfchmerzen, die ihn furchtbar Mitnahmen. Auf Anraten der Aerzte willigte er schließlich in eine Operation der Nase ein, bei der öer Operateur die kleine Papierrolle in der Nase entdeckte. Merkwürdig an der ganzen Sache ist, daß der Soldat nicht die geringste Auskunft geben konnte, wie er zu dieser Papierrolle gekommen wäre. Mit seinem Wissen ist sie ihm jedenfalls nicht in sein Geruchsorgan eingeführt worden. Schmerlen und Beschwerden haben sich nach der Operation Nicht wieder eingestellt.


