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Nr. 53 Zweiter Statt

Gießener Anzeiger iSeneral-Anzeiger siir Sberheßen)

Samstag. 3.

Mit M.S.Pionier" nach Kamerun.

Oer dreiköpfige Drache Afrikas.

Von Dr. Paul Rohrbach.

Unser langjähriger Mitarbeiter, einer der besten Kenner der deutschen Kolonialwelt in Afrika, an deren Aufbau er als Ansiedlungs­kommissar für Deutsch-Süd-West tatkräftig mitgearbeitet hat, hatte im vergangenen Jahre in' einer Reihe von Briefen an den Gießener Anzeiger" über seine Reise durch Ostafrika, das Kapland, Südwest und An­gola berichtet. Run ist er auf dem Wege nach Kamerun, von wo er unseren Lesern in den nächsten Wochen fortlaufend Schilderun­gen über die gegenwärtigen Zustände dieser alten deutschen Kolonie geben wird.

I.

Golf von Biscaya, Ende Febr. 1934.

Der Leser möge sich nicht wundern, daß ich schon wieder nach Afrika unterwegs bin. Ich war eigent­lich nur auf kurzem Zwischenaufenthalt in Deutsch­land; denn daß der Besuch in Kamerun nicht gleich an die vorjährige Studienreise nach un- sern alten Kolonien angeknüpft werden konnte, lag vor allem an den schlechten Schiffsverbindungen an der Westküste von Afrika.

Diesmal geht es mit einem Motorschiff der Afri­kanischen Frucht-Compagnie nach Kamerun, aber eigentlich hat die Afrikarelse schon in der Bernhard- Nochtstraße in Hamburg angefangen. Dort liegt das Hamburgische Institut für Schiffs - und Tropenkrankheiten, in dem sich die Uebel Afrikas und die helfende Hand der deutschen Wis­senschaft begegnen. Professor Sonnenschein vom Tropeninstitut, den medizinische Aufgaben mit uns nach Kamerun führen, war so freundlich, uns vor der Abreise das Institut und besonders die Sammlung zum Studium der Tropenkrankheiten zu zeigen. Aengstliche Gemüter kann da schon das Gruseln ankommen, welch eine Legion von Feinden in Afrika auf den Ankömmling aus unseremsa­nierten" Europa erwartet. Wer Erfahrung hat, der weiß aber, daß er bei gehöriger Vorsicht und kür­zerem Aufenthalt keine Gefahr läuft. Geht man freilich aufs Ganze, so sieht man auch bald genug den Drachen, der am Marke Afrikas frißt. Er hat drei Köpfe: Malaria heißt der erste, Wurm- k r a n k h e i t der zweite, Schlafkrankheit der dritte.

Ein paar Jahre nach dem Kriege wurde ms Ham­burger Tropeninstitut ein Engländer mit schwerer Schlafkrankheit eingeliefert. Die bisher angewandten Mittel hatten bei ihm versagt, und da der Mann sonst verloren gewesen wäre, so wagte man es, an ihm ein neues, in jahrelangem Bemühen zunächst wissenschaftlich" ausgearbeitetes Medikament zu er­proben. Es hieß bescheidenBayer 205", aber bald wurde es berühmt alsG e r m a n i n". Der Kranke wurde gesund, die Schlafkrankheit war besiegt, stolz kann die deutsche Heilkunde den Fuß auf einen Kops des Drachens setzen. Aber war nicht oben ge­rade Deutschland in Versailles für unwürdig erklärt worden, sein Teil kolonialer Kulturarbeit in Afrika zu leisten?

Was ist Schlafkrankheit? Eine afrikanische Stechfliege aus der Familie der Glossinen kann mikroskopische Blutvarasiten, Trypanosomen, beher­bergen, deren massenhafte Vermehrung den Men­schen tötet, in dessen Blut sie durch den Stich der Glossine kommen. Der ursprüngliche Herd der Krankheit liegt wahrscheinlich in der Tiefe der Kongo-Urwälder. Verbreitet hat sie sich, seit nach Stanleys großem Entdeckungsmarsch __ jene Wildtiefen von Trägern und Soldaten aus anderen, von der Krankheit vorher freien Teilen Afrikas durchzogen wurden. Die Glossine lebt am Wasser. Hatte eine von ihnen am kranken Blut ge­sogen, kamen dann Leute zum Baden oder Wasser­schöpfen, kreuzte eine Karawane den Fluh und wurde ein Mann von einer Trypanosomentragerm

gestochen, so war nicht nur er selbst verloren, son­dern noch Wochen und Monate später konnte er in einer anderen Gegend Verderben um sich verbreiten, wenn eine Glossine wie­derum Blut von ihm sog.

Ueber die Bekämpfung der Schlafkrankheit in Afrika wäre viel zu sagen; davon vielleicht noch einiges von Kamerun aus. Weiße werden selten krank, weil ihr Körper durch Kleidung geschützter ist, als der des Schwarzen; aber sicher sind auch sie nicht. Vor einigen Monaten fuhr ich aus Afrika mit einem jungen Manne, einem Deutschen, nach Hause, der schlafkrank geworden war. Er wollte sich ins Tropeninstitut begeben, zur Nachbehandlung, Germanin hatte er schon in Afrika bekommen. Er tanzte vergnügt, spielte Tennis, denn er wußte, er würde leben! Früher, vor demdeutschen" Mittel, wäre er wahrscheinlich ein Todeskandidat gewesen.

Im Institut zeigt eine ganze Abteilung, wie Ma­laria bekämpft wird. Auch Malaria ist Blutzer­störung durch Parasiten, die aber diesmal durch eine Mücke, Anopheles (die. Unnütze!) vom Erkrankten auf Gesunde übertragen werden. Auch die Schwar­zen haben Malaria, namentlich die Kinder. Die Anophelesmücke fliegt nur in der Dämmerung und nachts. Man sucht sie durch Drahtgaze vor Fenstern und Türen und durch Moskitonetze über den Betten abzuhalten. Außerdem werden die Larven vernichtet, und man nimmt vorbeugend Chinin, das aus der Rinde des Cinchonabaumes gewonnen wird. Seine Heimat ist Peru, aber heute kommen 95 v. H. alles

Mit dieser Bezeichnung für die Bauernsiedlung ist eine neue Zielsetzung und eine grundsätzliche Ab­kehr vom Siedeln im bisherigen Sinne ausgespro­chen. Die in ihrer wirtschaftlichen Grundlage sowie ihrem Aeußeren vielfach verfehltenS i e d l u n - g e n" des Systems haben nur mit Aufwendungen sehr erheblicher Mittel bereinigt werden können. Dielandwirtschaftliche Siedlung" der vergangenen Zeit war vielfach widerspruchsvoll, entbehrte einer höheren Zielsetzung und litt in Sonderheit unter den widerstreitenden Interessen der Parteienpolitik. Nicht der Mensch, sondern wirtschaftliche, finanzielle Gesichtspunkte waren das Vorherrschende, trotzdem wurde aber bei der betriebswirtschaftlichen und finanziellen Ausklügelei der Siedlung oft die Ge­samtentwicklung der deutschen Wirtschaft übersehest und darüber hinaus das höhere Ziel, das durch die Förderung der Neubildung deutschen Bauerntums erreicht werden muß. Als das alteingesessene Bauern­tum immer stärker Gefahr lief, durch übermäßige Belastung völlig in die kapitalistische Hörigkeit ab= zugleitech wurden gleichzeitiglandwirtschaftliche Siedlungen" mit Renten belastet, die selbst gut eingespielte alte Höfe zu tragen nicht in der Lage waren. Als dann unter dem Einfluß der unent­behrlichen Schutz- und Entschuldungsmaßnahmen für die alteingesessene Landwirtschaft das Land­angebot immer geringer und die katastrophale Lage der Altsiedler sowie der Siehlungsunternehmungen sich deutlich abzeichneten, drohte das gesamte Bauernsiedlungswerk zum Stillstand zu kommen.

Die Neubildung deutschen Bauerntums ist sinn­voll eingeordnet in die nationalsozialistische Agrar­politik des Reichsernährungsministers. Aufs engste ist die Neubildung deutschen Bauerntums verbun­den mit dem agrar politischen Grundgesetz des natio­nalsozialistischen Staates- mit dem Reichserb- hofgese tz. Beide Gesetze bilden eine natürliche Ergänzung, ein untrennbares Ganzes. Während durch das Erbhofgesetz ein unveräußerliches, unbe- lastbares und unteilbares Erbgut den bäuerlichen Familien und Sippen übergeben ist, die in ihrer Gesamtheit den wahren und wertvollsten Blutquell des deutschen Volkes ausmachen, ist damit in der Hauptsache dieZukunstdesHofesunddie Zukunft des Anerben gesichert. Das Stre­ben der nachgeborenen Bauernkinder wird zum gro­ßen Teil dahin gehen, selbst wieder durch Erwerb

zur Malariabekämpfung gebrauchten Chinins aus den Anpflanzungen auf Java. Ueber ein halbes Jahr­hundert haben die Chemiker aller Länder daran ge­arbeitet, auf synthetischem Wege ein dem Chinin gleichwertiges Anti-Malariamittel zu finden. Seit kurzem ist es da, es heißt A t e b r i n und ist wie­derum der deutschen Wissenschaft zu verdanken.

Den Larven der Anopheles geht man zu Leibe, indem man die stehenden Gewässer, in denen sie leben, mit einer dünnen Petroleumhaut überzieht und ste so der Luft beraubt. Ganz neuerdings wer­den Moskito-Brutgewässer auch mit einem südameri­kanischen Fisch, Gumbusia besetzt, dessen Lieblings­nahrung Moskitolarven sind.

Noch ausgedehnter als bei Malaria und Schlaf­krankheit lind die Verheerungen, die der Haken­wurm (Ankylostomum) in Afrika anrichtet. Er ist ein Darmschmarotzer, der von den NährMten lebt, die im Darmkanal zum Uebertritt ins Blut fertig bereitet werden. Die Folge ist fortschreitende, zuletzt zum Tode führende Blutarmut. Beim Neger erkennt man sie an der Verfärbung der schwarzen ober braunen Haut ins Graue. Fast ganz Afrika ist vom Hakenwurm verseucht. Seine Ausrottung heißt vor allen Dingen, den Neger zum Gebrauch von Aborten zu erziehen. Siehe 'Tropeninstitut! So groß ist das Feld, auf dem wir dem schwarzen Erdteil Gesundheit bringen müssen. Ich jage: Wir! Um diesesWir" willen bin ich von neuem auf dem Wege nach Afrika.

von Feld und Hof die Verbindung mit einem Stück deutschen Heimatbodens zu finden und damit z u m Erbhof z u gelangen. Die durch das Gesetz vom 14. Juli 1933 zur Reichssache erklärte Neubil­dung deutschen Bauerntums gibt diese Möglichkeit für d i e nachgeborenen Bauernkinder, die mit den neuen Bauernhöfen gesicherte Aus­gangspunkte für spätere Generationen finden und somit zur Stärkung und Mehrung der bäuerlichen Lebensgrundlage unseres Volkes beitragen. Das Erbhofgesetz dient der Erhaltung, das Gesetz über die Neubildung deutschen Bauerntums der Mehrung des blutsmätzig wertvollsten Teiles unseres Volkes.

Es wäre abwegig, das gesamte Bauernsiedlungs­werk lediglich als Versorgung für nachgeborene Bauernkinder aufzufassen. Die Neubildung des deutschen Bauerntums- dient unmittelbar höheren Zielen und trägt im weitesten Ausmaß dazu bet, lebenswichtige bevölkerungs-, sozial- und grenzpoli­tische Aufgaben des Reiches zu lösen.

Im Westen und Süden des Reiches ist die räumliche Verteilung der deutschen Bevöl­kerung vielfach ungesund. Unter der Auswirkung eines verfehlten Erbrechtes hat sich dabei auch eine ungesunde B e s i tz z e r s p l i t t e r u n g des bäuerlichen Eigentums ergeben, während i m D ft e n und Norden noch weite Flächen zur Grün­dung von neuen Bauerndörfern heran­gezogen werden können. Dort, wo übermäßig große Besitzungen zu einem gewissen Bevölkerungsschwund geführt haben, wo der Boden vielfach im Sinne kapitalistischen Unternehmergeistes lediglich zum Be­triebsmittel degradiert ist, stocken Handel und Ver­kehr und find bis in die letzte Zeit hinein starke Ab- und Auswanderungsverluste zu beklagen. Die bäuer­liche Kultur hat nicht zuletzt unter der Auswirkung der jahrzehntelangen Beschäftigung von Hundert­tausenden fremdrassiger Saisonarbeiter in diesen Be­zirken schwer gelitten, so daß der O st e n immer menschenleerer, immer ärmer und im Hinblick auf die Bevölkerungs- und Siedlungsbewegung in den Nachbarländern immer stärker gefährdet wurde Dabei ist es kein Zweifel, daß die Aufwen­dungen der öffentlichen Hand zur Entschuldung und Stützung vielfach schlecht bewirtschafteter Betriebe begrenzt sind, und daß das Mitschleppen solcher Be-

triebe zum Nachteil der noch zu rettenden Groß-, Mittel- und Kleinbetriebe ausschlagen muh.

Bei der allgemeinen Förderung der Bauern- siedlung in diesen Bezirken wird nach Verfügung des Reichsbauernführers aus rassischen Gesichts­punkten auch wertvolles Bauernblut aus dem Westen und Süden des Rei­ches herangezoaen und damit den von jeher kolonisatorisch befähigten Stämmen der Nieder­sachsen, der Franken, Schwaben, Hessen u. a. neue Lebens- und Entwicklungsmög­lichkeiten gegeben. Eine besondere Verfügung des Reichsbauernführers hat dafür gesorgt, daß durch strenge Auswahl unter den Bewerbern für neue Bauernhöfe nur bestes deutsches Blut, nur bauernfähige junge Menschen seßhaft werden können, die auch in rassischer Beziehung allen Ansprüchen genügen und im soldatischen Ge­fühl des Verpflichtetseins dem Dolksganzen gegen­über befähigt sind, ihre nationalen und bevölke­rungspolitischen Aufgaben zu lösen. Der zu enge Lebensraum unseres Volkes zwingt dazu, strenge Sichtung zu halten, so daß wir in erster Linie nur Jungbauern, geeignete Land­arbeiter und landverbundene Hand­werker, die insbesondere ihren Verpflichtungen dem Dritten Reich gegenüber durch Dienst- leistung in der SA. oder SS. genügt haben, sowie Kriegsteilnehmer berücksichti­gen können. Neubildung deutschen Bauerntums wird nicht nur in den ausgesprochenen Siedlungs­bezirken von Ost- und Norddeutschland vor sich gehen; auch in weiten Teilen Mittel-, West- und Süddeutschlands bietet sich Gelegenheit, Neubauern­stellen zu begründen und durch Förderung der Bodenverbesserungen alle vernünftigen Möglich­keiten zu erschöpfen, um im weitesten Ausmaße Menschen mit dem deutschen Heimatboden zu ver­binden. Der Mensch steyt im Vordergrund des Interesses. Seine richtige Auswahl bestimmt den Erfolg unserer Arbeit, nicht die Höhe der dem Bewerber zur Verfügung stehenden Geldmittel.

Die Auswahl der deutschen Bauernsiedler liegt nach der Verfügung des Reichsministers Darre in der Hand des Reichsnährstandes, der darüber hin­aus verantwortungsreich in das getarnte Bauern­siedlungswerk eingeschaltet ist. In dejonderen Schu­lungskursen, denen sich alle Bauernführer unter- ziehen müßen, werden die Vertreter des Reichs­nährstandes auch für diese hohe Aufgabe vorbereitet.

Die Neubildung deutschen Bauerntums vollzieht sich zukünftig nicht mehr planlos, sondern nach den Richtlinien einer Raumordnung, die in Abstim­mung mit den in Betracht kommenden Ministerien festgelegt ist und auf mehrere Jahre Richtung, Um­fang und Tempo der Arbeit auf diesem Gebiete festlegt. Erst durch dieses planvolle Gestalten kann die Neubildung deutschen Bauerntums über ihrs engere Aufgabe hinaus dem Dolksganzen dienen. Gleichzeitig wird von dieser Stelle dafür gesorgt, daß die Neubauernhöfe als lebens­fähige Dorf gemein schäften zufam- mengefaßt werden, soweit das der Stammes- fitte entspricht, wobei neben der Beachtung selbst­verständlicher wirtschaftlicher Forderungen auch der Bau der Gehöfte und die Anlage des Dorfes der bäuerlichen Eigenart, der Landschaft und dem Stre­ben nach geistiger und kultureller Gemeinschaft an­gepaßt werden.

Zur Durchführung der Neubildung deutschen Bauerntums im Jayre 1934 wurde es notwendig, einschneidende Maßnahmen zu ergreifen, die in­sonderheit in der Verfügung des Reichsministers Darrs vom 8.11.1933 zur Entschuldung der Altsiedler zum Ausdruck kommen, mit der die Folgen einer 14jährigen verhängnisvollen Siedlungstätigkeit zu beheben lind. Aus dem Ge­fühl der Verantwortung den Altsiedlern gegenüber wurden etwa 50 Millionen zur Lastensenkung rück­wirkend bis 1920 bei Zinssätzen bis herab zu 1,2 v. H. zur Verfügung gestellt. Weitere Beträge mußten bereitgestellt werden, um die finanzschwa­chen Siedlungsgesellschaften wieder arbeitsfähig zu machen. Gleichzeitig wurden von der überaus großen Zahl von mehr als 200 Siedlungs­unternehmungen, die in manchen Fällen

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Don Dr. Kummer, Abteilungsleiter im Deichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft.

Pferde und Heller.

Don Dudols &. Dinding.

Wunderbares Mitgeschöpf des Menschengeschlech­tes auf dieser Erde: das Pferd. Kriegsgefahrte des Mannes in tausend Schlachten, endlosen Mar- schen, ewigem Soldatentum, wozu kein anderes Pferd tauchte. Männlichem Dienst, männlicher Tu­gend gesellte sich von allen Tieren nur das Pferd: es vergrößerte beides, Dienst und Tugend, es er­höhte sie. Männlicher Kraft allein gehorchte es ganz. Selbst mutig, stark, edel, ausdauernd, schweigsam, die Weite und die freie Bahn liebend, wurde es das Tier der Mutigen, der Edlen, der Beharrlich- lichen, der Schweigsamen, der Großen und Hoch­fliegenden, der Weitschauenden, der Freien. Männer vertrauten sich ihm im Kampf, auf weiter Fahrt, zum Spiel der Waffen vor der Dame ihres Her­zens, im Wettkampf um Ehre und Ruhm, als Rei- terführer vor tausend Berittenen, zum Einbruch in den Feind, zum Sieg, zur Flucht und zur Rettung wo ist ein Tier, das Gleiches von sich sagen kann?

Zu denken, daß es ohne Pferd keine Ritterlichkeit gäbe. Daß dieser Begriff, dieses Gefühl diese Sicherheit, dieses Vorrecht der Mannlichkett, diese innere Verpflichtung, dieses höchste Gesetz des Man- nestums im Wesen des Mannes fehlen wurde. Daß ein Knabe, ein Jüngling ohne dieses Wort groß würden. Daß etwas anderes an seine Stelle treten müßte Daß dieses andere einen anderen Namen führen müßte. Welchen? Keiner vermochte ihn iu nennen Ritter und Ritterlichkeit waren nicht ohne das Pferd. Das Pferd macht den Ritter.

Dies ist nicht eine Ansicht. Dies ist mehr. AusJ)er Burg Homberg im Neckartal, wo Gotz von Ber- lichingen starb und die Jahre feiner Ritterschaft ab­büßte, wird von den jetzigen Eignem, seinen Nach­fahren, die Urkunde verwahrt, in der er die über ihn vom Kaiser verhängte Gefangenschaft unb Acht auf sich nahm. Vor einigen Jahrer- habe ich diese Urkunde in den Händen gehabt Aber keine der scharfen Bestimmungen, die Gotz auf Rrtter?wrt einzuhalten sich mit seiner Unterschrift verpflichte e daß er den Bezirk von Homberg nie verlassen, - er keine Reisigen halten würde, daß er keiner­lei Waffen gegen den Kaiser tragen, daß er reine Ritterdienste in irgendeinem Land oder befolge annehmen dürfe, daß er sich völlig unterwerfe war der einen zu vergleichen: daß er sich verpflichte, nie wieder ein Pferd zu besteigen. Als ich dies las, wußte ich, mit was man einen Ritter und einen Reiter entrechtet.

Wer jemals wahrhaft Reiter war nicht nur ein sonntäglicher in den Parks und ein alltäglicher auf Feldwegen sondern ein Gegenspieler des kraftvollen Organismus, den man Pferd nennt: des schnellen, federnden, starken Gebäudes und Wil­lens, die unter einem Reitersattel sich vereinigen der weiß auch heute von der gegenseitigen Er­ziehung zwischen Mensch und Tier. Sind wir Lehr­meister des Pferdes, so nicht minder das Pferd unser Lehrmeister. Laßt es mich wieder bekennen wie von je:

Hier auf dem Rücken von tausend Pferden lernt der Mann die Stetigkeit und Geduld, die ihm sonst kein Lehrmeister je beibringen könnte. Hier lernt er das Sich-nie-Aufgeben, das Sich-nie-Gehen- lassen. Hier lernt er die Rücksicht, die Anerkennung jeder natürlichen Regung. Hier lernt er sich sam­meln, gerecht zu sein, nie in Zorn zu geraten. Hier [ernt er die Liebe für alles Elementare, Ungeban- digte. Hier lernte ich auf den stärksten Leibern edlen Blutes alles was mich belohnte, alles was mich bestrafte. Hier verlernte ich alle Eitelkeit, alle Selbstgefälligkeit, alle Selbstherrlichkeit. Hier war ein Wille, der nicht zu mißachten war, nicht zu umgehen war. Hier war die Herrschaft der größeren Kraft und meine zartere Herrschaft über sie. Hier in einer schweigsamen Schule gewann ich, gewinnt der Mann, gewinnt die feinfühlende Frau als Letztes die Herrschaft über sich selbst, die Zucht ihrer Leiber und ihrer Seelen.

Bevor aber diese hohe Lehre des Pferdes am Menschen und des Menschen am Pferde beginnt, sind wir Menschen freilich die Erzieher der jungen Tiere. Wir sehen mit Lust denschweigenden Lehrmeister" heranwachsen. Ist es nicht wie ein Training des Fohlens durch die Stute, was wir an einer edlen Stute erblicken, die es an ihrer Seite galoppieren läßt? Auch ist es wohl ein langer Lebensweg wenn auch an Jahren des Pferde- lebens kurz von dem scheuen, erschrockenen und verwirrten Blick des entwöhnten Fohlens, das erst­malig die Ungeheuerlichkeit eines Halfters an sich verspürt und den selbstsicherenAufsatz" eines edlen hannoveranischen Hengstes im Vollbesitze seiner Kraft und Vertrautheit. Auf halbem Wege zu bei- dem, halb dumm, halb vertraut, halbgrün , halb erwachsen blicken uns die beginnenden Jährlinge, des Halfters schon gewöhnt, neugierig und zukunfts­hungrig aus dem Gestänge der Koppel entgegen. Es mag auch noch eine Zeit dauern bis die jungen ungebärdigen beiden Hengste, die die ruhige starke Faust des Wärters am langen Zugel fuhrt und sein ruhiges Muge vor noch größerem Ueber-

mut zurückhält, sich dem Sattel fügen. Großes im Gehorsam erreicht geduldige Gewöhnung nicht die Dressur des Zirkus, der oft grausamen Pilaren und der Peitsche sondern die freiere, man möchte sagen, menschlichere, die jetzt in deutschen Gestüten längst ihren Einzug genommen hat. Frei, auf Ge­horsam beruhend nicht auf Zwang und Angst ist die stolze Bewegung des aufsteigenden Heng­stes in ihrer Anmut und in der ungebrochenen nur gezügelten Natur.

*

Wo immer aber wir Hinblicken: in einem gleichen und gleichwertigen Verhältnis wie der Mensch zum Pferde und das Pferd zum Menschen steht fein Tier der Schöpfung. Pferd und Reiter: sie können eins werden, wo Jäger und Hund, Bauer und Rind und selbst Sancho Pansa auf seinem Esel immer nur ein Mensch und ein ihm dienendes Tier sind. Das Tier selbst, das Pferd hat eine gewisse Heber- legenheit für sich im Leben der Völker errungen, die der Reiter gerne mit ihm teilt, wenn er sie unter dem Sattel fühlt.

Nichts sei gesagt gegen das brave Zugpferd in den Aeckern, das Lastpferd der Gebirge, die Ge­spannpferde unserer Armee, noch gegen das Pferd in irgendeiner Verwendung. Aber für den Reiter ist es ja doch so, wie einer der Besten der reiter­lichen Zunft als Wahrspruch in einem Exemplar der Reitvorschrift für eine Geliebte" für sich in An­spruch nehmen mag:

Ewige Stimme dir spricht von der Geliebten, vom Pferde.

Wehre ihr nicht.

Auf dieser Erde

geht uns nur Tiefstes noch an.

Und wenn wir nichts andres gewönnen: Reiten heißt es

um leben und sterben zu können.

Kochschuln ach richten.

Professor Dr. Otto Haupt von der Universität Erlangen wurde als Nachfolger des verstorbe­nen Professors Lichtenstein auf den ordent­lichen Lehrstuhl für Mathematik an der Universität Leipzig berufen.

Der bekannte Strafrechtler Professor Dr. Carl S t o o ß , der lange Zeit als Ordinarius an der Wiener Universität lehrte, ist jetzt, 85 Jahre alt, in Graz, wo er feinen Lebensabend verbrachte, gestorben.

Königliche Majestät in Uganda.

SeinPalast" steht unter tropischer Sonne im innersten Teil 'des schwarzen Erdteils, an einen Berghang gelehnt und ist wenn man ihn mit den nüchternen Augen des Europäers betrachtet eigentlich nur eine Ansammlung von kleinen un­scheinbaren Hütten, die ihr königliches Aussehen nur durch den Luxus eines Zinkdaches erhalten. Es gibt recht viele von diesen Gebäuden, denn der schwarze König hat viele Frauen. Man spricht von fünfzig. Man darf seiner Majestät deshalb schon einige Er­fahrung zujprechen, wenn er seine Weisheiten über die Rolle der Frau in diesem irdischen Dasein ver­nehmen läßt. Er hat seine besonderen Ansichten über die Schwäche der Frauen.Zwei vertragen sich niemals" versicherte er dem Fremden. Häu­figer hört man den vertrauten Klang der Werk­zeuge, wenn eine der ärmlichen Hütten ein neues Zinkdach erhält, das ist dann ein Zeichen, daß sehr bald eine neue Frau ihren Einzug in die königlich Residenz halten wird. Die weiblichen Mitglieder des Hofstaates bleiben nicht müßig; sie arbeiten alle in den Ländereien ober handeln mit den Gütern des königlichen Gatten. Manche von ihnen kann man in der Hauptstraße des Dorfes sehen, wie sie Kokos­nüsse verkaufen ober anbere Waren feilbieten. Das Marktleben gehört überhaupt zu bem größten Ver­gnügen ber afrikanischen Frau. Dieser schwarze Kö­nig ist in jeber Beziehung ein Geschäftsmann, aber er ist auch ein gläubiger Anhänger ber mobernen Erziehung. Für seine eigenen Bebürfnisse hat er eine Schule eingerichtet unb einen Lehrer ange­stellt, ber bie Legion seiner Kinber in bie Anfangs- grünbe berBilbung" einführt. Ein Fest im könig­lichen Palast ist auch heute noch ein buntes Erleb­nis. Seltsam mischen sich bie alten Bräuche mit manchen angenommenen Sitten, burch die man Würde und Macht gerade dem Europäer gegenüber betonen möchte. Der größte Augenblick ist es, wenn der Königstanz beginnt. Im Schmuck der Staats­kleider mit einer ungeheuren Krone von Federn auf dem Kopf, erhebt sich ber Gewaltige feierlich von seinem Sitz unb führt seinen Gästen einen Tanz vor, in bem sich sein ganzes Selbstgefühl einbrucks- ooll verkörpert. Macht man bem Herrscher aber einen Besuch, so trifft man ihm sehr unfeierlich in den ältesten unb abgetragenen Kleibern.Ihr wißt, ich habe eine große Menge schöner Gewänber", sagt er bann wohl wie zur Entschulbigung,aber ich kann sie nicht alle Tage tragen, weil jie sonst zu schnell aufgebraiicht werben." Seiner unnachahm­lichen Würbe tut bieser nüchterne Stanbpunkt aber keinen Abbruch.