Kr. 281 Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Zamrtag,!. Dezember 1954
Lugend und Hochschule.
Student und Arbeiter
vor in Gefahr war, konnte in diesem Bewußtsein
Frage „Student und 2Ir
gefährtschaft, sondern beide kämpften, um das Bild
Es waren nicht viele Weltkrieg auf deutsche schulen zogen, denen die
lich.e Bindung und Schulung fehlte. Die inneren Gegensätze waren ja nur durch einen „Burgfrieden" bis zum' Kriegsschluß vertagt. Solange der Boden der Heimat in Gefahr war, und es ihn zu verteidigen galt, war diese Kameradschaft zwischen Arbeiter und Student unauflöslich, solange standen beide auf einer gemeinsamen Ebene des Willens. Sobald die Gefahr abgewendet schien, mußte diese Kameradschaft zerbrechen, da nunmehr kein gemeinschaftliches Ziel (Ideal) mehr vorhanden war. Das Fronterlebnis verblaßte zur Erinnerung. Erinnerung aber ist keine Willensgemeinschaft.
Erst als vielen dieser Kameraden, wenn auch nur gefühlsmäßig, weltanschaulich bewußt wurde, daß
sehr in den Universitätsstätten des Auslandes dc deutsche Student in seinem Tun und Lassen als Kiturträger beobachtet wird. Es ist wohl über- fli'sig zu sagen, warum!
als Prüfstein vor dem Weg ins Ausland, die beharrliche Durchführung einer bis auf alle Einzelheiten, besonders aber auf die Methodik der ausländischen Kulturpropaganda sich erstreckende Auslandskunde. Auch die Kenntnis von Sprache, Volkstum, Wesen und Denkungsart, die Kenntnis des Universitäts-, Verkehrs- und Staatswesens sind unerläßliche Voraussetzungen für einen nutzbringenden Auslandsaufenthalt. Nur wenn sie gegeben sind, kann die kulturelle Begegnung zwischen Jugend und Jugend gewinnbringend für beide Teile sein. Erst ein tieferes Eindringen in die inneren Werte fremden Volkstums kann auch später dem auslän-
fein.
Nicht etwa soll der Student während des Arbeits- dienstes hinabsteigen zum Arbeiter, sondern beide, Student und Arbeiter, sollen gemeinsam hin- a u f st e i g e n auf die neue Ebene des Willens und des Glaubens, die wir Volksgemeinschaft nennen. So erfüllt der Freiwillige Arbeitsdienst nicht nur eine hohe und große völkische Pflicht durch Zusammenschweißung der gesamten deutschen Jugend zu einer einheitlich gerichteten Willenskraft, sondern beantwortet auch endlich die immer und immer wieder mit Bangen gestellte Frage „Student und Arbeiter", an deren Lösung sich vergangene Zeitalter vergebens versucht haben.
dischen Partner den tiefen, wahren Sinn der Worte erleben lassen, die der Führer so oft ausgesprochen hat: Gerade die Liebe zum eigenen Volkstum verlangt von uns die Achtung vor dem fremden Volkstum! Wenn der Sinn der kulturellen Begegnung so vom Volkstum her gesehen in die Tat umgesetzt wird, bedeutet das eine weitere Bereicherung unserer Kulturpolitik!
So gilt es, durch eine kluge Kulturpolitik wiederzugewinnen, was uns geistig aus den Händen geglitten ist. Alles gilt es auszuwerten, was uns dabei dem Ziele der Wiedererringung der deutschen Freiheit und Weltgeltung näherzubringen vermag.
der notwendigen Abwehr abermals eine Kameradschaft zwischen Arbeiter und Student Zustandekommen. Wir sahen sie in der SA., SS. und in der HI. während der Kampfzeit aufs herrlichste verkörpert. Wiederum lernten sich Arbeiter und Student im harten gemeinsamen Ringen, oft im Todeskampf, kennen. Diesmal aber verband
wieder aufzunehmen, auf einer gemeinsamen Ebene des Willens und des Glaubens an ihr deutsches Volk.
Wir brauchen daher nicht zu zweifeln, daß diese im Kampf um das Dritte Reich erprobte Kameradschaft zwischen Arbeiter und Student je zerbrechen wird, weil sie glaubensmäßig untermauert und daher ungleich fester gefügt ist ass die des Weltkriegs.
Wie aber kann es uns gelingen, der heran-
regelmäßige „K i n d e r k o n z e r t e" mit sorgfältig zusammengestellten Programmen in guter Ausführung zu geringen Eintrittspreisen veranstaltet. Städtische Stellen, Ortsgruppen des „Reichsverbandes Deutscher Tonkünstler und Musiklehrer" haben dieses neuerschlossene Gebiet der Musikpflege beide nicht nur eine zeitlich notwendige Kampf- zu kultivieren begonnen. Außerordentlich wichtig r v ' -r- ** tvx,,< wäre es, wenn auch der Rundfunk diese Be
mühungen noch mehr als bisher unterstützen würde, damit das Land und die kleinen Städte in diese
beiter" bedeutsam genug erschien, um sich gründlichst mit ihr zu beschäftigen. Im Gegenteil. Den meisten erschien alles in bester Ordnung, denn es war ja ganz natürlich, daß es ebenso gut Arbeiter wie Studenten geben mußte, wobei selbstverständlich kein Zweifel über die gesellschaftliche Rangordnung. bestand. Daß diese vermeintliche Ordnung und Rangordnung für die Entwicklung des deutschen Volkes verhängnisvoll werden mußte, ahnten in der akademischen Jugend nur wenige.
Wer aber wußte, daß eine echte Volksgemeinschaft unbedingte Voraussetzung für den Bestand des Reiches war und diese Volksgemeinschaft nur dann entstehen konnte, wenn der Student im Arbeiter und umgekehrt der Arbeiter im Studenten seinen Volksgenossen und gleichberechtigten Arbeitskameraden erblickte, der konnte sich damals eines betkmmenben Gefühls kaum erwehren. Denn immer größer und tiefer wurde die Kluft, die diese zwei wichtigen Volksteile voneinander trennte.
Schon glaubten die Tieferblickenden alle Hoffnung aufgeben zu müssen, als der Weltkrieg eine Wende brachte. Was sich bis dahin feindselig, zumindest gleichgültig gegenüberftanb, zog nun in geschlossener Einheit zur Verteibigung bes Vater-1 lanbes ins Feld. Schulter an Schulter fochten Stu- : bent unb Arbeiter in treuer Waffenkamerabfchaft. Das große Fronterlebnis packte beibe gewaltsam unb schweißte sie immer fester zusammen. Stubent unb Arbeiter lernten sich kennen unb wußten jetzt, wie sie gegenseitig aufeinanber angewiesen waren. Damit ergaben sich hoffnungsvolle Ansätze zu einer echten Volksgemeinschaft.
Was aber im Kriege gehalten hatte, fiel nach ihm auseinanber. Stubent unb Arbeiter vermochten wohl bas Fronterlebnis in bie Zeit nach bem Kriege hinüberzuretten; allein, wenn viele von ihnen bas Fronterlebnis miteinanber verbanb, so boch nur eben bieses unb nichts anberes! Vielen ist biefer Zerfall ber ehemals in Not unb Tob erprobten
wachsendenJugenb, bie roeber Krieg noch politische Kampfzeit erlebte, biefe für bie Volksgemeinschaft so unerläßliche Kamerabschaft ins Herz zu pflanzen? Unb wie erreichen wir es, baß auch weiterhin Arbeiter unb Stubent sich gegenseitig als wahre Volksgenossen unb gleichberechtigte Arbeits- fameraben fühlen?
Der Freiwillige Arbeitsbien st hat biefe Aufgabe übernommen. Wenn sich ber Freiwillige Arbeitsbienst — wie viele noch meinen — bamit begnügen wollte, ben Arbeitslosen Brot unb Unterkunft zu geben, ober sich „sonst nicht rentieren- ber" Bodenverbesserungen anzunehmen, dann wäre unendlich aufopferungsvolle Arbeit der Führer des Arbeitsdienstes umsonst. Nein! Sinn und Ziel des Arbeitsdienstes ist denn boch weit höher gesteckt. Gewiß will ber Arbeitsbienst, baß bie Jugenb, unb zwar bie gesamte beutsche Jugenb wieder ben Spaten in bie Hand nimmt, wie einst ihre Väter es taten, wenn auch jetzt zu friedlicher Arbeit. Gewiß soll die Jugend durch diese körperliche Arbeit lernen,
von denen, die vor dem die Heimat, d. h. Blut und Boden, nach wie
Universitäten und Hoch- i ' * ..... -
Die Lösung einer politischen Frage
Von Or. Friedrich Bubendey.
Erziehung einbezogen werden können.
Wie soll man solche „Hörerziehung" der aufnahmefreudigen Jugend, solche „Kinderkonzerte" anfassen? Vor allem gilt es, dem kindlichen Verständnis entsprechende Werke auszuwählen, deren es in der vorklassischen, klassischen, romantischen und modernen ßiteratur eine ganze Menge gibt. Gar zu lang dürfen sie für dieses leichter ermüdende Kinderpublikum nicht fein. Das Herausreißen einzelner Teile und Sätze wird man dabei, wenn man den Sinn für das Organische eines Kunstwerks wecken will, vermeiden müssen. Kein ! Stück sollte die jugendlichen Hörer unvorbereitet I gleichsam überfallen, sondern in knappen einleitenden Worten sollte stets zuvor einiges über Stimmungsgehalt und Form des Werkes, über den Autor und feine Zeitepoche gesagt werden. Je vielseitiger und abwechslungsreicher diese Erläuterungen sind, desto besser. Es ist gar nicht leicht, über Musik zu reden. Das Reden über Musik zu Kindern hat noch seine Sonderschwierigkeiten und Tücken! Nur wenn dieser Teil des Programms in äußerst taktvoller und geschickter Weise von sachlich unterrichteten, pädagogisch begabten unb künstlerisch empfinbenben Rebnern übernommen wirb, kann man Erfolg erwarten. Weber trockene Schulmeisterei noch „kinberfreunbliche" Schwabroniererei barf ben Kunstgenuß stören. Es gibt bafür eine unenbliche Fülle geeigneter Belebungsmittel: Bücher, Biographien, Bilder der Komponisten oder sonst zum Werk passende Illustrationen. Man versäume auch nicht, die gespielten Instrumente zu erläutern. Selbstverständliche Grundbedingung ist, baß für diese Darbietungen nur 23 efte 5 in bester Ausführung gewählt wirb, benn Kinber haben ein sehr feines Gefühl für wahre Werte, unb gerade dieses Gefühl will man ja in diesen Konzerten stärken.
Niemals sollte eine Programmfolge ohne inneren Zusammenhang, ohne leitende und zusammenfassende Idee, gegeben werden: solche „geschlossene Programmeinheiten" ermöglichen ein viel konzentrierteres und verinnerlichteres Hören. Ob man bie Vortragsfolge um einen Komponisten, eine Wertform, eine Stilepoche, einen Stimmungsgehalt ober einen sonstigen Mittelpunkt gruppiert, ist eine zweite Frage. Jebenfalls sollte bie Reihe ber Veranstaltungen möglichst abwechslungsreich gestaltet werden.
Die „Hörerziehung" ist heute noch ein ganz neues Gebiet der Musikpädagogik. Neben den hier angedeuteten Wegen werden sich in
ihr Brot im Schweiße ihres Angesichts zu ver- _ . , , dienen, und gewiß sollen Arbeiter und Student
Kameradschaft ein Rätsel gewesen und geblieben. , spüren, daß sie beide aufeinander angewiesen sind, Sie erkannten nicht, daß diese feldgraue Kamerad- daß nicht einer etwas Besseres ist als der andere, schäft zwischen Student und Arbeiter doch nur einer Darüber hinaus aber soll ber Freiwillige Arbeitszeitlichen Waffengefährtschaft entsprang, ber aber bienst bie Weltanschauungs- unb Glaubensschule ber jebe innerlich gemeinsame weltanschau- kommenben Generationen, bes kommenben 23olkes
Oer Student
als Auslandspionier.
Lon Rudolf Junges.
Systematische Kulturpolitik zu treiben ist für Deutschland eine Existenzfrage. Ausschlaggebend ist, id der sachliche Bestand an Buchwerten, Bühnen- nerfen, Filmen, Erzeugnissen der bildenden Kunst uw. über jede begründete Kritik erhaben und eine 5 ission im Ausland zu erfüllen imstande ist, ob b? Menschen, die als Sendboten der Nation hin- a.sgehen ins Ausland, auch wirklich charakterlich irb geistig genügend gerüstet auf die Reife geschickt jrrben. Frankreich hat bie Wichtigkeit bes jungen gi ftigen Menschen, bes Jungakabemikers, als Fak- ic seiner aktiven unb aggressiven Kulturpropaganba -scannt.
| 3n Deutschlanb könnte es ebenso sein! In ber ist bie Zahl ber beutschen Stubenten, bie ein, L ei ober mehrere Semester im Ausland verbringen, nrf) heute außerordentlich groß. Während sie in Fankreich die dreistelligen Zahlen nicht überschreitet, gi?t sie bei uns weit in die Tausende.
I Leider aber hatte es bisher mit dem privaten LLslandsstudium seine eigene Bewandtnis. Der whlhabende Vater gab seinem Sohne die not- Ibinbigen Zechinen mit auf den Weg, und dieser es sich im Ausland wohl fein, meist sehr um b< ümmert um die große Aufgabe, die ihm ein | $i iges Geschick zugewiesen hatte. Man hat sich noch Ügt den rechten Begriff davon zu machen gewußt, I
Konzerte für Kinder.
Neue Wege der musikalischen Erziehung.
Für die Weckung und Pflege aktiver Musizier- freudigkeit wird schon viel getan; Schul- und Privatmusikunterricht, Sina- und Instrumental- Musiziergemeinschaften wirken zielbewußt an der Heranbildung einer mufikverständigen und musikliebenden jungen Generation. Wenn auch die Freude am singenden und klingenden eigenen Tun die beste Grundlage zur Aufnahmefähigkeit für wirkliche musikalische „Kunst" ist, so birgt der einseitige Ausbau im Sinne aktiver Musikerziehung Gefahren, die sich bereits in der Abkehr mancher Laien-Musizierkreise vom öffentlichen Konzertleben, gezeigt haben.
Es genügt nicht, sich in den Grenzen der bescheidenen eigenen Kräfte ausübend zu betätigen, man muß auch verständnisvoll und genußreich zu- zuhören verstehen, wenn Berufene musizieren. Unb diese Fähigkeit ist durchaus nicht allen angeboren. Es gilt deshalb, eine wohldurchdachte „Hörer z i e h u n a" der „Musiziererziehung" an die Seite zu stellen.
Vielerorts werden bereits feit einigen Jahren
Dem unvorbereiteten Auslandsstudium mußte da- k) einmal ein Riegel in Form der Auslandpaß-: rnjDeigerung vorgeschoben werden, wie es die 25t. kürzlich forderte und es zum Teil jetzt durch- ; ßdüljrt wird. Darüber hinaus aber ist nicht erst! fe heute gefordert worden, daß der deutsche Aus- ; lcLsstudent mindestens während des feinem Aus- | lcÄisaufenthalt vorangehenden Semesters in ber । glügenden und geeigneten Weife auf fein Aus- , lcLsfemester vorzubereiten ist. Nur die offiziellen I Astauschstudenten — die durch offizielle Austausch- I »nanisationen im gegenseitigen Verkehr von Land ' 31 Land ausgetauscht werden — in der nötigen Mise für den Auslandsaufenthalt vorzubereiten, gefügt nicht. Denn, was diese an Positivem für TiUtschlands Ruf in der Welt zu leisten vermochten, iftooft genug von den „Wilden", wenn auch un- dev'ußt, gründlich wieder zerstört worden. Die ßocgen kann man sich leicht vorstellen.
ist also unerläßlich, die Schulung auch auf bie- engen auszudehnen, die auf eigene Kosten auf irr ausländischen Universität studieren wollen. Jelrr Auslandsstudent wird also nach ben neuen Minen künftig im Vorsemester einen Schulungs- uinis — statt feiner Fachschaft — zu besuchen Mn, in bem er alles Wissensnotwenbige über bas ßaib feiner Wahl von meist ehemaligen Auslanbs- i)jp.. Austauschstubenten erfährt. Jeber Auslanbs- 'tu'eent muß sich, wenn er an biefen Kursen nun- mrr teilzunehmen hat, darüber klar sein, daß er Druden eine Aufgabe zu erfüllen hat, daß fein Alttreten daher ruhig und zurückhaltend bleiben niß — besonders in politischer Beziehung — und da er jebe, auch bie ungewollte Unbebachtsamkeit, Uiiebensroürbigfeit unb Unsorgfältigkeit in Kleidung ober Benehmen peinlich zu meiben hat. Denn erjift in feiner Stadt der Sendbote Deutschlands, eri-epräfentiert Deutschland, und nach ihm und nur hcq ihm wird Deutschland beurteilt.
Venn nicht aller Anschein trügt, haben bie an erzreicher Kulturmittlertätigkeit interessierten
i draschen Stellen unb vor allem auch ber zahlen- irigg stärkste Träger aktiven, geistigen Aus- tsttches, ber Jungakademiker, erfaßt, daß hier neue S ie beschritten werden müssen. Die junge stuben- ficM Generation hat den Wert der kulturellen Ver- niifllung, des kulturellen Austausches erkannt. Darr erscheint ihr als wichtigste Aufgabe, sozusagen
«Muöentenkben in alter Zeit.
Aus dem Göttinger Wirtschaftslerikon
für Studenten (1813).
Wohnung: Wer die Auswahl eines Zimmers lickt bis zu feiner persönlichen Ueberfunft auf- qiSben will, auch keine studierenden Freunde hat, «He dieselbe für ihn treffen können, der kann ihsan den Logis-Commissair wenden; jetzt ist dieß !riOber-Pedell Schäfer, ein sehr gefälliger promp- tr Mann, der die Aufträge gewissenhaft besorgt. Ren muß ihm den Preiß schreiben, und kann auch limge Wünsche hinzufügen. — Der niedrigste ri|3 der Studenten Zimmer ist 4 Louisd'or und iävi gradatim bis zu 15. Bey den theuren hat rr außer einer Stube und Kammer noch einen ‘in aal, ober ein Bebienten Zimmer. Die gewöhn- . [i^Tii Möbel finb: ein Bureau, ein Bücherborb, ! ! Tische, ein Spiegel, 6 Stühle unb ein Sopha; ] ich allenthalben finbet sich ein Schreibtisch mit eim Repositorium. In ber Kammer steht ein Bett nit! Vorhängen, ein Tisch, einige Stühle, und ein Ke:aerschrank. Gewöhnlich gränzen Stube und &nimer an einander; oft ist letztere ein eigenes Iraner, oft ein Alkoven. Die Stuben sind fast -s Hir.hgängig tapeziert, ober wenigstens ausgemalt.
Geschirre: Diese sinb nach der Größe des Deisels unb ber Mannigfaltigkeit ber Bedürfnisse L1 verschieden, unb eben beshalb will ich auch ■ brtm keine Preise beyfügen, welche mir für Jeden bi mothwendigsten scheinen. Hieher rechne ich 1) I pi£ Menage, welche man in Göttingen aus ' Miramce und Porzellan mit dem Korbe zu sehr bil- I li? Preisen kauft. 2) einen Suppen und einen i ßn.üfe-Teller. 3) ein paar Messer und Gabel und iii-ei Eßlöffel. 4) eine Milchkanne nebst Kafföe- 10hi Thee-Topf. 5) Eine Tasse und einen Theelöf- j je. :o) zwey Biergläser.
künftige Sachen: Hier ist das Erste eine X D:;ye, in welcher die ganze akademische Weisheit jiimmengetragen roerben soll; nebst einem Sta- c Hl-Dintensaß, um es alif einem Collegia ins an- l)ct i tragen, unb leicht auf den Tischen befestigen j|ir mnen. Ferner eine Quantität Papier; die Hefte tinCrn Collegien werden gewöhnlich auf sogenann- ile Vandekten-Papier geschrieben. Drittens einen.
Lektions-Catalog, um die zu hörenden Collegien zu wählen. Viertens die Cornpendien derjenigen Professoren, deren Collegia man fürs nächste Semester besuchen will; sie sind gebunden in jeder Buchhandlung zu haben. — Federn und Dinte und andere nothwendige Kleinigkeiten verstehen sich von selbst.
Feuerung: Diese ist in Göttingen sehr kostspielig. Ein Klafter Buchenholz kostet gewöhnlich 2 Louisd'or, wenn man nicht schon im Sommer vor der Erndte einkauft. Für das Sägen und Zerhauen bezahlt man zwey Gulden. In ordinairen Wintern kommt man mit einem Klafter aus, fönst muß man kleine Fuder zu 2 Rthl. ufw. nachkaufen, oder zerhauenes Holz in Bündeln, wie es alle Tage zu Markte gebracht wird.
Aufwartung: Diese wird gleich mit der Zimmermieths accorbirt: sie beträgt gewöhnlich vierteljährlich 2 Rthl., oft V2 Louisd'or. Dieß bezahlt man in ber Regel an ben Wirth. Aufwärter finb tneit seltener wie Aufwärterinnen; bie Aufwartung ist fast allenthalben sehr gut unb prompt. Geschenke außerbem finb nicht gebräuchlich.
Stiefelwichser unb Wäscherin: Unter jenen ist kein großer Unterschied; ob Stiefel etwas mehr oder weniger glänzen, ist von keiner Erheblichkeit; aber wichtig ist es, daß man einen wählt, der im Ruf der Ehrlichkeit steht, weil diese Art Leute Morgens in aller Frühe, wenn man noch tief schläft aufs Zimmer gehen und zugleich das Geschäft der Reinigung der Kleidungsstücke haben. Man bezahlt für beyde Vorrichtungen vierteljährig 2 Gulden bis 2 Rthl. — Bey den Wäscherinnen muß man schon eigener seyn! Hübsche weiße Wäsche ist eine große Zierde, und eine kostspielige Sache, die man nicht gern muthwillig verderben läßt. Manche Wäscherin steht nemlich im Verdacht als ob sie zur Bequemlichkeit, Zeit- und Mühe- und Gelderspa- rung Kalk statt Seife nimmt. Und wenn auch dieß nicht der Fall ist, so kann doch mancherley sonstige schlechte Behandlung den Ruin der Wäsche verur- sirchen.^ Der vierteljährige Lohn beträgt 2 bis
Friseur: Zöpfe und Perrücken sind glücklich aus der Mode, und haben durch ihren Untergang allen Friseurs Herzeleid zugefügt. Die Eitelkeit der Studenten ist ihnen einigermaßen dafür Entschädi
gung, denn gekräuseltes Haar, einen hübschen Ti- tuskopf oder zierlichen Hahnenkamm mag Jeder gern leiden und nimmt deshalb den Friseur zu Hülfe. Zugleich pflegt hiemit der Zweck des frühen Aufstehens verbunden zu seyn, denn von 4 Uhr früh sind die Haarkräusler schon auf den Beinen, und wer den Schein der Eitelkeit von sich wälzen will, ertheilt gemessenen Befehl, vor 6 Uhr bedient zu seyn Der Frjseur bekommt vierteljährlich 2 Gulden; thut dafür bey Manchem nichts weiter, als daß er weckt und das Haar auskämmt.
Frühstück: Caffe, Thee und Milch find die gewöhnlichsten Frühtränke; sie werden von der Aufwärterin besorgt. Milch ist das wohlfeilste und ge- fundeste Getränk, auch das gewöhnlichste. Hiezu ißt man Weißbrod, oder spart den Appetit noch etwa auf, bis es Zeit ist, ein Butterbrod zu essen: Butter und Brod hat man immer im Hause. — Daß man wohlschmeckendere und kostbarere Frühstücke beym Conditor oder im Wirtshause einnehmen kann, versteht sich von selbst. — Ein sehr gewöhnliches Frühstück ist der Obstkuchen, welcher in Göttingen in vorzüglicher Güte gebacken wird, und fast durchs ganze Jahr zu haben ist. Man nimmt ein Stück im Vorübergehen mit, und ißt es auf dem Wege ins Collegium auf der Straße.
Mittagstifch: Die gewöhnlichsten und wohlfeilsten werden in Menagen von den Speifewirthen durch die Aufwärterin geholt Sie kosten 3 Rthl. bis zu 1 Louisd'or. Wenn zwei Personen aus Einer Menage essen, so bezahlen sie nicht das Doppelte, sondern einen oder mehrere Thaler weniger. — lieber die Zubereitung der.Speisen wird allgemein so sehr geklagt, es wird ihnen aller Wohlgeschmack, alle Kraft so oft abgesprochen, daß ich es nicht für zwecklos halte, hierfür etwas zu sagen, zumahl da ich eine ganze Anzahl von Speifewirthen durchgekostet habe, ober wenigstens ihre Gerichte vom Ansehen kenne. Wahr ist es, daß beynahe allen pikante Würze, der feine Wohlgeschmack fehlt, daß sie oft sehr mager und dünne; — falsch aber ist es, daß sie ganz kraftlos oder gar ungenießbar sind! Ein Kranker, dessen Genesung kräftige Speisen fordert, wird mit den gewöhnlichen Gerichten nicht schnell vorwärts kommen; hier finden sich auch andere Auswege^ — der gesunde jugendliche Körper hingegen befindet sich dabsy recht wohl, und wird hin-t
reichend genährt. Für einen nicht verwöhnten ober überreizten Gaumen werben bieselben auch wohl- schmeckenb unb sehr gut genießbar seyn. Ich glaube bemerkt zu haben, baß biejenigen, welche bas Göttinger Essen als grunbschlecht verschreien, sich auf 2 Classen rebuctr'en lassen: theils auf solche, bie es zu Hause sehr gut gewohnt gewesen finb, und sehr gut gespeist haben, und theils auf solche, die es schlecht gewohnt waren und einen dürftigen Tisch führten! Jene klagen aus guten Gründen, und sprechen wie es ihnen ums Herz ist; — Diese stimmen, blos aus Furcht ihre niedere Herkunft sonst zu verrathen oder ihrem Dünkel etwas zu vergeben, aus voller Kehle in obigen Tadel mit ein, pflegen nicht selten noch ärger zu schimpfen, wie jene ...
Abendtifch: Einen regelmäßigen Abendtisch gibt keiner der gewöhnlichen Speisewirthe. Hier bleiben ber freyen Willkühr zwey Wege offen. Der Erste ist, baß man von feiner Wirth in ober Aufwärterin sich ein Gericht zubereiten läßt, wozu man gerabe Neigung hat, unb besten Bereitung nicht zu schwierig ist, ober baß man ein frugales Butter- brob einnimmt, ba jeber Markttag Hanbkäfe und Mettwürste zu billigen Preisen barbietet. Der Zweyte ist, baß man sich von ben Traiteurs, welche Abenbessen bereiten, einige Gerichte holen läßt, wo- bey man unter mehreren Fleischspeisen, so wie Zugemüsen unb Compots bie Wahl hat. Das billigste unb recht gut zubereitete Abenbessen liefert jetzt bie Rappen, weshalb man es einen Rappenfraß nennt; ein Stück Braten mit Salat kostet 2 Ggr. Wenn man bie Wahl ber Gerichte nur oft abwechselt, unb nicht ein Lieblings-Gericht zu oft unb endlich zum Ueberdruß ißt, so wirb einem gewiß immer ber Rappenfraß gefallen. Ich glaube, es wirb nicht ganz uninteressant seyn, bie verschiebenen Gerichte zu erfahren, bie einen Rappenfraß ausmachen. Fleischspeisen finb etwa: Schweins-Kalbs-Hammel unb Rinbsbraten, (Karbonaten unb Fricabellen ä Portion 1 Ggr., Hafen- unb Gänsebraten ä Portion 2 Ggr. Zugerichte: gebratene Kartoffeln, Apfelbrey, geftobte Birnen, Zwetschen, Gurken-, Vitsbohnen-, Kartoffeln- unb Kopfsalat ä Portion 1 Ggr. Habet) ist es ausgemacht, baß sämtliche Gerichte besser zu- bereitet finb, als man sie bes Mittags erhält. Was kann man also billigeres verlangen?


