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2. Fortsetzung.

Nachdruck verboten!

Leben wie ich, dann wird man bescheiden. Und ich denke, daß das arme, kleine Ding, das heimatlose, auch recht zufrieden wäre, wenn's nur erst mal so an die siebzig Mark im Monat verdienen konnte."

Olga Schieber lächelte.

Na ja! Aber unsereins? Ich bin nach Berlin ge­kommen auf die Versprechungen eines Lumpenkerls hin. Ich hab' mich schon als Filmdiva gesehen? Und was ist geworden? Ach wär' ich doch daheim geblieben!"

Ja, das hätten Sie wohl muffen. Und wollen Sie nicht mehr zurück?"

Wollen? Ja ich möchte gern. Aber Vater bleibt unerbittlich, und er hat der Mutter verboten, mit mir in brieflicher Verbindung zu bleiben. Da Mütterchen nie etwas ohne Vaters Willen getan hat, habe ich nun schon sehr lange nichts mehr von daheim gehört. Doch wozu von etwas sprechen, was

Liebes Fräulein, werden Sie abgeholt? Wenn nicht, dann können Sie bei mir wohnen. Ich ver-

Betriebsordnungen bis 1. Oktober!

Eine Anordnung des Treuhänders der Arbeit für das Wirtschaftsgebiet Hessen.

Der Treuhänder der Arbeit für das Wirtschafts­gebiet Hessen erläßt folgende Anordnung:

Das Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit verpflichtet den Führer eines Betriebes, eine Betriebsordnung für die Gefolgschaft des Betriebes nach vorheriger Beratung im Vertrauens­rat schriftlich zu erlassen. Die Reichsregierung hat als endgültigen Termin für den Erlaß von Be­triebsordnungen den 1. Otober 19 3 4 festgesetzt.

Die Betriebsführer sind wiederholt auch von meiner Seite aus auf die Einhaltung dieses Ter­mins aufmerksam gemacht worden. Ich nehme an, daß der Verpflichtung allgemein entsprochen wurde. Nachdem nunmehr der Termin abgelaufen ist, for­dere ich hierdurch die Betriebsführer auf, gemäß

Die Herren zogen ihre Mäntel an. Udo wiegte sich ein wenig hin und her und meinte dann:

Ein bißchen hart war es schon. In der zweiten ist's bestimmt bequemer."

Es hat uns nichts geschadet. Und obendrein war's dein persönlicher Wunsch."

Ja doch! Dabei bleib' ich auch. Lieber im Vieh­wagen zwischen zwei preisgekrönten Ochsen, als mit der Tante Bredow im Extraluxuszug!"

Udo, du sprichst von deinen Verwandten."

Don wem denn sonst! Kann ich denn dafür, daß die Bande so ekelhaft ist?"

Resigniert schwieg Arndt von Berken. Aber um fernen schön geschnittenen Mund lag doch ein leises Lächeln.

Käthe blieb noch sitzen. Sie wagte sich gar nicht hinter ihrem Mantel hervor. Aber als der Zug anruckte, dann stehenblieb, da sprang sie auf, griff nach ihrem Koffer, wollte den Mantel anziehen Da klang die schöne, tiefe Männerstimme dicht neben ihr:Kommen Sie, ich helfe Ihnen ein bißchen!"

Und er half ihr beim Anziehen des Mantels.

Danke danke vielmals!"

Käthe war dunkelrot, bückte sich nach ihrem Koffer und stieß mit dem Fremden zusammen, der auch nach dem billigen kleinen Köfferchen gegriffen hatte.

Er lachte sie an, entschuldigte sich, sagte:

Ich helfe Ihnen noch ein bißchen beim Aus-' steigen. Sie fahren wohl nicht allzuoft mit der Eisen- bahn?"

Ich fahre das erste Mal. Ich war immer in unserer kleinen Heimatstadt", sagte Käthe |meu Und dennoch war eine unermeßliche Freude in ihr weil er mit ihr sprach.

Das Durcheinander des Aussteigens. Hasten. Lachen. Schimpfen. Rufen nach einem Dienstmann. Und dann stand Käthe allein, hielt ihren Koffer in der Hand und sah den beiden Herren nach, die eilig der Sperre zuschritten. Und dann ging sie langsam vorwärts. Sie sah sich aber plötzlich eingekeilt mitten zwischen eine Schar junger Mädchen, und eine hagere, ältere Dame stand steif aufgerichtet und äugte scharf durch die Lorgnette.

Dumme Person", sagte sie verächtlich, als Käthe sich verlegen aus dem Kreise entfernte.

Und Käthe mußte ein bißchen lachen. Das war doch die Tante Bredow, mit der der blonde, lustige Udo nicht hatte fahren wollen.

Der andere hieß Arndt!

Wie gut, daß sie feinen Namen wußte.

Arndt!

Die Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz in Gießen begleitete mit einigen gut aus­gerüsteten Mitgliedern die Volksgenossen nach Stein­bach und hatte in einigen kleineren Fällen einzu­greifen. Ein SS.-Mann verunglückte mit seinem Motorrad, erlitt eine Prellung und einen Blut­erguß in den Knien und wurde ebenfalls behandelt.

Gießen-Tlord in Heuchelheim.

In schlichter und würdiger Weise beging die Ortsgruppe Nord den Tag des Erntedank- feftes gemeinsam mit den Volksgenossen in H eu -

aussprach, die man in Heuchelheim gesunden habe. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß im nächsten Jahre die Volksgemeinschaft noch gefestigter dastehe, um dann erneut die Verbundenheit mit Stadt und Land zum Ausdruck bringen zu können.

Recht frohe und vergnügte Stunden verlebte man noch, bis die Zeit zum Aufbruch nahte.

Gießen-Mitte in Watzenborn und Hausen.

VomWürttemberger Hof" aus marschierte die Ortsgruppe G i e ß e n - M i 11 e ab. Für sie war in Watzenborn-Steinberg die Beteiligung am Erntedankfest vorgesehen. Der BdM. vorweg, gefolgt vom Jungvolk, den Amtswaltern, der SA., den Parteigenossen und der HI., wurde der Marsch angetreten. Die Familienangehörigen waren schon vorher vereinzelt aufgebrochen. Die Frauenschaft ließ sich im Postomnibus nach Watzenborn-Stein­berg bringen. Ein zweiter Omnibus war für die Fußkranken und solche Volksgenossen bereitgestellt, die sich erst später frei machen konnten.

An der Wegkreuzung Haufen-Schiffenberg wur­den die Ankommenden von den Ortsgruppen Watzenborn-Steinberg und Hausen erwartet. Die Parteigenossen aus Hausen hatten reitende SA. als Vorboten und einen Spielmannszug der SA. zum Abholen der Gäste entsandt. Da sich die Beteiligung für Watzenborn-Steinberg als zu zahlreich erwiesen hatte, wurde die Ortsgruppe Mitte aufgeteilt, und ein Teil der Volksgenossen marschierte nach Hausen, der größere Teil nach Watzenborn-Steinberg.

Ein Musikzug, eine SA.-Abordnung und eine Hakenkreuzfahne hatten die Watzenborn-Steinberger ihren Gästen entgegengesandt. Mit Marschmusik ging es über die Bahnstation Schiffenberg nach Watzenborn hinein, wo die Gießener Bolksgenosfen dem Festzug eingegliedert wurden, mit dem sie bis nach Steinberg hinein und dann zurück bis zur Schule in Watzenborn geleitet wurden. Das Jung, volk, der BdM. und die Schuljugend gingen vor­weg. Nach einem Musikzug und den Fahnen folg­ten die Amtswalter, von Ortsgruppenleiter Horst (Gießen) geführt. Hinter den Vereinsfahnen schrit­ten in stattlichem Zug die Gießener Gäste, den Be­schluß bildete die SA. Standartenführer Lutter in Begleitung feines Adjutanten, Sturmbannfüh­rers Münker, nahmen im Auto den vorbei­ziehenden Festzug ab, freudig begrüßt von den Parteigenosfen und den SA.-Männern. Im Festzug waren landwirtschaftliche Geräte und u. a. ein schö- ner Wagen mit Früchten aller Art, zum Schluß ein Wagen mit kartenspielenden Bauern im bunten Kittel eingefügt.

Im geräumigen Schulhof in Watzenborn fand die Uebertragung vom Bückeberg statt. An dem statt­lichen Schulhaus waren zwei lange Hakenkreuz­fahnen angebracht, vor denen die Rednertribüne stand. Horizontal zu den großen Fahnen schmückten Fahnenbänder die Hausfront. Neben der Redner­tribüne hatten die Hakenkreuz- und die Vereins- fahnen Platz gefunden. Bis zum Beginn der lieber« tragung fang ein Massenchor das LiedDeutschland, heiliger Name". Den Willkommensgruß an die Gäste brachte einPimpf", Karl Jung, durch ein von dem Heimatdichter Degen verfaßtes Gedicht zum Ausdruck. Die Sänger brachten noch ein wei­teres Lied zu Gehör. Auf dem Schulplatz wogte das Leben hin und her. Dann kam die Uebertragung vom Bückeberq. Bei deren Schluß wurden das Horst-Weffel-Lied und das Deutschlandlied mitqe- fungen.

Für die Amtswalter begann jetzt der schwerste Teil der Arbeit, die Unterbringung der Menschen in die Quartiere, da außer den Gemeldeten noch eine Anzahl unanaemeldeter Personen erschienen waren. Ortsgruppenleiter Horst hatte alle Hände voll zu tun, um nach dem Rechten zu sehen. In den Häusern, in denen die Gastgeber sich opfer­bereit um ihre Städter kümmerten, bahnten sich Freundschaften und Bekanntschaften an, die Brücken schlagen vom Land zur Stadt und Stützpunkte werden für die Volksgemeinschaft, wie sie der Führer erstrebt.

Durch die hab' ich ja auch meinen Posten bekommen. Wenn ich auch nichts, absolut nichts bin, wenn die Berani spielt, dann bekomme ich meine kleine Kom- parsenrolle. Das weiß nun Hilpert und richtet sich danach. Uebrigens kommt mir ein fabelhafter Ge- danke, und daß er mir erst heute kommt, gibt mir 3U denken, ob ich nicht etwas beschränkt sein könnte. Die Berani was macht die mit ihren vielen Klei- dern? Sie wird mir ein paar schenken ich brauche es ihr nur zu sagen. Ich hätte das schon ! ^Pmer ?un müssen. Statt dessen mußte ich für mein ©elö diese wertlosen Fetzen kaufen, von denen der j Kenner ja doch sofort sieht, was sie wert sind. Und der Hilpert, der Dramaturg, der hat einen Blick dafür. Einen Blick dem macht keine was vor. Und den Jürgens, den hat er gestern angebrüllt: roenn der noch einmal in feinem gepumpten glän- 3enben Kellnerfrack auf der Bildfläcye erschiene Bildfläche ist übrigens gut, dann wolle er ihn fortblasen.

Hm!

Also dem Hilpert werde ich etwas vormachen in den Kleidern der Berani. Die hat mich nun mol gern, und sie sagte erst neulich, ihr gefiele mein loses Mundwerk so sehr. Sie sehen also, Mama Kulick, daß man auch damit weiterkommen kann. Wenn die Berani Kleider herausrückt, dann kleide ich das arme Wurm, das sich da so bargeldlos bei uns ein« genistet hat, mit ein. Wirklich, es soll mir nicht darauf ankommen. Vielleicht schaut die Käthe sehr gut aus, wenn sie die richtigen Sachen anhat. Und ein Paar Schuhe ... Hm! Daran wird's natürlich hapern. Die Berani lebt auf großem Fuß, aber sie verdeckt das fabelhaft. Ich kann diese Schuhnummer gerade noch vertragen, aber die Kleine niemals. Die hat einen zu kleinen Fuß, der ihr übrigens Chancen bringen wird."

Mutter Kulick lächelte. Das hatte sie ja gewußt, was für ein lieber Kerl diese burschikose Olga Schieber war. Unb sie wußte Käthes Sache nunmehr in ben besten Hänben.

Olga sagte:

Wo bleibt denn die Käthe eigentlich? Sie soll doch endlich hier frühstücken kommen, sie wird auch Hunger haben. Ich will doch mal sehen, was da los ist."

Und Olga Schieber schlug den dunkelroten Vor­hang, den sie malerisch um ihre schlanke Figur ge­lungen hatte, übereinander. Dieser Vorhang hatte droben auf dem Hängeboden einige Reisekörbe zu- gedeckt. Aber Olga hatte ihn sich von Mama Kulick erbeten. Und die hatte den Vorhang gewaschen, und Olga hatte ihn sich als Morgenkleid drapiert? uebri­gens sah die Sache fast königlich aus. Jawohl! Und siegte sich graziös zur Tür. In ein paar Gold« schuhchen, von denen der sine Absatz abgerissen war.

Nanu, was machen Sie denn?"

(Fortsetzung folgt 1)

2. Kapitel.

Ja, was machen wir denn bloß mit der Kleinen? Sie hat ja nicht einmal ein anständiges Kleid, Mama Kulick. Ein schönes Gesichtchen hat sie ja, und das wäre ja schließlich die Hauptsache. Aber soll sie denn auch noch mit da hinausfahren? Und soundso oft enttäuscht wieder nach Hause kommen? Wann be­kommen wir armen Komparsen denn wirklich mal was zu tun? Das hängt ja doch auch davon ab, wen man bis zu dem Filmgewaltigen vorläßt. Ich hab's satt satt bis obenhin. Und verdient man wirklich einmal ein paar Mark, dann möchte man sie gleich wieder für ein paar neue Kleider ver­wenden, damit man recht bald wieder Arbeit be­kommt."

Mißmutig kaute Olga Schieber an ihrer Semmel. Unb Mama Kulick, bie kleine alte Dame, die Käthe am Bahnhof abgeholt hatte, die sah ihr zu. Sah r auf den hübschen Mund. Und dann

strich Mama Kulick über das schwarze Wuschelhaar.

Na ja, mein Kind! Aber immerhin haben Sie im letzten Jahr ganz nett verdient."

-Nett! Ha, daß ich nicht lache! Im Monat kaum siebzig Mark. Was Sie aber auch netten Verdienst nennen, liebe, alte, bescheidene Mama Kulick."

Die alte Frau nickte mit dem Kopfe.

Wenn man soviel hat durchmachen müffen im

Wagen in prächtiger Weise vereinigt. Spinnstube unb Müllerwagen bildeten den Beschluß des impo- fanten Zuges.

Sofort nach dem Umzug durch das Dorf sam­melte sich alles in Hof und Garten des Gasthauses Zum Hessischen Hof" (Görlach). Die Musikkapelle unterhielt zunächst mit einigen schneidigen Märschen und bie beiben Gesangvereine in Steinbach fangen im vereinigten Chor unter der Leitung von Diri- gent Schneider einige schöne Lieder. Ein Mäd­chen in bäuerlicher Tracht brachte einen schönen Vorspruch zum Vortrag.

Der Propagandaleiter der Ortsgruppe Steinbach, Pg. Größer, hielt die Begrüßungsansprache, in der er die Gäste aus der Stabt ganz befonbers herz­lich willkommen hieß. Er sprach davon, wie durch dieses Fest eine Verbundenheit zwischen Stadt und Land geschaffen werde, die praktische Volksgemein­schaft darstelle. Arbeiter der Stirn und der Faust seien hier in schöner Gemeinschaft beieinander. Die ganze Nation bekenne sich heute zum deutschen Bauern, den Erneuerer des deutschen Volkes. Und Hunderttausende marschierten heute zum Bückeberg, um ein großes Bekenntnis zu Führer und Vater­land abzulegen. Mit einem prächtigen Verswort (Ob Bürger, Bauer, Arbeitsmann ...") beschloß her Propaggndaleiter feine beifällig aufgenommene Ansprache.

Der Ortsgruppenleiter Pg. Rink gedachte in kurzen Worten des Erntedankfestes als eines Tages des Dankes an Gott. Er sprach von der deutschen Einigkeit, die uns den Platz an der Sonne wieder verschaffen werde, von dem Glauben an uns selbst, der uns alle Kraft zurückgebe, und uns den Vor­abend einer neuen Zeit erleben lasse. Das Haken- kreuz sei sieghaft aufgegangen. Wir glaubten an die Mission des Führers, der uns den Weg in eine neue Zukunft bereitet habe und immer neu bereite. Mit einem dreifachenSieg-Heil!" auf Führer, Volk und Vaterland beschloß der Redner seine Ansprache.

Inzwischen war es 16 Uhr geworden, und die Volksgenossen lauschten nun der ausgezeichnet wie­dergegebenen Rundfunkübertragung vom Bücke­berg, der Rede des Reichsbauernführers und des Führers und Kanzlers des deutschen Volkes. Be­geistert wurde zum Schluß das Horst-Weffel-Lied und das Deutschlandlied mitgesungen.

Nachdem der stellvertretende Ortsgruppenführer Pg. Gerhardt noch eine kurze Schlußansprache gehalten hatte, in der er den Dank an alle jene zu- sammenfaßte, die zur Durchführung und zum schö­nen Verlauf des Festes in Steinbach beigetragen hatten, fand die eindrucksvolle Kundgebung ihr Ende.

In herzlicher Gemeinschaft verbrachten die Stadt­bewohner, die überall in den Bauernhöfen zum Abendbrot zu Gaste waren, einige Stunden in schönster Gemeinschaft. Und überall konnte man merken, immer wieder, konnte man es hören, daß sich Städter und Bauer glänzend verstanden. Es gab manche angeregte Unterhaltung in den Häu­sern, und in vielen Höfen statteten die Städter auch den Diehställen einen kurzen Besuch ab, um die Bauern bei ihrer schweren täglichen Arbeit zu sehen. Erst zu später Stunde machte man sich auf den Heimweg. Zu Fuß und im Omnibus kehrten die Volksgenossen der Ortsgruppe Gießen-Ost in an­geregtester Stimmung zurück. Der ereignis- und er­lebnisreiche Tag wird allen lange in Erinnerung bleiben.

Wie gut der Name zu ihm paßte!

Ihre Karte, bitte!"

Käthe zuckte ängstlich zusammen. Völlig in Ge­danken war sie durch die Sperre gelaufen.

Sie gab ihre Karte ab, und nun lächelten sie hinter ihr her. Sie sah sich nicht mehr um. Mit dem Men­schenstrom ging sie die breiten Treppen hinunter.

Und stand auf dem großen, schönen Platz. Drosch­ken fuhren vor, Droschken fuhren ab, Menschen drängten in die Eingänge des Bahnhofs, Licht­reklame glitzerte ihr entgegen. Große Hotels standen dort drüben. Lärm ringsum.

. lje allein in diesem Lärm, diesem Treiben, dieser Weltstadt! Einsam, unbekannt, allen Gefahren ausgeliefert!

Eine kleine, alte Dame kam an sie heran. Sie hatte das Mädchen schon einige Male umkreist. Endlich sprach sie es an.

chelheim. Schon von vornherein darf gesagt werden, daß durch die vortreffliche Vorarbeit, die der Ortsgruppenleiter Thomas im Zusammen­wirken mit der Ortsgruppenleitung Heuchelheim leistete, der reibungslose Verlauf der Veranstaltung ohne weiteres gesichert war. Ganz Heuchelheim war auf den Beinen. Der Ort stand ganz im Zeichen des Ehrentages der deutschen Bauern; in reichem Flaggenschmuck und mit Blumen gezierten Häusern erwartete es seine Gäste aus Gießen.

In großer Anzahl waren die zum Bereich der Ortsgruppe Nord gehörenden Volksgenossen dem Rufe des Ortsgruppenleiters gefolgt. Schon kurz nach Mittag setzte eine wahre Völkerwanderung nach Heuchelheim ein; aber auch dasBieberlies­chen" hatte Hochbetrieb. Die männlichen Mitglieder der Ortsgruppe nahmen zur festgesetzten Stunde vor der Turnhalle am Oswaldsgarten Aufstellung. Verstärkt durch SA., durch Abteilungen der Hitler­jugend und den BdM. fetzte sich der stattliche Zug gegen 13 Uhr nach Heuchelheim in Bewegung. Die Ortsgruppenleitung Heuchelheim hatte eine Musik­kapelle zur Verfügung gestellt, und mit guter Marschmusik ging es bei herrlichem Sonnenschein über die Lahnbrücke dem Ziele entgegen.

In Heuchelheim wurden die Gäste aus Gießen von der Ortsgruppe der NSDAP, unter Führung des Ortsgruppenleiters Wob ker empfangen. In tadelloser Ordnung vereinigten sich die Heuchelhei­mer Parteigliederungen und Formationen mit ihren Gasten, und wenige Augenblicke später setzte sich ein überaus stattlicher Festzug in Bewegung, der durch die Hauptstraßen von Heuchelheim führte. Ange­führt wurde der Festzug von einer mit Blumen reich geschmückten Reitergruppe, der der Spiel- mannszug der Heuchelheimer Feuerwehr folgte. Dann ertönte der stramme Schritt der SA.-Kolon- nen, die, in Sechserreihen formiert, mit frischen frohen Liedern tadellos durch die Straßen zogen. Die Abteilung der Hitlerjugend folgte. Dann wieder leuchteten hell in der Mittagssonne die weißen Blu­sen des BdM., die ebenfalls in stattlicher Anzahl sich an dem Festzug beteiligten. Hierauf folgten die Gruppe der Festwagen, landwirtschaftliche Wagen und Maschinen, blumengeschmückte Schnitterinnen und Schnitter mit ihren ebenfalls reich geschmückten Arbeitsgeräten. Mit Frucht hochbeladene Wagen schwankten durch die Straßen, mit sinnreichen Sprü­chen geziert.Eßt deutsches Obst!" war die Mah­nung eines reichgeschmückten Wagens, der in schöner Anordnung die besten Erzeugnisse heimischer Obst­zucht zeigte. Besondere Aufmerksamkeit erregte eine Gruppe junger Mädel, die in ihrer schmucken Rhön­tracht ein farbenprächtiges Bild boten. Den Fest­wagen, die mit außerordentlich viel Mühe und sorg­fältig aufgebaut unb zusammengestellt waren, folgte 'die PO., ausgeführt von dem Führer der Gießener Ortsgruppe Nord, Ortsgruppenleiter Thomas, und dem Führer der Ortsgruppe Heuchelheim, W o b k e r. An der Turnhalle in Heuchelheim, in

Ja, das tun Sie nur. Aber jetzt ist's doch gut, daß Sie das haben. Und daß Sie bei mir wohnen, Olgachen nicht wahr?"

Ja! Ich steh' mich tatsächlich noch glänzend mit meinen siebzig Mark, weil ich bet Ihnen wohnen kann. Für uns beide langt es also, weil Sie sehr gut kochen können und nicht viel dazu brauchen Ich muß also sehr zufrieden sein, daß ich hier sein kann, altes, gutes Mamachen Kulick. Ja, das war nun ein kleiner Reinfall. Die Sophie Klenger die hat immer pünktlich ihr Zimmerchen bezahlt 'Und nun dachten Sie, am Bahnhof würde es wieder klappen, weil Sie uns anderen alle am Bahnhof verlassen aufgefischt haben. Na ja, aufgefischt haben Sie ja ein verlassenes Menschenkind, aber es kann Ihnen ja nichts zahlen. Das ist's, was anders ge­kommen ist, und wozu Sie sich nicht hätten in die Winternacht zu stellen brauchen, daß Sie nun hier herumhusten und ich mich um Sie sorgen muß."

Sie hatte solch liebes, verängstigtes Gesicht, und ich sah gleich, daß es wieder solch verlassenes Men­schenkind war, das ich ein bißchen schützen mußte! Und so hab' ich die kleine, schöne Käthe Randolf eben mitgebracht, ohne zu fragen, ob sie auch lange genug zahlen kann. Eine Woche hat sie ja auch ge­zahlt nun hat sie eben nichts mehr. Und das arme Kmd ist ganz verzweifelt, daß es nichts mehr hat. Ja, ich kann sie nicht hinauswerfen ich kann's nun mal nicht."

Olga Schieber dachte nach, hatte das kecke Näschen hoch in die Luft gereckt und sann und grübelte. Plötzlich rief sie aus:

. ''Wir werden es versuchen. Ich muß aber sehen, Daß ich die Berani für die Sache interessieren kann.

§ 26 der zweiten Verordnung zur Durchführung des Gesetzes zur Ordnung der nationalen Arbeit vom 10. März 1934 zwei Abdrucke der Betriebs­ordnung bis zum 15. Oktober 1934 bei mir ein­zureichen.

Gleichzeitig mache ich darauf aufmerksam, daß der Führer des Betriebes mit in der Regel über 50 Beschäftigten, insoweit die Höhe des Arbeits­entgelts durch die Betriebsordnung geregelt ist, zwei Abdrucke der Betriebsordnung dem Statistischen Reichsamt, Abteilung für Sozialstatistik, Berlin, einzufenden hat.

Der Treuhänder der Arbeit für das Wirtschaftsgebiet Hessen: gez.: Schwarz.

nicht mehr zu ändern ist?! Ich bleibe nun hier. Und der Traum von großen Gagen, einem eigenen Auto, Männern, die mir zu Füßen liegen,

der schon eine große Anzahl der Angehörigen der Gießener Teilnehmer des Festzuges Platz genom­men hatten, fand der Festzug seine Auflösung.

Während die Gießener Gäste in die Turnhalle einzogen, wurden die übrigen Volksgenossen, ins­besondere die SA., auf die einzelnen Gasthäuser oerteiltt, um hier die Uebertragung der großen Rede des Führers und des Reichsbauernführers D a r r £ zu hören. Bis zu diesem Zeitpunkt sang man gemeinschaftliche Lieder, die Musikkapelle, ver­stärkt durch die Kapelle der Feuerwehr, umrahmte mit ihren vorzüglichen Darbietungen das Programm. Viel Beifall fand auch die Rhongrrrppe des Ver­suchsgutes, die Gedichte vortrug und gemeinschaft­liche Lieder fang. Als Vertreter der Heuchelheimer Bauernschaft richtete Bürgermeister Rinn (Heu­chelheim) eine Ansprache an die Versammelten. Sein besonderer Gruß galt den Gästen aus Gießen, die gekommen seien, um gemeinschaftlich mit der Landbevölkerung den Tag des Bauern zu feiern. Dank der Maßnahmen der Reichsregierung fei heute das Erntedankfest zu einer Sache des gesamten deutschen Volkes geworden. Im Sinne dieser Maß­nahmen liege es, daß bie Stadtbevölkerung auf das Land ziehe, um damit die Verbundenheit mit der Heimaterde zu dokumentieren. Das Erntedank­fest fei ein Fest der Freude; mit feierlichem Gottes­dienst fei es in Heuchelheim begangen worden. Das Alter, die Jugend und alle Teilnehmer müßten sich freuen und das Bewußtsein mit nach Hause neh­men, daß wir einen Führer und e i n Deutsch­land hätten.

Nach den mit großem Beifall aufgenommenen Ausführungen von Bürgermeister Rinn folgte die Uebertragung der beiden Hauptreden auf dem Bückeberg. Die Uebertragung der Reden war sehr gut, und ergriffen lauschte die Volksgemeinschaft den Worten des Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler und den Ausführungen von Reichsbauern­führer Walter D a r r 6. Als zum Schluß der Füh­rerrede das Horst-Weffel-Lied ertönte, erhoben sich sämtliche Volksgenossen spontan von ihren Plätzen, um gemeinschaftlich bas Lieb mitzufingen; gemein­schaftlich würbe auch bas Deutschlandlied gesungen.

Damit hatte ber offizielle Teil ber Veranstaltung seinen Abschluß gefunben. Die Gießener Gäste be­gaben sich nunmehr in ihre Quartiere, um hier von ihren Gastgebern mit bem Besten, was Küche unb Keller boten, bewirtet zu werben.

Nachdem man sich gestärkt hatte, versammelte man sich am Abend wieder in der Turnhalle. Ge­meinschaftliche Lieder, Musikvorträge und Darbie­tungen der Rhöngruppe wechselten in bunter Reihenfolge. Aber auch bas Tanzbein würbe eifrig geschwungen, unb insbefonbere bie Jugenb ist babei voll auf ihre Kosten gekommen. Im Verlaufe des Abends ergriff Ortsgruppenleiter Thomas (Gie­ßen) das Wort zu kurzen Ausführungen, in denen er mit warmen Worten feinen Dank und den Dank der gesamten Ortsgruppe für bie Gastfreunbfchaft

M kleine MM.

Vornan von Gert Gothberg.

Urheberrechtsschutz: Füns-Türme-Derlag, Halle (S.).

miete Zimmer. Klein und bescheiden zwar, aber ®e^.en^,en un& - .. q ~ -

immerhin ist's doch ein Dach über dem Kopfe. Unb lJ* Ian0J! "usgetraumt. Ich bleib also vorläufig - geschützt sind Sie bei mir auch. Das wollt' id) ""d "enn es mal wieder besser wird im

Ihnen bloß noch sagen" \ alten schonen Deutschland, dann werde ich mir

Käthe sah die kleine Dame an. Wie aus einer irgendeinen anderen Beruf suchen."

anderen Welt kam die ihr vor mit ihrem verhutzelten Gesicht und dem großen altmodischen Hut mit dem ziegelroten Federstutz.

Noch einmal sah das Mädchen der alten Dame in bie Augen, bann ging Käthe mit.

Ein neuer Lebensabschnitt begann.