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Nr. 125 Erstes Blatt

184. Jahrgang

Zreltag.I.Iiml 1934

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General-Anzeiger für Oberhessen

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Reaktion in Frankreich.

23on Or. Max Clauß.

Der blutige 6. Februar in Paris hat nicht zur Revolution, sondern zu einer kalten Reaktion ge­führt, die durch die Autorität des alten Herrn Doumergue gedeckt und mit dem vaterländi­schen Begriff derNationalen Einigung" schonend umschrieben wird. Die Abgeordneten­kammer, seit beinahe sechzig Fahren der selbstbe­wußte Mittelpunkt der Republik, hat nicht nur die Mär^Ermächtiaung gegeben, sondern am Samstag vor Pfingsten bereits zum zweiten Mal abgedankt. Mit 360 gegen 205 Stimmen wurde jede innerpoli­tische Aussprache abgelehnt, weil die Regierung Doumergue darauf die Vertrauensfrage gestellt hatte. So trat die großeLinkspartei" der Radi- kal-Sozialisten unmittelbar nach ihrem außerordentlichen Kongreß von Clermont-Ferrand bedingungslos an die Seite der Rechts­gruppen und machte aus derenreaktionärer" Minderheit einest a a t s e r h a l t e n d e" Mehr­heit von beachtlichen Ausmaßen. Von den bei­den politischen Staatsministern, die als Geiseln des Burgfriedens vor einem Vierteljahr ins Kabinett ausgenommen worden waren, erscheint der radikale Führer Herriot samt seiner breiten Gefolgschaft heute schon ein Gefangener seines antidemokrati­schen Gegenspielers Tardieu. Die paar Fung- radikalen, die gegen die Regierung gestimmt haben, machen dabei ebensowenig aus wie die in Clervnont-Ferrand abgesplitterte Gruppe Cudenet. Auch die Neu-Sozialisten, die soeben in Paris tagten, sind in ihrer Bewegungsfreiheit ge­hemmt durch die Anwesenheit ihres Freundes, des Arbeitsministers M a r q u e t, im Kabinett. Vor allem aber ist dieLinke" gründlich zerstört, weil niemand mehr den hoffnungslos beschränkten Marxisten Leon Blums die Hand reichen kann und will. Frankreich besitzt heute, als erstes Er­gebnis der allgemeinen Zeitentwicklung, e'i n gleichgeschaltetes Parlament und eine autoritäre Regierung. Wo aber bleibt die neue Volksgemeinschaft, die bei uns im Nationalsozialismus sieghaft zum Durch­bruch gekommen ist?

Volksgemeinschaft setzt ein durchgehendes B e - wußtseinsozialerZusammengehörig- k e i t und Verantwortung voraus, und gerade dieses Gefühl ist beim Franzosen in verhängnisvoller Weise verkümmert. Man kann sogar ohne Ueber- treibung sagen, daß das Mißtrauen aller gegen alle im Land regiert, und daß das Ideal der französischen Demokratie mehr und mehr einer zuchtlosen Anarchie ähnlich zu werden droht. Die große Revolution von 1789 hat die staatsbürger­liche Gleichheit verwirklicht, den bürgerlichen Be­sitz in Stadt und Land jedoch aufrechterhalten. So ist der kleine und mittlere Eigen­tümer das Maß aller Dinge geworden, und seine hervorstechenden Züge wiederum sind in einem Volk, das zu mehr als der Hälfte aus Bauern besteht, sparsam und streng rechtlich, allein zugleich eng und kleinlich bis zum Geiz. Die erste Nachkriegszeit hat dank Poincarös Eingreifen 1926 keine ernstliche Inflation gebracht, und die später ausgebrochene Wirtschaftskrise machte zwar Der schwunghaften Spekulation ein Ende, den Wert des Geldes als Spargut aber hat sie eher noch ge­steigert. Derselbe Bürger, der sich mit Recht über Den Stavisky-Skandal und die mit der Politik in unanständiger Verbindung stehendenDiebe" ent­rüstet, kommt nicht auf den Gedanken, daß d i e 40 Milliarden Francs gehortetes Geld einen unerlaubten Dieb stahl an der Volkswirtschaft bedeuten. Der Staat ist für ihn vor allem der verhaßte Fiskus, und deswegen waren z. B. Doumergues Abstriche an den staat­lichen Gehältern und Pensionen sofort populär. Ja vielleicht haben die ersten Notverordnungen haupt­sächlich aus dem Grund die Renten wieder zum Steigen gebracht, weil Bürger und Bauern, deren Geschäfte schlecht und schlechter gehen, jetzt sehen, daß auch dieprivilegierten" Beamten und Angestellten in den sauren Apfel beißen müssen. Ein solches tiefeingewurzeltes Gefühl, als sei jede Be­rufsgruppe, jeder Stand des anderen Feind, bedeutet jedoch natürlich das genaue Gegenteil der schöpferischen Kräfte, die in anderen Ländern aus dem in Leid und Opfer ge­wonnenen sozialen Erlebnis wachsen.

Die soziale Erstarrung droht zur nationalen Verkrampfung zu werden, wenn der Fran­zose sich der großen und schrecklichen Erinnerung an den Weltkrieg hingibt und nur noch an seine angeblich ewig bedrohteSicherheit" denkt. Diese Haltung ist nun dem nationalsozialistischen Deutschland und seinem klaren Anspruch auf Gleichberechtigung gegenüber wieder weitgehend Tatsache geworden, und die Regierung Doumergue zögert nicht, dieäußere Gefahr" als treibendes Element in ihre Innen­politik einzusetzen. 3'/2 Milliarden zusätzliche Rüstungskredite sind so gut wie bewilligt, eine Wiedereinführung der zweijährigen Dienstzeit steht bevor, und so stark ist der allgemeine Pessimismus und die Angst vor dem erwachenden Deutschland, daß niemand aufbegehrt. Wahrscheinlich allerdings ist die Zeit noch nicht gekommen, wo die A n g st vor der Isolierung im französischen Volk stärker wird als der deutsch-feindliche Reflex von 1914. Inzwischen drückt der hochgerustete Staat wie ein Bleigewicht auf die internationale Zukunft und stellt die deutsche Geduld auf harte Proben. Denn wo gestern nur ein Unterschied der politischen Temperamente und der historischen Erfahrungen festzustellen war, klafft heute ein Abgrund zwischen französischer Reaktion und deutscher Revolution. Der Nachbar, der sich selbst in nichts verändert hat, will einfach nicht glauben, daß unser Nationalso­zialismus das gerade Gegenteil eines rück»

Am Totenbett der Abrüstungskonferenz.

Heute ein kritischer Tag in Genf.-Oie englischen Blätter erwarten das Scheitern derKonferenz

London, 1. Juni. (D11B. - Funkspruch.) Der Lordgeheimsiegelbewahrer Eden hielt Donners­tagabend von Genf aus eine Rundfunkrede, in der er sagte, die Hoffnungen auf eine erfolg­reiche Beendigung der Abrüstungskonferenz, die bereits vorher schwach gewesen seien, feien nach Schluß der Sitzung am Mittwochabend (gemeint ist natürlich nach der Rede Barthous) noch geringer geworden. In den 18 Monaten, in denen er, Eden, an der Konferenz feilgenom­men habe, seien viele Wechselfälle und einige kri­tische Augenblicke zu verzeichnen gewesen, aber niemals feit Beginn der Konferenz feien d i e Aussichten f o schwarz gewesen wie jetzt. Eden fügte hinzu, er habe eine düstere Schilderung der Aussichten gegeben, aber es sei ihm nichts an­deres übrig geblieben, wenn er offen sprechen wollte. Die tatsächliche Lage sei so, daß ein all­gemeines Abkommen im gegenwärtigen Augenblick unmöglich sei, wenn weder Frankreich noch Deutsch­land ihre letzten Erklärungen abänderten.

*

Die Meldungen der englischen Morgenblätter aus Genf sind in dem gleichen pessimistischen Ton gehalten; sie bezeichnen es als fast unvermeidlich, daß der heutige Tag das Ende bet Abrü­stungskonferenz bringen werde. An diesen Erwartungen ändern auch nichts die Nachrichten von dentapferen Bemühungen" der kleineren Mächte, die die Denkschrift vom 14. April verfaßt haben, also Spanien, die Schweiz, Holland, Schweden, Norwegen und Dänemark. Diese Staaten sind zweifellos durch die Zustim­mung, die ihnen der englische Außenminister Sir John Simon in seiner gestrigen Rede erteilt hat, in ihren Vermittlungsbestrebungen ermutigt wor­den. Fm Gegensatz zu Frankreich tritt diese Gruppe bekanntlich für eine tatsächliche Durchführung der Gleichberechtigung und für eine Aner­kennung einer begrenzten Rüstungs- Verstärkung für Deutschland ein, ver­langt aber gleichzeitig erhöhte Sicherheits- garantien und ein geringes Maß tat­sächlicher Abrüstung.

Der Genfer Korrespondent desDaily Tele­graph" sagt in seinem Bericht, es herrsche eine 2l r t Verzweiflung. Allerdings würden die sogenannten neutralen Mäche heute ein Abkommen Vorschlägen, das im Einklang mit ihrer Erklärung vom 14. April stehe. Die Vereinigten Staa- t e n und die Sowjet-Union würden diesen Vorschlag unterstützen. Da Frankreich es be­reits abgelehnt habe, die wesentlichen Punkte dieser Vorschläge in Erwägung zu ziehen, so sei es zweifelhaft, ob ihre Erörterung Wert habe. Einen anderen Erörterungsgegenstand könnte Litwi- n o w s Anregung bilden. Henderson habe gestern erwartet, daß Litwinow eine Entschließung einrei­chen werde, aber dieser habe es nicht getan. Statt dessen habe er Unterredungen mit Benesch, Titu- lcscu und Rüschdy Bey gehabt, dessen Vorschlag auf Wiederbefestigung der Dardanellen anscheinend sehr gut in den russischen Plan des gegenseitigen Beistandes hineinpasse.

Der Berichfersfaffer desDaily Heralb" fagf, die Annahme, daß Barthous erstaunliche An­griffe auf Sir John Simon nur auf eine plötz­liche Gereiztheit zurückzuführen gewesen feien, sei dadurch zerstört worden, daß das fran­zösische Kabinett die Rede aus­drücklich gebilligt habe. In weiten Krei­sen herrsche die Meinung, daß Barfhou nicht nur Frankreichs Haltung gegenüber der deut­

schen Aufrüstung habe klarmachen wollen, son­dern daß er auch zeigen wollte, daß Frank­reich jetzt mehr aus Rußland als auf England als seinen Berbün- beten für die Sicherheit blicke.

DerTime s"-Berichterstatter sagt in seiner Meldung aus Genf, wenn kein Wunder geschehe, bann könne bie Abrüstungskonferenz schwerlich fortbauern. Barthous Rebe habe bie letzten Hoffnungen auf fruchtbare Vereinba­rungen zerstört. Sie habe zum minbeften für 1 ben Augenblick jeber Form eines Kompro­misses bie Tür verschlossen. Obwohl es bie britischen Vertreter beutlich gemacht hätten, baß ihre Bereitschaft zu privaten Erörterungen mit ben l Franzosen burch bie Rebe Barthous keineswegs | oerminbert worben fei, fei am Donnerstag keine Besprechung angesetzt worden. Die 1 Kluft zwischen dem britischen und dem französischen Standpunkt bleibe vorläufig bestehen. Simon habe I zum erstenmal angedeutet, daß die britische Regie- rung der langwierigen Erörterungen | m ü b e sei. Vielleicht habe sie gefühlt, baß ber Gegensatz zwischen ber britischen unb ber französi­schen Politik unüberbrückbar sei.

Den französischen Kreisen sei es anscheinend selbst unbehaglich geworden, wegen des

vollkommenenRein Barthous. Die stärk­sten Ausfälle Barthous seien übrigens aus dem stenographischen Bericht gestrichen worden, aber wenn man die Rede zusammen mit der Litwinows gelesen habe, dann zeige sich, daß eine vorsätzliche Weichenstel­lung von dem Abrüstungsgleis auf das Sicherheitsgleis vorgenommen worden sei. Die einzige schwache Möglichkeit, die sich noch zeige, sei eine Bewegung in Rich­tung aus den italienischen Plan.

Der Berichterstatter wendet sich dann gegen Ifl« cherliche Spekulationen der französischen Politik, bie an sich keiner Widerlegung bedürften. Der Bericht« erftatter erklärt, die Haltung der französischen Re« gierung sei teilweise beeinflußt gewesen von einer naiven Spekulation auf einen Sturz Hitlers. Die französische Politik sei von dem Glauben beeinflußt, daß das französische Nein Hit­ler in die Enge treibe und daß dieser daher i n sechs Monaten mehr Bereitschaft zeigen werde, als jetzt, auf den Anspruch auf Aufrüstung zu verzichten. Diese französischen Hoffnungen wider­legt berTimes"-Berichterstatter bamit schlagend, baß er erklärt, alle, bie in letzter Zeit über Deutsch- lanb Erfahrungen gesammelt hätten, seien der An­sicht, daß fick diese Spekulation aus sehr zwei­felhafte Annahmen gründe.

Oie Feier des Gkagerrakiages.

Oer Reichsbischof spricht

Berlin, 31. Mai (DNB.) Als Auftakt der Feiern am Skagerrak - Gedenktag in der Reichs- Hauptstadt fand heute um 8 Uhr am Skagerrak- Platz am Tiergarten eine feierliche Flaggen­parade statt, die mit einem Platzkonzert ver­bunden war. Außer der in Berlin weilenden 4. Marine-Artillerie-Abteilung waren die Marine- Vereine unb Verbänbe von Groß-Berlin, ferner bie Marinestürme ber Hitlerjugenb und bie Tech­nische Nothilfe angetreten. Konterabmiral a. D. Lützow erklärte, wenn auf bem Skagerrak-Platz heute bie Flaggenparabe in berselben Form wie an Borb ber Kriegsschiffe erfolge, so solle bamit zum Ausbruck gebracht werben, baß Seefahrt unb See­geltung nicht Befriebigung romantischer Wünsche eines kleinen Teiles ber Bevölkerung, fonbern ein Lebensbedürfnis bes ganzen beutschen Volkes feien. Die See fei bas wichtigste Tor zur Welt, unb biefes Tor bürfe uns nicht zugeschlagen werben.

Nach berVerglasung" (Zeitangabe) burch vier Dvppelschläge an ber alten Schiffsglocke bes großen KreuzersMoltke", ber 1919 bei Scapa Flow versenkt würbe, unb ber Flaggenhissung spielte bie Kapelle ben Präsentiermarsch ber beutschen Marine unb anschließenb bas Deutschland unb Horst-Wessel- Lieb. Dann zogen bie Formationen zum Ehren­mal, wo R e i ch s b i s ch o f M ü l l e r ber 35 000 Gefallenen ber Marine gebuchte. Voll großer Dankbarkeit gegen ben ewigen Gott hätten wir 14 Jahre hinburch in unserer Seele bie Gewißheit getragen, baß einst bie Stunben kommen müsse, wo bie blutige Saat unserer gefallenen Helben aufgehen müsse. Heute könnten wir sagen, sie seien nicht umsonst gefallen. Nicht Hurra-Patrio­tismus, fonbern Arbeit unb fchweigenbe T a t feien wir unseren Toten schulbig. Jeber, wo er auch stehe, bet biefe Einheit auch nur leise störe, oerfünbige sich an Volk unb Vaterlanb unb an bem Gebächtnis unserer Toten. Es gelte, bas Vater­lanb zu schirmen unb zu schützen mit ber ganzen

am Berliner Ehrenmal.

Kraft unserer Seele. Nachbem bas Lied vom guten Kameraden verklungen war, zogen bie Fahnen- aborbnungen in ben Jnnenraum bes Ehren­mals, wo Aborbnungen ber Verbänbe Kränz« überlegten. Der Reichsbischof schloß bie Gedenk- ftunbe mit einem Vaterunser. Gegen 13 Uhr schwenkte die W a ch a b t e i l u n g in bie Wilhelm- straße ein. Im Parabemarsch zieht sie an bem greifen Generalfelbmarschall vorüber, während di« Wachmannschaften in ben Vorgarten einschwenken. A u f bem Balkon steht ber Reichspräsi­dent. Donnernde Heilrufe bringen aus ber Wil- helmstraße herüber. Er bankt unb grüßt immer roieber unb folgt mit großem Interesse der Ablösung. Aus ber Ferne klingt bereits bie Marsch­musik ber zum Reichswehrministerium weiterziehen- den Marine-Wache, als bie Menge bie Absperrung mit bonnernben Heilrufen auf ben Reichspräsibenen burchbricht.

In Kiel fand vor Tausenden von Zuschauern eine Parade der Reichsmarine statt, in deren Mittelpunkt eine Rede des Stationschefs Vizeadmiral Albrecht stand. Auf dem grünen Rasen hatten im großen Viereck sämtlich« Flottenteile des Standortes Kiel Auf­stellung genommen, ferner eine Abordnung bes gegenwärtig in Kiel weilenben Schulschiffes D e u t f ch l a n b", Polizei, Mavine-SA., SA., SS^ NS.-Frontkämpferbunb, Marinevereine, Kyffhäuser- bunb, eine Abvrbnung vom 3. Geschwader, der Freiwillige Arbeitsdienst, Teno,. NSBO., und Ar­beitsfront. Bei präsentiertem Gewehr der Truppen­teile erklang spontan von der Menge gesungen das Deutschland- und Horst-Wessel-Lied marchtvoll über bas weite Gelänbe. Anschließenb marschierte di« Marine im Paradeschritt am Stationschef vorbei. 2In der Parade nahm auch eine zu Studienzwecken in Kiel weilende chinesische Kommission teil, bie vorher am Marine-Ehrenmal in Laboe an ber Förbe einen Kranz niebergelegt hatte.

ben, bie phantasielos unb träge genug ist, sich eine französische Volksgemeinschaft nur im Schützengra­ben vorstellen zu können.

Berlin, 30. Mai. (DNB.) Im Herrenhause fanb eine öffentliche Kundgebung statt, in ber ber Reichskommissar für bas Sieblungswesen, Staats­sekretär Feber, bie Gesichtspunkte entwickelte, nach denen bie großen Aufgaben des beutschen Sieblungswerkes burchgeführt werben sollen. Ver- ftäbterung bringt bie schwersten Gefahren für Wachstum unb Bestaub ber Nationen mit sich. Der zerstörende Einfluß ber Großstabt auf Volksgesund­heit und Kinderreichtum macht die Altstabtsa­nierung zu einem untrennbaren Teil des deut­schen Sieblungswerkes. Die Auflockerung ber Groß- ftabt stellt uns vor große gesetzgeberische Aufgaben, wie sie nicht minber bie Möglichkeit zu großartigen baukünstlerischen Leistungen eröffnet. Die grünbsätz- lichen Fragen ber Baupolizei werben einer eingehen- ben Revision unterzogen werben müssen, unb bie Schaffung eines allgemeinen Reichsbauge­setzes wird zur zwingenden Notwendigkeit.

Als entscheidender Wendepunkt schwebt mir der Gedanke vor, neue Land- unb Kleinstäbte zu bauen unb ihnen auch bie wirtschaftliche Existenzgrunblage zu sichern. Die Stand­

sichtslosen Imperialismus darstellt. Noch immer Zögert die Pariser Politik, sich zu der Achtung vor dem fremden Volkstum und feinen unveräußer­lichen Rechten zu bekennen, die uns selbstverständ­lich ist. Unb boch liegt in einem fommenben Ver­trauen von Volk zu Volk, genau wie im tätigen Vertrauen unter ben eigenen Volksgenossen, bie einzige Möglichkeit, ben gefährlichen Bankerott ber papiernen Genfer Verstänbigung roieber gut­zumachen.

Wir bürfen an einer enblichen Wenbung ber Geister in Frankreich trotz allem nicht verzweifeln, benn ohne sie ist ein befriebetes Europa unb also auch ein glückliches Deutschland» auf bie Dauer nicht ZU benken. Das fühlen bie jungen Fran- Z o f e n , von ben Frontkämpfern angefangen, na­türlich auch, unb zwar teilweise sehr stark unb ehrlich. Allein noch ist es ihnen nicht gelungen, bie heilige Flamme bes Volksbewußtseins so rein unb stark zu entfachen, baß sie bie Kruste eines ur­alten Mißtrauens im Innern unb nach außen wegschmilzt. So bleibt ber Welt nichts übrig als bie Hoffnung auf bie wirkenbe Kraft ber Zeit, ge­mäß bem allgemeinen Gesetz, wonach bie bloße Reaktion nie bas letzte Wort sein kann. Mit ruhi­ger Entschlossenheit geht Deutschlanb seinen verant­wortungsbewußten Weg, unbekümmert um alle Verbächtigungen unb nur feiner inneren Erstar­kung unb (Befunbung zugewanbt. Diese Haltung wird auf bie Dauer nirgenbs ihren Einbruck ver­fehlen unb brüben ber Reaktion ihr Spiel Derber«

Die Ziele des deutschen Siedlungstverks

Grundlegende Ausführungen des Gtaatssekreiärs Feder.

angewiesen finb. Alle übrigen können mehr ober weniger überall angefiebelt werden, wenn nur für die Lösung ber verkehrspolitischen unb energiewirt­schaftlichen Fragen Vorsorge getroffen

Für bie Bautätigkeit mußte sich ber hoh < Zinsfuß gerabezu wie eine Sperrklinke aus­wirken. Es kann nicht weiter verantwortet werden, im großen Ausmaß öffentliche Mittel für Wohnungsbau zur Verfügung zu stellen, falls dies nicht in einer gewissen Uebergangszeit sich als notwendig erweisen sollte, bis eine einheitliche Re­gelung der Finanzierung burchgeführt sein fann< Da bie gewaltigen Mittel ber Arbeit-« front nicht zinskapitalistischen Zwecken, sondern nationalwirtschaftlichen Aufgaben zu dienen haben, unb ba es sich um Beiträge hanbelt, bie an sich nicht zurückerstattet, fonbern nur im Dienste Del Allgemeinheit bestens verwaltet werden müssen, gibt es für sie kaum eine bessere Verwendung, als Hunderttausenden bie Möglichkeit zu schaffen, wie- ber mit Heimaterde unb Heimcttbvben verwurzelt zu werben. Auswahl unb Betreuung der Siedler wird eine besonders wichtige Aufgabe des Heim« ftättenamts der D A F. fein. Wenn wir 1000 neue Städte bauen ein kühnes Wort, und doch für ein halbes Jahrhundert rooM nur ein Mindestmaß, denn 1000 Städte von 1<S bis 15 000 Seelen sind doch erst 10 bis 15 Miltto«

ortfrage tritt in den Vordergrund, und not­wendigerweise verbindet sich mit bem Siedlungs­werk bas so wichtige Gebiet ber Industrie- Verlagerung. Standortgebunden sind nur Jn- 1 buftrien, die auf die Fundorte der Bodenschätze