helft alle durch Enver- von Abzeichen das heroische Hilfswerk des Führers zum vollen Erfolg werden zu lassen!
»Oie Gefolgschaft des Glaubens marschiert/'
Die Feierstunde im Gloria-Palast am morgmen Sonntag beginnt pünktlich 10.15 Uhr. Politische Leiter, NSBO.-Bereitschaft, 62L, SS., HI., BDM., Werkscharen, Arbeitsdank, DJ., eine Trachtengruppe und Wehrmacht wirken bei der Aufführung mit. Man beachte die heutige Anzeige.
Ortsgruppe Gießen-Süd.
Mnterhilfswerk 1936/37. — Kohlenscheinabrechnung.
Die Kohlenhändler werden aufgefordert, die in Zahlung genommenen Kohlengutscheine „Serie Ä" am Mittwoch, 4. November, von 19 bis 20 Uhr auf unserer Geschäftsstelle, Crednerstraße 24, einzureichen. Später eingereichte Gutscheine werden nicht mehr angenommen.
Hitler-Zugen- Bann 116 Gießen.
Velr.: HJ.-Leiflungsabzeichen.
Abnahme im Entfernungsschätzen und in den Leibesübungen. Zeit und Ort: Sonntag, 1. Nov., morgens 9 Uhr, Universitätssportplatz. Jgg. von allen Geff. können sich daran beteiligen.
Beir.: Pressemeldungen.
Die Pressestelle macht darauf aufmerksam, daß in Zukunft Berichte und Meldungen nur dann veröffentlicht werden können, wenn sie in drei- facher Ausfertigung der Pressestelle abgeliefert werden.
Folgende Heimabende werden besucht:
3. Nov.: Alten - Buseck, Lang • Göns.
4. Nov.: Leihgestern, Klein-Linden, Reiskirchey, Grünberg, Weikartshain, Göbelnrod.
5. Nov.: Großen-Linden, Heuchelheim.
Urlaubsfahrt der Kreisbauernschast.
Bon der Kreisbauernschaft Oberhessen-West wird uns mitgeteilt:
Am 21. November unternimmt die Kreisbauern- schäft Oberhessen - West eine achttägige Urlaubs- fahrt mit Ortsgefolgschaftswarten und Reichsnährstandsangehörigen in die Umgebung von Goslar. Die Fahrt wird mit einem Omnibus durchgeführt. Die Teilnehmer können einen achttägigen Urlaub im schönen Harz verbringen, an den Beranstaltun- aen des Reichsbauerntages und an verschiedenen Besichtigungen des Harzes und der Umgebung, und zum Abschluß an einem Kameradschaftsabend teilnehmen. Die Kreisbauernschaft erwartet von den Gefolgschaftswarten und Reichsnährstandsangehörigen, daß sie sich bis zum 1. November bei der Kreisbauernschaft Oberhessen-West in FriedbexZ^ Homburger Straße 9, für diese Fahrt anmelden. Der Unkostenbetrag beträgt für die Hin- und Rückfahrt und Verpflegung 20 Mark.
** Eine Siebzigjährige. Am morgigen Sonntag kann Frau Katharina Volz, Krofdorfer Straße 21, in voller Rüstigkeit ihren 70. Geburtstag feiern.
** 30 Jahre Gastwirtschaft „Zum Adler". Am morgigen Sonntag können der Gastwirt Heinrich Jung und seine Frau kurzweg das „Lisbethche" genannt, ein Jubiläum feiern. Seit dreißig Jahren führen sie ihre Gastwirtschaft und haben sich durch Fleiß und stete Zuvorkommenheit das Vertrauen ihrer Gäste erworben. Besonders lst das Lokal als „Soldatenwirtschaft" weit und breit bekannt und für die Soldaten selbst sind viele Erinnerunaen damit verbunden. Während des Krieges schickte das Ehepaar manchem alten Stammgast Liebespakete. Durch Fleiß und Sparsamkeit gelang es ihnen, das Haus Marktplatz 20 käuflich zu erwerben.
** Die Grund stücksenteignung zum Zwecke der Erbauung eines Lazaretts in Gießen betrifft eine Bekanntmachung der Büraermeisterei in unserem heutigen Anzeigenteil. Es sei besonders darauf aufmerksam gemacht.
Und wieder sammelt die SA. für das Winterhilsswerk!
Zum vierten Male ziehen am kommenden Samstag und Sonntag die 52L, SS. und das NSKK. in den Kampf gegen Hunger und Kälte.
Volksgenossen, denkt daran, daß es dem Führer nur durch unsagbar große Opfer gelungen ist, das heutige neue Deutschland zu errichten.
Zeigt euch dankbar und verbunden mit dem Führer und seinem Werk, das er für euch geschaffen, und gebt den braunen Kämpfern am Samstag und Sonntag reichlich und freudig!
Der Führer der SA.-Standarte 116.
Standartenführer.
MZahre Einigungswerk der ÄeuischenZugend.
Kundgebung des Gießener Jungvolks auf dem Brandplah.
Wieder einmal marschierte gestern das Jungvolk unserer Stadt, der Stamm der Chatten, in geschlossenen Kolonnen — voran die Spielmannszüge mit Trommeln, Landsknechtstrommeln, mit Pfeifen und Fanfaren! Auf dem Brandplatz sammelten sie sich und nahmen in einem großen Viereck Aufstellung. Der Anblick, den das Jungvolk gestern zu abendlicher Stunde bot, war, in symbolischer lieber» tragung, der einer kraftvollen Geschlossenheit; die Jungens standen wie eine schwarze Mauer und verkörperten die Einheit der deutschen Jugend allein schon durch dieses gemeinsame disziplinierte Auftreten. Trommeln und Fanfaren klangen über den Platz und eröffneten die Kundgebung. Das Lied „Lasset im Winde die Fahnen wehen!" folgte, Spruchworte von tiefem Gehalt wechselten mit weiteren Liedern ab und leiteten dann über zur Ansprache von
Zungbannführer Taesler.
Vor fünf Jahren wurde, so sagte er u. a., Baldur von Schirach vom Führer beauftragt, die deutsche Jugend zu einigen. Es wurde die Reichsjugeno- führung geschaffen. Adolf Hitler gab dem Reichsjugendführer den Befehl, die deutsche Jugend zusammenzufassen. Der Befehl ist nicht nur ausgeführt worden — sondern er wurde auch noch übertroffen.
Die ganze deutsche Jugend lst geeint. Sie steht unter einer Führung, ist erfüllt von einem einzigen Willen, von einer einzigen Idee.
Vor fünf Jahren tobte noch Kampf in Deutschland, herrschte fast ein Bürgerkrieg. So wie damals
die Erwachsenen gegeneinander standen, so kämpfte auch die Jugend gegeneinander, denn es gab nicht nur die Jugendabteilungen der Parteien, sondern noch Hunderte von Gruppen und Grüppchen, die alle ein Lebensrecht verteidigen zu müssen glaubten. Und in jener Zeit entstand das Werk des Reichsjugendführers! Es war klar: alle diese Gruppen und Grüvpchen mußten zerschlagen werden! Heute, nach fünf Jahren, ist das Werk vollbracht. Aber so mancher hat für das große Werk sein Leben lassen müssen. Auch ein Herbert Norkus diente mit seinem Leben der großen 3bee. Der Kampf ging um die große Gemeinschaft der deutschen Jugend. Mancher Bund mußte gezwungen werden, sich aufzugeben, um sich in die ganze deutsche Jugend einfügen zu können. Heute ist es nun soweit, daß wir nichts anderes mehr kennen, denn HI., BDM. und Jungvolk. Unter dem heutigen Tag wollen wir uns deshalb verpflichten, daß das, was geschaffen wurde, immer erhalten bleibt.
Heute, an diesem Tage nach fünf Jahren des Kampfes der Reichsjugendführung um die Einigung der deutschen Jugend, wollen wir uns verpflichten, daß es nie mehr zur Zerreißung der deutschen Jugend kommt, denn wenn die Jugend einig bleibt, dann muß Deutschland einig bleiben, leben und blühen...
Mit einem Gruß an den Führer und mit dem gemeinsam gesungenen Lied „Vorwärts, vorwärts!" fand die Kundgebung ihren Abschluß. Aus einem Marsch durch die Stadt dokumentierte die Jugend dann sinnfällig ihre äußere und innere Geschlossenheit.
Oie „Gießener Hütte".
Von Or. Hermann Otto Vaubel.
Am 14. November 1936 feiert die Sektion Gießen-Oherheisen des Deutschen und Oesterreicylschen Alpenvereins ihr öchähriges Bestehen. Es ist außer den Mitgliedern der Sektion nicht vielen bekannt, daß sie in einem der schönsten und gewaltigsten Teile der österreichischen Alpenländer, In den Hohen Tauern, ein eigenes Heim besitzt, die „Gießener Hütte". Auf Wunsch der Sektion Gießen und Oberhessen geben wir dem nachstehenden Artikel Raum, der sich mit einem Aufsatz deckt, den der Verfasser in Nummer 1 und 2 des Jahrgangs 1925 der „Heimat im Bild" des Gießener Anzeigers bereits veröffentlichte.
D. Schriftltg.
Die östlichen Hohen Tauern werden gegenüber den westlichen stark vernachlässigt, denn, wer in die lauern geht, kommt meist wegen des Großglockners und des Großvenedigers. Und doch ist gerade der östliche Teil so reich, mit seinen tiefen, langen Tälern, an deren Wänden die Wasserfälle nieder- rauschen, und den blinkenden Gletschergivfeln der Hochalmspitze, des Ankogels, der Triestenspitze, des Zaubernocks und des Großen Reißecks, von denen der Blick schweift vom Triglav im Süden bis zum Watzmann im Norden und von den Dolomiten bis in die grüne Steiermark.
Bis hoch hinauf an den Berglehnen stehen die sauberen Kärntner Einzelhöfe, zum größten Teile aus Holz gebaut, mit tief heruntergebogenem
breitem Dach, ähnlich den Schwarzwaldhöfen, vnd Blumen vor den Fenstern. An den kleinen Bächen, die in den Bergrinnen von oben herabplätschern, klappern lustig viele kleine Holzmühlen, denn jeder Bauernhof hat seine eigene Mühle. In geschützteren Lagen ist die Vegetation schon ganz südlich, mit den Kastanienbäumen, den Maisfeldern, den riesigen Kürbissen und Melonen. Auffallend sind die vielen blonden Menschen, denen man unter den Bauern begegnet, doppelt auffallend hier im Grenzland gegen Jugoslawien. Als Grenzländer aber sind sie sich von jeher ihres Volkstums bewußt.
Hier in den östlichen Tauern, am Fuße der Hochalmspitze steht die „Gießener Hütte", in einer Höhe von 2230 Meter, da wo die grünen Almen ins Grau des Granitgerölls übergehen. Sie liegt am äußersten Ende des Gößgrabens, eines tiefeingeschnittenen Tales, das die Wasser sammelt, die von den Gletschern der Reißeckgruppe und der Hochalmspitze niederräuschen. In mehreren Stufen fallen die Hänge zum Talgrund ab. Die Grenze gegen den Himmel bilden die wilden Gipfelzacken. Ihre heftige Bewegung läuft unvermittelt in die sanfter geneigten Geröllhalden aus. An sie schließt sich die Region der Krüppelkiefern, der Latschen, die steil zum Talboden mederftürzt. Weiße Gießbäche, graue Granitabstürze und dunkelgrüne Latschenfläcken leiten zu ihm hinab. — Tag und Nacht tönt das Rauschen der Gießbäche zur Hütte herauf. Sonst kein Geräusch als das Brausen des Sturmes, der sich manchmal erhebt, oder das Plätschern des Regens.
Sie ist wirklich ein „schmuckes Kasterl", die Hütte, — wie sie der einzelgängerische österreichische Beamte aus Spital a. d. Drau uns gegenüber einmal bezeichnete. Das Obergeschoß, das auf dem granitenen Unterbau aufsitzt, ist freundlich geschindelt und farbig leuchten die roten und weißen Fensterläden aus dem Grau und Braun. Im Innern sind die Wände mit hellem, gelbem Zirbenholz getäfelt. Auf den buntgedeckten Tischen stehen Blumensträuße. Wenn es draußen stürmt und die Kälte einen hineintreibt, ist es am gemütlichsten in der warmen Führerecke in der Küche.
Es ist ein ganzes Stück Fahrt, bis man in die Gegend der Hütte gelangt. In München steigt man in den Schnellzug nach Triest, der über Salzburg— Schwarzach—St. Veit nach Bad Gastein fährt. Kurz dahinter braust er in den 8 Kilometer langen Tauerntunnel, in dem die Bahn das Haupt- massiv des Gebirges durchbricht. Am Ausgang des Tunnels liegt, 1200 Meter hoch, das Kärntner Dorf Mallnitz. Dort kann man übernachten und am nächsten Morgen den einen der beiden Hauptanstiege zur Hütte antreten. Er geht über das Dössental zum Artur v. Schrnid-Haus (4Vr Stunden) am schwarzen Dössensee, und bann in 2730 Meter Höhe über die Dössener (Mallnitzer) Scharte in den Gößgraben und hoch über dem Talgrund hin zur Hütte (3Vz Stunden). Es ist der kürzeste Zugang zur „Gießener Hütte", wenn man von Norden her, aus unserer Heimat, kommt. Für Geübte ist er leicht, nur bei ungünstigem Wetter zeigt er seine Tücken. In Nebel und Schneesturm ist er nicht zu empfehlen, da man bann leicht unterhalb der Mallnitzer Scharte in den Blockfeldern den Steig verliert.
Gänzlich gefahrlos ist der andere Zugang. Man fährt noch über Mallnitz hinaus weiter mit der Bahn bis nach Spital an der Drau. Auf dieser Strecke ist die Tauernbahn eine der schönsten Hochgebirgsbahnen der Welt. Hoch über dem Talboden fährt der Zug dahin. Ringsum weiße Schneegipfel mit riesenhaftem Ausmaß, drunten im Grün der Talsohle weiße Dörfer mit hohen, spitzen Kirchtürmen. Heber Viadukte, die kühn rauschende Sturzbäche überspannen, durch Tunnels und Lawinenschutzhallen braust der Zug hernieder ins Mölltal. In Spital verläßt man ihn und fährt mit dem Postauto an der schäumenden Lieser aufwärts nach Gmünd, wo man im österreichisch behaglichen Gasthof von Kohlmayr am besten unterkommt. Wenn man ihn nicht bereits kennt, wird man sich dort den ersten, richtigen österreichischen Kaffee im Glas servieren lassen. Von Gmünd fährt man bann noch weiter bis zum Pflüglhof im Maltatal, der an der
Seife 15u-25pf9-
■■■■■■■■■■■■■'•' G,esunde Haut |
MOenisoetM
ORoman von Ilse Schuster.
Copyright 1936 by Aufwärts - Verlag G. m. b. H., Berlin SW 68
38 Fortsetzung. Nachdruck verboten!
Leonhardt rasiert sich noch einmal, macht eine gehörige Plantscherei an der Wasserleitung, zieht sich frische Wäsche an und geht fort. Eine halbe Stunde später steht er in der Binger Straße und klingelt am Haus des Rechtsanwalts Dr. Brandes. Eine ältere Person macht ihm auf, und was er bann sieht, berührt ihn fast heimisch. Mitten in der Diele sitzt weiß und wie ein schönes Bild eine Katze. Für Sekunden kann er dem Tier in die blauen Augen sehen, bann erhebt es sich und ist mit einem Satz weg.
„Das Schneferl, nicht wahr?"
Die Köchin Ida weicht zurück. Sie kennt den Mann nicht, was weiß der von Hannas Schneferl — was will er bann —
„Herr Dr. Brandes kennt mich, Fräulein. Ich hätte ihn gern einmal gesprochen. Sagen Sie ihm bitte, ich käme aus Bayern."
Leonhardt im Wolde findet, daß der Nachsatz ganz angebracht ist, denn der Rechtsanwalt hat damals mehr scharfe Augen gemacht als ein besonders freundliches Wort. Auf Ida allein wirkt das wie ein Zauber.
„Aus Bayern — meiner Seel! Kommen Sie von Fräulein Hanna?"
„Ich sagte aus Bayern," ist die freundliche Antwort.
Ida weiß nicht recht, was sie tun soll. — Einen Fremden einfach ins Haus lassen — aber bann sagt sie „Bitte" und öffnet eine Tür. Lang braucht der Mann nicht zu warten, Brandes kommt sofort.
„Herr im Wolde — ick freue mich. Sie kommen aus Bayern, höre ich —"
„Ich bringe Ihnen Grüße von Ihrer Tochter, Herr Doktor."
„Bitte — erzählen Sie", fordert der Anwalt leise auf. Es hat ihm einen Stoß gegeben. Leonhardt hält sich nicht lange bei einer Vorrede auf, er erwähnt den Zufall bei der Prüfungsfahrt in Buchwald und fetzt hinzu, daß er tags darauf Fräulein Brandes besucht habe.
„Wo bitte?"
„Verzeihen Sie, Herr Doktor, wenn ich Ihnen
darauf die Antwort schuldig bleiben muß, ich habe den Auftrag, Sie zu grüßen und darf aus eigener Ueberzeugung hinzufügen, daß es Fräulein Brandes gut geht."
„Das ist mir sehr viel wert, Herr im Wolde, ich bin Ihnen außerordentlich dankbar für Ihren Besuch. Ich hätte gern mehr gewußt —", gibt er zögernd zu. Er weiß nicht, wie er sich diesem jungen, bestimmt auftretenben Manne gegenüber geben soll. Was der weiß — ob es mehr ist, als ihm als Vater lieb ist? Vielleicht märe Melanie bie geeignetere — bann verwirft er bas wieber, fordert aber im Wolde auf zu bleiben.
„Leider kann ich nicht annehmen, Herr Doktor, ich habe für diesen kurzen Berliner Aufenthalt sehr wenig Zeit und viel zu erledigen."
„Sie wollen weg von Berlin?"
„Ich will nach Bayern zurück, Herr Doktor." „Sie hatten doch eine Bücherei, nicht wahr?" „Ganz recht. Ich will sie einem Kameraden übergeben und selbst das Fach wechseln. Vom Buch zum Motor, Herr Dottor/
Das interessiert den Anwalt weniger, aber daß dieser junge Mann von seiner Tochter Grüße bringt, sie gesprochen hat und nun wieder zurück will, das interessiert ihn sehr.
„Wo werden Sie denn arbeiten, Bayern ist doch groß?", lockt er, Leonhardt begreift das sofort, er braucht nicht zu überlegen.
„In Unterwaching, im Konstruktionsbüro der Süddeutschen Motoren A.-G...."
„Sehr gut, Herr im Wolde. Was erfinden Sie denn da?"
„Allerlei, Herr Doktor."
Brandes lächelt.
„Unterwaching, die Gegend kenne ich ganz gut. Werden Sie meine Tochter noch einmal sehen?"
„Ick hoffe. Ich habe ihr sogar etwas auszurnh- ten. Ich soll sie fragen, wie es dem Schneferl geht." Nun lächelt der Jüngere der beiden Männer, sie sehen sich an und — verstehen sich.
„Gut, Herr im Wolde. Ich will mir daran genügen lassen, daß es meiner Tochter gut geht, obgleich ich — aber lassen mir bas. Sagen Sie ihr, daß ich mich über ihren Gruß gefreut habe, daß sich Prinzessin Schneferl durchaus wohl befindet und daß —" Der Anwalt wirb ironisch — „daß es auch uns gut geht."
„Herr Doktor — verzechen Sie, ich will mich nicht um Dinge kümmern, bie mich nichts angehen dürfen. Ick habe aber den Eindruck, daß Fräulein Hanna sich sofort meldet, wenn sie das vergessen hat, was sie vergessen will."
„Meine Tochter vergißt sehr schwer, Herr im Wolde. Ich weiß nicht viel von der Ursache ihrer plötzlichen Abreise — aber ich gestehe Ihnen offen, daß ich mich sehr sorge."
„Soweit ich dazu in der Lage bin, und soweit mir Ihre Tochter die Möglichkeit gibt, sie wieber» zusehen, möchte ich gern versuchen, sie ein wenig aufzuheitern. Ich darf mich wohl nun verabschieden —"
Es ist ein fester Händedruck, den die Männer tauschen.
„Ich danke Ihnen noch einmal, Sie werden verstehen, wenn ich Sie bitte, mir einmal eine Nachricht zukommen zu lassen, Herr im Wolde."
„3d) hoffe, daß Sie diese Nachricht von Ihrer Tochter selvst erhalten."
Dann steht Leonhardt wieder auf der Binger Straße. Er ist versucht, zu lachen. Das ist ja nun ein Gespräch, sehr wenig nach seinem Herzen gewesen, so Rechtsanwälte haben es in sich, wenn sie mißtrauisch sind und etwas wissen wollen —
Mit Mutter Ladegast wird er noch am selben Abend viel schneller fertig. Sie schwimmt im Namen ihres Jungen in einem Meer von Seligkeit, dazu tut sie ein übriges und bäckt den Beiden auf dem Gaskocher einen wunderbaren Eierkuchen und will sie dick mit Apfelmus bestreichen, das Fritz schleunigst noch vor sieben Uhr besorgen muß, natürlich rennt er um bie Ecke zu Liefe! Gottschalk.
„Leonhardt ist wieder da. Er will aber auch gleich wieder fort, und ich nehme die Bücherei!" sagt er atemlos.
„Nicht so schnell, Herr Fritz. Er ist da und will wieder fort, und Sie nehmen die Bücherei, was ist denn da passiert?"
Das Aepfelchen steigt von der Leiter wieder herunter und packt die Büchse Apfelkompott sorgsam ein.
„Sie wissen ja selber, wie bas so geht. Er ist durch seine Erfindung ein großes Tier geworben, er ist sogar schon angestellt. Jetzt bin ich ganz allein, Sie gehen ja nun auch bolb fort." Fritz greift sich bas Apfelkompott. „Wissen Sie was, kommen Sie doch mal mit rum, bann können Sie ihn ja selber fragen."
„Mach ich."
Im kleinen Galopp gehfs um die Ecke, schon im Interesse der Eierkuchen, bie vom Stehen ja nicht besser werden. Leonhardt freut sich und stiftet noch einmal Aufregung:
„Fräulein Hanna läßt schön grüßen."
„Sie sind wohl total verrückt. Kein Mensch hat eine Ahnung, und bann werden ausgerechnet Sie —" Liefe! ist beleidigt; wenn hier jemand was zu wiffey hat, wird sie bas sein. Aber sie muß sich enttäuschen lassen. Auch hier sagt Leonhardt nur das, was er sagen bars.
„Schreiben Sie mal ein paar nette Zeilen, Fräulein Liese!, die nehme ich bann mit, erzählen Sie ihr von Ihrem Plan, aufs Land zu gehen und —"
„Das ist kein Plan, sondern feststehende Tatsache. Ich gehe am 1. März nach Birkenhöhe und bin sehr, sehr froh darüber. Es ist auch sehr schnell gegangen. Herr Laverenz besuchte mich noch zweimal, fühlte mir schwer auf den Zahn, ob ich auch wirklich was von der Landwirtschaft verstehe, bann nahm er mich mal mit nach Birkenhöhe und ließ mich mit der Mamsell allein. Die hat mich auch nochmal in bie Zange genommen, aber mußte zugeben, daß ich doch noch auf der Hohe bin. Ich foll erst mal das Kleinvieh übernehmen —" Liese! bekommt vor Eifer rote Backen, Fritz macht ein trauriges Gesicht, seine Mutter rührt noch einmal Teig an, und Leonhardt hort geduldig zu. Er bat sich innerlich schon von vielen Dingen losgelöst. Er ist in seinem Laden, seinem Zimmer wie zu Besuch.
„Na sehen Sie, was Sie für einen Stoff zum Brief haben? Sechs ganze Seiten!"
„Stoff? Sechs Seiten ?"Liefel lacht. „Sechs Seiten brauche ich erst mal, um ihr die Meinung zu sagen, sechs für den Rest."
„Sie werden ihr gar nicht die Meinung sagen, Liesel, verstanden? Sie werden einen sehr lieben Brief schreiben, viel von Birkenhöhe erzählen und Ihrer Freundin Hanna sagen, daß sie ja noch recht lange fortbleiben foll, denn in Berlin habe sie bet dem Wetter nicht viel versäumt. Verstanden? Sie werden noch sagen, daß —"
„Und wo soll ich diesen haarsträubenden Schmus, den sie mir ja doch nickt glaubt, hinschicken, wie?" erbost sich das Aepfelchen.
„Gar nicht schicken, mir mitgeben. Und schreiben werben Sie den haarsträubenben Sums, Sie kleine Kratzbürste. Hanna ist nämlich noch gar nicht gesund, da kommt man nicht eklig, sondern sehr lieb, verstanden?"
„Deswegen brauchen Sie mich doch nicht gleich so anzuschreien, ich werde schon schreiben. Kran^ du lieber Gott, was hat sie denn? Da reden Sie doch auch nicht so in aufregenden Rätseln!"
Aber Leonhardt im Wolde hört auf dem Ohr schwer.
(Fortsetzung folgt)


