Krug zum grünen Kranze", „Flamme empor", ,Jch habe Lust, im weiten Feld", „lieber den deutschen Strom" und einen Kanon „Wer sich die Musik erkiest". Wie die Auswahl zeigt, sind neue Lieder neben alte gestellt worden, so daß sowohl alte Lieder aufgefrischt, wie neue Weisen hinzugelernt werden können. Am Liedertag beteiligen sich übrigens auch die auslandsdeutschen Vereine, die den Tag durch besondere Feiern ausgestalten, so daß man an diesem Tage von einem „klingenden deutschen Lied in aller Welt" sprechen kann.
(Siebener Dochenmarktpreise.
* Gießen , 30. Mai. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Molkereibutter, % kg 1,55 Mark, Landbutter 1,42, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark' Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das StückM bis io' Eier, deutsche, Klasse S 11, Klasse A 10%, Klasse B 10, Klasse C 9%, ungezeichnete 8, Enteneier 9 bis 10, Wirsing, % kg 10 bis 12, gelbe Rüben, neu, das Bündel 15, rote Rüben 10, Spinat 10 bis 12, Römischkohl 10 bis 12, Bohnen, grün, 45 bis 60, Spargel 35 bis 60, Unterkohlrabi 8, Erbsen 30, Tomaten 50 bis 70, Zwiebeln 15 bis 18, Schwarzwurzeln 20 bis 25, Rhabarber 10 bis 12, Kartoffeln, % kg 5 Pf., 5 kg 45 Pf., 50 kg 3,90 Mark, Aepfel, % kg 30 bis 70 Pf., Kirschen 45 bis 60, Erdbeeren 1,20 Mark, Hähne 80 bis 90 Pf., Suppenhühner 90, Tauben, das Stück 50 bis 60, Blumenkohl 25 bis 60, Salat 8 bis 10, Salatgurken 35 bis 45, Oberkohlrabi 12 bis 18, Lauch 5 bis 10, Sellerie 10 bis 30, Rettich, Stück 10, das Bündel 15 bis 30, Radieschen, das Bündel 5 bis 10 Pf.
*
** Von der Straßenbahn. Die Direktion der städtischen Betriebe gibt in einer Bekanntmachung in unserem heutigen Anzeigenteil eine Verlegung der Straßenbahnhaltestelle an der Moltke- straße nach der Ecke Licher Straße-Rahrungsberg (Alte Friedhofs-Ecke) bekannt.
** Die Wochenmärkte beginnen vom kommenden Dienstag ab um 7 Uhr und enden um 13 Uhr. (Siehe heutige Bekanntmachung.)
** Die Sommerbadezeiten im Volksbad. Wie aus dem heutigen Anzeigenteil ersichtlich ist, hat das städtische Volksbad Gießen für die Zeit vom 2. Juni bis 30. September die Sommerbade- jeiten bekanntgegeben. Besonders zu beachten ist, daß Montags und Mittwochs das Bad erst um 14.30 Uhr geöffnet und an den ersten drei Tagen der Woche um 18 Uhr geschlossen wird. Im übrigen sind gegenüber den Winterbadezeiten kaum Steuerungen eingetreten. Gedruckte Badezeiten sind an der Kasse des Dolksbades kostenlos erhältlich.
** Maienblasen. Am heutigen Samstagabend ab 7 Uhr findet auf dem Turme der 2 o - hanneskirche zum letzten Male in diesem Lahrö das Maienblasen statt. An den Darbietungen hat die gesamte Einwohnerschaft regen Anteil genommen und dadurch ihre Dankbarkeit allen den- ienigen bewiesen, die zur Wiedereinführung und lnterstützung dieser schönen Dolkssitte beigetragen haben. Als Abschluß werden heute vorgetragen: 1. Choral „Großer Gott wir loben dich", Wien 1779; 2. „Gottoertrauen", von S. Müller; 3. Vöglein im hohen Baum"; 4. Deutschlandlied und Horst-Wessel-Lied.
** Kleine Unglücksfälle. Die 63 Jahre alte Frau Margarete Meyer, Lahnstraße 13 wohnhaft, und der 45 Jahre alte Bücherrevisor Ludwig Feige, Wolkengasse 25, mußten gestern mit Unterschenkelbrüchen Der Chirurgischen Klinik in Gießen zugeführt werden. Dorthin wurde auch die 24 Jahre alte Hausangestellte Minna Engel aus Lich mit einer schweren Knieverletzung eingeliefert.
Amtsgericht Gießen.
Ein schon mehrmals vorbestrafter Versicherungsbetrüger stand gestern wieder vor den Schranken des Gerichts. Da sich im Laufe der Verhandlung der Verdacht einer Urkundenfälschung ergab, wurde die Sache wegen Unzuständigkeit des Amtsgerichts abgesetzt.
Schöffengericht Gießen.
Der A. N. aus München-Gladbach, der wegen Diebstahls, Unterschlagung, sowie Verletzung des Briefgeheimnisses angeklagt war, wurde zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt. Vier Monate der Untersuchungshaft werden angerechnet.
Obecheffen.
750<$afirfeier von Grünberg.
n, Grünberg, 29. Mai. Die vorbereitenden Arbeiten des Werbeausschusses haben diese Woche mit dem Versand der Plakate und der Einladungen an die ehemaligen Grünberger ihren ersten Abschluß gefunden. An über 300 auswärts lebende Grünberger sind solche Einladungen ergangen. Die nunmehr endgültig festliegende Folge der Jubiläumsfeier, die vom 2 7. bis 2 9. Juni stattfindet, nimmt in der Hauptsache nachstehenden Der- lauf: Der Samstag bringt in der Turnhalle einen Festakt mit Ansprachen von Archivrat Dr. C l e m m und Ministerialrat Ringshausen (Darmstadt), sowie eine Folge lebender Bilder, betitelt „Im Schritt der Jahrhunderte", mit etwa 130 Darstellern. Am Sonntag, dem Hauptfesttag, erleben wir den großen historischen F e st z u g mit rund 160 Darstellern mit nachfolgender natio- nalsozialistischer Großkundgebung, bei der Reichsstatthalter Gauleiter Sprenger sprechen wird. Der Abend bringt eine Wiederholung der lebenden Bilder für die auswärtigen Festbesucher und als Abschluß ein Feuerwerk vom Diebsturm. Die künstlerische Leitung der lebenden Bilder und der Gruppen im Festzuge liegt bekanntlich in den Händen des Intendanten des Gießener Stadttheaters Schultze -Gr iesheim. Er hat in einer kürzlich abgehaltenen Sitzung mit dem Festfolgeausschuß die Auswahl der für die einzelnen Bilder und Gruppen benötigten Darsteller vorgenommen und wird nun in den nächsten Wochen einige Proben leiten. Die lebenden Bilder werden untermalt von Musikstücken des Goethe- orchesters und zeitentsprechenden Männer- und Frauenchören, die Kapellmeister Breuer vom Gießener Stadttheater ausgewählt hat. Der Grund- gebaute der lebenden Bilder und Festzugsgruppen ist, hervorragende Persönlichkeiten unserer Stadt aus den einzelnen Jahrhunderten ihres Bestehens, die hier geboren wurden ober hier gewirkt und deren Namen geschichtliche Bedeutung erlangt haben, darzustellen. U. a. werden folgende Persönlichkeiten zur Darstellung kommen: Der erste Burgmann Guntram von Ulfa 1227. Der erste Probst der Antoniter,. Nikolaus von Lindenstruht 1337 bis 1343. Drei Grünberger Bürgermeister: Henn Till- man, Hanns Zegkler und Caspar Trinkus 1483. Der erste Lutherdrucker Johannes Rhau 1516. Bürgermeister Kaspar Rabe 1593. Die hessische Landgräfin Maria von Mansfeld im Schloß 1605. Pfarrer Cervinus (Wetterfelder Chronik) 1579 bis 1658. Generalwachtmeister Hartmann Samuel Hoffmann (von Löwenfeld) 1653 bis 1709. Kalendermann vom Veitsberg (Konrad Justus) 1708 bis 1785. Archäologe Friedrich Gottlieb Weicker 1784 bis 1868. Pfarrer Karl Steinberger 1811 bis 1857. Professor Dr. Theo Koch (Grünberg) 1872 bis 1924. Generalleutnant Steinmetz 1860 bis 1914.
55 Jahre Vogelsberger Höhemlub.
Schotten, 29. Mai. (LPD.) Der Vogelsberger Höhen-Club e. 23. (D H C.) hält am 6. und 7. Juni in Schlüchtern seine 55. Hauptversammlung, verbunden mit der 25jährigen Feier des Bestehens des Zweigvereins Schlüchtern, ab. Der VHC., der die Pflege der Heimatliebe und der Wanderlust auf feine Fahne geschrieben hat, umfaßt heute rund 3500 Mitglieder in 40 Zweigvereinen. Diese Zweigvereine bestehen nicht nur im eigentlichen Vogelsberg und der Sßetterau, auch in Gießen, Darmstadt, Frankfurt, Offenbach, Mainz und Worms sind große Zweigoereine, in Kassel und Berlin haben sich die Vogelsberger in heimatverbundener Treue zusammengeschlossen. Das deutsche Wandern durch die Heimatgaue wird im VHC. eifrig gepflegt. Um die Wanderziele zu erreichen, haben im abgelaufenen Jahre 27 Zweigvereine mit der Bahn, Straßenbahn und mit Omnibussen 348 757 Personen-Kilometer aurücfgelegt, eine Zahl, die beweist, wie der Derkeyr durch die Wandervereine gefördert wird. In den Zweigoereinen wird wertvolle kulturelle Arbeit geleistet durch Veranstaltung von Vorträgen, Gesang, Musik und Theater, besonders die heimatkundliche Arbeit wird eifrig gefördert. Durch die Erhaltung und den Bau von Schutzhütten, durch Aufstellung von Bänken und die Unterhaltung einer ausgedehnten Wegebezeichnung hat der VHC. Wertvolles für sein Heimatgebiet ge
leistet. Die Hauptarbeit im Gesamtvorstand gilt zur Zeit dem Erweiterungsbau auf dem Hoherodskopf, da die Klubhäuser vei dem gesteigerten Verkehr nicht mehr allen Bedürfnissen genügen. In diesem Jahr noch soll das alte Klubhaus wesentlich vergrößert werden, so daß für den Wintersportbetrieb genügende Aufenthaltsräume zur Verfügung stehen.
Landkreis Gießen.
I Großen-Linden, 29. Mai. Die Landwirte find zur Zeit mit dem Hacken der Rüben beschäftigt, die durchschnittlich gut stehen. Die Futter- a u s s i ch t e n sind günstig, der Luzerneklee ist größtenteils zur Heugewinnung gemäht. Winter- und Sommergetreide stehen gut und versprechen eine gute Ernte. Wenn das trockene Wetter noch anhält, wird es kaum Lagerfrucht geben, so daß die Landwirte mit dem Getreidebinder arbeiten können. Die Wintergerste ist in die Aehre geschossen und geht in einigen Wochen ihrer Reife entgegen. Der vielfach verbreitete H e d r i ch ist ein lästiges Unkraut; er hat früher in den Feldern viel Schaden angerichtet, ganze Strecken waren in der Blütezeit gelb, durch die Bekämpfung mit verschiedenen Mitteln sieht man dies heute nicht mehr, dadurch ist der Körnerertrag viel höher. Der hier angebaute Lein steht gift; unsere Jugend kennt das Gewächs nicht. Die Ob st aussichten sind im allgemeinen nicht ungünstig. Während die Aepfelbäume in unserer Gemarkung schlecht geblüht haben — nur einzelne Sorten zeigen guten Ansatz — haben Birnen und Steinobst einen besseren Behang. Die wenigen Kirschbäume in unserer Gemarkung bringen voraussichtlich eine gute Ernte. Außergewöhnlich gut haben die Erdbeeren geblüht.
= Steinbach, 29. Mai. Die ersten Arbeiten an der Reichsautobahn, die in der Abhebung der Muttererde bestehen, sind nun bis in die Gemarkung Albach fortgeführt. Der Wiesengrund rechts der Straße Steinbach—Albach konnte vorher noch abgemäht und das Heu gemacht werden.
<£ Reiskirchen, 29. Mai. Im Rahmen der Aktion für Unfallverhütung im Baugewerbe fand hier im Saale „Zum Hirsch" ein Aufklärungsvortrag mit Lichtbildern und Film statt. Es sprach zu den Betriebsführern und Gefolgschaften Regierungsbaumeister a. D. Fröhling- Kassel über das Thema „Kampf dem Unfall". Seine Darlegungen wurden mit Beifall auf» nommen. Die Veranstaltung wurde mit dem Sieg- Heil auf den Führer und Reichskanzler geschlossen.
xp Harbach, 29. Mai. Heute wurde der Zweitälteste Einwohner unseres Dorfes, Altveteran Philipp M ö b u s, zu Grabe getragen. Der Verstorbene stand im 91. Lebensjahre. Anläßlich seines 90. Geburtstages, den er am 12. Februar im Kreise feiner Angehörigen feiern konnte, waren ihm zahlreiche Ehrungen zuteil geworden. Besondere Erwähnung verdient ein Glückwunschschreiben des Führers, über das sich der alte Mann riesig freute, und das er als kostbaren Schatz sorgsam aufbewahrte. Bis in fein hohes Alter hinein war er geistig sehr rege und verhältnismäßig rüstig. Wenn es das Wetter nur einigermaßen erlaubte, unternahm er tagtäglich seinen gewohnten Spaziergang. An den Vorgängen des Alltags nahm er lebhaften Anteil. Seine Gattin, Annemarie Möbus, geb. Reitz, starb kurz nach Beendigung des Weltkriegs. Den Lebensabend verbrachte der Verblichene bei einer feiner vier Töchter. Infolge seines bescheidenen, leutseligen Wesens war er überall geachtet und gern gesehen. Seine Militärzeit verbrachte er in den Jahren 1868/69 bei dem Infanterie-Regiment 118 in Darmstadt. Im Kriege 1870/71 nahm er an zahlreichen Gefechten und Schlachten teil. Nach Beendigung des Feldzugs kehrte er unversehrt in die Heimat zurück und ging wieder seiner Arbeit nach. In den Jahren 1860 bis 1864 hatte er bei einem Meister in Winnerod den Maurerberuf erlernt. Als tüchtiger Handwerker war er überall gesucht. Lange Jahre arbeitete er in der Rabenau. Aber auch in unserem Dorfe fand er lohnende Beschäftigung. Mit großem Geschick verputzte er Wirtschaftsgebäude und Wohnhäuser und brachte dabei geschmackvolle Kratzmuster an. An einigen Scheunen sind diese noch recht gut erhalten. Sie stellen meistens Blumen, Blumenstöcke, Blumengebinde und geometrische Figuren
bar. Die schönen Verzierungen werden die Einwohner noch lange an den Verstorbenen erinnern. Er hinterläßt 4 Kinder, 10 Enkel und 10 Urenkel.
♦ Bettenhausen, 29. Mai. Am Dienstag gegen 23 Uhr erhielt unser Dorf B e s u cy aus dem Walde. Zwei Dachse kamen vom Wald her aus der Richtung Bellersheim gemütlich heranspaziert bis zum Rathaus. Dort machte einer von ihnen wieder kehrt, der andere dagegen spazierte weiter im Dorf herum und kehrte schließlich in der Scheune eines Einwohners ein, wo er verschwand. Dieser Besuch dürste sicherlich keine alltägliche Erscheinung sein.
Kreis Friedberg.
pb. Butzbach, 29. Mai. Die Ortsgruppe Butzbach der NS.-Kulturgemeinde oerftaltete gestern abend im Saale des „Hessischen Hofes"' für die Spielzeit 1935/36 die letzte Theatervorstellung. Sie wurde gegeben vom Rhein-Mainischen Künstlertheater. Es wurde unter der Spielleitung von A. Emmert das reizende Lustspiel „Hilde und 4 PS" gegeben, das flott gespielt wurde und die Lachmuskeln der Besucher von Anfang bis zu Ende in lebhafte Bewegung setzte. Starker Beifall belohnte die Künstler für ihr gutes Spiel.
Kreis Alsfeld.
-er. Homberg, 29. Mai. Gestern abend fand in der Stadthalle eine gut besuchte Versammlung der hiesigen VDA-Ortsgruppe unter Leitung von Lehrer V i e h m a n n statt. Pfarramtskandidat I u - stus hielt einen Vortrag über die Ausgaben und das Wirken des VDA im Interesse des deutschen Volkstums. Die Schulkinder bereicherten den Abend durch mancherlei Darbietungen. Mit dem Gruß an den Führer und dem Gesang des Horst-Wessel-Liedes fand der Abend seinen Abschluß.
Preußen.
Kreis Wetzlar.
I Lützellinden, 29. Mai. Der Haushaltsplan unserer 1195 Einwohner zählenden Gemeinde für das Rechnungsjahr 1936 schließt in Einnahme und Ausgabe mit 76 796 Mark ab. Die Steuersätze für die Gemeindesteuern sind wie folgt festgesetzt: Grundvermögensteuer I 250 o. H., Grundvermögensteuer II 250, Gewerbekapitalsteuer 250, Gewerbeertragsteuer 250, Bürgersteuer 300 v. H. Die Gemeinde beabsichtigt die Anschaffung einer Motorspritze, wozu ihr die Nassauische Brandversicherungsanstalt eine namhafte Beihilfe bewilligt hat. Die Gemeinde besitzt 28,90 Hektar Kulturland und 243 Hektar Wald mit einem Einheitswerte von 81 000 Mark, sie ist noch mit 21 208 Mark Schulden belastet.
A Hörnsheim, 29. Mai. Der Haushaltsplan der Gemeinde ist in Einnahme und Ausgabe auf 54 371 Mark feftgeftellt. An Gemeindesteuern werden erhoben: Grundvermögensteuer I und II 260, Gewerbertrag- und Gewerbekapitalsteuer 275, Bürgersteuer 100 v. H. Die Wohlfahrtsausgaben sind von 6000 auf 3000 Mark zurückgegangen. Die Gemeinde besitzt 29 Hektar Ackerland und Wiesen und 89 Hektar Wald. Die Schulden belaufen sich auf 51 500 Mark; sie rühren aus dem vor einigen Jahren durchgeführten Wasserleitungsbau her. Die Einwohnerzahl beträgt 682.
OO Münchholzhausen, 29. Mau Der Haushaltsplan unserer Gemeinde für das Rechnungsjahr 1936 schließt in Einnahme und Ausgabe mit 53 315 Mark ab. Die Steuersätze für die Gemeindesteuern sind wie folgt festgesetzt: Grundvermögenssteuer I und II 350 v. H., Gewerbesteuer nach dem Ertrage und dem Kapital 400 v. H., Bürgersteuer 100 v. H. Die Gemeinde besitzt 21 Hektar Kulturland und 131 Hektar Wald; sie ist mit 80 500 Mark Schulden belastet, die zum größten Teile aus dem Erwerb des in der hiesigen Gemarkung belegenen Grundbesitzes des Fürsten zu Solms- Braunfels herrühren.
T Waldgirmes, 29. Mai. In dem Teil unserer Gemarkung, wo im Winter nicht gespritzt worden ist, sind die O b st b ä u m e von dem F r o st - nachtspanner vollständig kahl gefressen worden. In der letzten Nacht sind Bohnen, Kartoffeln und Flieder in nicht geschützten Lagen erfroren.
schützt vor Sonnenbrand
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Nachdruck verboten!
28 Fortsetzung.
Hans-Hermann fand Graf Lonne in seinem Arbeitszimmer. Dieser begrüßte ihn liebenswürdig und Hörte Hans-Hermanns etwas unsicheren Bericht aufmerksam an. Als der junge Mann endlich fertig war, streckte er ihm die Hand entgegen und sagte überaus freundlich: „Aber selbstverständlich sind Sie mir willkommen! So lange Sie wollen, steht Ihnen mein Haus zur Verfügung, lieber Zedlitz. Sie meinen, ich kenne Sie jo wenig? Aber dsM spielt ja nar keine Rolle. Wissen Sie, wir Lonnes sind alle Zigeuner. Wir sind nicht für die steifen Sitten der Deutschen. Unser Haus steht jedem offen, der uns mag, und den wir mögen. Steffens hat mir ange- Deutet, daß Sie sich mit Fräulein Zedlitz über« warfen hätten und daß Sie irgendeine Arbeit suchen? Famos! Junge Menschen wie Sie kann ich immer verwenden. Ich habe da oben in Dänemark eine Fabrik, da könnte ich einen rechtskundigen Ber- trauensmann gebrauchen. Wir sprechen mal spater darüber, zunächst betrachten Sie sich bitte, solange Sie wollen, als mein Gast."
„Ich weiß nicht, womit ich Ihre Gute verdient ljabe, Graf, und womit ich sie gutmachen soll.
Graf Lonne stand auf und klopfte Hans-Hermann auf die Schulter: .
„Indem Sie recht nett zu meiner kleinen Kusine Peggy sind. Im Vertrauen gesagt, Peggy scheint em Faible für Sie zu haben. Sie ist eine fefjr eigen» Dillige kleine Person. Sie hat mir kategorisch erklärt, sie wünsche Sie hier bald wlederzusehen, sonst ftette sie mir das ganze Haus auf den Kopf. Jiun, rar Peggys Laune haben wir alle einen moros- fähigen Respekt, sogar meine Frau. Sie sehen. Sie liun ein gutes Werk an uns, wenn Sie recht wnge imfer Gast sind. Und nun gehen Sie einmal Peggy Men. Ich glaube, sie ist hinten im Garten. Ihren Koffer haben Sie doch da? Gut, ich werde Martin Zejehl geben, daß er alles auspackt und das Fremdenzimmer für Sie herrichtet." ,
Hans Hermann begab sich auf die Suche nacy Aeggy Trilow. , „ ..
Wirklich, da hinten schimmerte ein hellgrünes
Roman von Marlise Kölling.
Urheberrechtsschutz: Verlag Oskar Meister, Werdau.
Kleid. Peggy Trilow faß auf der Mauer der „Burg", mit einem Buch in der Hand. Als sie feine Schritte hörte, wandte sie sich lebhaft um:
„Oh, Herr Zedlitz, das ist aber nett! Seit wann sind Sie da? Bleiben Sie zum Abendbrot? Natürlich bleiben Sie hier. Ich habe schon den ganzen Tag gewartet, daß Sie sich erkundigen kommen, wie es mir geht."
„Was ich hiermit ergebenft nachhole", Hans-Her- mann hielt die Hand Peggys mit einem heißen Druck.
Wieder stand er sogleich unter dem Einfluß dieser faszinierenden kleinen Persönlichkeit. Er gab sich willig dem Zauber ihres quecksilbrigen Wesens hin. Hinzukam, daß er Benedikte mit aller Kraft vergessen wollte. Und wirklich, es gelang ihm in der Folgezeit, sich einzureden, er hätte sie vergessen.
*
Eine mondlose Nacht lag über Meer und Insel. Kein Stern war zu sehen. Schwüle Dunkelheit umgab die ausfahrende Fifcherflottille. Jens Petersen saß im Boot bei Hein Lüders.
„Wird morgen früh zum Regnen kommen, Schulmeister", sagte Hein Lüders. Er hielt den angefeuchteten Finger prüfend in den Wind und witterte in die Luft. „Kann leicht sein, wir werden nachher naß."
„Das schadet nichts, Hein, das gehört dazu."
Jens Petersen sah gegen ein paar Segelballen gelehnt und atmete tief die Nachtluft ein. Es gab nichts Schöneres, als in solch mondlosen Nächten mit den Fischern hinaus auf Fang zu gehen. Dieses schweigende Dahingleiten ins Unendliche, dieses leise Anbranden des Meeres gegen den Kutter, der Geruch von Meer und Tang und den geteerten Booten, das leise Knattern der Segel war eine wunderbare und einfache Melodie. Wie gern hätte er Benedikte auf solche Fahrt mitgenommen! Nun, später, wenn sie erst seine Frau war, dann würde sich das leichter ermöglichen lassen. Er saß still, sog an feiner Pfeife. Die Männer hantierten leise im Dunkeln.
Vor sich sah er die tanzenden grünen und roten Bootslichter der vorausfahrenden Fischerboote. Seine Gedanken wanderten wieder zu Benedikte. Liebe, Liebste — Sie schlief nun wohl schon. Sie war em wenig traurig gewesen, daß sie sich heute abend nicht sehen konnten, ihn aber erfreute diese Traurigkeit im tiefsten Herzen. So lange hatte er vor der Entscheidung gezittert! Er hatte es ja nicht glauben wollen, daß sie ihn so lieben könnte, diese wunderbare Frau, ihn, den armen Schulmeister. Wenn er
nun an die Zukunft dachte, war es ihm, als sähe er in lauter Sonne und Helligkeit.
Er versank ins Träumen, und wußte nicht mehr, wie lange sie gefahren waren. Die Fahrt war ein unendlich währendes, wiegendes Dämmern, von lauter fröhlichen und trostvollen Dingen erhellt. Zuweilen erinnerte er sich dunkel, daß es mindestens zwei Stunden dauern würde, bis man die Stellen erreichte, wo die Netze ausgelegt werden sollten.
Hein Lüders saß neben ihm. Das Gesicht war kaum zu erkennen, nur die Pfeife glimmte mitunter auf. Plötzlich faßte Hein Lüders in der Dunkelheit nach Petersens Arm:
„Hörst du, Schulmeister? Ein Boot da vorn."
Jens Petersen fuhr auf. Es war ihm schon eine ganze Weile gleichsam unbewußt so gewesen, als begleitete sein Träumen ein mechanisches Pulsen. Er lauschte mit allen Sinnen hinaus, und oermeinte jetzt, da vorn weit vor ihnen das leise Tuckern eines Motors zu vernehmen. Aber er glaubte, sich getäuscht zu haben. Vielleicht war das auch die Boje, die im Wasser auf und ab schwankte. Er horchte schärfer. Doch, da war etwas.
„Wer kann denn das fein?" fragte er leise.
Hein Lüders schwieg einen Augenblick:
„Wenn bat nich das Boot von der „Burg" is, dann will ich nich Hein Lüders heißen."
„Unsinn, Hein, von der „Burg"? Wer sollte denn jetzt mitten in der Nacht spazieren fahren?"
„Oh, warum nich spazieren fahren? Es gibt Leute, die mögen das gern, zu fahren wenn es dunkel ist, und wenn keiner sie sehen kann."
„Was meinst du denn damit, Hein?"
Da beugte sich Hein Lüders nahe zu Jens Petersen herüber:
„Wenn einer in so ’ner Nacht mit einem Schiff nach Moen zu fährt, und der Zollkutter ist vielelicht gerade an ’ner andern Stelle, und es kommt ein Segelboot von Moen und nimmt einen auf, der vielleicht von Bord gesprungen ist, da kann man ganz schön irgendwelche Sachen über die Zollgrenze bringen."
„Aber um Gottes willen, Hein, du denkst doch nicht etwa--" Jens Petersen erschrak.
„Ich denk gar nichts, ich mein' man so", sagte Hein Lüders ruhig.
Jens Petersen hätte Hein Lüders gern noch mehr gefragt. Er wußte, der sprach kein Wort zu viel, eher zu wenig. Aber wenn Hein Lüders mehr hätte sagen wollen, hätte er schon gesprochen. I
Die „Burg" ein Schmuggelnest? Aber was wurde geschmuggelt? Was konnte man nur nach Dänemark hinüberschmuggeln? Ja, wenn es Schweden gewesen wäre, dann hätte man an Alkoholschmuggel denken können. Aber dazu bedurfte es besonderer Boote, besonderer Vorsichtsmaßnahmen, das kam nicht in Frage.
Jedenfalls, man mußte die Augen offen halten und sehen, ob man was herausbekam. Das war man den Menschen hier, das war man auch Benedikte schuldig. Denn wenn da oben auf der „Burg" irgend etwas Unrechtmäßiges vorging, war Hans- Hermann bei feiner Freundschaft mit denen da oben in gleicher Weise gefährdet.
Jens Petersen kam von diesen Gedanken nicht los. Die friedliche Stimmung war ihm ganz und gar verdorben. Er lauschte immer wieder in die Nacht, aber das leise Motorgeräusch war nicht mehr zu hören. Wenn Hein Lüders sich nicht getäuscht hatte, dann war das Boot schon weit, weit fort.
♦
Benedikte hatte der ausfahrenden Flottille nach- gefehen, bis die Umrisse der Schiffe in der ungewissen Dunkelheit verschwunden waren. Dann war sie im Gespräch mit ein paar Fischerfrauen, Tine Schlicker und Else Ehlers, langsam heimgegangen.
„Gibt morgen Regen", sagte Tine Schlicker. „Dort hinten steht's schon ganz grau, und heute mittag war der Seedark schon überm Leuchtturm gewesen."
Benedikte nickte:
„Ja, Regen können wir brauchen, Frau Schlicker. Mein Salat will gar nicht so recht vorankommen."
„Gießen, immerlos gießen, Fräulein Zedlitz. Aber nun wird ja wohl bald der Himmel gießen."
Die Frauen standen noch einen Augenblick miteinander, dann verabschiedete sich Benedikte. Plötzlich horte sie Räderrollen und sah die Laternen eines Wagens in der Ferne aus der Dunkelheit auftauchen. Das Geräusch kam näher, man konnte an dem Aufschlag des Pferdes schon den Jagd- roaaen von der „Burg" erkennen. Hello Steffens kutschierte, er sprang ab.
„Guten Abend, Fräulein Zedlitz, entschuldigen Sie, daß ich Sie noch so spät überfalle. Auftrag von Torsion, der plötzlich geschäftlich fortmußte. Darf ich hereinkommen?"
Benediktes Stimme klang zurückhaltend: „Bitte sehr."
(Fortsetzung folgt!)


