Hr.254 vierter Blatt
Metzen» Anzeiger (Senerai-Anzeiger für Gberhetzen) Donnerstag, 29. (Sttober 1956
Mit Gchleifhammer und Schleifstein.
WiedieSdelsteinabzeichen des WHW. zurLlleichsstraßensammlung entstehen.
NSG. Die traditionellen alten Wasserschleifen, im Volksmund „Bachschleifen" genannt, find an den Ufern des Jdarbaches auch heute noch im Gange und liefern einen großen Teil der für die W H W. - Abzeichen benötigten Steine. Daneben aber finden wir in der Edelsteinindustrie moderne Achat- schleifereien mit elektrischem Betrieb, sowie Edelstein- und Diamantschleifen, die nach anderen Arbeitsmethoden arbeiten.
Schwer stampft das mächtige Wasserrad, das die gewichtigen Steine der Achatschleife in Bewegung setzt. 40 Zentner wiegt der große Sandstein, der über einer mannshohen Vertiefung im Boden so aufgehängt ist, daß er die Grube zur Hälfte überragt. Es ist eine mühevolle Arbeit, den mächtigen Koloß in der niedrigen, engen Schleife richtig aufzuhängen, weshalb dies Ereignis auch jedesmal ein Freudenfest für die Schleifer ist, das sie mit einem kräftigen Schluck und dem „Ritterschlag" des jüngsten Schleifjungen festlich begehen.
Zur Verwendung kommen etwa 4 0 verschiedene Steinarten: Achat, Türkis, Amethyst, Topas, Opal, Tigerauge, Turmalin, Mondstein, Car- neol, Blutstein, Malachit, Nephrit, Rhodonit u. a. m. Unter den Steinen finden sich Prachtstücke, deren Wert den des Abzeichens um ein Vielfaches übersteigt. Lediglich der Wunsch, überhaupt wieder arbeiten zu können, und das Bekenntnis zur großen Opfergemeinschaft des deutschen Volkes bestimmen die Edelsteinschleifer, dem WHW. diese Geschenke aus ihren Rohsteinbeständen zu machen.
Hat der Schleifer seine Steine auf der Verrechnungsstelle abgeliefert, so erhält er gleichzeitig mit seinem Scheck über den Schleiflohn einen neuen
Auftrag. Dieser erstreckt sich auf die Lieferung von 100 Dutzend Cabouchons je Mann und Woche. Eine genau geführte Kartei sorgt dafür, daß Unregelmäßigkeiten bei der Verteilung vermieden werden und keiner sich bevorzugt oder benachteiligt fühle. Die täglichen Anlieferungen machen etwa 18 000 Dutzend aus. Rund 70 Auftragnehmer finden sich Tag für Tag auf der Geschäftsstelle der Arbeitsgemeinschaft ein.
Die einzelnen Lieferungen werden zusammengeschüttet und gut gemischt, um eine möglichst große Mannigfaltigkeit der Steine zu garantieren. Die gemischten Steine werden zu je 1000 Stück verpackt, gewogen, registriert und den Betrieben in Oberstein, Hanau a. M., Frankfurt a. M. und Schwäbisch-Gemünd zugestellt, die die Steine fassen.
Die Fassungen sind in diesem Jahre besonders geschmackvoll gehalten und werden in fünf verschiedenen Formen geliefert. Die ausgezählten und verpackten Abzeichen werden von den Herstellern unmittelbar den Kreisamtsleitungen der NSV. zugesandt.
Die Treue zum Volk verlangt dein Opfer, wenn am 31. Oktober und 1. November SA., $$. und NSK6. die Edelsteinabzeichen des WhW. anbieten! Wer das Edelsteinabzeichen trägt, ist ein Kämpfer gegen Wintersorge und Winternot. SA., SS. und NSKK. treten an jeden Deutschen heran.
Das harte Sandsteinmaterial für die Schleifsteine liefert die benachbarte Pfalz. Für die härteren Edelsteine sind die Sandsteine noch zu weich, weshalb sie auf Silizium-Karbrd-Schei'ben geschliffen werden.
Die erste Arbeit des Cdelsteinschleifers ist das Schneiden des Roh st eines in passende Stücke, eine Arbeit, die viel Erfahrung und Aufmerksamkeit erfordert, wenn nicht viel des kostbaren Materials nutzlos vergeudet werden soll. Das Schneiden der Steine erfolgt an einer rotierenden Metallscheibe, die am Rande zahlreiche Kerben auf- wöist. In diese Kerben wird feingemahlener Diamantstaub gerieben, der den harten Edelstein langsam in die gewünschten Stücke zerschneidet. Um ein Verbrennen durch die starke, sich beim Schneiden entwickelnde Hitze zu vermeiden, muß der Stein stets feucht gehalten werden. Die einzelnen Steinarten erfordern ein ganz verschiedenes Bad in Wasser, Oel, Petroleum und anderen Stoffen.
Ist der Stein geschnitten, so behaut der Schleifer mittels eines Schleifhammers den Rohstein und gibt ihm die erste grobe Form, die dann am Schleifstein in die endgültige Form gebracht wird. Vor dem Schleifen wird der über einer Flamme erwärmte Stein auf ein Hartholz- oder Schieferstäbchen, das sog. „Kittholz", aufgekittet, worauf der eigentliche Schleifprozeß beginnen kann.
Der Schleifer liegt bei seiner Arbeit auf einem schweren, besonders konstruierten Stuhl, dem „Kippstuhl". Dieser ist so gebaut, daß sein Eigengewicht und das des auf ihm liegenden Schleifers gegen den Stein drücken, wodurch die Kraft des Arbeiters verdreifacht wird. Die Härte des zu bearbeitenden Materials und die Geschwindigkeit des laufenden Schleifsteines erfordern eine ungewöhnlich hohe Kraftanstrengung beim Andrücken des Edelsteines gegen den Schleifstein. Mit erfahrenem Blick und leichter Hand wird dem nun noch formlosen Edelstein in mühevoller, viel Geduld erfordernder Arbeit die gewünschte Form gegeben.
Ist der Schleifprozeß beendet, wandert der noch auf dem Kittholz haftende Stein zum „Polier- b l o ck", einer glatten, rotierenden Buchenholzwelle, auf der der Stein seinen leuchtenden Glanz erhält.
Der Stand der Fußballspiele in den Kreisklaffen.
Nach dem sechsten Tag der Meisterschaftsspiele ergibt sich in den einzelnen Klassen folgender Stand:
Reserve der Vezirksklasse.
Spiele
Gew. Unentsch.
Verl.
Pkte.
Spv. Lollar
6
4 1
1
9:3
Spv. Wetzlar
4
4 0
0
8:0
Spvg. 1900
4
2 2
0
6:2
Frohnhausen
5
3 0
2
6:4
Burg
4
2 0
2
4:4
Bissenberg
4
2 0
2
4:4
Naunheim
5
2 0
3
4:6
Sinn
4
1 0
3
2:6
VfB.-R.
5
0 2
3
2:8
Dillenburg
5
0 1
4
1:9
Hier führt
überraschend die Reserve
des
Neu-
lings Spv. Lollar die Tabelle an, was in der Hauptsache darauf zurückzuführen ist, daß sie mehr Spiele ausgetragen hat, als die anderen Mitbewerber. Der eigentliche Tabellenführer heißt Spv. Wetzlar, denn die Mannschaft hat ihre bis jetzt ausgetragenen Spiele alle gewonnen. Ohne Niederlage ist auch die zweite von 1900. Ihre Minuspunkte resultieren aus zwei Unentschieden. Die Placierung von Frohnhausen, Burg und Bissenberg auf den nächsten Plätzen ist keine Ueber- raschung. Der Stand der Vereine Naunheim und VfB.-R. kommt nicht ganz erwartet, denn beide Mannschaften spielten in vergangener Zeit eine führende Rolle in ihren Klassen.
1. Kreisklasse Gießen A.
Spiele Gew. Unentsch. Verl. Pkte.
Steinberg
5
4
1
0
9:1
Klein-Linden
4
3
1
0
7:1
Lich
4
1
3
0
5:3
Ruppertsburg
3
2
0
1
4:2
Steinbach
5
1
1
3
3:7
Garbenteich
4
1
0
3
2:6
Hungen
4
1
0
3
2:6
Leihgestern
5
1
0
4
2:8
Hier hat Steinberg die erwartete Führung, wobei ein „Schönheitsfehler" festzustellen ist, der Minuspunkt aus dem unentschiedenen Spiel gegen Lich. Klein-Linden hat sich überraschend gut gehalten und der zweite Platz ist sehr beachtlich. Auch der dritte Platz von Lich ist verdient, denn die Mannschaft hat bis jetzt noch kein Spiel verloren. Ja, sie kann es für sich in Anspruch nehmen, dem Spitzenreiter einen Punkt abgeknöpft zu haben. Ruppertsburgs Stand wird sich noch verbessern, zumal die Elf mit Spielen noch im Rückstand ist.
Die restlichen Teilnehmer Steinbach, Garbenteich, Hungen und Leihgestern haben bis jetzt noch nicht das gezeigt, was man seither von ihnen zu sehen bekam.
1. Kreisklasse Gießen B.
Spiele
Gew. Unentsch.
Verl. Pkte.
Heuchelheim
4
3
0
1
6:2
Rodheim
3
2
0
1
4:2
Daubringen
2
1
0
1
2:2
Großen-Buseck
3
1
0
2
2:4
Alten-Buseck
3
1
0
2
2:4
Tv. 1846
3
0
0
3
0:6
Heuchelheim steht durch ein Mehrspiel an der Spitze vor seinen Widersachern Rodheim und Daubringen. Jede Mannschaft hat ein Spiel verloren und in den weiteren Spielen wird dieser Verlust vielleicht von ausschlaggebender Bedeutung sein. Großen-Buseck hat nach anfänglich gutem Start bereits wertvollen Boden verloren, Alten-Buseck und Tv. 1846 konnten sich bis jetzt noch nicht recht zur Geltung bringen.
2. Kreisklasse Gießen A.
Spiele Gew. Unentsch.
Grüningen 4
Steinberg II 2
Großen-Linden 4
Heuchelheim II 3
Bieber 3
Tv. 1846 II
Muschenheim
Verl. Pkte.
3 0 1 6:2
2 0 0 4:2
2 0 2 4:4
1 0 2 2:4
0 0 3 0:6
Steinberg II, so wird hier der Meister wohl heißen können, denn die Elf hat ihre Spiele in überlegenem Stile gewonnen. Der zur Zeit an der Spitze stehende SpV. Grüningen hat dies schon erfahren und die Hüttenberger nicht minder. Heuchel- heim II. und Bieber wird sich mit den noch hinzukommenden Vereinen Tv. 1846 und Muschenheim
über die endgültige Placierung in der Tabelle noch auseinandersetzen müssen. Ob ihnen jedoch ein Aufrücken auf die vorderen Plätze möglich sein wird, muß abgewartet werden.
2. Kreisklasse Gießen B.
Spiele
Gew.
Unentsch.
Verl.
Pkte.
Rüddingshausen
4
3
1
0
7:1
Wieseck
4
3
0
1
6:2
Londorf
2
1
0
1
2:2
Staufenberg
3
1
0
2
2:4
Wißmar
3
1
0
2
2:4
Launsbach
3
0
1
2
1:5
Flensungen Nieder-Ohmen
In der Gruppe Rabenau hatte man das Ende zwischen Wieseck und Londorf festgelegt. Der derzeitige Stand beweist nun, daß Rüddingshausen ebenfalls zu beachten ist. Staufenberg nimmt erstmals an den Spielen teil und dürfte mit seinem Abschneiden bis jetzt zufrieden sein. Von Wißmar und Launsbach hatte man mehr erwartet. Hier ist aber der Abgang verschiedener Spieler zum Militär zu berücksichtigen. Flensungen und Nieder-Ohmen greifen erst ab 1. November in die Spiele ein.
Sportverein 1920 Lollar.
Am Sonntag gastierte Bissenberg in Lollar. Beide Mannschaften stellten sich dem Schiedsrichter in kompletter Aufstellung. Von beiden Seiten wurde in scharfem Tempo begonnen. Die Lilaweißen waren dabei leicht feldüberlegen. Ungefähr in der 15. Minute gehen sie in Führung, nachdem vorher schon einmal die Latte einen sicherscheinenden Erfolg verhindert hatte. Auch Bissenberg kam verschiedenemal gut durch, aber die Gäste kamen an der Lollarer Hintermannschaft nicht vorbei. Nach weiteren 20 Minuten erhöhten die Platzbesitzer auf 2:0. Nach verteiltem Feldspiel ging es in die Pause. In der zweiten Halbzeit wurde Lollar noch deutlicher überlegen; jedoch 'Bissenberg zog noch zwei Leute in die Verteidigung zurück. In der letzten Minute hat der Rechtsaußen noch eine lOOprozentige Chance; anstatt flach zu schießen, soll das dritte Tor mit „Musik" erzielt werden. Der Ball ging aber vorbei. Lollar hatte verdient gewonnen. Der ganzen Mannschaft gebührt ein Gesamtlob. Bissenberg spielte hart, jedoch nicht unfair.
Die Reserve gewann abermals kampflos, da Bissenberg nicht antrat.
Die erste Jugend erhielt ebenfalls die Punkte, da Großen-Buseck nicht pünktlich antrat. Im darauffolgenden Gesellschaftsspiel ließen sie allerdings den Gästen nie eine Chance und schickten sie mit einer 6:1-Niederlage auf den Heimweg.
Die zweite Jugend feierte ein Schützenfest und brachte es im Verlauf des Kampfes auf elf Tore, während die Gäste aus Staufenberg nur das Ehrentor erzielten.
Fußball im Tv. Launsbach.
Launsbach — Rüddingshausen 2:2.
Zum fälligen Verbandsspiel trafen sich Launsbach I — Rüddingshausen. Hatte man einen weiteren Sieg des Tabellenführers Rüddingshausen erwartet, so wurde man eines anderen belehrt. In der ersten Halbzeit führten beide Mannschaften ein gleichwertiges aber schnelles Spiel vor. Dem gefährlichen Linksaußen der Gäste gelang es, trotzdem seine Mannschaft in Führung zu bringen und bald darauf auf 2:0 zu erhöhen. Nach dem Seitenwechsel war der Gastgeber meist tonangebend und konnte ausgleichen. ' Zuletzt belagerten die PlatzbesiKer förmlich das Gästetor, kamen aber zu keinem Erfolg mehr. — Vorher spielte Launsbach Jgd. — Rodheim Jgd. Nach einer l:O-Führung der Launs- bacher kam Rodheim durch ein Eigentor der Verteidigung zu einem billigen Punkt.
Fuhballverein Staufenberg.
Die erste Mannschaft des FD. Staufenberg trat zum fälligen Punktespiel in Wieseck an. Sie verlor mit 2:3 Toren. Selbst der Ausgleich in Form eines Handelfmeters blieb ihnen versagt. Die Jugend trat in Lollar an und verlor ebenfalls mit 1:11 Toren. Hier muß noch viel Kleinarbeit geleistet werden, wenn diese Mannschaft zu einem Sieg kommen will.
ÖHf£„ Fachamt 2 Fußball.
Iugendgruppe Gießen.
Jugendpflichlspiele am Sonntag, 1. November.
VfB.-Reichsbahn — Klein-Linden (Enders, Gießen); Großen-Linden — Leihgestern (Happel, Steinberg); Lich I — VfB.-Reichsbahn II (Bücher, Gießen); Steinbach I — Großen-Linden II (Einhäuser, Gießen); AIkendorf — Garbenteich (Weinandt, Leihgestern); Heuchelheim II — Staufenberg (Kirchner, Gießen); Wißmar — Krofdorf (Wissemann, Lollar); Launsbach — Heuchelheim (Scharf, Wißmar);
Ein Hauptmann und ein kleiner Hund.
Von Georg von der Bring.
Tiefer gehende Sonne, sinkendes Jahr ... Noch grünt der Wald, es reifen die Eicheln. Bald mag sie der Wind ins Unterholz schütteln. Aber nicht aus allen werden einst wieder so gute Bäume wachsen. . , ,
An einem Abend im September ging ich mit Fleming, einem Leutnant von der sächsischen Division zwischen Cheppy-Wald und Drahtverhau dahin.'Kein Schuß fiel. Die Trichter, die den ganzen Hang bedeckten, hatten sich im Sommer mit neuem Kraut geschmückt, vor allem mit Mohn. Die Bluten sahen im Mondschein wie schwarzes Blut aus.
Und Fleming begann plötzlich zu fingen. In das ferne Rollen das von der Champagne herüber- tönte sang er mit einer herrlichen Stimme, wahrend wir über das Trichterfeld marschierten
Das Jahr neigte sich, so fühlten wir damals. Der Krieg ging zu Ende — vielleicht fühlten mir auch baffiniae Tage später wurde Flemings Division abgelöst Er würde fortgehen. Auf ein Wiedersehen kann der Soldat nicht hoffen. .
batte ich weiß nicht mehr woher, em Ei bekommen Zum Abschied sollte es geteilt werden. Sna batte versprochen, am Abend der Ablösung, Punkt 8 Uhr, zum „Handtuchwäldchen in meinen Unterstand zu kommen. Dort sollte das Ei verzehrt ^An^'diesem Nachmittag gab es bei der Bagage in etfxn;Hp tun ich fuhr mit dem Fahrrade nach hinten In Sille ging9 ein heftiges Herbstgewitter nieber Geg^n 7 Uhr, da ich aufs Rad stieg, um wieder in di- Stellung zu fahren, war das Unwet- ter narbet, Di- Straßen tagen naß un' IW«.
Ärtte iK- ArllllZ"der G°r7e-Dwiß°n Ä tX L° überholen. Manche Batterien fuhren rechts, andere links auf der Straße. Für inen Radfahrer war es mühsam auf der glatten Straße durch die Kolonnen zu schlupfen. Endlich batte ick die Geschütze hinter mir und trat in die Pedale, um plünktlich um 8 Uhr zum Ei-Essen zur
MbVUJrUt mich der TeufelI ? M- ich au die Straßenkreuzung kam, d e °°r Cheppy hegt, lenkte ich nicht links aus den hugelan uhrenden Weg sondern ließ mich mit dem Frei aus nach rechts tue schnurgerade Straße hmuntersausen. Als ich zur Besinnung tarn und neben einem Pasten, der mich
aus der Dunkelheit anrief, vorn Rade sprang, stellte es sich heraus, daß ich in den Ruinen von Va- rennes angelangt war. Das Rad mußte zur Straßenkreuzung zurück und den Hügel hinaufgeschoben werden. Inzwischen wurde es 8 Uhr. Ich schob und schwitzte. Oben vom Straßenkreuz aus, wieder auf dem richtigen Weg, ging es rasch voran. Mit 20 Minuten Verspätung traf ich im „Handtuchwäldchen" ein.
Alfons, mein Bursche, saß bei der Kerze. Er sagte: Der Leutnant Fleming ist schon vorbei.
Etwas Aergeres konnte mir nicht geschehen. Das Ei lag auf dem Tisch im Kochgeschirrdeckel, klein und bräunlich.
„Soll ich es jetzt kochen?" fragte Alfons.
„Nein", sagte ich enttäuscht und trat wieder auf die Straße hinaus. Es war finster, eine laue Nacht. Schon glänzten die Sterne zwischen den Wolken. Ich schlenderte die Straße zum Cheppy-Wald hinunter. Da saßen ein paar Leute seitwärts im Gebüsch und unterhielten sich.
Ich ging zu ihnen und fragte: Welche Kompagnie?
Da kann jeder kommen und fragen, antwortete eine grobe Stimme.
Wo ist euer Leutnant? fragte ich weiter. Sie gaben mir Bescheid, ich fand einen Leutnant von den Minenwerfern und lud ihn zu mir ein. Er war auch Sachse, ich kannte ihn — ein junger Mensch mit einer schweren Verwundung; er brauchte nicht an der Front zu sein, aber er blieb freiwillig da. Wir sagten nicht viel, teilten das Ei und verzehrten es. Seine Zeit war knapp. Er versprach, meinen Fleming zu grüßen und folgte alsdann der Minenwerfer-Kompanie, die schon in Richtung Very ab= gerückt war.
Weiter geht das Jahr. Der Mohn entblättert sich, welke Stauden bedecken die Hügel am Cheppy- Wald. Uns gegenüber liegt im Dunst die (Eigalerie. Mit all ihren Baumstümpfen sieht sie aus wie ein blauer Igel. Dort stecken die Franzosen.
Den Cheppy-Wald hält Garde besetzt. Im Kampf- truppen-Kommandeur-Stand wohnt der Hauptmann von Schauroth, Ritter des Pour le merite. Sein Adjutant heißt von der Goltz, ein junger, sehr langer Mensch. Der Cheppy-Wald soll eine Ruhestellung für sie sein, denn sie kommen aus allen vier Offensiven dieses Jahres. Sie sitzen am Waldrand, ich komme zu ihnen, wir trinken ein Glas zusammen. Neben uns im Unterholz leuchtet der rote Aaronstab mit seinen Korallen. Hauptmann von Schauroth schaut seinem kleinen schwarzen Hund zu, der auf dem Trichterhang, wo ich damals mit Fleming gegangen bin, spazieren rennt. Schauroth fängt an zu grübeln, und er sagt zu uns:
Was wohl der Schangel da drüben, der aus seinem Fesselballon herüberlinst, an meinem Hund finden mag? Er wird ja bestimmt Notiz von ihm nehmen.
Ohne Zweifel, Herr Hauptmann, sagen wir.
Ich denke mir, spinnt Schauroth fort,daß er folgende (Eintragung chachen wird: Knapp hinterm Cheppy- Wal, im Planquadrat soundsoviel, rennt ein kleiner schwarzer Hund. Mischrasse. Gehört vermutlich einem Bataillonskommandeur. Dieser Bataillons- kommandeur ist ein Narr, denn er liebt feinen Hund mehr als ... Ist er aber ein solcher Narr, so ... Was lachen Sie, Goltz?
Goltz sagt zu mir: In drei Tagen erwartet man den Angriff der Amerikaner — wissen Sie schon? — Und zu Schauroth: Ich lache ja gar nicht, Herr Hauptmann.
Schauroth pfeift den kleinen Hund heran, er streichelt ihn und sagt: Möchten wir mal einem Amerikaner ins Bein beißen, mein Hündchen ...
Am folgenden Tag kommt der Oberst nach vorn. Er geht mit Schauroth durch den Graben. An einer Stelle bleiben sie stehen und schauen durchs Glas.
Wie heißt der Berg da drüben? fragt der Oberst.
Keine Ahnung, Herr Oberst, sagt Schauroth.
Ich werde nach dem Berg gefragt und gebe Auskunft. Die (Eigalerie ist gemeint, jener blaue Igel — übrigens der einzige Berg, der zu sehen ist.
(Eigalerie, nickt Schauroth. Interessant, Herr Oberst, ich hab schon immer jedacht, wat für ein Berg bet sein mag.
Aha, macht der Oberst unfreundlich.
Hauptmann von Schauroth interessiert sich nicht für die Namen der Berge. Aber drei Tage darauf geschieht dies:
Die Tanks sind da. Sie rattern in der Nacht vor uns aus den Wäldern. Im Morgennebel des 26. September greifen die Amerikaner an. Nach mörderischer Artillerievorbereitung nehmen sie die ersten Stellungen im Cheppy-Wald. Die Reste des Garde-Bataillons geraten in Gefangenschaft. Die dichten braunen Wellen der Amerikaner kommen durch den Cheppy-Wald auf den Kampf-Truppen- Kommandeur-Stand los. Schauroth und Goltz fassen hinter Bäumen Posto unb schießen mit Karabinern in bie angreifenben Wellen. Von Baum zu Baum springen sie vor ben im Nebel herankommenden Amerikaner zurück unb setzen ihr Feuer fort. Zuerst fällt Goltz, bann Hauptmann Schauroth. .Jeber liegt bei seinem Baum.
Von bem kleinen schwarzen Hunb habe ich nichts erfahren.
Frauensport vor 3000 Jahren.
Die Ausstellung zur Fünfzigjahrfeier der Britischen Schule für Archäologie zu Athen, die in der Königlichen Akademie in London eröffnet wurde, bietet überraschende Einblicke in das griechische Leben zu einer Zeit, die erst durch die neuen Ausgrabungen auf Kreta unserer Vorstellung nähergerückt wurde. Die Funde werden sowohl in Originalen ober auch in Nachbildungen gezeigt: Statuen, Freskogemälde, Skizzen von Gebäuden, Geräte, Krüge, Urnen, Schmuckstücke. Es ist eine Schau, die keineswegs nur für Kunsthistoriker und Archäologen reizvoll ist, sondern die jedem, der mit offenen Augen bin- durchgeht, ein lebendiges Bild des griechischen 2111= tagslebensoor 3000 Jahren vermittelt. Sehr auffallend sind Szenen, die in lebhaften Farben als Freskogemälde auf den Wänden des Palastes in Knoffos dargestellt find, die aber auch auf anderen Fresken wie auch auf Vasen und auf Siegelringen wiederkehren, und die junge Mädchen beim Spiel und Sport zeigen. Daß in der Heimat der Olympischen Spiele auch die Mädchen ein sportfreudiges Geschlecht waren, wußte man längst, hier aber sind die Mädchen bei einem Spiel dargestellt, das nach der Häufigkeit der Darstellung zu schließen, zu ihren Lieblingsspielen gehört zu haben scheint, und zu bem eine körperliche Gewandtheit unb ein persönlicher Mut gehört, beren sich kein junger Krieger zu schämen brauchte. Die Mädchen, mit langen Locken, in knapp anliegenden weißen Röcken und Stiefeln ober Gamaschen, belustigen sich damit, über einen zornig angreifenden Bullen zu springen. Es sind manchmal mehrere Mädchen, manchmal auch ein einzelnes, das dargestellt ist, wie es den Stier bei den zornig gesenkten Hörnern packt und sich in großartig ausgeführtem Stützsprung über feinen Kopf schwingt. Trotz dieser Sportfreubigkeit scheint aber „Sonnenbräune" für junge Mäbchen in Kreta nicht Mode gewesen zu sein. Auf den Freskobildern und ben Vasen, bie im Palast von Knossos ausgegraben würben, finb bie Männer bräunlich, bie Frauen baqegen weiß baracfHP. Eine Einzelheit vermittelt ein Gefäß, bas bei Phylakopi, einer Niederlassung auf Melos, 2500—1200 v. Chr^, gefunben würbe. Das Gefäß ist offenbar, wahrend der Ton noch feucht war, zum Trocknen in die Sonne gestellt worden, und zwar auf eine Matts, deren Muster sich auf der Unterseite des G^cißes abgebrückt hat Nach dem auf diese Weise erhaltenen Muster sind Matten aus jener Zeit nachgebilbet worden.


