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Dienstag, 29. September (936

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Nr. 228 Drittes Blatt

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verheiratete Tante, Frau Emmy Knottcnkerk, geboren«

Jeroen, verheiratete Laute, tzrau ^rnrny ^noncnicri, Fläche ! ^ndle ihm mit den besten Grüßen drei Hundert­en be- .......

Volke

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letzte

sie dankbar

Nachdruck verboten!

10. Fortsetzung.

eine dem

wird der Gedanke lebendig, daß hier geborgen wird, die seit Jahrhunderten zum Segen geworden ist.

Die Kartoffelernte brinat uns eine Gabe der Ackerschollen. Wir nehmen

nahmt!" ist die Antwort. Da hilft kein Lamentieren, diS Bestimmungen über Auslands - Sendungen waren j* schwarz auf weiß veröffentlicht worden!

Aber Hase bleibt Hase und weiß von nichts ... Doch Unkenntnis schützt nicht vor Strafe ...

R-ßr^ch'as-steUe

R- Rastplatz - T-Parkplatz

den Nahrungssorgen des Weltkrieges Deutschland verarmte.

Trotzdem hat sich bei uns immer noch ein kleiner Rest jener seltsamen Sitte erhalten, wenn auch nicht in so krasser Form. Es ist doch eine Nachlässigkeit und noch ein Ueberbleibsel der mangelnden Ach­tung vor dem täglichen Brot, zu dem ja nicht nur das Brot, sondern alle Lebensrnittel gehören, wenn heute der deutschen Volkswirtschaft immer noch l/2 Milliarden Mark durch den Verderb von Le­bensrnitteln verlorengehen. Das ist sogar um 200 Millionen Mark mehr als der Betrag, den wir jährlich zur Einfuhr von Lebensrnitteln aus dem Ausland benötigen.

In jener Zeit, in der die Sitte desfeinen Restes" herrschte, hat mancher Bauer alles kritiklos über­nommen, was er dem Städter abgucken tonnte. Heute ist die Sache anders. Der Bauer ist sich seines Wertes wieder bewußt, und auch der Städter kennt diesen Wert wieder sehr genau. Der Bauer macht heute nichts mehr nach, sondern er ist, wie in der Erzeugungsschlacht, auch im Kamps gegen den Ver­derb dazu berufen, ein Vorbild des Städters zu sein. Sein Erntedank, wie der des ganzen deutschen Volkes ist es also, wenn er durch sein Beispiel manchem Städter erst zeigt, wie die Achtung vor dem täglichen Brot beschaffen sein mufe. Es sollte ein Wettbewerb werden zwischen dem Bauern einer­seits und dem Handel, der Verteilung und den Ver­brauchern anderseits, der das Ziel hat, einen mög-

werden gebeten, sich an den Tagen, wie aus nach­stehendem Plan zu ersehen ist, auf der Geschäfts­stelle, Kaplansgasse 18, zu melden. Die als Beleg für die Einkommen- und Mietverhältnisse notwen­digen Unterlagen sind unter allen Umständen mir

danken zu ordnen. Aber es gelingt ihr nur schlecht. Sie denkt an Paul Laverenz und die eigentüm­liche Bemerkung des Vaters, sie sieht die Sängerin vor sich und daneben das lächelnde Gesicht John Herbings. Und dieses Gesicht verdrängt allmählich alles andere. Sie träumt dann auch von diesem Gesicht, sie spricht über Bucher und Musik mit dem Manne, und immer wieder fängt er von der Sän­gerin Melanie Morholt an

Es find quälende Vorstellungen, aus denen sie ehr früh auiwacht. Sie springt aus dem Bett und geht ans offeneFenster. Die Vögel sind längst auf und beschäftigen sich mit Morgenwäsche und Mor­genlied. Irgendwo in der Nachbarschaft kräht ein Hahn, der Dackel von nebenan ist auch schon auf, er fegt mit wildem Freudengekläffe über Rasen und Kieswege und läßt sich darin auch nicht durch das Hausmädchen stören, das ihn zur Ruhe brin­gen will. Eine Uhr schlägt sechs. Hanna Brandes macht ein paar Hebungen, reckt und streckt sich, geht tief in die Kniebeuge, schnellt elastisch hoch und macht zum Schluß einen guten Handstand Dann verschwindet sie im Badezimmer unter der kalten Dusche. Um sieben Uhr erscheint sie im Garten.

Herr Doktor ist auch schon auf, da kann ich ja den Kaffee aufbrühen, Fräulein Hanna." Das Haus­mädchen beschäftigt sich mit dem Tisch im (Sorten und Hanna greift zu. Sie hat sich noch nicht an­gezogen, der dünne, hellblaue Hausanzug mit den weitfallenen Hosen ist nicht nur durch Stoff und Schnitt elegant, sondern auch herrlich bequem, und Hanna hat vor, sich den ganzen Tag recht bequem zu machen. Sie begrüßt ihren Vater, ist ganz un­befangen und hat allem Anschein nach alles ver­gessen, was tags zuvor zwischen ihnen gesprochen worden ist.

Ist das nicht ein wonniger Tag, Vater?"

Herbert Brandes stimmt zu, aber er mufe sich sehr zusammennehmen, denn er hat nichts verges­sen. Nicht die abweisende kühle Art seiner Tochter und nicht die Bestimmtheit, mit der sie ihm Me­lanie Morholt abgelehnt hat. Sein Zorn ist noch nicht verflogen: er spricht ihr das Recht ab, sein Leben in den wichtigsten Fragen zu heeinflussea und wünscht sehr, daß Paul Laverenz doch jein Ziel erreicht. Er gibt Hanna wenig Gelegenheit zur Unterhaltung, und sie merkt das sehr gut. Sie

hat den Wunsch, auszugleichen, aber sie weiß nicht, wie sie das anfangen soll.

Ich will morgen verreisen, Hanna, du hast wohl die Freundlichkeit nachzusehen ob ich alles habe, was ich für acht Tage brauche. Ich will an die See," sagt er, als er schon aufgestanden ist, um ins Büro zu fahren.Mir tut eine Entspannung auch mal ganz gut, und du bist ja genügend mit dem Training für dein Turnier beschäftigt, sodaß du mich kaum vermissen wirst."

Ich werde dir gern den Koffer packen, Vater. Wenn das Turnier nicht wäre, hätte ich sogar ge­fragt, ob du mich mitnehmen willst. Aber so"

Das wäre sicher sehr nett gewesen, Hanna. Ich treffe aber Fräulein Morholt und da glaube ich doch, daß du vorgezogen hättest,, nicht mitzukom­men. Ich habe deine Einstellung zur Kenntnis ge­nommen und ich bin sehr verstimmt darüber. Wir werden über den Fqll noch einmal sprechen, wenn ich zurückkomme."

Diesmal vergißt er, seiner Tochter die Hand zum Abschied zu geben. Hanna sieht ihm betroffen nach, bis er im Hause verschwunden ist. Nachdenklich geht sie dann über die gelben Kieswege. Langsam stei­gen ihr die Tränen in die Augen, etwas, was sehr selten geschieht. Hanna Brandes kennt nicht die Erlösung, die aus Tränen kommen können, sie ist immer mit Zähnezusammenbeißen und harter Kri­tik über Menschen und Dinge fertig geworden, sie ist streng gegen sich und daher auch gegen andere. Sie hat viel entbehrt: nicht das, was zu einem äußerlich angenehmen Leben gehört, nein, aber die Hand der Mutter, die Kameradschaftlichkeit junger Mädchen und den Austausch mit ihnen. Sie ist früh reif geworden, sie hat meistens nur Gelegen­heit zum objektiven Urteil gehabt, sie hat nie bei irgendwelchen Geschehnissen im Mittelpunkt ober auch nur an der Peripherie gestanden. Sie hat auch nie das richtige Jungsein der Backfischzeit erfahren, sie hat mit ihren siebenundzwanzig Jah­ren noch keinen Flirt kennen gelernt, die jungen Leute aus dem Klub haben sie wohl immer hübsch gesunden, aber es wäre keinem eingefallen, der un­nahbaren Hanna Brandes den Hof zu machen, er hätte sich vor der Lächerlichkeit gefürchtet, der sie ihn ausgesetzt hätte.

(Fortsetzung folgt)

oorzulegen.

Am 3 0. September: Kaplansgasse, Weiden- gaffe, Maigasse, Neuenweg, Ludwigstrafee.

1. Oktober: Bleichstraße, Kreuzplatz, Katha» rinengasse, Wolkengasse, Löwengasse, Erlengasse, Teufelslustgärtchen.

2. Oktober: Bahnhofstraße, Grabenstraße,- berstraße, Plockstrafee, Seltersweg, Hindenburgwall, Hinter der Westanlage. ,

5. Oktober: Bruchstraße, Goethestraße, Muhl- ftrafee, Neustadt, Horst-Wessel-Wall.

6. Oktober: Alicenstraße, Bismarckstr., Schon- zenstraße, Marktstrafee, Rittergasse, Wagengasse.

7. Oktober: Sandgasse, Mäusburg, Markt­platz, Tiefenweg, In ^ershof.

Meldezeit von 15 bis 18 Uhr und 20 bis 22 Uhr.

Der Drtsgruppenamtsleiter.

Gez.: Schelhorn

Fiihrertagung der 83.SG.-Gtandarte.

Am 26. und 27. September fand hier eine Füh­rertagung der 83. SS.-Standarte unter Leitung ihres Führers, SS.-Hauptfturmführer Müller, statt. Zum ersten Male in diesem Jahre versammel­ten sich die Führer der Sturmbanne und Stürme mit den Referenten der Standarte und den Schu- lungsmännem. Während der Samstag der Schulung Vorbehalten blieb, war der Sonntag der praktischen

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f Ü^rsidtskade der : IRßichscwtobahndreds ,, drarikfurtr-^naiA.

Hafe n hing der Himmel voller Geigen

er den feilen Brief geöffnet hatte. Seine in Holland

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sich weit der herbstliche Himmel Es riecht nach Feuchtigkeit und fruchtbarer Erde, und bei allem Frucht

entgegen und bergen sie in unsere Keller, ehe die letzten Herbststürme der strengeren Jahreszeit den Einzugsmarsch blasen. H. W. Sch.

Oerfeine" Rest.

LW. Es hat vor Jahren einmal eine seltsame Sitte in manchen sogenanntenfeinen" Kreisen ge­geben, auf die sich die Heiteren unter uns noch wohl erinnern werden: War man bei Bekannten zu Tisch geladen, dann mußte man von Suppe, Speise^Ku'chen oder was es sonst gab, immer einen gewissen Rest übrig lassen, der hinterher weg­geschüttet wurde. Dasmußte" sein, weil der, der seinen Teller leergegessen hätte, damit gezeigt hätte, daß ergierig" gegessen hatte. Etwas aufzuessen, hatte mannicht nötig"! Man hätte ja auch meinen können^ daß man das Nichtvorhandensein seiner Gier" dadurch hätte beweisen können, daß man sich eben nur soviel auf den Teller nahm, als man wirklich essen konnte. Aber zu dieser lleberlegung kam man erst später, und Weltkrieg und besonders derKohlrübenwinter" haben auch die letzten Reste dieser Unsitte verschwinden lassen.

Es ist ein sehr weiter Weg von jener seltsamen Sitte bis zu dem Kampf, den die gegenwärtige Staats- und Wirtschaftsführung dem Verderb er­klärt hat. Jene Sitte wgr nicht nur der Ausdruck dessen, daß man esdazu hatte", etwas wegwerfen zu können, sie war auch ein Beweis dafür, rote durch die übermäßig gestiegene Verstädterung die Achtung vor dem täglichen Brot geschwunden war. Den Verstädterten mochten es damals auch manche Bauern nach, aber das ging natürlich nur solange, als wir ein mehr oder weniger scheinbar reiches Volk waren Es mußte aufbören, als abgesehen von

Aus Oer Provinzialhauptsta0t

Kartoffelernte.

In der Abenddämmerung knarrt ein Wagen den Weg zur Stadt. Er ist vollbepackt, und die beiden Buben, die ihn ziehen, haben ordentlich zu tun. Hinterdrein geht der Vater und schiebt, er gibt aber auch acht, daß von den Säcken keiner ins Rutschen kommt. Es wäre schode drum, denn die Säcke sind bis obenhin gefüllt und bergen Kartoffeln. Der Vater ist indessen ordentlich bei der Sache, doch bei aller Aufmerksamkeit raucht er zufrieden sein Pfeif­chen und trägt auch eine recht vergnügte Miene zur Schau. Ein Wunder ist es nicht, denn die Kar­toffeln, die hier heimgefahren werden als Winter­vorrat, sind von dem eigenen Stückchen Acker, das die Familie bewirtschaftet.

So ziehen sie eifrig ihres Weges, der Wagen rat­tert, und üb<^ den aufgetürmten Säcken steigt in kleinen Wölkchen der Tabaksrauch in die graublaue Dämmerung. E>n erfreuliches Bild der Lebens­bejahung und des Arbeitsfleißes, wie es sich jetzt fast täglich bietet. Aber nicht nur der Kleingärtner und Pächter eines Streifens Ackerlandes ist am Werke. Auch/die Bauern find mit ihren Fuhrwerken unterwegs, um die braunen Früchte einzuholen, die die Mutter Erde gegenwärtig bereithält. Die Kar­toffelernte ist im Gange, und Die Rauchwolken der Feuer auf den Feldern find die lodernden Fanale dieses segensreichen Tuns.

Es tft etwas Eigenes um die Kartoffelernte. Sie kennt nicht den Zauber, den die Dichter den golde­nen Erntekränzen des Getre'des (obfingen, sie kennt auch nich^ die Romantik, die sich um die fröhliche Weinlese rankt. Die Kartoffel ist weitaus nüchter­ner, als dos lockende Bild einer Traube, ober der Anblick einer von Kornblumen geschmückten Garbe. Aber mag die äußerliche Form der Kartoffel auch zu lyrischen Gesängen keinen Anlaß geben: die Kar­toffelernte entbehrt nicht des sinnfälligen Reizes, sie gibt dem Landschaftsbild vielmehr eine prächtige und gemütvolle Note.

Die Maschinen klappern weit vernehmbar au; den Feldern, starke Arme schwingen die Hacken, und gruppenweise schieben sich die Lesekvlonnen auf den Aeckern vorwärts. Korb füllt sich auf Korb mit den Früchten, rasch reiht sich Sock an Sack wie ein Glied grauer Wächter, und über dem Ganzen spannt

lichst großen Teil jener 1,5 Milliarden Mark im Jahr zu ersparen und damit um ebensoviel die deut­sche Nahrungseinfuhr aus dem Ausland zu ver­mindern. Wenn heute auf diesem Gebiet der Städter vom Bauern lernen kann und ihm etwas abguckt, das für uns alle zum Vorteil gereicht, dann wird der große Unterschied erst klar, der unsere heutige Welt von jener vergangenen trennt.

Dornoiizen.

Tageskalender für Dienstag.

Braune Messe: 10 bis 20 Uhr in der Volkshalle. Stadttheater: 20 dis 22.15 UhrDonna Diana". Gloria-Palast (Seltersweg):Straßenmusik". Lichtspielhaus (Bahnhofstraße):Der verkannte Lebe­mann". Lichtbildervortrag von Frau Else Pelz- Langenscheidt (Kassel):Ein Gang durch die große Berliner AusstellungDeutschland" 16 und 20 Uhr im Cafe Leib.

Stadttheater Gießen.

Heute abend Wiederholung des Auftaktes der SpielzeitDonna Diana". Lustspiel von Moreto. Spielleitung: Der Intendant. Anfang 20 Uhr, Ende 22.15 Uhr. Die Vorstellung findet als zweite Vorstellung der Dienstag-Miete statt.

Ortsgruppe Gießen-Mitte.

Vetr. Dinterhilfswerk 1936/37. *

Alle diejenigen, welche die Unterstützung durch das WHW. 1936/37 in Anspruch nehmen wollen.

erohn Herbinq? Nein Aber ich freue mich, wenn bubid) flut unterhalten hast. Ich wollt-,dir schon länas vorschlaqen, Dir einmal Gaste emzuladen. D?r Garten ist so hübsch letzt tmr tormten eine kalte Ente ansetzen, was meinst du? Machen wir hoch mal eine Liste, wen du bitten willst ! Brandes nimmt eifrig seinen Notizblock vom Schreibtisch und sieht zu Hanna hinüber.

Ich wüßte wahrhaftig nicht, Vater- wen kenne ich"schon. Die Leutrim Klub sehe ich selten ich kenne sie zu wenig.

Dann wirst du eben mal an anSen es ju tun TOenn dich Herr Herbing eingeladen hotte bittest du ihn auch. Dann war doch da Frau Blandt, mit ihrem Mann natürlich. Wen noch?

Meine Schulkameradin Liesel Gottschalk, sagt

Wer?" Aber da fällt ihm die Bemerkung Pauls

-st das nicht das Mädchen von der Molkerei? Lieft, Gottschalk?". Ja, warum nicht?Wer ist *a56ieat 'in^der Aufl°b««°r Straße eine Milch- B^1ßenn du meinst, daß sie In den Kreis hinein- Pa^Sieropa6f1 in'leben Kreis, In den unfriflen in- öie potzr selbst aus ihm kommt.

Äre^Mittier war eine geborene von Winkel. Ge- b bas? e e »ar übriflens schon mal hier." Äer({»in8t ber leife Spoti mit. aber Bran- bes tut nicht, al?.of jjeine Freundin kennen "^^n^Dann blieb noch Paul unb feine au lernen, y°nno Dann biuo wenn bu

M^M'o^"^ne°Ein-abun^schickst. bis bahin fianna Br^nbes'senkt'die Auflen. Sie bleibt ernst, äs wird ihr doch kaum etwas daran liegen,

Technik unb Schönheit der Reichsautobahn

Oie Streckenführung der Teilstrecke Frankfurt a.M. Bad-Aauheim.

ins Haus zu kommen, wenn ich Leute eingeladen habe, die ihr gänzlich unbekannt und gleichgültig sind."

Mit anderen Worten, Hanna: du willst nicht. Darf ich den Grund erfahren?" Herbert Brandes ist aufgestanden.Ich hätte schon lange gern ge­wußt, was du gegen die Künstlerin hast?"

Ich kenne sie nicht, ich kann also rein persön­lich nichts gegen sie haben, Vater. Ich habe aber fein Bedürfnis, die Freundschaft, die du ihr ent- gegenbringft, auf mich auszudehnen. Das ist alles."

Das ist schade, Hanna." Brandes hat sich sehr in der Hand, obgleich der Zorn in ihm aufsteht. Sie ist nur zehn Jahre älter als du und ein wert­voller Mensch. Vielleicht wäre sie wirklich eine Be­reicherung für dein doch immerhin einseitiges Le­ben. Du schließt dich ab, du mußt ja vorzeitig altern, Hanna."

Sie hat nur auf den ersten Satz gehört, die Be­herrschung des Vaters ist ihr auch nicht entgan­gen, sie bedauert den disharmonischen Ausklang nicht nur des Tages, sondern auch dieser nächt­lichen Stunde, aber sie gibt nicht nach.

Zehn Jahre älter als ick, sagst du. Vielleicht ist es gerade das, was mich so stört, Vater." Hanna Brandes steht nun auch auf, sie hat ihre Zigarette zu Ende geraucht und drückt sie in der Kristall- schale aus.Ich möchte nun doch schlafen gehen, es ist fast zwölf Uhr. Und wegen dieser Garten­gesellschaft warten wir vielleicht noch ein wenig. Gute Nacht, Vater."

Sie hält ihm die Hand hin. Brandes greift nicht gleich zu, er hält die Hände in den Taschen und je­nes offizielle Gesicht, das seine Klienten und die Richter kennen. Halb verdecktes Auge, enge Brauen über der Nasenwurzel und ein vorgeschobenes Kinn. _ , r,

Du machst uns beiden das Leben recht schwer, Hanna."

Sie bleibt die Antwort schuldig und geht hinaus. Sie liegt schon im Bett, als Brandes noch immer an einer Zigarre raucht und em Glas Wein nach dem andern trinkt. Ein ohnmächtiger Zorn schüt­telt ihn.

Aber auch feine Tochter kann trotz der Müdigkeit nicht schlafen. Sie starrt aus weiten offenen Annen . in die Dunkelheit, horcht auf die leisen Geräusche , der Nacht von ihrem Fenster und versucht ihre Ge-

Tja - hätte er Zeitung gelesen!

Da liest man zeitig stets, was nützt, und wie man sich vor Schaden schützt.

WiuoMoemtn

Roman von Ilse Schuster.

Copyright 1936 by Aufwärts-Verlag G.m. b. H., Berlin Sw 68

Für die Teilstrecke Frankfurt a. M.Bao-Nau- heirn der Reichsautobahn, die am vergangenen Sonntag ihrer Bestimmung übergeben wurde war ein erheblicher Arbeits- und Materialaufwand not­wendig. Etwa 4000 Arbeiter schafften an diesem Teil der Strecke, die unter außerordentlichen Schwie­rigkeiten gebaut wurde. Der schwere Lehm-Loß- Boden der sich für die Dammaufschuttung und für den Unterbau als wenig zweckmäßig erwies, machte es notwendig, daß viel anderes Material, über den Main an die Baustellen gebracht werden mußte. Außerdem hatten Bauleitung und Arbeiter tänbig mit schlechtem Wetter zu kämpfen, teilweise gingen Wolkenbrüche nieder, so daß die geleistete Arbeit und die rechtzeitige planmäßige Fertigstel­lung der Bahn um so bewundernswerter ist.

Interessant sind verschiedene Einzelheiten des Baues. Drei große Bauwerke galt es zu erstellen: die große und imposante Mainbrücke mit einer Länge von 270 Meter, die Brücke über die Lim­burger Bahn mit einer Länge von 130 Meter und die Brücke über das Urselbachtal mit einer Lange von 315 Meter. Für diese drei Brücken wurden nicht weniger denn 5800 Tonnen Stahl verarbeitet. Neben diesen hervorragenden Bauwerken wurden zahlreiche Brücken und' Uederführungen gebaut.

Für die Strecke Frankfurt a. MBad-Nauheim mußten etwa 1000 000 qm Land gerodet werden, der Mutterbodenabtrag geschah auf einer von 1 500 0000 qm, Erd- und Felsbewegungen be- , . Keburtsiaas-Dräsenl'

liefen sich auf 2 500 000 cbm. Für die einzelnen markscheme als Weburtstags-praienr. Bauwerke wurden insgesamt 65 000 cbm Bau- günf Tage spater kommt ein Herr von der Devisen^

merfsbeton verarbeitet. An Stahl und Eisen wur- ^berwachunqsstelle. Was der Brief enthalten hättet

den insgesamt 10 500 Tonnen aufgewandt, eine ueocrroa^ungvi

Menge, die ausreichte, um vier Zeppelinhallen zu 'Gottlob, 300 Mark!" sagt Hase lächelnd.Beschlag­erstellen. Für die Fahrbahndecke selbst mußten 120 000 Tonnen Beton aufgebracht werden. 1

Die Teilstrecke Frankfurt a. MBad-Nauheim zeichnet sich besonders dadurch aus, daß sie allen Kraftfahrern, die sie je benützen werden, die Schönheiten unserer Heimat zeigt und von zahlrei­chen Stellen aus herrliche Fernsichten gestattet Führt sie doch bis auf etwa 200 Meter Hohe auf die Dorhohen des Taunus, gestattet einen einzig­artig schönen Ausblick auf den Feldberg, und einen ebenso großartigen Ausblick über das fruchtbare Tal der Wetterau bis zum Vogelsberg.

Um diese landschaftlichen Schönheiten einer be­schaulichen Betrachtung zugänglich zu machen, wur­den zahlreiche Rast- und Parkplätze an hervorra­gend schonen Aussichtspunkten angelegt. Für alle Kraftfahrer, die der Weg über diese Strecke der Reichsautobahn führt, wird die Fahrt zu einem schonen Erlebnis werden.

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