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lir.51 Viertes Blatt

Samstag, 29. Februar 1936

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhefsen)

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stitut werden auch für die Studierenden der Land­wirtschaft gehalten. Reichhaltiges Unterrichts- und Anschauungsmaterial unter Verwendung aller mo­dernen Hilfsmittel steht hier zur Verfügung.

Das Veterinärpathologische Institut dient in erster Linie der Lehre von der speziellen pathologischen Anatomie der Haustiere, durch Vor­lesungen, Obduktionsübungen, pathologisch-anato­mische Demonstrationskurse und pathologisch-histo­logische Hebungen. Seit dem Bestehen dieses Insti­tuts ist von dessen früherem Leiter, Geheimrat Professor Dr. Olt, der systematischen Bearbeitung und Erforschung der Wildkrankheiten besondere Aufmerksamkeit geschenkt worden. Die Sammlung von pathologisch-anatomischen Präparaten und

ergänzt, daß gerade solche Tierarten zur Behand­lung kommen, die den stationären Kliniken nur in geringem Maße zugeführt werden. Außerdem be­kommen die Studierenden bei dieser Arbeit einen Einblick in die landwirtschaftlichen und tierzüchte­rischen Verhältnisse, die Viehhaltung, die Pflege und Fütterung sämtlicher landwirtschaftlicher Nutztiere bei den einzelnen Landwirten unter den verschieden- ften Verhältnissen des Dorfes. Tierpatienten, die einer längeren Behandlung bedürfen, und an denen größere Operationen vorgenommen werden müssen, werden natürlich möglichst den stationären Kliniken überwiesen.

Das Veterinäranatomische Institut hat die Aufgaben der Lehre und Forschung auf dem Gebiete der systematischen, vergleichenden und topo­graphischen sowie der angewandten Anatomie, der Histologie und der Entwicklungsgeschichte der Haus­tiere zu bearbeiten. Die Vorlesungen in diesem Jn-

Tievliebe ist eine der edelsten menschlichen Cha- vktereigenschaften. Sie ist kein Vorrecht eines ein- >:lnen Menschen, oder eines einzelnen Standes. Ran begegnet dieser Liebe zum Tier in Stadt und

sondere der speziellen Pathologie und Therapie, der gerichtlichen Tierheilkunde, der medizinischen Propädeutik, der Arzneioerordnungslehre, der Phar­makognosie und der Pharmazie ihr Heim. Auch diesem Institut stehen neben den Einrichtungen für Forschung und Lehrzwecke alle Hilfsmittel der ein­schlägigen Praxis mit den notwenigen Stallungen zur Verfügung. In den vier vollständig voneinander getrennten Stallungen dieses Instituts können 40 Hunde und außerdem Katzen, Geflügel und andere Kleintiere untergebracht werden. Daneben sind auch Stallungen für Großtiere, ferner eine Tierküche, ein Bad zur Reinigung der Tiere, Dergasungszelle zur Behandlung von Räude usw. vorhanden. Einen großen Platz nimmt die zwischen der Chirurgischen und der Medizinischen Veterinärklinik gelegene un­gedeckte Reit- und Fahrbahn zur Untersuchung von Pferden auf Hauptmängel und zugesicherte Eigen­schaften ein. Die Zahl der stationären Tierpatien­ten in dieser Klinik belief sich in den letzten fünf Jahren auf etwa 500 bis 550; ebenso viele Tiere wurden poliklinisch behandelt. Don den behandelten Tiere waren etwa Zweifünftel Großtiere und Drei­fünftel Kleintiere.

Die Geburtshilfliche Veterinärkli- n i k dient der Forschung und Lehre auf dem Ge­biete der tierärztlichen Geburtshilfe, der Sterilitäts­bekämpfung unserer Haustiere und der Euterkrank­heiten der Wiederkäuer. Die Stallungen bestehen aus vollkommen getrennten Abteilungen, deren eine für normale Geburten aller Haustiergattungen be­stimmt ist, während in der anderen Tiere mit Un­fruchtbarkeit, mit an die Geburt sich anschließenden Erkrankungen und Wiederkäuer mit Euterkrank­heiten untergebracht werden. In jeder Abteilung befinden sich Stände bezw. Boxen für vier bis fünf Großtiere und fünf kleinere Boxen für Kleintiere, kleine Wiederkäuer, Schweine und Hunde. Im Hauptgebäude befinden sich neben den Derwal- tungsräumen noch zahlreiche Räume für die Ar­beiten der Forschung und der wissenschaftlichen Auswertung der verschiedensten Vorgänge des Ar­beitsgebietes, während der Hörsaal mit seinen Ein­richtungen sich in dem großen Verwaltungsgebäude befindet.

Die Ambulatorische oderAuswärtige Veterinärklinik hat insbesondere die Auf­gabe, die Studierenden der beiden letzten Semester in die Praxis einzuführen, um sie mit der eigent­lichen Tätigkeit des praktischen Tierarztes vertraut zu machen. Der Praxisbereich der Kliniken erstreckt sich über acht Ortschaften, die in einer Entfernung von drei bis acht Kilometer rings um Gießen liegen. Die Studierenden haben bei dieser praktischen Tätig­keit Gelegenheit, Erkrankungen und Behandlungen von Patienten aller Haustiergattungen unter den schwierigsten Verhältnissen in den oft wenig geräu­migen und primitiven Stallungen der landwirt­schaftlichen Betriebe in den Dörfern kennenzulernen. Das Krankenmaterial der stationären Kliniken wird in der Auswärtigen Klinik dadurch besonders gut

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Tierheilsiätien in Gießen.

Tierschutz und Tierpflege in den Aeterinärkliniken unserer Universität.

Schauen wir uns zu­nächst auf dem großen Grundstück in der Frank­furter Straße 94, Ecke Am Steg um, auf dem die vielseitigsten Einrich­tungen in sich geschlossen beisammen liegen.

Die Chirurgische Ve­terinärklinik mit den zu ihr gehörigen Gebäu­den Lehrschmiede, Sta­tionsgebäude für Hunde und kleine Haustiere dient der Erforschung und Behandlung der äußeren Erkrankungen sämtlicher Haustiergättungen einschl. der Augenkrankheiten. In den Ställen für große Haustiere sind 21 Stände und 7 im Bedarfsfälle doppelständig einzurich­tende Boxen vorhanden, in die im ganzen 35 große Haustiere eingestellt wer­den können. Die Ställe sind in mehrere unabhän­gige Stationen getrennt, z. B. Ställe für aseptische Wundbehandlung, Wund­infektionen, Rinder usw. Für die kleinen Haustiere sind zwei besondere Bau­lichkeiten vorhanden, die Abteilungen mit Käfigen, Boxen, Baderaum, Küche und Behandlungszimmer enthalten; am häufigsten werden in diesen Räu­men kranke Hunde, aber auch Katzen, Geflügel, Schweine, Schafe und Ziegen beherbergt. Die Zahl der stationär behan­delten Tiere beträgt pro Jahr ungefähr 500 und wird etwa zur Hälfte von großen Haustieren, zur Hälfte von Kleintieren bestritten. Die Zahl der poliklinisch behandelten Groß- und Kleintiere be­läuft sich jährlich auf ca. 1000 bis 1200. Die Lehr­schmiede dient zum Unterricht der Studierenden der Veterinärmedizin, zugleich aber auch zur praktischen Unterweisung im Beschlag von Pferden und Rin­dern, sowie zu den wichtigsten Huf- und Klauen­operationen. Ferner hat die Lehrschmiede den Nach­wuchs an Hufschmieden für das ganze Land Hessen auszubilden. Daß die Klinik ebenso roie auch alle übrigen Institute mit den modernen Ein­richtungen der Forschung und des akademischen Unterrichts nach jeder Richtung hin ausgestattet ist, ist so selbstverständlich, daß man darüber m diesem Zusammenhänge nicht weiter zu sprechen braucht.

In der Medizinischen Veterinär- klinik hat die Wissenschaft von den inneren Er­krankungen sämtlicher Haustiergattungen, msbe-

Verwaltungsdirektor, Diese Amtspflicht obliegt gegenwärtig dem Dekan der veterinärmedizinischen Fakultät Professor Dr. Küst. Der Hauptteil der Veterinärkliniken liegt auf dem großen Gelände- komplex im südlichen Teile der Frankfurter Straße, Ecke Am Steg; einige weitere Institute liegen un­weit davon entfernt in der Frankfurter Straße, das ebenfalls zu der Fakultät gehörige Institut für ani« malijche Nahrungsmittelkunde ist in dem Gebäude des Veterinäruntersuchungsamtes in der Marburger Straße untergebracht.

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3 u unseren Bildern: ß-ntsobon: Blickin bi^äparat^eammlung des Veterinär-Anatomischen Instituts.

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^Rechts: Links oben: IchutzimpM^ines Pftr- b .i gegen die Borna fche Kr° H ^Geburtshilfliche G, jirncntmnöung). ® sj>arfOfe wird

Operationen geschehen inNar I - ® f erreicht.

Hetzer de- kranken Tieres.

(Aufnahmen 19]: Neuner. Gießener Anzeiger.)

Wirken der Tierschutzvereine, in denen die Men­schenliebe zum Tier organisatorisch zusammenge­faßt ist, um durch verstärkte Stoßkraft in.möglichst breiter Front dem edlen Gedanken des Tierschutzes zu dienen. , ,

Von diesem Gedanken der menschlichen Derpstich- tung gegenüber dem Tier erfüllt ist auch auf dem Gebiet unserer Wissenschaft Großes geleistet wor­den. Wer sich im Geiste etwa um em Jahrhundert zurückversetzt und die seitdem durchlaufene lung bis zur Gegenwart überblickt, wird btefer Meinung zustimmen. Die Früchte der Wissenschaft' lichen Forschung, Lehre und praktischen Tätigkeit sind aber nicht nur dem Schutz und der Pflege d Tierwelt zugute gekommen, sondern sie haben zweckbestimmter Arbeit auch dem Wohle der Mensch­heit in hohem Maße gedient. Und rote aus allen Gebieten der Wissenschaft und der menschlichen Schaffensfreude überhaupt, so ist auch h'^r Stillstand zu verzeichnen. Unermüdliches JBarroarts- streben und immer tieferes Eindringen trii bte 0 - Heimnisse der Natur sind die Kennzeichen des Wir­kens in unseren Veterinäranstalten als den Mitt - und Sammelpunkten alles dessen, was dem £ - schütz und der Tierpflege, zugleich auch dem mensch­lichen Vorteil auf diesem Gebiete forderlich ist. Einen überzeugenden Beweis für die reichen - folge dieser Arbeit erhält man in den Detertnar- flinifen unserer G i e ß e n e r U n t v e r s t- tät. Sie stellen nicht nur den Mittelpunkt der wissenschaftlichen Forschung und Lehre au Dem Gebiete der Veterinärmedizin dar, sondern sie sind zugleich die Stätten der praktischen Hilfe, an die sich der Tierfreund wenden kann, menn er u leinen oterfü&igen Mrbeit5tameraben ober @e afjrten Hilf- hei Krankhe ten ober Unfällen braucht, ^er

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Ilanb. Es ist wohl nicht zuviel gesagt, wenn man 511 tehauptet, baß jeber Mensch irgenbroie seine Liebe » einem Tiere zuwenbet. Aus bieser Neigung zu ber

" jummen Kreatur ber Schöpfung finb auch schon

'üelfältig Taten unb Werke erstanben, bie ber lumanen Gesinnung bes Menschen gegenüber bem 5ier zur Ehre gereichen. Man benke nur an bas

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