von
Kanal-Phantome.
Von Or. Paul Rohrbach.
Seit einiger Zeit wird in Berichten aus Ostasien die Nachricht wiederholt, Japan (wer könnte es auch anders sein!) plane im Ernst den Durchstich des I st h m u s von Kra; ja es seien schon Vermessungen gemacht und die Arbeiten hätten begonnen. Daran knüpfen sich allerlei Folgerungen über die Abkürzung des Weges nach Ostasien, über den „strategischen Nutzen" für Japan, über die zukünftige Bedeutungslosigkeit des englischen Hafen- und Waffenplatzes Singapore und dergleichen mehr.
Was ist von dieser Idee zu halten?
Die nach der Stadt Kra genannte Landenge ist eine starke Verschmälerung der Halbinsel Malak- k a, nahe ihrer Wurzel zwischen den beiden Meerbusen von Siam und von Martaban. Die Entfer- nuna von Meer zu Meer schrumpft hier auf etwa 70 Kilometer zusammen, und sie verringert sich um weitere 30 Kilometer durch den Mündungstrichter des Flusses Paktschan, an dessen oberem Ende die Stadt Kra liegt. Die Verhältnisse für den Bau eines Kanals werden noch günstiger dadurch, daß die lange Gebirgskette, die sich aus dem Innern von Hinterindien bis an das Südende von Malakka erstreckt, gerade bei Kra unterbrochen ist. Der Gestoinsriegel zwischen den beiderseitigen Küstenebenen ist nur 12 Kilometer breit und nur bis 30 Meter hoch. Das sind noch günstigere Bedingungen, als beim Kanal durch den Isthmus von Korinth. Kämen also nur die äußeren Umstände in Betracht, so ließe sich wohl an den Kanal denken. Von Kra bis Singapore an der Südspitze von Malakka sind es noch über tausend Kilometer. Diese ganze Entfernung in der Nord-Südrichtung und ein nicht viel kleineres Stück bei der Fahrt zurück nach Norden, nach den chinesischen und japanischen Häfen, würden durch den Kanal von Kra gespart.
Die Sache hat aber strategisch und politisch einen großen Haken, und der wird die Ausnutzung der guten geographischen Gelegenheit im Sinne Japans verhindern. Der Isthmus von Kra ist nämlich zur Hälfte englisch. Das Aestuar des Paktschan- Flusses bildet die Grenze zwischen der englischen Kronkolonie Birma und dem Königreich Siam, zu dem das mittlere Stück der Halbinsel Malakka gehört. Die westliche Einfahrt in den Kanal läge also, wenn man überhaupt soweit denken will, unter englischen Kanonen. Kra ist Grenzstadt, noch auf siamesischem Gebiet, es wird aber gleichfalls von der englischen Seite her beherrscht. Die östliche Mündung des Kanals käme in die Tschampon-Bucht am Golf von Siam zu liegen. Zwischen Siam und Japan scheinen sich enge Beziehungen anzubahnen, aber für den Kanalbau käme es nicht auf Siam an, sondern auf England.
Man darf die Engländer nicht unterschätzen, namentlich nicht, was die rechtzeitige Besetzung strate- gisch wichtiger Punkte auf der Welt betrifft. Daß der Isthmus von Kra zu einem Kanalbau einladet, haben sie schon gewußt, als sie die Grenzen des schon seit lange von ihnen annektierten Birma so weit nach Süden, bis an die Mündung des Paktschanflußes, legten. Eine englandfreie Durchfahrt aus dem Großen in den Indischen Ozean gibt es nicht und wird es auch nicht geben, solange England seine Stellung in Indien behauptet, mit andern Worten: solange das englische Imperium existiert. Für eine ernsthafte Betrachtung der Dinge erscheint es auch nicht möglich, daß man sich in Japan je etwas anderes eingebildet haben sollte. Daher verdienen Nachrichten über japanische Arbeiten auf dem Isthmus von Kra keinen Glauben.
Sollte der Kanal einmal — aus rein verkehrstechnischen Gründen — gebaut werden, so wird es, so gut wie der Suezkanal und die Meerenge von Singapore, ein englisches Gewässer sein.
Beim Isthmus von Kra liegen wenigstens die natürlichen Bedingungen so weit günstig, daß ein Kanalplan an sich nicht verwunderlich wäre. Vollkommen phantastisch dagegen ist die gleichfalls kolportierte Nachricht, England plane ein Seiten- stück zum Suezkanal auf der Linie von Gaza nach Akaba. Gaza ueai etwas landeinwärts an der palästinensischen Küste, südlich Jaffa; Akaba ist der Hafen am Nordende des gleichnamigen Golfs, des östlichen der beiden Zipfel, in die das Rote Meer nach Norden ausläuft; der andere Zipfel ist der Golf von Suez. Zwischen beiden liegt die Sinai-Halbinsel. Im israelitischen Altertum hieß Akaba Ezeon Geber. Von hier segelte die Flotte Salomos und Hirams von Tyrus nach dem Lande Ophir, um Gold zu holen.
Man braucht nur die natürlichen Verhältnisse auf der Landenge von Suez und auf der Strecke zwischen Gaza und Akaba zu vergleichen, um sofort zu sehen, daß ein Kanalbau hier unmöglich ist. Der Suezkanal ist 160 Kilometer lang, und davon brauchten etwa 40 Kilometer nicht ausaegraben zu werden, weil sich zwei natürliche Hoylformen des Bodens durch das einlaufende Meerwasser in genügend tiefe Seen verwandelten. Außerdem tonnte durchweg in weichem Baden gearbeitet werden. Zwischen Gaza und Akaba beträgt die Entfernung fast 100 Kilometer mehr, und der Boden hebt sich bis zu 600 Meter über dem Meeresspiegel. Ueberall liegt festes Gestein. Auf der Landenge von Panama, die kaum 50 Kilometer breit 'ift, liegt der höchste Punkt nur 82 Meter über dem Meer, und es erwies sich trotzdem als unmöglich, einen Kanal ä niveau, also ohne Schleusen, zu bauen, durch den das Wasser, wie beim Suezkanal, srei von Meer zu Meer flutet. Will man der an sich unsinnigen Idee einer Kanalanlage zwischen Gaza und Akaba überhaupt soweit nachgehen, so mußten also von beiden Seiten riesenhafte Schleusentreppen gebaut werden, um die Schiffe hin- uberzubringen. Gesetzt weiter den Fall, die dazu notigen Milliarden würden aufgewendet, so gäbe es gar kein Wasser für den Kanal samt Schleusen, denn das Land weit und breit ist teils Steppe teils Wüste, in der nur zur Regenzeit hier und da ™ E/m Wadi ein spärlicher Wasserfaden rinnt. Man sieht heute noch die in den Fels gehauenen Zisternen, in denen im Altertum, als Südpalästina noch stärker bevölkert war, das Wasser gesammelt wurde, um Schafe und Kamele tränken zu können.
Es wäre interessant zu wissen, woher zuweilen em solcher Unsinn in die Oeffentlichkeit gelangt. Die Smai-Halbinsel liegt doch nicht aus der Welt, und das englische Mandatsgebiet mit europäischer Der- waltung erstreckt sich tatsächlich bis Akaba, das übrigens auch von dem Herrn Arabiens, Ibn Saud, in Anspruch genommen wird. Die Engländer werden ihm den Platz nicht räumen, denn sie wollen dorthin eine Eisenbahn, von Gaza oder von Jerusalem aus, bauen; außerdem, wie es heißt, einen Flottenstützpunkt in Akaba einrichten. Sollte diese Absicht zu dem angeblichen Kanalprojekt verballhornt worden sein? Jedenfalls ist Kra als Kanalpunkt aus der Politik und Akaba außerdem aus der Geographie zu streichen.
Frankreich wirst sich -em Bolschewismus in -ieArme
Oie Kammer billigt die Ratifizierung -es französisch-sowjetrussischen Beistandspakts
M i t t e l m e e r begründet, die natürlich mit der
Frage der Sühnmaßnahmen Zusammenhänge, mit chrer endgültigen । Die Italiener hätten keinerlei Forderungen auf wollten, bis die Sitz
eine
politische Gegenleistung für ihre Unterschrift
Oelfrage
Lm Schatten eines Weltreiches
barem Elend, und der neueste Bericht des Sonderkommissars für diese Elendsgebiete zeigt, daß sich darin wenig oder fast nichts geändert hat. Die Gründe dafür sind erstens die Strukturveränderungen innerhalb der englischen Wirtschaft, zweitens die individualistische Teilnahmslosigkeit der Besitzenden und drittens die Gleichgültigkeit, die den Arbeiter der Elendsquartiere befallen hat. Nicht, als ob der Staat nichts täte. Aber er gibt verhältnismäßig wenig Geld aus, um die Arbeitslosigkeit in den fern von London liegenden Gebieten, z. B. Schottland, Wales, Südengland, nachhaltig zu beheben, geschweige daß er daran dächte, durch Umsiedelung größerer Arbeitermassen oder durch Staatsaufträge das Elend an der Wurzel zu packen. Im Vorjahre wurde Lloyd Georges New Deal verworfen, weil der Staat nicht die Wirtschaft in dem verlangten Sinne kontrollieren wollte. Englands Stärke liegt in feinem Individualismus, aber gleichzeitig liegt darin auch eine furchtbare Schwäche und eine Ursache vielen Elends.
Die englische Wirtschaft ist im Verlauf der 150 Jahre rasch gewachsen, sie hat vor allem seit dem Kriege aber sich strukturell verschoben, so daß die Gebiete, die vor 50 oder 75 Jahren noch eine In- dustriebevölkerung zu ernähren vermochten, heute verelendet sind, während andere Gebiete, z. B. London, Birmingham und Sheffield durch die Verlegung der Industrien sich verbesserten. Die eng- lische Regierung hat dem Spiel der freien Kräfte ruhig zugesehen. Die englische Gesellschaft hat zwar opferfreudig für die sozialen Einrichtungen der Kirche und für gewisse humanitäre Maßnahmen gespendet, aber alle diese Organisationen haben doch nicht vermocht, dem Elend in den alten Jndustrie- quartieren zu steuern, eben weil die Kräfte zer- schlittert angesetzt wurden. Schon im Jahre 1935 kam daher der Notstandskommissar Mr. Stewart zu dem Vorschläge der Verstaatlichung der Bergwerke, der Reorganisation des Kohlenabsatzes, der Verschrottung veralteter Betriebe, der Standortsverlegung ertragloser Unternehmungen, und schließlich lief sein Vorschlag darauf hinaus, vor allem eine innere Siedlungspolitik zu treiben. Maßgebend dafür war, daß die Arbeitslosigkeit von 10 v. H. der Versicherten im Jahre 1928 auf 16 v. H. gestiegen war, daß aber außer den zwei Millionen Unterstützungsempfängern es in England noch rund 1,5 Millionen Wohlfahrts- Erwerbslose bzw. Empfänger von Armenunter- stützunq gab. In diesem Jahr hat der Notstandskommissar festgestellt, daß die Arbeitslosigkeit nur um 1 v. H. in den Elendsquartieren gesenkt werden konnte und die jungen Arbeitslosen körperlich und moralisch ruiniert sind, zum Teil überhaupt noch nicht gearbeitet haben. Die körperliche Beschaffenheit dieser Arbeitslosen war derartig, daß sie nicht einmal den Anforderungen der Arbeitslager entsprach. Der jetzige König von England hat sich gelegentlich eines Besuches der schottischen Bergbaugebiete geradezu erschüttert über die Lage der Bewohner dieser notorisch notleidenden Gegend ausgesprochen.
Bemerkenswert ist nun, was zur Behebung dieses Notstandes vorgeschlagen wird. Der Staat soll «roße staatliche Arbeiten vornehmen, u. a. Autobahnen, er soll ferner Ausbildungs- ' lager für die erwerbslose Arbeiterjugend errichten, und die Umsiedelung der Erwerbslosen
wohl sie ein kritisches Stadium erreicht habe. Wahrscheinlich werde Grandi neue Anweisungen abwarten. Die Schwierigkeiten seien in der Lage im
Die Reorganisation -er britischen Reichsverteidigung
vorgebracht. Sie hätten einfach ganz offen erklärt, daß sie angesichts der gegenwärtigen Lage i tn Augenblick nicht bereit seien, einen Vertrag zu unterzeichnen. Man glaubt, daß die Italiener
Entscheidung solange warten die Sitzung in Genf über die stattgefunden hat.
des im Mn versetzte! d» Nationalrel nunmehr als Deutschland Se nach Berlin en n>urde heute > kanzler zur Meidens im , Ren. gm El "“»es eine Eh *er die vorae ‘""/rnpfang Artigen, Fre
Prinz Karl von Schweden.
Stockholms 27. Febr. (DNB.) Der Prä. sident des Schwedischen Roten Kreu - z e s, Prinz Carl von Schweden, verbringt seinen 75. Geburtstag auf dem Schloß Stau- g u m bei Oslo im engsten Familienkreis als Gast seiner Tochter, der norwegischen Kronprinzessin Maertha. Unter den Gästen befinden sich u. a. sein Schwiegersohn, der belgische KorngLeopold, sowie das d ä n i s ch e P r i n- Z en paar Axel und Margareta. Der Führer und Reichskanzler hat an den Prinzen ein herzliches Glückwunschschreiben gerichtet. „Stock- Holms Tidningen" veröffentlicht Stimmen der Welt über die Arbeit des „Roten-Kreuz-Prinzen" im Dienste der Menschlichkeit und des Friedens. Unter diesen Stimmen ist Deutschland durch Reichs- Minister Dr. Frick, durch den Präsidenten des Deutschen Roten Kreuzes Herzog von Sachsen-Coburg-Gotha und durch den Schriftsteller Edwin Erich D w i n g e r vertreten, der einen besonderen und aus eigenem Erlebnis als (Befangener in Sibirien heraus empfundenen Grund zur Dankbarkeit gegen die barmherzige Tätigkeit des Schwedischen Roten Kreuzes hat. Er weist darauf hin, daß die Zahl 600 000 der gefunden in der russischen Gefangenschaft zugrunde gegangenen Menschen ohne die Hilfsbereitschaft des Schwedischen Roten Kreuzes bestimmt noch viel höher und erschreckender gewachsen wäre. Die Dankbarkeit, die in den vielen tausend Herzen der Geretteten fort» lebe, sei daher um so größer.
London, 27. Febr. (DNB.) Ministerpräsident Baldwin erklärte im Unterhaus, daß zwar der Ministerpräsident den Vorsitz des britischen Reichsverteidigungsausschusses behalten soll, daß aber ein Minister zum stellvertretenden Vorsitzenden dieses Ausschusses und der ihm angehörigen Unterausschüsse über Wehrpolitik und Bedarfsdeckung ernannt werden soll, dem der Ministerpräsident folgende Aufgaben übertragen wird:
Die unausgesetzte Ueberwachung der Armee und der Tätigkeit des Reichsverteidigungsausschusses, die Gleichschaltung der zur Durchführung bestimmten Maßnahmen und die monatliche Berichterstattung an den Ausschuß; Herausstellung von Maßnahmen, die noch nicht aufgegriffen worden sind, oder zu langsam durchgeführt werden. Eine weitere Ausgabe des Ministers wird die persönliche Fühlungnahme mit den S t a b ch e f s sein. Er erhält das Recht, den Ausschuß der Stabsckefs einzuberufen, fglls er dies für wünschenswert halten sollte. Ferner übernimmt der Minister den Vorsitz des Hauptausschusses für den Offiziersersatz. Dem bereits bestehenden Ausschuß für den Entwurf gemeinsamer Pläne werden drei Offiziere beigeordnet werden, und zwar je einer von der Armee, der Flotte und der Luftstreitkräfte.
Baldwin wies auf die stetig zunehmende Arbeit des Kabinetts und insbesondere des Ministerpräsidenten hin, ein Umstand, der eine Entlastung dringend erforderlich mache. Die Ernennung eines stellvertretenden Vorsitzenden des Reichsverteidigungs- ausschüsses bedeute natürlich nicht, daß sich der Ministerpräsident der letzten Verantwortung für die
Berlin-27 Lte ebenso w Lorjah? fe " 1 hi Peking zur
Berlin m eine
letzten ! , ni‘l «ne Mum Teil dadurch "m- »eil, Äh?'5 ® »"Gliche £ bie J !»naug.
Fr
Är Erl ft Men v nortz D u't Vnb f i!" Und E das sü^'lerung
> Aus
Qber » berenQ?? bi
Wlq ??5 **1b LS
ttJ'W i
I.& b AW Ä
I <*i
p a r i s, 27. Jebr. (DNB.) Die Kammer Hai sich mit 3 5 3 gegen 164 Stimmen für bie Ratifizierung des fr a n z o f i f ch - f o w - jetrufsischen Paktes ausgesprochen. Die 164 Stimmen der gegnerischen Abgeordneten verteilen sich auf bie einzelnen Parteien wie folgt: 1 Mitglied ber Arbeitseinheit. 1 Rabikalfozialist. 19 Linksrepublikaner, 5 Republikaner ber Mitte (elsässische Abgeorbnete), 18 Mitglieder ber Habitaten Linken, 8 katholische Demokraten, 9 Links- unabhangige, 8 Unabhängige, 2 Unabhängige ber wirtschaftlichen, sozialen unb Bauernaktion, 12 Sozialrepublikaner, 29 Mitglieder ber republikanischen IHitte (Tarbieu), 37 RUtglieber ber republikanischen Bereinigung unb 15 parteilose. 22 Abgeorbnete waren beurlaubt, 47 haben sich ber Stimmabgabe enthalten. Die Abstimmung scheint von lauter Mißverständnissen begleitet gewesen zu sein. Zunächst einmal hatten viele Abgeorbnete nicht oerftanben, baß sie über bie Ratifizierung abzustimmen hätten, sonbern glaubten, baß sie über ben Schluß ber Aussprache abstimmen sollten. Außerbem hatte bie Regierung es verabsäumt, bie Vertrauensfrage zu sielten, bie trotz ber Erklärung bes Ministerpräsidenten (bie nur ein moralisches Gewicht hat) auch nicht nachgeholt werben konnte.
Die Sitzung.
In der Sitzung rollte der rechtsgerichtete Abgeordnete Henriot erneut den Fall Eber le in auf, indem er Unterlagen dafür erbrachte, daß die Dritte Internationale sich nicht an die Bestimmungen des zwischen Frankrich und Sowjetrußland geschlossenen Anerkennungsvertrages gehalten hat, der bie Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten beider Länder bestimmt. Als Henriot im einzelnen angab, welche Summen der in Straßburg verhaftete Eberlein an französische kommuni st ische Zeitungen usw. verteilt hat, unterbrachen die Kommunisten den Redner durch andauernden Lärm.
vornehmen. Im Grunde ist das der gleiche Plan, den Lloyd George mit seinem New Deal bezweckte. Vor allem ist die Parole des „Back-to-the-Land" wieder ausgenommen worden. Aber Lloyd Georges großzügiger Reformplan scheiterte bekanntlich an der englischen Seelenruhe und der Versicherung, ber Staat tue so schon alles mögliche, um in den Gebieten der Depression einen Umschwung herbeizu- ftihren. Daß das nicht der Fall ist, zeigte bereits der vorjährige Bericht des Notstands-Kommissars und der diesjährige beweist, daß seitdem die Zustände noch schlimmer geworden sind. Mit den individualistischen Methoden läßt sich eben die englische Not nicht bannen, genau so wenig wie in Deutschland die Methoden der Systemzeit eine Aen- derung herbeiführten. Es ist aber bezeichnend, daß gerade die englischen amtlichen Berichte zu Vorschlägen kommen, die im neuen Deutschland verwirklicht worden sind und die dem Elend die Wurzeln abgruben.
Abschaffung
des englischen Kirchenzehnten.
London, 28. Febr. (DNB. Funkspruch.) Die englische Regierung hat beschlossen, den sogenannten Kirchenzehnten, der seit Jahrhunderten eine wichtige Einnahmequelle der englischen Pfarrgeistlichen bildet, abzuschaffen. Ein dahingehender Gesetzesantrag sieht die Ausgabe neuer Staatspapiere in Höhe von ungefähr 70 Millionen Pfund mit einem Zinssatz von 3 v. H. für den zwangsweisen Aufkauf der Zehnten-Renten von den gegenwärtigen Renteninhabern vor. Die Abschaffung des Kirchenzehnten wird voraussichtlich bei ben Kirchenbehörben auf scharfe Gegnerschaft stoßen.
Die Berichte ber englischen Notstands-Kommissare von heute zeigen etwa das gleiche Bild wie die der Fabrik-Kommissare vor hundert Jahren. Neben dem englischen Herren- und Bürgertum, den halbverproletarisierten Existenzen der Spießbürger, der „Cockneys“, gibt es ausgedehnte Elendsgebiete, die sich dem Blick des durchschnittlichen Englandfahrers entziehen, aber unmittelbar neben der glänzenden Außenseite vorhanden sind. So sind die Slums, die menschenunwürdigen Wohngebiete, in London z. B. direkt hinter Westminster zu finden. Genau wie vor hundert Jahren leben große Massen des britischen Volkes in furcht-
Verteidigung entziehen werde. Als zum ersten Make der Fehlschlag der internationalen Abrüstungsoer- handlungen offen zugegeben wurde, sei es klar geworden, daß England seine Vorbereitungen für die Abstellung der Mängel in seinen verschiedenen Waffengattungen nicht länger hinauszögern könne. ElastischesAusrüstungsprogramm
London, 28. Febr. (DNB. Funkspruch.) Wie bir Morgenblätter melden, wird das englische Rüstungsweißbuch, dessen Veröffentlichung von Baldwin für die nächste Woche angekündigt worden ist, eine historische Begründung des englischen Aufrüstungsprogrammes und einen Umriß der Regierungsvorschläge geben. Die Regierung be- absichtigt nicht, in dem Rüstungsweißbuch ein auf mehrere Jahre genau festgelegtes Programm mit allen technischen und finanziellen Einzelheiten niederzulegen. Die „Times" meldet, daß die Regierung stets daraus bestanden habe, daß das Programm „flüssig" sein müsse, d. h., daß es bei einer Aenderung der europäischen Lage zum „Schlechten oder Guten" abgeändert werden könne. Aus diesem Grunde müsse das Programm schrittweise entwickelt werden. Das Weißbuch werde daher wahrscheinlich nur diejenigen Verteidigungsmaßnahmen, die im n ä ch st e n Jahr begonpen werden, einzeln aufführen. Besonderer Wert soll in dem Weißbuch auf hie Frage der Bereitstellung gelernter Arbeiter für die industriellen Rüstungs- maßnahmen gelegt werden. Ferner ist eine Berücksichtigung der Notstandsgebiete bei der Verteilung der Aufträge beabsichtigt.
Es ist mehr als eine internationale konventionelle Verbeugung, wenn wir heute in Dankbarkeit unb Verehrung dieses Mannes gedenken, der sich besonders im Weltkrieg als Vorsitzender des Schwedischen Roten Kreuzes ausgezeichnet hat. Er war ein aufrichtiger Freund des Friedens, der Menschlichkeit und der Gerechtigkeit, ein Mann, der immer JjFn Gedanken der Nächstenliebe hochhielt unb während des mörderischen Völker-
n*
।
fe» l&S SW Der gegt rpfo ben "1 O f»‘9“
loi^Zanöl
***$»
£?eS"^
Darauf nahm ein s o z i a l i st i s ch e r Abgeordneter das Wort. Als auf der Rechten fortwährend Proteftrufe laut wurden, fetzte sich der sozi-alistische Abgeordnete Brake neben die Abgeordneten der äußersten Rechten, um sie an den Zwischenrufen zu hindern. Rechtsgerichtete Abgeordnete versuchten, Brake zu entfernen, während sich die Kammerdiener vergeblich bemühten, die Abgeordneten auf ihre Plätze zurückzubringen. Man sah erhobene Fäuste, der Sitzungssal war von ungeheurem Lärm erfüllt. Die Sitzung wurde aufgehoben. Es dauerte jedoch noch einige Minuten, bis sich das Knäuel auf der rechten Seite des Hauses löste.
Nach längerer Unterbrechung äußerte sich der radikalsozialistische Abgeordnete Pierre C o t über die Schlagkraft der Roten Armee und ihrer Luftstreitkräfte. Keine Luftarmee der Welt könne so vielKriegsmaterial befördern wie die sowjetrussische. Sie habe bei den letzten Manövern gezeigt, daß Kanonen, Kampfwagen, Maschinengewehre und anderes Kriegsmaterial iy ausreichendem Umfange von Flugzeugen befördert werden könnten. Er glaube an die Schlagkraft der Roten Armee, weil der französische Generalstab daran glaube.
Die Kammer beschloß darauf, die Aussprache zu beenden. Es wurde zur A b ft i m m u n g geschritten, ohne daß die Regierung die Vertrauensfrage gestellt hatte. Der Ministerpräsident erklärte darauf, daß ein Mißverständnis entstanden sei. Er habe eigentlich die Absicht gehabt, zu der Abstimmung über den einzigen Artikel der Ratifizierungsvorlage die Vertrauensfrage zu stellen. Die Sitzung wurde darauf wieder unterbrochen, um die namentliche Auszählung der Stimmen vorzunehmen. Außenminister F l a n d i n wird bereits am Freitag die von der Kammer angenommene Gesetzesvorlage dem Senat überweisen. Der Auswärtige Ausschuß des Senats selbst wird über das Ersuchen des Außenministers, einen Berichterstatter zu ernennen, beraten. Der Wunsch der Regierung geht dahin, daß über die Gesetzesvorlage noch vor den Wahlen endgültig abgestimmt werden soll.
OieKündigung des belgisch-französischen Militärabkommens abgelehnt.
Brüssel, 27. Febr. (DNB.) Die Militärvorlage wurde von den Ausschüssen der Kammer mit insgesamt 94 gegen 62 Stimmen bei 16 Stimmenthaltungen abgelehnt. Die Vorlage geht jetzt an den Zentralausschuß und von dort an die Vollsitzung der Kammer, die aber kaum vor Ende März Stellung nehmen wird. Ferner beschäftigten sich die Ausschüsse mit dem von den flämisch-nationalen Abgeordneten Romse und Vorginon eingebrachten Gesetzentwurf, wonach die Regierung das französisch-belgische Militärab'kom- men innerhalb Monatsfrist kündigen soll. Die Drucklegung dieses Gesetzentwurfes wurde a b gelehnt. Drei Ausschüsse sprachen sich dagegen, drei dafür aus; damit ist der Gesetzentwurf erledigt. Zu derselben Frage der Kündigung des Militärabkommens liegt jetzt nur noch ein Beschluß der katholisch-flämischen Parlamentsgruppe vor, die aber noch nicht im Parlament eingebracht worden ift.
Lialienlehni-iettnierzeichnung
-es Flottenvertrags ab.
Man will eine Klärung der Lage im Mittelmeer abwarten.
London, 27. Febr. (DNB.) In einer Unter- r^f,ün$ Außenminister Eden hat die italienische Abordnung daraus hingewiesen, daß sie zurzeit nicht bereit fei, einen Flo11enver- , a9 8» unterzeichnen. Als Gründe wurden wwohl die technischen Schwierigkeiten, die sich auf die Größe der Schlachtschiffe und die Ducken zwischen Schlachtschiffen und Kreuzern beziehen, als auch die Schwierigkeiten in der Verfahrensfrage angeführt.
Association erfährt, ist die italienische Entscheidung k eine smegs endgültig oder un w . de rrufltd). Sie bedeute jedenfalls, daß die Flottenkonferenz zusammenbrechen werde, ob-


