Zivilcourage.
Der NationalsozialistischeGau- dienst Hessen • Nassau schreibt:
Bismarck hat einmal das Wort von der „Zivilcourage" geprägt und damit zum Ausdruck brin- aen wollen, daß Mannesmut sich nicht allein äußert tm Soldatenrock und draußen im Toben der Schlacht, sondern auch darin, daß er es wagt i m Zivilleben ein freies Wort am rechnen Platz zu sagen und dies auch solchen „Größen" gegenüber, die von den meisten schweifwedelnd umgeben werden. Bismarck hatte ja leider allen Grund, den Mangel dieser Courage an vielen seiner Mitarbeiter festzustellen und die ganze Wilhelminische Aera krankte an diesem Mangel zum Schaden des Kaisers selbst, zum noch größeren Schaden des deutschen Volkes. Wer sich mit der Geschichte der Wilhelminischen Aera nur etwas befaßt, muß sich mit Schauder abwenden von manchen Gestalten, die entgegen besserer Erkenntnis zu allem Ja und Amen sagten, was der Kaiser wollte, die nie den Mut aufbrachten, den Kaiser auf Fehler aufmerksam zu machen, teils aus angeborener höfischer Schmeichelei und teils aus Angst um ihre Stellung. Sie kannten oft genug die Wahrheit, kannten die Fehler, sogar deren Folgen, aber sie waren zu feige, den Mund aufzumachen. Darin äußert sich ja gerade der Mut, daß man für eine Sache, die es einem wert erscheint, seine Person einzusetzen wagt und kleinliche Rücksichten auf sich selbst außer Betracht läßt.
Gibt es für uns Nationalsozialisten, ja für uns Deutsche ganz allgemein, ein leuchtenderes Beispiel von Zivilcourage als das unseres F ü h r e r s ? Er hat den damaligen Zeitströmungen, den Machthabern getrotzt, hat als einzelner ihre Methoden und Fehler an den Pranger gestellt, hat dem Marxismus die Stirn geboten, der uns alle zu vernichten drohte. Und wenn das Anwachsen der Bewegung anfänglich nur langsam vor sich ging, so ist das nur eben der Beweis für den Ma n - gel an Zivilcourage. Denn man kann doch nicht annehmen, daß unter den Millionen deutscher Männer anfangs nicht mehr als die paar Tausend gewesen sein sollten, die die Richigkeit des vom Führer zur Errettung Deutschlands aufgestellten Programms erkannt hätten; und dennoch blieben die anderen im Hintergrund. Warum? Aus Angst vor Vorgesetzten, aus Angst vor Nachteilen im Beruf, im Fortkommen. Diese Angst war bei vielen größer als die vor der Bekanntschaft mit einem Stuhlbein in Versammlungen oder mit der republikanischen „Genußwurzel", dem Gummiknüppel der Polizei.
Und wie steht es nun heute? Ist die Zivilcourage größer geworden? Leider nein? Schlappschwänze, Schmeichler und Sklavenseelen wird es immer geben; ganz auszurotten sind sie nicht. Aber aerobe unsere Zeit braucht Männer, die den Mut haben, für ihre eigene Meinung gerade zu stehen, die den Mut haben, auf einen Fehler oder Mißstand hinzuweisen und zu sagen, wie man es besser machen könnte. Da stecken sie aber lieber irgendwo an einem sicheren Ort, am Stammtisch z. B., die Köpfe zusammen und kritisieren und raunen sich dies und jenes zu, statt den Gerüchten nachzugehen, sie auf Stichhaltigkeit zu prüfen und wenn die Prüfund positiv war, das Ergebnis an die richtige Stelle weiterzuleiten. Ja wenn man das anonym machen könnte — dann schon! Aber den Namen darunter setzen und damit die Verantwortung übernehmen, nein, lieber nicht. Zivilcourage! Wir wissen, daß wir einem Feigling begegnet sind, genau genommen einem Egoisten, der nur auf sein Wohl bedacht ist, statt das Wohl des Ganzen im Auge zu haben und dies als höchstes Gebot anzusehen. Dabei finden sich unter dieser Kategorie auch Männer, die wohlerworbene Kriegsauszeichnungen haben und beweisen, daß es ihnen draußen nicht an Mut gefehlt hat. Es ist halt doch etwas anderes, draußen im Kugelregen feinen Mann zu stehen, gegen den Feind anzustürmen, als daheim die nötige Zivilcourage aufzubringen. Warum nur nicht daheim? Und das wäre zuweilen noch nötiger als der im Feld bewiesene Mut.
Kein Mensch und erst recht kein denkender Nationalsozialist wird glauben, daß man ein Volk in wenigen Jahren umkrempeln kann, daß man unter 65 Millionen Menschen lauter Edelleute hätte. Es passiert dies und jenes. Darauf kommt es aber gar nicht an, fondern darauf, wie man heute von Staats wegen und Partei wegen reagiert. Vieles aber spielt sich für Staat und Partei unsichtbar ab, so daß gar nicht darauf reagiert werden kann. Gebt dem Führer, dem Staat und der Partei Kenntnis davon, und dann wird, was jaul ist, ausgemerzt! fyabt den Mut, eure Kenntnisse an d i e richtige Stelle zu bringen. Und wenn ihr den nicht habt, dann habt ihr auch kein Recht zu schimpfen und insgeheim den Nationalsozialismus verantwortlich zu machen. Man braucht nur feine Ohren aufzumachen, da hört man z. B., daß in diesem ober jenem Betrieb etwas nicht in Orb- nung ist, baß die gesunbheitlichen Einrichtungen mangelhaft sinb, daß Arbeiter unter diesen ober jenen schädlichen Einflüssen zu leiden haben u. a. m. Fragt man bann, warum denn das nicht den zuständigen Stellen gemeldet würde, dann erhält man die klägliche Antwort: Ja wer will denn das tun? Da hat man nur Nachteile und Scherereien davon usw. Mangel an Zivilcourage? Aber den traurigen Mut haben die Menschen, die Köpfe zu- sammenzustecken und zu maulen und zu sagen: „Das ist heute auch nicht besser als früher!" Solche Redensarten sind wie schleichendes Gift, ein Bakterienherd, den die Regierung nicht ausrotten kann, bis er einen Umfang angenommen hat, daß man nicht erst noch besonders darauf aufmerksam zu machen braucht.
Deutscher, der du seit deiner Ahnen Tage im steten Kampfe stehst mit Feinden, mit den Elementen der Natur, lerne um deiner und deines Volkes willen noch eines hinzu: Den Mut auch im bürgerlichen Leben, die Zivilcourage. Gewiß, es wird nicht gerade jeder, der mit deiner Zivilcourage Bekanntschaft machen muß, sich darüber sehr freuen, aber das ist völlig gleichgültig und nebensächlich, wenn du dafür das Bewußtsein haben darfst, Führer und Volk einen Dienst erwiesen zu haben.
Kunst und Wissenschaft.
3nternationaler violinisten-wettbewerb.
Die Musikstiftung Königin Elisabeth führt zum ehrenden Gedenken an den berühmten belgischen Geigenvirtuosen Eugöne P s a y e einen inter» nationalen Wettbewerb unter dem Namen „Internationaler Wettbewerb Eugöne Psaye ein. Der Wettbewerb findet Ostern 1937 in B r u s s e l zum erstenmal statt. Teilnahmeberechtigt sind die Geigenkünstler aller Länder, die am 1. Januar 1937
mindestens 30 Jahrs atf sind. Die Bedingungen sehen folgende Anforderungen vor: a) eine Diolin- fonate von Eugöne Ysaye; b) eine Violinsonate von I. S. Bach; c) ein Konzertstück aus den Werken von Spohr, Viotti, Kreutzer, Rod, Vieuxtemps ober Wieniawsky; d) ein Violinkonzert mit Orchesterbegleitung; e) sechs kleine Stücke, bavon ein Werk uön Eugene Moye mit Klavierbegleitung. Die genauen Bestimmungen können bei der Reichsmusikkammer (Berlin W 62, Lützowplatz 13) angeforbert werben. Das Preisgericht setzt sich aus ben bekanntesten Künstlern aller ßänber zusammen, Deutsch- lanb entsendet Georg Kulenkamps f. Für ben ersten Wettbewerb sind folgenbe Preise ausgesetzt: 1. Großer Internationaler Preis Eugöne Psaye 30 000 Franken, gestiftet von der Königin Elisabeth, Preis des Unterrichtsministeriums von 25 000 Franken. Von der Musikstiftung Königin Elisabeth selbst sind weitere Preise von 20 000, 15 000, 10 000, 7500,
5000 Franken und drei Preise zu 2500 Franken ausgesetzt worden.
Treuerscheinungen
im Verlag 3. Engelhorns Rachf.» Stuttgart.
Der Verlag I. Engelhorns Nachf.- Stuttgart, kündigt folgende Neuerscheinungen für das kommende Frühjahr an: Dr. Hans Annaheim: Landschaftsformen des Luganoergebiets. — Wilhelm Ehmer: Um den Gipfel der Welt. Die Geschichte des Bergsteigers Mallory. — Dr. Kurt Rosenberger. Die künstliche Bewässerung im oberen Etschgebiet. — Cherry Kearton: Mein Freund Toto / Die Abenteuer eines Chimpansen. — Stijn Streuvels: Liebesspie1 in Flandern / Roman. — Kurt Kluge: Der Nonnenft e i n / Novellen. — Herbertv. Roemer Die Kutscherin des Zaren / Ein kleiner Roman.
Die Kämpfe in Tembien
Marschall Badoglio über den
Asmara, 28. Jan. (DNB.) Marschall B a • b o g l i o schilderte den im italienischen Hauptquartier anwesenden Pressevertretern Einzelheiten der letzten Kämpfe in T e m p i e n. Nachdem das Oberkommando erfahren hatte, daß die abessinischen Truppenabteilungen unter Ras Kassa und Ras Seyoum in Tempien sich vereinigen wollten, um gemeinsam gegen Hausien nordwestlich von Makalle oor^ustoßen und so einen Keil zwischen d i e italienischen Fronten in Adua und Makalle zu treiben, hatte sich das italienische Oberkommando entschlossen, diesem Plan durch einen Gegenangriff zuvorzukommen Es sei gelungen, die von Den Abessiniern besetzten Höhen zu erobern, und den Gegner in Richtung Melfa zurückzuwerfen. Auf dem Kampfplatz seien über 1000 tote Gegner zurückgeblieben.
Am 21. seien die Angriffsabteilungen weiter vorgerückt und hätten Verbindung mit den anderen Gruppen aufgenommen. Dabei hätten sie zwei weitere wichtige feindliche Stellungen einnehmen können. Inzwischen hätten die Abessinier versucht, über ben Wariv-Paß in ber Gegend von Adbi Abbi die italienische Linie zu durchbrechen. Der Paß sei aber von der Schwarzhem- den-Division unter blutigen Verlusten zwei Tage gehalten worben, bis bie Askari-Ver- ftärfungen eingetroffen feien. Dann fei es gelungen, den Gegner in die Flucht zu schlagen. Der Druchbruchsplan von Ras Kassa und Ras Seyoum könne also als gescheitert gelten. Marschall Badoglio warnte vor einer pessimistischen Beurteilung der Lage und erklärte, daß der Nachschub der italienischen Truppen trotz der
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Erfolg des italienischen Gegenstoßes.
weiten Entfernungen gesichert sei, da die Stra- ßen gut ausgebaut worben seien. Die Hoffnung ber Abessinier auf bie Versumpfung der Straßen in der Regenzeit sei hinfällig.
Im letzten italienischen Heeresbericht heißt es: An der Somalifront hat am 23. Januar eine unserer motorisierten Kolonnen einen Erkun- dun g s v o r st o ß auf Wadera, rund 70 Kilometer nordwestlich von Negelli an der Grenze zwischen Gala Borana und Sidamo ausgeführt. Nach kurzem Widerstand hat der Gegner das Feld geräumt, nachdem er zuvor ein Munitionslager in die Luft gesprengt hatte. Zahlreiche Gefangene wurden eingebracht. Lebensmittel- und Materiallager fielen in unsere Hand. Eine aus Schwarzhemden mit Straßenpanzerwagen gebildete Kolonne ist unter dem Befehl des Generals Agostini entlang des Daua Parma vorgestoßen, nachdem abessinische Streitkräfte unter dem Befehl eines griechischen Offiziers zurückgeworfen worden seien, und hat gestern, 26. Januar, M a l c a Murri, 210 Kilometer von Dolo entfernt, besetzt. Bei den Kämpfen dieser Kolonne haben die Abessinier 1467 Tote verloren. Während der Schlacht am (Banale Dorio und der anschließenden Verfolgung hat der Gegner nach weiteren Feststellungen 10 000 Tote verloren. Unsere Verluste an Offizieren und nationalen Truppen sind gering. Die eingeborenen Truppen verloren einige Hundert an Toten, Verwundeten und Vermißten. Gewaltige Mengen an Waffen, Schaf- und Rinderherden, Materiallager aller Art, darunter auch eine weittragende Funkstation, fielen in unsere Hände.
Rach -en Wahlen in Griechenland.
Ministerpräsident Oemertzis für eine Negierung der nationalen Einheit.
Athen, 28. Jan. (DNB. Funkspruch.) Wie das Ministerium des Innern mitteilt, ist auf Grund der Zählung ber bei ben Wahlen abgegebenen Stimmen eine zweite Verteilung ber Parlamentssitze vorgenommen worben. Danach erhalten die Liberalen (V e n i s e l i st e n) 124, Volkspartei (Tsalbaris) 65, bie Listenverbinbung Kondylis-Theoto- f i s 60, Liste Metaxas 7, Republikaner 12, Kommunisten 16, Gruppe Kotamanis 4 Sitze. Es sinb also 288 Sitze verteilt, lieber die letzten zwölf Sitze wird bei der dritten Verteilung entschieden werden. Die absolute Mehrheit ist weder durch eine Verbindung der Liberalen mit den Republikanern, noch durch eine solche'der gegen Veni- selos stehenden Partei möglich.
Ministerpräsident D e m e r tz i s erklärte, selbst wenn eine der beiden großen gegnerischen Gruppen die absolute Mehrheit erhalten hätte, müßte doch eine ^Regierung der nationalen Einheit gebildet werden. Eine Revision der Verfassung, bie Festigung ber normalen Lage im Heer unb anbere in ber Schwebe befinbliche wichtige Fragen müßten b u r cf) Vertreterallerpolitischen Richtungen gemeinsam geregelt werben, um so die innere Befriedung zu erleichtern. Man rechnet damit, daß der Führer der Deniselisten S o p h o u l i s vom König mit der Bildung einer Regierung betraut werden wird, in ber außer ben Veniselisten bie Parteien von Tsalbaris unb Metaxas vertreten fein bürsten. Die Veniselisten haben es abgelehnt, mit Konbylis und Theotokis zusammenzuarbeiten.
Nach dem gleichen und geheimen Stimmrecht hat das griechische Volk am Sonntag sein Parlament neu gewählt. Der zurückgekehrte König hatte keinen Zweifel darüber gelassen, daß er feine Regierung als bie des innerpolitischen A u s g l e i ch 5 und der Verständigung auffasse. Er hatte damit den extremen Monarchisten, die vor allem durch den General Metaxas repräsentiert werden, eine Absage erteilt. Aber auch General Konbylis unb Theotokis neigten einem autoritären Regiment zu, sie konnten die Auffassung des Königs kaum mit der von ihnen eingeschlagenen Linie vereinbaren. Diese drei Gruppen standen in heftigstem Wahlkampf mit ben Veniselisten. Als ber König seine Ausgleichsaktion begann, ergriffen bie Veniselisten, bie burch ihren verfehlten Märzputsch vom letzten Jahre
bie rückläufige Entwicklung beschleunigt hatten, die Friebenshanb bes Königs.
Sie haben Sitze verloren, aber nach den vorliegenden Meldungen scheint, baß sie immerhin noch die zahlen st ärk st e Partei in der griechischen Nationalversammlung bilden, während wenigstens General Metaxas mit seiner Gruppe bedeutungslos ist. Zwischen diesen Parteien steht vermittelnd bie Anhängerschaft bes früheren Ministerpräsibenten Tsalbaris, bie Volkspartei. An und für sich ist die Volkspartei monarchistisch, aber sie hatte sich gegen den Putsch bes Generals Konbylis gemanbt, ber bie Angelegenheit überhaupt ins Rollen brachte und neigte mehr einem allmählichen Herauswachsen ber Idee einer überparteilichen Monarchie aus dem Volke zu. Diese Gruppe hat sich gut geschlagen, unb wenn die Veniselisten Vernunft annehmen, dürfte trotz aller Grenzstreitigkeiten doch so etwas wie eine stabile Mehrheit in ber neuen Nationalversammlung sich bifben, vorausgesetzt, baß nicht, wie es ftüher der Fall war, biese Grenzstreitigkeiten zwischen ben Parteien jebe politische Vernunft überwuchern.
König Georg, ber lange in Englanb lebte, wirb sich bas Ziel gesetzt haben, eine Regierung nicht aus ben Extremen zu bilben, fonbern zur griechischen Sammlung aufzurufen. Wir können nur wünschen, baß biese Parole ber absoluten politischen Vernunft in Griechenlanb Erfolg hat unb bas Schifflein bes Königs zwischen ben Klippen hin- durchsteuert, bie nun einmal ber Parlamentarismus unb bas Parteien-System einer überparteilichen monarchischen Haltung entgegensetzen. Es ist boch bemerkenswert, baß zwar in Alt-Griechenlanb bie Anhänger bes Veniselos einen erheblichen Stimmenrückgang aufwiesen, sich bagegen in Mazebonien unb in Kreta verhältnismäßig gut geschlafen haben. Vor allem Mazedonien ist aber durch jene Griechen besiedelt worben, die nach dem Fehlschlag des griechischen Angriffs auf bie Türken aus Kleinasien ausgefiebelt wurden und deren wirfchaftliche unb politische Wünsche bisher unter keiner Regierung, auch nicht unter ber ber Veniselisten, befrie- bigt worben sinb. Tsalbaris hat bie Mehrheit in ber bisherigen Nationalversammlung gehabt unb bie Veniselisten geächtet. Ob er nun bes Veniseli- stenführers Sophoulis Angebot annimmt, davon hängt bie nächste Entwicklung in Griechenland ab.
Aus alter Wett.
50 Jahre Automobil.
Das Jahr 1886 wird in ber Geschichte der menschlichen Technik und Kultur stets als besonders bedeutungsvoll gelten. Am 29. Januar dieses Jahres wurde dem Deutschen Carl Benz das Deutsche Reichspatent Nr. 37 435 für das e r f t e be = triebssichere Automobil ber Welt erteilt, bas er in ben Jahren 1884 unb 1885 erbaut und erprobt hatte. Nur etwas später trat auch Gottlieb Daimler mit einem ersten vierrädrigen Automobil an die Oeffentlichkeit. Die beiden Pioniere der Motorisierung arbeiteten unabhängig voneinander und kamen etwa zur selben Zeit zu gleich brauchbaren Konstruktionen. Dabei ergänzten sie sich, wie wir heute rückschauend feststellen können, auf bas Glücklichste. Carl Benz ging vor allem von ber Idee des für ben Motorwagen geeigneten Fahrgestelles aus, währenb Gottlieb Daimler fein Hauptaugenmerk auf die Entwicklung des für Fahrzeugantrieb erforderlichen leichten schnellaufenden Verbrennungsmotors richtete. Diese Tatsache stellt einen der interessantesten Fälle geschichtlicher Dubli-
zität bar. Carl Benz hat das Reichspatent vom 29. Januar 1886 als „Geburtsschein des Automobils" bezeichnet. Unb in ber Tat stellt dies neben bem am 29. August 1885 an Gottlieb Daimler erteilten Patent auf bas erste Motor-Zwei- rab die einroanbfreie amtliche Urkunde für die Priorität deutscher Erfinder bei ber Schaffung bes Automobils bar. Seit 1926 sind bas reiche Geban- fengut unb die Erfahrungen der von Benz unb Daimler zur Verwirklichung ihrer roelterobernben Jbeen geschaffenen Werke in ber Daimler-Benz- Aktiengesellschaft vereinigt. Durch bas gewaltige Motorisierungsprogramm Abolf Hitlers erhält ihre Schöpfung, bas Automobil unb bie übrigen Motorverkehrsmittel auch in Deutfchlanb bie ihm gebüh- renbe Spitzenstellung im Verkehrs- und Wirtschaftsleben, bie sie bei anberen Volkern schon früher einnahm, so baß jetzt in ber Welt mehr als 35 Millionen Kraftfahrzeuge laufen.
Ausbau ber deutschen Schule in Amsterdam.
Mitte Januar würbe vorn deutschen Schul- verein in Amsterdam ein Kindergarten ins
Leben gerufen, der der Kaiser-Wilhelm-Schule In Amsterdam angegliebert ist. Der leitende Gedanke dieser Neugrünoung war, die Kleinkinder deutscher Volksgenossen von vornherein in die deutsche Umwelt, die deutsche Sprache und Gedankenwelt ein« ^uführen, sie ber beutschen Schule zuzuführen und sie dadurch bem Deutschtum zu erhalten. Gleichzeitig verdient erwähnt zu werden, daß die Kaiser- Wilhelm-Schule in Amsterdam im weiteren Ausbau begriffen ist. Die deutsche Kolonie Amsterdams tut alles, was in ihren Kräften steht, um das Deutschtum bei unseren auslandsdeutschen Volksgenossen zu sichern und zu wahren.
Lokaltermine im Seefeld-Prozeß.
Arn Montag veranstaltete bas Schweriner Schwurgericht eine Reihe von Lokalterminen im Knabenmordprozeß Seefeld, bei denen sich die auffallende Aehnlichkeit der Tatorte erwies, an denen bie Leichen der ermordeten Knaben auf» gefunben worben waren. Stets handelte es sich um dichte Kiefernschonungen. Die Aehnlichkeit ber Tatorte stellt einen, ben Angeklagten stark belastenden Umstand dar.
Nach der Besichtigung der Schonung, in der die Leiche des Knaben T e s ö o r f gefunden worden war, wandte sich das Schwurgericht einer Stelle bei Ludwigslust zu, wo Seefeld bereits 1928 von einem Polizeibeamten angehalten worden war, als er mit bem Knaben G. auf einen Walb zuging. Damals konnte ber Knabe dem Seefelb abgenommen werden.
Das Schwurgericht wurde dann von einem Jungen, den Seefeld 1934 beauftragt hatte, fein Gepäck nach Ludwigslust zu tragen, geführt. Die Mutter bes Knaben war damals ben beiden gefolgt und hatte ben Jungen bem Angeklagten wieder abgenommen. Nun zeigte der Junge ben im Wald von der Chaussee abbiegenden Weg, ber zu einer Kie- fernschonung führte. Wie in allen Fällen, wo es sich um Kmbesentführungen unb Sittlichkeitsver- brechen hanbelt, bestätigte auch hier Seefelb bie Darstellung des Knaben.
Das Schwurgericht begab sich bann nach Wittenberge, um bie Tatorte ber beiben dort verübten Morde in Augenschein zu nehmen. Bei Wittenberge wurde am 16. April 1933 ber 13jährige Kurt Gnirk unb am 22. März 1935 ber 8jährige Gustav Thomas ermorbet. In beiben Fällen würbe auch hier bie Tat in bichten Kiefernschonungen begangen. Die Zeugen aus Wittenberge erkannten in Seefelb auf bas bestimmteste ben ihnen schon bamals verbächtig erschienenen Mann wie- ber. Eine eingehenbe Vernehmung ber Zeugen wird in Schwerin bei der Beweisaufnahme erfolgen.
Revolveranschlag in einem Wilnaer Gerichtssaal.
Der Sitzungssaal des Wilnaer Bezirksgerichtes war ber Schauplatz eines verbrecherischen A n - schlages auf einen Zeugen, ber im Prozeß gegen 17 ber Vorbereitung bes Hochverrats beschuldigte Kommunisten vernommen wurde. Während der Vernehmung dieses Zeugen erhob sich plötzlich ein Mann von einer der Zuschauerbänke, ging auf den Zeugen zu unb feuerte vier Schüsse aus einem Revolver auf ihn ab. Der Zeuge stürzte getroffen zu Boden, erhob sich aber wieder unb rief: „Es lebe Polen!" Darauf sank er erneut zusammen. Der Täter versuchte, bie allgemeine Verwirrung zu benutzen und zu fliehen. Er wurde jedoch von Polizeibeamten verfolgt. Auf der Treppe wandte er sich plötzlich um und schoß auf seine Verfolger, ohne aber zu treffen. Die Beamten erwiderten bas Feuer; sie brachten bem Täter eine schwere Verletzung bei, so daß er ebenso wie der angeschos- fene Zeuge ins Krankenhaus gebracht werden mußte.
Mißglückter Raubüberfall In Hamburg.
In Hamburg erschien in einer Sparkassen-Neben- stelle ein Mann, der sich sein Gesicht geschwärzt und einen falschen Bart angeklebt hatte. Er warf zwei Pakete auf den Tisch, die die Aufschrift trugen: „Bomben (!), Revolver (!), Kasse ist um» stellt(!), kein Widerstand ober Alarm, sonst trifft Euch ber Tod." Gleichzeitig rief ber Mann „Hänbe hoch!" unb richtete eine Pistole auf bie beiben allein anwesenden Kassenbeamten. — Hierauf ging er an ben Gelbschrank, bem er 750 Reichsmark entnahm. In diesem Augenblick stürzte sich einer ber Kassenbeamten auf ben Räuber. Der zweite Beamte griff gleichzeitig nach feinem be- reitliegenben Revolver unb gab sechs Alarmschüsse ab, durch die auf ber Straße Dorübergehenbe aufmerksam würben. Der Räuber rief daraufhin „Ich ergebe mich!" Als aber bann ber eine Beamte auf bie Straße lief, um bie Polizei zu alarmieren, ging ber Täter auf ben anberen los. Dieser konnte ihn aber solange in Schach halten, bis bie Polizei erschien unb ihn festnahm. In ben beiben Paketen befand sich, wie bie Untersuchung ergab, nur Sand.
Dom Führer begnadigt.
Der Führer und Reichskanzler hat bie vom Schwurgericht in Oppeln gegen bie am 16. November 1912 geborene Ehefrau Emilie Mnich geb. Wotka wegen Raubmordes erkannte Tobes- strafe mit Rücksicht auf bie bisherige Unbestraft- beit unb bie Jugenb ber Verurteilten in lebenslange Zuchthausstrafe umgeroanbelt.
Ehrung einer hundertjährigen.
Der Führer unb Reichskanzler hat ber Frau Wilhelmine Dasfow, geborenen Krüger, in Pinnow aus Anlaß ber Vollenbung ihres 10 0. L e - bensjahres ein persönliches Glückwunschschreiben unb eine Ehrengabe zugehen lassen.
13 Todesopfer einer Schneelawine auf Sachalin.
Auf ber Insel Sachalin im Ochotskischen Meer haben große durch starke Stürme hervorgerufene Schneelawinen in einem Fischerdorf bei ber Stabt Alexanbrowsk am Fuße eines Berges eine ganze Anzahl Häuser verschüttet. Bei bem Unglück würben 13 Personen getötet. Die obbach- los gewordenen Familien wurden in anderen Häusern untergebracht.
235 Todesopfer der Kältewelle in Amerika.
Die Dftftaaten von Nordamerika werden zur Zeit erneut von einer Kältewelle beimgesucht. Im Mittelwesten dauert die furchtbare Kälte nunmehr seit sechs Tagen ununterbrochen an. Die Gesamtzahl ber Tobesopfer ist inzwischen auf 235 gestiegen. Der Schaden beträgt mehrere Millionen Dollar. Besonders schwer haben bie Obstgärten gelitten. Die Eismassen bes Ohio-Flusses unb anbe- rer Flüsse legten die Schiffahrt völlig lahm.
Amerikanische Krankenschwester rettet 17 Kinder vor dem Feuertod.
In ber Kinberabteilung der Tuberkulose-Heilanstalt in Malvern (Pennsylvanien) brach, während alle Insassen schliefen, Feuer aus. Eine Krankenschwester, die ben Brand von ber Straße aus ent» beckte, rettete unter Lebensgefahr 17 Kinder. Zwei Knaben verbrannten, eint


