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Oie Gießener Studentenschaft im Zieichsberufswettkampf.

Die Gießener Studentenschaft hat am Mittwoch, im Anschluß an die Eröffnung des Reichsberufswett­kampfes der deutschen Studenten durch Dr. Six für alle deutschen Hoch- und Fachschulen, mit einer ein­gehenden Besprechung und Beratung der Amtsleiter und der Gruppenführer den Wettkampf begonnen. Der Studentenführer Pg. Frank kam rückblickend nochmals auf den letzten Reichsleistungskampf der Gießener Studentenschaft zu sprechen und dankte Professor K l i e w e für seine tatvolle Unterstützung und wissenschaftliche Beratung. Auch bei dem kom­menden Wettkampfe wird Professor K l i e w e wieder mit den jungen Studenten gemeinsam arbeiten. Die neuen Richtlinien für den diesjährigen Kumpf gab dann der örtliche Wettkampfleiter Dr. Herrmann bekannt. Anschließend sprach cand. med. Datz über b-a Ergebnisse und Auswertungen des Lagers in dem Dorfe Cleeberg. Einzelne Fachschaftsleiter gaben dann noch neue Themen bekannt.

Im diesjährigen Reichsleistungskarnpf der, Gie­ßener Studenten werden folgende aktuelle Themen bearbeitet werden: 1. Das Dorf Cleeberg (bearbeitet von allen Fachschaften). 2. Das Hauptamt für Volksgesundheit und die Auswertung feiner Ar­beit. 3. Die Ernährungslage und Ernährungsform der handarbeitenden Bevölkerung in Gießen. 4. Die junge Studentinnengeneration im Arbeitsdienst, Land- und Fabrikdienst. 5. Tierische Abfallprodukte als Rohstoffquellen (Tierkadaver und tierische Ab­fallprodukte als Futter-, Fett- und Lederquelle). 6. Untersuchungen an dem typischen oberhessrschen Dorf Lang-Göns.

Reste von Eiszeittieren an der Hohen Warte.

Donk der Aufmerksamkeit eines Arbeiters konn­ten bei den Schürfarbeiten zur Sandgewinnung für die Autobahn an der Ostseite der Hohen Warte bei Annerod einige Reste von Eiszeittieren (Nashorn und Wildpferd) geborgen werden. Die Knochen und Zäbne wurden von der Firma Abermann dem Geologischen Institut der Universität Gießen über­geben.

* Gedächtnisfeierstunde in der Uni- v e r f i t ä t. Die Philosophische Fakultät der Univer­sität, I. Abteilung, veranstaltet am kommenden Mittwoch, 2. Dezember, 18 Uhr, im Großen Hör­saal eine Gedächtnisfeierstunde für Professor Dr. Hermann Hirt und Geheimerat Prof. Dr. B e- h a g h e l. Die Ansprache wird Prof. Dr. Götze halten. Das collegium musicum unter Leitung von Prof. Dr. Gerber wird bei der Feier Mitwirken.

** D i e Militärversorgungsgebühr- nisse für Dezember werden am 28. November, die Sozialrenten am 1. Dezember durch das Postamt 1 (Bahnhofstraße) ausgezahlt.

LPD. Neuregelung der Lehrlings­haltung in den Bäckereien. Für die Lehr- lings^ahl im Bäckerhandwerk sind auf Vereinbarung zwischen dem Reichsstand des Deutschen Handwerks und der Deutschen Arbeitsfront Richtlinien ergan­gen, die notwendig geworden sind, weil es keinen Unterschied mehr zwischen Lehrlingen und Meister­söhnen gibt. Danach Darf in der Regel nur ein Lehrling gehalten werden. Für die Einstellung eines zweiten ist Voraussetzung, daß der erste be­reits zwei Jahre gelernt hat und regelmäßig min­destens ein Geselle beschäftigt wird. Mehr als zwei Lehrlinge dürfen nicht gehalten werden.

** Kaninchen - Au.sstellung in Gie­ßen. Die Kreisfachgiuppe Gießen in der Reichs­fachgruppe Kaninchenzüchter veranstaltet am 28. und 29. November in der Turnhalle am Oswabdsgarten eine Kaninchen- und Pelzausstellung. Man beachte die heutige Anzeige.

**JndasLandgerichtsgefängnisein- geliefert. Der vor kurzem im Zusammenhang mit dem tragischen Tod des in Lauterbach tätigen Inge­nieurs Müller aus Berlin verhaftete August Wegener aus Northeim, der im Amtsgerichts- gefängnis in Herbstein hinter Schloß und Riegel gesetzt wurde, ist nunmehr in das Langerichts- gefängnis in Gießen eingeliefert worden. W e g e - n e r hatte, wie wir seinerzeit berichteten, auf dem nächtlichen Heimwege nach einer ausgiebigen Knei­perei mit seinem Arbeitskameraden Müller Streit bekommen, der zu schweren Tätlichkeiten führte und den Tod Müllers zur Folge hatte. Der Getötete war am anderen Morgen in der Lauter in Lauterbach

tot aufgefunden worden, die Schlägerei hatte sich auf der Drücke über der Lauter abgespielt .

* Achtung, Briefmarkensammler! Die Gauführuna des Winterhilfswerks Baden gibt anläßlich des Tages der nationalen Solidarität einen Sonderstempel für die WHW.-Briesmarken heraus. Diese Sonderstempelung erfolgt pur im Grenzgau Baden, und es ist sämtlichen Sammlern im ganzen Reich Gelegenheit geboten, die WHW.- Briesmarken, insbesondere auch ganze Sätze, mit diesem Sonderstempel versehen, von der Gaufüh­rung Baden zu beziehen. Die Bestellungen sind rechtzeitig an die obengenannte Anschrift zu richten.

gleichzeitig ist der entsprechende Geldbetrag zuzua- lich Rückporto auf das Postscheckkonto der Gaufuh- rung des WHW. Baden, Karlsruhe Nr. 360, mit dem VermerkSonderstempel" einzuzahlen. Dieser Sonderstempel wird nur im Grenzgau Baden her­ausgegeben und ist daher für alle Briefmarken­sammler im ganzen Reich eine willkommene Sel­tenheit für ihre Markensammlung. Also: Briefmar­kensammler, bestellt rechtzeitig eure Markensätze mit dem SonderstempelZum Tage der nationalen Solidarität" bei der Gausuhrung des WHW., Ba­den, Karlsruhe, Baumeisterstraße 8, und vergeßt nicht die Ueberweisung auf das Postscheckkonto.

Weihnachispaket-Aktion des WHW.

3n diesen Tagen beginnt die Adventszeit die vorweihnachtszeit. Alle kreise der Bevölkerung rüsten sich für das Weihnachksfesl. Jeder versucht dieses Fest der Liebe für seine nächsten Angehörigen freudig auszugestalten. Der Familienvater verzich­tet auf sein übliches Taschengeld. Mutter und Töchter sitzen bis spät in den Abend hinein und fertiges Handarbeiten an, mit denen sie irgend­welchen Lieben eine Freude machen wollen. Selbst unsere kleinsten stecken voller Heimlichkeiten, leeren ihre Sparbüchsen und versuchen ihren Eltern und Geschwistern eine Aeberraschung zu bereiten. '

Nur ein Teil unserer Volksgenossen sieht ab­seits. Bei ihnen kann die rechte Deihnachlsfreude nicht kommen, da die finanziellen Mittet fehlen, um dem Deihnachtsfesi den entsprechenden äußeren Rahmen zu geben.

hier seht nun die Arbeit des Vinterhilsswerkes ein, oder besser gesagt, sie ist schon zum Teil geleistet worden. Die unermüdlichen Helfer des MHM. haben alle Betreute des MHD. schon besucht und haben von ihnen Wunschzettel entgegengenommen, in denen diese Volksgenossen um Lebensmittel und Sachspenden bitten. Alle diese Anträge sind durch das WHW. auf ihre Berechtigung geprüft worden.

Ja den kommeudea Tagen werden die Ortsfüh­

rungen des WHW. nunmehr an alle Bevölkerungs- freife herantreten, wie in den Vorjahren auch jetzt wieder einen derartigen Wunschzettel 3u überneh­men und dadurch unseren ärmsten Volksgenossen zu einer wahren Weihnachtsfreude zu verhelfen.

Der irgendwie dazu in der Lage ist, ein der­artiges Wunschpaket zu übernehmen, tue dies! Erst das Bewußtsein, einem so ganz fremden und doch so nahestehenden Volksgenossen geholfen zu haben, gibt auch dem Spender die wahre Weihnachtsfreude.

Eine besondere Rolle ist in unserem Kreisgebiet in diesem Jahr bei der Weihnachtspaketaktion den Vereinen zugedacht. Während im Vorjahr die Mehrzahl aller Vereine aus ihren Vereinsmitkeln eine Geldspende an das WHW. abgeführt hat, hat die Kreisführung in diesem Jahr zu dieser Geld­spende nicht eingeladen, sondern sie überläßt es nun den Vereinen, an die die Ortsgrnppenamkslei- tungen auch herantreten werden zwecks Uebernahme von einem ober mehreren Weihnachtswunschzetteln, diese Wunschzettel zu übernehmen und die Ge­schenke aus Vereinsmitteln zu bestreiten. Heber das Technische dieser Weihnachkspakekaklion, wie Ver­packung, Ablieferungsort, wird jeder Spender durch feinen zuständigen Blockwalter aufgeklärt werden.

Kreisführung des WHW.

Oberhessische Friedhofskapellen.

Den zweiten Vortrag des Oberhessischen Ge­schichtsvereins während dieses Winters hielt am gestrigen Donnerstag der frühere Prälat der hessi­schen evangelischen Landeskirche D. Dr. Dieh l. Nach den begrüßenden und einführenden Worten des Vereinsführers Dr. Glöckner berichtete Prä­lat Diehl aus dem reichen Schatz feines Wissens um die Geschichte der evangelischen Kirche in Hes­sen, ihre Geistlichen und Gotteshäuser, chr Recht und Sitte. Bei denQuerschnitten", die er durch sein gewaltiges Material über sämtliche hessischen Kirchen gelegt hat, hat er auch einen gezogen, der sich mit den Friedhofkapellen beschäftigt, lieber die­sen Gegenstand, soweit es sich um Oberhessen han­delt, führte der Vortragende etwa folgendes aus:

Im Zusammenhang mit der Einführung der Re­formation wurde eine ganze Reihe von Kirchen und Gotteshäusern überflüssig; die Gemeinde sollte sich nicht in die einzelnen Kirchen zerstreuen, son- oern möglichst zusammengefaßt werden. Diese frei­gewordenen Gotteshäuser hatten die verschiedensten Schicksale. Soweit sie Kapellen waren, blieben sie vielfach unbenutzt stehen, und manche von ihnen verfiel mit der Zeit. Andere wurden abgebrochen und als billiger Steinbruch benutzt. Unter diesen war auch die Kirche zu St. Peter auf dem Selters­berg bei Gießen, die dem Neubau der Festungs­anlagen geopfert werden mußte. Ein Teil, wie z. B. die Michaelskapelle auf dem Laubacher Gottesacker und die Kapelle auf dem Gottesacker in Münzen­berg wurde umgebaut und als Schulhaus verwen­det, ein anderer Teil wurde durch Umbau in Wohn­häuser verwandelt, wogegen sich hier und dort die Bevölkerung, allerdings vergeblich, zur Wehr setzte; so wurden aus der Muschenheimer Kirchhofkapelle und der Kapelle von Hüftersheim, einem ausge­gangenen Ort bei Ober-Mörlen, Wohnhäuser.

Gegen Ende des 17. Jahrhunderts kamen die Leichenpredigten in Hebung, die wir heute dank ihren Personalangaben als eine überaus wichtige Quelle zur Familiengeschichtsforschung ansehen müs­sen, da sie oft viel mehr vermitteln als die Kirchen­bücher. Natürlich gab es manchen Pfarrer, der die damit verbundene Arbeit für unnötig erachtete und

der Einführung dieser Leichenpredigten widersprach. Zu diesen Theologen gehörten u. a. der Echzeller Superintendent Georg Nigrinus und der Wallen- röder Pfarrer Michael Eichler, der in den deutlichen Worten jener Zeit in feiner Predigt gegen die Suppenprediger" auf zwei Gestalten hinwies, deren Nachfahren noch heute unter uns umher­wandeln: der HerrSüßmann" und der Herr Leisetreter". Da man für den Vortrag einer Lei­chenpredigtein Dach über dem Kops" haben mußte, griff man auf die noch vorhandenen alten Gottesackerkapellen zurück. Da ihre Zahl aus den oben erwähnten Gründen nicht mehr ausreichend war, wurden allenthalben, vornehmlich in den grö­ßeren und kleineren Städten, neue Kirchhofkapellen erbaut. Von ihnen fei nur neben der Totenkirche welchen Namen man diesen Kirchenneubauten beilegte zu Darmstadt (1601) auf die zu Schlitz (1612), zu Gießen (1623), zu Laubach (1626) und zu Schotten hingewiesen.

Diese in den Jahren von etwa 1590 bis 1630 neu erbauten Totenkirchen und die übernommenen alten Kirchhofkapellen wurden ungefähr ein Jahr­hundert zur Abhaltung von Totenfeiern benutzt. Um die Wende des 18. Jahrhunderts verschwanden die Leichenpredigten nach und nach. Damit wurden auch die Totenkirchen überflüssig. Nebenbei mag er- wäynt werden, daß man es bis ins erste Drittel des 19. Jahrhunderts mancherorts sogar für un­nötig hielt, daß überhaupt ein Geistlicher an den Beerdigungen teilnahm, daß selbst die Verwandt­schaft fernolieb und der Tote nur von der Leichen­frau zu seinem letzten Ruheplatz geleitet wurd^. Mit dieser Entwicklung hing es zusammen, wenn die alten Gottesackerkapellen zum zweitenmal außer Benutzung kamen und die neuen Totenkapellen überflüssig wurden. Manche von ihnen wurden zu Leichenhäusern umgebaut; man hielt sie für gut genug, dort die Totenkränze und dergleichen auf­zubewahren. Nicht wenige von ihnen aber ver­fielen demselben Schicksal, das oben schon erwähnt wurde: sie gingen zugrunde, da niemand ein Inter­esse und Geld zu ihrer Erhaltung hatte, oder sie wurden abgebrochen. Erst in den letzten Jahrzehn­

ten des vergangenen Jahrhunderts begann man, sich um die noch erhaltenen Denkmäler der Bau. fünft zu kümmern. Daß seitdem manches bedeut- fame Bauwerk erhalten ist und entweder, wie di« Gießener Friedhofskapelle, als Kirche, oder ander« als Ehrenmal für die Gefallenen des Weltkrieges ausgebaut wurden, ist wesentlich dem früheren Denkmalpfleger Geh. Rat Walde zu danken.

In seinen Schlußworten dankte Dr. Glöckner dem Vortragenden für seine Ausführungen, die der recht stattlichen Zuhörerschar er hoffe, daß si« dem Verein treu bleibe gezeigt habe, wie von diesen alten Kapellen Fäden bis in unsere Tag« laufen, und daß es keine Trennung zwischen Seele, Geist und Körper gebe und geben dürfe. Die Enkel sind nur, weil die Ahnen waren. Geschlechter kom­men und gehen, aber nie kann ein Volk, das leben will, den Zusammenhang mit seinen Vorfahren aufgeben mit dem, was die Ahnen gedacht und geschaffen und gelebt haben.

Betäubungszwang für alle Schlachttiere.

Beim Eintritt in die Zeit der vermehrten Schlach. tungen von Tieren, insbesondere der sogenannten Hausschlachtungen, weist der Reichs-Tier- schutzbund erneut auf die Bestimmungen des Ge­setzes und der Verordnung über das Schlachten von Tieren vom 21. April 1933 hin. Diese Vorschriften, insbesondere diejenigen über den Zwang zur Be­täubung der Schlachttiere, gelten für das ganze Reichsgebiet und für alle Tierarten. Sie erstrecken sich somit auch aus alle Kleintiere, einschließlich des Geflügels, und auf jede Schlachtung, ganz gleich, ob sie in einem öffent­lichen Schlachthause, in einer Privatmetzgerer oder im ländlichen oder städtischen Haushalt vorge- nommen wird. Die Betäubung muß schnell erfolgen und nachhaltig fein. Beim Geflügel darf die Be­täubung nur dann unterbleiben, wenn durch Hieb oder Schnitt die Kopf schnell und vollständig vom Rumpfe getrennt wird. Die Schlachtung darf aber nur durch Personen ausgeführt werden, deren Kör­perkräfte hierfür ausreichen, und die die erforben liche Sachkenntnis und Hebung besitzen, so daß mit Sicherheit jede Tierquälerei vermieden wird. D i 1 Anwesenheit von Personen unter 14 Jahren darf beim Schlachten nicht ge­duldet werden.

Die Vorschriften des Gesetzes sind genau zu be­achten. Zuwiderhandlungen werden mit (Gefäng­nis bis z u sechs Monaten oder mit Geldstrafe biszu zehntausend Reichs- mart bestraft.

Der Reichs- und preußische Minister des Innern hat durch Runderlaß die beamteten Tierärzte, die Fleischbeschautierärzte, die Fleischbeschauer und Tri­chinenbeschauer anweisen lassen, die Hausschlächtek zu belehren und Verstöße gegen die gesetzlichen Be­stimmungen zur Anzeige zu bringen.

Anzeigen von Zuwiderhandlungen gegen die Vor­schriften für das Schlachten von Tieren können auch von jedermann an die zuständige Polizeibehörde ober an den nächsten Tierschutzverein gerichtet wer­ben.

Oeffentliche Aufträge nur bei Erfüllung öffentlicher pflichten.

DNB. Der Reichsminister der Finanzen hatte im März 1935 angeordnet, össentliche Aufträge von 5000 RM. auswärts nur an solche Dieter zu er­teilen, die eine Bescheinigung ihres zuständigen Finanzamtes darüber beibrachten, daß aus steuer­lichen Gründen keine Bedenken bestanden, ihnen öffentliche Aufträge zu erteilen. Die günstige Aus­wirkung dieser Maßnahme auf den rechtzeitigen Ein­gang der Reichssteuern veranlaßte ihn, im November 1935 die Wertgrenze auf 500 RM. und im Juni 1936 auf 100 RM. herabzufetzen.

Nebenher regten verschiedene Landesregierungen, der Deutsche Gemeindetag, die Arbeitslosen- und Reichsversicherung, die Treuhänder der Arbeit ufw. an, über die rechtzeitige Abführung der Landes- uni) Gemeindesteuern, der Beiträge zur Arbeitslosenver­sicherung und Reichsoersicherung, sowie über die Ein­haltung der Verpflichtungen aus den Tarifordnun­gen, der Betriebsordnung und dem Schwerbeschädig- tengesetz ähnliche Bescheinigungen zu verlangen. Da hierdurch eine erhebliche Belastung der Wirtschaft

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Wege im Nebel.

Roman von Käthe Mehner.

(Copyright by Auswärts-Verlag, Berlin SW 68.)

18. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Minutenlang schwieg Olga Willnoff, sah dann mit einem vieldeutigen Blick auf Rammelt:

Eigentlich nur durch Ihre Meinung, Herr Doktor! Nur durch Ihre Meinung!"

Unb was sollte das für eine Meinung fein, die Sie von mir wünschen?"

Olga spielte nachdenklich mit dem Griff ihrer Handtasche, blickte dann plötzlich auf:

Ihre Meinung über den Stand der Grube Margret", Herr Doktor! Sie haben ja in der Sache das Obergutachten übertragen bekommen und wissen genau über die Materie Bescheid! Mein Va­ter hat mir selbstverständlich alle Vollmachten ge­geben, Ihre Angaben entgegenzunehmen! Aller­dings, wenn Sie es für einfacher hielten, uns das Gutachten für einige Stunden,--sagen wir bis

morgen mittag,--auszuleihen, wäre ich

natürlich gern bereit ..

,Hhr Herr Vater ist also sehr daran interessiert, daß die Brand-AG. den Prozeß gewinnt?" fragte Rammelt langsam, jedes seiner Worte betonend. Wenn ich Sie recht verstehe, wollen Sie be­ziehungsweise ihr Herr Vater das Gutachten dem Generaldirektor in die Hände spielen, damit eventuell zweckmäßige Maßnahmen getroffen wer­den können, die ..."

die dem Stand des Prozesses günstig sind! Ganz recht, Herr Doktor! Ich finde, daß wir uns aus­gezeichnet verstehen! Nur weiß selbstverständlich ber---der Generaldirektor vorläufig nichts

von diesen Vorschlägen!"

Hm! Der Generaldirektor weiß gar nichts von diesen Vorschlägen?"

Jetzt war Rammelts Gesicht undurchdringlich, so daß Olga das unbehagliche Gefühl bekam, ihren Partner plötzlich nicht meyr berechnen zu können.

Schweigend zündete sich Rammelt eine Zigarette an.

Er überlegte. Wenn eine Frau wie Olga Will- noff es unternahm, ihn, den vereidigten Sachver­ständigen eines Riesenunternehmens, zum Bruch seines Eides zu veranlassen, indem sie die Heraus­gabe des Gutachtens von ihm forderte, dann steckte auch etwas Besonderes dahinter! Warum hatte sie das so ausdrückllch betont, daß der Generaldirek­tornichts wußte"? Natürlich wußte der General­direktor darüber Bescheid! Wahrscheinlich war der Ausfall des Gutachtens für ihn von weit größerer Wichtigkeit, als er, Rammelt, hatte bisher anneh­men können! Der Stand der anderen Gruben und Schwelereien war höchstwahrscheinllch nicht so gün­stig, daß das Werk den verlorenen Prozeß gegen dieVereinigten Zuckerwerke" tragen könnte!

Ob Olga Willnoff in Brands Auftrag gehandelt, ob sie sich ihm freiwillig zur Verfügung gestellt hatte, spielte hier keine Rolle mehr. Wichtig für ihn selber war nur, daß der Generaldirektor selbst vor einer Bestechung des Sachverständigen seines Prozeßgegners nicht mehr zurückschreckte! Daß er, Ralf Rammelt, dadurch eine ungeahnte Macht in feine Hände bekam! Macht nicht nur über das Schicksal des großen Werkes an sich, sondern Macht auch über den Menschen, den er in diesem Augen­blick mehr als alles auf der Welt haßte, den Men­schen, der ihm zum zweitenmal fein Lebensglück nehmen wollte, Macht über Gerhard Brand!

Es ist Ihnen doch bekannt, daß das Gutachten unter meinen Eid fällt, Fräulein Willnoff? Daß nicht nur ich mich strafbar mache, wenn ich Ihnen einen Einblick in das Gutachten verschaffen würde, sondern auch alle Beteiligten?"

Olga atmete erleichtert auf. Also damit hatten seine Gedanken sich die ganze Zeit über beschäftigt! Ihre alte Sicherheit kehrte zurück:

Aber es braucht doch niemand etwas davon zu erfahren, Herr Doktor! Unb schließlich soll Ihre Mühe ja auch nicht umsonst fein

Gewiß, gewiß! Ich verstehe schon! Es ist ja auch in jedem Falle der Mühe wert, mit einer so reiz­vollen Frau zu verhandeln!"

Wieder konnte sich Olga Willnoff des Gefühls nicht erwehren, daß Rammelt, trotz der von neuem zur Schau getragenen Bewunderung für sie, nicht mit offenen Karten spielte. Trotzdem gab sie sein Lächeln zurück, verschränkte die Arme hinter dem

Kopf, so daß die weiten Aermel kokett zurückfielen und die vollen Arme freigaben.

Aber schon hatte Rammelt llch erhoben.

Kommen Sie! Wir können bann vielleicht bes­ser in meiner Wohnung selbst an Hand des Mate­rials weiterverhandeln r

*

Das durch einen kostbaren Seidenschirm von blut­roter Farbe gedämpfte Licht verbreitete eine selt­same Stimmung in dem kleinen Salon, in den Ralf Rammelt seinen Gast geführt hatte.

Wie totensttll es hier iftr sagte Olga, die auf einem mit vielen Kissen geschmückten Diwan Platz genommen hatte. Irgendwie wirkte die Stille läh­mend, beklemmend auf sie. Hnwillkürlich sehnte sie sich in das lebhafte Treiben derExcelsior-Bar" zurück.

3a, es ist immer still hier draußen!" erwiderte Rammelt, sich einen Stuhl in die Nähe des Di­wans heranrückend.Vielleicht kommt es auch da­her, daß alles im Hause bereits zu Bett gegangen ist. Dafür freilich ist man auch um so ungestörter!"

Vergeblich bemühte sich Olga in diesem Augen­blick, Rammelts Gesicht zu enträtseln. Undurchdring- lich blieben feine Züge. Was hatte er im Sinn? Würde er ihr das Gutachten wirklich ausliefern? Bezog sich seine letzte Bemerkung auf das Zusam­mensein mit ihr selber?

Hnmerklich rückte indessen Ralf Rammelt seinen Stuhl herum, daß sein Gesicht im Schatten lag.

So unbewegt seine Miene nach außen hin auch scheinen mochte, so wild gärte es in feinem In­nern. Nur em Gedanke beherrschte ihn noch: Wie war die Brand-AG. am empfindlichsten zu treffen?

Eins vor allem war ihm jetzt klar: Er durfte das Gutachten um keinen Dreis aus feinen Händen las­sen, was auch geschah! Das Gutachten war eine Waffe, wie er sie nur einmal sand. Es galt nur, sie fo zu schleifen, daß sie scharf und gefährlich war! Es würde Arbeit kosten, das Schriftstück noch ein­mal zu bearbeiten,--aber für solch ein Ziel!

Was freilich sollte mit Olga geschehen?

Rammelt bereute es jetzt, sie mitgenommen zu haben, so lange er sich mit seinen Plänen noch nicht im reinen war. Wie sollte er ihr es beibrin» gen, daß er das Gutachten heute noch nicht heraus- geben wollte?

Worüber denken Sie eigentlich) jo angestrengt nach, Doktor?" rief Olga den fo tief in Gedanken Versunkenen an.Etwa über das Gutachten?"

Ihre Frage gab ihm den gesuchten Anknüpfungs­punkt:

Offen gestanden, ja, Fräulein Willnoff! Ich habe mich nämlich entschlossen, das Gutachten Ihrem Herrn Vater natürlich nur ihm allein und unter strengster Diskretion zum Zweck eine» kurzen Einblicks zu überlassen ..."

Wirklich? Sie wollen mir also wirklich ..."

Kaum konnte Olga das Gefühl ihrer großen Ge­nugtuung mdiftern.

Da unterbrach Rammelt. Schars betont fiel jedes seiner Worte:

Das Gutachten Ihrem Herrn Vater also zu überlassen, sagte ich, sobald ich nämlich die Aus­arbeitung selbst fertiggestellt habe!"

Wie vom Blitz getroffen zuckte Olga zusammen.

Diese Wendung hatte sie nicht erwartet! Fieber­haft arbeiteten ihre Gedanken. Warum dieses plötz­liche Zurückhalten, nachdem er noch eine halbe Stunde vorher getan hatte, als könne sie das Gut­achten unmittelbar einsehen ober sogar tjiit sich nehmen!?

Wieder gewann das unangenehme Gefühl in ihr Raum, daß sie sich auf unsicherem, glatten Boden befand. Rammelts Verhalten ließ sich in ihre Be­rechnungen nicht mehr einordnen. Wie anders allein hatte sie sich die Wirkung ihrer Nachricht über Ian- nas und Gerhards Zusammentreffen in Oberhof vorgestellt! Wieviel mehr auch hatte sie sich von der Wirkung ihrer eigenen Person auf den sonst für Frauen leicht empfänglichen Mann versprochen» Hatte geglaubt, ihn auf der ersten Station ihrtt Rache gegen Janna und Gerhard zum äußersten Haß gegen den Nebenbuhler antreiben zu können. Danach hatte sie bann ihn, ben von Janna fo schmählich Betrogenen um so leichter für sich selber gewinnen wollen, um ihm bas Gutachten sicher z» entlocken, bas roieberum Walter Branb für ihre Zwecke gefügig machen sollte. Unb nun schien Ram­melt sich ihren Plänen entziehen zu wollen! Wohl versprach er ihr bas Gutachten, aber er lieferte es nicht aus, behielt es jetzt unter irgenbeinem Dor- wanb zurück, so bah es mehr als fraglich war, ov er jemals fein Versprechen hatten würde!

(Fortsetzung folgt!)

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