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für Herd u. Messer
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Rr. 278 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Zreitag, 27. November (936
Sei den Holzpanünenschmtzern von Angersbach
orm aus dem Holz-
seinem Unfall selbst unterbrochen, so vermengt
und
Aus -er Provinzialhaupisiadi
Winterliche Äartenwirtschast.
Es
Die Streupflicht bei Glatteisgefahr
Da
mit
dem notwendigen Umfange Straßenübergänge
ftrl
Die
Stndarte in Gießen im Caf6 Leib einen fchaftsabend mit Konzert, zu dem auch dernden Mitglieder der SS. eingeladen vollzählig erwartet werden. Nachmittags SS. - Musikzug mit einem Platzkonzert
praktische Leute auf den beiden Inseln-, sie erhalten zu Weihnachten Marmelade. Mehl, Seife, eingemachtes Obst, Schubkarren, Biskuit, Stricke, desti- liertes Wasser, Linoleum und Telephon-Apparate.
Kamerad- die För- sind und wird der vor dem
Da« Weihnachtsschiff für die einsamsten Inseln.
sie besonders gerne bei der Arbeit im Stall. Wenn der Stall verlassen wird, bleiben die Schuhe dann vor der Haustüre oder der Türe zu den Mohn
es in rechtsirriger Weise den Begriff der Unterbrechung des ursächlichen Zusammenhangs mit dem Begriff eines bei der Entstehung des Schadens mitwirkenden eigenen Verschuldens. Ist der Kläger tatsächlich zu dem von ihm eingeschlagenen Weg durch das Fehlen einer Bestreuung des lieber* gangsstreifens vor der Gehbahnnase bestimmt worden, so bleibt das Fehlen dieser Bestreuung auch dann ursächlich, wenn auch die Wahl des eingeschlagenen Weges eine Ursache für den Unfall gesetzt hat und schuldhaft gewesen ist.
Schuricht — das sind, um nur einige Namen zu nennen, heute besonders hell glänzende Sterne am Konzerthimmel, während in der Oper Clemens Krauß und Karl Böhm gegenwärtig besonders gepriesen werden.
Die Zeit der selbstherrlichen Pultposeure aber scheint endgültig vorüber zu sein. Wenn auch die Versuche mancher Orchester, ganz ohne Dirigenten zu musizieren, Ausnahmen geblieben sind, so gibt es doch zu denken, daß Furtwängler, der gefeiertste aller deutschen Stabführer, sich gelegentlich ans Klavier setzt und, dirigierend, ein Konzert von Mozart spielt. Wird hier der Kapellmeister wieder zum ersten Spieler, so zeigt das Beispiel Edwin Fischers, der gleichfalls vom Klavier aus dirigiert, wie der Spieler wieder zum Dirigenten wird. Damit aber schließt sich der Ring. Der Dirigent von heute wird wieder „primus inter pares", der Erste unter Gleichen, wie es sein Vorgänger in früheren Jahrhunderten war.
1l696 42.11 0,1» 3,053 54-11 47- 'Ä ll.lj 135,23 13,11 0,713 5,6b8 61-3
’IÄ 62.-;
57.Z 2L$ 8-711
Stadttheater erfreuen. Näheres ist aus der morgigen Anzeige ersichtlich.
AG -Beratungsstellen.
Die Sprechstunden der Ortsgruppe Gießen» O ft finden statt: am 1. und 3. Freitag jeden Monats von 20 bis 21 Uhr auf der Geschäftsstelle, Kaiserallee 141.
Regelung der Arbeitszeit zu Weihnachten.
an dem diesjährigen Weihnachts- und Neu-
Zeitschristen.
— Fast ein Drittel unseres Volkes lebt in Gemeinden von weniger als 2000 Einwohnern. Wenn auch diese Gemeinden im Ernstfälle nicht in dem gleichen Maße den Luftangriffen ausgesetzt sein werden, wie Großstädte und Industriegebiete, so darf doch die Bedeutung des Luttschußes für btr Kleinstadt nicht unterschätzt werden. Hiermit beschäftigt sich das neue Heft der „S i r e n e", der illustrierten Zeitschrift mit den Mitteilungen des Reichsluftschutzbundes, in einem großen interessanten Bildbericht.
Verursachung sollte zur Last gelegt werden können. Wenn das Fehlen einer Bestreuung, zu der der Beklagte verpflichtet war, eine Ursache des Unfalls gewesen ist, dann haftet der Beklagte nach § 823 Abs. 1 BGB für die Folgen des Unfalls, sofern nur der ursächliche Zusammenhang nach allgemeiner menschlicher Erfahrung erkennbar war.
Wenn das Berufungsgericht meint, der Kläger habe „in einer ihm voll zuzurechnenden Weife" den ursächlichen Zusammenhang zwischen der Unterlassung des Sandstreuens auf dem Uebergangsstreifen
ist nicht leicht, und es dauert lange, bis ein Holzschuh ganz fertig ist. Es ist schön, den Holzpantoffelschnitzern bei ihrer Arbeit zuzusehen, denn sie gehen mit großer Geschicklichkeit zu Werke.
Im Übrigen sind auch die beiden Holzpantoffelschnitzer, wie viele Einwohner des Dorfes Angersbach, V o g e l l i e b h a b e r , die es sich zur Aufgabe machen, Dompfaffen (sie heißen auch Gimpel oder Blutfinken) so abzurichten, daß sie kurze Volksliedmelodien („Ueb immer treu und Redlichkeit", „Mit dem Pfeil dem Bogen" usw.) nachzupfeifen vermögen. Auf diese Vogelliebhaberei der Einwohner von Angersbach und der Dörfer der Umgebung kommen wir in einer besonderen Abhandlung demnächst in einer Nummer der „Heimat im Bild" ausführlich zu sprechen.
Fahrt eines Schiffes, das in diesen Tagrn England verläßt, wird mit Spannung von über 4000 englischen Untertanen verfolgt werden: es ist das Weihnachtsschiff für zwei einsame Inseln im Süd-Atlantik, St. Helena und Ascension. Ein Londoner Postbeamter las bei der Verladung der Pakete die Anschrift: „Langwood Villa. St. Helena. Süd- Atlantik ... Ich wünschte, ich könnte mit. Und doch möchte ich glauben, daß die Leute dort draußen wünschten, daß sie lieber hier wären." Es lind
Halbfertige und fertige Holzpantoffel.
(Aufnahmen |2|: Neuner, Gießener Anzeiger.)
frr Skier auf handwerkliche Art herstellt, so trifft ran in Angersbach bei Lauterbach noch man= den Bauern und Kleinlandwirt, meist ältere Leute, le sich durch Holzschnitzarbeit einen Nebenverdienst v-rschaffen, der um so notwendiger ist, als ja der koden unseres Vogelsberges nicht viel hergibt.
Aber es gibt in Angersbach auch eine Familie, V? Familie Heinr. Adam $örr, in der sich Va- tr und Sohn das Schnitze von Holzpantoffeln
räumen stehen. Diese Holzschuhe werden aus ganz frischem, noch saftfeuchtem Birkenholz geschnitzt. Holz in trockenem Zustande ließe sich kaum verarbeiten. Nachdem die grobe Fi
block herausgeschnitten ist, gehen die Holzpantinenschnitzer mit löffelartigen Messern an das Holz und holen damit den Schlupf heraus. Dir Arbeit
abstumpfenden Stoffen zu bestreuen.
Im allgemeinen ist es auch richtig, daß, wenn jemand infolge von Glätte fällt, die Glätte der Unfallstelle die Ursache des Sturzes ist, ober, umgekehrt gesagt, im allgemeinen ist das Fehlen einer Bestreuung an einer Stelle nicht die Ursache dafür, daß jemand an einer anderen Stelle ausgleitet. Aber wenn zu dem Fehlen einer Bestreuung an der einen Stelle noch ein weiterer Umstand hinzu- kommt, so kann dadurch der ursächliche Zusammenhang mit dem Ausgleiten an anderer Stelle her- gestellt werden
In diesem Zusammenhang sind folgende Ausführungen des Reichsgerichts in seiner Entscheidung VI 149/36 vom 14 September 1936 von allgemeinem Interesse:
Wenn das Berufungsgericht sagt, das Unterbleiben der Bestreuung sei nicht die unmittelbare Ursache des Unfalls gewesen, so ist nicht ersichtlich, weshalb dem Beklagten nur eine unmittelbare
jahrsfest mehrere Feiertage auf Wochentage fallen und der Verdienst vieler schaffender Volksgenossen durch Kürzung der Arbeitszeit empfindlich aeschmä- lert wird, hat der Reichs- und Preußische Arbeitsminister angeordnet, daß die in den Weihnachtswochen vom 21. Dezember bis einschließlich 2. Januar 1937 an einem Werktag ausfallende^ Arbeitsstunden, sowie ein weiterer Werktag als Ersatz für den durch die Weihnachtsfeiertage eintretenden Ver- dienstausfall an Werktagen der Monate Dezember 1936 und Januar 1937 vor- ober nachgearbeitet werben bürfen. Eine gesetzliche Verpflichtung zur Zahlung eines Mehraroeitszuschlags für bie burch bie Ausnahme herbeigeführte Verschiebung ber Arbeitszeit besteht nicht. Entsprechendes gilt für die Verpflichtung zur Zahlung eines Lohnzuschlags auf Grund der übrigen Bestimmungen von Tarifordnungen ober Betriebsordnungen.
5PD Mit dem Nahen des Winters drohen regel- migio . ine Reihe von Unfällen, die auf den der Men Witterung eigentümlichen Gefahren beruhen. Dli zur Begegnung dieser Gefahren notwendigen U ßnahmen sind keineswegs auf Hausbesitzer be= V) äntt. Bei dem mehr und mehr zunehmenden und eut) im Winter anhaltenden Verkehr bildet eine tebnbere Gefahrenquelle bie Straße schlechthin. Ge- vchnlich wird für Unfälle bieser Art ber Eigen- tumer bes Grunbes bzw. ber Unterhalter ber Straße . in vielen Fällen also Staat unb ©emeinbe gatbar fein.
Es steht in ber Rechtsprechung bes Reichsgerichts, vi bem Reichsgerichtsbienst bes DNB. zu ent- reimen ist, fest, baß berjenige, ber auf ihm ge- fyrtmben Grund und Boden einen Verkehr eröffnet dort im Rahmen des Zumutbaren auch für bif Sicherheit des Verkehrs sorgen muß. Diese Ver- kllrssicherungspflichl erstreckt sich auch auf öffent- lch Straßen und umfaßt die Verpflichtung, inner- hüb geschlossener Ortschaften bei Winterglatte in
Heinrich Adam Dörr, einer der Holzpantinenschnitzer von Angersbach, am Schnitzbock. Aufmerksam folgt das Enkelkind der Arbeit des Opas.
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ijmmel unb ß). Notiert ht in Mart: 41 bis 43), (28 bis 33), (41 bis 44), Är a) 56 «55), c) 36 >0). Hammel (40 bis 44), bis 32 (- , bl) 56 (56), fluen gl) 56 eine wurden und Schafe chafe.
nd Fett. I Rindfleisch, t, 48 ganze den pro 50 > 80, b) 69. a) 77, b) 65, i) 107, b) 96, -chweinesleisch 7 Zentimeter L
Oer Dirigent einst und jetzt.
Von Dr. Erwin Kroll.
llls am 18. Juni 1821 die Oper „Der Freischütz" tn Berliner Königlichen Schauspielhause unter Hung des Komponisten uraufgefuhrt wurde, las Ben auf bem Theaterzettel wohl, baß Carl Ma- iic D. Weber bie Musik dieses Werkes ge- shiffen habe, wer aber an biefem benkwurdigen fenb ben Taktstock führte, war nicht bekannt ge° «ten. Vierunbvierzig Jahre später, am 10. Juni 18(5, erklang in München Wagners „Tristan im ersten Male, unb roieber war ber Name des Dirigenten auf bem Zettel verschwiegen. Er hieß tamal Hans v. Bülow.
Leber — Bülow: biefe beiben Namen spielen über Geschichte bes Dirigententums eine wichtige k!l_le. Denn mit Weber beginnt bas Dirigieren im üöernem Sinne, unb Bülow hat es zu einer eige- Ten Kunst erhoben. Diese Kunst war in früheren ^rhunberten unbekannt. Das Mittelalter zumal tiii ben oorroiegenb gleichberechtigten Zahlzeiten für er Musik begnügte sich mit Taktschlagen. Dieses lurbe von einem Der Mitwirkenben, einem San- kn ober Spieler, mit einem Stocke ober ber Notfälle, ferner auch burch Klatschen ber Hande t)ir Aufschlagen bes Fußes ausgeubt. Der berühmte bleftrina in Rom taktierte mit einem golbe- rer Stabe. Später hielt in Oper unb Konzert mei- ks der Cembalist das Ganze Zusammen. Man laße daneben aber noch einen £aftfd)Iager, der k einem Stocke, einer Rolle, an manchen Orten 'lb r auch mit dem Schnupftuch ober mit einem Wlagenben Schlüssel Zeichen gab Bei franzost- fom Opernaufführungen war es Sitte, rnit em.m boeren Stocke ben Takt auf ben Fußboden zu ken, und Lully soll an den Folgen einer da- inef) verursachten Fußverletzung gejtorben sein, lürigens spottete man schon.damals über eine Vq geräuschvolle „Holzhackerei . 3n Deutschland W Italien war für Oper und Konzert der Cem- liljt der bevorzugte Dirigent, während das -taFb hingen mehr bei Choraufführungen, insbesondere v Der Kirche, geübt wurde.
Kon B a ch wird berichtet, daß er, .vorgeigend taktierend, seine dreißig oder gar vierzig Mu- Itftr bald durch einen Wink von Hand oder Fm- h bald durch Aufstampfen mit dem Fuß zusam- ieihielt. Er gab jedem Sänger nach Bedarf den toi an, bemerkte selbst „im lautesten Getön der ammenroirfenben", ob etwas nicht stimmte, Inagte überall vor unb stellte bie Sicherheit wieder
In verschiedenen Dörfern des Vogelsberges ist Uich manches altväterliche Gewerbe zu Hause. Sind ,s jn K ö d d t n g e n, in Helpershain und in stebgeshain usw. die Rechenmacher und Löffel- schnitzer, ist es in Breungeshain der alte Mahr,
Seite zu stellen. Persönlichkeiten wie der warmblütige, genial improvisierende Artur N i k i s ch , der elegante Felix v. Weingartner, der fanatisch sachliche Wagnerapostel Carl Muck vollendeten die moderne Dirigentengestalt.
Heute ist eine Opern oder Konzertaufführung nicht denkbar, ohne daß der Name dessen, der sie leitet, gedruckt, gelesen und gepriesen wird. Ja, man streitet sich geradezu über die Auffassungen der „Generalmusikdirektoren", die über dem Orchester den Stab führen. (Dieser Stad ist ein winziges Stäbchen geworden, und auch auf dieses verzichtet man manchmal.) Man spricht von einem „Tristan" Furtwänglers oder Toscaninis, von einem „Parsifal" Mucks oder Richard St r a u - ß e n s. Von Wagner aber ist weniger die Rede Dabei. Die Wiedergabe gilt immer noch mehr als das Werk, und hier wirkt die Ueberberoertung weiter, die der Virtuose im vergangenen Jahrhundert genoß.
Geht aber Liszts Forderung, daß der Dirigent sich „augenscheinlich überflüssig machen solle", nicht auf das unsichtbare Orchester und den verdunkelten Konzertsaal hinaus9 Bedeutende Kenner ber Musik, wie z. B. Paul M a r s o p , haben beibes immer roieber geforbert. Ohne Erfolg! Die Hörerschaft ist heute weniger berm je fähig, bas Klangergebnis einer Musik lebiglich mit bem inneren Ohre aufzunehmen unb auf bie Schauwirkung bes Dirigenten zu verzichten. Sie will auch burch bas Auge spüren, wie ber Strom ber Musik vom Dirigenten über bas Orchester zu ihr bringt. So muß ber Dirigent etwas vom Tänzer in sich haben: benn erst durch die seelisch-körperliche Verdeutlichung seines Mu- sikerlebnisies scheint er zu bannender Massenwir- kung zu kommen. Freilich darf durch solches Tän- zertum das Werk nicht gefährdet werden. Wo der Dirigent es zum Spielball eigener Eitelkeit macht, wo er auf Kosten der Musik sich selbst in Szene setzt, da hat er vor dem Richterstuhl ernster Kunst „versungen und vertan".
Persönlich durchglüht» Sachlichkeit — sie ist die Tugend, die wir heute von unseren Stabführern verlangen. Es bleiben noch genug Spielarten: der handwerklich mufikantisch eingestellte Orchestererzie- her, der geistig ethisch gerichtete Theoretiker, der romantische Ekstatiker, der Fanatiker neuer Sachlichkeit, der gewissenhafte Routinier usw. Wir begegnen ihnen in Deutschland immer roieber; benn nirgends ist bie Zahl der Orchester so groß wie bei uns, nirgends gibt es fo viele berufene Orchesterführer. Die Liste der Namen ist unübersehbar. Wilhelm Furtwängler, Hermann Abenbroth, Karl
her, wenn es irgendwo schwankte. Dabei saß ihm, sagt ein Augenzeuge, „ber Rhythmus in allen ©fiebern". Haben wir hier schon ben Einbruck mo- bernen Dirigierens, so war sonst bie Doppelbirektion von Cembalist unb „Konzertmeister" an ber ersten Geige noch bis 1800 gang unb gäbe, unb man stritt sich herum, wem babei ber Vorrang gebühre. Haybn, ber sonst vom ersten Geigenpulte aus zu birigieren pflegte, faß in Lonbon am Flügel, unb bie eigentliche Leitung hatte fein Konzertmeister. Noch 1834 erlebte Otto Nicolai, ber als Grünber ber Philharmonischen Konzerte in Wien ein Bahnbrecher modernen Dirigierens war, in Italien ein Orchester, das ohne Dirigenten spielte, wobei der Konzertmeister mit den Füßen den Takt donnerte.
Eine neue Zeit für das Dirigieren brach an, als zu Anfang des neunzehnten Jahrhunderts das füllende und zufammenhaltende Cembalo aus bem Orchester verschwanb, als mit ben immer schwieriger roerbenben Partituren auch ber geigenbe Konzertmeister immer ausschließlicher an seine Noten gefesselt würbe, als bie Komponisten ihre Werke immer seltener persönlich leiteten. Jetzt würbe bas Dirigieren ein eigener Beruf, unb ber Taktstock errang sich bie unumschränkte Herrschaft. 1814 führte ihn W e b e r in Prag ein, 1819 schwang ihn Spohr vor ben erstaunten ßonbonern, unb Spontini, ber erste „Generalmusikbirektor" gebrauchte in Berlin abwechselnb brei Stöcke, einen langen unb einen kurzen bie er nicht am Enbe, fonbern in ber Mitte hielt. Als mit ber herrlich auf- blühenben musikalischen Romantik sich bie Ausdrucksmöglichkeiten der Musik gewaltig vergrößerten, wurde auch die Zeichengebung ber Dirigenten mannigfaltiger unb freier. Liszt, ber im Gegensatz zu dem eiligen und eleganten Taktschläger Mendelssohn eine mehr auf den inneren Sinn der Tondichtung gehende, frei nachzeichnende Dirigierart ausbildete, sprach das Wort: „Wir sind Steuerleute und keine Ruderknechte", fügte allerdings hinzu, daß es bie vornehmste Pflicht bes Dirigenten fei, „sich augenscheinlich überflüssig zu machen." Auch bei dem Dirigenten Wagner herrschte „nicht der Taktstock, sondern die Phrase", und Wagner ist es auch gewesen, der, an Weber anknüpfend, den Aufgabenkreis des Kapellmeisters gewaltig erweitert hat. Schöpfer und Zuchtmeitter des modernen Orchesters wurde fein Schüler Hans v. Bülow durch feine Arbeit mit den „Meiningern" und dem Berliner Philharmonischen Orchester. Was Probenwut und Treue gegen das Kunstwerk angeht, darin ist ihm von den heute lebenden Dirigenten nur der Italiener Toscanini an die
Bornotizen.
Tageskalender für Freitag.
NS.-Frauenschaft, Ortsgruppe Gießen-Mitte, 20.15 Uhr, Ortsgruppenabend im „Haus der Arbeit", Lichtbildervortrag von Prof. Funk über „Bilder aus der deutschen Heimat". — Stadttheater, 20 bis 22 Uhr: „Ingeborg". — Gloria-Palast, «Selters» roea*: „Das Mädchen Irene". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Donner, Blitz und Sonnenschein". — Fröbelseminar Gießen, 20 Uhr, Vortrag (zur Schau „Auf ins Märchenland") über „Märchen und Sage in der nationalsozialistischen Erziehung" im Zeichensaal der Schillerschule. — Biblische Woche der Luthergemeinde: 20 Uhr, Vortrag von Pfarrer Steck (Frankfurt) über „Richtet nicht" in der Kapelle des Alten Friedhofs.
Stadttheater Gießen.
Heute abend geht die Komödie „Ingeborg" von Curt Goetz, dem geistvollen Plauderer und Autor unterhaltsamer Konversations-Stücke, in Szene. Die Spielleitung führt Wolfgang Kühne. Mitwirkende: Damen: Prinz, Stirl; Herren: Frickhoeffer, v. Gschmeidler, Lindt. Bühnenbild: Karl Löffler. — Anfang 20 Uhr, Ende 22 Uhr. Die Vorstellung findet als 11. Vorstellung der Freitag-Miete statt.
SS.-konzert und kameradschaftsabend.
Am kommenden Sonntag veranstaltet die 83. SS.»
fliinen, Hellen Werkstatt ften sie an ihren Schnitz- irefen und fertigen täg- It) fo manches Paar Holzpantinen an. Dabei if[ es interessant, zu hörn, daß die Holzpantof- ft die z. B. für die Be° whner am Ort bestimmt firö, durchaus „nach Maß" omacht werden. Es han- &t sich also um keine itenbroie schematische Ar- fcit. Nur die Holzschuhe, dl nach außerhalb geüe« fet werben, entsprechen im üblichen Nummernsitem
Die Holzpantoffel sind si beschaffen, daß man frt leichten Hausschuhen Oier weichen Filzpantoffel m ihnen gehen tonn. 2 ' Landbevölkerung trägt
AM
) Prozent.
er 1936 wird er Schweine- j ßt auf 80 ung daran- ur Staus* I tn roat, um \\ vvrzudru- Xibei t)at sich .ngslage m ts soweit Ix egenüber ben für die HE i n dürfen. Bei . ibung gemach!
Betrieben - iastwirtschasten i achten wollen. ■ Bestimmungen | ng zur W iterhalten. Da-1 fierten Nestor« | nehmigung an | n werden. D>e f bei den N6* I liefen sind, An« n mif
It werden, stau lenhang W . er in mgen nicht er« ng hat M ten lassen. M die alten mm n werden kann.
Zaun überwuchert und jede Lücke mit ihrem Laub gefüllt hatte, damals noch sturmtrotzig und wetterhart sich behauptete.
Jetzt saust der Wind ungehemmt von allen Seiten Über den Platz. Die niedrigen, breitkronigen Platanen erinnern in ihrer fast gleichen Größe und Gestalt an kahle Schirmgestelle, deren UeberAug erneuert werden soll. Kein Baum ist aus der Art geschlagen. Keiner hat sich, der Säge und Schere zum Trotz, selbstherrlich über seine Umgebung erhoben, sondern jeder lernte sich bescheiden und vorliebnehmen mit dem ihm zugebilligten Raum. Die Enge zwang das ausschweifende Astwerk, in Stam- mesnähe zu bleiben und in dichtem Beieinander feine Kräfte au sammeln. So wuchs aus der Beschränkung jeoes Baumes ein gedrängtes Wipfel- gefüge und aus deren Gemeinschaft die Stärke und Widerstandsfähigkeit des sommerlichen Laubdaches.
Rechen und Besen haben die letzten verwitterten Blätter und Früchte von der Erde fortgefegt, und der Frost hat den weichen Sand, der immer ein Spurengewimmel großer und kleiner Tritte breiter und zierlicher Füße, trug, hart und unnachgiebig wie eine Asphaltdecke gemacht. Vereinzelt sind noch schwache Eindrücke einer Sohlenlinie, einer Absatzform zu erkennen. Aber daß Tausende an Frühlingsabenden und in Sommernächten hier gingen und um kleine Tische geschart vergnügt plauderten, verrät sich keinem noch so scharfen Blick. Verweht sind wie das Laub die Spuren. Auseinandergeweht sind vielleicht auch viele Menschen, die hier noch nebeneinanderschritten ober Seite an Seite saßen und mit lieben Worten und zärtlichen Blicken einander beglückten. Junge Menschen und betagte, solche die ein heißes Herz voll Hoffnungen und Wünsche hatten und kühne Pläne schmiedeten und solche, die dankbar festhielten, was sie besaßen und nur das eine von der Zukunft wollten, sie möge sie vor jähem Mißgeschick bewahren. Manche Schritte sind sich hier zum ersten Mal begegnet und gehen seitdem ihren Lebensweg gemeinsam. Wieviel einsame Menschen warteten aber auch an heißen Sommermittagen, jeder für sich allein an einem Tisch darauf, daß sich ein anderer zu ihnen setze und ihnen die Schwermut des Herzens verplaudern helfe. Einige lasen zerstreut in einem Buch, andere zeichneten mit der Zwinge ihres Stockes oder Schirms runenhafte Kringel und einander kreuzende Stäbe in den Sand, die von den dunklen Wirrnissen eines versehnten Herzens erzählten. Alles ist verweht: die lauten Worte wie die heimlichsten Gedanken, die nie offenbar wurden, die leuchtenden Blicke, die sich an den Augen eines geliebten Gefährten entzündeten, wie die trüben und trauervollen, denen die eine Freude versagt blieb, die allein sie hätte aufhellen können. Alles ist verweht: der holde Singsang spielender Kinder an sonnigen Nachmittagen, wie das frohe Gelächter der Erwachsenen.
Tiefer senkt sich der eintönig graue Himmel, und die Nebel hängen wie riesige Spinnenweben im starren Geäst. P. B.
ist schon lange her, daß die Tische und Stühle Ausammengeklappt und in ihre Winterquartiere geschafft wurden. Da konnte man zuerst an eineit ausgeräumten Saal denken, zumal die Hecke, die den


