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h"ben wird. Die Verschiebungen finden vielmehr innerhalb der rechten und der linken Hälfte des Abgeordnetenhauses statt.

Wahlsieges

und SlichwahlkaM baten.

Paris, 27. April. (DNB.) Der ehemalige Poli­zeipräsident und gegenwärtige Präsident des Stadt­rates von Paris Chiappe ist in Corsica mit ge­ringer Mehrheit, aber im ersten Wahlgang zum Abgeordneten gewählt worden. Unter den wieder­gewählten Abgeordneten sind zu erwähnen der Vorsitzende des Finanzausschusses der Kammer M a l v y , der Landwirtschaftsminister Thiel- I i er, der führende sozialistische Abgeordnete Vin­ce n t - A u r i o l, die kommunistischen Abgeord­neten Thorez, Peri, und Jean. Der Kammer­präsident B o u i s s o n muß sich dagegen einer Stichwahl stellen. Dor vier Jahren hatte Bouisson von rund 14 000 Stimmen über 11000 Stimmen erhalten, während sein kommunistischer Gegenspieler sich mit 2000 Stimmen begnügen mußte. In die­sem Jahre ist das Verhältnis 8248 zu 7564. Der ewige Deutschenhasser Franklin-Bouillon steht in Stichwahl, desgleichen Bergery, der während des letzten Tagungsabschnittes auf sein Mandat verzichtet hatte. Von den Mitgliedern der Regierung steht der Minister Stern in Stichwahl, während der Handelsmarineminister Chappede- l a i n e wiedergewählt worden ist.

In Paris wurde der bekannte rechtsstehende Ab­geordnete Dommange im ersten Wahlgang wiedergewählt. Dommange ist bei der Aussprache über die sogenannten Bünde in der Kammer sehr scharf gegen die Freimaurer aufgetreten. Der rechts­gerichtete Abgeordnete T a i t t i n g e r kommt in die Stichwahl. Wiedergewählt wurden ferner der Unterstaatssekretär im Innenministerium B e a u -

g i t t e und der Pensionsminister Besse, ferner Außenminister F l a n d i n. Unter den Gewählten sind weiter zu erwähnen der kriegsblinde rechts­gerichtete Abgeordnete S c z a p i n i, der rechts­gerichtete Abgeordnete de Lasteyrie und der als guter Redner bekannte Abgeordnete der Mitte Laurent. Der ehemalige Finanzminister Paul R e y n a u d , einer der führenden Minister der ehemaligen Tardieu-Gruppe, der jedoch zum Schluß der Legislaturperiode eine Linksschwenkung var- nahm, und mehr oder weniger offenkundig für die Frankenabwertung eintrat, kommt in die Stich­wahl.

Der Führer der Sozialisten Leon Blum und sein Fraktionskollege Monet sind wiedergewählt. Der bekannte Hauptschriftleiter desEcho de Pa­ris" Henry de Kerillis, der bei der letzten Wahl durchgefallen war, ist in Paris gewählt worden.

An bekannten Persönlichkeiten wurden ferner wiedergewählt der radikalsozialistische Handelsmi­nister Bonnet, der Vorsitzende der Radikalsozia­listischen Bartei D a l a d i e r, der 700 Stimmen mehr als die absolute Mehrheit erhielt, der Arbeits­minister Frossard und der Poftminister Man­del, der bisherige Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, der Radikalsozialist B a st i d , sowie der Vorsitzende des rechtsgerichteten nationalen Front­kämpferverbandes Jean G o y , der unabhängige so­zialistische Bürgermeister von Bordeaux, Mar- q u e t, der rechtsstehende ehemalige Kriegsminister Fabry. Der unabhängige Kommunist D o r i o t kam in die Stichwahl. Kriegsmarineminister Piötri, sowie der bekannte rechtsgerichtete Ab­geordnete Pbarnegarey wurden im ersten Wahlgang gewählt. Von den Mitgliedern des Kabi­netts wurde der größte Teil im ersten Wahlgang gewählt, die anderen stehen in der Stichwahl in aussichtsreicher Stellung und dürften ebenfalls wie­dergewählt werden.

Die Wahlergebnisse in Llsaß-Lothrmgen.

Straßburg, 27. April. (DRV.) In den 25 konnte. Im heftig umstrittenen oberelsässischen Wahlkreisen des G r e n z l a n d e s E l s a ß - L o t h- Kreis Colmar fehlten dem bisherigen Abgeord- ringen find im ersten Wahlgang bereits 11 Der- neten, dem katholischen Autonomisten Rosse (El- treter für die neue französische Kammer gewählt sässische Dolkspartei) knapp 200 Stimmen, um schon worden, je vier im Unterelsaß und in Lothringen, im ersten Wahlgang über vier Gegner von rechts drei in Oberelsaß. Bemerkenswert ist, daß sie und links gewählt zu sein. Mit rund 1040 Stim- . _ . - ,, men ließ er feinen Hauptgegner, den Sozialisten

sämtlich -nlsch.eden- Gegner bes Ruffmpatfes Richard (5950 Stimmen) roeit zurück. 3t o 11 e unb der marxistischen Volksfront ist jn der Pariser Kammer als Wortführer des

sind. Einen großen Erfolg verzeichnet vor allem elfaß - lothringischen Wider st andes gegen die Elsässische'Volkspartei,'die bereits sechs Man- den französisch-sowjetrussischen Pakt date erlangen konnte. Sie hatte ihre Wahlpropa- aufgetreten. Der Sozialist Georges Weill, der ganda völlig auf das Bekenntnis zur deutsch- dagegen bei der Abstimmung der französischen französischen Verständigung und auf Kammer über den Rusfenpakt als einziger Dertre- die Verteidigung der Heimatrechte ter des Elsaß für die Annahme einaetreten war, (Schutz des Volkstums, elsaß-lothringische Sonder- konnte im Kreise Straßburg-Stadt I in aus» Verwaltung) abgestellt. Jn Lothringen ist beachtlich, sichtslose Stichwahl gedrängt werden. Auch daß im Grenzkreis F o r b a ch der in der Saar- ein anderer Deutschenfeind, der frühere kampfzeit als Verteidiger der Pariser Status-quo- Unterstaatssekretär Oberkirch, wird seinen Ab- Politik bekannt gewordene Abgeordnete D o e b l 6 geordnetensitz im Kreise Schlettstadt nicht mehr sein Mandat an einen Katholiken verlor, der neben retten können.

Doeble auch zwei andere Linksradikale schlagen --------

Das Echo in bet pariser Morsenpresse.

Paris, 27. April. (DNB. Funkspruch.) Die Pariser Montagspresse steht im Zeichen der Kam­merwahlen und unterstreicht einstimmig den ruhi­gen Verlauf des ersten Wahlsonntags, sowie die große Wahlbeteiligung. Die unerwar­tet starke Zunahme der kommunisti­schen Stimmen veranlaßt die rechtsstehende Presse zu einem letzten Aufruf zur Disziplin an die nationaldenkenden Wähler, um dem Vormarsch der Volksfront in ganzen Lande den Weg zu ver- fperren.

Die Schlacht sei noch nicht beendet, schreibt das Echo de Pari s", erst am kommenden Sonntag sei der entscheidende Tag. Den Gegnern der Volks­front bleiben noch sieben Kampftage übrig. Diszi­plin heiße die Losung. Die Entschlüsse des ersten Wahlganges müßten nunmehr angesichts des ge­meinsamen Feindes in den Hintergrund treten.

Auch derA m i du P e u p l e" fordert restlos Disziplin der nationalgesinnten Wähler.

Frankreich befinde sich auf einem absteigenden Weg, der zu den schlimmsten Abenteuern, zu jenen spanischen Meutereien oder zur Mos­kauer Diktatur führe.

Die Volksfront stehe am Vorabend eines eindrucks­vollen Wahlsieges. Alle Stichwahlen ständen gün­stig für sie und die besten Pariser Wahl­bezirke seien verseucht.

DerJour", der gleichfalls auf die Erfolge der Kommunisten hinweist, tröstet sich nur damit, daß der Stimmenzuwachs, den die Dritte Internatio­nale erfahren habe, zum größten Teil a u f Kosten der Radtkaljozialisten und der Sozialisten gegangen sei. Der endgültige Aus­gang der Wahlen werde davon abhängen, ob diese beiden Parteien in der Stichwahl die Disziplin der Volksfront wahren.

DerMatin" teilt diese Auffassung und bezeich­net die Sozialisten als die Besiegten des er st en Wahlganges Das Blatt gibt ein bisher unbestätigtes Gerücht wieder, wonach

der ehemalige Ministerpräsident H e r r i o l sich mit der Absicht trage, seine Kandida­tur zurückzuziehen.

Er wolle angeblich vermeiden, sich um die Stimmen der Sozialisten zu bewerben, mit deren Hilfe er allein Aussicht hätte, den Gegenkandidaten der Re­publikanischen Vereinigung zu schlagen.

DasI o u r n a l" stellt als einziges Blatt Be­rechnungen für die künftige Zusammensetzung der Volksfront in der Kammer an. Danach würden die Kommunisten über etwa 40 Sitze verfügen, die So­zialisten über 110 und die Radikalsozialisten über 150. Das Blatt fordert, wie alle rechtsstehenden Blätter, die nationalen Parteien zur äußersten Disziplin auf.

DerPetit Parlsien" befaßt sich ein­gehend mit der Wiederwahl des Außenmini­sters F l a n d i n. Dieser Sieg sei für ihn der beste Ansporn, sein bisheriges Werk fortzu­sehen. (Er gebe ihm außerdem eine erhöhte Autorität für die Verteidigung der französischen Interessen.

Auch ,,L' Ordre" warnt vor dem Anwachsen der revolutionären Parteien. Die Kammer müsse jenen großen nationalen Zusammenschluß voll­ziehen, der allein geeignet sei, die kommunistische Gefahr zu bannen.

Das radikalsozialistischeOeuvr e" erwartet für

den kommenden Sonntag einen entscheidenden Sieg der Linken. Es sei zu hoffen, daß die Kommunisten der Volksfront treu bleiben und im zweiten Wahl­gang zugunsten der meist begünstigten Kandidaten verzichten werden.

Der sozialistischeP o p u l a i r e" ist nicht be­geistert und übt vorläufig noch starke Zurückhal­tung. Es sei schwer, schon jetzt ein Urteil abzugeben. Man könne jedoch feftfteÜen daß die Sozialisten etwa ihre Stellung von 1932 behaupten, was schon als ein Sieg anzusprechen sei, wenn man die Ab­splitterung von etwa 30 Neu-Sozialisten berücksich­tige, deren Einfluß nicht unterschätzt werden dürfe.

Hingegen zeigt sich die kommunistischeHuma- n i t 6" sehr befriedigt und schreibt,

die kommunisier der Dritten Internationale würden ihre Stimmen gegenüber der letzten Wahl verdoppeln. Eine kommunistische Sturz­welle gehe über Frankreich hinweg.

Der kommunistische Senator Cachin weist darauf hin, daß die Kommunisten beim zweiten Wahlgang überall die Wahl jener Radikalsozialisten und So­zialisten unterstützen würden, die sich in aussichts­reicher Stellung befänden

König Fuad lebt noch.

Kairo, 25. April. (DNB.) Die Meldung über das Ableben des Königs Fuads, die heute morgen in Kairo verbreitet war, stellt sich erfreu­licherweise als ein Irrtum heraus. Leider be­stätigt es sich aber, daß der Zustand des Königs j e h r ernst ist. Im Laufe der vergangenen Nacht wurde nach starkem Bluterguß eine Blutrans- f u f i o n vorgenommen.

Die irrtümliche Meldung war in den frühen Morgenstunden in ganz Kairo verbreitet. Die Nach­richt, die in glaubwürdiger Weise von der Re­sidenz ausgegeben worden war, hatte zur Folge, daß bereits eine Reihe öffentlicher und pri­vater Gebäude Halbmast geflaggt hatte. Als nach einigen Stunden bekannt wurde, .daß der König noch am Leben ist, herrschte unter der Be­völkerung große Freude und Erleichterung.

In Anbetracht der wichtigen Rolle, die der Thron im politischen Leben Aegyptens spielt, kommt der Erkrankung König Fuads erhebliche Bedeutung zu.

Gedenkfeier

des britischen OarbaneNenlorps

London, 26. April. (DNB.) Die Wiederkehr des Tages der Landung britischer Trup­pen an den Dardanellen wurde in einer Reihe englischer Städte feierlich begangen.

Nachdem am Freitag auf einem Festessen ehe­maliger Dardanellenkämpfer General Jan Hamil­ton, der an den Dardanellen das Oberkommando über die britischen Truppen führte, die Türken als Gentlemen" gefeiert hatte, deren militärische Lei­stungen höchstes Lob verdienten, legte er am Sonn­tag am Denkmal Lord Kitcheners einen Kranz nieder. Kitchener, so erklärte Hamilton, sei ein Genie gewesen, der sich um die britische Armee die höch­sten Verdienste erworben habe. Nach ihm legten auch die ehemaligen Kommandeure der übrigen Divisionen Kränze nieder.

Die Ueberlebenden von Kut-el-Amara hiel­ten vor dem Kitchener-Denkmal einen Feldgottes­dienst ab und legten am Denkmal für den Unbe­kannten Soldaten einen Kranz nieder.

Oer Marxistenterror in Spanien.

Zahlreiche neue Gewaltakte./SeringesIntereffe an der Vertrauensmännerwahl für die Präsidentenwahl.

Madrid, 26. April. (DNB.) Die Beteiligung an der Wahl der Vertrauensleute für die am 10. Mai ftattfinbenbe Präsidenten­wahl war in ganz Spanien außerordentlich gering, so daß in vielen Städten so z. B. in Cartagena die Wahllokale infolge Ausblei­bens der Wähler schon in den Mittagsstun­den den Dienst einstellten. Die Frauen zeigten ein besonders geringes Interesse. Die Beteiligung wird auf durchschnittlich etwa 2 5 v. H. geschätzt; nur in einigen Arbeitervierteln stieg der Prozentsatz auf etwa 50 o. H. Da außer der Volksfront nur noch die konservativen Republikaner und auch diese nur an einigen Orten Kandidaten aufgestellt hatten, so kann nirgends von einem Wahlkampf ge­sprochen werden. Die Volksfront ging also, wie nicht anders zu erwarten war, in ganz Spanien als unbestrittener Sieger" hervor.

In der Nacht zum heutigen Sonntag verübten marxistische Elemente in verschiedenen Or­ten Spaniens blutige Anschläge.

Im Sitzungssaal des Rathauses von A r g a n d a explodierte eine Bombe, kurz nachdem der Ge­meinderat zu einer Besprechung zusammengetreten war. Im Innern des Hauses wurde großer Scha­den angerichtet. Ein Stadtrat wurde auf der Stelle getötet, zwei andere wurden schwer und zwei wei­tere leichter verletzt.

In Madrid wurde ein Bäcker, als er seine Wohnung verlieh, aus dem Hinterhalt n i e d e r ge­schossen. Der Ermordete war ein Portugiese und

Mitglied der Katholischen Volksaktion. Sem Be­gleiter, ein Kubaner, erlitt schwere Schußverletzungen.

In Sevilla wurde ein Lehrer der dortigen Handelsschule überfallen und erschossen.

In der Nacht zum Samstag drangen Lmksradl- kale in San Juan de Aznalfarache m die Gemeindekirche ein. Nachdem sämtliche Hei­ligenbilder entfernt worden waren, richteten die M a r x i ft e n das Gotteshaus alsHa u s des Volkes" ein.

Aus den Provinzen werden fortgesetzt neue Verhaftungen von rechtsgerichtsten Personen und Schließungen rechtspolitischer Parteiorganisa­tionen gemeldet. In Ciudad Real ergab sich in einem Prozeß wegen angeblicher Ruhestörung gegen den Faschistenführer der dortigen Provinz die völlige Unschuld des Angeklagten, so daß der Staatsanwalt seine Anklage zurückziehen mußte. Kaum war jedoch die Freilassung erfolgt, als der Faschistenführer auf regierungsamt­lichen Befehl hin erneut in das Gefängnis eingeliefert wurde.

In Vivero ist die katholische Jugendorganisa- tion verboten worden.

In anderen Orten der Provinz wurden zahl­reiche führende Mitglieder der Fa- lange (Faschistenpartei) verhaftet. Im Ge­fängnis von Rorrelavega find bis jetzt bereits 55 rechtsstehende Personen eingeliefert worden. In Dilla Nueva de la Jara wurde die Parteigeschäftsstelle der Katholischen Dolksaktion ohne Angabe von Gründen geschlossen.

OieZukunst -er österreichischenHeimwehr

Starhemberg erklärt, nur über seine Leiche gehe die Abrüstung der Heimwebr.

Wien, 26. April. (DNB.) In einer Heim­wehrkundgebung in Horn erklärte Innen­minister Baar-Bahrenfels, man brauche die Heimwehr, solange die Miliz nicht ausgebaut sei. Im Gegensatz dazu führte Starhemberg gleich zu Beginn seiner Rede aus, daß die Heimwehr nicht daran denke, abzurüsten. Es würde auch in Zukunft eine bewaffnete Heimwehr geben. Nur über feine Leiche gehe d i e Ab­rüstung der Heimwehr. Sehr scharf wandte sich Starhemberg gegen Bestrebungen, den Klassen­kampf und die Parteikorruption wieder aufleben zu lassen. Er warne alle Politiker, die solche Ziele verfolgten, wie hoch sie auch gestellt seien. Die Heimwehr sei bereit, mit allen zu gehen, die den Dollfuß-Kurs zu gehen gewillt seien. Aus­drücklich erklärte er, man versuche, den Dollfuß- Kurs nicht einzuhalten. Seine Angriffe dürften vor allem den Christlich-Sozialen Gewerkschaften Kun­sch a k s und dem Bauernbund R e i t h e r s gegol­ten haben.

Weiter forderte Starhemberg erneut gründliche Reinigung des öffentlichen Lebens von unzuverläs­sigen Personen. Auch die Miliz beanspruchte Starhemberg für sich, indem er sagte, sie habe zwar nicht zu politisieren, sie sei aber das Aus­führungsorgan der Vaterländischen Front und insofern auch politisch Er erklärte, Schuschnigg könne sich auf die T r e u e der

Heimwehr verlassen, aber der Bundes­kanzler solle sie auch einsetzen gegen feine (des Kanzlers) sogenannten Freunde; denn sonst könne es eines Tages geschehen, daß er von ihnen be­seitigt werde

Ausschreitungen von Gchutzkorpöleuten.

Graz, 25. April. (DNB.) In den letzten Tagen ist es hier wiederholt zu Zwischenfällen in den Straßen gekommen. Diese begannen in der Vorstadt St. Peter, wo Heimwehr männer nationalgesinnte Leute mißhandelten.

Am Geburtstag des Deutschen Reichskanzlers wurden von Mitgliedern der Heimwehren und der Sturmscharen die Häuserwände und die Schaufenster der Geschäfte mit Flugblättern beklebt, die heftige Ausfälle gegen den Nationalsozialismus enthielten. Im Verlauf dieser Vorfälle kam es am Ring zu heftigen Tumulten, in deren Verlauf eine Reihe wehrloser Passanten von den demonstrieren­den Angehörigen der Wehrformationen nieder­geschlagen wurden. Die Polizei griff nicht ein. Die Zwischenfälle haben in der Bevöl­kerung starke Erregung und Beunruhigung hervor­gerufen.

Marsch aus Addis Abeba.

Mit 3000 Lastautos unterwegs.

Asmara, 27. April. (Funkspruch des kriegs- berichlerslatters des DNB.) Am Sonntag hat eine riesige aus 3 0 0 0 Lastautos bestehende Kolonne, die sich in den letzten Tagen in D e s s i e versammelte, den Marsch nach Süden angetreten. Die Kolonne wird den (Eingeborenen­abteilungen folgen, die vor einigen lagen aufge­brochen sind und verhältnismäßig rasch marschieren. Die Kraftwagenabteilung ist mit den modernsten technischen Mitteln ausgestattet. Auf vielen Last­wagen sind kleine Tanks aufmontiert.

Flieger über Addis Abeba

Addis Abeba, 27. April. (DNB. Funkspr.) Nachdem bereits am Samstag zwei italie­nische Bombenflugzeuge Addis Abeba nahezu eine Stunde lang überflogen hatten, er­schien am Montag um 8.30 Uhr ein ganzes, aus 30 Flugzeugen bestehendes Geschwader über der Hauptstadt. (Eines der Flugzeuge stieß bis auf 30 Meter herab und zog in dieser geringen Hohe mehrere Kurven über den Dächern der Innen­stadt. Es heißt, daß von den Italienern Flug­blätter abgeworfen worden feien, bisher war es jedoch nicht möglich, derartige Flugblätter auf­zufinden.

Der italienische Heeresbericht.

Rom, 26. April. (DNB.) Marschall Bado- gl io drahtet im Heeresbericht 196:Die Truppen des Generals Graziani haben nach dem Siege von Djanagobo den Vormarsch gegen die be­festigte feindliche Linie von Sasfabaneh wie­der ausgenommen.

An unserer linken Front hat eine motorisierte Kolonne unter Führung bed* Generals Verne am Nachmittag des 23. überraschend Dagamedo eingenommen. Unsere motorisierten Abteilun­gen verfolgten den Feind, der zahlreiche Tote hatte und Hunderte von Gewehren und reichliches Mu­nitionsmaterial zurückließ. Unsere bis jetzt fest­gestellten Verluste belaufen sich auf 20 Gefallene, etwa 50 Verwundete der Heimat- und Eingebore­nentruppen.

Jn der Mitte griff General Frufci in der Morgendämmerung des 24. die mächtigen feind­lichen Stellungen von H a m a n l e i an. Unsere Truppen vertrieben den Feind aus dem Tal des Faf, wobei ihm sehr schwere Verluste zugefügt wurden (mehr als 1000 Tote). Hamanlei wurde eingenommen. Unsere bis jetzt festgestellten Verluste betragen in den Tagen des 24. und 25. April 10 gefallene Offiziere, zwei gefallene Sol­daten, 10 verwundete Offiziere, 9 verwundete Sol­daten und 600 gefallene oder verwundete Ein­geborenen.

Unsere rechte Kolonne unter Führung des Gene­räls A g o st i n i eröffnete am Morgen des 24. einen Angriff auf die befestigten Stellungen von

Gounagado, das um 10.30 Uhr besetzt wurde.

Unsere bis jetzt festgestellten Verluste belaufen sich auf einen gefallenen Offizier, 5 gefallene Sol­daten, 3 verwundete Offiziere, 4 verwundete Unter­offiziere, 30 verwundete Soldaten und 20 verwun­dete Dubats.

Unsere Kolonnen sind bis jetzt mehr als 2 0 0 Kilometer von ihrem Ausgangspunkt aus vorgerückt und setzen ihren Marsch u n wider st ehlich nach Norden fort. Die Luftwaffe tat sich in Bomben- und Erkundungs- filmen hervor. Sieben Flugzeuge wurden ver- schiedenemal getroffen und zwei Piloten verletzt, davon einer durch ein Dum-Dum-Geschoß."

Kronrai in Sofia.

Sofia, 25 April (DNB.) König Boris emp­fing am Samstag um 10 Uhr vormittags sämtliche Mitglieder des Kabinetts mit Ministerpräsident Küsseiwanoff an der Spitze. Während des K r o n r a t e s, der vier Stunden dauerte, berichte­ten die Minister über die bisher in ihrem Ressort geleisteten Abeit und über die Pläne, die sie auszu­führen beabsichtigen.

Nußland und Japan.

Eine Drohung Woroschilows.

Moskau, 26. April. (DNB.) Wie dieTaß* meldet, fand anläßlich der Abberufung des japani­schen Militärattaches beim Moskauer japani­schen Botschafter ein Empfang statt, dem u. a. auch der Kriegskommifsar Woroschilow beiwohnte. In einer Ansprache betonte Botschafter O h t a, daß die Beziehungen zwischen den beiden Ländern von selbst eine Besserung erfahren wüi> den, wenn es gelänge, die wirtschaftlichen Fragen einer Losung zuzuführen. Es gebe zwischen Tokio unb Moskau feine solche Schwierigkeiten, die nicht aus friedlichem Wege beigelegt werden könnten.

Kriegskommissar Woroschilow pflichtete die­ser Auffassung bei, betonte aber, daß die Grenz- zwischenfälle, deren Zahl sich ständig mehre, ein bedrohliches Moment in den Beziehungen der beiden Länder zueinander schafften. Mitglieder der Roten Armee ober Sowjetgrenzbeamte seien, wie Woroschilow behauptete, niemals an der Entstehung dieser Zwischenfälle schuld gewesen. Deshalb fabe die Sowjetregierung das Recht, die Erwar­tung auszusprechen, daß Japan endlich alles tun werde, um dieser unhaltbaren Lage ein Ende zu bereiten. Denn dieFriedenspolitik und die Nach­giebigkeit" Sowjetrußlands dürften nicht als Schwäche ausgelegt werden. (!)